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Die Schlacht bei Tannenberg

26. - 30. August 1914

Das Gefecht bei Waplitz, 28. August

Die 41. Infanteriedivision hatte am 27.

August abends mit 9 ¼ Bataillonen, 2
Eskatrons und 13 Batterien 

(1)

in der 5

km   breiten   Frontlinie   Januschkau   -

Albrechtsau  -  Südende Mühlensee  halt

gemacht.   Aus   Rodau   war   schwacher

Feind   vertrieben   worden.   Bei

Adamsheide   war   der   Stab   des

Feldartillerieregiments   79   bei   einem

Erkundungsritt  in  der Dämmerung  von

russischen   Posten   angeschossen

worden.

 

Ein

 

Zug

 

des

Infanterieregiments   59   unter   Leutnant

von   Seydlitz-Kurzbach   durchkämmte

die Gegend und vertrieb sie. Dies wurde

beim   Divisionsstab   zunächst   nicht

bekannt.

Bei der Nähe des Feindes wurde in der

vorderen   Linie   der   ausgedehnten

Stellung   geschanzt.   Erst   spät   in   der

Nacht kam  die Truppe knapp  verpflegt

und todmüde zur Ruhe. Als um  23:30

Uhr  der   Korpsbefehl   für   den   nächsten

Tag (28. August)  eintraf, war sich  der

Divisionskommandeur,   Generalmajor

Sontag,   der   Schwierigkeiten   und

Gefahren  des   ihm   befohlenen   Auftrags

voll   bewusst.   Da   er   seine   Bedenken

schon   nachmittags   zur   Sprache

gebracht hatte, sah er von nochmaliger

Vorstellung ab. Zeit war nicht mehr zu verlieren. Er hoffte, dass das kühne Unternehmen trotz allem gelingen

werde.   Der   Generalstabsoffizier   der   Division,   Major   Weniger,   schreibt:   "Das   Ignorieren   des   im   Osten

vermuteten Feindes war zweifellos möglich, solange es dunkel war, also bis 04:00 Uhr morgens. Der Erfolg

hing zunächst lediglich davon ab, ob ein Überrennen des sich dem  Vormarsch  entgegenstellenden Feindes

möglich war. Dieser wurde bei Waplitz vermutet, denn es war unwahrscheinlich, dass die Russen dieses große

Geländevorteile bietende Defilee nicht sperren würden. Jede Erkundung, jede Vorbereitung hätte Zeit gekostet

und  damit  die einzige  Erfolgchance,  die  Überraschung  des  Gegners  in  der Dunkelheit,  zunichte gemacht."

Gen.Maj. Sontag entschloss sich, möglichst bald aufzubrechen. Um 23:45 Uhr gab er im Divisionsstabsquartier

Wronowo folgenden Befehl:

I. ...

II. Die Division marschiert in einer Kolonne über Post Wittmannsdorf auf Waplitz, von da in drei Kolonnen auf

Luttken, Paulsgut (Chaussee) und Ganshorn.

Truppeneinteilung:

Vorhut   (später   rechte   Kolonne):   Gen.Mj.   Schaer   (Inf.Reg.59,   ½   Esk/Drag.10,   I./Flda.79   mit   l.   Mun.Kol.,

3./Pi.26)

1.   Teil   des   Gros   (später   linke   Kolonne):   Oberst   von   der   Osten   (I./148   m.   M.G.Komp.,   ½   Esk./Drag.10,

II./Flda.35 mit l. Mun.Kol., II. u. III./148)

2. Teil des Gros (später mittlere Kolonne): Gen.Maj. Reiser (½ Esk./Drag.10, I./152 mit M.G.Komp., I./Flda.35

mit l. Mun.Kol., II./152, ½ San.Komp.)

Nachhut:   Oberst   Geisler   (III./152,   Stab   u.   II./Flda.79   mit   l.   Mun.Kol.,   schw.Battr.,   12./18,   2./Pi.26,   ½

Esk./Drag.10).

III.   Die   Vorhut   sammelt   sich   um   02:30   Uhr   östlich   Wilhelmshof   und   marschiert   sogleich   über   Post

Wittmannsdorf - Waplitz auf Luttken. 1. Teil des Gros sammelt sich um 02:30 Uhr bei Albrechtau und folgt der

Vorhut mit 300 Meter Abstand, indem er zunächst den Weg Albrechtau - Adamsheide bis zum Schnittpunkt

mit dem Wege Seythen - Post Wittmannsdorf einschlägt. ...."

Dem 1. Teil des Gros sollte der 2. Teil folgen und diesem mit 500 Meter Abstand die Nachhut.

"Ich reite beim 2. Teil des Gros, später bei der Nachhut."

IV. .....

 

Tannenberg 1914, Gefecht bei Waplitz, Druckversion

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V. ..... (es folgen Anordnungen über Aufklärung und Verhalten nach Durchreiten von Waplitz) "... So lange es

dunkel ist, wird mit ungeladenem Gewehr marschiert; vollständige Ruhe und Stille,"

Gegen 02:00 Uhr in der Nacht verließen die ersten Einheiten, noch übermüdet, ihr Nachtquartier. Dicker Nebel.

Die Artillerie, aber auch Infanterie, kamen oft verspätet zu den zugewiesenen Sammelplätzen. Die für den

Vormarsch zugewiesenen Wege waren, mit Ausnahme der Straße Frankenau - Poststation Waplitz, Sandwege.

Selbst bei Tage waren manche Wege leicht zu verfehlen.

Das Gelände bestand aus lauter kleinen Hügeln und Vertiefungen und war daher sehr unübersichtlich. Dies

erschwerte die Orientierung noch zusätzlich. Die Vorhut schlug den Weg über Adamsheide ein, den Gen.Mj.

Sontag gerade hatte vermeiden wollen, weil er dort noch russische Postierungen vermutete. Das Gros gelangte,

statt bei der Poststation, schon 1200 m südlich davon auf die große Straße. So waren Vorhut und Gros ohne

Verbindung und marschierten auf verschiedenen Wegen, fast zwei Kilometer voneinander getrennt durch die

nebelige Nacht. Der Divisionskommandeur, Gen.Mj. Sontag blieb bei der Nachhut, um nötigenfalls rechtzeitig

gegen   Frankenau   abdrehen   zu   können.   Sie   war   noch   in   der  Versammlung   bei   Wilhelmshof   begriffen,   da

schallte schon Gefechtslärm aus Richtung Waplitz herüber.

Das Dorf Waplitz liegt in einer in West-Ost-Richtung verlaufenden Senke. Von den Höhen 1 km südlich des

Ortes fällt das Gelände cirka 40 m tief gegen die Senke ab. Nördlich davon steigt das Gelände etwas flacher

und   nur   etwa   20   m   wieder   an.   An   der  Westseite  des   Ortes   treffen   sich   die   Straße  von   Frankenau   und

Adamsheide. Von da zieht sich das Dorf Waplitz beiderseits des Flüsschens Maranse als schmaler Streifen etwa

1 km  nach Osten. Die Maranse ist  nur westlich  des Dorfes ein Hindernis, kann aber auch  hier durchwatet

werden.

Die ganze Kavallerie, 1. und ½ 2. Eskadron des Dragonerregiments 10 unter Obstl. von Lewinski, die nach dem

Befehl auf die vier Teile der Division verteilt sein sollte, ritt in Dunkelheit und Nebel gegen Waplitz vor, ohne

dass der Divisionsstab es wusste. Die ½ 2. Esk. unter Leutnant Merckel ritt an der Spitze. Als die Dragoner in

Waplitz   zur   Orientierung   anhielten,   wurden   sie   aus   Fenstern   der   Häuser   von   russischem   Infanteriefeuer

überschüttet. Sie ritten fluchtartig aus dem Dorf, zum Glück gab es keine großen Verluste. Stabs-Veterinär

Rode fiel.

Bei der Vorhut unter Gen.Mj. Schaer hatte 10./59 (10. Kompanie, IR 59) unter Hauptmann Tube die Spitze.

Sie erhielt um  03:15  Uhr  Feuer von  einer  russischen Feldwache, die sich  dann  zurückzog. Um  03:45  Uhr

schlägt   der   Kompanie   vor   Waplitz   starkes   Gewehrfeuer  entgegen.   Oberst   Sonntag,   der  Kommandeur  des

Infanterieregiments 59 (Freiherr Hiller von Gaertingen, 4. Posisches) setzt sein III. Bataillon unter Hauptmann

Giese und links daneben das II. unter Hauptmann Balthasar zum Angriff an; das I. bleibt hinter der Mitte. Der

Gegner scheint auf den Höhen nördlich der Maranse-Niederung zu liegen. Die 59er erreichen den Westeingang

des Ortes und links anschließend die Maranse. Im heftigen feindlichen Feuer stockt der Angriff. Das I. Bataillon

unter Major Zickhardt wird eingesetzt und reißt die anderen mit nach vorne. Teile des Regiments brechen von

Westen   her   in   Waplitz   ein.   Links   von   ihnen   stoßen   andere   über   die   Maranse-Brücke   nach   Norden   und

verschwinden im Nebel. Aber die Russen geben nicht nach. Nur mit Mühe und unter Verlusten hält sich das

Regiment.   Je  mehr  der  Nebel   schwindet,   um   so  unerträglicher   wird   die   Lage,   um   so   größer  werden   die

Verluste. Teile weichen zurück. Es ist 05:00 Uhr vorbei, aber noch keine Hilfe zu spüren. Gen.Mj. Schaer reitet

auf der großen Straße in Richtung Poststation nach Süden, um selbst zu nachzusehen, wo das Gros bleibt.

Die   Artillerie   der   Vorhut,   I./Flda.79   unter   Major   von   Fuchs   war   bei   der   Domäne  Adamsheide  angehalten

worden,   da   sich   im   Nebel   keine   Verwendungsmöglichkeit   bot.   Auf   dem   Gutshof   hatten   die   59er   ihren

Verbandsplatz   eingerichtet.   Dicht   dabei   hielt   ihr   Tross.   Dahinter,   auf   dem   Weg   der   hinter   der   Domäne

vorbeiführt,   standen   die   Batterien.   So   vergeht   längere   Zeit.   Zur   Infanterie   bei   Waplitz   besteht   keine

Verbindung, aber man hört den Gefechtslärm herüberschallen. Verwundete und Versprengte bringen schlechte

Nachrichten von vorn. Um der Infanterie wenigstens zu zeigen, dass die Artillerie zur Stelle ist und helfen will,

lässt Major von Fuchs vordersten Zug der 2. Batterie unter Leutnant Domansky am Nordrand von Adamsheide

auffahren und über Waplitz hinweg das Feuer eröffnen. Inzwischen war es 06:00 Uhr geworden. Die russische

Artillerie schweigt noch immer. Da, ganz plötzlich, hebt sich der Nebel. Nun nahm  russische Artillerie von

Norden her auf nahe Entfernung Adamsheide unter schnell  heftiger werdendes Schrappnellfeuer. Unter den

Bagagen und den Verwundeten brach Panik aus. Fahrzeuge vom Tross der Infanterie rasen zurück, vorbei an

den Batterien. Versprengte und Verwundete flüchten. Die hinterste (1.) Batterie unter Hauptmann Braun, die

noch auf der Höhe hält, geht selbsttätig in Stellung. Die beiden anderen müssen auf schmalem  Weg, von

Gräben eingeengt, unter großen Schwierigkeiten im russischen Feuer kehrt machen. Ein Volltreffer schlägt in

eine Protze der 3. Batterie. Stangen und Pferde nebst Fahrern fliegen durch die Luft. "Kein Laut, keine Unruhe

in der Batterie. Nur ein kurzes Kommando. Als ich mich umsah wurden bereits Ersatzpferde herangeführt." So

berichtet der Regimentskommandeur Obstl. Marcus. Unter Zurücklassung einiger Munitionswagen gelang es,

die 2. und 3. Batterie etwa 1 km rückwärts in Stellung zu bringen. Inzwischen waren die 59er bei Waplitz dem

russischen Druck erlegen. Artilleriefeuer, auch von Süden und Südwesten (wahrscheinlich eigene Artillerie),

hatte ihren Widerstand gebrochen. Die Russen drängten auf Adamsheide nach. Gerade noch rechtzeitig bringt

Leutnant  Domansky   seine  beiden   Kanonen  in   Sicherheit.   Hauptmann  Braun   bringt  in  heftigem   feindlichen

Infanteriefeuer seine 1. Batterie (6 Kanonen) zurück. Die Reste der Maschinengewehr-Kompanie bilden eine

Nachhutstellung etwa 500 m südwestlich der Domäne Adamsheide und halten sie. Nördlich der Domäne wird

eine   russische   Artilleriestellung   erkannt.   Die   3.   Batterie   unter   Hauptmann   Rasmus   schießt   sich   von

Wilhelmsdorf gegen sie ein. Das Feuer der russischen Artillerie lässt nach. Da platzen über ihren Köpfen erneut

Schrapnells.

Das Gros hatte sich nicht so wie befohlen zusammengefunden. Der Kommandeur der 74. Infanteriebrigade,

Gen.Mj. Reiser, hatte die nacheinander eintreffenden Teile bei Albrechtau gesammelt. Um 03:00 Uhr war er

zunächst nur mit 4/148 und I. und MGK/152 angetreten. Nach und nach folgten weitere Einheiten. Um 04:00

Uhr war die Poststation erreicht. Im Norden hört man Gefechtslärm bei Waplitz. Gen.Mj. Reiser setzt die beiden

vordersten Bataillone, die zur Hand hatte, östlich der Straße zum Angriff an. Major Marckstadt führt I./152 mit

MGK längs der Straße vor. Links neben ihm wird 4./148 eingesetzt, rechts schließt sich der Rest des I./148

unter Major Freyberg an. Ohne Feuer und ohne Verluste kommt man im Nebel bis auf etwa 400 m an den

Tannenberg 1914, Gefecht bei Waplitz, Druckversion

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2011-01-29 23:25

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Südrand von Waplitz heran. Weiter links vorne liegen die 59er. Teile von ihnen reichen aber auch bis über die

Straße herüber nach Osten. Bald verlängert rechts III./148 unter Major Brehme, II./148 ist in zweiter Linie.

Damit hat Oberst von der Osten sein 5. Westpreußisches Infanterieregiment Nr. 148 beisammen. Um 05:30

Uhr kommt Gen.Mj. Schaer von Waplitz her geritten und teilt Gen.Mj. Reiser selbst mit, dass seine Infanterie

anfange zu weichen. Dieser lässt, um zu helfen, die II./Flda.35, die inzwischen bei der Poststation aufgefahren

ist, nach Karte und Kompass in den Nebel hinein das Feuer auf Waplitz eröffnen. Vor Waplitz spitzt sich die

Lage immer mehr zu. Beim I./152 hat Major Marckstadt das Signal "Seitengewehr aufpflanzen" und "Rasch

vorwärts"   blasen   lassen,   um   das   Abbröckeln   der   59er   zum   Stillstand   zu   bringen.   Seine   MGK

(Maschinengewehr-Kompanie) feuerte von einer Anhöhe auf Waplitz. Gen.Mj. Reiser (74.Inf.Brig.) lässt seine

Infanterie zum Sturm antreten. Auch seine zwei letzten Bataillone, das II./148 und II./152 sollen ebenfalls

antreten. II./Flda.35 hat ihr Feuer nach vorne zu verlegen, auch I./Flda.35 eröffnet das Feuer nach Norden. An

Gen.Mj. Schaer (72.Inf.Brig.) wird mitgeteilt, die 74. Inf.Brig. sei im Begriff, mit vier Bataillonen Waplitz zu

stürmen.   An   die Division   geht   die selbe  Meldung.   Im  Nebel   ist  jedoch   nicht  zu   erkennen,   ob   es  wirklich

vorwärtsgeht. Das I./152 hat schon den Friedhof bei der Kirche erreicht, da lässt es melden, es werde so stark

von eigener Artillerie beschossen, dass es bis auf 800 m vom Dorfrand wieder zurückgegangen sei. Dort liege

es jetzt zusammen mit den 148ern. Gen.Mj. Reiser lässt seine 6 Batterien sofort stoppen. Das Feuer vom

Süden geht aber trotzdem weiter. Es ist jetzt 06:30 Uhr, der Nebel beginnt sich zu verziehen. Bald gibt es

keinen Zweifel mehr, es schießt von Süden her auch russische Artillerie. Der Feind bei Bujaken, an dem man

sich   bei   Nacht   und   Nebel   hatte   vorbeidrücken   wollen,   ist   erwacht.   Jetzt   gehen   von   dort   auch   russische

Schützen vor. Die Nahaufklärung hat im Nebel versagt. Ein Glück nur, dass die Brigade-Reserve II./152 die

Bewegung nach Norden eben erst angetreten hat. Sie muss der eigenen Artillerie den Rücken decken und den

Feind   im   Süden   abwehren.   Hier   hatte   man   die   Lage   schon   erkannt.   Als   Leutnant   Beltz   dem

Bataillonskommandeur zuruft: "Herr Major, hinter uns russische Schützen." will Major von Koeckritz das nicht

glauben. Doch auch Oberleutnant Schmitt, Chef der 5. Kompanie, hat die Gefahr erkannt, kehrt gemacht und

entwickelt sich nach Süden. Vom Waldrand etwa 1700 m südlich der Poststation schießt russische Infanterie.

Major von Koeckritz setzt seine 3 Kompanien gegen sie an. Dicht dabei steht die 1./Flda.35. Die Geschütze

werden herumgeworfen, und schon blitzen drüben am Waldrand die Schrapnellwölkchen auf. Auch die weiter

hinten stehende 3. Batterie hatte das Manöver der 1. gesehen und macht ebenfalls kehrt. Auf 1000 m schießen

die Batterien, nur 500 m liegt die Infanterie vom Feind. Dieser wagt sich nach zweimaligem Versuch nicht

weiter vor. Obstl. Wilke, Kommandeur Feldartillerieregiment 35, ist bei der Post selbst zur Stelle. Er lässt außer

der I. Abteilung unter Major Weström auch Teile der II. Abteilung den Kampf gegen die feindlichen Batterien

im Süden und Südosten aufnehmen. Die Lage ist einstweilen gerettet.

Die Nachhut, die doch für alle Fälle gegen den Feind bei Bujaken bereit sein sollte, war noch weit ab im

Anmarsch. Die Versammlung war um  03:00 Uhr bei  Wilhelmsdorf angesetzt. Das III./152 war gestern bei

Skottau   im   Kampfeinsatz   und   hatte   dann   in   Thurau   übernachtet.   Inzwischen   waren   II./Flda.79   (leichte

Haubitzen, Kaliber 10,5  cm) und 1./Res.Fßa17 (schwere Haubitzen, Kaliber 15 cm) unter Sicherung durch

12./18, 7./152 und 2./Pi.26 im Nebel auf dem Sammelplatz angelangt. Um 06:10 Uhr kam der erste Hilferuf

des Infanterieregiments 59 von  Waplitz, es könne sich  ohne  Unterstützung  nicht  mehr halten.  Inzwischen

wusste man von dem Angriff der 74. Inf.Brig. auf Waplitz. Die III./152 erhielt Waplitz als Vormarschziel. Neue

Meldungen   kommen   von   dort,   sie   zeigen   den   ganzen   Ernst   der   Lage   und   veranlassen   den

Divisionskommandeur zu dem Entschluss, den weiteren Angriff aufzugeben. Die Truppen sollen sich halten, wo

sie sind. Inzwischen war der Nebel völlig verschwunden. Schon zweimal hat das Artilleriefeuer aus nördlicher

Richtung den Divisionsstab zum Stellungswechsel gezwungen, jetzt steht er bei  Wilhelmshof. So nach und

nach   kommen   die   Schüsse   auch   aus   Südosten.   Die   Infanterie   meldet,   sie   werde   von   eigener   Artillerie

beschossen. Auf Befehl des Divisionskommandeurs wird das Artilleriefeuer gestoppt.

Der Regiments-Adjutant / Flda.79 berichtet: "Ich bekam diesen Befehl und fegte mit meinem Pferd zu den

Batterien.   Als   ich,   immer  den   Abschüssen   nachreitend,   in   ihre   Nähe   kam,   erheben   sich   plötzlich   vor  mir

erdfarbene Gestalten, zwei - vier - zehn, eine ganze Schützenreihe feuert auf mich. Zurück, so schnell das

Pferd laufen kann. Um mich pfiffen die Kugeln. Mach ein Wassergraben ist zu überspringen. Nur gut, mein

Pferd war darauf geschult." Beim Divisionsstab wollte man es nicht glauben. Vor zehn Minuten erst ist wegen

der Hiobsbotschaften aus Waplitz der Befehl ergangen, zu halten, wo immer man ist. Aber auch das scheint

jetzt nicht mehr möglich, denn Reserven  gegen den Feind im  Süden sind  nicht  zur Hand. Major Weniger,

Generalstabsoffizier/41.Inf.Div., schlägt eine Aufnahmestellung in der Linie Wronowo - Seythen vor, und so

wird um 07:30 Uhr der Rückzug befohlen.

Inzwischen sind die vier Haubitzen-Batterien der Nachhut (II./Flda.79 und 1./Res.Fsa.17) östlich Wilhelmshof

selbständig   in   Stellung   gegangen   und   haben   gegen   russische   Artillerie  in   Nord,   Süd   und   Ost   das   Feuer

eröffnet. Nach und nach kommen die Batterien der I./Flda.79 aus Adamsheide zurück und gehen nahe der

II.Abt. in Stellung. Oberstleutnant Marcus lenkt das Feuer seines Regiment in geregelte Bahnen.

Zurück zum Infanterieregiment 59, das im Nebel fast drei Stunden alleine die Last des Kampfes gegen weit

überlegenen Feind trug.

Lange bevor sie der Rückzugsbefehl erreichte, weicht die Infanterie von Waplitz schon zurück. Bei den 59ern

fing   es   an   und   pflanzte   sich   nach   und   nach   auf   die   74.   Infanteriebrigade   fort.   Die   Front   bröckelt   ab.

Verwundete kommen vorbei, einzeln, dann andere, die geführt, gestützt, getragen werden. Nun mischen sich

schon Unverwundete ein, keine Munition. Vorwärts geht´s nicht mehr. Immer dichter fegen die russischen

Schrapnells von hinten und von vorn, seit Mittag auch von der Seite her. Ein verwundeter Unteroffizier kommt

vorbei: "Da vorn nur Tote. Ein Leutnant ist noch da von der MG-Kompanie und hält mit einem halben Dutzend

Leute die Straße, sonst nichts!"

Schwer   und   verlustreich   gestaltete   sich   der   Rückzug   aus   der   feindlichen   Umklammerung.   Artillerie,

Maschinengewehre und Schützen, einander gegenseitig unterstützend, halten den Gegner nieder. Es scheint,

als wäre dieser froh, dass er den Ansturm abgeschlagen hat, er drängt nur zögernd nach. Bis zuletzt hielten

einzelne   Batterien   des   Feldartillerie-Regiment   35   bei   der   Poststation   und   deckten   das   Zurückgehen   der

Infanterie. Die 4. Batterie unter Hauptmann Pitsch hatte sich schließlich verschossen. Die 5. war südlich der

Post bis dicht an die eigenen Schützen herangegangen, auf 600 m lag der Feind gegenüber. Ein Geschütz

Tannenberg 1914, Gefecht bei Waplitz, Druckversion

http://www.tannenberg1914.de/druck/3_waplitz.htm

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2011-01-29 23:25

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musste die 5. Batterie unter Oberleutnant Gockisch liegen lassen, die 6. alle, denn ihre Protzen waren fort. Der

I. Abteilung unter Major Weström hatte sich die feindliche Infanterie bereits auf 200 m genähert. "Die letzte

kräftige   Feuerwelle   vor   dem   Abrücken   und   dann   das   Feuer   der   2.   Batterie   ließ   das   völlig   geordnete

Zurückkommen   aller   drei   Batterien   gelingen."   Unter   dem   Schutz   der   Artillerie,   begünstigt   durch   das

deckungsreiche Gelände und der Unentschlossenheit des Gegners, war es der Infanterie gelungen, sich der

drohenden Gefahr der Einkreisung und völligen Vernichtung zu entziehen. Als letzte Batterie hielt, bis alles in

Sicherheit war, die 6./Flda.79 unter Hauptmann von Borries in ihrer Feuerstellung südlich Wilhelmshof aus. Im

ganzen blieben 7 Geschütze liegen. Da der Feind nicht folgte, konnten sie tags darauf an derselben Stelle in

noch gebrauchsfähigem Zustand zurückgeholt werden.

Auf den Höhen westlich der Straße Wronowo - Seythen konnte Gen.Mj. Neugebauer die Batterien seiner 41.

Feldartilleriebrigade  aufbauen.  Hier  konnte  die zurückkommende  Infanterie  gesammelt   und   neu  gegliedert

werden um die Höhenstellung zu besetzen. Die 41. Infanteriedivision war schwer erschüttert. Neben der Masse

der Artillerie waren lediglich das III./152 und III./18 verwendungsfähig. Der Kommandeur des III./18 hatte

die Aufräumarbeiten auf dem Kampfplatz von Vortag selbsttätig eingestellt und auf den Kanonendonner zu

marschieren lassen.

Die Gesamtverluste auf deutscher Seite wird mit 1300 Mann angeben. Nach russischen Angaben wurden 570

Gefangene gemacht. Davon wurden am Abend des selben Tages nördlich Waplitz von der 3. Reservedivision

150 Verwundete wieder befreit. Am Tag darauf bei Jedwobno 400 Mann durch die 36. Infanteriedivision.

(1)

2   Bataillone   und   2   Eskatrons   an   die   Abteilung   Schmettau   abgestellt,   III./18   (ohne   12.   Komp.)   beim

Aufräumen des Gefechtfeldes vom 26. August.

© Eckhardt Dirks
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