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Die Schlacht bei Tannenberg

26. - 30. August 1914

Kämpfe und Bewegungen am 26. August

Die

Operationen der russischen Nordwestfront bis zum 26. August

Der Oberbefehlshaber der russischen Nordwest-Front (1. und 2. Armee), General Shilinskij, hatte das Abdrehen

der 2. Armee in nordwestlicher Richtung bisher nicht gebilligt und hatte den Vorschlag von General Samsonov

vom   23.   August,   die  Armee  statt   gegen   Rastenburg   -   Seeburg   gegen   Allenstein   -   Osterode  vorzuführen,

abgelehnt.   Am   gleichen   Tag   erhielt   er   aber   endlich   die   Meldung,   dass   die   Deutschen   die   Schlacht   bei

Gumbinnen   abgebrochen   haben   und   auf   dem   Rückzug   seien.   Auch   wurden   Flüchtlingskolonnen   der

Zivilbevölkerung gemeldet. Man hatte den Eindruck, dass eine vollständige Räumung Ostpreußens im Gange

sei.

Der Generalstab  der Nordwest-Front hatte keinen Zweifel, dass die deutsche 8. Armee nunmehr im  vollen

Rückzug zur Weichsel sei, starke Teile schienen auch auf Königsberg zurück zu gehen.

Jetzt wurde der 2. Armee befohlen, den Deutschen den Weg zur Weichsel zu verlegen. Sie soll energisch gegen

die  Linie  Sensburg   -   Allenstein   vorgehen   und   diese  bis  25.   August   erreichen.  Die  linke  Flanke  soll   durch

Staffelung geschützt werden und dazu das I.AK bei Soldau stehen bleiben.

Die 1.Armee (Rennenkampf)

rückte nach zwei Ruhetagen vom 23. bis 26. August etwa 80 km nach Westen vor. Sie fand die Flusslinie der

Alle   und   Omet   unbesetzt.   Hier   hatte   Rennenkampf   nochmals   Widerstand   erwartet.   Er   gelangte   mit   9½

Infanteriedivisionen und jede Menge Kavallerie ohne Kampf im Norden an die Deime-Stellung und weiter im

Süden bis zur Linie Allenburg - Gerdauen - Drengfurth.

Die 2. Armee (Samsonov)

erhielt   den   Befehl   zum   "energischen   Vorgehen"   gegen   die   Linie  Sensburg   -   Allenstein   am   23.   August   in

Ostrolenka. Samsonov wollte seinen Vormarsch in der selben Breite wie bisher gegen die Linie Sorquitten (15

km westlich Sensburg) - Allenstein - Hohenstein fortführen. Auf dem rechten Flügel sollte die 4. Kavallerie -

Division (KD) nach Sensburg einrücken, auf dem linken die 6. und 15. KD unter einheitlichem Befehl nach

Locken   (15   km   nordöstlich   Osterode)vorgehen.   Von   da   sollte   weiter   gegen   die   Linie   Heilsberg   -   Zinten

vorgehend, dem "geschlagenen" und zurückflutenden Gegner der Rückzug verlegt werden.

Aus diesem großen Ritt der beiden Kavallerie - Divisionen ist nichts geworden. Sie kamen am 24. August nicht

über die Gegend von Usdau und Lautenburg hinaus. Die 6.KD hatte nördlich Usdau im deutschen Artilleriefeuer

kehrt machen müssen.

Immer   mehr  machten   sich   die   Übermüdung   der   Truppen   und   Nachschubschwierigkeiten   bemerkbar.   Das

XIII.Korps hatte in den 12 Tagen vom 13. bis 24. August 250 km zurückgelegt, meist auf Sandwegen in der

Augusthitze. Das XV. Korps in 10 Tagen vom 14. bis 23. August 215 km und hatte dann gekämft. (Gefecht bei

Lahna und Orlau) Die 3. Garde-ID (XXIII.Korps) war noch zurück.

Unter diesen Umständen sah der Chef des Stabes der 2. Armee, General Postowski, wie er dem beim Armee -

Oberkommando   anwesenden   englischen   Militärattaché   General   Knox   erklärte,   den   Weitermarsch   als   "ein

Abenteuer" an. Die Zeit für die Mobilmachung sei zu kurz gewesen, die Trains noch nicht heran, man hätte am

 

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20. statt am 16. August antreten sollen.

General Samsonov teilte diese Auffassung und beantragte einen Ruhetag für seine Armee. Das Oberkommando

der Nordwestfront (Shilinski) lehnte diese Bitte ab. Man rechnete nicht mit starkem Feind vor der Front. Ein

Ruhetag könne erst gewährt werden, wenn die Linie Allenstein - Osterode erreicht sei, denn dann erst bedrohe

man den Rückzug der deutschen 8. Armee zur Weichsel.

Am  Morgen des 26. August stand das russische I. Korps, unter General  Artamanow, mit vier Infanterie -

Regimentern bei  Usdau - Grallau und nordwestlich dieser Linie. Südlich davon sollten zwei  Regimenter auf

Heinrichsdorf vorgehen. Dort befand sich auch die 6. KD, an der Grenze südlich Lautenburg die 15. KD. Die 3.

Garde-ID   (XXIII.Korps)   hatte   Soldau   erreicht,   die   1.   Schützen-Brigade   war   noch   im   Anrollen   nach   der

Grenzstation Illowo.

Das  XV.Korps,   zusammen  mit  der  2.ID  des XXIII.  Korps,  trat  den   Vormarsch  in  fünf  Kolonnen   an.  Es

erwartete den ersten Widerstand bei Nadrau und Paulsgut.

Vom Generalkommando des XV. Korps, unter Führung des Generals Martos, waren vom Westflügel beginnend

angesetzt:

Die 2.ID vom XXIII.AK (General Kondratowitsch) in zwei Kolonnen von Brigadestärke von Lippau beiderseits

des Kownatken-Sees auf Mühlen und südlich. Der linken Kolonne (2.Brigade) sollten Teile der 3. Garde-ID

später folgen. Diese Division war noch nicht heran, sie war in Mlava in Versammlung begriffen.

Die 6.ID (ohne ein IR) von Frankenau über Waplitz auf Königsgut.

Die 8.ID, verstärkt durch ein IR der 6.ID, in zwei Kolonnen von Lahna über Nadrau auf Hohenstein und von

Orlau östlich des Großen Maransen-Sees über Schlaga - Mühle auf Grieslienen.

Das XIII.Korps unter General Klujew  erhielt den Armeebefehl erst um 10:00 Uhr und trat daher erst am

Nachmittag an. Je eine ID marschierte westlich und östlich des Lansker Sees nach Norden.

Die deutsche 8.Armee, Westgruppe

Der Angriff des I. und XX. AK

Das I.AK hatte nach dem Armeebefehl  um 04:00 Uhr die russischen vorgeschobenen Stellungen (Eine oft

angewendete Taktik der Russen. Durch die vorgeschobenen Stellungen einige Kilometer vor der Hauptstellung

wurde  der Angreifer  gezwungen,   seine  Marschkolonnen   zum   Angriff   zu   formieren.  Die  Artillerie  musste  in

Stellung gebracht werden usw. Die Stellungen wurden sodann aufgegeben. Durch das weitere Vorgehen des

Angreifers   in   Angriffsformation   gewann   man   Zeit   und   besseren   Einblick   in   die   Zusammensetzung   der

feindlichen Einheiten.) auf den Höhen von Seeben zu nehmen und um 10:00 Uhr weiter auf Usdau anzugreifen,

wo sich die Hauptstellung der Russen befand. Das XX.AK sollte sich mit seinem rechten Flügel dem Angriff

anschließen.

Um 05:30 Uhr meldete das I.AK, dass der Angriff im Fluß  sei, wenn auch mit unzureichenden Kräften. Um

07:00 begab sich General von Hindenburg mit seinem engeren Stab in den vorbereiteten Gefechtsstand am

südlichen Ortsausgang von Löbau. Er nahm an, dass das I.AK die Gegend von Seeben inzwischen erreicht habe

und zum Angriff auf Usdau aufschließe. Tatsächlich aber hatte der Angriff auf Seeben noch gar nicht begonnen.

General von François war nach wie vor der Ansicht, dass sein Korps noch nicht zu einem Angriff in der Lage

war. Die 1.ID erreichte gegen 08.00 Uhr den Abschnitt bei Tautschken. Der Divisionskommandeur der 1.ID,

Gen.Lt.   von   Conta   wollte   einen   Angriff   auf   Seeben   über   freies   Feld   bei   hellem   Tage   ohne   ausreichende

Vorbereitung durch die Artillerie nicht führen. Er hatte nur 4 Batterien zur Stelle. Zudem war seine Division

zunächst auf sich allein gestellt, denn die 2. ID (Gen.Lt. von Falk) konnte erst um 10.00 Uhr bei Groß-Koschlau

sein.

Gegen 08:00 Uhr traf François beim Stab der 1.ID, östlich Tautschken ein. Er war mit Conta einer Meinung.

Damit musste der Angriff auf Usdau verschoben werden. General von Francois befahl daher der 2.ID und der

5.LwBr   (Gen.Lt.   Mülmann)   Groß-Koschlau   und   Klein-Tauersee   zunächst   nicht   zu   überschreiten.   Dem   AOK

meldete François um 08:15, dass sich der Angriff auf Usdau infolge des verspäteten Eintreffens der Truppen

mit der Bahn verzögern werde. Das AOK verlegte nun den Angriff auf Usdau notgedrungen auf 12:00 Uhr. Als

François diesen Befehl erhielt, ließ er zur Überraschung des AOK melden, dass noch nicht einmal Seeben und

Groß-Koschlau eingenommen seien.

Im Laufe des Vormittags trafen laufend weitere Truppen ein. Die 1.ID trat nun doch zum Angriff auf Seeben

an.  Nach  gründlicher  Vorbereitung   durch   die  Artillerie  wurde  das  Dorf  und   die  umliegenden   Höhen  gegen

12:30 Uhr eingenommen. Die Russen (von der 1.Br der 24.ID) gingen auf ihre Hauptstellung zurück.

Nun  hatte General  von  François  sich  entschlossen, dem   Drängen  der  Armeeführung  nachzugeben  und  um

13:00 Uhr zum Angriff auf Usdau anzutreten. Sein Befehl begann mit den Worten: "Auf Befehl des Armee -

Oberkommandos ist der Angriff mit den zur Zeit verfügbaren Kräften durchzuführen."

Dazu   sollte   im   Süden   die   5.LwBr   von   Klein-Tauersee   über   Heinrichsdorf   vorgehen,   die   2.   ID   über

Groß-Koschlau auf Groß-Tauersee

Bei der 1.ID wurde es 15:00 Uhr, bis die Kampfeinheiten sich nach der Einnahme von Seeben für den weiteren

Angriff gegliedert hatten und auf Usdau antraten. Es waren 9 km über freies Feld und ansteigendes Gelände

zurückzulegen. Es schien nicht sicher zu sein, ob dieser Angriff bis zum Abend abgeschlossen werden konnte.

Die   Truppen   waren   in   der  Hitze   des   August   seit   dem   frühen   Morgen   unterwegs.   Sie  konnten   bisher   nur

unzureichend mit Nahrung und Wasser versorgt werden.

Der  Angriff   auf   Usdau   wurde  auf   den   nächsten   Tag   verschoben.   Den   Truppen   des   I.AK   wurde  um   15:45

befohlen,   nur   noch   so   weit   vorzugehen,   dass   die   russischen   Stellungen   für   den   nächsten   Morgen   in

Artilleriereichweite  kamen.   Francois   glaubte  bis   dahin   die   Artillerie  seines   Korps   soweit   herangeschafft   zu

haben, dass der Angriff auf Usdau durch wirksames Artilleriefeuer gründlich vorbereitet werden kann.

Am Abend des 26. August lag die 5.LwBr um Heinrichsdorf, die 2.ID östlich Grallau, die 1.ID auf der Linie

Meischlitz - Groß-Grieben.

Beim XX.AK war man sich schon in der Nacht zum 26. August nach dem Telefongespräch mit dem I.AK klar

darüber geworden, dass der Angriff dort nicht so früh wie vom Armee - Oberkommando befohlen, beginnen

wird.   Ein   Befehl   zum   Vorgehen   des   eigenen   rechtens   Flügels   auf   Groß-Grieben   -   Jankowitz   wurde   daher

zunächst gar nicht gegeben. Man wartete ab. Die Russen verhielten sich ruhig.

Es   stellte  sich   immer   deutlicher   heraus,   dass   zwischen   dem   Gegner   bei   Usdau   (I.AK)   und   den   Truppen

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gegenüber dem Südflügel des XX.AK (2.ID des XXIII.AK bei Groß-Gardienen) eine Lücke von mindestens 7 km

war. Damit bot sich dem XX.AK die Möglichkeit anzugreifen, ohne den Angriff des I.AK auf Usdau abzuwarten.

Diesem würde sogar seine Aufgabe erleichert.

General   Hindenburg  vom   AOK  befahl   daher,  nachdem   er um  13:00   Uhr  die  Meldung  erhalten  hatte,   dass

Groß-Koschlau und Seeben vom I.AK eingenommen sei, das XX.AK solle

"zum  Angriff  zwischen  dem  Großen  Damerau-See  und  Mühlen-See über  die Linie  Ganshorn  -  Thymau  mit

starken rechten Flügel vorgehen."

Als dieser Armeebefehl einging, lagen hier schon Meldungen vor, nach denen sich beiderseits des Mühlen- Sees

das Vorgehen starker russischer Einheiten gegen die Stellungen der 37.ID fühlbar machte. Seit Mittag beschoß

russische   Artillerie   die   von   Landwehr   besetzten   deutschen   Gräben   bei   Mühlen.   Weiter   nördlich   und   bei

Hohenstein war kein Feind gemeldet worden. So erhielt die 3.Reserve - Division unter General von Morgen den

Befehl  in   Richtung   Hohenstein   vorzugehen.   Im   Übrigen   kam   für  den   Angriff   des  XX.AK  zunächst  nur  der

Südflügel in Betracht.

General von Scholtz befahl der 41.ID um 14:45 Uhr gegen die Linie Ganshorn - Groß-Gardienen anzugreifen,

links daneben sollte die 37.ID nur mit ihrer südlichen, der 75. Infanterie - Brigade am Angriff teilnehmen. Er

rechnete damit, dass das I.AK jetzt Usdau erreicht haben könnte. Als der Kommandeur der 41.ID, Gen.Mj.

Sontag, um 15:00 Uhr nach Artillerie - Vorbereitung den Angriff seiner Infanterie befahl, glaubte er Usdau

bereits im Besitz des I.AK. Es war etwa um die Zeit, zu der General von François den Entschluss fasste, den

Angriff auf Usdau für diesen Tag einzustellen.

Um 15:45 Uhr trat der rechte Flügel der 41.ID (74.Infanterie - Brigade unter Gen.Mj. Reiser) aus der Gegend

von Heeselicht auf Ganshorn an. Weiter nördlich hatte sich die 72.IBr. unter Gen.Mj. Schaer den Vorgehen

angeschlossen. Fast ohne zu schießen, aber mit relativ hohen Verlusten (etwa 1200 Mann) hatte die Infanterie

der 41.ID den feindlichen Widerstand teilweise im Bajonettkampf gebrochen.

Man hatte die westliche Kolonne, die 2.Brigade der russischen 2.ID, in der Flanke gefasst, als sie von Lippau

östlich an Gardienen vorbei nach Norden marschieren wollte. Die russische Artillerie kam kaum zum Schuss.

Die ganze Brigade war abends im Zurückfluten südlich des Kownatken-Sees. Das 7.Regiment soll allein über

2800 Mann verloren haben.

Gleichzeitig   hatte   das   Vorgehen   des   rechten   Flügels   der   37.ID,   die   75.Inf.Brigade   unter   Gen.Mj.   von

Böckmann, südlich Mühlen die 1. Brigade der russischen 2.ID ebenfalls in der linken Flanke getroffen, als sie

vom Südosten her zum Angriff auf diesen Ort ansetzen wollte. Der russische Divisionskommandeur nahm die

Brigade   angesichts   der   Niederlage   seiner   westlichen   Kolonne   mit   Einbruch   der   Dunkelheit   hinter   den

Kownatken-See zurück. Damit war der russische Angriff südlich des Mühlen-Sees gescheitert. Nördlich des

Sees wurde er an diesem Tage anscheinend nur von einem Regiment der 6.ID versucht und wurde mühelos

von der 70.LwBr abgewehrt.

Beim Nordflügel des XX.AK hatte der Kommandeur der 3. Reserve - Division, Gen.Lt. von Morgen, als er am

Nachmittag den Befehl zum Vormarsch auf Hohenstein erhielt, den Eindruck, dass sein Vorgehen zu einem

reinen Frontalkampf führen werde, bei dem ihm dann das weiter nördlich zu erwartende russische XIII.AK in

die Flanke kommen könne. Er entschloss sich daher, auf eigene Verantwortung bei Reichenau abzuwarten. Er

rechnete damit, dass das XV. russische AK auf das XX.AK einschwenkt und er so am nächsten Tag in die rechte

Flanke des Feindes stoßen könne.

Das Armee - Hauptquartier wurde im Laufe des Tages von Riesenburg nach Löbau verlegt.

Die Ostgruppe

Die Ostgruppe der 8. Armee hatte bis zum Abend das russische VI.AK geworfen. Der 1. Zusammenstoß fand

südlich Bischofstein statt. Der Gegner war völlig überrascht und flutete Richtung Süden zurück. Er befand sich

am Abend südlich Bischofsburg.

Nach dem am 25. August beim deutschen Oberkommando der 8. Armee (AOK 8) die Absichten Rennenkampfs

(1. russische Armee) bekannt wurden (das IV. russische Korps sollte bis Gerdauen vorgehen, das II. nördlich

der Masurischen Seen über Angerburg bis Rastenburg), wollte Generaloberst von Hindenburg zunächst die am

nörlichsten stehende Division des XVII.AK (35.ID) zusammen mit der 1. Kavallerie - Division zur Deckung

gegen die Armee Rennenkampf stehen lassen. Gen.Lt. von Mackensen sollte den Oberbefehl bekommen. Als

aber zu erkennen war, dass Rennenkampf weit abblieb und keine Anstalten machte zu folgen, befahl er am

Nachmittag beiden Korps der Ostgruppe am nächsten Morgen "mit ganzer Kraft" gegen das VI. russische Korps

vorzugehen.

Im Laufe des Tages waren aber auch die beiden kommandierenden Generale des I.RK und XVII.AK, von Below

und von Mackensen, zusammengekommen, um gemeinsames Handeln zu vereinbaren. Danach sollte das I.RK

gemeinsam mit der 6.LwBr westlich des Großen Lautern-Sees und des Daday-Sees angreifen, das XVII.AK

östlich davon gegen die russische rechte Flanke.

Das I. Reservekorps (RK) lagerte seit dem Abend des 25. August nach langem Marsch mit beiden Divisionen

bei   Seeburg.   Gen.Lt.   von   Below   beabsichtigte   von   Seeburg   in   breiter   Front   auf   Wartenburg   zum   Angriff

vorzugehen. Dann konnte der Gegner (VI.Korps) gefasst werden, auch wenn dieser zur Vereinigung mit seiner

Armee nach Westen weiter marschieren wollte. Wegen der Ermüdung seiner Truppe und um das Herankommen

des XVII.AK abzuwarten, befahl er den Abmarsch erst um 10:00 Uhr.

Die 6.Landwehrbrigade (LwBr) war von Lötzen her bis Lautern zu ihm herangerückt. Sie sollte am Morgen

näher an das I.RK heranrücken.

Das XVII. Armeekorps erreichte am Tag zuvor mit der 36.ID von Friedland über Schippenbeil die Gegend von

Bischofstein nach einem 50 km - Marsch in  glühender Augusthitze erst spät am Abend. Dahinter kam die

35.ID, weiter westlich ausholend, über Bartenstein bis Groß-Schwansfeld. General von Mackensen wollte trotz

der großen Marschleistung seiner Soldaten so früh wie möglich aufbrechen. Dazu wollte er östlich der Seen in

einer   Kolonne   über   Lautern   auf   Bischofsburg   marschieren.   Man   bewunderte   die   Kühnheit   des   Armee   -

Oberkommandos   unter  Generaloberst   von   Hindenburg,   trotz   der   Gefahr  durch   die  1.   russische   Armee   im

Norden auch die letzte Infanterie - Division zur Entscheidung nach Süden anzusetzen.

Die 1. Kavallerie - Division (KD) war die einzige Truppe, die den Abzug der beiden Korps nach Süden gegen die

Armee Rennenkampf im Norden deckte und zu verschleiern versuchte. Gen.Lt. Brecht versuchte das befohlene

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Ziel   Gerdauen   über   Allenburg   zu   erreichen.   Er   wurde   durch   Flüchtlingskolonnen   aufgehalten   und   blieb

schließlich 12 km westlich Gerdauen.

Die russische 4. Kavallerie - Division hatte den Marsch deutscher Kolonnen durch Rastenburg nach Westen

gemeldet. Unter Sicherung gegen diese Truppen stand General Blagowjeschtschenski mit seinem VI.Korps in

der Nacht vom 25./26. August bei  Rothfließ  (4.ID) und Bischofsburg (16.ID). Fernaufklärung nach Norden

wurde nicht durchgeführt. So blieb der nächtliche Anmarsch des deutschen XVII.AK den Russen verborgen.

Nach einem  Armeebefehl  des  General  Samsonov sollte General  Blagowjeschtschenski  am  26. August unter

Sicherung gegen Rastenburg nach Allenstein zur Armee heranrücken.

In den ersten Morgenstunden war die 6. LwBr nördlich des Großen Lautern-Sees im Abmarsch nach Westen,

als   die  Vorhut   des  XVII.AK  auf  den   Nordflügel   der Sicherungen  des   russischen  VI.AK  stießen.   Die  ersten

Meldungen über den Feind erhielt General von Mackensen vom Kommandeur der 6.LwBr, Gen.Mj. Krahmer, den

er in Lautern traf.

Die vordere, 36.ID seines Korps war am 26. August nach kurzer Nachtruhe von Bischofstein aufgebrochen und

wollte bei Lautern eine Rast einlegen. Da traf ihre Vorhut um 06:00 Uhr 3 km südlich des Ortes auf den schon

entwickelten Gegner. Der Kommandeur der 36.ID, Gen.Lt. von Heineccius, entschloss sich mit Einverständnis

des Generalkommandos, den Kampf bis zum Eintreffen der hinteren Division hinhaltend zu führen. In seiner

Ostflanke machte sich zudem starke russische Kavallerie fühlbar. General von Mackensen setzte die hintere,

35.ID unter Gen.Lt. Hennig weiter östlich auf Groß-Köllen an.

Um 10:00 Uhr lagen Fliegermeldungen vor, dass der Gegner nur östlich der Seenkette stand. Inzwischen hatte

das I.RK seine Bereitstellung westlich der Seen in der Linie Alt-Vierzighufen - Kirchdorf beendet. In Absprache

mit General von Mackensen wollte General von Below nunmehr mit der Masse seines Korps den Marsch nach

Süden   fortsetzen,   um   südlich   des   Dadey-Sees   gegen   die   hinteren   Teile   des   Gegners   einzuschwenken.

Schwächere Kräfte sollten bei Groß-Bössau die linke Flanke des Gegners einstoßen.

Die   russische   4.ID   war  durch   den   Anmarsch   deutscher  Kräfte   von   Norden   völlig   überrascht   worden.   Man

glaubte   zunächt,   nur   eine   Flankensicherung   der   von   Rastenburg   westwärts   marschierenden   deutschen

Einheiten vor sich zu haben. Der russische Divisionskommandeur wollte sie angreifen und schob gleichzeitig

eine  Abteilung   zur  Deckung   über  Groß-Bössau   nach   Westen   vor.   Dadurch   wurden   immer  mehr   Teile   des

deutschen I.RK angezogen. Schließlich griff bei Groß-Bössau der Kommandeur der 36.Reserve - Division (RD),

Gen.Mj.  Kruge,  mit dem  größten  Teil  seiner Division und  der 6.LwBr an.  Der  69. Reserve -  Brigade unter

Gen.Mj. von Homeyer und der 6.LwBr unter Gen.Mj. Krahmer fiel die Hauptarbeit des Tages zu.

Bei Klein-Bössau wehrte sich der Gegner, den See im Rücken, bis zum äußersten. In verlustreichem Ansturm

nahmen die pommerschen Landwehr - Regimenter 34 und 49 abends das Dorf. Mehrere hundert russische

Soldaten wurden gefangen genommen und einige Geschütze erbeutet.

Inzwischen hatte die 1.RD am Südende des  Dadey-Sees feindliche Truppen, die von Osten her vorgingen,

zurückgeworfen.   Es   waren   Teile   der  russischen   16.ID  die  dem   Armeebefehl   entsprechend   nach   Allenstein

abmarschieren sollten.

Der   russischen   4.ID   war   die   Bedrohung   ihrer   Westflanke   und   ihres   Rückens   durch   das   I.RK   seit   dem

Nachmittag bewusst. Gleichzeitig litt ihre gegen das XVII.AK stehende Front unter dem starken Artilleriefeuer

der Deutschen. Der Kommandeur der deutschen 36. Feldartillerie - Brigade, Gen.Mj. Hahndorff, leitete das

Artilleriefeuer einheitlich aus 88 Geschützen.

Am späten Nachmittag begannen die russischen Einheiten auf der ganzen Front zurückzugehen. Der erst spät

einsetzende Infanterieangriff der 36.ID (XVII.AK) traf auf verlassene feindliche Stellungen.

Das I.RK konnte 1700 Gefangene machen und erbeutete 8 MG und 30 Geschütze. (Nach russischen Angaben

beliefen sich die Verluste auf 5300 Mann, 18 MG´s und 16 Geschütze)

Unter dem Eindruck der Niederlage seiner 4.ID gab General Blagowjeschtschenski den Marsch auf Allenstein

auf und ging mit seinem ganzen Korps über Bischofsburg nach Süden zurück. Ob die 4. Kavallerie - Division

am Kampf beteiligt war, ist nicht sicher bekannt.

Der 26. August verlief für die Ostgruppe der deutschen 8. Armee erfolgreich. Die Kühnheit der Armeeführung,

gegen Norden schwach abzusichern um gegen das VI. russische Korps im Süden sicher erfolgreich zu sein,

schuf die Vorraussetzung, die Ostgruppe der 8. Armee in den Rücken der 2. russischen Armee zu bringen. Der

Anfang der Zangenbewegung war gesetzt. Nun kam es noch darauf an, ob das I.AK unter General von

François 80 km weiter südwestlich bei Usdau am nächsten Tag der Durchbruch gelang.

© Eckhardt Dirks
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Tannenberg 1914, Lage am 26. August, Druckversion

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2011-01-29 23:22