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CHESTER 

POUL ANDERSON & MICHAEL KURLAND 

 

 

DIE DROHUNG 

AUS 

DEM ALL 

 
 

Science Fiction – Utopischer Roman 

 

Deutsche Erstveröffentlichung 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

WINTHER VERLAG KG. 

HAMBURG – ZÜRICH – WIEN 

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WINTHER-BUCH Nr. 2001 

im Winther Verlag KG. Hamburg 

 

Titel der amerikanischen Originalausgabe: 

TEN YEARS TO DOOMSDAY 

 

Ins Deutsche übertragen von: 

HELMUT BITTNER 

 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Genehmigte Taschenbuchausgabe 

© Copyright 1966 by Pyramid Publications, Inc. 

Scan by Brrazo 04/2006 

Umschlaggestaltung: Atelier Biehler, Hamburg 

Satz: K. H. Löding KG. Hamburg 

Gesamtherstellung: UNIPRINT, Kopenhagen 

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ERSTES KAPITEL 

 

Das Raumschiff Terran Beaver, ein leichter Kreu-
zer der Konföderierten Raumstreitkräfte, zog lang-
sam seine Bahn am Rande der Milchstraße. Es war 
der siebenundzwanzigste Tag eines völlig norma-
len und routinemäßigen Beobachtungsfluges. Für 
die Besatzung war auch diese Reise wieder, wie al-
le anderen vorher, kaum mit Anstrengungen ver-
bunden. Alle Arbeiten wurden von der Schiffsau-
tomatik erledigt. 

Um 15.20 Uhr Greenwicher Zeit erschien ein 

rätselhafter Punkt auf den Radarschirmen der 
Fernaufklärung. Ritch Hain, D-I-Beobachter der 
Dritten Klasse, drückte gelangweilt auf einen 
Knopf. Damit löste er einen Befehlsimpuls aus, 
und die Beaver  begann mit der Aufzeichnung des 
unbekannten Objektes, das bereits seit drei Minu-
ten auch schon die Fernaufklärung automatisch 
aufzeichnete. Hain wußte nicht, daß er einen histo-
rischen Augenblick von größter Tragweite miter-
lebte. Er vertiefte sich wieder in ein Magazin, das 
er gerade las. 

Um 15.45 Uhr unterbrachen die Kontrollen der 

Beaver  den lesenden Beobachter mit einem lauten 
Summen. Hain warf einen flüchtigen Blick auf den 
Bildschirm. Plötzlich zuckte er zusammen, beugte 

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sich vor, und die Trägheit tagelangen. Stumpfsinns 
fiel von ihm ab. Der rätselhafte Punkt war zu ei-
nem Raumschiff unbekannter Herkunft geworden! 
Deutlich konnte man erkennen, daß es sich um ei-
nen Kriegsraumer handelte. 

Wie ein nervöser Pianist ließ Hain seine Finger 

über die Knopfreihen der Instrumente tanzen. Im 
ganzen Schiff ertönten Klingeln, Glocken und 
Alarmsirenen. Überall begannen vorprogrammierte 
Schaltvorgänge abzulaufen. Ritch Hain, D-I-
Beobachter der Dritten Klasse, hatte den ersten 
Großalarm auf der Terran Beaver seit ihrem Sta-
pellauf ausgelöst. 

Er lehnte sich aufatmend zurück und wartete ab, 

was weiter geschehen würde. 

 

 
Auf sämtlichen bekannten Frequenzen wurden den 
Fremden die üblichen Erkennungssignale zuge-
strahlt. Der Kapitän und der Xenologe, Spezialist 
für fremde Rassen, erschienen beide gleichzeitig 
im Kommandostand. Beide redeten sie wirr durch-
einander. Die Terran Beaver fieberte und pulsierte 
vor Erregung. 

Endlich ein Kontakt mit einer fremden Rasse! 

Das Abbild auf den Bildschirmen wurde immer 
größer. Es war unverkennbar, daß die Fremden ei-

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ner bisher unbekannten Zivilisation angehörten. 
Damit stieß ein Schiff der Föderation zum ersten 
Male seit mehr als dreihundert Jahren wieder auf 
Abgesandte einer unbekannten Welt. Bald mußte 
die Verbindung hergestellt sein. Man würde die 
Ankömmlinge einladen, sich der Föderation anzu-
schließen. Selbstverständlich würden sie anneh-
men. Die Besatzungsmitglieder der Beaver durften 
damit rechnen, als Helden gefeiert zu werden. Al-
len winkten große Belohnungen und … 

Um 15.51 Uhr eröffnete das fremde Raumschiff 

aus einer eindrucksvollen Batterie von Waffen das 
Feuer. Die Abwehrwaffen der Beaver,  noch nie 
zuvor ernsthaft erprobt, reagierten automatisch. 
Der Computer begann mit seiner Arbeit, Relais 
klickten, Schaltungen legten sich um Und rasteten 
ein. Vorprogrammierte Gegenmaßnahmen liefen 
an. 

Um 15 Uhr 51,0685 sec. blieb von dem unbe-

kannten Raumschiff nur eine sich rasch ausdeh-
nende Wolke stark strahlender Gase übrig. 

So endete diese Kampfhandlung der Konföde-

rierten Raumstreitkräfte, die erste, die es innerhalb 
der letzten eintausend Jahre gegeben hatte. Die 
Terran Beaver schwang herum und nahm Kurs auf 
Terra. 

 

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ZWEITES KAPITEL 

 

»Was für eine mutterverdammte Nacht!« 

Hurd Gar-Olnyn Saarlip lauerte im finstersten 

Türwinkel, den er hatte finden können. Sein geflü-
stertes Selbstgespräch bezog sich auf das Ding, das 
er drehen wollte. 

»Hier kommt keine Geldbörse vorüber, keine 

wohlgefüllte Tasche. Vornehme Leute meiden die-
se dunklen Gassen. Hungernd werde ich diese 
Nacht einschlafen müssen, hungriger als zuvor.« 

Hurd war ein Dichter. Das rief er sich immer 

wieder voller Stolz ins Gedächtnis und brachte es 
auch in seinen. Selbstbemitleidungen zum Aus-
druck. Früher war er Hofdichter bei einem unge-
wöhnlich noblen Baron gewesen. Dieser vornehme 
Herr war jedoch unglücklicherweise ohne Nach-
kommenschaft verstorben. Dadurch waren Hurd 
nur zwei Möglichkeiten offengeblieben: Entweder 
konnte er seine persönliche Begabung anderweitig 
verkaufen, womöglich an ein reiches altes Weib 
mit einer Vorliebe für Gladiatorenkämpfe, oder er 
mußte seiner Begabung untreu werden und einfach 
davonlaufen, um das Leben eines gesetzlosen Ver-
brechers zu führen. Für Hurd Gar-Olnyn Saarlip, 
Dichter und Sohn eines Dichters, hatte es ange-
sichts dieser Lage keine Wahl gegeben. Nicht für 
einen Mann wie ihn. 

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»Wohlan, die Nacht ist kühl«, setzte er sein 

Selbstgespräch fort, »und hier kommt niemand 
vorüber, der reicher wäre als ich selbst. Mutter, erhö-
re mein Gebet: Schick mir einen reichen Kaufmann 
voll des süßen Weines – oder wenigstens den Gehil-
fen eines Wirtes, der die Einnahmen dieser Nacht 
nach Hause trägt! Allerdings«, fügte er nach einer 
Pause hinzu, »sind diese jungen Männer oft stark 
und lassen sich nicht gern berauben.« Er erschauerte. 

Die Gaslaterne an der Ecke flackerte unruhig im 

schneidenden Winterwind. Das Licht warf drohen-
de Schatten über die Gebäude aus schweren Holz-
balken in der engen Straße. 

»Mutter,  erhöre das Flehen deines diebischen, 

aber treu ergebenen Kindes. Nur dieses eine Mal, 
und …« 

Hurds Flüstern verstummte beim Geräusch zö-

gernder Schritte. Er drückte sich noch tiefer in die 
dunkle Türnische und verharrte bewegungslos, 
obwohl er innerlich vor Kälte zitterte. 

Ein hochgewachsener, schlanker junger Mann in 

warmer und kostbarer Kleidung kam um die Ecke 
und blieb unsicher stehen. Offenbar suchte er nach 
einem Straßenschild. Als er nicht fand, was er 
suchte, ging er langsam auf Hurds Versteck zu. 

»Dein nichtsnutziger Abkömmling lobpreiset 

dich«, flüsterte Hurd für den Fall, daß Mutter  zu-
hörte. 

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Der Fremde schien sich verlaufen zu haben. Au-

ßerdem wies ihn seine Kleidung und die tröstliche 
Rundung seiner Geldkatze als reichen Mann aus. 
Da er wohlhabend und zugleich glatt rasiert war, 
zu einer Zeit, in der alle reichen Männer in Lyff-
darg Bärte trugen, mußte es ein Fremder sein. 
Womöglich ein reicher Kaufmann aus Freydarg, 
der fernen Hafenstadt im Westen, den niemand 
vermißte, falls Hurd gezwungen war, ihm das Le-
ben zu nehmen, um an seine Börse heranzukom-
men. Das Beste aber war, daß dieser Fremde mit 
langsamen, unsicheren Schritten ging. Vielleicht 
war er betrunken und hilflos. 

Hurd berauschte sich an dem, was er gleich tun 

würde. Bei dem Gedanken daran wurde ihm warm, 
und er spürte nicht mehr die bittere Kälte. 

Während der Fremdling an Hurds Versteck vor-

beiging, betrachtete er eingehend ein Haus auf der 
anderen Straßenseite. Dafür sandte Hurd ein stilles 
Dankgebet zu Mutter empor. 

Jetzt war der Augenblick gekommen. Jetzt fehlte 

nur noch der eine, wohlgezielte Hieb mit der 
Handkante in den Nacken des Fremden. Dann gab 
es für Hurd einen Monat lang saftige Braten und 
edle Weine. 

Hurd sprang zu… 
… und flog im nächsten Augenblick in hohem 

Bogen auf das feuchte Kopfsteinpflaster. Wie ein 

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nasser Sack rollte er ein Stück vor dem Fremden 
weiter. 

Aus seiner lang hingestreckten Lage auf den 

Steinen hatte Hurd einen ausgezeichneten Blick 
auf den Stiefel des Fremden, der seinem Hals im-
mer näher kam. Das war keineswegs ermutigend. 

»O bitte, Euer Hochwohlgeboren, verschont 

mich«, wand sich Hurd. »Ich bin nur ein armer 
Mann. Tagelanger Hunger und das Weinen meiner 
armen Kinder haben mich zu dieser traurigen Tat 
getrieben. Nie zuvor habe ich dergleichen getan.« 

Noch während er um Gnade winselte, dämmerte 

es ihm, daß er sich in der Lage befand, die er ei-
gentlich dem Fremden zugedacht hatte. Er konnte 
sich diesen unangenehmen Rollentausch gar nicht 
erklären. Deshalb unterbrach er seine wohlgesetzte 
Rede und fragte banal: »Was ist eigentlich gesche-
hen?« 

Der Fremdling blieb völlig ruhig. 
»Hebelwirkung und Drehmoment«, erklärte er 

ungerührt »Grundbegriffe der Physik, mehr nicht. 
Würden Sie mir bitte das Haus von Tarn Gar-Ter-
rayen Jellfte, des Leibarztes des Königs, zeigen?« 

»Was mich zu Boden gebracht hat, nennen Sie 

Physik?« 

»Ein anderes Wort dafür ist ›Judo‹, falls Ihnen 

das weiterhilft, was ich bezweifle. Wo wohnt nun 
Doktor Jellfte?« 

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Der Mann schien überhaupt nicht zu merken, 

daß sein Fuß fest und schwer auf Hurds magerem 
Hals stand. 

»Werden Sie mich der Garde übergeben?« Hurd 

spürte den Fuß des Fremden immer stärker. Tat-
sächlich, das Gewicht nahm mit jeder Sekunde zu. 

»Natürlich nicht, Mann. Ich will eine Auskunft, 

nicht Ihr Blut. Indessen …« Er brach ab. 

Hurd lag nichts daran, das Ende dieses Satzes zu 

hören. 

»In Lyffdarg kann man sich sehr leicht verlau-

fen«, plapperte er drauflos, »und man weiß aus Er-
fahrung, wie schnell Fremde hier verschwinden. 
Aber das Haus des Hochwohlgeborenen Königli-
chen Leibarztes Tarn Jellfte, des ehrenwertesten 
Erben eines großen Vaters, von dem ich allerdings 
nur wenig weiß, wie ich eingestehen muß, ist nur 
sieben Blocks von hier entfernt. Und ich, der ich 
mich in allen Straßen dieser Stadt gut auskenne …« 

Der Fuß auf seinem Hals wurde schwerer. Hurd 

verlor den Faden. 

»Ich würde Sie sehr gern dorthin führen, wenn 

es Ihnen recht wäre, Euer Hochwohlgeboren«, 
setzte er lahm hinzu. 

Der Fremde gab Hurd frei und half ihm hoch, 

drehte ihm dabei jedoch den rechten Arm auf den 
Rücken. Hurd merkte, daß dieser Griff sehr 
schmerzhaft wurde, sobald er nur den geringsten 

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Widerstand zu leisten wagte. 

»Führen Sie. Ich folge Ihnen, und zwar sehr 

dicht, wie Sie bemerken werden.« 

Schweigend gingen die beiden Männer den 

Block entlang. 

Für den Fall, daß Mutter ihn immer noch hörte, 

murmelte Hurd unhörbar eine Reihe von Gebeten 
und erflehte ihre Hilfe. Aber da sie ihm einen sol-
chen unfairen und ausgesprochen häßlichen Streich 
gespielt hatte, durfte er kaum auf Erhörung hoffen. 

Der Fremde unterbrach Hurds stummes Flehen. 
»Sagen Sie mal, bedienen sich alle Einwohner 

von Lyffdarg der gehobenen Sprechweise. Es dürf-
te sich wohl um Blankverse handeln, oder?« 

»Euer Hochwohlgeboren?« 
»Ich sagte …« 
»Nein, Hoher Herr, ich habe Euch beim ersten 

Male wohl verstanden. Könnte es sein, daß Ihr 
auch ein Dichter wäret?« 

Vielleicht war Mutter doch noch auf seiner Sei-

te? Die Gilde der Barden hielt zusammen, das war 
ungeschriebenes Muttergesetz. 

Der unbekannte Mann seufzte erleichtert. »Dann 

ist es also nicht nötig, dauernd so gespreizt zu 
sprechen? Großartig! Darüber habe ich mir schon 
Sorgen gemacht. Auf den Lehrbändern war davon 
nichts zu hören. Kein Wort von Poesie. Und ich 
glaube kaum, daß die übrigen Mannschaftsmitglie-

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der damit fertig geworden wären. Die Sprache der 
Lyffaner ist schon in Prosa schwer genug zu be-
herrschen.« 

»Lehrbänder?« 
Der Mann war offensichtlich ein Ausländer, das 

stand fest, aber wo im Verborgenen Garten der 
Mutter  
mochte er wohl solche fremdartigen Aus-
drücke gehört haben? 

»Das würden Sie sowieso nicht verstehen. Sagen 

Sie, alter Knabe, haben Sie auch einen Namen?« 

»Name?« Hurd überlegte rasch, ob er es wagen 

konnte, dem Fremden, der doch kein Dichter zu 
sein schien, seinen richtigen Namen zu nennen. 
Andererseits, konnte er jetzt eine Lüge riskieren? 

Sie kamen durch eine enge Gasse. Aus der Dun-

kelheit taumelte plötzlich ein vollkommen betrun-
kener junger Edelmann heran. Sein Bart war gut 
einen halben Arm lang. Bei der gegenwärtigen 
Mode mußte er also mindestens ein Unterherzog 
sein. 

»Aus dem Weg, du mutterverdammter sittenlo-

ser Strolch«, lallte der Edelmann mit schwerer 
Zunge. 

»Was soll das heißen?« mischte sich der Fremde 

ein. 

Hurd versuchte, ihn eilends weiterzuziehen. Aber 

der Unbekannte blieb stehen. Hurd konnte nicht 
anders, er mußte gleichfalls im Schritt verhalten. 

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»Holla! Die Bürger leisten Widerstand.« Der be-

trunkene Edelmann zeigte wildes Vergnügen. 
»Garlyn, Tchornyo, hierher!« 

Zwei weitere Edelmänner traten in den Licht-

schein. Auch sie trugen Bärte von halber Armes-
länge und waren wie ihr Gefährte sehr elegant und 
farbenfreudig gekleidet Auch sie waren noch sehr 
jung und ebenfalls nicht mehr sicher auf den Bei-
nen. Wie auf Kommando zogen sie ihre Degen. 
Hurd empfahl seinen Geist der Großen Mutter. 

»Was wollen Sie?« fragte der Fremde. 
»Ein wenig sportliche Unterhaltung, du bartloser 

Bürger«, gab einer der herantaumelnden jungen 
Leute zur Antwort. 

»Dein feiges Blut wird zuerst fließen«, fügte der 

andere hinzu. Der Edelmann, mit dem sie zuerst 
zusammengestoßen waren, räusperte sich und ver-
kündete dann mit weithin schallender Stimme: 
»Deine Mutter hat sich an fremde Männer ver-
kauft!« 

Diese Worte wären schon in jeder anderen Kul-

tur eine Beleidigung gewesen. Hier aber, wo man 
Die Mutter als Symbol des Göttlichen verehrte, 
wogen die Worte noch viel schwerer. Sie waren ei-
ne tödliche Beleidigung und zugleich die Auffor-
derung zum Töten oder Getötetwerden. 

Der Fremde ließ Hurd los. Dabei flüsterte er ihm 

zu: »Einen Fluchtversuch würden Sie nicht überle-

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ben, Alter.« Dann wandte er sich mit der nüchter-
nen Feststellung an die Edelleute: »Jeder Fremd-
ling würde ein solches Angebot eurer Mütter zu-
rückweisen.« Darauf folgte tödliche Stille. Der 
Fremde fuhr fort: »Eure Mütter wissen ja nicht 
einmal, wer euch gezeugt hat.« Noch ehe er eine 
weitere Variation hinzufügen konnte, stürmten die 
jungen Edlen auf ihn los. 

Hurd suchte Schutz und Deckung in der näch-

sten Haustür. Aus sicherer Entfernung beobachtete 
er voll Angst und Ehrfurcht den ungleichen 
Kampf. 

Einer der jungen Edelmänner stürzte sich auf 

den Fremden. Er schwang seinen rasiermesser-
scharfen Degen. Der Unbekannte wich tänzelnd 
der niedersausenden Klinge aus. Zugleich packte er 
den langen Bart des Angreifers und zerrte kräftig 
daran. Der Bart erwies sich als falsch. Er blieb in 
seiner Hand hängen. Ein höhnisches Lachen aus-
stoßend, stellte der Fremde seinem bleich gewor-
denen Gegner ein Bein und schleuderte im glei-
chen Augenblick den künstlichen Bart dem näch-
sten Angreifer ins Gesicht. 

Der Edelmann stürzte und rutschte über das 

Pflaster. Knapp eine Armeslänge von Hurds Ver-
steck entfernt, blieb er liegen. 

Ein bisher nie empfundenes Glücksgefühl erfüll-

te Hurd. Voller Haß schrie er: »Liebe Mutter, ver-

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gib deinem armseligen Sohn diese schandbare 
Freude!« Dabei trat er dem Edelmann gegen den 
Kopf. Blut sickerte auf die feuchten Steine. 

Unterdessen setzten die beiden anderen Edlen 

dem Fremden heftig zu. Ihre Degenspitzen um-
zuckten ihn wie tückische, stechbereite Insekten. 
Es grenzte schon ans Wunderbare, wie der Mann 
immer dorthin tänzelte, wo sich gerade keine De-
genklingen befanden. Andererseits konnte er selbst 
keinen der Fechter angreifen, ohne vor die Klinge 
des anderen zu geraten. Trotz der beißenden Kälte 
standen dem Fremden Schweißtropfen auf der 
Stirn. 

»Jetzt ist es mit dir zu Ende!« höhnte einer der 

Edelleute, »denn ich habe meine Klinge in Mutter-
›Milch‹ 
getaucht.« 

Mutter-›Milch‹  war ein Giftgemisch mit sofort 

tödlicher Wirkung, sobald es in die Blutbahn ge-
langte. Es bestand vor allem aus Zyankali und ei-
nem Kräuteralkaloid. 

Der andere Edelmann verhielt sich abwartend. 

Der Fremde schob sich auf ihn zu. 

Hurds Blick fiel auf den Edlen zu seinen Füßen. 

Entsetzt stellte er fest, daß ein Toter vor ihm lag. 

»Nun,  Gütige Mutter, schütze mich«, schrie er, 

»denn niemand stirbt den Langen Tod mehr als 
einmal!« 

Wie einen Wurfspieß schleuderte er den Degen 

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des Toten gegen den Edelmann mit der vergifteten 
Klinge. Das kam so überraschend, daß dieser keine 
abwehrende Bewegung mehr machen konnte. Der 
Degen fuhr ihm durch die Kehle, und er stürzte rö-
chelnd zu Boden. Noch einmal bäumte sich sein 
Körper auf, dann brach er zuckend zusammen. 

»Gute Arbeit«, sagte der Fremde mit ruhiger 

Stimme. 

Der überlebende Edelmann wagte einen ver-

zweifelten Ausfall, traf den Fremden, aber dann 
verließ ihn der Mut. Hysterisch um Hilfe schrei-
end, machte er kehrt und rannte in die Dunkelheit 
hinein. Den Degen ließ er in der rechten Schulter 
des Fremden zurück. 

Sein Geschrei verlor sich in der Ferne. Hurd und 

der Fremde blickten sich an. Zu ihren Füßen lagen 
zwei blutige Leichen. Jetzt, als die Erregung ver-
ebbte und er wieder klar zu denken vermochte, ü-
berfiel Hurd panisches Entsetzen. 

»Wir – sind – erledigt«, stammelte er. »Man 

wird uns bestimmt fangen! Und wenn die halbe 
Stadt ins Gefängnis geworfen werden muß, sie be-
kommen uns. Darauf steht die Monatsstrafe! Wis-
sen Sie, was das heißt? Kennen Sie den Langen 
Tod?  
Dreißig endlose Tage werden wir, dem Ge-
setz der Mutter gemäß, ein Stück näher an den Tod 
herangequält werden. Und dabei haben wir noch 
einen Zeugen davonlaufen lassen.« 

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Den Fremden aber schien das kaltzulassen. Er 

machte sich offensichtlich viel mehr Sorgen um 
den Degen in seiner Schulter. Langsam und vor-
sichtig zog er ihn heraus. Sein Gesicht blieb unbe-
wegt. Die Wunde begann stark zu bluten. 

»Los, mein Freund«, stieß er zwischen zusam-

mengebissenen Zähnen hervor. »Bringen Sie mich 
zu Doktor Jellftes Haus, sofort!« 

Sie eilten davon. Trotz seiner Angst vergaß 

Hurd nicht, die Geldbörsen der beiden Toten mit-
zunehmen. Als sie prall und schwer in seine Ta-
sche glitten, murmelte er: »Auf alle Fälle habe ich 
gut zu essen, bis ich festgenommen werde.« 

Tarn Gar-Terrayen Jellfte, Herzog von Lyff, 

Leibarzt des Königs und Ehrenmitglied der Gilde 
der Heilkundigen, wurde um eine mutterverdammt 
späte Stunde aus seinen wohligen Träumen geris-
sen. Jemand donnerte an seine Haustür und verur-
sachte einen ungebührlichen Lärm. Wie die mei-
sten Edelleute von Lyffan neigte der Arzt dazu, 
wichtigtuerisch, überpedantisch und konservativ, 
dabei aber auch furchtsam zu sein. Deshalb hätte er 
am liebsten sofort um Hilfe gerufen, als er seine 
Tür öffnete und draußen einen zwar reich gekleide-
ten, aber verwundeten jungen Mann und einen zer-
lumpten Burschen erblickte, der höchstwahrschein-
lich ein Verbrecher war. 

Der Arzt wurde von dem Verletzten auf Terra-

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nisch angeredet. Er konnte den schnell hervorge-
stoßenen Worten zunächst nicht folgen. Der Arzt 
hatte diese Sprache seit zwölf Jahren weder gehört, 
noch selbst gesprochen. Sein erster Gedanke war, 
daß anscheinend sein Auftrag hier als beendet an-
gesehen wurde. Den nächsten Impuls, nämlich 
ohnmächtig zu werden, unterdrückte er mit vor-
nehmer Haltung. 

Dann sagte er leise auf Terranisch: »Bitte, spre-

chen Sie langsamer! Es ist lange her, seit ich diese 
Sprache gehört habe. Ich kann Sie nicht ganz ver-
stehen.« 

Der Terraner und der Dichter-Ganove schoben 

sich in den Hausflur und schlossen hinter sich die 
Tür. 

»Möchten Sie lieber Lyffanisch mit mir spre-

chen?« fragte der junge Mann. 

»Hm … ich meine nur …« Doktor Jellfte suchte 

nach Worten. Schließlich meinte er in der Sprache 
der Lyffaner: »Schließlich ist es wirklich eine lan-
ge Zeit her.« 

»Schon gut. Bitte heben Sie Ihre rechte Hand!« 
Von der Kette der Ereignisse völlig verwirrt und 

überzeugt davon, daß der Vagabund sein Haus auf 
Beute abschätzte (was dieser auch wirklich tat), 
hob Dr. Jellfte die Hand. 

Das Lyffanisch des jungen Mannes war genauso 

schnell und schwer zu verstehen wie sein Terra-

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21 

nisch. »Sie schwören bei allem, was Ihnen heilig 
ist und was Sie zur göttlichen Richtschnur Ihres 
Lebens erkoren haben, daß Sie die Verfassung der 
Terranischen Föderation der Planeten bewahren 
und verteidigen werden, soweit es in Ihren Kräften 
steht. Sie schwören, daß Sie sich den Gesetzen der 
Terranischen Föderation der Planeten und dem Re-
glement der Raumstreitkräfte der Föderation un-
terwerfen, die hiermit als inbegriffen betrachtet 
werden, und zwar für die Dauer dieses Auftrages. 
So wahr Ihnen Ihre Gottheit, oder welches Wesen 
auch immer das Ethos Ihres Lebens bestimmt, hel-
fen möge. Sprechen Sie mir nach: ›Ich schwöre 
es‹.« 

Benommen, durcheinandergewirbelt und völlig 

automatisch flüsterte Dr. Jellfte zögernd: »Ich – 
schwöre es.« 

»Großartig.« Der Fremde salutierte. »Sir, kraft 

der mir verliehenen Machtbefugnisse ernenne ich 
Sie zum aktiven Reserveoffizier und zugleich zum 
Kommandierenden Befehlshaber. Ihnen ist aufge-
tragen, das Kommando über alle Raumstreitkräfte 
und deren Einrichtungen auf dem Planeten Lyff zu 
übernehmen. Für die Dauer des gegenwärtigen 
Notstandes haben Sie eng mit der Sonderabteilung 
L-2 zusammenzuarbeiten. Hier bekommen Sie al-
les schriftlich.« 

Er zog einen mit Blut beflecktem Briefumschlag 

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aus der Jackentasche und überreichte ihn dem ver-
wunderten Arzt. 

»Ich heiße John Harlen – und – « 
Ein Stöhnen entrang sich seinem Mund. Der 

junge Terraner brach zusammen. 

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23 

DRITTES KAPITEL 

 

Fünfundzwanzig Tage vor diesen Ereignissen auf 
Lyff war die Terran Beaver auf der Mondbasis der 
Konföderierten Raumstreitkräfte eingetroffen. 
Kaum weniger als eine halbe Stunde nach Ankunft 
des Schiffes wurde der Zentral-Computer schon 
mit den Logangaben der Beaver  gefüttert. Das E-
lektronengehirn brauchte fast eine weitere halbe 
Stunde, um das Abenteuer der Beaver mit all dem 
zu vergleichen, was sich während der letzten tau-
send Jahre in der Geschichte der Föderation ereig-
net hatte. Die Schlußfolgerungen des Computers 
gingen sofort an das Nachrichtennetz. 

Das geschah fünf Stunden, bevor die Mann-

schaft der Beaver die Erlaubnis zum Landgang er-
hielt. So erfuhr Ritch Hain als einer der letzten 
durch das Nachrichtengerät in seiner Wohnung, 
daß er das Eröffnungsgefecht des ersten intergalak-
tischen Krieges miterlebt hatte. 

Admiral der Raumstreitkräfte Edvalt Bellman 

war der erste, der diese Information erhielt, denn 
das Zentralgehirn war direkt mit seinem Büro ver-
bunden. Den größten Teil des Computerberichtes 
gab er an das Parlament weiter. Mit einer Ausnah-
me. Von dem Absatz, der mit »GEHEIME KOM-
MANDOSACHE! ÄUSSERST DRINGEND! 
STRENG VERTRAULICH!« gekennzeichnet war, 

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24 

setzte er nur drei weitere Personen in Kenntnis. 
Das geschah in einer Konferenz am gleichen 
Nachmittag. 

Mit langen Schritten durchmaß er das enge Bü-

ro. 

»Wir haben zehn Jahre Zeit«, erklärte der Admi-

ral. 

Die drei jungen Offiziere, zu denen er sprach, 

zeigten sich erstaunt. 

»Zehn Jahre? Wo liegt denn da das Problem?« 
Der Sprecher war Ansgar Sorenstein, der jüngste 

der drei. Bis zum heutigen Nachmittag war er ein 
kleiner, verhältnismäßig unbekannter Nachrichten-
offizier gewesen, dessen unverkennbare Begabung 
ihn seinen Vorgesetzten aber bereits seit längerem 
für Spezialaufgaben empfohlen hatte. 

»Das Problem«, erklärte Bellman ernst, »liegt 

darin, daß wir fünfzehn Jahre brauchen.« Er blieb 
hinter seinem Schreibtisch stehen und warf noch 
einmal einen Blick auf den vertraulichen Bericht. 
»Ja«, fuhr er fort, »mindestens fünfzehn Jahre, 
wenn nicht sogar noch länger. Wissen Sie, daß un-
sere gesamte Streitmacht im Augenblick aus elf 
Schiffen besteht?« 

Nach einem Augenblick des Schweigens setzte 

er hinzu: »Wir wissen ja noch nicht einmal, wer 
uns angreift. Immerhin haben wir es augenschein-
lich mit einer ziemlich angriffslustigen Rasse zu 

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25 

tun. Diese Wesen schießen erst und stellen später 
Fragen, wenn überhaupt. So ist es der Beaver  er-
gangen. Das Zentralgehirn hat unwiderleglich ge-
folgert, daß genau das gleiche den vierundzwanzig 
anderen Beobachtungsschiffen zugestoßen ist, die 
wir während der letzten fünf Jahre verloren haben. 
Die  Beaver  wäre ihr fünfundzwanzigster Abschuß 
gewesen. Aber sie ist ein Kriegsraumer und wußte 
sich daher zu wehren. Die Angreifer verfügten über 
fast so gute Waffen wie wir selbst. Das beweisen 
die Logangaben der Beaver. Und der Feind hat sich 
auf diesen Krieg vermutlich schon seit langer Zeit 
vorbereitet.« 

Pindar Smith hob die Hand. 
»Sir?« 
»Ja?« 
Der junge Offizier erhob sich respektvoll. Sein 

Eifer war unverkennbar. »Ich meine, Sir, daß wir 
uns ohne Schwierigkeiten auf den Angriff einstellen 
können, nachdem wir so viel über den Feind wissen. 
Schließlich sind zehn Jahre eine lange Zeit.« 

John Harlen lachte zynisch. 
»Es gibt nur eine Schwierigkeit, mein Junge. Die 

anderen kennen uns fünf Jahre länger, als wir sie 
kennen.« 

Smith setzte sich zerknirscht hin, und Admiral 

Bellman fuhr fort: »Das ist ein Teil des Problems, 
jawohl. Hinzu kommt, daß unsere Gegner ihr Wirt-

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26 

schaftspotential bereits auf den Krieg eingestellt 
haben dürften. Ohne Zweifel haben sie mit dem 
Aufbau ihrer Streitkräfte in dem Augenblick be-
gonnen, als sie uns entdeckten. Wir brauchen min-
destens zwei Jahre, ehe wir überhaupt richtig an-
fangen können.« 

»Das ist der Preis für den Frieden«, murmelte 

John Harlen. 

Über eine Stunde lang wurde das Problem ein-

gehend erörtert. Bellman hörte zu und beobachtete 
dabei genau seine Gegenüber. Er beschränkte sich 
darauf, hin und wieder etwas einzuwerfen, um in 
der Diskussion bestimmte Aspekte deutlich hervor-
treten zu lassen. Was er hörte, gefiel ihm. Die Lie-
utenants Harlen, Smith und Sorenstein waren der 
Stolz des Verbindungskorps. Sie waren nicht nur 
Spezialisten auf vielen Gebieten, sondern – was 
viel wichtiger war – in der Lage, integrierend und 
homogen zu denken und so die Erkenntnisse auch 
anderer wissenschaftlicher Disziplinen für ihre Ar-
beit fruchtbar zu machen. Bellman war überzeugt 
davon, daß diese drei die vor ihnen liegende Auf-
gabe meistern würden, wenn sie überhaupt zu 
schaffen war. 

John Harlen zum Beispiel war Diplomingenieur 

und hatte einen Doktorgrad in Mathematik. Einige 
Zeit war er ferner als Psychotherapeut tätig gewe-
sen. 

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27 

Ansgar Sorenstein, der Journalist, war erst vier-

undzwanzig Jahre alt. Doch hatte er bereits Dok-
torgrade in Physik, Musik, Anthropologie und or-
ganischer Chemie erworben. Seine Tätigkeit als 
Pressemann betrachtete er eigentlich mehr als 
Hobby. 

Pindar Smith war Geschäftsmann, ein sehr er-

folgreicher sogar. Die von ihm gegründete Firma 
Pindar Enterprises Ltd. war in verschiedenen Bran-
chen tätig. Sie handelte mit Textilien, landwirt-
schaftlichen Produkten und Erzeugnissen der me-
tallverarbeitenden Industrie. Smith war Spezialist 
auf diesen Gebieten. Darüber hinaus verstand er 
etwas von Elektronik und Geschichte. Zur Ent-
spannung, wie er es ausdrückte, beschäftigte er 
sich in seiner Freizeit mit utopischer Soziologie. 

»Meine Herren«, unterbrach Bellman die Dis-

kussion, »Sie scheinen die Situation also erfaßt zu 
haben. Jetzt möchten Sie wahrscheinlich erfahren, 
was das alles mit Ihnen zu tun hat.« 

»Das scheint auf der Hand zu liegen«, antworte-

te John Harlen. »Wir gehören alle dem Verbin-
dungskorps an, nicht wahr? Das könnte ein Zufall 
sein. Oder Sie haben eine recht unorthodoxe Art 
des Vorgehens im Sinn. Jedoch, das Zentralgehirn 
verläßt sich nicht auf Zufälle. Seit unserer Ankunft 
wissen wir bereits, was uns erwartet. Wir brauchen 
nur noch die Einzelheiten zu hören. Was für einen 

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28 

hinterhältigen Trick haben Sie sich diesmal ausge-
dacht, Sir?« 

Bellman hatte nicht gedacht, daß er noch verle-

gen werden konnte. »Das Zentralgehirn hat einen 
Plan entwickelt …«, begann er. 

»Einen illegalen Plan, schätze ich«, warf Soren-

stein ein. 

»Etwas außerhalb der Legalität, aber wirksam«, 

fügte Smith hinzu. »Ich erinnere mich noch an das 
Ding, das wir auf Maury’s World drehen mußten. 
Ihr wißt doch, als wir einbrechen und…« 

»Meine Herren!« Bellman zeigte sich von den 

Erinnerungen der drei Offiziere wenig beeindruckt. 
Die jungen Männer verstummten. »Vielen Dank, 
meine Herren. Ihre nächste Aufgabe betrifft den 
Planeten Lyff.« 

»Das habe ich mir gedacht«, flüsterte Smith. 

»Schon wieder eine Kontaktverletzung.« 

Bellman ignorierte Smith. »Der Planet Lyff 

dürfte das erste Gebiet innerhalb der Föderation 
sein, das der Feind angreifen wird. Nach den Be-
rechnungen des Zentralgehirns …« 

»Aber, Sir«, unterbrach ihn Sorenstein, »Lyff 

gehört doch gar nicht zur Föderation!« 

»Noch nicht, aber das wird sich bald ändern. Je-

denfalls, bis der Feind losschlägt.« 

Bellman machte eine Pause, um abermals in den 

Bericht zu blicken. »Ja«, meinte er dann, »der Pla-

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29 

net Lyff wird von einer Rasse bewohnt, die unserer 
Ansicht nach die Nachkommenschaft eines frühe-
ren Kolonisationsversuches darstellt. Wir wissen 
nicht, wie diese Leute nach Lyff gekommen sind. 
Sie selbst haben auch keine Geschichtsaufzeich-
nungen darüber. Aber es muß ungefähr fünfzehn-
hundert bis zweitausend Jahre gedauert haben, bis 
sie ihren gegenwärtigen Kulturstand erreichten. 
Die Lyffaner sind die einzigen Säugetiere auf dem 
Planeten, wenn Sie den Ausdruck gestatten. Selbst 
angesichts des Fehlens aller weiteren Beweise soll-
te dies einen klaren Schluß zulassen.« 

Bellman blickte die drei Männer nacheinander an. 
»Vor zwölf Jahren entsandte die Spezialabtei-

lung fremde Rassen‹ des Ministeriums für Auswär-
tige Angelegenheiten einen Agenten nach Lyff, ei-
nen Arzt. Aus seinen Berichten war bisher nur zu 
entnehmen, daß die Lyffaner menschliche Wesen 
terranischen Ursprungs seien, was wir bereits wuß-
ten. Das Zentralgehirn hat nun bestimmte Pläne 
mit Lyff. Wie gesagt, es ist anzunehmen, daß der 
erste Angriff des Feindes in etwa zehn Jahren zu-
nächst den Planeten Lyff treffen wird. Die Födera-
tion wird zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ge-
nügend Raumkreuzer zur Verfügung haben, um 
Lyff wirksam verteidigen zu können. Deshalb 
müssen wir die Lyffaner dazu bringen, dies selbst 
in die Hand zu nehmen. Ist das klar?« 

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30 

»Ich hätte noch einige Fragen, Sir.« 
»Schießen Sie los, John.« 
»Erstens: Wie viele Leute werden Sie zur Ver-

fügung stellen?« 

»Sie drei, dazu kommt dann noch der Arzt, der 

sich bereits dort befindet.« 

»Vier Männer? Wie weit ist Lyff jetzt mit den 

Vorbereitungen, Sir? Ich meine, über welche 
Raumstreitkräfte verfügen die Leute dort? Wie 
steht es mit Waffen? Gibt es …« 

»Halt, John, ich sehe, daß ich mich nicht klar 

genug ausgedrückt habe. Die Kultur der Lyffaner 
hat einen Stand erreicht, den ich als vortechnisch 
bezeichnen möchte. Ohne äußere Hilfe wird man 
auf Lyff vielleicht erst innerhalb der nächsten hun-
dert Jahre einen Explosionsmotor herstellen kön-
nen.« 

Harlens Kinnlade fiel herab. 
»Ich verstehe. Und was sollen wir tun?« 
»Die Entwicklung vom Verbrennungsmotor bis 

zum Raumflug nimmt für gewöhnlich zwischen 
achtzig bis einhundert oder einhundertfünfund-
zwanzig Jahre in Anspruch. Ihre Aufgabe wird es 
sein, diese Zeitspanne auf weniger als zehn Jahre 
zu komprimieren. Das soll, wenn möglich, durch-
geführt werden, ohne das bisherige Wirtschaftssy-
stem der Lyffaner mehr als nötig durcheinanderzu-
bringen. Das Zentralgehirn hat errechnet, daß Ihre 

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31 

Chancen etwa fünfzig zu fünfzig stehen. Persönlich 
bin ich der Meinung …« 

Der Ton einer hellen Glocke unterbrach den 

Admiral. 

»Ihr Schiff scheint fertig zu sein. Wir stellen Ih-

nen“ die alte Andrew Blake zur Verfügung. Für die 
Reise brauchen Sie fünfundzwanzig Tage. Das gibt 
Ihnen genug Zeit, Ihr Vorgehen zu planen. Viel 
Glück, meine Herren!« 

 

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32 

VIERTES KAPITEL 

 

»Ich finde, wir sollten Hurd ab sofort zu unserer 
Mannschaft zählen«, sagte Harlen. »Schließlich 
kennt er die Stadt genau. Er weiß am Hofe und in 
der Unterwelt Bescheid. Obwohl er eine gute Er-
ziehung genossen hat, kann er auch mit einfachen 
Leuten umgehen. Er hat Seite an Seite mit mir ge-
kämpft. Außerdem weiß er jetzt genug, um uns 
Schwierigkeiten zu machen, wenn wir ihn einfach 
laufenlassen.« Dieses Gespräch fand am Morgen 
nach Harlens nächtlichem Abenteuer statt. Die 
Sonderabteilung L-2 hatte sich in Doktor Jellftes 
Büro versammelt, um über Hurd Gar-Olnyn Saar-
lips weiteres Schicksal zu entscheiden. 

Hurd wartete unterdessen in der Küche und hatte 

keine Ahnung davon, daß man im Büro über ihn 
sprach. Längst hatte er den Versuch aufgegeben, zu 
begreifen, was diese seltsamen Fremden vorhatten. 
Sie waren offensichtlich verrückt. Alle zusammen. 
Auch sein neuer Freund mit dem merkwürdigen 
Namen John, mit dem er gemeinsam – Mutter 
schütze sie! – zwei Edelmänner umgebracht hatte – 
selbst John war verrückt. Auch John! 

Föderation! Terra! Erziehungslehrbänder! 
Bah! Die Hälfte von dem, was diese Leute da-

herredeten, war sinnloses Gewäsch, Kinderge-
schwätz! Alle gehörten sie in eine Klapsmühle. 

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33 

Im Zimmer des Arztes ging die Diskussion wei-

ter. 

»Aber, John«, gab Pindar Smith zu bedenken, 

»woher willst du denn wissen, daß wir ihm ver-
trauen können? Du mußt zugeben, daß er ein ge-
wöhnlicher Strauchdieb ist. Trotz seiner Redeweise 
und seiner Reime. Was soll ihn daran hindern, uns 
zu verraten, sofern wir auch nur einen einzigen E-
delmann so weit gegen uns aufbringen, daß ein 
Preis auf unsere Köpfe ausgesetzt wird?« 

Ansgar, der Journalist, nahm John die Antwort 

ab. 

»Mein lieber Pin«, sagte er, »ich glaube, du hast 

dich mit dieser Kultur nicht genügend befaßt. Was 
hast du bloß auf der ganzen Reise gemacht, wäh-
rend wir uns in den Hypno-Tanks befanden?« 

Smith gab keine Antwort. 
»Sieh mal«, fuhr Sorenstein fort, »dieser einge-

borene Freund von John hat doch zwei Edelleute 
getötet und einen dritten entkommen lassen.« 

Er machte eine Pause, um den anderen dadurch 

Zeit zu geben, seine Worte zu verarbeiten, ehe er 
fortfuhr. »Die Religion der Lyffaner besagt, daß al-
le Edelleute durch die Große Mutter gesandt wur-
den, um als Väter niederen oder höheren Grades zu 
wirken. Für jedermann, mit Ausnahme eines hö-
hergestellten Edelmannes, gilt es als Gottesläste-
rung, einen von ihnen zu verletzen. Darauf steht 

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34 

die Todesstrafe – etwas, was diese Leute den Zorn 
der Mutter nennen. Ein besonderes Sakrileg ist es 
aber, einen Edelmann zu töten. Dafür gibt es be-
sonders schwere Strafen. Man nennt das hier den 
Langen Tod, weil das Sterben einen vollen Monat 
dauert. Und dieser Hurd hat zwei – mach dir das 
mal klar, Pin! –, zwei hochwohlgeborene Edelleute 
getötet, deren Bärte ihnen bis auf die geheiligten 
Nabelknöpfe reichten. Und John ist der zweite 
Zeuge.« 

»Das ist richtig«, mischte sich Jellfte ein. »Es ist 

ein Sakrileg, einen Edelmann zu töten.« Es klang, 
als glaube er halb und halb selbst daran. »Hurd 
Saarlip würde sich eher selbst umbringen, um es 
möglichst rasch hinter sich zu haben, als daß er 
seine Freundschaft mit Lieutenant Harlen aufs 
Spiel setzte.« 

 

 
Um diese Zeit marschierte eine vollständige Em-
brace 
von Gardisten der Großen Mutter, zweihun-
dert schwerbewaffnete Lyffaner, durch Lyffdarg. 
An ihrer Spitze schritt Tchornyo Gar-Spolnyen 
Hiirlte, Großherzog von Lyff und Erbvorsitzender 
der Gilde der Tuchmacher, ganz zu schweigen von 
einer langen Reihe weiterer, ebenfalls sehr impo-
santer Titel. Hinter ihm ging ein Bediensteter aus 

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35 

der Gilde der Ausrufer. Tiefes Schweigen machte 
sich überall breit, wo die Embrace  auftauchte. An 
jeder Straßenecke verlas der Ausrufer die gleiche 
Proklamation: 

»Achtung, Achtung! An alle Lyffaner! Einwoh-

ner von Lyff an, merket auf! Im unaussprechlichen 
Namen der Mutter sei es verkündet! Der Zorn un-
serer  Großen Mutter richtete sich gegen zwei un-
bekannte Männer von gewöhnlicher Herkunft, die 
in der vergangenen Nacht auf feige und hinterhäl-
tige Weise die Edelgeborenen Söhne aus zwei 
Hochwohlgeborenen Familien schwer verwundet 
und dann getötet haben. Hiermit wird allen Ein-
wohnern von Lyffdarg eine Buße von sechs Tagen 
zur Pflicht gemacht. Während dieser Zeit darf in 
Lyffdarg weder Fleisch noch Wein noch Bier ver-
kauft werden. Keine Musik darf erklingen. Nie-
mand darf lachen. Zuwiderhandelnde werden in 
Mutters Sanfte Zucht genommen. Beim Auf- und 
Untergang von Mutters Auge hat jeder Einwohner 
von Lyffdarg täglich im Tempel zu beten. Zuwi-
derhandelnde unterliegen Mutters Sanfter Zucht. 
Sechs Tage lang haben die Stadttore geschlossen 
zu bleiben. Während der Zeit der Buße darf nie-
mand Lyffdarg verlassen oder betreten. Zuwider-
handlungen unterliegen Mutters Sanfter Zucht. 

Lyffaner, merket auf! Im unaussprechlichen 

Namen der Großen Mutter sei es verkündet! Ihr 

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36 

Zorn richtet sich gegen die verruchten Mörder. Sie 
werden den Langen Tod erleiden. Für sie gibt es 
keine Vergebung. 

Merket auf! Im Namen der Großen Mutter! Wer 

immer diese Männer oder einen von beiden an 
Mutters Embrace ausliefert, wird geadelt und mit 
Reichtum überschüttet werden. Wer diese Männer 
aber vor Mutters Embrace in Schutz nimmt, wird 
den gleichen Tod erleiden wie sie. Hiermit sei es 
verkündet. Im unaussprechlichen Namen der Gro-
ßen Mutter, 
ihr habt es gehört.« 

Die Embrace rückte weiter. Überall, wo sie auf-

tauchte, wurde es totenstill. Während der ganzen 
Zeit musterte Tchornyo, der in den Kreisen der 
Adeligen bereits den Beinamen »Der Überleben-
de« erhalten hatte, argwöhnisch die Menge der 
Lyffaner. Er war darauf vorbereitet, mit einem 
Schrei die Aufmerksamkeit der Gardisten zu wek-
ken, falls er einen seiner nächtlichen Widersacher 
erkannte. 

 

»Na schön!«, fügte sich Smith, »dieser Taschen-
dieb sei also unser erster Rekrut. Aber müssen wir 
ihm alles sagen?« 

Obwohl Smith heftig protestierte, kam man ü-

berein, Hurd in alles einzuweihen und es ihm so oft 
wie nötig zu erklären, bis er die Vorgänge begriff. 

»Er soll doch nicht nur als einheimischer Agent 

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37 

für uns tätig sein«, beharrte Harlen auf seiner Mei-
nung. »Wir müssen ihn offiziell in die Raumtruppe 
aufnehmen. Er sollte nach Möglichkeit Offiziers-
rang erhalten und als vollwertiger Partner an dem 
Projekt behandelt werden. Sonst wird es uns nicht 
möglich sein, sein Wissen und seine Erfahrung in 
vollem Umfange zu nutzen. Andernfalls würde er 
uns immer nur sagen, was wir seiner Ansicht nach 
hören möchten, bis er von selbst hinter unsere Plä-
ne kommt. Großer Gott, da fällt mir etwas ein!« 

Sorenstein lächelte. 
»Mir auch, John. Hurd würde demnach unser 

einziger Soldat auf Lyff sein.« 

Dieser schwelgte unterdessen in der Küche des 

Arztes und feierte dort eine wahre gastronomische 
Orgie. Seit dem Tode seines verehrten Barons hatte 
er eine solche opulente Mahlzeit nicht mehr zu se-
hen bekommen. Und da er erwartete, seinem Brot-
herrn bald in den Tod nachfolgen zu müssen, und 
in einen viel schwereren dazu, begnügte er sich 
nicht damit, alle die Regale und Fächer, angefüllt 
mit den feinsten Leckerbissen, nur zu betrachten. 
Als John Harlen kam, um ihn zu holen, hatte Hurd 
genug gegessen, um eine Bauernfamilie für eine 
Woche satt zu machen. Der Poet von Lyffan rülp-
ste wohlgefällig, war überaus vergnügt und bereit, 
sich jedem Schicksal zu stellen, das die Große 
Mutter 
für ihn bereithalten mochte. 

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38 

»Hurd, alter Knabe«, rief John, »wir möchten 

gern mit Ihnen sprechen!« 

Hurd rülpste von neuem, erhob sich mühsam 

und watschelte hinter seinem terranischen Freund 
den Korridor hinunter. 

Die Verrückten, wie Hurd sie im stillen nannte, 

saßen in Armsesseln, die im Halbkreis um einen 
hohen hölzernen Stuhl aufgereiht waren. Die Ses-
sel standen im Dunkeln, während der Stuhl in grel-
les Licht getaucht war. Hurd wurde unangenehm 
an die Beichtkammer im Tempel erinnert. Dort 
hatte man ihn einmal befragt, und zwar zu jener 
Zeit, als er immer noch ein gesetzestreuer und 
wohlgeachteter Dichter gewesen war. Dennoch 
hatte er dieses Erlebnis niemals vergessen können, 
obwohl die Priester sorgsam darauf achteten, keine 
sichtbaren Verletzungen zu hinterlassen. Sie hatten 
sich sogar hinterher entschuldigt. Die Befragung 
war schlimmer gewesen als Mutters Sanfte Zucht, 
eine verhältnismäßig leichte Auspeitschung, denn 
sie traf seine empfindsame Seele. 

»Bitte setzen Sie sich auf den Stuhl, Hurd«, sag-

te eine fremde Stimme. Schwerfällig, mit übervol-
lem Magen, ließ Hurd sich nieder. 

»Hurd Gar-Olnyn Saarlip«, ertönte eine andere 

Stimme aus der Dunkelheit, »ist es wahr oder 
nicht, daß Sie in der vergangenen Nacht zwei 
hochwohlgeborene Einwohner von Lyff getötet 

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39 

haben? Antworten Sie nur mit ja oder nein.« 

»Nun«, begann Hurd nervös und ausweichend, 

»die Vorgänge der vergangenen Nacht – sie könn-
ten wohl so gedeutet werden, schätze ich. Ja.« 
Hurd war unsicher. Er verstand das alles nicht und 
fand keinerlei Gefallen an dieser Befragung. Er 
wünschte sich sehnlichst, an irgendeinem anderen 
Ort zu sein. 

»Hurd Gar-Olnyn Saarlip, Mörder zweier Edel-

leute«, ließ sich eine Baßstimme unheilvoll ver-
nehmen, die offenbar dem Arzt gehörte. »Sollten 
Sie vergessen haben, daß ich, Tarn Gar-Terrayen 
Jellfte, ein ernannter Herzog von Lyff bin?« 

Hurd wurde es speiübel. Das opulente Mahl kam 

ihm auf einmal wie die reinste Henkersmahlzeit 
vor. 

»Euer Hochwohlgeboren«, winselte er, »ich 

schwöre, daß ich mich wirklich geirrt habe. Infolge 
der Dunkelheit habe ich die Identität der Herren 
nicht erkannt. Deshalb glaubte ich, ganz gewöhnli-
che, niedriggeborene Räuber vor mir zu haben, die 
Lord John im Schutze der Nacht angriffen. Oh, 
hochverehrter Herzog, Euer Herrlichkeit, Sire, 
deshalb wollte ich ihn verteidigen …« 

Hurds widerliche Kriecherei erstarb in Schwei-

gen. Bewegungslos saß er im grausam hellen Licht 
auf seinem Stuhl. Ihm wurde abwechselnd heiß 
und kalt. Der Angstschweiß brach ihm aus, und er 

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40 

wartete darauf, daß Mutters Garde ihn abholte. 

Die Stille schien von unendlicher Dauer zu sein. 

Endlich, Hurd war endgültig am Zusammenbre-
chen, unterbrach eine Stimme das Schweigen. So-
weit er überhaupt noch etwas empfinden konnte, 
war Hurd darüber froh. Obwohl er am Ende seiner 
Kräfte war, wäre es ihm dennoch peinlich gewe-
sen, sich vor diesen Fremdlingen so gehen zu las-
sen. Er hatte einfach keine Kraft mehr, die Sache 
mit Anstand und Würde durchzustehen. 

Es war Johns Stimme, die neue Hoffnung in ihm 

aufkeimen ließ. 

»Schon gut, alter Junge«, sagte der Terraner 

freundlich, »wir werden Sie nicht ausliefern.« 

Hurd heulte und winselte in beschämender 

Dankbarkeit. John sah höflich darüber hinweg. 

»Wir wollten nur sichergehen, daß Sie wissen, 

was Ihnen bevorsteht. Machen Sie sich keine Sor-
gen. Wir werden Ihnen jetzt einiges erklären, damit 
Sie verstehen, was vor sich geht. Können Sie ein 
paar einfachen Erläuterungen folgen?« 

Hurd wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, 

biß die Zähne zusammen und nickte. 

»Großartig«, sagte John herzlich. »Fang du an, 

Ansgar.« 

Ansgar Sorenstein sprach langsam und deutlich. 

Seine Stimme hatte etwas Hypnotisches an sich. 
Hurd war sicher, beim Klange dieser Stimme ein-

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41 

schlafen zu können, wenn man es ihm nur erlaubt 
hätte. 

»Lyff«, begann Ansgar, »ist der vierte von elf 

Planeten, die sich rund um Mutters Auge bewegen, 
und zwar auf einer fast eiförmigen Linie. Mutters 
Auge 
ist ein Stern, ganz ähnlich den meisten ande-
ren Sternen, die man nachts am Himmel sieht. Er 
scheint nur deshalb heller und größer zu sein, weil 
er so nahe an Lyff steht. In Wirklichkeit sind viele 
andere Sterne heller als Mutters Auge. Aber sie 
sind so weit vom Planeten Lyff entfernt, daß man 
diese Entfernung nach Lichtjahren messen muß. 
Das ist die Zeit, die der Lichtstrahl von Mutters 
Auge 
braucht, um Lyff zu erreichen. Aber selbst in 
Lichtjahren gerechnet sind manche Sterne so weit 
entfernt, daß sich kaum ausdrückbare Ziffern erge-
ben. Es gibt Millionen und aber Millionen solcher 
Sterne. Um sie herum kreisen unzählige Planeten, 
ganz ähnlich wie Lyff. Und fast alle bewegen sich 
auf etwa eiförmigen Bahnen.« 

Er erteilte Hurd eine zwei Minuten lange Lekti-

on in Astronomie. Unter seinen Worten dehnte sich 
der Geist des Poeten so weit aus wie nie zuvor, bis 
er eine ganze Milchstraße umfaßte. Hurd vergaß 
seine persönliche Angst in einer fast religiös zu 
nennenden Erfassung des physikalischen Univer-
sums. 

»Und dort draußen«, schloß Sorenstein, »so weit 

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42 

entfernt, daß man ihr Licht von Lyff aus nicht se-
hen kann, befindet sich die Sonne, der wir den 
Namen Sol gegeben haben. Sie ähnelt Mutters Au-
ge 
mehr als alle anderen Sterne. Planeten bewegen 
sich um Sol genauso, wie Lyff sich um Mutters 
Auge  
bewegt. Den dritten dieser Planeten haben 
wir Terra genannt. Es ist ein ganz ähnlicher Planet 
wie Lyff. Dort befindet sich unsere Heimat. Wir 
werden Terraner genannt, genauso wie ihr euch 
Lyffaner nennt. Wir sind von unserer Heimatwelt 
hierher zu euch gereist.« 

Eine Pause entstand, während Hurd alles in sich 

eindringen ließ, was er gehört hatte. Man sah ihm 
an, wie sein Gesicht vor lauter Bewunderung und 
Staunen über das Neue und Gewaltige glänzte. 
Schließlich fragte John leise: »Haben Sie verstan-
den, was Ansgar sagte?« 

Hurd zögerte, suchte nach Worten. 
»Ja, ich habe verstanden. Und es ist wunderbar. 

In dem Buch von Garth Gar-Muyen Garth, das wir 
das  Gesetz unserer Mutter nennen, stehen viele 
seltsame Dinge, die man kaum verstehen kann. 
Aber jetzt ist mir vieles klar geworden. Der Heilige 
Garth, den unsere Mutter liebt, beschreibt darin die 
Orte der Seligkeit, die Mutter  für ihre Kinder ge-
schaffen hat. Er nennt sie Die Dritte Welt, den Ort 
der Schönheit, unser Gelobtes Land.« 

»Interessant«, meinte John, »aber ich glaube 

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43 

nicht, daß wir uns im Augenblick mit Theologie 
befassen sollten. Du bist dran, Pin.« 

Pindar Smith räusperte sich selbstbewußt und 

begann. 

»Vor zweitausendfünfhundert Erdenjahren, das 

sind beinahe dreißig Lebensalter auf Lyff, falls Ih-
nen das mehr sagt, war das Leben auf Terra dem 
jetzigen Zustand auf Lyff ganz ähnlich. Es gab kaum 
Verkehrsmittel. Eine Reise von wenigen Meilen 
war bereits ein gewagtes Unternehmen. Man kann-
te auch kaum Maschinen, höchstens zur Erzeugung 
von Tönen, als Musikinstrumente. Die Verbindung 
zwischen weit voneinander entfernten Orten konn-
te nur durch Briefe aufrechterhalten werden. Das 
wiederum hing natürlich von den unsicheren Ver-
kehrsverbindungen ab, die man damals hatte. 

In unkontrollierbaren Abständen wurde unsere 

Welt immer wieder von Seuchen heimgesucht. 
Millionen Menschen starben oder siechten dahin. 
Terra war in viele kleine Nationen zersplittert, die 
sich meistens untereinander bekriegten. Einige we-
nige Leute waren ungeheuer reich, während fast al-
le anderen arm waren. Sehr viele Menschen ver-
hungerten. 

Später nannte man dieses Zeitalter das Barock. 

Damals und in den darauffolgenden Jahrhunderten 
glaubten viele Menschen, das sei das Goldene 
Zeitalter von Terra gewesen. Nicht, weil man zu 

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44 

jener Zeit besonders bequem gelebt hätte oder die 
geistige Entwicklung besonders hoch war oder es 
sonst etwas gab, was für unsere heutigen Begriffe 
zum Goldenen Zeitalter gehören würde. Ganz im 
Gegenteil. Aber zu jeder Zeit hat es Menschen ge-
geben, die entweder als Zeitgenossen oder als spä-
tere Forscher eine bestimmte Periode als das Gol-
dene Zeitalter hingestellt haben. Andererseits be-
steht diese Bezeichnung für das Zeitalter des Ba-
rock zu Recht, denn damals wurden die Grundla-
gen für das gelegt, was Terra auf seinen heutigen 
Entwicklungsstand gebracht hat. Jahrhundertelang 
sind auf der Erde Ideen geboren und aufgespeichert 
worden. In jener Zeit aber begannen die Menschen 
endlich, die gehorteten Ideen in Taten umzusetzen. 
Im Zeitalter des Barocks regten sich Erfindergeist 
und Forscherdrang mit spürbarem Erfolg.« 

Smith redete weiter. Er beschrieb die Geschichte 

von Terra seit der Zeit Friedrichs des Großen und 
des legendären Johann Sebastian Bach bis zu dem 
jetzigen Stand der Wissenschaft und Technik. 

Schließlich erklärte Pindar Smith: »Und das ist 

ein Teil der Gründe, warum wir Terraner nach Lyff 
gekommen sind. Eure Welt lebt immer noch im 
Zeitalter des Barock. Wir sind mit dem Auftrag 
ausgesandt worden, euch innerhalb von zehn Jah-
ren die Fortschritte beizubringen, für die wir selbst 
zweitausendfünfhundert Jahre gebraucht haben.« 

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45 

Nach einer weiteren Pause fragte John zwei-

felnd: »Ist das alles klar, mein Freund?« 

»Ich fürchte, nein«, entgegnete Hurd. »Die Ge-

schichte von Terra ist weitaus verwirrender als das 
Zusammenspiel der Systeme in der Milchstraße.« 

Die Terraner lachten laut, was Hurd noch mehr 

durcheinander brachte. 

»Schon gut, Hurd«, meinte John. »Ich bin nicht 

einmal sicher, daß Pindar selbst alles versteht, was 
er so von sich gibt. Sobald Sie Terranisch lesen 
können, werde ich Ihnen einige Bücher geben. Das 
wird Ihnen sicher weiterhelfen. Jetzt ist Dr. Jellfte 
an der Reihe. Sind Sie bereit, Sir?« 

Die Stimme des Arztes klang sehr tief und stark. 

Er beschrieb die Entwicklung der Verkehrsmittel 
von der Kutsche und dem Vierspänner des Barock 
bis zu den Raumschiffen der Gegenwart, die mit 
mehr als Lichtgeschwindigkeit dahinflogen. Im 
gleichen Zuge beschrieb er auch die Entwicklung 
der Terranischen Föderation. Jellftes Vortrag war 
nicht ganz so verwirrend wie der von Smith. Aber 
Hurd hoffte dennoch, daß sein Freund John auch 
einige Bücher über die Geschichte der Verkehrs-
mittel hatte. 

 

 
Tchornyo Gar-Spolnyen Hiirlte, Erstgeborener und 

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46 

was der klangvollen Titel mehr waren, war müde 
und gereizt. Den ganzen mutterverdammten Tag 
überhatte er sich mit gewöhnlichem Volk abgeben 
müssen. Und natürlich war er von diesen minder-
wertigen Wesen angestarrt worden. Grundsätzlich 
hatte er zwar nichts dagegen, daß man ihn betrach-
tete, denn selbst für einen lyffanischen Edelmann 
sah er sehr gut aus. Das wußte er genau. Und es be-
reitete ihm nicht gerade Mißvergnügen, wenn an-
dere zu der gleichen Feststellung gelangten. Er war 
fast zweiundeinehalbe Armlänge groß und unge-
wöhnlich schlank. Wie bei den meisten Lyffanern 
war sein Haar blond, fast weiß, aber länger, weni-
ger lockig, sauberer und feiner als üblich. Er brach-
te mit der Pflege seines Haares mehr Zeit zu, als es 
sich die meisten Lyffaner für diesen Luxus leisten 
konnten. Und dann sein Bart! Natürlich gewachsen 
und nicht angeklebt wie bei dem armen, toten, 
dummen Garlyn, diesem affektierten Sohn eines 
dekadenten Herzogs! Sein Bart harmonierte in je-
der Hinsicht mit seinem Haar. Er fiel majestätisch 
bis zum Gürtel und war um einen vollen halben 
Finger länger als die Bärte aller seiner Freunde. 

Jetzt allerdings waren Bart und Haare von dem 

vergeblichen Fußmarsch durch Lyffdarg verstaubt. 
Große Mutter, sein Haar war wirklich schmutzig, 
stumpf und strähnig! Es mußte jetzt schon ein recht 
starker Wind blasen, um seine Haarpracht wehen 

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47 

zu lassen. Mutter  möge diese verruchten Mörder 
bestrafen! Und auch diese dreckigen Bürger mit ih-
rem widerwärtigen Schmutz. 

Seine blauen Augen schossen Blitze, als er auf 

seinen Vollblutrakan sprang und rasch heimwärts 
ritt. Rücksichtslos galoppierte er dahin und brachte 
alle Fußgänger in höchste Gefahr. Zur Zeit der 
Abenddämmerung erwartete man ihn beim Ge-
meinschaftsgebet. Bis dahin mußte er sein mutter-
verdammtes Haar waschen. Tod und Verdammnis 
über diese mutterverhaßten Mörder! 

 

 
Nach Dr. Jellftes Einführung in die Geschichte des 
Verkehrswesens eröffnete Pindar Smith eine Dis-
kussion darüber, welche Maschinen beim gegen-
wärtigen Entwicklungsstand auf Lyff produktions-
reif seien. 

»Ganz besonders wichtig«, sagte er, »sind Ak-

kerbaugeräte. Bessere Pflüge, Harken, Spaten und 
Sensen können sicherlich noch vor der nächsten 
Aussaat eingeführt werden, ohne daß wir dadurch 
den ganzen Ackerbau durcheinanderbringen. Die 
Landwirtschaft muß so hoch wie möglich über das 
bloße Existenzminimum hinaus entwickelt werden. 
Erst dann können weitere Neuerungen eingeführt 
werden. Man kann keine Industrien aufbauen, 

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48 

wenn nicht eine genügend ausgedehnte und lei-
stungsfähige Landwirtschaft dahintersteht. Schließ-
lich«, kicherte er, »kann man nicht erwarten, daß 
Eisenarbeiter von ihrem Eisen leben.« 

»Danke, Pin, das genügt«, unterbrach ihn John 

Harlen, als er merkte, daß Smith im Begriffe stand, 
sich lang und breit in eine schwierige vergleichen-
de Analyse der verschiedenen Verfahren zur Me-
tallhärtung zu verlieren. »Wieviel davon haben Sie 
verstanden, Hurd?« 

»Fast alles, glaube ich, Freund John. Die Ma-

schinen sind mir zwar unbekannt, aber die Prinzi-
pien habe ich begriffen.« 

John war voller Bewunderung. 
»Sie setzen mich in Erstaunen, Hurd«, sagte er. 

»Sie sitzen nun schon geschlagene zweieinhalb 
Stunden auf diesem Stuhl. Während der ganzen 
Zeit haben wir Sie mit einer Fülle von Informatio-
nen und neuem Wissen bombardiert, wovon Ihnen 
das meiste völlig fremd sein muß. Sie haben eine 
Reihe neuer Daten und Zahlen erfahren, und den-
noch scheinen Sie fast alles verstanden zu haben. 
Sie müssen wissen, daß die meisten Terraner, und 
ich mache da keine Ausnahme, unter einer solchen 
Anstrengung längst einen Kreislaufkollaps erlitten 
hätten und völlig durchgedreht wären. Ich glaube, 
keiner von uns hier könnte mehr als eine Stunde 
lang ein solches Überangebot völlig fremder und 

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49 

neuartiger Informationen aufnehmen und verdauen. 
Sie aber haben noch alle Sinne beisammen und 
sind begierig, mehr zu hören.« 

»Aber ich bin ja nicht völlig unvorbereitet. Das 

Buch von Garth …« 

»Schon gut, mein Freund. Im übrigen sind wir 

auch gleich fertig. Nur noch zwei Lektionen, dann 
können wir essen gehen. Nun ist Dr. Jellfte wieder 
an der Reihe.« 

»Vielen Dank«, sagte der Arzt. Hurd blickte ihn 

aufmerksam an. Je länger er die grollende Stimme 
dieses Edelmannes hörte, desto mehr verlor sie für 
ihn ihre Unheimlichkeit. Auch dieser Mann schien 
ein Freund zu sein. Seit dem Tode seines verehrten 
Barons hatte er sich nicht mehr vorstellen können, 
daß ein Edelmann überhaupt freundlich sein könn-
te. 

»Vor zwölf Jahren hat mich das zuständige Mi-

nisterium der Terranischen Föderation nach Lyff 
entsandt. Meine Aufgabe war es, die lyffanische 
Kultur zu studieren und die Entwicklung so zu för-
dern, daß der Planet schließlich in die Föderation 
aufgenommen werden könnte, ohne die Bevölke-
rung der Lyffaner mehr als unbedingt nötig in 
Schwierigkeiten zu bringen. Zu jener Zeit dachte 
man an ein Projekt von langer Dauer. Ich durfte 
kaum hoffen, seine Vollendung zu erleben. 

Die Föderation entsendet sofort einen Agenten, 

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50 

wenn ein bewohnter Planet entdeckt worden ist. 
Einer dieser Agenten bin ich. Unsere Aufgabe ist 
es, die natürliche Reifung der unterentwickelten 
Kulturen unauffällig zu steigern. 

Ich habe mich bemüht, die Entwicklung der Lyf-

faner dadurch zu fördern, daß ich sehr langsam und 
vorsichtig fortschrittliche medizinische Kenntnisse 
einführte. Das geht nach einer ganz einfachen 
Formel vor sich. Bessere sanitäre Verhältnisse fuh-
ren zu einer geringeren Sterblichkeitsziffer, zu hö-
heren Geburtenzahlen, längerem Leben und 
schließlich zu einem Bevölkerungsüberschuß. Die-
se Dinge, vor allem der Druck der Überbevölke-
rung, führen zwangsläufig zu einer rascheren kul-
turellen und zivilisatorischen Entwicklung. Oder 
aber es gibt Kriege und kulturellen Selbstmord. 
Sollte das der Fall sein, so greifen andere Abtei-
lungen der Föderation ein. Mein Lieblingsprojekt 
war die Errichtung einer medizinischen Lehran-
stalt, aus der sich einmal eine wissenschaftliche 
Akademie hätte entwickeln können. Aber der Ent-
scheid der Sonderabteilung hat dieses Vorhaben 
zunichte gemacht. 

Nach meinem Auftrag wäre der erste Raumflug 

von Lyff aus in ungefähr zweihundert Jahren fällig 
gewesen. Das ist eine unglaublich kurze Zeit. Nun 
aber ist Harlen mit seiner Gruppe gekommen, um 
die Bewohner von Lyff innerhalb einer Dekade bis 

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51 

zur Raumfahrt zu bringen. Vielleicht erklärt er uns, 
wie und warum.« 

John Harlen stand auf und trat in den Lichtkreis 

um Hurd, was bisher keiner der Sprecher getan hatte. 

»Es sieht so aus«, erklärte er grimmig, »als 

wenn die Föderation nicht mehr allein in der 
Milchstraße herrscht. 

Die Föderation ist die freie und friedliche Verei-

nigung fühlender und empfindender Wesen. Sie 
trägt nur deshalb den Namen Terranische Föderati-
on, weil sie von den Terranern gegründet wurde. 
Die meisten Mitgliedsvölker sind nicht einmal ent-
fernt menschenähnlich. 

Im Augenblick aber spielt es keine Rolle, ob 

menschlich oder nicht menschlich. Wichtig ist nur, 
daß alle diese ganz und gar unterschiedlichen Völ-
ker und Rassen dazu in der Lage waren, gegensei-
tig Verbindung aufzunehmen, um in Harmonie und 
Frieden miteinander zu leben und zu arbeiten. Je-
der Kontakt mit einer neuen intelligenten Rasse hat 
immer zu einer engen Bindung geführt. Gewiß, es 
hat Probleme gegeben, aber sie ließen sich alle lö-
sen. 

Nun aber macht sich innerhalb der Milchstraße 

eine neue Art von Lebewesen bemerkbar, die Mut-
ter  
weiß woher sie gekommen sind. Wir wissen, 
daß diese Wesen intelligent sind und den Raumflug 
kennen. Bisher sind wir ihnen nur in Raumschiffen 

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52 

begegnet. Mehr aber ist uns über sie nicht bekannt. 
Sie nehmen keine Verbindung auf und lassen sich 
nicht ansprechen. Bisher ist jede Begegnung zum 
Zusammenstoß geworden. Die anderen schießen 
sofort und töten jeden vermeintlichen Gegner oder 
werden selbst getötet. Bis jetzt ist uns eine Rasse 
dieser Art noch nicht begegnet. Deshalb sehen wir 
uns einer schwierigen Situation gegenüber. 

Bekannt ist uns jedenfalls, daß diese Fremdlinge 

in unsere Einflußsphäre eindringen. Wir wissen, 
daß ihr Angriff auf Lyff in etwa zehn Jahren be-
vorsteht. Die Zeitspanne kann länger oder kürzer 
sein. Hoffentlich länger. Wir wissen nicht, was die 
Fremden unternehmen werden, wenn sie hier ein-
treffen. Aber anscheinend töten sie alles, was ihnen 
an anderen Lebewesen begegnet.« 

Eine lange Pause entstand. Hurd mußte mit die-

sen neuen Informationen erst fertig werden. John 
ging innerhalb des Lichtkreises auf und ab. 
Schließlich seufzte Hurd schwer und sagte: »Diese 
Fremdlinge scheinen demnach keine guten Wesen 
zu sein.« 

»Stimmt«, sagte John. »Deshalb sind wir mit un-

serem Zehnjahresprogramm hier aufgetaucht. Wir 
müssen vorbereitet sein, wenn die Fremden eintref-
fen. Die beste Möglichkeit, rechtzeitig bewaffnete 
Streitkräfte bereit zu haben, ist doch die, direkt hier 
auf dem Planeten Lyff Raumschiffe zu bauen. 

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53 

Natürlich wird das zu einer Reihe von schwer-

wiegenden Veränderungen in dem – hm – Lebens-
stil der Lyffaner führen. Aber unsere Computer auf 
Terra meinen, daß sich der Plan verwirklichen las-
sen wird. In diesem Falle hättet ihr Lyffaner einer 
Chance, euch selbst zu verteidigen und der Födera-
tion beizutreten.« 

»Das klingt, als wollten Sie mir etwas anpreisen, 

Freund John. Diesen Ton hört man sonst nur in der 
Straße der Kaufleute. Was geschieht denn, wenn 
euer Programm nicht durchführbar ist?« 

»Nun …« 
John zögerte. Er hatte nicht erwartet, daß Hurd 

so kritisch sein würde. »Ja«, fuhr er dann tapfer 
fort, »wenn das Programm sich als undurchführbar 
erweist …« – diesmal legte er absichtlich eine be-
deutungsvolle Pause ein – »dann wird Lyff zerstört 
werden, entweder von den Lyffanern selbst oder 
von den Fremden. Wahrscheinlich von beiden.« 

Abermals gab es ein langes Schweigen. 
 

 
Mutters Auge 
senkte sich. Aus allen Ecken und 
Enden von Lyffdarg kamen die Männer zum Tem-
pel, um dem Bußgottesdienst beizuwohnen. In dem 
riesigen Oval des Amphitheaters sollte gebetet 
werden. Meistens fanden dort nur die Frühlings- 

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54 

und Herbstfeste statt, an denen alle Lyffdarger teil-
nahmen. Nur ein Tor war geöffnet. In Sechserrei-
hen schoben sich die Lyffaner hindurch. Drinnen 
verteilten sie sich auf die Sitzblocks, in denen die 
Bürger eines jeden Stadtviertels geschlossen bei-
sammensaßen. Jeder mußte sich bei dem für sein 
Wohnviertel zuständigen Priester melden. 

Tchornyo Gar-Spolnyen Hiirlte beobachtete die 

ankommenden Beter von einem kleinen Balkon 
über dem offenen Tor. Sein Haar war immer noch 
feucht und seine Laune alles andere als gehoben. 
Er hatte es satt, dauernd ungepflegtes, gewöhnli-
ches Volk in Augenschein nehmen zu müssen. Der 
junge Edelmann blickte zur Seite. Neben ihm stand 
sein ehrwürdiger Vater Spoln Gar-Tchornyen 
Hiirlte. 

»Bist du sicher, daß du diese Leute identifizieren 

kannst, mein Junge?« fragte der ältere Hiirlte be-
gierig. 

»Oh, bei der Nase unserer Mutter, Vater! Natür-

lich kann ich die Kerle identifizieren. Niemals 
werde ich diese gemeinen Gesichter vergessen.« 

Hiirlte der Ältere schwieg. Er hatte schlechte Er-

fahrungen mit seinem Sohn gemacht, wenn dieser 
übler Laune war. 

 

 

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55 

»Nun, mein Freund«, meinte John erwartungsvoll, 
»wir kommen jetzt zum Hauptpunkt der Angele-
genheit. Wollen Sie sich uns anschließen?« 

»Ob ich mich – euch – anschließen will?« 
»Ja.« 
»Was verstehen Sie unter ›anschließen‹, Freund 

John?« 

»Sie sollen der Sonderabteilung L-2 beitreten 

und damit den Raumstreitkräften der Föderation. 
Dadurch sind Sie automatisch der erste Einwohner 
von Lyffan, der in diesen Planetenbund aufge-
nommen wird. Sie würden ein vollwertiges Mit-
glied sein, sich verpflichten, unser Vorhaben nach 
besten Kräften zu fördern, und uns helfen, Lyff 
binnen kürzester Zeit in das Raumzeitalter zu füh-
ren – oder mit uns untergehen, wenn uns der Erfolg 
versagt bleiben sollte.« 

Nach mehr als drei Stunden erhob sich Hurd 

zum ersten Male. Langsam ließ er den Blick über 
den verdunkelten Halbkreis schweifen. Dabei stell-
te er sich die Gesichter vor, die er nicht sehen 
konnte. Schließlich begann er zu sprechen. 

»Einfach und schlicht ausgedrückt: Ihr verlangt 

von mir nicht mehr und nicht weniger, als daß ich 
euch dabei helfe, meine Welt in Trümmer zu legen. 
Ich soll all das ruinieren, was ich mein Leben lang 
gekannt habe. Mit eurer Hilfe soll ich die Kultur 
zerstören, die mich hervorgebracht hat. Ich soll 

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56 

mein Volk verraten, meine Nation und meinen 
Planeten. Inmitten dieser Welt, die ihr verändern 
wollt und bei deren Veränderung ich helfen soll, 
habe ich fünfundzwanzig Jahre gelebt. Diese Welt 
liebe ich mehr als mein Leben. Aber ich mache 
mit. Ich weiß, daß wir für eine gute Sache kämp-
fen. Warum habt ihr so lange gewartet, mich zu 
fragen?« 

Die Aufnahmezeremonie war einfach, aber ein-

drucksvoll. Hurd erhielt die Zusage, daß er, sobald 
er lesen konnte, eine Kopie der Verfassung be-
kommen würde, auf die er soeben vereidigt worden 
war. Danach gingen die Abteilung L-2 und der ein-
zige Rekrut auf Lyff zum Abendessen. 

Es war ein guter Tag gewesen. 
 

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57 

FÜNFTES KAPITEL 

 

»Zu allererst brauchen wir einen Laden«, meinte 
Ansgar. 

Pindar runzelte die Stirn. 
»Einen Laden? Wozu? Wir haben doch nichts zu 

verkaufen. Bisher jedenfalls noch nicht. Wozu 
brauchen wir denn da einen Laden?« Pindar Smith 
war durch und durch Geschäftsmann. 

»Ich glaube, Ansgar meint eine Werkstatt«, er-

klärte John ruhig. Er kannte diese Art Gespräche 
bereits und hatte sich mit der Rolle des Dolmet-
schers abgefunden. 

»Ganz recht«, rief Ansgar aufgeregt, »eine 

Werkstatt. Wir sind jetzt schon seit drei Wochen 
auf diesem gottverlorenen Planeten …« 

»Mutterverlorener«, verbesserte ihn John. Auch 

diese Rolle fiel ihm zu. 

»Entschuldige, wir sind jetzt schon seit drei Wo-

chen auf diesem mutterverlorenen Planeten … und 
haben noch nichts unternommen, von Hurds Re-
krutierung einmal abgesehen. 

Und dabei ist uns auch noch ein glücklicher Zu-

fall zur Hilfe gekommen. Wir müssen mit unseren 
Erfindungen anfangen. Dazu brauchen wir zu alle-
rerst eine Werkstatt. Ganz klarer Fall.« 

»Selbstverständlich. Ich bin einverstanden«, er-

widerte Smith. »Aber was wollen wir erfinden?« 

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58 

»Bei Mutters Nase, Pin«, unterbrach John. »Wo 

bist du gewesen? Ich war der Meinung, ich hätte 
dich bei unserer Unterredung gesehen, als wir be-
schlossen, mit dem Telegraphen anzufangen.« 

»Warum, in Mutters unaussprechlichem Namen, 

wollen wir mit dem Telegraphen anfangen? 
Manchmal …« 

Müde erhob sich John und zählte die Gründe an 

den Fingern auf. 

»Erstens: für den Telegraphen braucht man E-

lektrizität; zweitens: Elektrizität führt zur Elektro-
nik; drittens: für den Telegraphen braucht man 
Drähte; viertens: die Herstellung von Draht führt 
zu einer fortschrittlichen Metallurgie; fünftens: der 
Telegraph bedingt eine Schule, um Fachkräfte he-
ranzuziehen; sechstens: die erste Schule führt 
zwangsläufig dazu, daß nach und nach alle Leute 
lesen lernen; siebtens: ein Telegraph bedeutet 
schnelle Verbindungen; achtens: schnelle Verbin-
dungen führen zur Schaffung von Zeitungen; neun-
tens: Zeitungen geben uns die Gelegenheit, Propa-
ganda zu betreiben; zehntens: eine Telegraphenge-
sellschaft braucht Wachleute. Nun habe ich keine 
Finger mehr, aber elftens: eine Wachmannschaft 
kann sehr schnell zur Kernzelle einer Armee wer-
den.« Er setzte sich wieder hin. »Ach ja«, fügte er 
hinzu, »eins habe ich noch vergessen. Zwölftens: 
die technische Entwicklung der Lyffaner ist gerade 

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59 

so weit gediehen, daß wir den Telegraphen einfüh-
ren können, ohne die ganze mutterverdammte Kul-
tur durcheinanderzubringen. Noch Fragen?« 

»Gut«, gab Smith klein bei, »also mieten wir ei-

ne Werkstatt. Aber wie geht das vor sich?« 

 

Häuser, Läden und Werkstätten wurden auf Lyff 
genauso vermietet wie auf Terra. Hurd und John 
begaben sich auf eine lange, heiße und anstrengen-
de Tour durch die Geschäftsviertel von Lyffdarg. 
Überall suchten und feilschten sie um geeignete 
Räume. 

»Wir sollten nicht vergessen, mein Freund, daß 

wir nur sehr wenig Miete bezahlen dürfen. Wenn 
die Leute auf die Idee kommen, daß wir viel Geld 
zur Verfügung haben, fallen wir in der Stadt unnö-
tig auf. Dann können wir überhaupt nichts unter-
nehmen. Vor allem müssen wir unverdächtig blei-
ben.« 

Schließlich fanden sie in der Rakan-Straße ne-

ben einer Kneipe gleichen Namens geeignete 
Räumlichkeiten. Sogar John, der an terranische 
Architektur gewöhnt war, mußte zugeben, daß er 
vor einem eindrucksvollen Gebäude stand. Die 
meisten Häuser in Lyffdarg waren mehr schlecht 
als recht zusammengehauene Schuppen aus Bal-
ken, Mörtelbewurf und schweren, mit der Hand 
behauenen Baumstämmen. Jedenfalls bot das Ge-

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60 

bäude einen imposanten Anblick. Es war ganz aus 
glitzerndem weißem Stein gebaut, den man sonst 
nirgendwo in der Stadt sah, und ragte vier Stock-
werke empor. Für lyffanische Begriffe also ein 
richtiger Wolkenkratzer. 

»Das Haus gehörte einst zum Tempel«, erklärte 

der Wirt in vertraulichem Ton. »Die Kleinen 
Schwestern  
wohnten hier.« Er kicherte. »Deshalb 
kann ich es trotz seines guten Zustandes zu einem 
lächerlich geringen Preis vermieten.« 

»Was verstehen Sie unter einem lächerlich ge-

ringen Preis?« fragte Hurd. 

Da Hurd, was ganz logisch war, die Verhand-

lungen führte, wandte sich der Wirt mit der Ant-
wort an ihn. »So gut wie gar nichts«, sagte er eif-
rig. »Nur siebenundneunzig Cees im Monat.« 

»Habe ich mir doch gedacht«, knurrte Hurd. 

»Kommt weiter, Freund John, wir wollen uns einen 
anderen Vermieter suchen, der nicht versucht, uns 
auszurauben.« 

»Aber das ist doch nicht viel«, wollte John ein-

wenden. 

Rasch fing er sich. »Natürlich«, bog er ab, »es 

ist erheblich mehr, als wir uns leisten können. Aber 
für ein so gutes Gebäude erscheint es nicht zu hoch 
gegriffen. Hoffentlich können Sie das Haus eines 
Tages anderweitig vermieten, Herr Wirt. Auf Wie-
dersehen.« 

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61 

Sie standen auf und schickten sich an zu gehen. 
»Wartet, wartet«, rief der Wirt. »Weil ihr neu in 

unserer Stadt seid und weil Mutter  es liebt, wenn 
wir ein wenig handeln, mache ich Ihnen einen 
Sonderpreis von – na, sagen wir – von neunzig 
Cees. Wie wäre das?« 

»Hm«, machte Hurd. »Das ist sehr freundlich 

von Ihnen, Sire, aber wir müssen nun wirklich ge-
hen.« 

Statt dessen setzten sich Hurd und John jedoch 

wieder und begannen, erst recht zu feilschen. 

Sie wußten nicht, daß ihr Feind nur wenige Me-

ter entfernt war. 

Nebenan, in der Taverne »Zum Lahmen Rakan«, 

war Tchornyo Gar-Spolnyen Hiirlte dabei, sich 
sinnlos zu betrinken. Während der letzten drei Wo-
chen hatte er eine Schlaflosigkeit entwickelt, der 
sogar des Königs Leibarzt nicht gewachsen, war. 
Er konnte nicht vergessen, wie der Mörder über 
Garlyns falschen Bart gelacht hatte. 

»Es ist eine Verschwörung«, sagte er zu sich 

selbst zwischen großen Schlucken aus dem Wein-
glas. »Das gemeine Volk steht gegen uns auf. Sie 
wollen die Regierung stürzen! Sie lieben unsere 
Mutter nicht mehr!« 

Er trank allein. Vor zwei Wochen hatten seine 

Freunde damit aufgehört, ihn den »Überlebenden« 
zu nennen. Statt dessen nannten sie ihn jetzt ›Dri-

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gol‹ Dieser Spitzname hatte mehrere Bedeutungen 
– »Nasser Filz«, »Spielverderber« oder »Schlapp-
schwanz«, je nachdem, wie man zu dem Träger 
stand. Er war allein, und nur der Wirt hörte ihm zu. 
Aber selbst dieser bekam allmählich zuviel davon. 

»Noch ein Glas Wein«, flüsterte er seiner Frau 

zu. »Diesem mutterverdammten Schwätzer werde 
ich noch ein Glas Wein geben. Dann werfe ich die-
sen mutterverfluchten Trunkenbold eigenhändig 
hinaus, Edelmann oder nicht!« 

Nebenan ging der Handel weiter. 
»Einundfünfzig Cees, meine Herren. Mehr kann 

ich Ihnen beim Willen nicht nachlassen.« Der 
Hauswirt schwitzte vor Aufregung. »Sie stehlen 
jetzt schon meinen Kindern den letzten Bissen vom 
Mund.« 

John horchte auf. 
»Wirt, mehr Wein«, schrie eine Stimme von ne-

benan. 

»Ich weiß nicht«, sagte John zweifelnd. »Wie 

gefällt Ihnen der Handel, Hurd?« 

»Es klingt ganz vernünftig.« 
»Nun, meine Herren, wenn Sie hier unterschrei-

ben wollen. Sie können doch schreiben, nicht 
wahr?« Der Wirt hatte es eilig, den Handel abzu-
schließen, ehe John und Hurd damit beginnen 
konnten, den Preis noch weiter herunterzuhandeln. 

Sie unterschrieben den Vertrag und versicherten 

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63 

sich gegenseitig ihrer vollen Freundschaft und ih-
res besten Wohlwollens. John und Hurd traten auf 
die heiße, helle Straße hinaus. Vor ihrem neuen 
Gebäude blieben sie stehen, um die Augen an das 
grelle Sonnenlicht zu gewöhnen. In der Kneipe ne-
benan war ein Krach im Gange. 

»Mir ist es vollkommen gleichgültig, wessen 

Sohn Sie sind. Scheren Sie sich aus meinem Haus 
hinaus, Sie mutterverdammter Trunkenbold!« 
schrie eine tiefe Stimme. 

»Sie verfluchter Mutterhasser«,  schrillte eine 

höhere Stimme zurück. »Ich komme heute abend 
mit meinen Freunden wieder. Jawohl, das werde 
ich tun. Das wird Ihnen leid tun. Sie stecken auch 
mit den Verschwörern unter einer Decke. Jawohl, 
so ist es.« 

An der Kneipentür gab es einen kurzen Kampf. 

Im nächsten Augenblick flog ein farbenfreudig ge-
kleideter junger Mann ins Freie. Mühselig erhob er 
sich vom Pflaster, während der schlicht gekleidete 
Gastwirt in sein Haus zurückging. 

»Den Burschen kenne ich doch«, flüsterte John. 
»Ja, wo haben wir nur – verdammt, jetzt fällt es 

mir wieder ein!« 

Tchornyo war unterdessen aufgestanden. Er wisch-

te sich mit sinnlosen Bewegungen den Staub vom 
Anzug. Dabei schaute er sich ärgerlich um, ob etwa 
jemand Zeuge seiner Erniedrigung geworden sei. 

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64 

Als John und Hurd möglichst ungesehen ver-

schwinden wollten, brauchte Tchornyos vom Wein 
umnebeltes Gedächtnis ein paar Sekunden, bis es 
die beiden Gestalten richtig unterzubringen wußte. 
Er hatte die fremden Männer zwar nur im Halb-
dunkel gesehen. Aber kaum war er seiner Sache si-
cher, handelte er blitzschnell. 

»He, ihr da!« schrie er. 
»O Mutter«. murmelte Hurd, »da haben wir es.« 

Sie begannen zu laufen. 

»Mörder!« schrie Tchornyo. Er setzte sich mit 

unsicheren Schritten in Trab und folgte den beiden 
Männern. 

»Schneller, Freund John. Schneller!« 
»Was geht hier vor?« schrie der Gastwirt unter 

seiner Tür. 

»Diese beiden dort vorn werden gesucht«, gab 

Tchornyo zurück. Er deutete auf John und Hurd, 
die sich schnellen Schrittes der nächsten Ecke nä-
herten. Dabei schaute er über die Schulter zum 
Gastwirt zurück. Tchornyo stolperte über einen 
wackeligen Stein und fiel schwer auf den Bauch. 

»Diese mutterverdammten Säufer«, knurrte der 

Gastwirt und zog sich wieder in seine Kneipe zu-
rück. 

»Haltet diese beiden Männer auf«, schrie Tchor-

nyo, sobald er wieder auf den Füßen stand. »Hohe 
Belohnung für jeden, der sie aufhält.« 

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65 

Er rannte die Straße hinunter. Dabei taumelte er 

von einer Seite zur anderen. 

John und Hurd verschwanden um die Ecke. 
»Für einen Betrunkenen ist der Bursche ver-

dammt gut auf den Füßen«, keuchte John. 

»Jetzt«, hechelte Hurd, »ist – keine Zeit – für – 

Gespräche.« 

Auch Tchornyo erreichte die Ecke und raste hin-

ter den beiden her. Dabei stieß er gegen den Ver-
kaufsstand eines Händlers. Der Tisch, mit irdenen 
Töpferwaren beladen, stürzte um. Die Krüge, Töp-
fe und Tiegel zerbarsten in tausend Scherben. 

»Ai!« schrie der Händler, als seine Waren auf 

dem Kopfsteinpflaster zerschellten. »Ai!« echote 
seine Frau, während der Händler bereits hinter 
Tchornyo herrannte. Scherben knirschten unter 
seinen Füßen. 

Tchornyo zog den Degen und fuchtelte damit in 

der Luft herum, um dem Kaufmann Mut zu machen. 

»Mutter  schütze uns«, rief der Händler seinen 

Nachbarn zu, »der Verrückte hat einen Degen. Er 
wird uns alle umbringen!« 

Und seine Frau schrie aus der Sicherheit der La-

dentür: »Haltet ihn auf! Den Dieb! Haltet ihn!« 

Tchornyo riskierte noch einen Blick zurück. 

Gut! Eine Menge Leute kamen ihm zu Hilfe. Die 
Mörder waren so gut wie gefangen. Bei diesem 
Gedanken stolperte er über einen sorgfältig aufge-

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66 

stapelten Haufen Feldmelonen. Die runden Früchte 
mit den harten Schalen rollten nach allen Seiten 
über die Straße. 

»Unser Freund scheint einige Schwierigkeiten 

zu haben«, rief John, nun heftiger keuchend. 

»Mutter, steh uns bei!« war alles, was Hurd her-

vorstoßen konnte. 

Sie umrundeten eine weitere Ecke und erreich-

ten den Rakanmarkt. 

Rakans sind höchst unruhige Tiere. Irgendwann 

einmal in der Entwicklungsgeschichte des Planeten 
Lyff hatte eine mittelgroße Eidechsenart sich nicht 
recht entscheiden können, ob sie sich zur Form des 
Dinosauriers oder des Flugfingers weiterentwik-
keln sollte. Das Resultat war der Rakan, das scheu-
este Reit- und Lasttier in der gesamten Galaxis. 

An diesem Markttag stand eine Herde von etwa 

dreihundert Rakans zum Verkauf bereit. Als John 
und Hurd vorüberliefen, wurden die Tiere unruhig. 
Ihre sonst hellgrüne Farbe verwandelte sich in ein 
verwaschenes Chartreuse. Irgend etwas, so fühlten 
die Rakans, schien nicht in Ordnung zu sein. Die 
Situation schien bedrohliche Formen anzunehmen. 
Es entsprach der Wesensart der Tiere, darauf zu 
reagieren und nervös zu werden. Die Rakans, in 
aufkommender Panik, drängten sich schutzsuchend 
zusammen. Die Treiber stießen wilde Flüche aus 
und versuchten, die Tiere zu beruhigen. 

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67 

Als John und Hurd den halben Häuserblock hin-

ter sich gebracht hatten, tauchte Tchornyo Gar-
Spolnyen Hiirlte an der Ecke auf. Er schrie laut, 
fuchtelte gefährlich mit dem Degen herum und 
scheuchte durch sein Verhalten die Rakanherde 
noch mehr auf. Hinter ihm lief eine Horde wüten-
der Händler. Auch sie machten einen Lärm wie 
entsprungene Irre. 

Die Flüche der Treiber gingen in flehentliche 

Gebete über. Sie kannten die Rakans. Die Tiere 
schnatterten jetzt wie eine Herde wildgewordener 
Gänse. Ihre Farbe wechselte zitternd vom verwa-
schenen Chartreuse zu entsetztem Gelb. Plötzlich 
fühlten sie das verzweifelte Verlangen, dieser un-
bekannten Gefahr zu entgehen. 

Wie auf ein Signal hin brachen dreihundert 

schnatternde Rakans in eine Stampede aus. Ver-
geblich flehten die Treiber um Mutters Beistand. 

»Mörder!« schrie Tchornyo. 
Hinter ihm erhob sich der Lärm von dreihundert 

hysterischen Rakans. 

Den Rakans folgten die Treiber. Sie stießen 

nicht wiederzugebende Flüche aus, die sich haupt-
sächlich mit der Anatomie der Großen Mutter be-
faßten. 

Hinter den Treibern war die Straße voll von 

schreienden Händlern. 

»Haltet den Dieb! Haltet ihn auf!« 

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68 

Ein Gardist, der sich in einen Torbogen gelüm-

melt hatte, betrachtete verwundert die Prozession, 
die an ihm vorbeiraste. Nach den Treibern hörte 
der Wachmann die Schreie der Händler. Blitz-
schnell reagierte er. Er sprang aus dem Torweg und 
fiel einen der Treiber an. Beide gingen zu Boden. 
Die Händler hasteten mit schweren Schuhen über 
die ringenden Männer hinweg, ohne auch nur einen 
Blick auf sie zu werfen. 

Tchornyo blickte zurück. Wo kamen auf einmal 

nur alle diese mutterverdammten Rakans her?! 

John und Hurd bogen schnell nach rechts ab. 

Aber der junge Edelmann hatte keine Chance 
mehr. Die Rakans ignorierten ihn einfach. Sie 
stampften über Tchornyo hinweg und rannten ge-
radeaus weiter, die Straße hinunter und auf den 
Tempel zu. Ehe Tchornyo seinen arg mitgenom-
menen Körper wieder aufrichten konnte, war der 
Händler bei ihm. 

»Zweihundert Pfannen«, zählte der Händler fau-

chend auf, während er Tchornyo wie einen Staub-
lappen schüttelte. »Neunundvierzig große Töpfe. 
Die zerbrochenen Tiegel muß ich erst noch zäh-
len.« Dabei klatschte seine Hand Tchornyo rechts 
und links ins Gesicht. Und Tchornyo heulte. 

»Vierhundert Feldmelonen«, meldete sich ein 

weiterer Händler zu Worte, wobei er Tchornyo ge-
gen die Schienbeine trat. 

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69 

»Dreihundert mutterverdammte Rakans« ver-

kündete der blutende und mit Beulen bedeckte 
Treiber, dem man so übel mitgespielt hatte. In der 
einen Hand hielt er seine Rakanpeitsche und in der 
anderen einen faustgroßen Stein. 

»Halt«, rief der Gardist grob. »Um diese Ange-

legenheit kümmere ich mich. Sie kommen mit!« 

Er packte Tchornyo am Kragen und schleppte 

ihn zum Tempel. 

»Aber, ich bin ein Herzog«, jammerte Tchornyo. 

»Inzwischen entkommen uns die Mörder.« 

»Mutterverdammter Säufer«, knurrte der Gast-

wirt, der unterdessen den jungen Edelmann eben-
falls eingeholt hatte. 

 

 
»In Ordnung, herein mit ihm«, knurrte Spoln Gar-
Tchornyen Hiirlte. Der alte Herr war wütend. 

»Vater«, winselte Tchornyo, als er ins Arbeits-

zimmer seines Vaters trat, »du verstehst das alles 
falsch. Ich war …« 

»Du hast vollkommen recht. Das verstehe ich 

wirklich nicht. Außerdem will ich es nicht verste-
hen. Bis jetzt habe ich heute bereits für zweihun-
dertfünfundsiebenzig irdene Töpfe, Pfannen und 
Tiegel von zweifelhaftem Wert einen Phantasie-
preis bezahlen müssen, ferner für vierhundert Feld-

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70 

melonen, die aufzuessen ich keine Gelegenheit hat-
te. Hinzu kommt das Geld für dreihundert Rakans 
aus einer zweifellos wertlosen Zucht, obwohl ich 
den Preis für Vollbluttiere erlegen mußte. Der 
Schaden, den die flüchtenden Rakans angerichtet 
haben, ist noch nicht abzusehen. Aber ohne Zwei-
fel werde ich auch dafür aufkommen müssen.« 

»Aber, Vater …« 
»Ruhe! Deswegen bin ich nicht einmal wütend. 

Ich werde einfach die heutigen Auslagen von dei-
nem Taschengeld abziehen. Ärgerlich bin ich nur 
deshalb, weil ich, ein Großherzog von Lyff, heute 
nachmittag zum Tempel gehen mußte – gehen, 
hörst du! –, um mich dort vor irgendeinem herge-
laufenen Gardeoffizier zu demütigen, nur damit 
mein Sohn entlassen wurde. Mein einziger Sohn! 
Und zwar aus einer Zelle, in die man sonst ganz 
gewöhnliche Lumpen einsperrt.« 

»Aber, Vater …« 
»Wirst du wohl ruhig sein! Du bist das schwarze 

Schaf in unserer Familie. Du hast die Namen dei-
ner Familien in Unehre gebracht, alle drei. Außer-
dem hast du dich selbst der Unehre ausgesetzt, eine 
Tat, die einfach an Unmöglichkeit grenzt. Und o-
bendrein, was das Schlimmste ist, hast du mich ge-
demütigt. Ich schäme mich, in den Palast zu gehen. 
Ja, ich schäme mich sogar, die Delegation meiner 
Gilde der Tuchmacher zu empfangen. Versteht du 

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71 

das? Jetzt muß ich mich sogar schämen, ganz ge-
wöhnlichen, niedrig geborenen Bürgern ins Ge-
sicht zu schauen. Oh … Tchornyo, wenn ich einen 
zweiten Sohn hätte, würde ich dich auf der Stelle 
enterben und hinauswerfen. Geh von mir, du be-
trunkener Narr! Geh in dein Zimmer und bete um 
Vergebung oder wenigstens um Einsicht und Ver-
stand. Was immer dir auch fehlen möge, für eine 
Weile möchte ich dich nicht mehr sehen.« 

Schmutzig, zerlumpt, blutend und bis auf den 

Grund seiner Seele gedemütigt, trat Tchornyo unter 
Verbeugungen vom Schreibtisch seines Vaters zu-
rück. Eine Verbeugung bei jedem Schritt. Bei sei-
ner dritten Verbeugung stieß er eine große, dekora-
tive Vase um. 

»Idiot!« 
Heulend drehte sich Tchornyo um und rannte 

den langen Korridor hinunter in sein Zimmer. Dort 
brütete er sieben mutterverdammte Stunden vor 
sich hin und schwor Rache, Rache, Rache! 

 

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72 

SECHSTES KAPITEL 

 

»Walsh?« Admiral Bellman war indigniert. »Was 
will der der alte Kerl?« 

»Schscht«, warnte ihn sein Adjutant. »Er steht 

direkt vor der Tür, Sir.« 

»Irrtum, junger Mann, ich bin schon im Zim-

mer«, ließ sich eine schrille, hohe, nasale Stimme 
vernehmen. 

»Hallo, Emsley Walsh!« Der Admiral heuchelte 

freudiges Erstaunen. »Erfreut, Sie zu sehen.« 

»Kommen Sie mir nicht damit, Edvalt. Wenn es 

für Sie erfreulich wäre, mich zu sehen, wäre ich 
nicht hier.« 

Nach fünfzigjähriger Tätigkeit im Parlament hat-

te Senator Walsh es nicht nötig, überflüssige Höf-
lichkeit zu zeigen. 

»Sie sollten besser verschwinden, mein Sohn«, 

wandte er sich an den nervösen Adjutanten. »Ihr 
Chef und ich haben miteinander zu reden.« 

Während Walsh sich setzte, es sich bequem 

machte und Bellman gleichzeitig mit einer übelrie-
chenden Zigarre für zehn Kredit auf die Nerven fiel, 
verschwand der Adjutant dankbar nach draußen. 

»Bellman«, sagte der Senator, nachdem sich die 

Bürotür geschlossen hatte, »was bedeutet das Ge-
rücht, das ich über Sie und Ihre Leute wegen einer 
Kontaktverletzung gehört habe«? 

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73 

Emsley Walsh war Altsenator von Australien 

und seit langem der Führer der Majorität im Senat. 
Er war ein eingetrockneter, bleistiftdünner, skelett-
artiger Mann von fünfundachtzig Jahren. Eigent-
lich sah er aus wie ein seniler Greis. Nur seine 
flammenden Augen und die glatt über seinen kno-
chigen Schädel gespannte Haut kennzeichneten ihn 
als markante Persönlichkeit. Als Begründer und 
Führer der volkstümlichen Partei der Konservati-
ven verfügte er über eine fast uneingeschränkte 
Macht. Das wußte er. 

»Was verstehen Sie unter Kontaktverletzung?« 

Bellman versuchte Zeit zu gewinnen. 

»Sie wissen genau, was ich meine«, schnauzte 

Walsh. Dann ging er daran, in peinlichen Einzel-
heiten die Tätigkeiten der Sonderabteilung L-2 zu 
beschreiben. Bellmans bestgehütetes Geheimnis 
schien verraten. 

»Sie wissen genau, was wir Konservativen für 

eine Meinung vertreten«, fuhr er fort. »Diese Ein-
mischung in die Angelegenheiten unterentwickel-
ter Kulturen ist nichts anderes als Ausbeutung. Sie 
nutzen diese unschuldigen Leute für ihre eigennüt-
zigen Zwecke aus, Bellman, und das läuft im End-
effekt auf Sklaverei hinaus. Ich sage Ihnen, die 
Partei wird hiergegen energisch einschreiten.« 

Die konservative Partei übte eine übertriebene 

Menschenfreundlichkeit aus. Immer wieder spielte 

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74 

sie sich als Beschützer auf, ohne dazu aufgefordert 
worden zu sein. Und in dieser übersteigerten Hin-
gabe für die Unterdrückten suchten ihre Politiker 
ständig nach Unterdrückten, die oft nur in der Ein-
bildung einiger alter Männer bestanden. 

Bellman war auf dieses plötzliche Interesse der 

Partei an der Sonderabteilung L-2 nicht ganz un-
vorbereitet. Er hatte gehofft, daß die normalen Si-
cherheitsvorkehrungen genügen würden, um das 
Projekt geheimzuhalten. Dennoch hatte er sich 
nach allen Seiten hin abgesichert und ein paar 
Maßnahmen für den Notfall vorbereitet, falls Ein-
zelheiten über die Sonderabteilung an die Öffent-
lichkeit gelangten. Eine dieser Notmaßnahmen er-
griff er nun. Sie bestand darin, daß er ein ganzes 
Bündel gefälschter Dokumente hervorholte, die, 
über jeden Zweifel erhaben, bewiesen, daß es so 
etwas wie eine Sonderabteilung L-2 gar nicht ge-
ben konnte. 

Schweigend prüfte der Senator Bellmans sorg-

fältig vorbereitete Dokumente. Der Admiral er-
laubte sich bereits ein vorsichtiges Lächeln. Der al-
te Mann schien überzeugt. 

Schließlich blickte Emsley Walsh von den Pa-

pieren auf und lächelte gnädig. »Unsinn«, sagte er 
sanft. »Das hier« – er knisterte mit den Papieren – 
»ist nichts als ein Haufen Lügen. Ich kann nicht 
abstreiten, daß es sich um sehr sorgfältig ausgear-

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75 

beitete Lügen handelt. Aber auch Sie können keine 
Wahrheit daraus machen.« 

»Aber, Senator …« 
Der Senator hob die Hand und gebot Schweigen. 
Die neuerlichen Beteuerungen des Admirals 

blieben diesem im Hals stecken. 

»Die konservative Partei hat unwiderlegbare 

Beweise dafür, daß die Raumstreitkräfte zu einer 
unterentwickelten und hilflosen Kultur Beziehun-
gen aufgenommen haben. Unsere Informations-
quelle hat noch niemals falsches Material geliefert. 
Und wir haben keinen Grund zu der Annahme, daß 
sie diesmal irrt. Wir wissen Bescheid über Ihre 
Sonderabteilung. Wir wissen, wer damit zu tun hat 
und welchen Zweck Sie verfolgen. Im Augenblick 
wissen wir noch nicht den Namen des Planeten, 
den Ihre Sonderabteilung in so verbrecherischer 
Weise zu zerstören trachtet. Aber das werden wir 
noch feststellen. Irgendwer wird uns die Informa-
tionen liefern. Und wenn wir es nicht durch unsere 
Leute erfahren, kann eine parlamentarische Unter-
suchung jederzeit die Wahrheit erzwingen. In die-
sem Falle halten wir uns an Sie, Bellman.« 

Der Senator stand auf und wandte sich zum Ge-

hen. »Ich brauche wahrscheinlich die vielen 
Verbrechen nicht aufzuzählen, die Sie und Ihre 
Sonderabteilung zu begehen im Begriffe sind. Sie 
reichen von der Fälschung offizieller Dokumente – 

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76 

und diesen Packen hier nehme ich als Beweismate-
rial dafür mit – bis zur absichtlichen Vernichtung 
von Fremdvölkern. Das alles kommt auf Ihr Konto, 
Bellman. Guten Tag.« 
 

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77 

SIEBTES KAPITEL 

 

Die Aufgabe, den Telegraphen zu entwickeln, fiel 
natürlich Pindar Smith zu. Er brauchte dazu fünf 
Wochen. 

»Wenn ich nichts anderes zu tun gehabt hätte, 

als diesen mutterverdammten Telegraphen zu er-
finden, gäbe es überhaupt keine nennenswerten 
Probleme«, sagte er. »Jeder Schuljunge auf Terra 
könnte das. Sorge gemacht hat mir nur die Tatsa-
che, daß ich den lyffanischen Telegraphen erfinden 
mußte, also eine Art von Telegraphen, dessen Er-
findung man auch einem eingeborenen Lyffaner 
zutrauen könnte. Das mutterverdammte Ding muß-
te eine logische Entwicklung aus dem zeitgenössi-
schen Wissen heraus sein. Aber es gibt keine logi-
schen Entwicklungen, die aus dem mutterver-
dammten zeitgenössischen Wissen dieser Leute 
möglich wären.« 

Natürlich übertrieb Smith wieder einmal. Seine 

Schwierigkeiten lagen darin, daß es noch keine 
technischen Hilfsmittel gab. Sie existierten ledig-
lich in unerwarteten Formen. Zum Beispiel: 

»Ich höre auf«, hatte er eines Tages zu John ge-

sagt. 

John zeigte sich mitleidig interessiert. »Worum 

geht es, alter Junge?« 

»Kupferdraht, ganz einfach. Kein Einwohner in 

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78 

Lyffdarg weiß, wie man Kupferdraht herstellt. Und 
ich weiß nicht, wie ich einen Telegraphen ohne 
Kupferdraht bauen soll. Ehe ich den Telegraphen 
konstruieren kann, muß ich zunächst einmal Kup-
ferdraht erfinden. Ehe ich aber an diese Erfindung 
herangehen kann, muß ich irgendeine Möglichkeit 
ersinnen, Kupferdraht für nichtelektrische Zwecke 
zu gebrauchen. Das kann Jahre dauern.« 

»Wir haben aber keine Jahre zu verschwenden, 

Pin. Bist du sicher, daß hier niemand Draht herstel-
len kann?« 

»Ganz bestimmt. Ich habe bei der Gilde der Me-

tallarbeiter nachgefragt, bei der Gilde der Rohrma-
cher und sogar bei der mutterverdammten Gilde 
der Juweliere. Sie alle wissen, was Kupfer ist. Aber 
niemand hat jemals etwas von Kupferdraht gehört. 
Ich bin am Ende.« 

»Ich bitte um Entschuldigung«, hatte Hurd ein-

gegriffen. »Was ist dieser Kupferdraht, den ihr 
sucht?« 

John Harlen und Pindar Smith gelang es in ge-

meinsamen Bemühungen, ihm zu erklären, was 
Kupferdraht ist. 

»Wenn ihr Metallfäden aus Kupfer meint«, hatte 

Hurd darauf erklärt, »dann müßt ihr die Gilde der 
Brokatmacher fragen. Entweder haben sie bereits 
Kupferdraht, oder sie können euch wenigstens sa-
gen, wo man so etwas bezieht.« 

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79 

»Brokatmacher?« fragten Harlen und Smith wie 

aus einem Munde. 

»Natürlich. Sie benutzen Fäden aus Gold und 

Silber für ihre kunstvollen Arbeiten. Nicht wahr? 
Wer Fäden aus Silber herstellt, müßte meiner An-
sicht nach auch Fäden aus Kupfer machen können.« 

Danach vereinfachte sich Smiths Aufgabe sehr. 

Er stellte eine Liste der benötigten Dinge auf und 
gab sie Hurd, der alles zusammensuchte. Dabei gab 
es eine Reihe von Überraschungen. Zum Beispiel 
die Feststellung, daß man Magneten nur bei der 
Gilde der Zauberer und Beschwörer erhalten konn-
te. Aber es gab wenigstens keine weiteren Verzö-
gerungen mehr. 

 

 
»He, Tchornyo, laß uns ein Wettrennen veranstal-
ten.« 

»Schon wieder? Bei der Nase unserer Mutter, 

Gardnyen, ich habe diese ewigen Rennen satt. Wir 
tun schon nichts anderes mehr.« 

Es war ein klarer, windiger Tag. Im Palast seines 

Vaters war Tchornyo nach fünf Wochen der Un-
gnade wieder als Sohn aufgenommen worden. Seit 
dem mörderischen Anschlag in der dunklen Gasse 
hatte er sich nicht mehr so gut gefühlt. Muffers 
Auge  strahlte hell über ihm. Sein Haar und Bart 

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80 

wehten zufriedenstellend im Wind. Ein Wettrennen 
würde diesen schönen Tag nur verderben. 

»Ha! Du machst dir nichts aus Rennen, weil du 

immer verlierst.« 

Das stimmte zwar, aber Tchornyo fühlte sich 

trotzdem zu der Bemerkung herausgefordert: »Was 
soll das Gerede? Mein Boustrophedon schlägt dei-
nen alten Galimatias noch jederzeit.« 

Nach dieser Prahlerei konnte er sich der Heraus-

forderung eines Wettrennens nicht mehr entziehen. 

»Ho, ho!« schrie Gardnyen. »Das sollst du be-

weisen. Los, antreten!« 

Unter dem Spott der übrigen jungen Edelleute, 

die sich auf der Rakanweide dicht vor den Stadtto-
ren vergnügten, brachten Tchornyo und Gardnyen 
ihre Vollbluttiere an die Startlinie. Wie immer be-
griffen die Tiere keineswegs, was von ihnen ver-
langt und erwartet wurde. Tchornyos Boustrophe-
don war besonders nervös. Er ließ sich nur mit 
scharfen Sporen und lauten Zurufen lenken. Die 
Zuschauer amüsierten sich köstlich. Tchornyo 
fühlte sich gekränkt. Noch vor dem Start war ihm 
durch dieses Rennen der Tag verdorben. 

»Was gilt die Wette?« fragte Gardnyen lächelnd. 
Die Ehre verlangte es, daß Tchornyo sein nicht 

vorhandenes Selbstvertrauen durch einen hohen 
Wetteinsatz ausglich. Die zunehmende Nervosität 
seines Rakans trieb ihn zur Eile. 

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81 

»Ich setze fünfundzwanzig Cees auf Boustro-

phedon«, stieß er hervor. Es war ein mutterver-
dammter Tag. 

»Nur fünfundzwanzig? Was ist das hier, ein 

Kinderspiel? Ich setze fünfzig auf Galimatias. 
Willst du erhöhen?« 

»Oh … nein. Die Wette soll gelten.« 
Daß niemand in der Menge bereit war, auf Bou-

strophedon zu setzen, verbesserte Tchornyos Lau-
ne keineswegs. 

Irgendwer sang in althergebrachter Weise das 

Startsignal: 

»Im Namen der Mutter,  im Namen des Vaters, 

im Namen des Königs und – los!« 

Bei dem letzten laut gerufenen Wort schoß 

Gardnyens Rakan los. Mit Höchstgeschwindigkeit 
rannte er die ovale Bahn entlang. Gardnyen 
brauchte nichts weiter zu tun, als sich festzuhalten. 

Auf Tchornyos Boustrophedon hatte der Startruf 

eine ganz andere Wirkung. Das scheue Tier erstarr-
te buchstäblich zur Bildsäule. Tchornyo konnte sa-
gen oder tun, was er wollte, der Rakan rührte sich 
nicht vom Fleck. Während Gardnyen auf Galimati-
as die Rennstrecke mühelos hinter sich brachte, 
brachen die anderen Edelleute in Beifallsrufe aus. 
Tchornyo bekam einen roten Kopf, so sehr bemüh-
te er sich, seinen Rakan zum Laufen zu bewegen. 
Das Gefühl einer tiefen Erniedrigung verstärkte 

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82 

sich. Der so schön begonnene Tag wurde zu einem 
Alptraum. 

Auf dem Rückweg zu den Ställen verhielt sich 

Tchornyo bemerkenswert ruhig. Bei dem ständigen 
Kampf um die Führungsrolle im Freundeskreis hat-
te er deutliche Rückschläge erlitten. Tchornyo kam 
es so vor, als sei er auf den verachteten Platz des 
Letzten geraten. Nun überlegte er krampfhaft, wie 
sich seine Position von neuem stärken und verbes-
sern ließe. 

»Sei doch nicht so mürrisch«, wandte sich einer 

seiner Freunde beim Frühstück an ihn. »Es war 
doch nur ein Rakanrennen.« 

»Darum geht es nicht«, entgegnete Tchornyo, 

was durchaus stimmte. In den letzten Wochen hatte 
er einen Schlag nach dem anderen hinnehmen 
müssen. »Es handelt sich um die Verschwörung.« 

Was für eine plötzliche und glückliche Einge-

bung! 

»Eine Verschwörung?« Sein Freund spitzte auf 

einmal die Ohren. 

»Ich habe gewisse Informationen« – Tchornyo 

tat geheimnisvoll und wählte seine Worte sorgfäl-
tig – »daß sich mitten in Lyffdarg eine Verschwö-
rung gegen den Adel bildet.« 

Auf einmal hatte er mehrere interessierte Zuhö-

rer. 

»Du meinst einen neuen Bauernaufstand wie vor 

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83 

dreihundert Jahren?« fragte einer der jungen Män-
ner. 

Ein anderer schwang den abgenagten Knochen 

eines Kabnonbeines wie ein Schwert. »Wir werden 
sie in Grund und Boden schlagen«, rief er. »Dies-
mal lassen wir keinen davonkommen. Sonst 
kommt wieder der Zorn unserer Mutter über uns.« 

Tchornyo beeilte sich, seine neu gewonnene Po-

sition zu festigen. »Nicht die Bauern«, tat er noch 
immer geheimnisvoll. »Meinen Informationen 
nach sind weitaus mächtigere Kräfte am Werk.« 

Allmählich überkam ihn das Gefühl imponie-

render Wichtigkeit. Das, Mutter sei Dank, war ein 
Spiel, auf das er sich verstand. 

»Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen«, 

beendete er seine Andeutungen. 

Gardnyen schnaufte. »Er redet von den beiden 

mutterverdammten Gemeinen, die im vergangenen 
Monat Garlyn und Drebnyo umbrachten, während 
er wie ein Angsthase davonlief.« 

Tchornyo warf seinem Freund einen bösen Sei-

tenblick zu, ging aber auf die Beleidigung nicht 
weiter ein. Er richtete sich auf und starrte seine 
Freunde eindringlich an. 

»Das war nur der Anfang.« 
»Du meinst, es kommt noch mehr?« fragte ein 

anderer aus der Gruppe. 

»Noch mehr und noch schlimmer«, gab Tchor-

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84 

nyo dunkel zurück. »Erinnert ihr euch, wie ich an-
schließend die Mörder gesucht habe, ohne sie fin-
den zu können?« Alle nickten. »Ich habe mir sogar 
die Mühe gemacht, sechs Wochen lang zweimal 
täglich alle Besucher des Tempels zu inspizieren.« 
Abermals nickten alle. 

Tchornyo nahm seinen Vorteil wahr. »Nun, 

denkt einmal eine Minute darüber nach. Alle Bür-
ger von Lyffdarg haben an den Bußgebeten im 
Tempel teilgenommen. Die Listen beweisen es. 
Trotzdem konnten wir die Mörder nicht entdecken. 
Noch etwas kommt hinzu. Während der Gebetsver-
sammlung hat eine Embrace  von  Mutters  Gardi-
sten die Stadt durchsucht, um sicherzustellen, daß 
sich nirgends ein Bürger versteckt hielt. Auch auf 
diese Weise wurden die Täter nicht entdeckt. 
Trotzdem haben sie sich während der ganzen Zeit 
in der Stadt aufgehalten.« 

Man vernahm erstaunte Ausrufe. Sogar Gardny-

en war beeindruckt. 

»Woher willst du das wissen?« 
»Nun, zum Teil, weil die Stadttore geschlossen 

waren. Niemand, ob Mörder oder nicht, konnte 
hinaus. Zur Hauptsache aber«, und Tchornyo 
machte hier eine Pause, bevor er seinen letzten 
Trumpf ausspielte, »zur Hauptsache aber deshalb, 
weil ich die Täter seither in der Stadt gesehen ha-
be.« 

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85 

Auf einmal redeten alle durcheinander. 
»Wann? Wo? Was haben sie gemacht? Warum 

hast du sie nicht festnehmen lassen?« 

Die Fragen schwirrten auf ihn ein, während sich 

Tchornyo die Antwort zurechtlegte, die den dama-
ligen Ereignissen Rechnung trug, ohne seinem neu 
gewonnenen Ansehen zu schaden. 

»Ich habe die beiden Mörder vor fünf Wochen 

in der Rakanstraße gesehen, ganz in der Nähe des 
Marktes. Ich weiß nicht, was sie dort trieben. In 
dem Augenblick, als sie mich erblickten, rannten 
sie davon. Ich habe versucht, sie einzuholen. Aber 
ihre Organisation hielt mich auf.« 

»Was soll das heißen, ihre Organisation?« warf 

Gardnyen ein. Sein Tonfall hatte allen Sarkasmus 
verloren. 

»Genau das«, entgegnete Tchornyo beiläufig. 

»Während ich die Mörder jagte, versuchte jemand, 
mich daran zu hindern, indem er mich mit Küchen-
geschirr bewarf. Ein Stück weiter wollte man mich 
dadurch aufhalten, daß mir Feldmelonen in den 
Weg geworfen wurden. Schließlich wurde ich von 
der Verfolgung abgebracht, weil jemand eine Herde 
wildgewordener Rakans auf mich hetzte. Und wenn 
euch das noch nicht Organisation genug ist, dann 
hört auch noch den Schluß. Als die Rakanherde 
über mich hinweggestampft war, wurde ich von ei-
nem Gardisten unserer Mutter festgenommen! Das, 

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86 

meine Freunde, nenne ich Organisation.« 

Niemand wußte darauf eine Antwort. Die jungen 

Männer saßen still da und starrten vor sich hin. So-
gar Tchornyo. Er hatte, ohne es eigentlich zu mer-
ken, sich selbst mit überzeugt. Schließlich stellte 
einer der jungen Adeligen die Frage, die allen auf 
der Zunge lag. 

»Was sollen wir jetzt tun?« 
Im stillen hocherfreut über diesen Wechsel vom 

gedemütigten Verlierer zum anerkannten Führer, 
sagte Tchornyo: »Mein Plan sieht so aus …« 

 

 
»Mein Plan sieht so aus«, sagte auch Smith etwa 
um die gleiche Zeit an einem anderen Ort. »Nach-
dem wir den mutterverdammten Telegraphen end-
lich erfunden haben, sollten wir zu allererst Drähte 
von Lyffdarg nach einer anderen Stadt ziehen. 
Dann …« 

»Halt!« 
»Was gibt es, Hurd?« 
»Du kannst ohne Erlaubnis des Tempels keine 

Drähte ziehen.« 

»Jawohl«, mischte sich Ansgar Sorenstein ein, 

»du kannst auf diesem mutterverdammten Planeten 
überhaupt nichts machen, ohne vorher den Tempel 
zu fragen.« 

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87 

»Das stimmt nicht ganz«, meinte Hurd nachsich-

tig. »Erlaubnis braucht man nur für Dinge, die bis-
her noch niemals getan oder gemacht worden 
sind.« 

»Hurd, alter Knabe, nach unseren Plänen werden 

wir hier kaum etwas tun, was schon jemals vor uns 
getan worden wäre«, erklärte John. »Wie verschaf-
fen wir uns also das Einverständnis des Tempels?« 

Es stellte sich heraus, daß jede Neuerung drei 

Bedingungen erfüllen mußte, ehe sie vom Tempel 
zugelassen wurde. Sie durfte keine Ketzerei dar-
stellen, mußte im weitesten Sinne des Wortes nütz-
lich sein und darüber hinaus einem öffentlichen 
Verlangen entsprechen. 

John dachte die ganze Nacht lang über dieses 

Problem nach. Am nächsten Morgen glaubte er die 
Lösung gefunden zu haben. 

»Wir werden zunächst im kleinsten Kreis hier in 

der Werkstatt unseren Telegraphen vorführen. Da-
zu laden wir ein paar Kaufleute ein, einige Adeli-
ge, zwei oder drei hohe Offiziere der Armee, den 
Kommandanten von Mutters  Garde und so viele 
Priester, wie kommen wollen. Sobald diese Leute 
den Telegraphen in Betrieb sehen, werden sie die 
sich bietenden Möglichkeiten erkennen. Auf diese 
Weise werden wir seine Nützlichkeit beweisen und 
den Wunsch nach seiner Einführung fördern. So 
schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.« 

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88 

»Das ist fein«, kommentierte Ansgar Sorenstein. 

»Jetzt brauchen wir nur noch zu beweisen, daß un-
ser kleines Hexenkunststück den orthodoxen Vor-
stellungen entspricht und keine Ketzerei darstellt. 
Wie machen wir das, großer Meister?« 

»Oh, das ist ganz einfach«, wußte Hurd Rat. »Ihr 

braucht euch nur einen Tempel-Advokaten zu 
nehmen. Wenn der Telegraph überhaupt funktio-
niert, wird jeder gute Advokat beweisen, daß die 
neue Erfindung bereits im Buch von Garth Gar-
Muyen Garth geweissagt worden ist. Nach dieser 
Definition kann es einfach keine Einwendungen 
mehr geben.« 

 

 

»Mein Herr Vater, Sire!« 

Obwohl er seit nunmehr zwei Wochen wieder in 

Gnaden aufgenommen worden war, zeigte sich 
Tchornyo immer noch von vorsichtiger Höflichkeit. 

»Bitte, Sohn, ich bemühe mich zu lesen.« 
Bei der selbst unter Edelleuten nicht gerade gro-

ßen Lesegewandtheit der Lyffaner hatte der ältere 
Hiirlte wirklich einige Schwierigkeiten mit der 
handgeschriebenen Einladung. 

»Aber, Vater …« 
»Störe mich nicht, Tchornyo! Der Brief scheint 

ziemlich wichtig zu sein. Dieser Gar-Terrayen be-

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89 

hauptet, er könne leise über große Entfernungen 
sprechen. Du weißt, daß ein solcher Trick uns hier 
und dort von großem Nutzen sein könnte.« 

Die rechtzeitige Erkenntnis, das gewisse Tricks 

hier und dort von großem Nutzen waren, galt unter 
anderem als ein Grund dafür, daß der ältere Hiirlte 
Herzog geworden war. 

»Aber ich muß dir etwas über die Verschwörung 

berichten!« jammerte der Sohn zaghaft. 

»Tchornyo, scher dich raus! Deine mutterver-

dammten Verschwörungen interessieren mich 
nicht. Wann wirst du endlich aufhören, mich mit 
solchem Unsinn zu belästigen?« 

Völlig niedergeschlagen schlich Tchornyo davon. 
Großherzog Hiirlte läutete nach seinem Finanz-

berater. Dieser Gar-Terrayen und seine Leute hat-
ten offensichtlich etwas an der Hand, an dem sich 
auch Hiirlte seinen Anteil zu sichern gedachte. 

 

 
»Smith! Dieses verfluch – ich meine, mutterver-
dammte Ding arbeitet nicht!« 

John Harlen beugte sich über den Telegraphen. 
»Was meinst du damit, es geht nicht?« 
Pindar Smith kam vom Tisch herüber und starrte 

in den hölzernen Kasten mit den vielen Kupfer-
drahtspulen. 

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90 

»Das heißt, ich drücke diesen mutterverdamm-

ten Schalter herunter, und es ist nichts zu hören. 
Nicht das leiseste Klicken. Deshalb meine ich, das 
Ding funktioniert nicht.« 

»Großartig!« Pindar drückte wütend gegen eine 

der Spulen. »Die Vorführung soll in einer halben 
Stunde beginnen. Unsere hochwohlgeborenen Gä-
ste können jeden Augenblick eintreffen. Großartig! 
Und du mußtest mit deinen plumpen Fingern hin-
einlangen und … aber ich hab’s schon!« Smith 
deutete auf eine Verbindungsstelle. »Versuch es 
jetzt noch einmal!« 

Harlen drückte auf die Taste. Der Apparat rea-

gierte mit einem Klingeln. 

»Was ist das?« fragte Harlen. 
»Ich mußte einen Resonator aus Keramik ein-

bauen«, erklärte Smith. »Los, ich will die Verbin-
dung festlöten.« 

Seit Generationen war es unter den Lyffanern 

üblich, daß hohe Gäste mit mindestens einer hal-
ben Stunde Verspätung einzutreffen pflegten. Nie-
mand hatte daran gedacht, daß davon die Terraner 
natürlich nichts wußten. Als der erste Adelige in 
seiner vierspännigen Rakankutsche vorfuhr, waren 
die Nerven der Männer in der Werkstatt daher so 
dünn geworden, wie die beim Bau des Telegraphen 
verwendeten Kupferdrähte. 

Natürlich hatte auch niemand daran gedacht, den 

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91 

Terranern zu sagen, daß alle Gäste mit ihren Ra-
kans kommen würden. Ansgar Sorenstein wurde 
bei der Vorführung am wenigsten gebraucht. Also 
war es nur logisch, daß man ihm die Rakans zur 
Bewachung anvertraute. Als er schließlich fünf-
undvierzig schnatternde Tiere unter seiner Aufsicht 
hatte, war er mit seinen Nerven genauso am Ende 
wie die anderen Männer der Sonderabteilung. Hof-
fentlich, dachte Ansgar, wurde nicht allen Einla-
dungen Folge geleistet. Die Besitzer der fünfund-
vierzig überscheuen Rakans waren längst nicht alle 
Gäste, die auf der Einladungsliste gestanden hat-
ten. 

Wenn die Straße draußen vor der Werkstatt auch 

wie ein Viehmarkt aussah, so wirkte die Werkstatt 
selbst wie der Ausstellungsstand einer Industrie-
messe. An der einen Wand standen die unverklei-
deten und auseinandergebauten Teile einer kom-
pletten Telegraphenstation. Die zweite Wand war 
mit graphischen Darstellungen über die Wir-
kungsweise des neuen Apparates bedeckt. Die 
Zeichnungen hatte Ansgar Sorenstein angefertigt. 
Im Hintergrund stand Hurd auf einem kleinen Po-
dium. In blumenreichen, wohlgesetzten Worten er-
klärte er den Nutzen und die großen Möglichkeiten 
der neuen Erfindung. Pindar Smith stand an der 
Vordertür und schickte Nachrichten durch die 
Drähte zu John Harlen an der Hintertür. 

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92 

Die erste Mitteilung lautete: »Unsere Mutter hat 

etwas ganz Besonderes vollbracht.« 

Dieser Satz stiftete unter den Gästen einige 

Verwirrung. 

»Und wie soll man sich vorstellen, daß diese 

Botschaft durch jene mutterverdammten kleinen 
Metallfäden geht?« wollte ein Armeeoffizier wis-
sen. 

»Der Geist unserer Mutter,  hochverehrter Herr 

Offizier, lebt in jenen Batterien dort drüben. Wenn 
eine Botschaft ausgeschickt werden soll, dann eilt 
unsere Mutter zu Hilfe und jagt sie durch die Dräh-
te«, erklärte Hurd geheimnisvoll und höflich. 

»Was besagt dieser Blinker hier?« wollte der Of-

fizier von John wissen. 

»Daß Elektrizität in den Batterien ist«, entgegne-

te John kurz. Er hatte Mühe damit, Smiths schlecht 
durchgegebene Meldung zu entziffern. Auch fehlte 
ihm die Geduld zur Beantwortung technischer Fra-
gen. Aber er mußte sich auf diese Leute einstellen. 
Lauter und mutiger werdend, erklärte John, wie er 
sich die Sache dachte. 

»Sehen Sie her, meine Herren, diese mutterver-

dammten Blinker werden von unserer Mutter 
höchstpersönlich bedient. Ihr Geist befindet sich 
dort drüben in jenen irdenen Kästen.« 

»Ist das nicht Blasphemie, Vater?« wandte sich 

ein Zuschauer an einen der Priester. 

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93 

»Nein, mein Sohn«, entgegnete der Priester 

ernst. »Mir erscheint die Sache durchaus klug und 
vernünftig.« 

Alles in allem verlief die Vorführung zufrieden-

stellend. Jedermann begriff die Nützlichkeit und 
den Wert des Telegraphen. Nur ein Offizier ver-
brannte sich an der Batteriesäure. Aber es war 
nicht weiter schlimm. Auch die Priester schienen 
in dem Apparat nichts Ketzerisches zu erblicken. 
Zunächst enthielten sie sich zwar noch jeder Stel-
lungnahme. Aber das war verständlich. Offenbar 
wollten und sollten sie der bevorstehenden Prüfung 
im Tempel nicht vorgreifen. 

 

 
Tchornyo saß nervös im Hinterzimmer der Wirt-
schaft. Noch nie zuvor hatte er so eine geheimnis-
volle Verabredung getroffen. Er war sicher, daß al-
le anderen Gäste ihn beobachteten. So kam es ihm 
jedenfalls vor. 

Schlag drei Uhr, genau zur verabredeten Zeit, 

trat ein kleiner, untersetzter, schlicht, aber ge-
schmackvoll gekleideter Mann ein und ging direkt 
auf Tchornyos Tisch zu. 

»Sie sind Tchornyo Gar-Spolnyen Hiirlte?« 

fragte der Unbekannte. 

Tchornyo erhob sich. »Jawohl, Sire. Wenn Sie 

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94 

bei mir Platz nehmen wollen?« 

Der Mann ließ sich in den Sessel an der gegenü-

berliegenden Seite des Tisches sinken. Tchornyo 
schaute sich noch einmal nervös um und setzte sich 
gleichfalls hin. 

»Ich bin gekommen«, erklärte der Fremde, »um 

die Interessen einer hochgestellten Persönlichkeit 
wahrzunehmen, die ihren Namen nicht genannt 
wissen möchte. Unser hoher Gönner ist jedoch wil-
lens, Ihre Organisation finanziell zu unterstützen, 
und zwar in Anerkennung der wichtigen Aufgabe, 
die Sie sich selbst gestellt haben. Ist das klar?« 

»Jawohl, Sire«, gab Tchornyo zurück, der vor 

allem die Worte finanzielle Unterstützung sehr ge-
nau verstanden hatte. 

»Gut. Der Ablauf ist wie folgt gedacht: Sie be-

kommen von uns jeden Monat eine bestimmte 
Summe. Die Höhe der Zahlung richtet sich nach 
der Anzahl der Mitglieder Ihrer Organisation. Sie 
liefern uns dafür die Mitgliederlisten nach dem je-
weiligen neuesten Stand und einen Bericht über al-
les, was Sie unternommen haben.« 

 

 
»… und er fiel darauf herein?« 

»Wie ein Kabnon ins Kornfeld«, berichtete der 

geheimnisvolle Mann seinem Auftraggeber. »Je-

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95 

desmal, wenn das Wort ›Geld‹ fiel, leuchtete es in 
seinen Augen auf. Sonst hörte er nichts. Nachdem 
ich es mehrfach wiederholt hatte, bekam ich end-
lich in seinen dicken Schädel hinein, daß er desto 
mehr Geld bekommt, je mehr Mitglieder er wirbt. 
Bestimmt hat er bis zum Ende des nächsten Mo-
nats jeden jungen Edelmann von Lyffdarg in sein 
Anti-Verschwörer-Komitee berufen. Er wird ge-
naue Berichte und Listen aufsetzen und uns zusen-
den.« 

»Gut.« Der hohe lyffanische Adlige rieb sich die 

Hände. »Er will eine Verschwörung haben? War-
ten wir ab – er soll sie bekommen!« 

 

 
Die Prüfung im Tempel erschien den Terranern 
wie ein Vortrag in der Sonntagsschule und nicht 
wie eine ernsthafte, gründliche Untersuchung. Der 
Rechtsanwalt, den Hurd beschafft hatte, stand auf 
und verlas eine Reihe von Abschnitten aus dem 
Buch von Garth Gar-Muyen Garth. Danach erhob 
sich Dr. Jellfte als der vornehmste seiner Gruppe 
und las vor, was Hurd über den Telegraphen ge-
schrieben hate. Es klang wie der liturgische Text 
eines Gesangbuches. Endlich erklärte der Hohe-
priester und Vater aller Väter, ein Lyffaner edelster 
Abstammung: »Die Neuerung widerspricht nicht 

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96 

den Heiligen Büchern. Deshalb erteilen wir unsere 
vorläufige Zustimmung, bis sich erweist, ob der 
neue Apparat schädlich oder unschädlich ist.« 

Danach wurden Gebete gesprochen, und die ent-

scheidende Sitzung war beendet. 

 

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97 

ACHTES KAPITEL 

 

Für alle Beteiligten war das erste Jahr das härteste. 

So mußten sich die Terraner etwa mit den 

Schwierigkeiten des lyffanischen Finanzsystems 
herumplagen. Nachdem der Tempel zugestimmt 
hatte, mußte zur Auswertung der neuen Erfindung 
eine Firma gegründet werden. Das schien ganz ein-
fach. Aber es gab dabei Formalitäten von unglaub-
licher Kompliziertheit zu erledigen. 

Zunächst erwies es sich als notwendig, einen der 

Terraner in den Adelsstand erheben zu lassen. Da-
für kam nur Pindar Smith in Frage. Nur dann konn-
te die Gruppe um Gar-Terrayen mit anderen Adeli-
gen auf gleicher Ebene verhandeln. Dr. Jellftes Ti-
tel beruhte nur auf einer Ernennung. Er war nicht 
durch Akklamation gewählt worden, und er stand 
demnach nicht hoch genug im Rang. Obendrein 
war dieser Titel nicht erblich, nutzte also wenig 
gegenüber den stark familiengebundenen und tradi-
tionsreichen Adelsgeschlechtern und vor dem lyf-
fanischen Gesetz. Also mußte man Pindar Smith 
zum Baron erheben. 

Wer immer sich für die neue Erfindung des Te-

legraphen interessierte, wohnte Smiths Erhebung 
in den Adelsstand bei. Das war ungefähr die Hälfte 
der Einwohnerschaft von Lyffdarg. Natürlich fehl-
ten die jüngsten Adeligen vollkommen. Sie gingen 

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98 

ihren eigenen Interessen nach. Aber alle älteren 
Edelleute waren versammelt. Ihnen gesellten sich 
die Vertreter der Kirche und der Armee zu. Die 
Feier fand in der großen Halle von König Osgard 
Gar-Osgardyen Osgards Palast statt. 

Hoch unter der Saaldecke wehten von den 

schweren Balken die von Rauch geschwärzten 
Banner der großen Familien von Lyff. Ein Banner 
hob sich besonders hervor, hauptsächlich, weil es 
noch neu aussah und deshalb helle Farben aufwies. 

Es trug als Emblem den Ärztestab mit der 

Schlange. Bis zu diesem Nachmittag hatte dieses 
Zeichen unter den Bannern der Edelleute den Clan 
Gar-Terrayen repräsentiert. Später sollte es im Ver-
laufe der Zeremonien entfernt und durch ein nagel-
neues Banner ersetzt werden, dessen Emblem ein 
stilisierter silberner Blitz war. 

Die Feierlichkeit wurde durch ein anderthalb-

stündiges Konzert archaischer dodekaphonischer 
Musik eingeleitet. Es stammte aus der Zeit, die 
man oft als das Goldene Zeitalter von Lyff be-
zeichnete. Während des Konzertes begannen Smith 
die Nerven durchzugehen. 

»Ich sage Ihnen, Doktor, das halte ich nicht 

durch«, protestierte er flüsternd. 

Dr. Jellfte hatte das alles schon über sich erge-

hen lassen müssen und kannte sich aus. 

»Das ist nur diese Katzenmusik, mein Junge«, 

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99 

gab der alte Mann mit stoischer Geduld und Ruhe 
zurück. »Ich erinnere mich noch genau, wie ich 
mich seinerzeit darüber aufgeregt habe. Diese ural-
ten Klänge gehen einem an die Nerven, wenn man 
nicht daran gewöhnt ist.« 

»Nein, Doc, es ist nicht nur die Musik. Mir ge-

fällt die ganze Sache nicht. Ein Adeliger soll ich 
werden. Dabei habe ich niemals an solche Stan-
desunterschiede und alles, was damit zusammen-
hängt, geglaubt. Sie wissen das genau, und … ich 
fürchte, ich werde …« 

»Liebe Mutter, Mann, reißen Sie sich doch zu-

sammen! Wollen Sie jetzt etwa schlappmachen?« 

»Nein, Doc. Ich fürchte nur, ich werde meine 

sorgfältig einstudierte Rede nicht mehr können.« 

»Ist das Ihr ganzer Kummer? Nehmen Sie mein 

Wort dafür, daß Sie sich wegen des Textes keine 
Gedanken zu machen brauchen. Jeder vergißt, was 
er in diesem Augenblick zu sagen hat. Inzwischen 
ist daraus fast eine Tradition geworden. Machen 
Sie sich nur deshalb keine Sorgen. König Osgard 
ist ein fortschrittlich gesonnener, gutmütiger Mann. 
Wirklich! Ihm macht es nichts aus, wenn ein 
frischgebackener Edelmann seinen Text nicht 
kennt. Im Gegenteil, er hilft noch dabei aus. Ich 
habe meinen Text damals auch nicht gewußt. Der 
König hat mir jede Antwort zugeflüstert wie ein 
erstklassiger Souffleur.« 

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100 

Merkwürdig – nachdem Smith diese beruhigen-

den Worte des Arztes gehört hatte, fiel ihm seine 
Rede Wort für Wort schlagartig wieder ein. Die 
ganze dreistündige Zeremonie ging ohne jede Stö-
rung vorüber, was König Osgard offensichtlich 
überraschte. 

Der Empfang nach der Erhebung in den Adels-

stand erwies sich als weitaus schwieriger. Keiner 
hatte daran gedacht, Smith über das Duell aufzu-
klären, das er mit dem ältesten Edelmann von 
höchstem Rang auszufechten hatte, ehe die neue 
Firma unter seiner nominellen Leitung gegründet 
werden durfte. 

»Verdammt«, fluchte Smith und verfiel unwill-

kürlich wieder in seine terranische Ausdruckswei-
se, »daß mir so etwas nicht gesagt wird! Wenn ich 
vorher gewußt hätte, daß ich ein Duell austragen 
muß, hätte ich mich auf den ganzen Zauber nicht 
eingelassen. Ich kann doch nicht hingehen und ir-
gendeinen Adeligen totschlagen, während alle an-
deren zuschauen. So etwas ist doch unzivilisiert.« 

»Aber es wird doch gar nicht erwartet, daß Sie 

ihn umbringen«, beruhigte ihn Hurd. »Das Ganze 
ist doch ein Ritual, man tut nur so. Genaugenom-
men ist es sogar umgekehrt, denn Sie sollen eigent-
lich von ihm getötet werden.« 

»Ich? Das kommt noch viel weniger in Frage. 

Ich lasse mich nicht umbringen.« 

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101 

»Doch nicht richtig umbringen, Sie mutterloser 

Sohn eines blinden Rakans. Ich sagte doch, man tut 
nur so. Das Duell wird mit stumpfen, völlig unge-
fährlichen Schwertern ausgetragen. Man kann sei-
nen Kontrahenten damit nicht einmal verwunden. 
Ihr Gegner vertritt die Aktionäre. Verstanden? Es 
ist eben alles nur symbolisch gemeint.« 

So war es auch. Der älteste Edelmann, der drei-

undachtzigjährige Herzog Terdryo Gar-Gardnyen 
Tsolistran, trat als Gegner an. Er wurde gestützt 
und vorsichtig geführt von zwei anderen Adeligen, 
die kaum jünger waren als er selbst. Einen Helfer 
an jeder Seite, näherte er sich Smith mit langsa-
men, schlurfenden Schritten. Dann schwenkte er 
ein dick mit Stoffen umwickeltes Schwert einmal 
über dem Kopf des frischgebackenen Edelmannes 
und ließ es schließlich mit der Wucht eines tolpat-
schigen Schmetterlings auf Smiths Schulter nieder-
sausen. Smith, der diesmal von Hurd gut vorberei-
tet worden war, fiel zu Boden und rief: »Ich ergebe 
mich, Sire, ich unterwerfe mich!« 

Danach murmelte der alte Herzog Terdryo un-

verständliche Worte vor sich hin. Einiges bezog 
sich auf die Pflichten der Firma gegenüber ihren 
Aktionären. Smith gab seine Zustimmung zu er-
kennen. Und damit war die erste Telegraphenge-
sellschaft auf Lyff gegründet. Die Firma durfte ihre 
Tätigkeit aufnehmen. Wieder waren sie ihrem gro-

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102 

ßen Ziel einen kleinen Schritt nähergekommen. 

 

 
»Zunächst brauchen wir ein Erkennungszeichen, 
ein Symbol«, verkündete Gardnyen. 

»Ein Symbol? Was für ein Symbol sollte das 

sein?« fragte Tchornyo. Sie saßen im Büro des 
neuen Gebäudes, das ihnen als Hauptquartier dien-
te. Die Miete war aus der ersten Zuwendung ihres 
geheimnisvollen Gönners bezahlt worden. 

»Wir müßten ein Abzeichen tragen.« 
»Aber wir wollen doch ein Geheimbund sein.« 
»Oh, ich meinte nicht, daß man dieses Abzei-

chen in der Öffentlichkeit, auf der Straße oder 
sonstwie sichtbar tragen dürfte. Wir sollten es nur 
anlegen, wenn wir unsere Zusammenkünfte abhal-
ten, wenn wir Übungen veranstalten oder andere 
Dinge unternehmen, die unmittelbar mit unserem 
Bund in Zusammenhang stehen.« 

»Aber, an der Tür werden doch alle Mitglieder 

schon überprüft, ehe sie überhaupt hereindürfen – 
sie brauchen also gar kein Abzeichen, um sich zu 
identifizieren.« 

»Oh, Tchornyo, du begreifst immer noch nicht, 

was ich meine – lassen wir es!« 

Schweigen breitete sich aus. Tchornyo ging ins 

Nebenzimmer, um die neuen Mitglieder zu begrü-

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103 

ßen, die dort gerade vereidigt wurden. Sie standen 
alle in einer Reihe und hatten die rechte Hand in 
Brusthöhe über die linke gelegt. Auch das hatte ei-
ne uralte symbolische Bedeutung. 

»Wir schwören«, sprachen sie feierlich im Chor 

dem Vorredner nach, »dem Anti-Verschwörer-
Komitee die Treue zu halten und bedingungslos al-
le Befehle unserer Anführer auszuführen, welcher 
Art sie auch immer sein mögen. Wir wollen auf der 
Suche nach Verschwörern wachsam sein, wo im-
mer sie sich finden lassen. Das schwören wir im 
geheiligten Namen unserer Großen Mutter«. 

Tchornyo ging zu dem Mitglied hinüber, das den 

Neuen den Eid abgenommen hatte. 

»Wie viele haben wir jetzt?« fragte er. 
»Mit diesen hier sind es jetzt zweihundertsie-

benundsechzig.« 

Tchornyo lächelte. 
»Ein guter Fortschritt. Wirklich erfreulich.« Er 

kehrte ins Büro zurück. 

»Weißt du«, wandte er sich an Gardnyen, »so 

ein Eid klingt doch immer wieder feierlich und er-
hebend. Ich frage mich nur, warum der kleine 
Mann darauf bestanden hat, daß er in genau dieser 
Form abgelegt werden sollte.« 

Auch Gardnyen hatte dafür keine Erklärung. 

 

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104 

 
»Verdammt noch mal«, rief Admiral Bellman, 
»das ist ja noch schlimmer als Raumschach. Beim 
dreidimensionalen Schach weiß ich wenigstens 
immer, wie viele Leute ich habe und wo sie sich 
befinden.« 

»Tut mir leid, Chef«, entgegnete der junge Si-

cherheitsoffizier, der als einziger Zeuge bei Bell-
mans Ausbruch zugegen war. »Es tut mir wirklich 
leid«, wiederholte er, »aber wir haben nirgends ei-
ne schwache Stelle gefunden.« 

»Mann«, brüllte der Admiral aufgebracht, »es 

muß aber irgendwo eine undichte Stelle geben. 
Woher sollte Senator Walsh sonst so genaue Infor-
mationen über die Sonderabteilung haben?« 

 

 
Um die gleiche Zeit freute sich Senator Walsh über 
einen Zettel, der ihm beim Frühstück überreicht 
worden war. 

»Sehr aufschlußreich«, kicherte er. »Wirklich, 

außerordentlich interessant.« Dann rief er mit lau-
ter Stimme: »Gordon!« 

»Jawohl, Sir«, meldete sich dieser. 
»Gordon«, fuhr der Senator leise fort, »würden 

Sie für mich bitte etwas in der Encyclopaedia Ga-
lactica nachschlagen? Sehen Sie mal nach, was 

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105 

über einen Planeten namens Lyff in dem Buch 
steht. L-y-f-f.« 

Gordon ging hinaus, um sich in die Enzyklopä-

die zu vertiefen. Senator Walsh wandte sich wieder 
mit sichtlichem Appetit seinem Frühstück zu. 
 

 
»Jawohl«, erklärte Tchornyo stolz, »wir haben jetzt 
schon mehr als sechshundert Mitglieder.« 

»Großartig«, entgegnete der gutgekleidete kleine 

Fremde. »Mein Auftraggeber wird sich sehr über 
diesen Fortschritt freuen.« 

»Ich glaube auch, daß die Anwerbung von 

sechshundert Mitgliedern innerhalb von zwei Mo-
naten eine gute Leistung ist«, fügte Gardnyen über-
flüssigerweise hinzu. 

»Das habe ich ja gerade gesagt«, gab der kleine 

Mann unwirsch zurück. »Hier!« Er überreichte 
Tchornyo eine Ledermappe, die offenbar mit Geld 
gefüllt war. »Damit dürften Sie eine Weile aus-
kommen. Jetzt möchte ich mir einmal Ihre Räume 
ansehen.« 

»Wünschen Sie, daß wir Sie durch das Haus füh-

ren?« fragte Tchornyo. Zugleich schüttete er die 
Tasche auf dem Tisch aus und begann, die schwe-
ren Goldmünzen zu zählen. 

»Nein«, entgegnete der Fremde, »ich möchte die 

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106 

Räumlichkeiten überprüfen. Dabei finde ich mich 
am besten allein zurecht. Vielen Dank.« 

»Aber, Sire, vieles von dem, was hier vor sich 

geht, ist streng geheim«, wollte Gardnyen einwen-
den. 

Der unbekannte Mann verzog das Gesicht zu ei-

nem höhnischen Grinsen. 

»Das, junger Mann, trifft auf alles zu«, entgeg-

nete er und deutete vielsagend auf das Geld auf 
dem Tisch. Er verließ das Büro und machte sich 
daran, ein Zimmer nach dem anderen zu untersu-
chen. 

»Das gefällt mir überhaupt nicht«, flüsterte 

Gardnyen seinem Freund zu. 

»Warum nicht? Es sieht doch nicht aus wie 

Falschgeld, oder?« 

»Nein, du Narr, ich meine nicht das Geld, son-

dern ihn.« 

»Ihn?« 
»Jawohl, ihn. Wen vertritt er eigentlich? Wo 

kommt all das viele Geld her? Ich glaube, wir soll-
ten uns darum einmal kümmern. Schließlich könn-
te er doch … du weißt schon … mit den Ver-
schwörern gemeinsame Sache machen.« 

»Du bist verrückt«, entgegnete Tchornyo. 
Trotzdem folgten er und Gardnyen dem Frem-

den unauffällig, als er das Haus verlassen hatte. 
Obwohl er nicht zu erkennen gab, daß er die Ver-

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107 

folger entdeckt hatte, führte er Tchornyo und 
Gardnyen auf einem weiten und vielfach gewun-
denen Weg durch die schlecht beleuchteten älte-
sten Stadtviertel von Lyffdarg. Wären die Straßen 
nicht völlig unbelebt gewesen, hätten die jungen 
Edelleute den Verfolgten leicht aus den Augen ver-
lieren können. Schließlich hatte Tchornyo keine 
Lust mehr weiterzugehen. 

»Wenn wir ein wenig schneller gingen«, sagte er 

zu Gardnyen, »könnten wir ihm leichter folgen.« 

»So? Bis jetzt haben wir ihn doch noch nicht aus 

den Augen verloren.« 

»Das kommt ganz darauf an. Wo ist er jetzt?« 
Wirklich – der Fremde war plötzlich ver-

schwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Nir-
gendwo gab es eine Abzweigung oder Straßen-
kreuzung. Keine Ecke, um die der Fremde hätte 
verschwinden können. Also erschien es nur lo-
gisch, daß er eines der niedrigen, schmalbrüstigen 
Häuser betreten hatte. Die Gebäude standen halb 
verfallen und windschief an den vielfach gewun-
denen Gassen. Keiner der beiden Verfolger hatte 
eine Ahnung, in welchem der Unbekannte ver-
schwunden war. 

»Mutterverdammte Schweinerei!« fluchte Gard-

nyen. »Wo ist er nur plötzlich geblieben?« 

»Lassen wir es gut sein. Viel mehr interessiert 

mich, wo wir uns eigentlich befinden?« 

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108 

»Ich habe keine Ahnung. In dieser Gegend war 

ich vorher noch nie.« 

»Pst«, zischte eine Stimme aus der Dunkelheit 

eines Torweges, »Wollt ihr eine Kleine Schwester?« 

»Aha«, stellte Gardnyen fest, »damit wissen wir 

wenigstens, wo wir sind. Wie kommen wir aber 
wieder nach Hause?« 

Es dauerte lange, bis sie den Heimweg fanden. 

Das Stadtviertel der Roten Laternen von Lyffdarg 
war ungewöhnlich weit ausgedehnt und glich in 
der Straßenführung einem Irrgarten, aus dem es 
kaum ein Entkommen zu geben schien. 

Erst als die Verschwörer zufällig merkten, daß 

sie ganz in der Nähe des Tempels waren, fanden 
sie wieder zurück. Trotzdem brauchten sie mehrere 
Stunden, um nach Hause zu kommen. 
 

 
Ein Lyffaner von hohem Adel rieb sich mit 
schlecht verhohlener Freude die Hände. 

»Die jungen Herren haben also versucht, Ihnen 

zu folgen, wie? Wirklich lustig.« 

»Ja«, stimmte der geheimnisvolle kleine Mann 

zu. »Sie hasteten hinter mir her wie ein paar brün-
stige junge Rakans. Es war ein großer Spaß, sie so 
in die Irre zu führen. Allmählich hatte ich es dann 
allerdings satt.« 

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109 

»Ha, ha! – Und wo haben Sie die Burschen zu-

rückgelassen?« 

»In der Straße der Vielen Blumen, drei Häuser-

blocks von hier.« 

»War das nicht ein wenig unbedacht von Ihnen? 

Die  Kleinen Schwestern werden den beiden doch 
ohne Zweifel auf den richtigen Heimweg helfen.« 

»Damit rechne ich sogar«, entgegnete der kleine 

Mann. Dann erstattete er seinem Auftraggeber Be-
richt. Es war ein sehr zufriedenstellender Report. 

 

 
John Harlen marschierte wütend im Telegraphen-
büro auf und ab. Sein Zorn entlud sich über dem 
Haupt des Telegrapheninspektors, der unglücklich 
vor sich auf den Fußboden starrte. 

»Beim  Auge unserer Mutter, das ist der sieben-

undzwanzigste Fall in nur sechs Monaten Betriebs-
zeit. Was geht dort draußen eigentlich vor sich?« 

Der Inspektor seufzte und blickte zur Decke em-

por. 

»Wir wissen nicht mehr, als in unseren Berich-

ten steht.« 

»Und in denen steht nichts Brauchbares. Hier.« 

Harlen raschelte mit dem Papier vor der Nase des 
Inspektors. »Der Betrieb auf der Linie von Lyff-
darg nach Prymilbos – zufällig unsere einzige Li-

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nie – war zeitweilig unterbrochen, weil die Leitung 
gestört war.« Er schnaubte verächtlich durch die 
Nase. »Und wenn Sie dort hinkommen, was finden 
Sie vor? Waren Sie überhaupt dort?« 

Der Inspektor nickte eifrig. 
»Sie finden, daß zwei Telegraphenmasten um-

gekippt und die Drähte entfernt worden sind«, fuhr 
Harlen fort. »Das stand bis jetzt in allen Berichten. 
Nicht wahr?« 

Der Inspektor blickte zu Boden und nickte wie-

der eilfertig. 

John griff nach seinem viereckigen Hut mit der 

langen, wippenden Feder. Solche Hüte gehörten in 
Lyffdarg zur Kleidung eines Edlen. Er stülpte sich 
den Hut wütend auf den Kopf. 

»Sie kommen mit, Prudyo, ich will den Fall 

einmal selbst überprüfen.« 

Später beschrieb John seinen Partnern, was er 

vorgefunden hatte. 

»Banditen, sagen die Leute«, erklärte er wütend. 

Wie ein Detektiv auf frischer Fährte stelzte er in 
der geräumigen Werkstatt hin und her. »Banditen, 
jawohl. Jeweils zwei Pfähle wurden mit Dynamit 
aus dem Boden gesprengt. Dynamit, stellt euch das 
vor! Soviel wir wissen, ist Dynamit auf diesem 
Planeten überhaupt noch nicht erfunden worden. 
Sie sprengen zwei Pfähle aus dem Boden, entfer-
nen die Drähte und verschwinden.« 

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111 

»Woher haben die Banditen aber das Dynamit?« 

fragte Sorenstein. 

»Die Frage müßte eher heißen: Wer stellt das 

Dynamit her und spielt es ihnen zu?« verbesserte 
John. 

»Und«, mischte sich Hurd ein, »warum und wo-

für brauchen die Banditen Kupferdraht?« 

»Ich weiß, woher das Dynamit stammt«, schalte-

te sich Pindar Smith ein. Die übrigen drehten sich 
zu ihm um und warteten auf seine Erklärung. 

»Ihr müßt wissen«, begann Smith langsam, »wir 

brauchten doch Dynamit, um Löcher für diese mut-
terverdammten Telegraphenpfähle herzustellen. 
Das Felsgestein draußen in der Wüste ist sehr hart. 
Deshalb habe ich das Dynamit für diesen Planeten 
erfunden.« 

»Wirklich, Pin, eine solche Gedankenlosigkeit 

können wir uns einfach nicht leisten. Und wie ist 
dein Dynamit in die Hände der Banditen gekom-
men?« 

»Oh, das – nun, du hast uns doch ausdrücklich 

gesagt, daß wir so viele selbständige Unternehmer 
wie möglich beschäftigen sollten …« 

»Ganz recht. Damit die Leute sich mit den neuen 

Techniken vertraut machen. Und?« 

»Also habe ich die Gilde der Pharmazeuten da-

mit beauftragt, für uns Dynamit herzustellen.« 

»Und dir ist nie der Gedanke gekommen, daß 

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112 

die Gilde das Zeug auch an Dritte verkaufen könn-
te?« 

»Wenn ich ehrlich sein soll – nein. Daran habe 

ich überhaupt nicht gedacht.« 

»Schon gut, Pin. Aber vielleicht bist du dir we-

nigstens darüber im klaren gewesen, daß man das 
Dynamit sehr gut als Waffe gegen uns einsetzen 
könnte?« 

»Waffe? Oh, jetzt begreife ich, worauf du hin-

auswillst. Nein, auch daran habe ich nicht ge-
dacht.« 

»Das wird ja immer besser. Hurd, was wissen 

Sie über diese Banditen?« 

»Sie nennen sich selbst die ›Volksarmee‹. Sie 

stellen eine Art Revolutionspartei dar. Sie sind ge-
gen den Adel und gegen die Kirche. Sogar gegen 
den König – wenigstens ein Teil von ihnen.« 

»Das habe ich mir beinahe gedacht. Und jetzt 

haben diese Kerle Dynamit. Das ist genau der An-
fang dessen, was zwangsläufig zu einer Revolution 
führen muß. Die Kerle können uns einen bildhüb-
schen Strich durch die Rechnung machen. Ein 
Aufstand, der nicht von uns kontrolliert wird, 
könnte all unsere Arbeit über den Haufen werfen.« 

In eben diesem Augenblick betrat ein Diener der 

Gilde der Ausrufer die Werkstatt. 

»Um Vergebung, hohe Herren«, begann er. 

Dann räusperte er sich und verkündete mit lauter 

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113 

Stimme: »An die Mitglieder und Beamten der Te-
legraphenunion von Lyff. Gruß und Segen zuvor. 
Der Hohepriester und Vater der Väter – Mutter 
möge seinen Namen segnen – erwartet von euch 
eine Begründung dafür, warum die Telegraphen-
union von Lyff nicht aufgelöst worden ist und wa-
rum die vom Tempel erteilte vorläufige Arbeitser-
laubnis nicht zurückgegeben wurde. Der Hoheprie-
ster und Vater der Väter, Mutter  möge seinen Na-
men segnen, erwartet von euch, daß diese Begrün-
dung bis spätestens zum Tage der Mutter im ge-
genwärtigen Monat vorgelegt werde. Im geheimen 
Namen der Mutter, so sei es verkündet.« 

Kaum mit der Litanei fertig, machte der Diener 

auch schon kehrt, ohne irgendwelche Fragen ab-
zuwarten. 

»Also, was hat das jetzt schon wieder zu bedeu-

ten?« tobte John. Keiner wußte eine Antwort. 

»Sie müssen verstehen, mein lieber Herr«, sagte 

am nächsten Tag der Hohepriester zu John, »daß 
wir vom Tempel keine Einwendungen gegen Ihren 
Telegraphen erheben. In der Tat, die Erfindung hat 
sich als durchaus nützlich erwiesen. Falls Sie also 
Ihre Arbeitserlaubnis zurückgeben müssen, wären 
wir durchaus geneigt, die Arbeit von uns aus wei-
terzuführen. Nein, es geht nicht vom Tempel aus, 
daß Ihnen der Prozeß gemacht werden soll. Die 
Gilde der Gilden hat dies veranlaßt.« 

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114 

»Ich verstehe, Hochwürden«, entgegnete John 

respektvoll. Er hatte zum ersten Male direkt mit 
dem Tempel zu tun und fühlte sich, zumal in seiner 
Verkleidung, noch auf recht unsicherem Boden. 
Höflichkeit und Respekt waren also mehr als ange-
bracht. 

»In erster Linie wird darüber geklagt, daß Sie 

noch immer keine eigene Gilde gegründet haben 
oder nicht wenigstens einer der bestehenden Gil-
den beigetreten sind. Es ist bemerkt worden – von 
wem übrigens nicht? –, daß Sie mit Ihrem Telegra-
phen viel Geld verdienen. Die anderen Gilden wol-
len nun daran teilhaben. Das steckt im Grunde hin-
ter den uns vorgetragenen Einwendungen. Diese 
wiederum beziehen sich vor allem darauf, daß 
durch die Telegraphenunion andere, bereits seit 
langem bestehende Gilden brotlos werden. Darüber 
beklagen sich vor allem die Gilde der Schreiber 
und die Gilde der Botengänger. Man klagt auch 
darüber, daß Ihre Schulen dem Tempel das diesem 
bisher allein vorbehaltene Recht des Unterrichtens 
streitig machen. Beiden Einwendungen könnten 
Sie begegnen, indem Sie selbst eine Gilde gründen 
und sich damit der Gilde der Gilden anschließen. 
Das jedenfalls empfehle ich Ihnen, allerdings unter 
dem Siegel der Verschwiegenheit.« 

»Ich weiß Ihren wohlwollenden Rat sehr zu 

schätzen und werde mich danach richten, Euer 

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115 

Herrlichkeit«, versprach John. Nach einer Weile 
höflicher Konversation, einem Glas Wein und dem 
formellen Segen des Hohenpriesters ging John Har-
len nach Hause, um eine eigene Gilde zu gründen. 

 

 
Osgard Gar-Osgardnyen Osgard, König und Vater 
von Lyff, war ein durchaus gutmütiger und sogar 
fortschrittlich eingestellter Mann. Außerdem war 
er ein hellwacher Politiker und Geschäftsmann. 
Deshalb beschloß John, sich nach Dr. Jellftes Rat 
zu richten und dem König einfach alles zu offenba-
ren. 

»Phantastisch«, staunte dieser, als er die ganze 

Geschichte erfuhr. »Oh, Sie dürfen nicht denken, 
daß ich Ihnen nicht glaube. Verstehen Sie mich 
nicht falsch. Aber Sie müssen doch wohl selbst 
zugeben, daß das alles sehr phantastisch klingt.« 

John nickte. 
»Aber wenn wir nur zehn – Verzeihung neun, 

nur noch neun Jahre Zeit haben, um unsere eigene 
Verteidigung aufzubauen und den geheimnisvollen 
Invasoren entgegenzutreten, warum schickt uns 
dann Ihr – hm – Planet nicht eine ausreichende 
Anzahl von Hilfskräften und bringt die ganze An-
gelegenheit rasch hinter sich, anstatt diesen hinter-
hältigen Umweg zu wählen?« 

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116 

Darauf mußte John dem König weiter gestehen, 

daß die regierende Partei der Konservativen auf 
Terra die Existenz und Tätigkeit der Sonderabtei-
lung überhaupt ablehnte, so daß diese gezwungen 
war, in den Untergrund zu gehen. Das führte zu ei-
ner Erklärung der Grundsätze terranischer Politik. 
Der König lauschte fasziniert. Die Audienz, die er 
seinem Gast gewährte, dauerte mehr als eine halbe 
Stunde. 

Am Ende der Unterredung erklärte sich der Kö-

nig bereit, die Gründung einer Gilde der Telegra-
phisten zu unterstützen. 

»Das ist nicht nur reine Freundlichkeit von mir, 

müssen Sie wissen«, erklärte er, »noch handle ich 
so, weil Sie mir Ihre phantastische Geschichte an-
vertraut haben. Sicherlich haben Sie schon ge-
merkt, daß Ihre Erfindung auch für mich eine sehr 
lukrative Sache ist. Einmal bezahlt die Telegra-
phenunion eine nicht unbeträchtliche Steuer. Und 
außerdem haben mir meine militärischen Berater 
gemeldet, daß die neue Erfindung sich für ihre 
Zwecke als außerordentlich nützlich erwiesen hat.« 

Der König begleitete den Terraner persönlich zu 

einer Seitenpforte des Palastes. 

»Auf diese Weise entkommen Sie ungesehen der 

wartenden Menge im Empfangssaal«, erklärte Kö-
nig Osgard. »Im übrigen, lassen Sie mich wissen, 
wenn ich sonst noch etwas für Sie tun kann. Ma-

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117 

chen Sie sich keine Sorgen. Ich werde Ihrer Bitte 
entsprechen und mit niemandem über die Angele-
genheit reden.« 

 

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118 

NEUNTES KAPITEL 

 

Das Anti-Verschwörer-Komitee war fast ein Jahr 
alt und zählte inzwischen mehr als fünftausend 
Mitglieder. Jede Nacht patrouillierten Mitglieder 
des Komitees durch die Straßen von Lyffdarg auf 
der Suche nach etwaigen Verschwörern. 

Es konnte nicht ausbleiben, daß früher oder spä-

ter eine dieser Patrouillen auf Hurd und John sto-
ßen mußte. Tchornyos recht phantasievolle Be-
schreibung der Mörder verringerte zwar selbst in 
einem solchen Falle die Gefahr, daß einer von ih-
nen erkannt wurde. Als es aber geschah, fügte es 
ein unglücklicher Zufall, daß ausgerechnet Tchor-
nyo persönlich die Gruppe anführte. 

John und Hurd stießen in der Nähe des königli-

chen Palastes auf die Patrouille, unmittelbar nach-
dem sie König Osgard für ihre Pläne gewonnen 
hatten. 

»Da sind sie!« schrie Tchornyo. 
Disziplin war nicht gerade die starke Seite der 

jungen Männer. Es gab einige Verwirrung. Das ge-
nügte John und Hurd, wenigstens einen kleinen 
Vorsprung zu gewinnen. 

»Wer ist wo?« wollte Gardnyen wissen. 
»Die Mörder, du Sohn eines Rakans, die Mör-

der! Dort laufen sie!« 

»Wo denn?« fragte ein anderer dazwischen. 

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119 

»Dort drüben, du Trottel! Fangt sie!« 
John und Hurd eilten um die nächste Ecke und 

begannen zu laufen. Noch ehe sie zehn Schritte zu-
rückgelegt hatten, hörten sie die Streife wie eine 
Herde wilder Rakans hinter sich. 

»Hier entlang!« schrie eine Stimme. 
Sie befanden sich in einer engen, dunklen, ge-

wundenen Gasse mit vielen Abzweigungen. Das 
ganze Stadtviertel, es zählte zu den ältesten über-
haupt – war ein einziges Labyrinth. 

Hurd allerdings kannte sich dank seines erst 

kürzlich beendeten Vagabundenlebens in dieser 
Gegend sehr genau aus. 

Als John und Hurd um die nächste Ecke ver-

schwunden waren, hörten sie hinter sich einen 
scharfen Knall. Irgend etwas flog pfeifend durch 
die Luft. 

»Die Kerle haben Gewehre«, flüsterte John be-

sorgt. 

»Gewehre?« 
»Ja. Wir wollten gerade welche für unsere Tele-

graphenpolizei erfinden. Aber irgendwer ist uns 
zuvorgekommen. Smith und sein verdammtes Dy-
namit! Wissen Sie auch wirklich, wohin wir uns 
wenden müssen?« 

»Natürlich. Ich habe Freunde in dieser Gegend.« 
Die Jagd wurde immer wilder und lauter. Über-

all in den Häusern gingen die Lichter an. 

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120 

»Dort sind sie!« schrie Tchornyo. Zwei Schüsse 

dröhnten auf. Die Lichter erloschen ebenso plötz-
lich, wie sie angegangen waren. In dieser Gegend 
hatte es niemand eilig, sich in die Angelegenheiten 
anderer Leute einzumischen. 

Hurd und John bogen um die nächste Ecke und 

rannten dann eine Gasse hinunter. Im nächsten Au-
genblick hatten sie einen Zaun überklettert. Gleich 
darauf tauchten sie in einer Nebenstraße unter. 

»Das dürfte unsere geräuschvollen Freunde zu-

nächst einmal eine Weile beschäftigen«, meinte 
Hurd stolz und selbstzufrieden. »Nun wollen wir 
sehen, ob Schwester  Panja uns auf Schleichwegen 
nach Hause hilft.« 

»Wer ist Schwester Panja?« 
»Sie gehört zu den Kleinen Schwestern«, erklär-

te Hurd. »Panja arbeitet nicht mehr, weil sie an-
fängt, alt zu werden. Aber sie kennt sich in dieser 
Gegend bestens aus, soweit man sich in diesem 
Teil von Lyffdarg überhaupt auskennen kann. Au-
ßerdem ist sie nicht ohne Einfluß und kann sogar 
hier und dort bei Mutters Garde ein Wörtchen mit-
reden. Das ist im Distrikt der Roten Laternen be-
sonders wichtig. Sie wohnt übrigens gleich hier um 
die Ecke und – hoppla!« 

John und Hurd bogen abermals um eine Ecke. 

Sie gelangten in eine breitere, besser beleuchtete 
Straße. Sekunden später kamen auch ihre Verfolger 

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121 

um die gleiche Ecke. Sie blieben überrascht stehen 
und sahen – nichts! 

»Folgt mir«, hauchte eine sanfte, ein wenig hei-

sere weibliche Stimme. Die Dunkelheit war wie 
ein dickes schwarzes Tuch. Unwillkürlich spannte 
John alle Muskeln. 

»Komm mit«, flüsterte Hurd. 
John hatte das Gefühl, in einem langen Tunnel 

oder einem überdachten Gang zu sein. Auf dem 
steinernen Fußboden war Heu ausgebreitet. Die 
beiden Freunde waren auf ihrer Flucht in die 
nächstbeste Toröffnung geschlüpft. Dabei hatten 
sie keine Zeit gefunden, sich das Gebäude erst nä-
her anzusehen. John fühlte sich gar nicht wohl da-
bei. Aber Hurd, der sich auch in diesem Teil der 
Stadt auskannte, zögerte keinen Augenblick. 

Sie tasteten sich vorwärts, weiter und weiter. 

Johns Augen gewöhnten sich nur allmählich an die 
neue Umgebung. Sie legten in völliger Dunkelheit 
eine Wegstrecke von fünfzehn Minuten zurück. 
Plötzlich blieb ihre Führerin stehen und stieß eine 
Tür weit auf. Das in den langen Gang strömende 
Licht blendete John, obwohl es nur von einer ein-
zigen rußenden Funzel herrührte. 

Ihre Führerin erwies sich als eine junge Frau. 
»Sie sind da, Mutter«,  sagte sie. »Jene verrückt 

gewordenen Kerle waren ihnen dicht auf den Fer-
sen, als ich das Tor aufstieß.« 

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122 

Aus dem Inneren des Raumes fragte eine silber-

helle Stimme: »Hat irgendwer gesehen, daß die 
Männer hier hereingebracht wurden?« 

»Nein,  Mutter«,  erwiderte die junge Frau. »Ich 

habe aufgepaßt, und niemand hat es gesehen.« 

»Sehr gut, meine Liebe. Du darfst jetzt zu Bett 

gehen.« 

Die silberhelle Stimme lachte glockenhell auf. 
»Na, ihr beiden Hübschen, wollt ihr nicht einen 

Augenblick hereinkommen?« 

John und Hurd traten näher. John schloß erstaunt 

die Augen, öffnete sie, blinzelte … 

Die glockenhelle Stimme gehörte der dicksten 

und unförmigsten Frau, die er je zu Gesicht be-
kommen hatte. Sie ruhte lang hingestreckt auf ei-
ner uralten Couch, von der sie sich ohne Hilfe 
wohl kaum zu erheben vermochte, völlig bewe-
gungslos, ein unförmiger, wabbeliger Fleischberg. 
Doch die glockenreine Stimme und die feurigen, 
wachen Blicke ihrer Augen, die wieselflink zwi-
schen ihnen beiden hin- und herhuschten, ließen al-
les andere vergessen. 

»Erschreckt nicht«, sagte sie lächelnd. »Auch 

ich war einmal eine hübsche Kleine Schwester, als 
ich noch jung und knusprig war. Ihr gewöhnt euch 
schon noch an den Anblick.« 

Hurd wußte, was er jetzt zu tun hatte. 
»Guten Abend, Mutter«, sagte er höflich. »Mein 

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123 

Name ist Hurd. Dies ist mein Freund John.« 

»Du brauchst mich nicht Mutter  zu nennen, 

mein Junge. Nur von den Mädchen verlange ich es. 
Man hat sie dann besser unter Kontrolle. Ich habe 
mir sagen lassen, daß ihr draußen einige Schwie-
rigkeiten hattet.« 

Darauf gab es natürlich keine Antwort. Die Ma-

trone redete weiter, als habe sie auch keinen Kom-
mentar erwartet. 

»Der kleine Lord Tchornyo und seine Freunde 

sind wirklich zäh. Sie sind ganz vernarrt in ihre 
Idee, Verschwörer aufzuspüren, daß sie dabei we-
der nach rechts noch nach links sehen. Sehr gefähr-
lich, diese Leute. Aber macht euch keine Sorgen, 
meine kleinen Lieblinge, wir werden euch schon 
zu behüten und zu beschützen wissen.« 

Das war zuviel für John. 
»Alles schön und gut«, ließ er sich vernehmen, 

»aber wer seid ihr eigentlich?« 

»Wir sind die kleinen Helferinnen unserer Gro-

ßen Mutter«, sagte die Frau, wobei sie zu lächeln 
versuchte. John blickte in die schwarze, zahnlose 
Höhle ihres Mundes. Es war schrecklich. 
 

 
Tchornyo stand der veränderten Situation völlig 
hilflos gegenüber. Nun wußte man überall in Lyff-

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124 

darg von der Verschwörung. Sein Komitee war 
plötzlich ein wichtiges Element im Leben der Lyf-
faner geworden. Und er, Tchornyo Gar-Spolnyen 
Hiirlte, war ein Nationalheld. Es war zu schön, um 
wahr zu sein, und doch war es die reine Wirklich-
keit! Seine unausgegorenen Träume wurden von 
der Wirklichkeit noch übertreffen. Man trug ihm 
sogar ein Ehrenamt in Mutters Garde an. 

Dabei hätten sein Stolz und auch seine jetzige 

Stellung einen argen Stoß erlitten, wäre ihm auch 
nur im entferntesten klargeworden, daß er selbst 
für die Flucht der gesuchten Täter aus der Stadt 
verantwortlich war. Denn kein anderer als er selbst 
inspizierte das Haupttor der Stadt, als John und 
Hurd Lyffdarg verließen. Nur mit Tchornyos per-
sönlicher Einwilligung durfte man dieses Tor pas-
sieren. 

In Wirklichkeit aber lag keine Nachlässigkeit 

auf Tchornyos Seite vor. Ihm wurden lediglich die 
Papiere von Mutter Balnya und zwei Kleinen 
Schwestern  
vorgelegt, die sich auf der Reise zum 
Tempel von Prymilbos befanden. 

Einige Stunden außerhalb der Stadt blieb der 

Wagen stehen. 

»Hier steigt ihr aus, meine Lieblinge«, ließ sich 

der Fleischberg vernehmen. 

Sie wurden von einer kleinen Menschenmenge 

erwartet. Die meisten waren mehr schlecht als 

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125 

recht gekleidet und schienen Bauern zu sein. Ne-
ben ihnen standen ein paar zerlumpte Individuen, 
die keinen vertrauenerweckenden Eindruck mach-
ten. Alles in allem ein armseliges Häufchen. 

»Die Volksarmee«, erklärte die Matrone. Ihr 

Tonfall verriet einen Stolz, der ihren sonst zur 
Schau getragenen Zynismus und die schäbige 
Kleidung dieser Leute vergessen ließ. 

John und Hurd waren als Frauen verkleidet. Die-

ser Gewänder ungewohnt, kletterten sie schwerfäl-
lig aus dem Wagen. 

»He,  Mutter  Balnya«, rief einer der wartenden 

Männer, »was für Soldaten sind denn das? Wir 
brauchen hier draußen keine Kleinen Schwestern.« 

»Meinetwegen lacht mich nur aus«, rief sie zu-

rück. »Diese Mädchen sind die besten Soldaten, 
die ihr jemals zu sehen bekommen habt.« 

Das laute, wiehernde Gelächter, das darauf folg-

te, war Hurd sehr unangenehm. Genauso störend 
wie die Weiberkleider, die man ihm umgehängt 
hatte. John aber ließ sich durch die Lachsalven 
nicht aus der Ruhe bringen. 

»Vielen Dank, Mutter  Balnya«, sagte er leise. 

Das Gelächter verschaffte ihm einige Sekunden für 
ein paar persönliche Worte des Dankes. »Ich werde 
versuchen, mich für Ihre Freundlichkeit erkennt-
lich zu zeigen, sobald ich in die Stadt zurückkeh-
re.« 

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126 

Die Frau schüttelte den Kopf. 
»Hat man es dir noch nicht gesagt? Nein, mein 

Junge, in die Stadt könnt ihr niemals mehr zurück. 
Die Volksarmee wird euch nicht gehenlassen. Au-
ßerdem wäret ihr eures Lebens nicht sicher. Vergiß 
das nicht. Ganz gleich, was auch immer geschehen 
mag – zurückkehren könnt ihr jedenfalls nicht.« 

Der Wagen wendete und verschwand in einer 

Staubwolke. John Harlen blickte ihm nachdenklich 
hinterher. 

 

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127 

ZEHNTES KAPITEL 

 

Die künstliche Beschleunigung der Entwicklung 
einer Kultur ist wie eine Gleichung mit mehreren 
Unbekannten. Niemand vermag mit letzter Sicher-
heit vorauszusagen, wie sich die plötzlichen Fort-
schritte von Wissenschaft und Technik auswirken 
werden. 

Das zeigte sich vor allem bei der unerwarteten 

Weiterentwicklung des Schießpulvers durch die 
Lyffaner. Im ursprünglichen Plan der Sonderabtei-
lung hatte die Entwicklung von Sprengstoffen eine 
nur untergeordnete Rolle gespielt. Kaum eine Wo-
che, nachdem Pindar Smith über die Gilde der 
Pharmazeuten das Dynamit erfinden ließ, erfand 
irgendein namenloses Genie unter den Lyffanern 
das Schießpulver und entwickelte Handfeuerwaf-
fen. Drei Wochen später verkaufte die Gilde der 
Waffenschmiede bereits einfache Trommelrevol-
ver. Schon im folgenden Jahr wurde die neue Gilde 
der Schußwaffenhersteller gegründet. 

Ein Jahr nach ihrer Gründung begann die Gilde 

der Schußwaffenhersteller bereits mit Raketen zu 
experimentieren. Das raubte den Männern von der 
Sonderabteilung den Schlaf, und sie kamen erst 
wieder zur Ruhe, als die Gilde diese Experimente 
offenbar wieder einstellte. Jedenfalls war nichts 
mehr darüber in Erfahrung zu bringen, und Rake-

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128 

ten lassen sich nun mal nicht verheimlichen. 

Ursprünglich hatte die Sonderabteilung alle Er-

findungen selbst ausarbeiten und in ihren Händen 
behalten wollen. Statt dessen erwies es sich, daß 
ihre Bemühungen wie ein Katalysator wirkten, der 
immer neue Entwicklungen in Wissenschaft und 
Technik einleitete und beschleunigte. Auf Lyff 
wurde nicht ein langsamer Entwicklungsprozeß 
eingeleitet, nein, es kam vielmehr zu einer Ent-
wicklungsexplosion. 

So verfolgte etwa Ansgar Sorenstein den gera-

dezu lächerlich logischen Pfad des Fortschritts 
vom handgetriebenen Generator, der ursprünglich 
dazu diente, die beim Telegraphen benötigten Bat-
terien wieder aufzuladen, über den einfachen 
Dampfgenerator bis zur Dampfmaschine. Als er 
aber daranging, seine Dampfmaschine in Lyffdarg 
einzuführen, mußte er feststellen, daß ein paar Her-
ren vom Hochadel bereits in Dampfautomobilen 
durch die Straßen kutschierten. Irgendein lyffani-
scher Metallarbeiter hatte völlig unabhängig von 
Sorensteins sorgfältig ausgeklügelten Planungen 
eigene Ideen entwickelt. Die einfache Tatsache, 
daß der Generator mit Rädern arbeitete, hatte den 
Mann auf die Idee gebracht, mit Dampf angetrie-
bene Räder zur Fortbewegung zu benutzen. 

In den vier Jahren, die dem Verschwinden von 

John und Hurd folgten, entwickelte sich die Werk-

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129 

statt der Terraner zu einem wichtigen Mittelpunkt 
für Wissenschaft und Technik. Aber es wurde 
nicht, wie ursprünglich geplant, die einzige, ja 
nicht einmal die wichtigste dieser Stätten auf Lyff. 

Lyff hatte bereits seit Hunderten von Jahren auf 

den Anstoß gewartet, der nun von der Sonderabtei-
lung ausgegangen war. Als die Entwicklung aber 
einmal in Gang gesetzt worden war, verlief sie in 
ganz anderen – nämlich typisch lyffanischen – 
Bahnen, als ursprünglich vorgesehen war. Kaum 
hatte die Gilde der Telegraphen-Techniker Vaku-
umröhren eingeführt, als bereits einige Monate 
später die Gilde der Juweliere mit der Erfindung 
der Transistoren aufwartete. Die Philosophen unter 
den Lyffanern hatten aus der Tatsache des Vorhan-
denseins der Elektrizität logische Schlüsse gezogen 
und die Grundlagen für die Entwicklung all dessen 
gelegt, was man auf Terra unter dem Sammelbe-
griff »Elektronik« zusammengefaßt hatte. 

Während die Männer der Sonderabteilung also 

voller Sorge in die Zukunft blickten, entwickelte 
sich ganz im Gegensatz dazu die Anti-
Verschwörer-Bewegung sehr zur Zufriedenheit 
von Tchornyo und seinem geheimnisvollen Hin-
termann. Innerhalb weniger Jahre stieg die Mit-
gliederzahl von wenigen Hundert auf mehr als 
Zehntausend an. In allen größeren Städten auf Lyff 
entstanden Ortsgruppen. Auch das einfache Volk 

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130 

war jetzt aufgerufen, der Bewegung beizutreten. 
Die gewöhnlichen Bürger wurden in besonderen 
Abteilungen zusammengefaßt. Tchornyo wurde 
immer mehr zu einer bedeutenden Gestalt im poli-
tischen Gefüge des Planeten. 

Eine solche Ballung der Macht hatte es auf dem 

Planeten noch nie zuvor gegeben. Alles hatte damit 
begonnen, daß Tchornyo nach jenem Rakanrennen, 
einer plötzlichen Eingebung folgend, sich als wich-
tiger Mann aufgespielt hatte. Die sich daraus erge-
benden Konsequenzen und Möglichkeiten kamen 
Tchornyo aber niemals in den Sinn. Er sonnte sich 
ganz einfach im Glänze seines Ruhms und seiner 
Macht und träumte nicht einmal davon, die Kräfte, 
die ihm zur Verfügung standen, für sich einzuset-
zen. 

Es läßt sich nur schwer sagen, wie sich der ge-

heimnisvolle Förderer des Komitees zu dem 
Machtzuwachs während dieser vier Jahre stellte. 
Wahrscheinlich war er zufrieden. Jedermann sieht 
es gern, wenn seine Unternehmungen florieren. 

Trotz seines immer betonten Patriotismus war es 

das Anti-Verschwörer-Komitee, das die erste wirk-
liche Bedrohung für die Lebensweise auf Lyff seit 
dreihundert Jahren darstellte. Die Komitee-
Mitglieder suchten nicht nur nach Verschwörern, 
sie bekamen es sogar fertig, welche zu finden. Erst 
dadurch aber schufen sie eine Verschwörung, die 

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131 

sie gerade hatten verhindern wollen. Das Komitee 
führte eine ständige Inquisition durch, eine dauern-
de Hexenjagd. Überall fanden die Komitee-Mit-
glieder angebliche Konspiratoren. Wenn sich je-
mand über die hohen Steuern beklagte – natürlich 
durfte es nur ein einfacher Bürger sein –, wurde er 
ganz automatisch eingesperrt und als Verschwörer 
behandelt. Ganz gleich, ob er verurteilt oder freige-
sprochen wurde, er begann das Feudalsystem zu 
hassen. Es konnte nicht ausbleiben, daß er auf Lei-
densgenossen und Gleichgesinnte stieß – und da-
mit war der Keim zu einer echten Verschwörung 
gegeben, fiel auf fruchtbaren Boden, ging auf und 
wuchs … 

Die Reihen der Volksarmee füllten sich. Für je-

den Mann, der auf Veranlassung der Komitee-
Mitglieder festgenommen wurde, schlossen sich 
fünf unzufriedene Lyffaner den Rebellen an. Bald 
war es nicht mehr möglich, diese Volksarmee als 
einen Haufen Banditen abzutun. Immer wieder 
wurden die Telegraphenleitungen sabotiert, wurden 
Dörfer überfallen, Priester entführt und andere 
Verbrechen begangen. 

Straßenkämpfe und Zusammenstöße zwischen 

den Einheiten der Volksarmee und den Mitgliedern 
des Komitees wurden so alltäglich, daß sie nicht 
einmal mehr in der von Pindar Smith gegründeten 
Zeitung erwähnt wurden. Und immer wieder waren 

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132 

die Rebellen siegreich. Das Komitee machte sich 
zwar alle technischen Neuerungen zunutze und 
sorgte für die beste Ausrüstung seiner Mitglieder. 
Dennoch bekamen die Rebellen es fertig, in ihrer 
Ausrüstung dem Komitee immer um eine Nasen-
länge voraus zu sein. 

Die Männer der Sonderabteilung fühlten sich 

durch diese Entwicklung in der Durchführung ihrer 
schweren Aufgabe mehr als behindert. Sie konnten 
sich schließlich der klaren Erkenntnis nicht mehr 
verschließen, daß die Zügel für eine fortschrittliche 
Evolution des Planeten Lyff nicht mehr in ihren 
Händen lagen. Die technische Weiterentwicklung 
der Lyffaner ging Wege, die sich nicht mehr kon-
trollieren ließen. 

Trotz allem fühlten sich die Terraner ihrer Sache 

aber doch noch so sicher, daß sie den fünften Jah-
restag ihrer Ankunft auf Lyff mit einem großen 
Fest in der Werkstatt begingen. Keiner der gelade-
nen Gäste – König Osgard ausgenommen – wußte, 
warum die Gruppe um Gar-Terrayen dieses Fest 
veranstaltete. Alle aber folgten sie der Einladung. 

Dieser Jahrestag war das größte gesellschaftliche 

Ereignis der Saison. Neben König Osgard waren 
fast alle Mitglieder des Hochadels erschienen, dazu 
die Spitze der Tempelhierarchie und alle Vor-
standsmitglieder der Gilde der Gilden. Die Werk-
statt war prunkvoll ausgestattet. Überall war das 

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133 

soeben eingeführte elektrische Licht installiert. Die 
Fabrikräume lagen in so gleißendem Glanz, daß 
Ansgar Sorenstein wünschte, er hätte seine Son-
nenbrille von Terra mitgebracht. 

Es gab gute Weine und erlesene Mahlzeiten, de-

ren Zutaten aus den entferntesten Provinzen des 
Planeten herangebracht worden waren. Dazu hatte 
man alle Dampflastkraftwagen eingesetzt, die in-
zwischen von der Gilde der Metallhersteller gebaut 
worden waren. Zur Unterhaltung der Gäste gab es 
die unvermeidliche Kammermusik. Aber es fehlten 
auch nicht die begehrten erotischen Tanzdarbie-
tungen der jüngsten und hübschesten Kleinen 
Schwestern, 
die sich auftreiben ließen. 

Auf dem Höhepunkt der Festlichkeit hielt Pindar 

Smith eine Rede. 

»Während der letzten Jahre«, so sagte er unter 

anderem, »war die Telegraphenunion von Lyff eng 
mit der technischen Revolution verbunden, die das 
Leben auf diesem Planeten vor unseren Augen in 
eine neue Zeit lenkt. Durch die Erfindungen der 
Union ist das Leben lebenswerter und vor allem für 
alle Lyffaner bequemer geworden. Die Schulen der 
Union haben dafür gesorgt, daß jeder Lyffaner des 
Lesens und Schreibens mächtig ist. Die von den 
Mitgliedern der Union entwickelte Philosophie hat 
Lyff zum modernen Fortschritt geführt. Heute 
abend wollen wir, wie schon so oft zuvor, auf Lyff 

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134 

eine neue Erfindung einführen. Aber heute soll es 
zum ersten Mal geschehen, daß wir nicht eine un-
serer eigenen Erfindungen vorstellen, sondern et-
was, was von einem unserer Mitarbeiter geschaffen 
worden ist. Ich rede von einem Lyffaner, der vor 
fünf Jahren weder lesen noch schreiben konnte. Bis 
dahin hatte er sich nie hervorgetan, und es hatte für 
ihn keine Hoffnung auf eine Zukunft gegeben, die 
etwas anderes hätte sein können als eine Wiederho-
lung der Vergangenheit. Unsere Große Mutter hat 
die Bemühungen der Union und damit ganz Lyff 
gesegnet. Zum Beweise dessen stellen wir mit gro-
ßer Freude die neueste Erfindung von Tolnye Gar-
Pferdnyan Soltchi vor. Er ist der Sohn eines Schu-
sters und hat etwas erfunden, was wir ›Radio‹ nen-
nen wollen.« 

Die Gäste waren von früheren Vorführungen her 

bereits an Überraschungen gewöhnt. Sie applau-
dierten freudig, als ein roter Vorhang zurückgezo-
gen wurde. Dahinter kam das erste Radio von Lyff 
zum Vorschein. Es war ein großer, schwerer Appa-
rat, der auf den ersten Blick mehr von der traditio-
nellen und hochentwickelten Tischlerkunst der 
Lyffaner zeugte, als von neuen technischen Errun-
genschaften. 

»Mit diesem Apparat«, fuhr Smith fort, »sind 

wir in der Lage, uns über größte Entfernungen ge-
nauso schnell zu verständigen, wie man sprechen 

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135 

kann. Wir sind nicht mehr an die begrenzten Mög-
lichkeiten des Telegraphen gebunden. Telegraph 
und Fernschreiber sind schwierig zu bedienen. Die 
Übermittlung von Nachrichten auf diesem Wege 
ist schwer zu erlernen. Außerdem braucht sie Zeit. 
Nun können wir mit den Leuten in Prymilbos ge-
nauso leicht und einfach sprechen, wie mit den 
Personen in diesem Saal. 

Jeder Teilnehmer wird eine Druckschrift erhal-

ten, in der die Wirkungsweise des Radios genau 
erklärt ist. Deshalb will ich mir jetzt weitere Erklä-
rungen ersparen und sofort zur Vorführung schrei-
ten. Diesen Kasten hier nennen wir ›Empfänger‹. 
Die Schachtel oben drauf wird ›Sender‹ genannt. 
Und das Ding in meiner Hand ist ein ›Mikrophon‹. 
Wir haben einen gleichen Empfänger nebst Sender 
und ein Mikrophon im Telegraphenbüro von 
Astindarg aufgestellt. Der Ort liegt neunhundert 
Wegstunden von hier mitten in den nördlichen 
Bergen. 

Ich spreche jetzt in das Mikrophon. Der Sender 

wird meine Stimme über die Strecke von neunhun-
dert Wegstunden zu dem Empfänger in Astindarg 
bringen. Dort hört mich im gleichen Augenblick 
unser dortiger Telegrapheninspektor. Bei ihm be-
findet sich der Oberpriester des Tempels von 
Astindarg. Dann werden diese beiden in ihr Mi-
krophon sprechen, und wir werden sie durch unse-

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136 

ren Empfänger hören. Das alles geht genauso 
schnell vor sich wie man sprechen kann. Es gibt 
keine Verzögerung.« 

Atemlos und voller Spannung lauschten die Gä-

ste. Smith sprach in das Mikrophon. 

»Hallo, hier ist Lyffdarg. Wir rufen Astindarg. 

Astindarg, bitte kommen!« 

Gleich darauf ertönte aus dem Empfänger eine 

hohe, ängstliche Stimme. 

»Hilfe! Schickt Truppen! Ein Raumschiff ist ge-

rade gelandet. Die ganze Stadt brennt. Hilfe! Um 
Mutters Willen, schickt …« 

Im gleichen Augenblick erstarb die Stimme. Ein 

ständiges Rauschen und Zischen war alles, was aus 
dem Empfänger kam. 

 

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137 

ELFTES KAPITEL 

 

John drehte sich um und wandte sich an den Mann, 
der wie der Anführer der schäbig gekleideten 
Gruppe aussah. 

»Was meint sie damit, daß ich nicht zur Stadt 

zurückkehren kann?« 

Der Mann lachte. 
»Ganz einfach, ihr schließt euch der Volksarmee 

an. Die Verpflichtung lautet auf sechs Jahre, ge-
nauso wie in der Armee des Königs oder bei Mut-
ters 
Gardisten. Wußtet ihr das nicht?« 

Der Mann lachte in einer Art, die erkennen ließ, 

daß diese Frage rein rhetorisch war. 

Einer aus der Gruppe trat vor John hin und 

stemmte die Arme in die Hüften. 

»Hallo,  Kleine Schwester, wollen wir mal rin-

gen?« 

Diese Frage war nicht rhetorischer Art. Der 

Mann versuchte gleichzeitig, John mit bärenstar-
ken Armen an sich zu reißen. John reagierte auto-
matisch. Im nächsten Augenblick flog der Angrei-
fer zu Boden. Er sprang auf und griff John aber-
mals an – nur, um erneut auf der Erde zu landen. 
John begann die Sache langsam Spaß zu machen. 
Diesmal erhob sich sein Gegner etwas langsamer. 
Er begann John zu umkreisen. Der Terraner ver-
hielt sich abwartend. Er drehte sich langsam mit im 

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138 

Kreise, um den Mann stets vor sich zu haben. 
Schließlich spuckte der Soldat verächtlich aus und 
griff blitzschnell nach Johns Arm. Abermals flog 
er in hohem Bogen in den Staub. Diesmal aber 
warf sich John über ihn und drückte sein Gesicht 
nieder. 

»Genug gerungen?« fragte John und ließ den 

Mann hochkommen, damit er antworten konnte. 
Aber er hielt den Arm seines Gegners auf dessen 
Rücken fest. 

»Ja«, gab der Geschlagene zu. 
»Dann sagen Sie mir, wer gewonnen hat?« 
»Sie, selbstverständlich Sie«, entgegnete der 

Angreifer, als John den Druck auf den verdrehten 
Arm etwas verstärkte. 

Die ganze Gruppe hatte sich in engem Kreis um 

die beiden gedrängt. Alle schienen sehr überrascht 
zu sein, ausgenommen Hurd, der durch die Szene 
lebhaft an seine erste Begegnung mit John erinnert 
wurde. Wie lange war das schon her, und was war 
inzwischen nicht alles geschehen! 

»Schluß jetzt mit der Spielerei«, mischte sich 

der Mann ein, den John als Anführer erkannt hatte. 
»Ihr beide müßt noch auf die Volksarmee vereidigt 
werden. Ich bin Hauptmann dieser Armee und des-
halb ermächtigt, den Eid abzunehmen. Seid ihr be-
reit?« 

John und Hurd steckten die Köpfe zusammen. 

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139 

Viel gab es nicht zu beraten, denn der Haltung der 
ganzen Gruppe war zu entnehmen, daß es nicht rat-
sam zu sein schien, Widerstand zu leisten. So be-
schlossen sie, sich jetzt notgedrungen der Volks-
armee anzuschließen und bei der ersten sich bie-
tenden Gelegenheit zu fliehen, um in die Stadt zu-
rückzukehren. Also legten sie den Eid ab. Es war 
eine kurze und einfache Zeremonie. 

»Schwört Ihr im Verborgenen Namen Unserer 

großen Mutter, der Volksarmee treu zu dienen und 
damit auch den Interessen des Volkes?« fragte der 
Offizier. Sie beschworen es. 

Aus einem nahen Gebüsch wurden Rakans her-

beigeholt. John und Hurd ritten, umgeben von ih-
ren neuen Kameraden, in die Wildnis davon. Der 
Ritt dauerte einige Stunden. Schließlich lenkte der 
Anführer sein Tier neben John und redete ihn an. 

»Das war ein ganz neuer Ringkampfstil, den ich 

vorhin bei Ihnen beobachtet habe. So etwas habe 
ich noch nie gesehen.« 

John erklärte, daß der von ihm angewandte Stil 

in diesem Teil von Lyff wohl noch nicht bekannt 
sei. 

»Ich glaube«, fuhr der Offizier fort, »wir könn-

ten euch am besten dafür einsetzen, der Volksar-
mee Unterricht in dieser Art von Ringkampf zu 
geben. Ich werde jedenfalls dem General einen 
entsprechenden Vorschlag unterbreiten.« 

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140 

John horchte interessiert auf. »Dem General? 

Und wer ist der General?« 

»Sie werden ihn in einigen Tagen kennenlernen. 

Er wird dann Ihre Fragen persönlich beantworten.« 

Von da an ritten sie schweigend weiter. 
Vier Tage später erreichte die Truppe ein Dorf. 

Es lag zwischen zwei felsigen Schluchten im Ge-
birge. Auf Felsblöcken an dem engen Pfad standen 
Wachtposten. Sie winkten der Gruppe zu und lie-
ßen sie in die Ansiedlung hinein. 

»Hier befindet sich das Hauptquartier der Volks-

armee«, erklärte der Offizier. »Ich werde mich er-
kundigen, ob der General bereit ist, euch zu emp-
fangen.« 

Die Reiter stiegen ab, und die Rakans wurden 

fortgeführt. 

 

 
John und Hurd warteten auf der Straße, inmitten 
der anderen Soldaten. Der Offizier ging fort, um 
sich beim General zu melden. 

Schon nach fünf Minuten kehrte er zurück. 
»Folgt mir«, befahl er und ging voraus. Es 

schien ihm aber zu langsam zu gehen. »Wir kön-
nen den General nicht warten lassen«, schrie er 
über die Schulter zurück. John und Hurd fielen ge-
horsam in Laufschritt. 

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141 

Sie trabten ein Stück die Straße hinunter. 

Schließlich verschwand der Offizier in einem Haus 
und blieb im Flur vor einem dort aufgestellten 
Schreibtisch stehen. Er nahm Haltung an und grüß-
te militärisch. 

»Zwei neue Leute zum General«, erklärte er 

stramm. »Die Männer werden erwartet.« 

Der Offizier hinter dem Schreibtisch grüßte läs-

sig zurück. 

»Gehen Sie nur hinein«, winkte er ab und deute-

te auf die Tür hinter sich. Die drei Männer betraten 
das Büro. 

Der General nannte sich einfach Garth. Er ließ 

den Sippen- und den Familiennamen weg. Auch 
das gehörte zur Rebellion gegen das System. Dabei 
stand nicht einmal fest, ob Garth wirklich sein rich-
tiger Name war. In der Volksarmee dachte man, 
daß der General den Namen von Gart Gar-Muyen 
Garth angenommen habe, des Begründers der Re-
ligion von Lyff, um damit zu symbolisieren, daß 
sich die Revolution nicht gegen die traditionelle 
soziale Ordnung, sondern nur gegen den Miß-
brauch dieser Ordnung richtete. Natürlich wagte 
niemand ihn danach zu fragen. Andererseits war 
eine freiwillige Aufklärung auch nicht von ihm zu 
erwarten. 

»Der Hauptmann hat mir berichtet, daß ihr eine 

neue Art von Ringkampf kennt«, wandte er sich 

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142 

sogleich an John, als dieser zusammen mit Hurd 
und dem Offizier eingetreten war. 

»Jawohl, Sire«, antwortete John. »Ich nenne die-

se Kampfart Judo.« 

»Judo, hm«, überlegte der General laut. 
Während General Garth nachdachte, musterte 

John den Mann aufmerksam. Was er sah, gefiel 
ihm. Der alte Soldat war hochgewachsen und ha-
ger. Er vermittelte einen Eindruck von sorgsam 
beherrschter Kraft. Sein graues Haar deutete mehr 
auf Weisheit als auf hohes Alter hin. Seine Augen 
waren genauso grau wie seine Haare. Ihr Blick 
zeigte jene Selbstsicherheit, die geborenen Führer-
naturen eigen ist. 

»Sie sind John Gar-Terrayen Harlen.« 
»Jawohl, Sire«, gab John zurück. 
»Hm. Besteht eine Verwandtschaft zu der Sippe 

Gar-Terrayen, von der die Erfindung des neuen Te-
legraphen ausgegangen ist?« 

John gab zu, daß er einer der Gar-Terrayener sei 

und erklärte seine Stellung in dieser Sippe. 

»Ich verstehe. Und was ist mit dem anderen 

Burschen, diesem Hurd Gar-Olnyn Saarlip?« 

»Er ist mein Assistent«, erklärte John. »In der 

Tat, ich kann ihn auch als meinen engsten Mitar-
beiter bezeichnen.« 

»Ihr Mitarbeiter, hm. Nun, im Hinblick darauf, 

daß ihr keine unwichtigen Leute zu sein scheint, 

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143 

habt ihr Anspruch auf eine nähere Erklärung. 
Wenn alles glatt verläuft, könntet ihr uns von gro-
ßem Nutzen sein.« 

John beteuerte, fast ein wenig zu enthusiastisch, 

daß er keinen anderen Ehrgeiz kenne, als mit allen 
seinen schwachen Kräften der Volksarmee zu die-
nen. Der General nickte anerkennend und begann 
dann mit seiner Erklärung. 

»Für die anderen sind wir nur ein Haufen von 

Banditen. Genau das sollen sie auch von uns den-
ken. Deshalb lassen wir euch nicht nach Lyffdarg 
zurückkehren. In Wirklichkeit sind wir gut organi-
siert und wollen die Regierung stürzen. Wenn wir 
an der Macht sind, wird es auf Lyff keine Korrup-
tion mehr geben, die jetzt unser ganzes Volk ver-
giftet hat.« 

Er redete fast eine Viertelstunde. Als Ziel seiner 

Volksarmee gab der General an, Lyff wieder zu der 
gesunden Einfachheit des Lebens zurückzuführen, 
die früher geherrscht hatte. 

»Lyff vergeudet seine Kräfte in einer Orgie von 

Dekadenz«, betonte er eindringlich. »Der Adel und 
die Priesterschaft sehen ihr höchstes Ziel darin, 
möglichst auf Kosten anderer zu leben. Dabei miß-
brauchen sie ihre Stellungen, die ihnen von den 
Vorvätern überliefert worden sind, um für das 
Wohl des Volkes zu sorgen. Anstatt aber das einfa-
che Volk zu schützen und ihm zu helfen, wie es 

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144 

das Gesetz unserer Mutter  befiehlt, sind die Adli-
gen zu Sklavenhaltern herabgesunken. Ihr mutter-
lästerliches Tun saugt dem Volk alle Lebenskraft 
aus. Dabei schwächen sich Adel und Priesterschaft 
selbst, und mit ihnen gerät das gesamte Volk an 
den Rand des Abgrunds.« 

»Sie haben vollkommen recht«, erklärte John, 

als der General seine Ausführungen beendet hatte. 
»Von dieser Warte habe ich die Dinge noch nie 
zuvor betrachtet. Aber es ist vollkommen einleuch-
tend, daß Sie recht haben. Unsere Große Mutter 
weiß, daß in Lyffdarg keine wirkliche Kraft mehr 
zu finden ist.« 

»Das stimmt nicht ganz«, widersprach General 

Garth eifrig. »In Lyffdarg finden Sie noch genauso 
viel Kraft und Stärke wie eh und je. Aber sie lebt 
in dem Teil der Bevölkerung, auf den sich alles 
gründet, nämlich im einfachen Volk. Wir wollen 
der Stadt keine neue Kraft bringen, sondern ledig-
lich die dort vorhandenen latenten Kräfte wecken 
und stärken. Das ist eines der Hauptziele unseres 
Unternehmens. Deshalb haben wir uns hier drau-
ßen in der Wildnis niedergelassen.« 

»Aha«, seufzte John, »ja, ich glaube, ich verste-

he das alles. Auf den Hauptmann hat unsere neue 
Art des Ringkampfes einen starken Eindruck ge-
macht. Wir können aber weit mehr. Ich habe zum 
Beispiel ein paar Pläne und Vorschläge für Waf-

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145 

fen, die der Volksarmee nützlich kein könnten. 
Ganz bestimmt sind die neumodischen Gewehre 
nicht mehr unbekannt. Oder?« 

»Ja, wir besitzen sogar einige davon.« 
»Nun, ich habe mich schon seit einiger Zeit mit 

einer Verbesserung dieser Waffen befaßt. Was 
würden Sie von einem Gewehr halten, das hundert 
Schüsse gleichzeitig oder jedenfalls so rasch hin-
tereinander abfeuern könnte, wie Sie es wünschen. 
Ohne jedesmal neu zu laden, meine ich.« 

»Könnten Sie denn so etwas anfertigen?« 
»Nein, aber ich könnte dem Waffenschmied zei-

gen, wie man es macht. Im Grunde genommen 
kommt es nur darauf an, Patronen in kontinuierli-
cher Folge aus einem Magazin in den Lauf zu 
bringen. Man könnte mehrere drehbar angeordnete 
Läufe benutzen, damit sie nicht so rasch von der 
Hitze unbrauchbar gemacht werden. Als Bezeich-
nung dafür würde ich ›Maschinengewehr‹ vor-
schlagen.« 

»Das hört sich an … ja, das klingt ganz so, als 

ließe sich damit etwas anfangen.« Die Augen des 
Generals begannen zu leuchten. John hatte ihn für 
sich gewonnen. 

»Hauptmann«, rief er, »wie steht es mit passen-

den Unterkünften für Leutnant Harlen und seinen 
Adjutanten? Und sehen Sie zu, daß sich für die 
beiden noch etwas zu essen finden läßt. Nach der 

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146 

langen Reise seid ihr sicherlich hungrig. Also, 
John, nun möchte ich von Ihnen noch etwas mehr 
über dieses Maschinengewehr hören.« 

Die Fachsimpelei der beiden über Waffen und 

Strategie dauerte mehr als vier Stunden. 

 

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147 

ZWÖLFTES KAPITEL 

 

John hatte sich bald an den Alltag des Lagerlebens 
gewöhnt. Morgens um halb sieben wurden die Sol-
daten durch ein Hornsignal geweckt. Nach dem 
Frühsport wurde zum Essenempfang angetreten. 
Das Frühstück bestand aus einer Art Haferbrei. 
Danach begann die Ausbildung, von der John und 
Hurd befreit waren. John verbrachte den Vormittag 
mit den Waffenschmieden. Sie bauten unter seiner 
Anleitung den Prototyp des geplanten Maschinen-
gewehrs. Am Nachmittag unterrichtete John eine 
Sonderabteilung in Judo. Regelmäßig wurden Pa-
trouillen ausgeschickt, die zugleich die notwendige 
Verpflegung besorgten. 

So vergingen drei Monate. John und Hurd wur-

den so sorgfältig bewacht, daß an Flucht nicht zu 
denken war. Nach einer Weile kam John zu der 
Überzeugung, daß es für ihn und seine Aufgabe 
besser war, den Gedanken an Flucht fallenzulassen 
und sich ganz der Volksarmee zu widmen. 

Als das Maschinengewehr fertig war, führte John 

es dem General vor. Dieser zeigte sich begeistert. 

»Wie viele davon könnt ihr herstellen?« 
»Ungefähr alle drei Wochen eins.« 
»Fein, ausgezeichnet. Leutnant Harlen, würden 

Sie mir die Freude machen, heute abend mit mir zu 
essen?« 

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148 

»Es ist mir ein Vergnügen.« 
Beim abendlichen Essen diskutierten der Gene-

ral und John über die weiteren Pläne der Volksar-
mee. 

»In etwa drei Jahren sollten wir so weit sein, daß 

ich an die Öffentlichkeit treten kann«, sagte der 
General. 

»Aber, Sire, warum wollen Sie denn noch drei 

Jahre warten? Mir scheint …« 

»Im Augenblick« unterbrach ihn der General, 

»habe ich ungefähr achthundert Mann zur Verfü-
gung. Mit einer so kleinen Truppe kann ich keiner 
Armee entgegentreten, mögen meine Leute auch 
noch so gut ausgebildet sein.« 

»Man braucht doch einer feindlichen Macht 

nicht unbedingt eine offene Schlacht zu liefern«, 
wandte John ein. »Ich habe einmal von einer 
Kampfmethode gehört, für die Ihre Leute ganz be-
sonders geeignet erscheinen.« 

Der General beugte sich interessiert vor. 
Langsam und sehr weitschweifig erklärte John, 

was er unter einem Partisanenkrieg verstand. Er er-
läuterte den Kampf in kleinen Gruppen, die angrei-
fen, zuschlagen und sich sofort wieder zurückzie-
hen. Ein Kampf also, der darauf abzielt, einen 
überlegenen Gegner aus dem Hinterhalt anzugrei-
fen und wieder zu verschwinden, ehe dieser Gele-
genheit hat, Verstärkung herbeizurufen. Man muß-

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149 

te heute an einem Ort angreifen und in der kom-
menden Nacht einige Dutzend Wegstunden ent-
fernt wieder zuschlagen. 

General Garth saß da, und die Ideen seines neu-

en Leutnants rissen ihn mit. Sein militärisch ge-
schulter Verstand erfaßte sofort die neuen Mög-
lichkeiten. Frage folgte auf Frage, wie die Kugeln 
aus dem neuen Maschinengewehr, aber John blieb 
ihm keine Antwort schuldig. 

»Wie lange wird es dauern, um eine kleine Ein-

heit im Partisanenkrieg auszubilden?« lautete seine 
letzte Frage. 

»Etwa drei Monate«, meinte John zögernd – und 

drei Monate später führten er und Hurd ein Dut-
zend Männer in den ersten authentisch verbürgten 
Partisanenangriff in der Geschichte von Lyff. Ihr 
Ziel war ein kleiner Außenposten der Garde in der 
Nähe des Dorfes Penchdarg. 

Im Schutz der Dunkelheit schlichen sich die 

vierzehn Rebellen bis auf wenige Meter an den 
Stützpunkt heran. Der Wachtposten mußte auf Ar-
meslänge an ihnen vorüber. Es dauerte nicht lange, 
und ein einzelner Soldat schlenderte in völlig un-
militärischer Haltung vorbei. Dem Mann paßte es 
offensichtlich ganz und gar nicht, Wache schieben 
zu müssen. An einen möglichen Überfall schien er 
keinen Augenblick lang zu denken. Plötzlich 
tauchte hinter ihm eine schemenhafte Gestalt auf. 

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150 

Gleich darauf brach der Posten lautlos zusammen. 

John schnalzte leise mit der Zunge. Sechs Parti-

sanen huschten wie schwarze Schatten auf den 
Stützpunkt zu und verschwanden in der Dunkel-
heit. Fünfzehn Sekunden später gab John erneut 
ein Signal. Die zweite Angriffswelle setzte sich in 
Bewegung. John und Hurd blieben allein im Un-
terholz zurück. 

John Harlen zählte flüsternd die Sekunden. 
»Dreiundsiebzig – vierundsiebzig – fünfund-

siebzig …« 

Plötzlich schrie er so laut und gellend auf, als 

läge er im Todeskampf. 

Die Nacht schien zu explodieren. Kurze Feuer-

stöße aus den Maschinengewehren lösten sich mit 
einzelnen Gewehr- und Revolverschüssen ab. Dazu 
ertönte ununterbrochen ein irrsinniges Geschrei. 

Die Gardisten waren zu verschlafen und zu er-

schrocken, um ernsthaften Widerstand zu leisten. 
Bei allem Lärm und aller Aufregung fanden sich 
die Partisanen vor keiner schwierigeren Aufgabe, 
als einen Haufen entsetzter Gefangener zusammen-
zutreiben. 

Ein Teil der Rebellen wurde zur Bewachung der 

Gefangenen eingeteilt. Die anderen gingen daran, 
den Stützpunkt gründlich nach Beute zu durchsu-
chen. Unterdessen richtete John Harlen das Wort an 
die achtundzwanzig halbangezogenen Gardisten. 

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151 

»Lyffaner«, donnerte er, »ihr seid besiegt wor-

den. Aber euer Leben wird von den Soldaten der 
Volksarmee geschont. Ihr könnt nichts gegen uns 
ausrichten, weil die Große Mutter auf unserer Seite 
steht. Ihre Sache und die unsere sind eins. Lyff ge-
hört allen Kindern unserer Großen Mutter. Und 
unsere  Mutter  ruft: ›Befreit meine Kinder!‹ Wir 
sind die Helfer unserer Großen Mutter und führen 
diesen Befehl aus.« 

Er kehrte den Gefangenen den Rücken und trat 

auf das nächstliegende Gebäude zu. An der Tür 
drehte er sich noch einmal um und rief: »Lyff den 
Lyffanern!« 

Die Partisanen gaben den Schlachtruf zurück. 

John verschwand im Innern des Hauses. 

Hurd gab sich alle Mühe, beim Eintreten des 

Leutnants nicht zu lachen. 

»Bei der Nase unserer Mutter, John Harlen«, ki-

cherte er, »wenn man Sie so reden hört …« 

»Habe ich übertrieben?« 
»Nein, aber ich habe das Gefühl, es macht Ihnen 

einen Heidenspaß.« 

John grinste. Dann stieß er abermals seinen 

Kampfruf aus. Die Partisanen antworteten im 
Chor. 

»So, jetzt sind wir fertig!« 
Die Truppe sammelte sich auf dem Hof zwi-

schen den Gebäuden. Die entsetzten Gardisten 

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152 

wurden einzeln an Bäume oder Pfosten gebunden. 
Einer der Partisanen brachte John einen tropfenden 
Pinsel. Der Leutnant malte ein mit der Spitze nach 
oben gerichtetes Schwert an die nächste Mauer. 
Dann bestiegen sie ihre mit reicher Beute belade-
nen Rakans, schrien noch einmal: »Lyff den Lyf-
fanern!« und trabten in der Dunkelheit davon. 

Die niederschmetternden Erfolge der Partisa-

nenangriffe zeigten den Herrschern von Lyff, daß 
man die Volksarmee keineswegs als eine Bande 
von Bergbanditen abtun konnte. Das Anti-
Verschwörer-Komitee erklärte sofort, daß es sich 
bei diesen Rebellen nur um bezahlte Söldner der 
Verschwörergruppe handeln könne. Bald darauf 
schickte das Komitee eine kleine, von Tchornyo 
Gar-Spolnyen Hiirlte befehligte Armee ins Feld, 
um mit den Partisanen aufzuräumen. 

Weitere Zwangsmaßnahmen ließen nicht lange 

auf sich warten. Nach einem erfolglosen Versuch, 
die Bevölkerung zum freiwilligen Eintritt in die 
Armee zu bewegen, wurden die wehrfähigen Män-
ner in die Armee des Königs eingezogen. Nach of-
fiziellen Schätzungen sollte die neue Armee binnen 
Jahresfrist kampfbereit und einsatzfähig sein. Die 
inoffiziellen Schätzungen waren weniger optimi-
stisch. 

Die Telegraphenunion entsandte Truppen von 

besonders ausgebildeten Polizisten ihrer Haus-

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153 

streitmacht zu allen Telegraphenbüros innerhalb 
des Partisanengebietes. 

Binnen kurzem wurde es zu einem Kapital-

verbrechen, die Worte: »Lyff den Lyffanern!« zu 
schreien, zu drucken, zu malen oder sonstwie dar-
zustellen, mochte es öffentlich oder privat gesche-
hen. Das gleiche galt für das Abbild des ge-
schwungenen Schwertes. 

Das Komitee schickte seine Inquisitoren in alle 

Städte und Dörfer, um Verschwörer aufzuspüren. 
Diese Gruppen arbeiteten nach dem Prinzip, daß 
die Anklage allein als Beweis für ein Verbrechen 
genügte. Tausende von angeblichen Verschwörern 
wurden eingesperrt und manchmal sogar vor Ge-
richt gestellt. Die Angst vor der Inquisition be-
herrschte das Leben der Lyffaner. Ein unbedachtes 
Wort, vielleicht böswillig entstellt weitergegeben, 
konnte Verhaftung und Ruin bedeuten. Niemand 
wagte mehr, frei zu reden. Noch schlimmer, man 
wagte nicht einmal mehr zu schweigen. Denn auch 
das konnte verdächtig sein. Jedermann wog seine 
Worte sorgfältig ab. Das Risiko war nach beiden 
Seiten hin gleich groß. 

Bald hatte die Volksarmee mehr Rekruten, als 

sie unterbringen und ausbilden konnte. Es gab be-
reits eine Warteliste. Das Ausbildungsprogramm 
lief in Schichten vom frühen Morgen bis zum spä-
ten Abend. Die Waffenschmiede konnten ihre 

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154 

Waffenproduktion ungeheuer steigern, weil sich 
viele Schmiede freiwillig zur Volksarmee melde-
ten. 

Aus den Überfällen wurden allmählich Gefech-

te, und ganz langsam wurde aus den Gefechten hier 
und dort eine Schlacht. 

Anfangs waren die Partisanenbanden kaum stär-

ker als vierzehn Mann. Aber dreieinhalb Jahre spä-
ter waren Truppenbewegungen von tausend Mann 
durchaus an der Tagesordnung. 

John Harlen brachte den größten Teil seiner Zeit 

mit der Konstruktion neuer Waffen zu. Er befand 
sich in einem Wettbewerb nicht nur mit den Gilden 
von Lyff, sondern auch mit den übrigen Mitglie-
dern seiner eigenen Sonderabteilung. Bald aber 
verlor er die Kontrolle über einen wahren Strom 
von neuen Erfindungen, die auf seine Initiative von 
anderen gemacht wurden. Es gelang ihm gerade 
noch, die Erfindung von Atomgeschossen zu ver-
meiden. Aber er kam nicht um den sogenannten 
»Brenner« herum, eine kleine Handfeuerwaffe, die 
nach dem Prinzip der Laserstrahlen arbeitete. 

So vergingen dreieinhalb Jahre. Dann beschloß 

General Garth, mit seiner Volksarmee einige Städ-
te einzunehmen und zu besetzen. Der erste große 
Angriff sollte dem nahgelegenen Handelsplatz 
Astindarg gelten. 

 

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155 

DREIZEHNTES KAPITEL 

 

Die Volksarmee marschierte in geschlossener 
Formation nach Astindarg. Die in Marsch gesetzte 
Streitmacht bestand aus zwei Infanterieregimen-
tern, denen eine Reihe von Kavallerieeinheiten und 
Artilleriedivisionen zugeteilt waren. Auf der Haupt-
straße bildete die Marschkolonne eine Schlange 
von vier Wegstunden. Die Garnison von Astingard 
bestand nur aus zwei Embracen  von  Mutters  Gar-
disten. Aber General Garth wollte dem Gegner ein 
eindrucksvolles Bild seiner Armee geben. 

Der General und John ritten in der ersten Abtei-

lung. Voraus und an den Seiten bewegten sich Pa-
trouillen und einzelne Scouts, die laufend Bericht 
erstatteten. Befehle wurden vom Stab des Generals 
an die nachfolgenden Truppenverbände gegeben. 

Astindarg lag nur noch eine halbe Wegstunde 

entfernt, als einer der Scouts in höchster Eile auf 
die Marschkolonne zugeritten kam. 

»Ich war gerade auf jenem Hügel dort, von dem 

aus man Astindarg sehen kann«, rief er, vor dem 
General nur hastig salutierend. »Die ganze mutter-
verdammte Stadt steht in Flammen.« 

Der General befahl der Armee, sofort Halt zu 

machen und auf weitere Instruktionen zu warten. 
Zusammen mit John ritt er in Begleitung des 
Scouts voraus. 

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156 

»Sire, gleich jenseits des Hügelkammes kann 

man alles ungehindert überblicken.« 

Der Scout führte die beiden Offiziere zur höch-

sten Erhebung und deutete auf die Stadt im Tal. 

»Sehen Sie, dort unten, Sire? Die ganze Stadt 

brennt.« 

Der General und John blickten vorsichtig über 

den Rand des Hügels in die Ebene hinab. 

John war der erste, der etwas Auffallendes an 

der brennenden Stadt bemerkte. 

»Sehen Sie, Sire«, sagte er zu dem General, 

»noch steht nicht die ganze Stadt in Flammen. Es 
sieht aus, als ob ein Brandstifter durch die Straßen 
gelaufen sei, und zwar von rechts nach links.« 

Johns Hand beschrieb einen weiten Bogen quer 

über den Marktflecken. Als sie den linken Stadt-
rand erreicht hatte, hielt sie wie erstarrt inne. Dann 
deutete er noch ein Stück weiter nach links. Dabei 
äußerte er laut einige Sätze in einer Sprache, die 
der General nicht verstand. 

»Was soll das heißen?« fragte der General. Er 

blickte nach unten, zu dem Punkt hin, auf den John 
deutete. Ein großer, glitzernder Gegenstand, offen-
bar aus silbernem Metall, stand aufrecht im Gras 
jenseits der Stadt. Gras? Nein. Früher mochte auch 
dort, wo der Gegenstand jetzt stand, einmal Gras 
gewachsen sein, wie die weitere Umgebung zeigte. 
In unmittelbarer Nähe des Ungetüms jedoch war 

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157 

der Boden verbrannt. Eine düstere, unheimliche 
Schwärze, in einem derartigen Kontrast zu dem 
unheimlichen Gegenstand, der darauf stand, daß 
den Beobachtern der Atem stockte. 

»Was, in Mutters Namen, ist das?« 
»Ein Raumschiff«, entgegnete John, »und es ist 

fünf Jahre zu früh gekommen.« 

»Ein – was?« 
»Hören Sie, General, lassen Sie sofort alle Artil-

lerieeinheiten vorrücken, die über schwerste Hitze-
strahler verfugen. Außerdem brauchen wir so viel 
Kavallerie, wie sich in der Eile auftreiben läßt. 
Während die Truppen anrücken, werde ich Ihnen 
alles erklären. Es sieht so aus, als hätten wir dies-
mal eine richtige Schlacht vor uns!« 

 

 
Der Pilot des Raumschiffes bahnte sich den Weg 
zum Aufenthaltsraum, wo sich die Passagiere ver-
sammelt hatten. 

»Wir sind gelandet, meine Herren«, verkündete 

er. 

»Das habe ich gemerkt«, entgegnete einer der 

vier Passagiere. »Aber es sieht so aus, als hätten 
wir bei dieser Gelegenheit eine ganze Stadt in 
Brand gesteckt.« 

Der Pilot starrte ihn wütend an. 

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158 

»Ich bin nur für Landungen auf betonierten Pi-

sten ausgebildet. Wenn Sie mir von Anfang an ge-
sagt hätten, wohin die Reise geht, anstatt daraus bis 
zur letzten Minute ein Geheimnis zu machen, und 
wenn Sie mich nicht außerdem gezwungen hätten, 
in letzter Sekunde den Kurs zu ändern, hätte ich 
Ihnen einen anderen Piloten empfohlen. Einen, der 
an Landungen auf Wiesen gewöhnt ist.« 

Der Passagier winkte verächtlich ab. 
»Ich habe Ihnen bereits erklärt, daß wir Mitglie-

der eines besonderen Untersuchungsausschusses 
sind, der von Senator Walsh eingesetzt worden ist. 
Wir überprüfen gerade eine mögliche Kontaktver-
letzung durch Einheiten der Flotte. Glauben Sie 
wirklich, daß wir für diesen Auftrag einen Piloten 
der Flotte hätten einsetzen sollen?« 

»Mir scheint«, entgegnete der Pilot, noch immer 

ärgerlich, »daß wir selbst so etwas wie eine Kontakt-
verletzung begangen haben, als wir hier landeten.« 

»Aber ich habe Ihnen doch gesagt, daß wir ein 

Sonderausschuß sind, der einen solchen Fall zu un-
tersuchen hat«, erklärte ein Passagier ungeduldig. 
»Das ist natürlich eine ganz andere Situation, für 
die ganz andere Maßstäbe gelten.« 

»Oh, ich verstehe. Ihr Konservativen macht ja 

die Gesetze. Natürlich ist es dann auch durchaus in 
Ordnung, daß ihr sie brechen dürft, wann immer es 
euch paßt. So einfach ist das also.« 

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159 

Einen Augenblick lang zog etwas wie Verach-

tung und Ekel über das Gesicht des Piloten, doch 
dann hatte er sich wieder in der Gewalt. Ehe einer 
der anderen etwas sagen konnte, fuhr er fort: »Nun, 
ich schätze, Sie sollten jetzt aussteigen und nach-
sehen, ob die Eingeborenen uns freundlich gesinnt 
sind. Allerdings könnte ich mir vorstellen, daß wir 
mit den guten Leuten wegen ihrer brennenden 
Stadt Ärger bekommen könnten.« 

Er wandte sich ab und verschwand in der Pilo-

tenkabine. 

Die vier Kommissare von Terra verließen das 

Raumschiff. Die Stadtbewohner schienen keine 
Notiz von ihnen zu nehmen. 

»Sehr neugierig sind die Eingeborenen offenbar 

nicht, Stepan«, bemerkte einer der Terraner. »Es 
sieht beinahe so aus, als wären die Bewohner die-
ses Planeten an Raumschiffe gewöhnt, die bei ih-
nen auf dem Hinterhof landen.« 

Stepan, der Anführer der Gruppe, drehte sich 

um. 

»Könnte sein«, meinte er, »könnte sein, Alain. 

Aber es wäre auch möglich, daß die Leute genug 
damit zu tun haben, das Feuer zu löschen. In die-
sem Falle haben sie wirklich keine Zeit, uns gebüh-
rend zu begrüßen.« 

Alain steckte die Zurechtweisung ein und blickte 

betreten zur Seite. 

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160 

Stepan betrachtete die ruhige Landschaft rund 

um die Stadt. 

»Ich frage mich, wie es uns gelingen soll, eine 

illegale Kontaktaufnahme nachzuweisen«, überleg-
te er laut. »Viel können sie in fünf Jahren jeden-
falls nicht erreicht haben.« 

Hinter einem der nächsten Hügel ertönte ein Ge-

räusch, das wie ein überlautes Husten klang. Ein 
Jaulen und Heulen erfüllte die Luft. Alain schaute 
Stepan betroffen an. 

»Es hört sich an wie ein Generator«, sagte er. 
»Stimmt, das könnte es sein«, gab Stepan vor-

sichtig zurück. 

Ein Laserstrahl schoß hinter dem Hügel hervor 

und schnitt dem Raumschiff die Spitze ab. 

»Was zum …«, schnappte Stepan nach Luft. 
Reiter in unübersehbaren Massen stürmten über 

den nächsten Hügel heran. Sie saßen auf Tieren, 
die wie kleine Dinosaurier aussahen. Die Reiter 
hielten gefällte Lanzen in den Händen. Die Terra-
ner blieben wie erstarrt stehen, mehr wie unter ei-
nem plötzlichen Schock als aus Furcht, wie einer 
von ihnen später erklärte. Es gab einen unblutigen 
Sieg der Rebellen … 

 

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161 

VIERZEHNTES KAPITEL 

 
Noch am Tage des Jahresfestes der Sippe des Gar-
Terrayen wurde das 5. und 7. Regiment der könig-
lichen Armee nach Astindarg in Marsch gesetzt. 
Die Truppen waren mit den modernsten Waffen 
ausgerüstet und in deren Gebrauch tadellos ausge-
bildet. Sie gehörten zu den härtesten Kämpfern, die 
es auf Lyff jemals gegeben hatte. Durch telegra-
phisch übermittelte Befehle herbeigerufene Einhei-
ten aus anderen Garnisonen schlossen sich unter-
wegs an. Als die Streitmacht des Königs vier Tage 
später die Hügel vor Astindarg erreichte, war die 
Marschkolonne in Sechserreihen fünf und eine 
halbe Wegstunde lang. 

Am Ende des vierten Tages wurde in den Hü-

geln oberhalb der Stadt ein weitläufiges Feldlager 
bezogen. Das Raumschiff war deutlich zu sehen, 
obwohl es mehrere Stunden entfernt stand und die 
Luft noch immer vom Rauch der brennenden Stadt 
erfüllt war. Die Soldaten des Königs hatten in die-
ser Nacht einen unruhigen Schlaf. 

Am nächsten Morgen begann das Gefecht mit 

schwerem Trommelfeuer der Artillerie. Die Streit-
kräfte, die sich in Astindarg verschanzt hatten, ant-
worteten mit Kampfraketen und Hitzestrahlen. Die 
Luft erzitterte unter dem donnernden Dröhnen der 
explodierenden Granaten. Mit schrillem Pfeifen 

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162 

zischten Raketen heran. Dazwischen hörte man das 
leise, aber durchdringende Singen der Laserstrahlen. 

»Ich will euch mal was sagen«, flüsterte hier und 

dort ein Soldat, »die ganze mutterverdammte Ge-
schichte stinkt doch zum Himmel. Diese Raum-
schiffer haben Granaten, die sich selbst in die Luft 
schießen. So etwas gibt es doch einfach nicht.« 

Eine Stunde nach Sonnenaufgang kam der Be-

fehl zum Vormarsch. Nervös und langsam, teilwei-
se unwillig, setzten sich die Soldaten des Königs in 
Bewegung. Rauchfahnen behinderten die Sicht. 
Überall explodierten Granaten und Bomben. 

Die durch andere Garnisonen verstärkten Trup-

pen waren sehr unterschiedlich bewaffnet. Einige 
trugen weitreichende Gewehre, andere hatten Ba-
zookas bei sich. Auch ältere Waffen fehlten nicht. 
So sah man mehr Armbrüste, Lanzen, Schwerter 
und Streitäxte als moderne Feuerwaffen. Es gab 
sogar noch Männer, die ihre völlig zwecklosen 
Schilde mit dem farbenfreudigen Schmuck der 
Familienwappen vor sich hertrugen. 

Der Angriff auf Astindarg geriet ins Stocken. 

Weder Hornsignale noch die wilden Flüche der Of-
fiziere konnten die Männer zu schnellerem Marsch 
veranlassen. Die Maschinengewehre auf den Wäl-
len der Stadt mähten die Männer des Königs rei-
henweise nieder. Es ging alles sehr schnell. 
Schließlich sprang der mittlerweile zum General 

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163 

ernannte Ansgar Sorenstein auf seinen Rakan und 
galoppierte auf das freie Feld, mitten vor die zö-
gernden Truppen. 

»Folgt mir!« schrie er. Die Soldaten des Königs 

sammelten sich um ihn und folgten ihm auf die Be-
festigungswälle von Astindarg. Ganz plötzlich – 
Ansgars Soldaten hatten gerade die Stadttore er-
reicht – legte sich tiefe Stille über das Schlachtfeld. 
Sie war bedrückender als der Lärm, der bisher ge-
herrscht hatte. 

»Das Feuer ist eingestellt worden, Sire«, sagte 

Ansgars Adjutant nach einem flüchtig angedeute-
ten Gruß. 

»Ja, bei uns auch. Was, im Namen unserer Gro-

ßen Mutter, geht hier vor?« 

Trotz der unmittelbaren Gefahr beobachtete 

John Harlen, Hurd und General Garth den Fort-
gang der Schlacht vom Tempeldach aus. Das war 
der höchste Beobachtungspunkt, der sich in ganz 
Astindarg finden ließ. 

»Glauben Sie, daß wir den Ansturm aufhalten 

können?« wollte der General wissen. 

»Das sollte uns gelingen. Wenn wir es nicht mit 

den Raketen schaffen, werden die Laserstrahlen 
ganze Arbeit leisten. Was mir Sorgen bereitet, ist 
die Tatsache, daß wir gegen eine Übermacht zu 
kämpfen haben. Das bedeutet eine unnötig hohe 
Zahl von Toten.« 

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164 

»Das bringt ein Krieg nun einmal mit sich«, ent-

gegnete der General. Trauer schwang in seiner 
Stimme mit. »Vielleicht ist es gut, wenn wir uns 
beizeiten daran gewöhnen.« 

»He, John!« fiel Hurd ihm ins Wort. »Wer ist 

das dort drüben vor der Front? Ich meine den Offi-
zier auf dem Rakan.« 

»Ich weiß es nicht, Hurd. Er kommt mir irgend-

wie bekannt vor. Gib mir mal das Fernglas her!« 

John schaute lange durch die Gläser. Dann stieß 

er einen leisen Pfiff aus. 

»Hurd, laß sofort das Feuer einstellen! Zieh die 

weiße Flagge auf! Das ist Ansgar Sorenstein.« 

 

 
»Die Sache ist so«, begann Ansgar, als die Freunde 
wieder beisammensaßen. »Wir dachten, wir hätten 
Feinde zu bekämpfen. Wenn ich nur ein wenig 
nachgedacht hätte, wäre ich wohl darauf gekom-
men, daß wir ein Raumschiff der Föderation vor 
uns hatten. Aber diese Möglichkeit kam mir ein-
fach nicht in den Sinn.« 

Im Anbau des Tempels war rasch ein provisori-

sches Telegraphenbüro eingerichtet worden. Wäh-
rend die Männer miteinander redeten, lötete ein 
Nachrichtensoldat die Verbindungen. Er prüfte 
Stromkreise und brachte das Gerät in Funktion. 

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165 

»Das haben wir zuerst auch gedacht«, nickte 

John. »Wir kamen erst darauf, daß es ein Raum-
schiff der Föderation war, nachdem wir es vernich-
tet hatten.« 

»Aber – ein Untersuchungsausschuß der Konser-

vativen!« seufzte Ansgar. »Wenn es nicht so mut-
terverdammt dämlich wäre, wäre es beinahe tra-
gisch.« 

»Die Leitung ist jetzt in Ordnung, Sire«, meldete 

der Nachrichtensoldat respektvoll. 

»Großartig. Sag mal, Ansgar, wie lange dauert 

es bei dir, Meldungen zu verschlüsseln? Ich fürch-
te, bei mir sind die Kenntnisse dafür während der 
letzten vier Jahre eingerostet.« 

»Ich schätze, es wird schon gehen. Wie lautet 

der Spruch?« 

Zusammen setzten sie einen Bericht über das 

Gefecht auf. John fügte ein paar kurze Sätze über 
seine Arbeit in der Volksarmee hinzu. Obwohl sie 
sich um eine kurze Fassung bemühten, dauerte es 
fast eine Dreiviertelstunde, den ganzen Bericht 
durchzugeben. 

Draußen mischten sich die Männer aus der Ar-

mee des Königs vorsichtig unter die Leute der 
Volksarmee. Niemand wußte, was eigentlich vor 
sich ging. Natürlich fiel es den Soldaten beider Sei-
ten schwer, mit dem Feinde von gestern Kontakt 
aufzunehmen. 

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166 

Pindar Smith war es zu danken, daß keiner der 

Soldaten Schwierigkeiten hatte, sich mit dem un-
gewöhnlichen Anblick eines Raumschiffes abzu-
finden. Schon vor drei Tagen hatte er seine Männer 
vorsichtig darauf vorbereitet. 

General Garth, der Oberbefehlshaber der Volks-

armee, hatte die meisten Schwierigkeiten. Er be-
griff überhaupt nichts mehr. Von Natur aus mußten 
die Männer der königlichen Armee seine Feinde 
sein. Seit fünf Jahren hatte er es nicht anders ge-
kannt. Er konnte es noch nicht fassen, daß seine 
Feinde von gestern heute zu seinen Verbündeten 
geworden waren. Er lehnte es ab, Stellung zu neh-
men und Fragen zu beantworten. Ihm war noch 
nicht klar, ob seine bisherigen Bemühungen und 
sein Lebensziel überhaupt einen Sinn gehabt hat-
ten. Oder ob er nicht sogar vor dem Höhepunkt 
seiner Karriere stand. Jedenfalls fühlte er sich nicht 
wohl in seiner Haut. 

Ansgar morste das Schlußzeichen seines Berich-

tes und lehnte sich müde im Sessel zurück. Aber 
noch ehe er es sich bequem machen konnte, melde-
te sich der Telegraph bereits wieder. 

John nahm die Meldung entgegen. Während er 

die Zeichen übertrug, wurde sein Gesichtsausdruck 
immer grimmiger. 

»Bürgerkrieg!« hieß es auf dem Streifen. 

»Streitkräfte des Anti-Verschwörer-Komitees grei-

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167 

fen den Palast an. Lyffdarg in Aufruhr. Sendet so-
fort Hilfe!« 

Ohne ein Wort stürmte John davon, um General 

Garth zu unterrichten. 

Kurz nach der Morgendämmerung des nächsten 

Tages stellte sich die nunmehr vereinigte Königs- 
und Volksarmee auf dem Marktplatz von Astin-
darg in Marschformation auf. 

»Lyffaner!« rief John im Tonfall des geübten 

Demagogen. »In Lyffdarg herrscht Bürgerkrieg. 
Verräterische Adelige versuchen, den König zu 
stürzen. Sie drohen, die ganze Stadt zu verwüsten. 
Tausende von unschuldigen Bürgern sind bereits 
hingemordet worden. Der Tempel unserer Großen 
Mutter 
wurde beschmutzt und das Gesetz der Mut-
ter 
mit Füßen getreten. Wir wollen unsere Feindse-
ligkeiten vergessen und uns zusammentun, um ge-
gen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. Lyff den 
Lyffanern! Lang lebe der König!« 

Die mächtigste Armee, die es auf Lyff jemals 

gegeben hatte, setzte sich in Bewegung. 

 

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168 

FÜNFZEHNTES KAPITEL 

 

In der Nacht nach dem Fest beim Clan des Gar-
Terrayen lernte Tchornyo endlich seinen geheim-
nisvollen Wohltäter kennen. Gänzlich unerwartet 
wurde er von dem dunkelhaarigen kleinen Mann 
geweckt und zum Hauptquartier des Komitees ge-
bracht. Es war der gleiche Mann, der seit so langer 
Zeit als Mittler zwischen dem Komitee und seinem 
anonymen Gönner gewirkt hatte. 

»Was hat das alles zu bedeuten?« fragte er un-

terwegs immer wieder seinen Begleiter. Doch er 
bekam keine Antwort. Die Straßen von Lyffdarg 
lagen einsam und verlassen. Tiefe Dunkelheit 
herrschte. 

Als schließlich der geheimnisvolle Förderer des 

Anti-Verschwörer-Komitees das Büro betrat, wäre 
Tchornyo beinahe in die Knie gegangen. 

»Setz dich hin, Tchornyo«, begann der Edel-

mann freundlich. »Wir haben viel miteinander zu 
besprechen und keine Zeit für Formalitäten.« 

Demütig setzte sich Tchornyo hinter seinen 

Schreibtisch und lauschte, während der Adelige 
langsam in dem engen Büro auf und ab ging. Er 
beschrieb eingehend seine Pläne, die er mit dem 
Komitee hatte. 

»Morgen früh«, begann er, »wird das 5. und 7. 

Regiment nach Astindarg abmarschieren. Danach 

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169 

bleiben nur noch drei Embracen von Mutters Gar-
disten und ein Regiment der Armee des Königs als 
Besatzung in Lyffdarg zurück. Wir dürfen kaum 
hoffen, die Stadt in absehbarer Zeit noch einmal so 
schwach besetzt zu finden.« 

»Jawohl, Sire, Euer Hochwohlgeboren«, warf 

Tchornyo ahnungslos ein. 

»Höre also, was zu tun ist. Die Regimenter ha-

ben Befehl, im Morgengrauen aufzubrechen. Zwei 
Stunden später wirst du mit Waffengewalt die Gar-
nison der Gardisten angreifen. Mehr als eintausend 
Mann wirst du dazu nicht brauchen.« 

»Aber, Sire, Mutters Gardisten …« 
»Mutters  Gardisten sind auch nur Soldaten. 

Während der Angriff auf die Kaserne stattfindet, 
soll dein Freund Gardnyen weitere zweitausend 
Männer nehmen und den Palast berennen. Beide 
Angriffe müssen erfolgreich durchgeführt wer-
den.« 

»Den Palast?« 
»Ganz recht. Und wenn ihr bei der Kaserne fer-

tig seid, bringst du deine Leute zum Palast und 
hilfst Gardnyen.« 

»Aber, Sire, der König!« 
Tchornyo war völlig verwirrt und wußte nicht, 

was er davon halten sollte. 

»Mutter  verdamme den König!« zischte der E-

delmann. »Morgen wird der König gestürzt.« 

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170 

»Aber, der König ist mein Onkel!« Tchornyo 

war dem Heulen nahe. 

»Unsinn. Der König ist dein Feind. Wer, glaubst 

du wohl, steckt hinter der ganzen Verschwörung, ge-
gen die du während der letzten Jahre gekämpft hast?« 

»Etwa der König?« 
»Natürlich, nur der König. Wer sonst hätte von 

einer Verschwörung gegen den Adel einen Vorteil? 
Osgard hat seit dem Tode seines Vaters nichts an-
deres getan, als versucht, die Macht des Adels ein-
zuschränken. Du weißt es genau. Mir ist es im üb-
rigen völlig gleichgültig, in welchem Verwandt-
schafts-Verhältnis er zu dir steht, und wenn er dein 
eigener Bruder wäre …« 

Lange Zeit herrschte Schweigen. Der Edelmann 

stand am Fenster und blickte hinaus über die Dä-
cher der Stadt. Tchornyo saß starr wie eine Statue 
hinter seinem Schreibtisch. Vergeblich versuchte 
er, zu einem Entschluß zu gelangen. Plötzlich dreh-
te sich der Adlige um und donnerte: »Nun?« 

»Ich werde sofort entsprechende Befehle geben, 

Sire, Euer Hochwohlgeboren«, seufzte Tchornyo 
schwach. 

»Gut so«, strahlte der Edelmann. »Ich wußte 

doch, daß ich mich auf dich verlassen kann. Nun 
muß ich gehen. Wir treffen uns morgen nachmittag 
am Palast. Knie nieder, damit ich dich segnen 
kann, mein Sohn.« 

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171 

Mühsam einen Schwindelanfall niederkämp-

fend, kniete Tchornyo neben seinem Schreibtisch. 
Der Hohepriester und Vater der Väter bat die Gro-
ße Mutter 
um ihren Segen für den geplanten Auf-
stand und verabschiedete sich dann hastig. 

»Hat es geklappt?« fragte jemand den Hoheprie-

ster. 

»Es ging alles nach Wunsch«, antwortete dieser. 

»Ich habe ganz einfach an die Intelligenz des jun-
gen Mannes appelliert. Er war nach anfänglichem 
Zögern und einigen Einwänden schließlich mit al-
lem einverstanden.« 

Zwei Stunden nach Tagesanbruch stürmten ein-

tausend Mitglieder des Komitees die Garnison, 
während weitere zweitausend den Palast belager-
ten. Bereits eine halbe Stunde später attackierten 
fünftausend wütende Lyffdarger die Truppen des 
Komitees, und zwar so verbissen, daß Tchornyo 
am Nachmittag gezwungen war, Verstärkung anzu-
fordern. Abteilungen der Komitee-Truppen eilten 
aus allen benachbarten Dörfern und Städten ihrem 
Anführer zu Hilfe. 

Der Kampf an den Stadttoren dauerte drei Tage 

und drei Nächte. Schließlich wurden die schlecht 
bewaffneten Bürgerstreitkräfte niedergerungen. 
Die Truppen des Komitees zogen siegestrunken 
durch die Straßen der Stadt. 

Aber noch war der Kampf um Lyffdarg nicht zu 

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172 

Ende. Die Einheiten des Komitees waren nicht im 
Straßenkampf ausgebildet, und das bekamen sie 
während der nächsten Tage deutlich zu spüren. 
Scharfschützen der rasch formierten Bürgerwehr 
schossen die auffallend uniformierten Komiteemit-
glieder wie Tontauben ab. Die Soldaten des Komi-
tees hatten andererseits wenig Glück mit ihren 
Versuchen, die Scharfschützen in ihren Hinterhal-
ten aufzuspüren. So rächten sie sich mit einem wil-
den Gemetzel, das Hunderten von Adligen das Le-
ben kostete. Um diesem sinnlosen Morden ein En-
de zu machen, gab Tchornyo schließlich den Be-
fehl, die Stadt niederzubrennen. 

Am Morgen des siebenten Tages seit Beginn des 

Aufstandes legte man Feuer an das erste Gebäude. 
Der Rauch erhob sich wie eine dunkle, zerfetzte 
Kriegsfahne in den klaren Himmel. Mit wütender 
Wildheit verteidigten die Lyffdarger ihre Heimstät-
ten. Jedes in Brand gesetzte Haus kostete minde-
stens fünf Edelmännern das Leben. Gegen Mittag 
waren erst fünfzehn Häuser abgebrannt. 

Um die Mittagsstunde machten die Beobachter 

auf den Stadtmauern eine Wolke am Horizont aus. 
Stunden vergingen. Die Brände breiteten sich aus. 
Die Wolke am Horizont wurde immer größer, bis 
auch die schwächsten Augen sie als aufgewirbelten 
Staub über einer heranmarschierenden Armee er-
kennen konnten. 

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173 

Je näher diese Streitmacht rückte, desto größer 

wurden Tchornyos Hoffnungen. Die Truppen wa-
ren bestimmt die Hauptmacht der Verstärkungen, 
auf die er seit einer ganzen Woche gehofft hatte. 
Mit der Abenddämmerung brachen jedoch alle sei-
ne Hoffnungen zusammen. Der Sieg war zum 
Greifen nahe gewesen – und dann dies! Die verei-
nigte Königs- und Volksarmee stürmte gegen die 
Stadttore, schlug Breschen in die Mauern und ü-
berrannte die Verteidiger. Schwerter blitzten, Ge-
wehrmündungen flammten auf, und Laserstrahlen 
zischten. Die Angreifer schwärmten in die Stadt 
hinein wie eine Horde wütender Hornissen. Tchor-
nyo war einem Nervenzusammenbruch nahe, als er 
sehen mußte, wie die Mörder, die er bei jenem Zu-
sammenstoß vor fünf Jahren in nachtdunkler Gasse 
vor sich gehabt hatte, an der Spitze der siegreichen 
Truppen einmarschierten. 

Der Aufstand wurde zu einer Art Kaninchen-

jagd. Überall in der Stadt befanden sich die zittern-
den Komitee-Mitglieder auf der Flucht. Sie suchten 
Schutz in den Häusern, die sie noch vor wenigen 
Stunden hatten niederbrennen wollen. Dutzende 
von Komiteesoldaten kamen in den Flammen um, 
die sie selbst gelegt hatten. 

Mit Einbruch der Nacht war alles vorüber. 
John Harlen fand Tchornyo im Büro des Komi-

tees. Der junge Adlige saß an seinem Schreibtisch, 

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174 

mit blicklosen Augen in die Finsternis starrend, ein 
gebrochener Mann. 

Harlen trat ein und zündete das Licht an. Lang-

sam kehrte Tchornyo in die Wirklichkeit zurück. 

»Sie sind es«, stöhnte er. »Das hätte ich mir 

denken können. Vermutlich sind Sie gekommen, 
um mich zu töten.« 

Seine gequälte Stimme verriet völlige Apathie 

und Erschöpfung. 

»Sie töten?« rief John herzlich. »Unsinn. Ich bin 

gekommen, um Sie in die Wirklichkeit zu führen, 
mein Freund. Ja, ich bin Ihr Freund, trotz allem, 
was Sie getan haben. Und ich hoffe, die zurücklie-
genden Tage und Stunden haben Ihnen die Augen 
geöffnet, wohin Sie gehören. Sie sind nur das 
Werkzeug der Macht im Hintergrund gewesen, die 
Sie für ihre Zwecke einzuspannen gewußt hat, 
auch wenn mir nähere Einzelheiten noch unbe-
kannt sind. Ich werde Ihnen die Zusammenhänge 
erklären, und Sie können dann selbst entscheiden, 
wohin Sie gehören.« 

Am Ende des langen Gesprächs hatte John Har-

len einen neuen Verbündeten gewonnen. 

 

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175 

SECHZEHNTES KAPITEL 

 

Auch nach Einstellung der Feindseligkeiten kam 
Lyffdarg nicht mehr zur Ruhe. Die Niederlage des 
Anti-Verschwörer-Komitees bedeutete zugleich 
das Ende der Vormachtstellung des Adels über das 
Bürgertum. Damit aber wurde eine politische und 
gesellschaftliche Krise heraufbeschworen, die 
Lyffdarg für weitere sechs Monate in ein wildes 
Chaos stürzte. Der Adel war geschwächt und ent-
machtet. Es erwies sich als notwendig, eine neue 
Regierung zu bilden. Die Bürger bestanden dabei 
auf ihrem neuerworbenen Recht, daran beteiligt zu 
sein. 

Der politische Wirbel, der der Geburt einer kon-

stitutionellen Monarchie auf Lyff vorausging, war 
nicht die einzige Quelle der Aufregung in Lyffdarg 
und auch nicht die größte. Diese »Ehre« blieb den 
Männern der Sonderabteilung L-2 vorbehalten. 

Die Tatsache, daß in der Nähe von Astindarg ein 

Raumschiff gelandet war, ließ sich nicht geheim-
halten. Zu viele Leute hatten das Schiff gesehen 
und mit den Raumfahrern gesprochen. Deshalb, so 
überlegte sich John Harlen, war es nicht mehr nötig 
und vor allem auch zwecklos, die Arbeit der Son-
derabteilung geheimzuhalten. Die Öffentlichkeit 
mußte unterrichtet werden, und zwar schnell und 
geschickt. Welches Mittel schien dafür geeigneter 

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176 

als Ansgar Sorensteins bereits seit einiger Zeit be-
stehende Zeitung. Die Männer um John Harlen 
verstanden es dabei, nicht nur die Hintergründe für 
die neue Entwicklung auf Lyff aufzuzeigen und die 
Planetenbewohner von ihren lauteren Absichten zu 
überzeugen, sondern es gelang ihnen auch, den 
Lyffanern klarzumachen, daß sie die weitere Arbeit 
der Terraner mit allen zur Verfügung stehenden 
Kräften unterstützen mußten, wollten sie nicht Ge-
fahr laufen, ihre Heimatwelt an die Invasoren zu 
verlieren und selbst zu Sklaven herabzusinken oder 
ausgerottet zu werden. 

Sechs Monate nach dem Zusammenbruch des 

Anti-Verschwörer-Komitees äußerte sich die in 
neue Bahnen gelenkte Begeisterung der Lyffaner 
auf höchst unerwartete Art und Weise. Die ersten 
freien Wahlen, die es jemals auf Lyff gegeben hat-
te, fanden statt. Die Bevölkerung wählte Hurd zum 
Ministerpräsidenten, obwohl er sich nicht darum 
beworben und am Wahlkampf überhaupt nicht 
teilgenommen hatte. Aber er war der erste Lyffaner 
gewesen, der sich den Terranern zur Rettung seiner 
Heimatwelt zur Verfügung gestellt hatte. 

»Meine Freunde«, sagte Hurd in seiner Regie-

rungserklärung, »eine schwere Krise liegt hinter 
uns, wohl die schwerste, an die wir Lyffaner uns 
erinnern. Aber eine weit größere Krise steht uns 
bevor. Unbekannte, noch namenlose Invasoren 

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177 

schicken sich in diesem Augenblick an, durch ster-
nenferne Räume zu unserem Planeten vorzustoßen. 
Ich spreche für euch alle, wenn ich im Namen der 
Großen Mutter gelobe, daß wir alles in unseren 
Kräften stehende tun werden, um dieser Gefahr 
wirksam zu begegnen. Sie ist zwar namenlos, aber 
kein Geheimnis mehr, und einen Gegner, den man 
kennt, kann man auch überwinden. Und wir stehen 
nicht allein. Terra ist mit uns, die Heimat unserer 
Freunde, die uns rechtzeitig gewarnt und aufgerüt-
telt haben. Terra und die Föderation, der wir bald 
angehören werden. Die Vergangenheit liegt weit 
hinter uns. Die Zukunft hat begonnen, eine ruhm-
reiche Zukunft für Lyff. Wir werden in die ge-
heimnisvollen Weiten des Alls vorstoßen, mit an-
deren Wesen Verbindung aufnehmen, lernen und 
lehren, denn auch wir haben unseren Freunden et-
was zu geben. Im Geheimen Namen unserer Gro-
ßen Mutter 
verspreche ich, daß wir euch in eine 
ruhmreiche, große Zukunft fuhren werden. Lyff 
den Lyffanern! Die Zukunft gehört uns!« 

Der Beifall wollte kein Ende nehmen. 
 

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178 

SIEBZEHNTES KAPITEL 

 

»Senator Walsh bittet um eine Unterredung, Sir.« 

»Gütiger Himmel«, murmelte Admiral Bellman, 

»schon wieder? Warum muß er mich bloß immer 
ausgerechnet am frühen Morgen stören?« 

Dann wandte er sich seufzend an seinen Adju-

tanten: »Führen Sie den Senator herein, Harry. Und 
bieten Sie ihm einen Drink an, vielleicht stimmt 
ihn das etwas freundlicher.« 

»Jawohl, Sir.« 
Der Adjutant verschwand und kehrte in Beglei-

tung von Senator Walsh zurück. 

»Edvalt«, begann der Senator anstelle einer Be-

grüßung, »wann haben Sie zuletzt von Ihrer groß-
artigen Sonderabteilung gehört?« 

»Fangen Sie schon wieder damit an? Sie sollten 

doch endlich einsehen, daß es sich dabei nur um 
eine Erfindung von Ihnen handelt. Es gibt keine – 
wie Sie es nennen – Sonderabteilung.« 

»Ich weiß, ich weiß. Wann sind denn die letzten 

Berichte eingegangen?« 

»Überhaupt nicht. Wenn es keine Sonderabtei-

lung gibt, kann es auch keine Berichte geben. Aber 
ich will Ihnen den Spaß nicht verderben und auf 
Ihr Hirngespinst eingehen – und kann Ihnen selbst 
dann nicht weiterhelfen. Strengste Geheimhaltung, 
wissen Sie? Ich erwarte erst im Laufe dieses Jahres 

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179 

irgendwann einmal die ersten Berichte.« 

»Sie stecken bis über den Hals in Schwierigkei-

ten.« 

»Daran bin ich gewöhnt. In Schwierigkeiten ste-

cke ich immer. Schließlich werde ich dafür bezahlt. 
Worum geht es denn diesmal?« 

»Vor knapp einem Jahr hat die konservative Par-

tei eine Expedition nach Lyff entsandt.« 

»Was hat die Partei gemacht?« 
»Ich sagte, wir haben eine Expedition nach Lyff 

geschickt und …« 

»Verdammt! Wie haben Ihre Leute nur heraus-

gefunden, daß es sich um Lyff handelt?« 

»Sind Sie mir also doch auf den Leim gegan-

gen? Ein Hirngespinst, was? Aber um Ihre Frage 
zu beantworten: Wir haben Mittel und Wege, um 
zu erreichen, was wir wollen.« 

»Als ob ich das nicht wüßte. Berichten Sie mir 

von der Expedition.« 

»Sie bestand nur aus einem Schiff, Ed, mit fünf 

Mann Besatzung. Wichtig ist aber dies: Sie melde-
ten sich zum letzten Male unmittelbar vor der Lan-
dung. Seitdem haben wir nichts mehr von ihnen 
gehört.« 

Admiral Bellman seufzte. 
»Na, und?« 
»Unsere Leute sind auf Lyff in Schwierigkeiten 

geraten. Vielleicht sind sie sogar schon tot.« 

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180 

Bellman behielt seine stoische Ruhe. 
»Na, und?« 
Senator Walsh gingen die Nerven durch. 
»Ich möchte von Ihnen wissen, was Sie in der 

Angelegenheit zu unternehmen gedenken!« brüllte 
er. 

»Was ich zu unternehmen gedenke? Wieso? Na-

türlich gar nichts. Warum sollte ich etwas unter-
nehmen?« 

»Diese fünf Männer sind Bürger der Föderation, 

Bellman. Wenn sie in Schwierigkeiten geraten sein 
sollten, wäre es Ihre Aufgabe, ihnen zu helfen.« 

»Nein, da irren Sie sich, Emsley, da irren Sie 

sich aber gewaltig. Diese fünf Männer sind Geset-
zesbrecher. Ich fühle mich ihnen gegenüber zu 
keiner Hilfeleistung verpflichtet. Warum wenden 
Sie sich nicht an die Polizei?« 

»Was soll das heißen, ›Gesetzesbrecher‹?« Der 

Senator kochte vor Wut. 

»Beruhigen Sie sich. Ein Mann Ihres Alters soll-

te sich nicht so aufregen. Das ist gefährlich.« 

»Ich bin erst einundneunzig Jahre alt, verdammt 

noch mal! Das bedeutet, daß ich noch mindestens 
dreißig Jahre vor mir habe. Und ich kann mich auf-
regen, soviel ich will. Also, was meinen Sie damit, 
wenn Sie meine Leute Gesetzesbrecher nennen?« 

»Sie sagten, die Leute seien auf Lyff gelandet. 

Da Lyff immer noch unter Quarantäne steht, be-

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181 

deutet das, daß diese Männer sich einer Kontakt-
verletzung schuldig gemacht haben. Falls sie in 
Schwierigkeiten geraten sein sollten, ist das also 
ganz allein ihre eigene Angelegenheit. Niemand 
darf von der Flotte erwarten, daß wir unsere Streit-
kräfte in der ganzen Milchstraße verzetteln, um 
hier und dort Leuten aus der Patsche zu helfen, die 
auf fremden Planeten herumstöbern. Nein, grund-
sätzlich nicht, und in einer unruhigen Zeit wie jetzt 
schon gar nicht. Wenden Sie sich ruhig an die Po-
lizei.« 

»Aber … aber …« Der alte Mann war vor Zorn 

sprachlos. Er sprang auf und stürmte im Büro hin 
und her wie ein gefangenes Tier in seinem Käfig. 
Schließlich blieb er stehen, ballte die Fäuste, schüt-
telte sich und schrie: »Jetzt ist es aber genug! Kon-
taktverletzung! Sie haben es gerade nötig, mir 
Kontaktverletzung vorzuwerfen. Damit kommen 
Sie mir nicht davon, Bellman! Ich warne Sie!« 

Mit diesen Worten stürmte er durch die Tür und 

war verschwunden. 

»Erstaunlich flink auf den Beinen für seine Jah-

re«, grinste Bellman. Seit langem hatte er sich 
nicht so wohl gefühlt wie in diesem Augenblick. 

Immer noch lächelnd zog Bellman hinter einem 

Stapel Akten ein kleines Buch hervor, in dem er vor 
dem Eintreffen des Senators gelesen hatte. Es han-
delte sich um eine Broschüre von sechzig Seiten 

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182 

Umfang. Sie trug den Titel: Sonderabteilung L-2 – 
Erster Zwischenbericht.
 

Bellman blätterte vergnügt bis zu der Stelle, wo 

die Gefangennahme der Konservativen geschildert 
wurde, die sich als ein von der Partei entsandter 
Untersuchungsausschuß aufgespielt hatten … 

 

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183 

ACHTZEHNTES KAPITEL 

 

Unter dem Damoklesschwert der bevorstehenden 
Invasion und mit der Macht der terranischen Föde-
ration im Hintergrand entwickelten sich Technik 
und Wissenschaft auf Lyff mit atemberaubender 
Schnelligkeit. Beinahe über Nacht wurde aus der 
Gilde der Gilden ein gigantischer Industriekonzern. 
Bisher selbständig gewesene Werkstätten entwik-
kelten sich zu Industriezentren oder Forschungs-
stätten. 

Stück für Stück nahmen die Lyffaner das Raum-

schiff der Konservativen auseinander. Dann setzten 
sie es wieder zusammen. Zuvor aber bauten sie je-
des einzelne Stück nach. Dabei gelang ihnen sogar 
eine Reihe von Verbesserungen. Was schwierig 
nachzumachen war, schafften sie in sechs Mona-
ten. Was sich als nicht kopierbar erwies, weil die 
vorhandenen Mittel dazu noch nicht ausreichten, 
wurde durch eigene Erfindungen ersetzt. Dann be-
gannen sie, ein eigenes lyffanisches Raumschiff zu 
bauen. 

Neue Gilden schossen aus dem Boden, Alther-

gebrachtes mit Neuem verbindend. Zuerst formier-
te sich die Gilde der Ingenieure. Ihr folgten in kur-
zen Abständen die Gilde der Mathematiker, der 
Physiker und der Elektroniker, der Optiker und, 
merkwürdig genug, die Gilde der Schriftgelehrten. 

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184 

Die Zahl der Gilden aber wurde noch übertroffen 
durch die rasch aufblühenden wissenschaftlichen 
Akademien. 

Bald waren die lyffanischen Wissenschaftler 

soweit, daß sie die Arme Schwester, ein Planet des 
Systems, zu dem auch Lyff gehörte, mit Hilfe eines 
Laserstrahlradars kartographieren konnten. Eine 
andere Gruppe von Wissenschaftlern entwickelte 
einen Digital-Computer. Das erste Modell wog fast 
eine Tonne. Aber schon die zweite Ausführung 
wies nur noch das Gewicht von drei Pfund auf. 

Ganz Lyff schien in einer Art Schöpfungstaumel 

zu vergehen. Es gab keinen Bewohner des Plane-
ten, der nicht davon angesteckt wurde. 

»Ich kann immer noch nicht verstehen und be-

greifen«, sagte John eines Tages zu Hurd, »daß 
dein Volk es fertigbekommen hat, sich der neuen 
Situation so leicht anzupassen. Noch vor sechs Jah-
ren war Lyff ein landwirtschaftlich kaum genutzter 
Planet. Nirgends war eine bemerkenswerte techni-
sche Entwicklung. Nun sieh dir nur an, was daraus 
geworden ist. Das gesamte Volk scheint nur noch 
aus Technikern und Wissenschaftler zu bestehen. 
Wie war das möglich?« 

»Ich glaube, das habe ich vor sechs Jahren schon 

einmal erklärt.« 

»Dann muß ich damals deinen Worten nicht die 

genügende Aufmerksamkeit geschenkt haben. 

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185 

Wenn du es noch einmal wiederholen könntest?« 

»Gern. In dem Buch von Garth Gar-Muyen 

Garth, den unsere Große Mutter …« 

»Halt ein, mein Freund, halt ein! Theologie?« 
»Nicht ganz. Jedenfalls gab es in diesem Buch 

viele Kapitel, deren Bedeutung uns verborgen 
blieb, bis ihr Terraner bei uns auftauchtet. Ich den-
ke da ganz besonders an jene Stellen, deren Sinn 
uns so unverständlich war, daß wir meinten, es 
drehe sich um eine besondere Form der Ethik. Bis 
ihr kamt und uns die Elektrizität brachtet. Plötzlich 
bekam alles einen neuen und sehr bestimmten 
Sinn. Die besten Köpfe von ganz Lyff waren bis 
dahin nicht in der Lage gewesen, hinter das Ge-
heimnis dieser alten Aufzeichnungen zu kommen«. 

»Hurd, wo kann ich mir eine Ausgabe dieses 

Buches von Garth Gar-Muyen Garth beschaffen?« 

»Bei der Liebe unserer Mutter, warum fragst du 

nicht den Hohepriester danach?« 
 

 
General Garth wurde zum Kommandeur der noch 
nicht existierenden Raumflotte ernannt. Sofort be-
gann er damit, Besatzungen für die Schiffe auszu-
bilden und sie auf den Gebrauch von Waffen vor-
zubereiten, die erst noch erfunden werden mußten. 

»Wenn wir auf die mutterverdammten Ingenieu-

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186 

re warten, bis sie uns unsere Raumschiffe gebaut 
haben«, erklärte er, »haben wir keine Zeit mehr, 
die Besatzungen auszubilden. Auf dem von mir 
eingeschlagenen Wege wird es vielleicht gelingen, 
im Moment der Fertigstellung der ersten Schiffe 
auch genügend geschulte Mannschaften für die Be-
satzungen bereit zu haben.« 

Die Lyffaner erwiesen sich als besonders begabt 

in der Erfindung und Herstellung neuer Waffen al-
ler Art. Innerhalb eines Jahres waren alle Waffen 
veraltet, die John Harlen einst für die Volksarmee 
geschaffen hatte. Das gleiche galt für die Bewaff-
nungen, die von der Gilde der Gilden und dem 
Rest der Sonderabteilung für die Armee des Kö-
nigs erdacht worden waren. Die Männer, welche 
die Oberfläche des Planeten Arme Schwester mit 
Hilfe eines Laserstrahlradars aufgezeichnet hatten, 
benutzten den gleichen Laserstrahl später, um die-
sen Kleinplaneten bei einem Experiment zu einer 
formlosen Masse zusammenzuschmelzen. 

Antigravitation, der alte und bisher vergeblich 

geträumte Traum der Menschheit – hier auf Lyff 
wurde er Wirklichkeit. Damit wurde nicht nur eine 
völlig neue Entwicklung der Raumfahrt eingeleitet, 
sondern auch das Waffenarsenal der Lyffaner um 
eine neue schlagkräftige Waffe erweitert. 

Auf der Grundlage einiger bisher kaum ver-

ständlicher Andeutungen in dem Buch von Garth 

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187 

Gar-Muyen Garth entwickelte die Gilde der Elek-
troniker eine Reihe sogenannter »Phasengeschüt-
ze«. Die Erfinder hatten gehofft, damit Materie in 
Energie verwandeln zu können. Statt dessen wan-
delten die Phasengeschütze Energie in Materie um. 
Enttäuscht gaben die Elektroniker ihrer Erfindung 
den Namen »Gerät zur Wirkungsbehinderung«. 
Danach griffen sie das Problem von einem anderen 
Punkt her an. Es dauerte ein weiteres Jahr, bis ein 
Wissenschaftler herausfand, daß dieses »Gerät« 
dazu umgebaut werden konnte, jede Art von Ener-
gie in fast jede Art von Materie umzuwandeln. 

 

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188 

NEUNZEHNTES KAPITEL 

 

Das Erkundungsschiff schien ein Eigenleben ange-
nommen zu haben. Es manövrierte nicht mehr 
normal. Einmal raste es mit Höchstgeschwindig-
keit dahin. Gleich darauf verhielt es bewegungslos. 
Manchmal schien es in sich selbst zu beben, als 
wolle es auseinanderbrechen. 

Das Schiff war die Vorhut einer Flotte der 

Fremden. Seine Besatzung bestand nicht aus Men-
schen oder menschenähnlichen Wesen. Sie waren 
so fremd, daß die bekannte Sprache keine Worte 
hatte, sie auch nur annähernd zu beschreiben. Und 
sie waren Wanderer zwischen den Sternen – auf 
der Suche nach einer neuen Heimat. Ihr Weg durch 
die Galaxis war ein Weg des Grauens. Bar jeden 
Gefühls, nur von einem kalten Intellekt beherrscht, 
der sie rastlos vorwärtstrieb, vernichteten sie in ih-
rer unfaßbaren Verstandeskälte alles, was ihnen auf 
ihrer Wanderung begegnete und nicht als neue 
Heimat in Betracht kam, eine Heimat, die sie noch 
nicht gefunden hatten. Sie ließen ein Chaos zurück: 
verbrannte und verwüstete Planeten, vernichtete 
Kulturen, Tod und Verderben. 

Und es schien niemanden zu geben, der ihnen 

Einhalt zu bieten vermochte. 

Das fremde Raumschiff zog seine Bahn, auf der 

Suche nach dem nächstgelegenen Planeten, um 

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189 

dort die Ursache der Störung feststellen und das 
Schiff überholen zu können. Und Lyff lag auf sei-
nem eingeschlagenen Kurs. 

Die Einwohner von Primylbos wurden in der 

Nacht von einem eigenartigen Geräusch geweckt. 
Die Atmosphäre wurde in sich selbst erschüttert 
und begann zu vibrieren. Am Himmel ließ sich ein 
schwaches Glimmen erkennen, das schnell heller 
und heller wurde, bis man vor dem harten Glanz 
die Augen schließen mußte. Es war das Letzte, was 
die achttausend Einwohner von Prymilbos zu se-
hen bekamen. 

Auch in Lyffdarg war das Geräusch zu hören. Es 

klang wie das Krachen eines aufflammenden Blit-
zes. Und anstelle der Morgendämmerung sahen die 
Lyffdarger ein klares, grelles Licht. Das Licht war 
so hell wie das einer plötzlich aufflammenden 
Sonne, die – einem Kometen gleich – quer über 
den Himmel zur fernen Küste flog. 

»Der Meteor muß eine ungeheure Größe haben«, 

meinte Ansgar Sorenstein. 

»Ich hoffe nur, es ist einer«, entgegnete John dü-

ster. Gleich darauf erhellte sich der Himmel. Wie 
ein Fächer liefen intensiv leuchtende Lichtstrahlen 
von Horizont zu Horizont. 

John begann leise zu zählen. Als die Schockwel-

le und der Donner vorüber waren, sagte er: »Das 
war neunhundert Wegstunden entfernt. Also könn-

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190 

te es Prymilbos getroffen haben. Kontrolliere doch 
mal, ob sich Prymilbos über das Radio meldet.« 

Ganz Lyffdarg erbebte unter dem fernen Ein-

schlag. Prymilbos meldete sich nicht. Über das Ra-
dio drangen nur dröhnende atmosphärische Stö-
rungen an Ansgar Sorensteins Ohr. 

Die Königliche Armee von Lyff, Nachfolgerin 

der Vereinigten Königs- und Volksarmee, entsand-
te sofort Streitkräfte nach Prymilbos. Sie verließen 
Lyffdarg drei Stunden später. Die Abteilungen wa-
ren jetzt mit modernsten Lastkraftwagen ausgerü-
stet. Auf diese Weise wurde die Stadt an der Küste 
am frühen Nachmittag erreicht. 

Nur – Prymilbos gab es nicht mehr. Wo einst die 

Stadt gelegen hatte, erstreckte sich jetzt ein riesi-
ger, von Rauch und Dampf erfüllter Krater. 

Jenseits des Kraters, immer wieder von Dampf 

und Rauch verdeckt, stand ein langes, schlankes 
Raumschiff. 

»Wenn auf Terra seit unserer Abreise nicht ganz 

neue Typen entwickelt wurden, haben wir es hier 
mit einer vollkommen fremden Bauart zu tun«, 
bemerkte Ansgar. 

Plötzlich gab es ein scharfes, knirschendes Ge-

räusch. Im nächsten Augenblick waren die vorde-
ren Reihen der anmarschierenden Truppen ver-
schwunden. Die übrigen Einheiten schwärmten so-
fort aus und suchten Deckung im Gehölz. Strahl-

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191 

techniker bemühten sich, ihr schweres Geschütz so 
rasch wie möglich in Stellung zu bringen. Aber-
mals zischte es hart und knirschend. Ein Dutzend 
Lastwagen verschwand. 

Danach blieb alles ruhig. Die Techniker arbeite-

ten schweigend und verbissen. Mit unendlicher 
Sorgfalt setzten sie ihre großen Lasergeräte zu-
sammen. 

Endlich war eines der Strahlengeschütze mon-

tiert. Immer noch mit äußerster Sorgfalt arbeitend, 
stellten die Techniker die Waffe auf das ferne 
Raumschiff ein und begannen zu feuern. 

Die Spitze des fremden Raumers wurde kirsch-

rot, dann weiß und löste sich schließlich in Dampf 
auf. 

Die Luft von Lyff, für die Fremden giftig und 

todbringend, drang in das fremde Raumschiff und 
wurde zu einer Welle der Vernichtung. Sie ver-
wandelte glänzendes Metall in stumpfes, von Rost 
angefressenes Material. In kürzester Zeit wurde das 
stolze Raumschiff zu einem Wrack. Die Fremden 
loderten in der sauerstoffhaltigen Atmosphäre zu 
hellgelben Flammen auf. Es gab keine Überleben-
den. 

Als die Lyffaner das Schiff erreichten, waren die 

stärksten chemischen Veränderungen bereits abge-
laufen. John überprüfte das fremde Metall auf Ra-
dioaktivität, fand nichts Beunruhigendes und ließ 

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192 

eine Abteilung seiner Leute das feindliche Schiff 
durchsuchen. 

Von den Fremden selbst war nichts mehr zu fin-

den. Die gesamte Ausrüstung des Schiffes war 
durch die feindliche Atmosphäre zerstört worden. 
Aber die Techniker von Lyff waren sicher, einiges 
davon rekonstruieren zu können, mochten die In-
strumente und Waffen auch noch so demoliert sein. 

Die Stunde der Entscheidung war gekommen. 
 

 
Admiral Bellman sah sich vor großen Schwierig-
keiten. Nach dem Eingang des Funkspruches von 
Lyff gab es für ihn keinen Zweifel mehr darüber, 
was zu tun war. Aber wie er seinen Plan durchfuh-
ren sollte, wußte er nicht. 

Der Admiral konnte nicht ein einziges Schiff 

nach Lyff entsenden, geschweige denn eine Arma-
da von Soldaten und Wissenschaftlern, die eigent-
lich sofort hätte in Marsch gesetzt werden müssen. 
Die Konservativen hätten sofort ihren Verdacht be-
stätigt gefunden. Wenn er aber ohne Einschaltung 
der Regierung handelte, drohte ihm ein sofortiger 
Prozeß vor dem Kriegsgericht. 

Plötzlich hatte Bellman eine Idee. Er wählte eine 

Nummer auf dem Visophon. Als das Gesicht sei-
nes Gesprächsteilnehmers auf dem Bildschirm er-

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193 

schien, sagte er: »Guten Morgen, Senator Walsh. 
Erinnern Sie sich noch unseres Gespräches über Ih-
re Freunde, die auf Lyff in Schwierigkeiten geraten 
sind? Nun, ich sehe eine Möglichkeit, wie wir sie 
retten könnten.« 

 

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194 

ZWANZIGSTES KAPITEL 

 

Das Erkundungsschiff der Fremden gab den letzten 
Anstoß, den die Wissenschaftler von Lyff ge-
braucht hatten. Das fremde Raumschiff war ein 
dankbares Forschungsobjekt und veranlaßte die 
Lyffaner, ihre Anstrengungen noch zu verstärken. 
Hinzu kam die Tatsache, daß die Fremden in blin-
der, sinnloser Zerstörungswut eine Stadt auf Lyff 
vernichtet hatten. Das alles zusammen rührte dazu, 
daß die Lyffaner innerhalb weniger Monate nicht 
nur ein Raumschiff, sondern eine kleine schlag-
kräftige Raumflotte besaßen. 

Die Terraner hatten den Überblick über den 

Fortgang der Entwicklung auf Lyff völlig verloren, 
bis die Gilde der Gilden sie zu einer Vorführung 
ihrer neuen Raumschiffe einlud. Damit und mit der 
Erprobung dieser Raumschiffe war die Umerzie-
hung und Ausbildung der Lyffaner abgeschlossen. 

»Unser Problem liegt zur Hauptsache darin, daß 

wir die richtige Wahl treffen müssen«, eröffnete 
Gelp Gar-Pandyen Teeltl, der Vorsitzende der Gil-
de der Physiker, den Terranern. »Wir haben eine 
Reihe von Antriebsmöglichkeiten für unsere Schif-
fe zur Verfügung. Aber wir wissen bis jetzt noch 
nicht, für welche wir uns endgültig entscheiden 
sollen. Der heutige Nachmittag soll uns zeigen, 
welcher Antrieb am besten geeignet ist.« 

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195 

Das war eine große Überraschung. Die Terraner 

hatten erwartet, daß die Lyffaner bis zum Raketen-
antrieb vorstoßen würden. Mit dieser Methode wa-
ren auch die ersten Erdbewohner in den Weltraum 
gelangt. Die Lyffaner von dem Problem der richti-
gen Wahl unter verschiedenen Antriebsmöglich-
keiten sprechen zu hören, klang in den Ohren der 
Terraner sehr befremdend. 

Ihre Überraschung wuchs, als sie den Raum-

flughafen erreichten. Sie hatten einen fest aufge-
bauten Vorführstand und allenfalls ein paar kleine 
Raketenschiffe erwartet. Stattdessen erwartete sie 
eine kleine Flotte von fünfundzwanzig silbern 
glänzenden Raumschiffen, alle etwas größer als die 
leichten Kreuzer der Föderationsflotte. 

»Jedes dieser Schiffe ist mit einem anderen An-

trieb ausgerüstet«, erklärte Teeltl, »einige von ih-
nen sind im Grunde genommen nichts anderes als 
Raketen. Aber wir haben uns mehr um die richtige 
Anwendung der Prinzipien von Anziehungs- und 
Fliehkraft bemüht. Ah, der erste Versuch hat be-
gonnen.« 

Das erste Schiff erhob sich langsam auf einer 

Säule blauer Flammen. 

»Der einfache Raketenantrieb kommt wahr-

scheinlich als endgültige Lösung nicht in Be-
tracht«, fuhr Teeltl fort. »Der Nutzeffekt ist zu ge-
ring. Die ganze Anordnung ist plump und weist ei-

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196 

ne zu geringe Reichweite auf. Wir sehen keinen 
Sinn darin, Riesenmengen von Antriebsstoffen zu 
verschwenden, um einen kümmerlichen Rest da-
von mit dem Schiff in den Raum zu heben. Trotz-
dem wollen wir das System noch einmal erproben. 
Vielleicht bietet es Vorteile, die wir bis jetzt noch 
nicht erkannt haben und die sich nicht voraussehen 
ließen. Ah, dort geht es weiter!« 

Eine zweite Rakete, diesmal mit roter Auspuff-

flamme, folgte dem ersten Schiff. 

»Wir experimentieren natürlich auch mit ver-

schiedenen Treibstoffen«, erklärte Teeltl weiter. 

Die Terraner waren wie vor den Kopf geschla-

gen. 

»Wie lange arbeitet ihr schon an der Lösung des 

Problems der Raumschiffahrt?« wollte Pindar 
Smith wissen. 

»Seit vier Jahren«, lautete die Antwort. »Wir 

kamen auf die Idee, als die Volksarmee damit be-
gann, Raketen im Gefecht einzusetzen. Es gab ei-
nige frühere Experimente mit Dynamit. Aber sie 
erwiesen sich durchweg als Fehlschläge. Wir ha-
ben daraus gelernt, daß Dynamit als Raketentreib-
stoff unbrauchbar ist.« 

Drei weitere Raketenschiffe zischten empor. Die 

Farbe der Antriebsstrahlen war bei jedem ver-
schieden. Nach einer Weile meldete das Kontroll-
zentrum, daß alle fünf Schiffe die vorausberechne-

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197 

ten Umlaufbahnen erreicht hatten. 

John Harlen fühlte sich bedrückt und niederge-

schlagen. Sicher, seine Arbeit war drei Jahre früher 
als geplant abgeschlossen worden. Dafür winkten 
ihm wahrscheinlich Belohnung und Beförderung. 
Aber er war innerlich noch nicht mit seiner Aufga-
be fertig. Die Pläne für drei weitere Jahre waren 
ausgearbeitet und konnten nun nicht mehr realisiert 
werden. 

Seine eigenen, für die Zukunft vorausberechne-

ten Pläne waren von der schnellen Entwicklung 
überrollt und veraltet. John fühlte sich leer und 
ausgepumpt. Außerdem kam er über eines nicht 
hinweg. Die Lyffaner waren in sieben Jahren wei-
ter fortgeschritten, als er sie nach seinen Plänen in-
nerhalb von zehn Jahren hatte bringen wollen. Und 
das meiste hatten sie aus eigener Kraft vollbracht. 
In der Entwicklung von Lyff hatte John genauge-
nommen nur eine untergeordnete Rolle gespielt. 
Dennoch sollte er mit seinen Männern von der 
Sonderabteilung das größte Lob dafür einstecken. 
Nein, John Harlen war keineswegs glücklich. 

Die weitere Vorführung war furchterweckend. 
»Das vorderste Schiff ganz rechts kommt jetzt 

zuerst an den Start«, verkündete Gelp Gar-Pandyen 
Teeltl. »Bitte, passen Sie genau auf.« 

Und wie sie aufpaßten! Wenn das Schiff allein 

von der Gewalt starrer Blicke hätte bewegt werden 

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198 

können, wäre es bestimmt ohne eigenen Antrieb in 
die Luft gegangen. Plötzlich verschwand es. Mit 
einem donnernden Geräusch schloß sich die Luft 
über der Stelle, wo es eben noch gestanden hatte. 

»Ganz hübsch«, murmelte Teeltl. 
Zehn weitere Schiffe verschwanden auf die glei-

che Weise, eins nach dem anderen. Zurück blieben 
nur aufgewühlte Luftmassen. 

»Interessant«, sagte John. Er hatte alle Mühe, 

seine Stimme in der Gewalt zu behalten. »Wie 
macht ihr das?« 

»Im Grunde genommen ist das ganz einfach«, 

erklärte der Wissenschaftler. »Die Idee stammt ei-
gentlich von der Gilde der Metallarbeiter. Gleich 
nach dem Krieg entwickelten sie, Mutter mag wis-
sen, wie, einen Gravitationsstrahler, um die schwe-
ren Platten für die Raumschiffkonstruktionen leich-
ter bewegen zu können. Wir wissen immer noch 
nicht, wie der Strahl eigentlich arbeitet. Aber durch 
eine Reihe von Versuchen haben wir immerhin he-
rausgefunden, was sich damit anfangen läßt. Einige 
der Schiffe, die gerade abgeflogen sind, haben sich 
mit statischen Zugstrahlen an fernen Sternen fest-
gehakt. Einige haben als Fixpunkt Mutters Auge 
benutzt. Diese Schiffe haben sich nicht bewegt, 
sondern Lyff flog unter ihnen davon. Bei den ande-
ren war der Bewegungsvorgang der gleiche, nur 
daß sie zogen, anstatt zu schieben. Da die Sterne so 

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199 

groß sind, daß sie sich nicht bewegen lassen, be-
wegen sich die Schiffe naturgemäß auf die Sterne 
zu. Es ist wirklich alles ganz einfach, wenn man 
einmal darüber nachdenkt.« 

»Ja, ganz einfach«, sagte Ansgar. »Welche Ge-

schwindigkeiten werden erreicht?« 

»Es gibt eine, allerdings nur theoretische Gren-

ze. Das ist die Geschwindigkeit, mit der sich der 
Strahl selbst bewegt, und entspricht ungefähr der 
Lichtgeschwindigkeit. Es besteht jedoch eine Mög-
lichkeit, daß wir diese Geschwindigkeit in abseh-
barer Zeit mit sich selbst multiplizieren können. 
Bis jetzt ist diese Entwicklung aber noch nicht ab-
geschlossen.« 

Der Test war auf fünf Tage angesetzt, etwa so 

lange, wie die für die Zurücklegung großer Entfer-
nungen konstruierten Gravitations-Schiffe brauch-
ten, um von ihrer langen Reise zurückzukehren. 
Aber John wartete das Ende der Vorführung nicht 
ab. Er hatte es sehr eilig, sich erneut dringend mit 
Terra in Verbindung zu setzen. 

 

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EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

Es paßte John Harlen absolut nicht, daß er an die-
sem Abend auch noch an einer gemeinsamen Sit-
zung der beiden Häuser des Parlaments im Tempel 
teilnehmen sollte. Aber er war dorthin befohlen 
worden. 

»Verdammter Unsinn«, knurrte er, während er 

seinen besten Anzug anzog. 

Ansgar Sorenstein und Pindar Smith, die eben-

falls erscheinen sollten, stimmten John zu. 

»Wahrscheinlich handelt es sich wieder nur um 

irgendeine religiöse Zeremonie«, vermutete Smith 
mürrisch. »Möchte nur wissen, was wir dabei sol-
len.« 

»Wir müssen hin, weil König Osgard es nun 

einmal so haben will«, fügte Sorenstein gleichfalls 
mürrisch hinzu. 

»In Ordnung«, sagte John, »aber warum hat er 

uns diesmal befohlen zu kommen und nicht nur um 
unser Erscheinen gebeten, wie es bisher doch im-
mer üblich gewesen ist?« 

Die gemeinsame Sitzung der beiden Häuser des 

Parlaments fand im Hauptgebäude des Tempels 
statt. Es war eine lange, hohe Halle, die wie eine 
gotische Kathedrale wirkte. Die Terraner trafen 
erst kurz vor Beginn ein. 

Der Tempel war farbenfreudig geschmückt. Rie-

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201 

sige safrangelbe und purpurne Banner hingen von 
den Deckenbalken herab. Goldbetreßte Lakaien 
bildeten Spalier. Dahinter standen die Parlamenta-
rier beider Häuser voller Respekt und Ehrerbie-
tung. Alle hatten ihre Festgewänder angelegt. 
Scharlach, Silber, Grün, Orange – eine verwirrende 
Farbenpracht. 

Am Ende des Mittelganges hing ein in Schwarz 

und Silber gewirkter Wandteppich von der Decke 
herab. Davor saßen zwei Männer auf einfachen 
Holzstühlen. Einer von ihnen war der Hoheprie-
ster. Er trug ein schimmerndes Gewand aus safran-
gelbem Stoff. Der andere war König Osgard, der 
einen ähnlichen Umhang in Purpur trug. Der König 
und der Hohepriester erhoben sich, als John, Ans-
gar, Pindar und General Garth nähertraten. 

Der Hohepriester hob segnend die Hände. Der 

Gesang verstummte. 

»M steht für die Menschheit, die SIE erschaffen 

hat«, intonierte er eine uralte Litanei. 

»U  steht für die Ursache allen Lebens, das SIE 

ist«, antwortete der Chor. 

Diese Litanei wurde, mit ständig neuen Bedeu-

tungen der einzelnen Buchstaben versehen, fünf-
mal auf das Wort »Mutter« gesungen. 

Hurd trat neben die völlig verwirrten Terraner. 

Er trug ein Staatsgewand in Scharlach und Grau. 
Mit lauter Stimme verkündete er: »Im verborgenen 

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202 

Namen unserer Großen Mutter, ich möchte spre-
chen.« 

»Im  verborgenen Namen unserer Großen Mut-

ter,  sprich, mein Sohn«, entgegnete der Hoheprie-
ster. 

»Getragen von der Autorität, die unsere Große 

Mutter  mir durch den Willen des Volkes und des 
Königs gegeben hat, möchte ich vier Kandidaten 
für Mutters Unsterbliche Dankbarkeit vorstellen.« 

»Sprich, mein Sohn, damit wir erkennen, ob die-

se vier Mutters Unsterbliche Dankbarkeit verdient 
haben.« 

Anstelle von Hurd antwortete jetzt der Chor. Er 

sang eine kunstvoll aufgesetzte Hymne über die 
Geschichte der Sonderabteilung L-2, über die ter-
ranische Föderation und die Niederlage des Komi-
tees. Nach der letzten Strophe berieten der Hohe-
priester und König Osgard kurz miteinander. Dann 
sangen sie unisono: 

»Laßt die Kandidaten vortreten!« 
Eine lange und komplizierte Zeremonie, in deren 

Mittelpunkt Gebete des Hohepriesters und weitere 
Hymnen des Chors standen, schloß sich an. 
Schließlich dekorierten König Osgard und der Ho-
hepriester gemeinsam .General Garth und die drei 
Terraner mit großen goldenen Orden, die an sa-
frangelben und roten Bändern um den Hals getra-
gen wurden. Das war der Orden von Mutters Un-

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203 

sterblicher Dankbarkeit. Der Chor stimmte einen 
Jubelgesang an. Unter Führung des Königs und des 
Hohepriesters verließ der festliche Zug den Tem-
pel. 

»Gratuliere!« rief Hurd, sobald sie wieder im 

Freien waren. 

»Vielen Dank«, antwortete John, »aber was hat 

das alles zu bedeuten? Warum und wozu dieser 
Orden?« 

»Mutters Unsterbliche Dankbarkeit! Aber John, 

das ist die höchste Ehrung, die Lyff zu vergeben 
hat. Ihr seid jetzt Nationalhelden! Eure Geburtstage 
werden zu offiziellen Feiertagen erklärt. Herzli-
chen Glückwunsch!« 

»Ja, danke.« 
Irgend etwas an der ganzen Zeremonie machte 

John Sorgen. Aber er konnte seine Bedenken nicht 
in Worte fassen. 

 

 
»Habt Ihr bereits die Prüfungsergebnisse vorlie-
gen?« fragte jemand den Hohepriester. 

»Ja«, lautete die Antwort. »Sie sind kurz vor der 

Ordenszeremonie im Tempel eingetroffen.« 

»Und?« 
»Das Resultat ist wie erwartet ausgefallen.« 
»Das bedeutet, wir können weitermachen?« 

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204 

»Ich denke wohl.« 
»Hm – seid Ihr wirklich glücklich und zufrieden 

mit allem?« 

»Natürlich bin ich das. Warum sollte ich nicht?« 
»Ich meine, kommen Euch niemals Zweifel?« 
»Selbstverständlich nicht. Ich weiß, daß alles 

rechtens ist. Verzeiht, daß ich aus der Schrift zitie-
re:  ›Und Mutter schaute herab auf ihre Kinder, 
wobei sie sagte: Ich wünschte nur, irgendwer 
brächte die Kleinen zur Vernunft.‹ 
Wollt Ihr etwa 
gegen die Weisheit eines Garth Gar-Muyen Garth 
ankämpfen?« 

»Nein, das wäre Mutterlästerung. Gut denn, 

wann beginnen wir?« 

»Zunächst müssen wir wohl abwarten, bis die 

Invasion abgewehrt ist. Ganz bestimmt wäre es 
sinnlos, wenn wir mitten in der Entwicklung durch 
die Invasoren gestört würden.« 

 

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205 

ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

»Jetzt sind wir schon seit einer Woche National-
helden, aber glücklich bin ich damit nicht«, sagte 
John zu seinem neuen Adjutanten, Tchornyo Gar-
Spolnyen Hiirlte. 

»Das begreife ich nicht«, entgegnete dieser. 

»Ganz Lyff ist stolz auf euch. Wie kann man dar-
über unglücklich sein?« 

»Wenn ich das wüßte, wäre ich wohl nicht un-

glücklich.« 

»Vielleicht habt ihr noch nicht ganz begriffen, 

was Mutters Unsterbliche Dankbarkeit bedeutet.« 

»Sicherlich nicht. Manchmal frage ich mich, ob 

ich überhaupt die volle Bedeutung der Vorgänge 
um mich herum begreife. Das Leben auf Lyff kann 
einen Terraner völlig durcheinanderbringen. « 

»Die Auszeichnung bedeutet, daß ihr zu den 

Auserwählten der Mutter  gehört. Für euch ist in 
Mutters Tröstungsort ein Sonderplatz reserviert. 
Das ist etwas, wofür jeder Lyffaner sein Leben 
hergeben würde. Ihr – und ebenso die neun oder 
zehn anderen Träger des Ordens von Mutters Un-
sterblicher Dankbarkeit 
– repräsentiert alles, was 
unsere Religion bedeutet. Unsere Mütter lehren ih-
re Kinder, euch nachzueifern. Unsere Priester ma-
chen euer Wirken zur Grundlage ihrer Predigten. 
Diese einfache Werkstatt wird zum Wallfahrtsort 

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206 

werden. Ihr hättet allen Grund, glücklich und zu-
frieden zu sein.« 

»Wie kann ich zu den Auserwählten der Großen 

Mutter gehören, wenn ich nicht glaube … oh!« 

»Was meint Ihr damit?« 
»Mir ist gerade aufgegangen, warum ich un-

glücklich bin. Ich habe nicht die Mutter  erwählt, 
sondern sie mich.« 

»Das ist richtig.« 
»Hm. Das bedeutet also, ich stehe unter dem 

Gesetz der Mutter, ganz gleich, ob es mir paßt oder 
nicht?« 

»Aber, so war es doch immer.« 
»Jedenfalls nicht in so spürbarer Form. Nicht 

wie jetzt. Am meisten Kummer aber macht mir die 
Tatsache, daß ich nicht einmal das Gesetz der Mut-
ter  
kenne. Wo habe ich nur das Buch von Garth 
Gar-Muyen Garth gelassen?« 

»Es liegt dort auf dem Tisch. Wartet, ich hole es 

Euch.« 

John brauchte zwölf Stunden, um das Buch zu 

verarbeiten. Das archaische Lyffanisch, in dem es 
geschrieben war, machte das Studium besonders 
schwer. 

Beim Lesen unterstrich John ganze Abschnitte. 

Darunter waren einige, die ihm durchaus zusagten. 
Zum Beispiel: »Alles ist möglich. Früher oder spä-
ter muß alles geschehen. Es ist unsere Pflicht, zu 

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207 

leben und soviel wie irgend möglich aus allem zu 
machen. Und alles ist möglich.
« 

In einem anderen Abschnitt, den John unter-

strich, hieß es: »Jede Tat ist entweder schöpferisch 
oder zerstörend. Ein Drittes gibt es nicht. Jeder 
schöpferische Akt ist ein Akt der Liebe. Zerstörung 
aber ist Furcht. Im schöpferischen Akt gibt man 
sich selbst hin. Das ist die Liebe. Zerstörung aber 
bedeutet das Ende. Daraus entsteht die Furcht. 
Und alles, was nicht Liebe ist, ist Furcht.
« 

Die meisten der Abschnitte, die John unterstrich, 

waren allerdings beunruhigend, wenn nicht sogar 
furchteinflößend. Auf alle Fälle gewann er beim 
Studium des Buches die Überzeugung, daß er volle 
sieben Jahre auf Lyff gelebt hatte, ohne den Plane-
ten und seine Bevölkerung auch nur im geringsten 
zu verstehen. 

Da stand zum Beispiel auch: »Es liegt in der Na-

tur der Liebe, daß sie sich verstärken muß, um so 
vielen wie möglich Trost zu spenden. Da Mutters 
Liebe allumfassend ist, sucht sie alle Kreaturen zu 
lieben, auch jene Wesen, die von ihrer Liebe nichts 
wissen wollen.
« 

Die Bedeutung dieser Worte beschäftigte John 

sehr. 

»Ich muß mit dem Hohepriester sprechen«, sagte 

er zu Tchornyo. 

Das Buch von Garth Gar-Muyen Garth mit den 

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208 

unterstrichenen Abschnitten nahm er mit. 

»Selbstverständlich, mein Sohn«, sagte der Ho-

hepriester. »Ich bin immer froh, wenn ich jeman-
dem Erläuterungen zu der Heiligen Schrift geben 
kann. Ganz besonders gern helfe ich natürlich ei-
nem Träger des Ordens von Mutters Unsterblicher 
Dankbarkeit.«
 

»Vielen Dank, Vater«, sagte John und öffnete 

das Buch von Garth. »Ich habe ein paar Stellen an-
gestrichen, die mir Schwierigkeiten bereiten. Hier 
ist eine.« 

»Ah, ja«, murmelte der Hohepriester, nachdem 

er einen Blick auf die aufgeschlagene Seite gewor-
fen hatte. »Die allumfassende Liebe und der 
Grundsatz, diese Liebe allen Kreaturen zu geben 
… Was soll daran unverständlich sein? Die Bedeu-
tung ist doch absolut klar.« 

»Die Bedeutung ist klar genug, Vater. Die 

Schlußfolgerungen daraus sind es, die mir Schwie-
rigkeiten machen.« 

»So?« 
»Ja. Die Stelle läßt nur den einen Schluß zu, daß 

die Liebe der Großen Mutter alles überwältigt. Das 
heißt, die Mutter zwingt ihre Liebe allem auf. Da-
bei ist es ihr gleichgültig, ob die von ihr Geliebten 
diese Liebe überhaupt empfangen wollen.« 

»Ja, das stimmt allerdings.« 
»Und wenn wir diesen Abschnitt betrachten: 

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209 

›Und Mutter schaute auf Ihre Kinder herab und 
sprach: Ich wünschte nur, daß irgendwer die Klei-
nen zur Vernunft brächtet, 
dann wird mir ange-
sichts der möglichen Schlußfolgerungen angst und 
bange. Diese Zeilen rechtfertigen doch einen 
Kreuzzug und jede Art religiöser Inquisition.« 

»Mein Sohn, habt Ihr jemals daran gedacht, 

Theologe zu werden?« 

»Nein, Vater, noch nie.« 
»Wie schade. Mutter  scheint Euch mit einem 

Talent dafür begnadet zu haben. Es ist wirklich 
jammerschade, daß so große .Gaben einfach brach-
liegen.« 

Ein paar Stunden später kehrte John nach Hause 

zurück. Alle seine Befürchtungen hatten sich als 
richtig erwiesen. 

 

 
»Bei  Mutters Haaren«, sagte  jemand  überrascht, 
als der Hohepriester eintrat. »Was macht Ihr hier 
um diese Tageszeit?« 

»Ich habe gerade mit John Gar-Terrayen Harlen 

gesprochen.« 

»Oh, ja, John. Ein begabter Mann.« 
»Etwas zu begabt. Ich habe ihm eine Ausgabe 

des Buches von Garth gegeben. Das war vor ein 
paar Wochen. Er hat es inzwischen gelesen und 

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210 

unser Ziel kennengelernt.« 

»Er weiß also, was wir vorhaben?« 
»Ja und nein, denn er weiß nicht, daß er das 

Große Ziel kennt. Er hat sich Gedanken über die 
möglichen Schlußfolgerungen aus gewissen Ab-
schnitten gemacht, mehr nicht.« 

»Dann weiß er also nicht, was wir vorhaben?« 
»Wieder nein und ja. Auf alle Fälle weiß er aber, 

warum wir es tun. Das ist fast genauso schlimm. 
Wir werden diese Terraner im Auge behalten müs-
sen. Eines Tages könnten sie gefährlich werden.« 

 

 
»Also, der Springer kann nur rechtwinklig, und 
zwar zwei Felder in der einen Richtung und ein 
Feld in der anderen geschoben werden. Verstehst 
du das?« 

Ansgar Sorenstein bemühte sich, Tchornyo das 

Schachspiel beizubringen. 

»Aber warum muß man ihn so komisch bewe-

gen?« 

Tchornyo war nicht gerade der aufgeweckteste 

Schüler, den Ansgar hatte finden können. 

»Bei der Nase unserer Mutter! Woher soll ich 

das wissen? Es ist eben so.« 

»Als Lehrer«, unterbrach John, »gibt unser Bru-

der Ansgar einen großartigen Rakanwächter ab.« 

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211 

»O nein«, widersprach Tchornyo. »Die Schwie-

rigkeit liegt bei mir. Ich bin eben manchmal etwas 
schwer von Begriff.« 

Das Gespräch wäre noch stundenlang so weiter-

gegangen, wenn nicht Pindar Smith geräuschvoll 
mit einer Botschaft hereingestürmt wäre, die das 
Schachspiel völlig vergessen ließ. 

»Nachricht von General Garth«, rief er aufge-

regt. 

»Hurra für General Garth«, spottete Ansgar. 

»Was hat er uns denn zu melden?« 

»Hier steht: Radar meldet Flotte im Anflug auf 

Lyff.« 

»Große Mutter«, entfuhr es John, »sie kommen 

also schon. Drei Jahre zu früh.« 

 

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212 

DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

Admiral Bellman erfreute sich einer ungewöhnlich 
ruhigen Stunde im Büro. Er schrak auf, als plötz-
lich sein Adjutant hereinstürzte. 

»Botschaft von Lyff!« 
Der Adjutant salutierte und legte das eingegan-

gene Schriftstück auf Bellmans Schreibtisch. Dann 
verschwand er geräuschlos. 

Als der Admiral den Zettel überflog, stöhnte er 

auf. »Mein Gott, es ist zu spät! Sie sind schon vor 
einer Woche abgeflogen!« 

Dann saß er lange da und starrte schweigend vor 

sich hin. 

Die Botschaft lautete: 
»Alle vorausgeschätzten Zeiten für das Projekt 

Lyff müssen revidiert werden. Flotte von minde-
stens fünfundzwanzig Schiffen besteht bereits. Er-
bitten Anweisung an alle, Lyff mit größter Vorsicht 
anzufliegen. Sendet Diplomaten, um Zulassung zur 
Föderation vorzubereiten. Karlen.«
 

 

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213 

VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

»Wir erreichen jetzt das Planetensystem um Lyff, 
Sir«, kam die Stimme des Navigators über das 
Bordtelefon. 

»Danke«, entgegnete Kommodore Bayle. Er 

drückte eine Taste. Das Summen des Bordtelefons 
verstummte. 

Obwohl man es ihm nicht ansah, war Kommo-

dore Bayle sehr besorgt. Zum ersten Male hatte 
man ihn vor eine größere Aufgabe gestellt. Noch 
nie zuvor hatte er einen Konvoi von zweihundert 
Raumschiffen geführt. Im Grunde seines pessimi-
stischen Herzens wußte Bayle, daß irgend etwas 
passieren würde. Dabei war die Aufgabe selbst 
recht einfach. Die Schlachtkreuzer sollten lediglich 
zwei Truppentransportern mit Wissenschaftlern 
Begleitschutz geben. Immerhin war noch niemals 
eine Flotte der Föderation von vergleichbarer Grö-
ße so weit in fremdes Gebiet vorgestoßen. Jeden 
Augenblick konnte es zur Feindberührung kom-
men. Die Gefährlichkeit der Expedition wurde 
noch dadurch unterstrichen, daß der einzige Zweck 
darin bestand, ein erbeutetes Feindschiff genau zu 
studieren. Kommodore Bayle hatte also genügend 
Gründe, sich Sorgen zu machen. 

Das Bordtelefon begann zu summen. 
Der Kommodore legte den Hebelschalter um 

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214 

und schnauzte: »Hier Bayle. Was ist los?« 

»Leutnant Ritch Hain, Sir, im Fernaufklärungs-

raum.« 

»Ja, Hain, was gibt es?« 
»Bericht von D-I, Sir. Drei- bis vierhundert 

Schiffe im Fernradarbereich.« 

Noch während er sprach, drückte Bayle ganz au-

tomatisch auf einen roten Knopf. Das bedeutete: 
Alarm für alle Schiffe. 

Ohne sich um das plötzliche Ertönen von Glok-

ken- und Alarmsignalen zu kümmern, fragte der 
Kommodore weiter: »Was für Raumer sind es 
denn? Läßt sich ihre Zugehörigkeit bereits ausma-
chen?« 

»Nein, Sir. Den Typ habe ich bisher noch nie 

gesehen.« 

Hain war diesem Unternehmen zugeteilt wor-

den, weil er vor sieben Jahren an Bord der Terran 
Beaver 
gewesen war, als es den Zusammenstoß mit 
jenem unbekannten Raumschiff gegeben hatte. 
Hätte er die nahende Flotte als feindlich bezeich-
net, würde Kommodore Bayle Feuerbefehl gege-
ben haben. Eine Schlacht wäre wenigstens etwas 
Handfestes gewesen, und nach dem Erfolg der Ter-
ran Beaver 
auch nichts, worüber er sich hätte Sor-
gen machen müssen. So aber wußte er nicht, woran 
er war. 

»Kommodore Bayle?« 

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215 

»Hain? Äh … wie groß ist die relative Ge-

schwindigkeit der anderen Flotte, Hain?« 

»Null eins drei c und gleichbleibend … nein, sie 

beginnen zu beschleunigen.« 

»Das bedeutet, wir sind entdeckt worden. An-

triebsart?« 

»Sieht so aus, als hätten sie überhaupt keinen 

Antrieb, Sir.« 

»Unsinn, Mann! Raumschiffe müssen nun mal 

irgendeine Form von Antrieb haben.« 

»Jawohl, Sir. Aber auf dem Bildschirm läßt sich 

nichts davon erkennen, Sir.« 

»Also etwas Neues, schätze ich. Hm! Vielen 

Dank, Hain. Ende.« 

Voller Sorgen eilte Kommodore Bayle in die 

Kommandozentrale. 

Eine Stunde später trafen die beiden Raum-

schiff-Flotten aufeinander. Die Schiffe der Födera-
tion schlossen zu einer fächerförmigen Schlacht-
ordnung auf. Alle Defensivwaffen waren voll akti-
viert. Die Angriffswaffen waren zum Gegenschlag 
bereit. Doch die andere Flotte hatte eine Schlacht-
ordnung eingenommen, die sich mathematisch 
nicht analysieren ließ. Das steigerte Kommodore 
Bayles Sorgen. 

Keine der beiden Seiten schien den ersten Schuß 

abfeuern zu wollen. Das Verteidigungssystem der 
Föderationsraumer war aber darauf eingestellt, den 

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216 

ersten Angriff abzufangen. Merkwürdig war auch, 
daß die fremde Flotte nicht auf die verschiedenen 
Funksignale reagierte. Das legte den Schluß nahe, 
daß man es erneut mit fremden Intelligenzen zu tun 
hatte. 

Die fremde Flotte änderte plötzlich den Kurs 

und schien vor den Schiffen der Föderation zu flie-
hen. 

»Sir, würden Sie sich das bitte einmal ansehen?« 
Der junge Radarmann sah genauso erstaunt 

drein wie Kommodore Bayle. 

Die fremden Schiffe waren in einer eigenartigen 

Formation aufmarschiert. Es waren Schriftzeichen, 
die sich aus den schlanken Körpern bildeten. 
»Willkommen auf Lyff«. 

 

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217 

FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

»… sobald wir euch auf den Radarschirmen aus-
machten, sahen wir natürlich sofort, daß wir Raum-
schiffe der Föderation vor uns hatten. Deshalb 
wollten wir euch eine kleine Überraschung berei-
ten.« 

Zwölf Stunden waren seit dem Zusammentreffen 

vergangen. Kommodore Bayle saß John Harlen in 
Lyffdarg gegenüber. 

»Noch ein paar von diesen kleinen Überra-

schungen, und ich drehe durch. Kleine Scherze mit 
einem Aufwand von dreihundert Raumschiffen 
sind für mich einfach zu viel. Und woher kommen 
diese Schiffe überhaupt? Ich dachte, wir flögen ei-
nen unterentwickelten Planeten an.« 

»Das war einmal. Die Lyffaner lernen schnell. 

Sie haben diese Flotte innerhalb von drei Jahren 
aus dem Nichts gestampft.« 

»Unglaublich!« 
»Dabei wissen Sie noch nicht einmal alles, 

Kommodore. Auch wir haben bis zum heutigen 
Vormittag nichts von der Existenz dieser Raum-
flotte geahnt. Die Lyffaner haben es fertigbekom-
men, alle diese Schiffe zu bauen, ohne daß wir es 
bemerkten.« 

»Warum diese Geheimniskrämerei?« 
»Es wurde nichts geheimgehalten. Wir haben 

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218 

einfach nicht gemerkt, daß sie es taten. Das lag 
daran, daß wir eine ganz andere Entwicklung er-
warteten. Wir glaubten, die Lyffaner würden die 
Entwicklung von primitiven Raketen bis zum tech-
nisch vollendeten Modell der jetzigen Raumkreu-
zer nicht so schnell vorantreiben können. Den jet-
zigen Stand der Dinge, diesen Sprung in der Evolu-
tion, haben wir nicht erwartet. Es war eben nicht 
vorauszusehen, daß die Bewohner dieses Planeten 
ganze Entwicklungsphasen einfach überspringen 
würden. Deshalb fiel uns nichts auf.« 

»Eine reichlich verwirrende Angelegenheit.« 
»Nicht wahr? Ich bin nur froh, daß die Lyffaner 

auf unserer Seite stehen.« 

 

 
Hurd Gar-Olnyn Saarlip war ebenfalls verwirrt. Er 
wußte nicht, wem er die Treue halten sollte. Bald, 
so hatte er erfahren, würde Lyff aufgefordert wer-
den, sich der terranischen Föderation anzuschlie-
ßen. Der Ministerpräsident mußte ohne Zweifel die 
Interessen seines Heimatplaneten wahrnehmen. 
Ihm fiel es zu, dafür zu sorgen, daß Lyff in der ter-
ranischen Föderation den Platz erhielt, der ihm ge-
bührte. Andererseits war er als einziger Lyffaner 
bereits ein Bürger dieser Föderation. Er erinnerte 
sich noch sehr genau des Tages, da er vor sieben 

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219 

Jahren vereidigt worden war. Ohne die Abgesand-
ten der terranischen Föderation wäre er auch heute 
wohl noch immer ein ganz gewöhnlicher Straßen-
dieb. Alles was er war, hatte er also der Föderation 
zu verdanken. Sogar sein gegenwärtiges Amt. 

Auf welche Seite sollte er sich nun stellen, wes-

sen Partei ergreifen, falls im Verlaufe der Verhand-
lungen ein Punkt auftauchen sollte, in dem die 
Meinungen der Lyffaner und der Vertreter der ter-
ranischen Föderation auseinandergingen? Oder gab 
es einen Weg, einem solchen Konflikt auszuwei-
chen? 

So intensiv er auch grübelte und nachdachte, 

Hurd konnte keine Lösung des Problems finden. 
Schließlich gab er es auf und fragte den Hoheprie-
ster um Rat. 

Und dieser zeigte ihm den Weg. 
 

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220 

SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

Einen vollen Monat lang blieben die Raumschiffe 
der Föderation auf Lyff. Die Besatzungen hatten 
Landurlaub und vergnügten sich, während die ter-
ranischen Wissenschaftler das erbeutete Raum-
schiff der Fremden untersuchten. Einige Offiziere 
wurden von den Lyffanern als Lehrer verpflichtet 
und unterrichteten in der Kunst der Raumkriegfüh-
rung. 

Im Stadtteil der Roten Lampen gab es einen 

wirtschaftlichen Aufschwung, wie man ihn in der 
Geschichte des Planeten noch nie erlebt hatte. Die 
Kleinen Schwestern wurden durch die ständigen 
Besuche der Terraner endlich so wohlhabend, daß 
sie ihre eigene Gilde gründen konnten. Binnen 
kurzem war Mutter Balnya die reichste Frau auf 
Lyff. 

Die Wissenschaftler der Föderation interessier-

ten sich jedoch besonders für das gänzlich unor-
thodoxe Antriebs- und Bewaffnungssystem, das 
die Lyffaner entwickelt hatten. 

»Diese Burschen sind uns in vielerlei Beziehung 

weit voraus«, erklärte Kommodore Bayle. »Mich 
würde es nicht wundem, wenn sie schon morgen 
einen Antrieb entwickelten, der ihren Raumschif-
fen Überlichtgeschwindigkeit geben würde. Es 
würde mich sogar nicht einmal überraschen, wenn 

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221 

ein solcher Antrieb bereits entwickelt ist und von 
den Lyffanern für irgend etwas anderes benutzt 
wird. Nur gut, daß sie unsere Verbündeten sind.« 

Einen Monat lang bot der Planet Einheimischen 

und Gästen ein idyllisches Leben. Nur hin und 
wieder kam es zu kleinen Zwischenfällen, die  im-
mer auftauchen, wenn gesunde junge Männer sich 
in einer neuen, fremdartigen Umgebung austoben. 
Ein paar Raumschiffer entweihten den Tempel, 
nachdem sie zu viel vom lyffanischen Wein ge-
trunken hatten. Andere gerieten in Schwierigkei-
ten, weil sie ehrbare Hausfrauen mit Kleinen 
Schwestern  
verwechselten. Es gab auch ein paar 
Reibereien und gelegentliche Schlägereien. Im all-
gemeinen aber kamen die Lyffaner und die Födera-
tionssoldaten gut miteinander aus. 

Gegen Ende des Monats traf ein Kurier von Ter-

ra ein. Er brachte die nötigen Dokumente, um John 
Harlen als Botschafter der Föderation auf Lyff zu 
bestätigen. 

 

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222 

SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

Die angreifende Raumflotte der Fremden war noch 
weit von Lyff entfernt, als sie vom lyffanischen 
Radarsystem bereits geortet wurde. 

»Diese Flotte umfaßt mindestens tausend Schif-

fe«, stellte Admiral Garth fest. 

»Tausend von ihnen gegen fünfhundert von 

uns«, entgegnete Kommodore Bayle. »Angesichts 
der Tatsache, daß wir drei Tage im voraus gewarnt 
wurden, ist das Verhältnis gar nicht mal so 
schlecht.« 

Die feindliche Flotte wirkte wie ein riesiger 

Heuschrecken-Schwarm.  Die ungeheure Zahl von 
Schiffen, die auf verhältnismäßig engem Raum 
manövrierte, verdunkelte zeitweilig den Bild-
schirm. 

In den ersten Stunden des dritten Tages erreichte 

die Vorhut des Feindes das lyffanische Verteidi-
gungssystem. Sie bestand aus etwa dreihundert 
Aufklärungsraumern, die dem Schiff glichen, das 
vor sieben Jahren von der Terran Beaver zerstört 
worden war. Auch das von der Volksarmee kurz 
vor dem Zusammenbruch des Komitees eroberte 
Schiff gehörte zum gleichen Typ. 

Ohne Zwischenfall kreuzten die Vorhuten die 

Umlaufbahn des Planeten Große Schwester. Of-
fenbar bemerkten sie nicht, daß hinter der Großen 

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223 

Schwester  hundert leichte Kreuzer verborgen la-
gen. 

Der nächste Planet auf dem Weg zu Mutters Au-

ge,  war die Kleine Schwester, ein unbewohnbares, 
zerschmolzenes Stück Felsen, auf dem fünfzig Zer-
störer der Föderation in Verteidigungsstellung war-
teten. Die Kleine Schwester lag direkt auf dem 
Kurs der Fremden. Anstatt auszuweichen, zerstör-
ten ihn die Kundschafterschiffe. Von der Kleinen 
Schwester  
und den fünfzig Zerstörern blieb nichts 
übrig als eine formlose, glühende Wolke, die der 
Feind, ohne die Geschwindigkeit zu verringern, 
durchstieß. 

»Mein Gott!« schrie Kommodore Bayle. »Diese 

Zerstörer waren ein Viertel meiner Flotte.« 

Admiral Garth nickte ernst. »Warum mußte die 

Kleine Schwester überhaupt zerstört werden?« 
fragte er. »Warum hat man den Planeten nicht ein-
fach umgangen? Was für Wesen mögen das sein?« 

Auf ihrem weiteren Vormarsch kreuzten die Pa-

trouillenschiffe die Umlaufbahnen von vier weite-
ren Planeten. Die Fremden zerstörten alles, was ih-
nen in den Weg kam. Beharrlich, wie vorgezeich-
net, blieben sie auf ihrem Kurs. Hinter ihnen folgte 
die Hauptmacht der feindlichen Flotte. 

Während die Hauptflotte in das Planetensystem 

einbrach, kreuzte die Vorhut bereits die Umlauf-
bahn der Armen Schwester – und geriet in eine 

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224 

Hölle der Vernichtung. Auf der Armen Schwester 
hatten die Lyffaner in aller Eile ihre Gravitations-
strahler installiert. Die Gravostrahlen leisteten gan-
ze Arbeit. Die Formation der Fremden wurde au-
seinandergerissen. Viele Schiffe kollidierten. 

Vierzig lyffanische Raumkreuzer setzten zum 

Angriff an. Sie waren mit den modernsten und 
schwersten Waffen ausgestattet. Unter ihrem Be-
schuß wurde die Antriebskraft der feindlichen 
Schiffe neutralisiert. Die Raumtorpedos der Föde-
rationsschiffe gaben den Fremden den Rest. Drei 
Stunden lang erstrahlte Lyff im Licht zweier Son-
nen. Neben Mutters Auge glänzte das Strahlenfeld 
der sich auflösenden Patrouillenschiffe. 

Die Hauptmacht der Fremden ließ sich dadurch 

jedoch nicht aufhalten. Ihre Flotte schoß an der 
Großen Schwester vorbei, mit unverminderter Ge-
schwindigkeit, auf vorgezeichnetem Kurs. 

Die Lyffaner und ihre terranischen Verbündeten 

gerieten ernstlich in Sorge, als sie nicht nur den 
ganzen Umfang der Feindflotte überblickten, son-
dern auch die Größe ihrer Schiffe erkannten. 

»Mein Gott, seht euch diese Monster an«, schrie 

Kommodore Bayle. »Und sie haben beinahe zwei-
tausend Einheiten davon.« 

Der Normaltyp der feindlichen Schiffe – zu de-

nen die Fahrzeuge der Vorausabteilung keineswegs 
gehört hatten – besaß eine Länge von rund andert-

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225 

halb Kilometern. Zahlreiche kastenförmige Anbau-
ten enthielten offenbar die Vernichtungswaffen der 
Fremden. Außer den Begleitfahrzeugen und den 
Kundschafterschiffen zeigte nicht ein einziges 
Fahrzeug der angreifenden Flotte auch nur im ent-
ferntesten so etwas wie eine Stromlinienform. 

»Eins steht fest«, überlegte John Harlen, »diese 

Schiffe sind nicht dafür konstruiert worden, auf ei-
nem Planeten zu landen. Jede Lufthülle würde sie 
in Stücke reißen. Wahrscheinlich würde auch die 
Schwerkraft eines Planeten zerstört werden. Ich 
frage mich nur …« 

Blitzartig kam ihm ein Gedanke. Er stürmte zur 

Kommandozentrale der lyffanischen Verteidigung. 

»Natürlich können wir das machen«, ließ sich 

der Kommandeur vernehmen. »Aber ich sehe nicht 
recht, wozu das gut sein soll.« 

»Versuchen wir es einfach.« 
Unterdessen hatte sich herausgestellt, daß der 

gesamte Schlachtplan der vereinigten Flotten der 
Föderation und der Streitkräfte von Lyff geändert 
werden mußte. Ursprünglich hatte man den ein-
dringenden Feind aus dem Hinterhalt angreifen 
wollen, sobald er die Große Schwester passiert hat-
te. Jetzt erkannte man, daß die vordersten Reihen 
der Fremden bereits Lyff erreicht haben würden, 
wenn die letzten Schiffe gerade die Umlaufbahn 
der Großen Schwester kreuzten. 

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226 

»Das schaffen wir nicht«, stöhnte Kommodore 

Bayle. »Sie sind einfach zu stark und zu groß. Sie 
… oh, was hat alles noch für einen Zweck? Wir 
können sie nicht besiegen.« 

»Wahrscheinlich haben Sie recht«, entgegnete 

Admiral Garth. »Aber wir wollen es wenigstens 
versuchen. Ich lasse jetzt angreifen.« 

Die Flotten der Verteidiger schwärmten aus ih-

ren Verstecken hervor. Die Schiffe feuerten aus al-
len Rohren. Aber die Feindflotte machte immer 
noch keine Anstalten, den Kurs oder die Ge-
schwindigkeit zu ändern. Sie beantwortete den An-
griff mit einem Sperrfeuer, das einen ganzen 
Raumabschnitt in eine Zone des Todes und der 
Vernichtung verwandelte. Während der ersten zehn 
Minuten des Gefechtes wurden auf beiden Seiten 
unübersehbar viele Schiffe zu neuen Sonnen. 

»Wenn es so weitergeht, ist unsere Flotte inner-

halb von dreißig Minuten aufgerieben«, fluchte 
Kommodore Bayle, »und wir brauchen mindestens 
drei Stunden, um unser Zerstörungswerk … aber, 
was zum Teufel, ist denn auf Lyff los?« 

Auf Lyff war John Harlens Idee in die Tat um-

gesetzt worden. Mit allen verfügbaren Druck-
strahlgeräten wurde von dem Planeten aus ein 
ständiger Strom metallischer Zylinder in den Raum 
gejagt. Sie alle explodierten, lange, bevor sie die 
feindliche Flotte erreichten. 

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227 

»Eine letzte verzweifelte Verteidigungsmaß-

nahme«, meinte Admiral Garth mit traurigem 
Stolz. »Lyff wird kämpfend untergehen. Mutter 
kann heute stolz sein auf ihre Kinder. Das Volk 
von Lyff wird … seht euch das an!« 

Die feindlichen Schiffe lösten sich auf, eines 

nach dem anderen. Strahlend gelbe Sonnen standen 
im Raum. 

»Es ist wie ein Wunder«, flüsterte Bayle. 
»Gelb ist die Lieblingsfarbe unserer Mutter«, er-

klärte Admiral Garth schlicht. 

 

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228 

ACHTUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

»Es war wirklich alles ganz einfach«, berichtete 
John am nächsten Tag. »Mir war aufgefallen, daß 
diese riesigen Fahrzeuge niemals dafür gebaut wa-
ren, in eine Atmosphäre einzutauchen. Ich erinner-
te mich auch an das, was geschehen war, als dem 
von uns eroberten Raumschiff die Spitze wegge-
schossen wurde, so daß die Atmosphäre eindringen 
konnte. Die Metallzylinder, von denen wir riesige 
Mengen emporschossen, waren ganz einfach mit 
komprimierter Luft gefüllt. An den Zylindern wa-
ren Granaten befestigt. Sobald diese explodierten, 
entwich den zylinderförmigen Geschossen eine 
Wolke reiner lyffanischer Luft. Als die Feindschif-
fe in diese Luftwolke eindrangen, oxydierten sie.« 

»Aber Sie konnten vorher nicht wissen, daß es 

klappen würde«, wandte Bayle ein. 

»Nein, aber ich hatte auch keinen Grund anzu-

nehmen, daß mein Plan nicht funktionieren würde. 
Da wir sowieso vor dem Untergang standen, konn-
te ein Versuch nicht schaden.« 

 

 
»Jetzt?« fragte jemand den Hohepriester. 

»Warum nicht? Jetzt wäre die beste Zeit dafür.« 
»Unmittelbar nach der Schlacht?« 

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229 

»Natürlich. Es ist, als wolle uns die Mutter per-

sönlich den Erfolg garantieren.« 

 

 
Die Siegesfeier dauerte fünf Tage und Nächte. Es 
gab lange religiöse Zeremonien und Prozessionen, 
eindrucksvolle Vorführungen durch die siegreichen 
Flotten, Galakonzerte mit alter und moderner Mu-
sik und dazu die unausbleiblichen Festbankette, bei 
denen sich alle Teilnehmer betranken. Auf den 
Straßen wurde ununterbrochen getanzt. Gelächter 
und ausgelassene Freude erfüllten alle Städte. 

Am Abend des fünften Tages sollten die Feiern 

mit einem großen Fest für die Soldaten der Födera-
tion ihren Höhepunkt erreichen. Als Schauplatz 
war das Amphitheater am Tempel vorgesehen. Je-
der nahm daran teil. Ein paar Raumsoldaten wur-
den zur Wache eingeteilt. Alle anderen strömten in 
das weite Oval des Theaters. 

Auf dem Höhepunkt des Festes erhob sich 

Kommodore Bayle zu einer Rede. 

»Wie ihr alle wißt«, begann er, »feiern wir den 

Sieg und zugleich unseren Abschied. Morgen 
nachmittag kehren wir nach Terra zurück.« 

Entsetzte Ausrufe wurden laut. 
»Unsere Mission ist vollendet – und mehr als 

das. Wir kamen, um ein erobertes Feindschiff zu 

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230 

untersuchen, und blieben, um eine ganze Flotte zu 
vernichten. Es ist wirklich an der Zeit, daß wir 
heimkehren.« 

Die letzte Ansprache hielt Ministerpräsident 

Hurd Gar-Olnyn Saarlip von Lyff. Es war die kür-
zeste Rede des ganzen Abends. 

»Ich darf Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache 

lenken«, sagte Hurd schlicht, »daß alle Balkone 
jetzt von der I. und II. Embrace von Mutters Gardi-
sten besetzt sind. Die IV. und V. Embrace  stehen 
an den Toren. Auf Befehl von König Osgard Gar-
Osgardnyen Osgard und im Verborgenen Namen 
unserer Mutter 
sind alle Terraner in Gewahrsam zu 
nehmen. Euch wird nichts geschehen. Aber jeder 
Widerstand ist zwecklos.« 

John Harlens Blicken ausweichend, verließ Hurd 

das Amphitheater. 

 

 
Die Wachen bei den Raumschiffen der Föderation 
waren nicht gerade bester Laune. Von dem Raum-
hafen vor der Stadt, auf dem die Flotte stand, konn-
te man die Lichter im Amphitheater sehen. Hin und 
wieder trieb ein Windstoß Geräuschfetzen des 
Freudenfestes herüber. 

»Warum löst man uns nach sechs Stunden nicht 

endlich ab?« wandte sich ein Soldat an den wach-

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231 

habenden Offizier, einen jungen Leutnant der Flot-
te. »Dann könnten wir wenigstens den Rest des Fe-
stes miterleben.« 

Der Leutnant zuckte mit den Schultern. 
»Und noch etwas«, fuhr der Soldat fort. »War-

um, zum Teufel, und gegen wen bewachen wir ei-
gentlich diese verdammten Schiffe?« 

»Mäßigen Sie sich!« Der Leutnant wurde dienst-

lich. »Wir bewachen unsere Schiffe auf Terra und 
auf Luna. Ich sehe keinen Grund, warum wir unse-
re Fahrzeuge nicht auch auf Lyff bewachen soll-
ten.« 

In diesem Augenblick wurde an die Tür ge-

klopft. Eine Gruppe Kleiner Schwestern stand 
draußen. 

»Ministerpräsident Hurd schickt uns herüber«, 

begann eine von ihnen. 

»… und wir möchten fragen, ob ihr vielleicht 

nette Gesellschaft sucht«, beendete ein zweites 
Mädchen atemlos den Satz. 

Einem Beobachter wäre aufgefallen, daß jeder 

Soldat nach Vollendung seiner Runde das Wachlo-
kal betrat, um dort Meldung zu machen. Aber es 
kam keiner mehr heraus. Die Geräusche im Wach-
lokal wurden immer lauter und fröhlicher. Nach 
einiger Zeit patrouillierten überhaupt keine Wach-
posten mehr um die Schiffe. 

Zehn Minuten, nachdem der letzte Soldat das 

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232 

Wachlokal betreten hatte, wurde noch einmal an 
die Tür geklopft. Draußen stand ein Mann in der 
Uniform eines Majors von Mutters Gardisten. 

»Das Gebäude ist von einer Embrace umstellt«, 

verkündete er. »Auf Befehl von König Osgard 
Gar-Gardnyen Osgard und im Verborgenen Namen 
unserer Großen Mutter 
werdet ihr alle in Gewahr-
sam genommen. Im Namen unserer Mutter erwarte 
ich von euch, daß ihr keine Schwierigkeiten macht. 
In diesem Falle wird euch nichts geschehen.« 

 

 
»Es war einzig und allein mein Fehler«, stöhnte 
John. Das Amphitheater lag nun in völliger Dun-
kelheit. Alle Festesfreude war vorüber. Mürrische 
Männer füllten die weiten Ränge. 

»Woher hättest du vorher wissen sollen, was ge-

schehen ist?« Ansgar Sorenstein gab sich alle Mü-
he, John Harlen aufzumuntern. Aber ohne Erfolg. 

»Ich habe es gewußt. Deshalb bin ich so wütend 

auf mich selbst. Es steht alles in dem Buch von 
Garth Gar-Muyen Garth. Ich habe es die ganze Zeit 
gewußt und nichts dagegen unternommen.« 

»Wovon, zum Teufel, sprichst du überhaupt?« 
»Von der Großen Mutter rede ich. Sie will alle 

ihre Kinder um sich versammeln und erwartet, daß 
irgendwer sie auf den richtigen Weg bringt. Die 

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233 

Kirche von Lyff will zum ›richtigen Glauben‹ be-
kehren! Wir sind die Opfer des ersten interstellaren 
Kreuzzuges geworden. Ich wußte es die ganze Zeit 
und habe es nicht erkannt!« 

 

 
Ehe die Flotte abflog, segnete der Hohepriester 
persönlich jedes einzelne Schiff. König Osgard 
fügte eine ernsthafte Ermahnung hinzu. 

»Ganz Lyff bewundert euch«, sagte er. »Genau-

er gesagt, ganz Lyff beneidet euch. Keiner ist unter 
uns, die wir hierbleiben müssen, der nicht alles da-
für hergeben würde, um mit euch ausziehen und 
das Wort Unserer Großen Mutter unter ihren Kin-
dern auf fernen Planeten verbreiten zu dürfen. 
Aber es ist Mutters Wille, daß wir hierbleiben. Un-
sere Aufgabe ist vollbracht. Ihr aber dürft auszie-
hen, um die Heiden zu bekehren und den Ort des 
Trostes  
wiederzugewinnen. So gehet denn und 
wisset, daß ganz Lyff euch in seine Gebete ein-
schließt.« 

Die Schiffe starteten. Es klang wie tausend Ge-

witter. 

 

 
»Ihr sollt wissen«, meinte König Osgard, der ge-

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234 

heimnisvolle  Jemand,  etwas später, »daß ich nie-
mals geglaubt habe, dies alles könnte Wirklichkeit 
werden.« 

»Ihr habt es aber sehr geschickt angefangen«, 

entgegnete der Hohepriester. 

»Es war alles Euer Werk, Vater. Ich hätte nie-

mals daran gedacht, eine Rebellion gegen mich an-
zustiften. Hätte ich entscheiden sollen, dann wäre 
der Kampf gegen den Adel geführt worden, nicht 
gegen mich selbst. Unsere Mutter  ist sicher sehr 
glücklich über Euer Werk.« 

Der Hohepriester lächelte. 
 

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235 

NEUNUNDZWANZIGSTES KAPITEL 

 

»Meldung von Lyff, Sir«, sagte der Adjutant. 

»Von Lyff? Unmöglich!« 
»Sir?« 
»Schon gut. Geben Sie her. Ich werde die Mel-

dung nachher lesen.« 

Bellman stopfte das Blatt Papier in die Jackenta-

sche und vergaß es. Später, am Abend, als er sich 
auszog, fiel dem Admiral die Meldung von Lyff 
wieder ein. Er zog das Blatt aus der Tasche und las 
es. 

»Was zum Teufel, soll das bedeuten?« fuhr er 

auf. 

Die Meldung besagte: 
»Seid brav, meine Kinder. Mutter kommt, um 

euch zu holen.« 

»Stimmt etwas nicht, mein Lieber?« fragte Mrs. 

Bellman. 

»Oh, nichts weiter. Da hat sich nur jemand einen 

schlechten Scherz erlaubt.« 

Doch als er am nächsten Morgen erwachte, war 

der Himmel voller Raumschiffe.