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Staf Bischoff

Wie man
erfolgreich Frauen
verführt

Carl Stephenson Verlag
Flensburg

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Das Titelfoto steht in keinem Zusammenhang

mit dem Inhalt dieses Buches

Dritte Auflage 1986 Erste
Auflage 1983

© Copyright by Carl Stephenson Verlag, Flensburg

Alle Rechte vorbehalten

Satzherstellung: Fotosatz Rolf Petersen, Harrislee
Umschlaglithographie: Nordklischee, Rendsburg
Gesamtherstellung: Horst Dieter Adler
Druck: WSOY, Porvoo, Finnland
Mitglied von Finnprint
Printed in Finland 1986

11012-4

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Inhalt

Von «Aufreißern» und «Anmachern»

7

Gelegenheit macht Liebe

19

Der Sprung über den eigenen Schatten

55

Wie man es richtig anfängt

87

Das erste Mal

131

Wege zur sexuellen Partnerschaft

173

Wenn die Liebe stirbt

229

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Von «Aufreißern» und «Anmachern»

Ich kenne einen nicht mehr ganz jungen Kunstmaler. Sein
Talent ist durchschnittlich, seine Erscheinung gewöhnlich
und eher bescheiden. Er besitzt keine Reichtü-mer, er wohnt
im Souterrain eines altersschwachen  Mietshauses, und
seine Autos kauft er immer aus vierter  oder fünfter Hand.
Aber er hat Glück in der Liebe. Die  Frauen laufen ihm
scharenweise nach. Wenn man ihm begegnet, man würde es
nicht für möglich halten. Er sieht weder besonders gut noch
besonders männlich aus. Mit seinen Zähnen steht es nicht
zum Besten, sein Haar lichtet sich bereits merklich, er ist
nicht groß und nicht kräftig, und mit Geist oder Witz vermag
er  nicht gerade zu brillieren. Auch von einer besonderen
Ausstrahlung kann keine Rede sein. Doch während andere
Männer, neben denen er kaum bestehen könnte,  sich oft
vergeblich ins Zeug legen, um Eindruck zu schinden - er kriegt
Frauen. Und er versteht es auch, sie zu  halten. Denn er ist
zärtlich. Er weiß, wonach eine richtige Eva sich sehnt.
Mehr als einen reichen Kavalier, mehr als einen eleganten
Beau, mehr als einen beruflich erfolgreichen Jobber wünscht
sich jedes Mädchen und jede Frau einen liebevollen,
einfühlsamen Mann. Er nämlich beweist ihr immer wieder,

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daß sie die hübscheste und anbetungswürdigste Göttin ist,
die jemals gelebt hat.  Männer, die sich in der Liebe für
erfolglos halten, sollten  wissen, daß alle Handlungen und
Gedanken einer alleinstehenden Frau darauf hinzielen, einen
Partner zu finden. Und wenn es nur halbwegs möglich ist,
dann soll es der richtige Partner fürs Leben sein. Aber nicht
nur die  Singles unter den Töchtern des Landes warten mit
kaum gezügelter Unruhe auf das erhoffte Liebesglück, auch
so manche brave und züchtige Gattin würde kurzweilige
Abwechslung im Ehebett oder anderswo freudig begrüßen.
Kenner der Materie behaupten sogar, daß die unbefriedigten
Ehefrauen gegenüber den einsamen Solistinnen in der
Mehrzahl seien. Der Geist ist willig, aber das  Fleisch ist
schwach und der eheliche Alltag arm an sexueller
Abwechslung. An potentiellen Partnerinnen  herrscht also
ganz gewiß kein Mangel. Trotzdem findet ein riesiges Heer
von kräftigen, gesunden und vor allem
unternehmungslustigen Männern keinen Anschluß. Was dem
lebenskundigen Kunstmaler so selbstverständlich erscheint,
sie bringen es einfach nicht  zustande. Dabei sind sie weder
dumm noch häßlich oder  lebensuntüchtig. Aber aus Angst,
etwas falsch zu machen, machen sie alles falsch und sich
obendrein auch  noch lächerlich. Denn das Lampenfieber
ist der größte 

Feind, der die Aufnahme

zwischengeschlechtlicher Beziehungen bedroht. Er verwirrt
den Verstand und lähmt die Zunge. Im Bett kann es sogar zu
zeitweiliger Liebesunfähigkeit führen. Aber so weit sind
wir noch nicht  Der Kunstmaler, ich will sein Inkognito
wahren und ihn  Rainer nennen, hat sich noch niemals
tiefschürfende Gedanken über sein Liebesleben gemacht. Er
kennt keine

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Prüfungsangst. Er nutzt die Gelegenheit, wo sie sich ihm
bietet. Und sie bietet sich ihm, wie er glaubwürdig erklärt,
beinahe überall. Man muß nur die Augen offenhalten.
Seine Devise lautet: «Ein Tag ohne Frau ist ein verlorener
Tag!»
Man muß die Dinge nur ganz natürlich und unver-
krampft angehen, sagt er bescheiden, dann stellt der Erfolg
sich beinahe von selbst ein. Und wenn es bei der  ersten
Herz-Dame nicht klappt, dann bestimmt bei der dritten
oder vierten.
Eine gelegentliche Abfuhr ist kein Beinbruch. Rainer verbucht
sie unter Lehrgeld, Jux oder Ulk. Immer aber bereichern
Kontakte, die nicht zustande kamen, die Erfahrung, die uns
schult und erfolgreicher werden läßt. Denn  nur die Übung
macht den Meister. Könner trainieren ihre Fähigkeiten, ein
freundliches, höfliches und dennoch unverbindliches Gespräch
anzufangen - bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Auf dem Wege zu einem für ihn ungemein wichtigen Termin
saß der Maler Rainer in der U-Bahn einer überaus hübschen
Blondine gegenüber, die bezaubernd schöne  Beine hatte.
Alle mitreisenden Männer verschlangen die  Kleine
buchstäblich mit den Augen. Aber nicht einer  wagte es,
sie anzusprechen, sosehr es sie alle auch juckte, und nicht
nur auf der Zunge. Das Mädchen trug einen Minirock, so
kurz, daß jedes Wort, ihn zu beschreiben, viel zu lang wäre.
Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen hatte die
Schönheit auf überflüssiges Strumpfzeug und Schuhwerk
verzichtet. Auf der glatten Haut ihrer geradegewachsenen
Beine schimmerten golden ein paar blonde Härchen. Die
nackten Füße steckten in leichten Sandalen, mit deren

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dünnen Riemchen die rotlackierten Zehen gelenkig spielten.
Rainer konnte nicht anders. Er beugte sich anerkennend  zu
der hübschen Blondine hinüber und sagte beeindruckt,
aber keineswegs besonders geistreich: «Himmel,  was tragen
Sie für aufregende Strümpfe!»  Da gab sie mit kokettem
Augenaufschlag lächelnd zurück: «Sie werden es nicht
glauben, aber von diesem  Stoff habe ich noch ein ganzes
Kleidchen!» Überflüssig zu sagen, daß beide später
zusammen aus-stiegen. Rainer ließ seinen wichtigen Termin
einfach platzen und widmete sich ganz dem Mädchen, das sich
nicht gegen seine Begleitung sträubte. Wie mir Rainer viel spä-
ter einmal erzählte, hat das bezaubernde Kind anschließend
für einige Wochen durch seine Anwesenheit nicht  nur
Rainers Wohnung verschönt, sondern auch sein Liebesleben
temperamentvoll bereichert.  Wie man sieht, wirken oftmals
kleine Worte schon Wunder. Sie brauchen keinesfalls von
verklärender Poesie  beflügelt zu sein. Von einem netten
Mann erwartet eine  Frau ohnehin keine tiefschürfenden
Aussprüche, welche  die Nachwelt einst ehrfürchtig in die
Sammlung der Zitate großer Dichter und Denker einreiht.
Denn in kaum einem von uns steckt ein verkanntes Genie.
Eva zieht den  sympathischen Jungen von nebenan
todsicher einem  hehren Olympier vor, sofern sie überhaupt
die Wahl hat.  Ich habe den Maler Rainer einmal auf einer
vornehmen und stocksteifen Party erlebt, wo es so kühl
zuging, daß man sich das Eis für die Cocktails getrost hätte
sparen können. Alle Anwesenden schienen eine starre
Maske aufgesetzt zu haben, hinter der sie ihr Gesicht und
ihre Gefühle routiniert verbargen. Die Konversation verlief

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im gewohnt verlogenen Rahmen der Etikette, und kein
befreiend natürliches Wort klang auf.  Irgendwann trat ich
gelangweilt mit dem halbvollen Glas  in der Hand auf die
Terrasse, wo sich einige Leute von  der Gesellschaft
abgesondert hatten. Die Gastgeberin, eine reife, aber noch
immer außerordentlich attraktive  Frau, saß neben Rainer
in der Hollywood-Schaukel. Sie legte in dem Augenblick, als
ich erschien, die Rechte besitzergreifend auf Rainers Knie
und sagte mit verräterisch geröteten Wangen: «Mein
Herr, Sie haben eine  schmutzige Phantasie. Aber das lieben
wir Frauen ja gerade so an euch Männern!»

Das Eis war gebrochen. Der Teufel mag wissen, mit welchen
gewagten Geschichten Rainer die Hausherrin unterhalten
hatte. Aber auf alle Fälle bin ich mir sicher, daß  er sich
niemals im Ton vergriff, so frivol seine Reden auch immer
sein mochten. Denn er besitzt ein Feeling  dafür, wie weit
ein Mann sich vorwagen darf, ohne eine  Dame zu verletzen.
Die Frauen wiederum schätzen wohldosierte Kühnheit mehr
als geistlose Mittelmäßigkeit. 

Männer mit

Fingerspitzengefühl kommen bei den  Frauen gut an. Wenn
eine Schöne zwischen einem sportlichen Muskelprotz, einem
oberflächlichen Schönling  und einem Mann mit diesem
sensitiven Gespür wählen  dürfte, sie würde in der
überwiegenden Mehrzahl aller  Fälle den feinfühligen
Kavalier vorziehen, weil er am  ehesten in der Lage ist, sich
auf ihre Wellenlänge einzustellen. Psychische Harmonie
jedoch ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für
gegenseitiges Verstehen - und mehr.
Mancher kluge Kopf macht sein Glück bei Frauen, indem er
ihr Vertrauen gewinnt und sie einfach erzählen läßt.

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Hat er erst einmal das richtige Thema getroffen - meist
schneidet es die Umworbene ohnehin ganz von selber an  -,
dann braucht er nur noch zuzuhören, und die unverstandene
Eva schüttet ihm ihr Herz aus. «Jede Frau hat das
übermächtige Bedürfnis, sich ihre  großen und kleinen
Probleme von der Seele zu reden»,  sagte mir einmal ein
erfolgreicher Don Juan. «Und weil sie nur selten auf offene
Ohren trifft, ist sie dankbar,  wenn sie einmal einen
geduldigen Partner findet, der ihre  Redeflut über sich ergehen
läßt und beiläufig immer wieder verständnisinnig nickt.
Hinterher wird sie erklären, daß sie sich mit ihm wunderbar
unterhalten hat.» Nicht wenige Männer sprechen jede Frau
an, die ihnen  über den Weg läuft und nur einigermaßen
passabel aussieht. Sie gehören zu der Kategorie der
Glücksritter, die  niemals allein bleiben. Denn mögen sie
auch viele Niederlagen einstecken müssen, mögen sie noch
so oft abgeblitzt werden, sie finden immer wieder ein
einsames  oder neugieriges oder liebebedürftiges Herz, das
sich ihnen öffnet. Ein Vertreter für Seifen und
Drogerieartikel, der Buch über seine erotischen Aktivitäten
führt, bekennt, daß sich von zehn angesprochenen Frauen
und Mädchen höchstens acht reserviert bis ablehnend verhal-
ten. Zwanzig Prozent sind einem improvisierten Abenteuer
nicht unbedingt abgeneigt. Dieser Mann, der allerdings über
ein sagenhaftes Mundwerk verfügt, versucht die Frauen
überall «aufzureißen».  Ob es die propere Kellnerin in der
Bierstube ist oder die  hübsche Verkäuferin im Warenhaus,
die aparte Boutique-Besitzerin oder das niedliche
Lehrfräulein in der Konditorei, die kecke Kassiererin im
Supermarkt oder  die tapfer lächelnde schöne Nachbarin im
Wartezimmer

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des Zahnarztes, er «macht» sie alle an. Er beginnt unbe-
schwert ein nichtssagendes Gespräch, und er kommt oh-
ne Umschweife nach drei oder fünf Minuten auf den Kern
der Sache. Denn die Zeit ist für ihn zu kostbar, als daß er
sie mit vagen Hoffnungen ausfüllen würde. «Man muß
die Weichen früh genug stellen, damit das  Mädchen
gleich weiß, wo es langgeht», sagt er unumwunden.
«Denn eine sofortige Absage tut nicht weh. Ärgerlich
wird es allerdings, wenn man viel Zeit und eventuell
auch noch Geld investiert, um erst nach Stunden oder
gar Tagen feststellen zu müssen, daß da doch nichts
läuft.»

Es liegt auf der Hand, daß dieser Casanova keine Partne-
rin sucht, sondern nur das schnelle Erlebnis, das ihn in
seiner Männlichkeit bestätigt. Vielleicht braucht er das,
um unterschwellige Minderwertigkeitskomplexe zu kom-
pensieren und sein Image aufzupolieren. Aber er be-
weist, daß man rasch zum Ziele kommen kann, wenn
man den Kontakt zum anderen Geschlecht nur konse-
quent genug sucht. Man muß ja nicht gleich mit der Tür
ins Haus fallen, so wie er es tut. Wieviele Abfuhren er
in seinem Leben bereits erhalten hat, das vermag er beim
besten Willen nicht mehr zu zählen. Aber nur ein
einziges Mal bekam er eine Ohrfeige, als er in einer
Drogerie Präservative kaufte und die schnuckelige
Drogistin fragte, ob man die Dinger nicht gleich nach
Feierabend zusammen ausprobieren könne. Doch nicht
etwa die Drogistin erteilte ihm den Backenstreich,
sondern ihr Mann, der alles vom Nebenraum aus  mit
angehört hatte.
Wer kennt nicht die lustige Geschichte von dem jungen
Mann, der auf der Straße ein appetitliches Mädchen an-

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sprach: «Verzeihen Sie, mein schönes Fräulein, ich bin
kein Freund vieler Worte. Also ja oder nein?» Worauf
die  Kleine ergeben mit den Schultern zuckte und
seufzte: «Meinetwegen. Sie haben mich überredet!» Ob
diese Story sich wirklich ereignet hat, weiß ich nicht.
Aber ähnliche Begebenheiten tragen sich öfter zu, als
man meinen sollte. Der Kunstmaler Rainer trifft den Na-
gel auf den Kopf, wenn er sagt: «Ich verstehe die ganze
Aufregung nicht. Schließlich hat doch jede Frau eine be-
stimmte Stelle am Körper, wo sie nicht weniger kitzelig
ist als ein Mann!»
Ein Berliner Taxifahrer pflegte seinen hübschen Kundin-
nen beim Aussteigen ein kleines Kärtchen in die Hand
zu  drücken, auf dem gedruckt zu lesen stand: «Rufen
Sie mich an, wenn Sie einmal einsam sind! Ich komme
sofort!» Es folgte seine Telefonnummer. Dieser
Schlaumeier wurde erstaunlich oft angerufen. «Ich
verstehe nicht, warum so viele Männer auf sechs
Richtige im Lotto warten», sinnierte er, als er mich
eines Abends durch die City kutschierte. «Man braucht
doch nur einen Richtigen, dann bekommt man Arbeit in
jedem Dorf!»

Die erfolgreichen Liebhaber sind keineswegs anziehen-
der oder begehrenswerter als ihre Geschlechtsgenossen,
die frustriert in die Röhre gucken. Aber sie haben ihnen
eines voraus: Sie sind aktiver! Und wenn sich ihnen
keine Gelegenheiten bieten, dann nehmen sie die Mühe
auf sich, sie zu suchen. Denn Frauen fallen einem
Manne nicht in den Schoß wie reife Pflaumen in einem
guten Obstjahr. Und wenn, dann sind sie meistens
madig. Gäbe es nicht das Ventil der Masturbation,
würden viel mehr Männer viel nachdrücklicher und viel
mutiger auf

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Brautschau gehen. Denn Not bricht nicht nur Eisen. Sie
macht auch erfinderisch. Und sie kennt weder Gebote
noch Verbote.

Zum Glück sind die Frauen unberechenbar. Niemals wird
man ihre Seele ergründen können. Weshalb schon Sigmund
Freud, der Vater der Psychoanalyse, resignierend erklären
mußte: «Nach dreißigjährigem Studium  der weiblichen
Psyche weiß ich noch immer keine Antwort auf die Frage,
was die Frauen eigentlich wollen.» 

Aus dieser

Unentschlossenheit und der Vielschichtigkeit  der Frauen
ziehen die «Aufreißer» und «Anmacher» ihren  Vorteil. Hier
wittern sie nicht zu Unrecht ihre Chance. Ein  Mädchen, das
heute rigoros ablehnt, kann sich durchaus  morgen dem
geduldig auf der Lauer liegenden Jäger willig und zu allem
bereit in die Arme werfen. Eine Frau, die noch gestern empört
allen Annäherungsversuchen widerstand, streift vielleicht
heute schon zusammen mit ihren Hemmungen auch das
Kleid ab.  Eine originelle, nicht alltägliche Masche dachte
sich ein  junger Studienreferendar aus, wenn er auf Pirsch
ging. Sah er eine Frau, die ihn über Gebühr reizte, dann riß
er  sich unauffällig einen Jackenknopf ab, trat mit erprobter
Schüchternheit auf die Auserwählte zu und appellierte  an
ihre weiblichen, mütterlichen Instinkte. Auf dem Wege zur
Vorstellung bei seinem künftigen Arbeitgeber sei  ihm, so
erklärte er ihr stotternd, der Knopf seines Sakkos
abgegangen. Ob sie ihm vielleicht aus der peinlichen
Verlegenheit helfen könne? Zum Glück hatte er «rein zufällig»
Nadel und Faden bei sich, für den Fall, daß die Schöne
sich mangels passenden Werkzeuges zu einer Rettung in
letzter Minute außerstande erklärte. So gut wie nie brachte
es eine Frau fertig, dem armen Jungen

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ihren hilfreichen Beistand zu versagen. In einem nahen
Cafe oder auf einer Parkbank wurde das Werk christlicher
Nächstenliebe vollzogen, und ehe die Dame sich  richtig
versah, saß man in trautem Gespräch zusammen.  Das
Schicksal konnte seinen Lauf nehmen.  Mutigere Männer
dürfen selbstverständlich auch den 

Knopf ihres

Hosenschlitzes abreißen und dann um Hilfe bitten. Die
Behebung dieses Malheurs schafft sogar eine  intimere
Atmosphäre und bringt das Paar einander  menschlich
ungemein näher. Außerdem muß man zu  diesem  Zwecke
ein stilles Kämmerlein aufsuchen, um die  Mitwelt nicht zu
falschen oder voreiligen Schlüssen zu  veranlassen, vor
allem dann, wenn die Helferin es nach Art vieler Hausfrauen
gewöhnt ist, den Faden nach vollbrachter Hilfeleistung mit
den Zähnen abzubeißen.  Doch Scherz beiseite! Manche
«Aufreißer» geben sich als  professionelle Fotografen aus, die
auf der Suche nach einem hübschen Modell sind. Ihre
Erfolge beweisen, daß  diese Tour, so abgedroschen sie
inzwischen auch sein  mag, nach wie vor den weiblichen
Verstand zu verwirren vermag. Sowohl das junge Mädchen als
auch die voll erblühte und erfahrene Frau fühlt sich allein
schon durch  das Interesse eines Experten ungemein
geschmeichelt. In solchen Fällen besiegt die Eitelkeit meist
das gesunde  Mißtrauen. Selbst als vorsichtig und
zurückhaltend bekannte Frauen gehen diesen aalglatten
Schmeichlern auf den Leim.
Vor einigen Jahren stand in Hamburg ein Fotograf vor
Gericht, der hin und wieder einmal ein Aktbild an eine Sex-
Zeitung verkaufen konnte. Er sprach die Frauen auf  der
Straße an, stellte sich unverblümt als «Akt-Fotograf»  oder
«Sex-Lichtbildner» vor und bat, einige hüllenlose

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Aufnahmen in seinem Studio machen zu dürfen. Innerhalb
von drei Monaten schleppte er weit mehr als vierhundert (!)
Damen der verschiedensten Gesellschaftsschichten in seine
Dachwohnung, wo sich die allermeisten ohne Widerspruch
auszogen und in den gewagtesten Posen ablichten ließen.
Nur wenige von ihnen lehnten es ab, zwischendurch mit dem
Burschen ins noch von  der Vorgängerin körperwarme Bett
zu schlüpfen. Und  wenn es auch keine Liebe war, so
glaubten sie doch,  durch leibliche Hingabe ihre Chancen -
der Satan mag wissen, welche Chancen sie sich erträumten - zu
vergrößern.
Der clevere «Knipser» wäre in der Gerichtsverhandlung
freigesprochen worden, wenn er nicht in mehreren Fällen
während eines unaufmerksamen Augenblickes größere
Geldbeträge aus den Handtaschen der willigen Mädchen
gestohlen hätte. Aber sicher brauchte er das  Moos. Denn
Farbfilme sind sehr teuer, wenn man sie am  laufenden Meter
verbraucht.
Unter den ausnahmslos bildhübschen «Opfern» des
Schlingels waren Stewardessen, Schülerinnen, Kranken-
schwestern, Verkäuferinnen, Angestellte, Studentinnen,
Hausfrauen und sogar eine frischgebackene Rechtsan-
wältin! Womit bewiesen ist, daß sich weibliche Leicht-
gläubigkeit nicht auf bestimmte Berufsgruppen oder soziale
Schichten beschränkt. Ein Hauch von Neugier oder
heimlicher Sehnsucht nach einem Abenteuer keimt eben  in
jeder Eva.
Einer der profiliertesten und bekanntesten Sex-Fotografen
Skandinaviens, Bert Milton, der sich der totalen und
kompromißlosen Erotik verschrieben hat, knüpft seine
ersten Kontakte grundsätzlich auf der Straße. Wenn ihm

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eine Frau gefällt, sagt er ihr einfach, was er von ihr will. Und
er läßt sie keine Sekunde lang im Zweifel darüber, daß er
nur brandheiße und messerscharfe Fotos schießt,  bei denen
es keine Tabus gibt. Er kann sich nicht erinnern, von einer
der Angesprochenen jemals einen Korb  bekommen zu
haben.
Milton ist allerdings eine dynamische Persönlichkeit, der  es
an sanfter und dennoch beredter Überzeugungskraft  nicht
mangelt. Er erzählt, daß es ihm keinerlei Mühe bereitet, eine
Frau dazu zu bringen, sich in seinem Atelier vor der Kamera
auszuziehen und die ungewöhnlichsten  Manipulationen zu
praktizieren. Schwieriger wird es lediglich, sie hinterher dazu
zu bewegen, sich wieder anzukleiden.
In jeder Frau steckt eine heimliche Exhibitionistin. Die
Männer sollten sich in gewissen Situationen dieser Bin-
senweisheit erinnern.

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Gelegenheit macht Liebe

Was nützen einem Manne Mut, Entschlossenheit, Charme
und Zärtlichkeit, wenn sich ihm keine Möglichkeit  bietet,
diese Vorzüge an ein erwartungsvolles Frauenherz zu
verschwenden? Es ist wie verhext. Sosehr er  auch
Ausschau hält, die Gelegenheiten, eine akzeptable  Frau
kennenzulernen, sind für den normalen Herrn der
Schöpfung verflixt dünn gesät. Besonders schlecht stehen
die Chancen gar an Feiertagen, wo die Menschen doch vor
Langeweile am liebsten aus der Haut fahren möchten.

Wenn an einem strahlenden Sommersonntag ungezählte
glückliche Familien und zärtliche Paare hinaus ins Grüne
fahren, dann fragt sich so mancher einsame Mann: «Wo
sind sie denn, die vielen alleinstehenden  Frauen und
Mädchen, die einen Partner suchen? Die  Welt soll doch
voll von ihnen sein!»  Tatsächlich leben allein in der
Bundesrepublik Deutschland mehr als 2,2 Millionen ledige
Frauen. Das ist ein  stattliches Angebot. Da müßte doch,
wenn es nicht mit dem Teufel zugeht, auch für ihn irgendwo
ein sympathisches Mauerblümchen blühen oder vielleicht
sogar eine  atemberaubende Orchidee.  Merkwürdigerweise
treten die an keinen festen Partner

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gebundenen Frauen feiertags nur paarweise auf oder in
Gruppen. Die Einzelgängerin sucht man zu solchen Zeiten
vergeblich in der Öffentlichkeit. Und wenn sie sich
wirklich zu kurzweiligem Zeitvertreib auf den Weg
macht, um der Einsamkeit zu entfliehen, dann umgibt sie sich
mit Leidensgenossinnen. Sie bilden Damenkränzchen, die -
in sich geschlossen - jede männliche Annäherung zu einem
selbstmörderischen Unterfangen werden lassen. Oft schließt
sich die ungebundene Eva auch  einer gemischten Clique an,
von der sie toleriert wird, ohne daß allerdings ein männliches
Exemplar aus dem Rudel Interesse an ihr bekundet, weil die
Vakanzen längst  vergeben sind. Daß sie sich und auch
einem möglichen 

Partner dadurch viele

unwiederbringliche Chancen in 

freier Wildbahn

verscherzt, scheint sie nicht einmal zu ahnen.
Allenfalls ältere Semester wagen sich abgeklärt und
furchtlos allein aus dem Hause, wohlwissend, daß ihr
graues oder weißes Haar ihnen hinreichenden Schutz  vor
männlichen Zudringlichkeiten bietet.  Es sieht so aus, als
schämten sich die jüngeren Frauen ihrer Einsamkeit, die sie in
den Mußestunden so erfolgreich zu tarnen versuchen.
Vermutlich fürchten sie, für ein beutehungriges Raubtier
gehalten zu werden, wenn sie allein  ein Cafe, ein Restaurant
oder gar eine Disco besuchen,  von Bars und
Nahkampfdielen ganz zu schweigen. Und  wenn sie keine
Möglichkeit finden, im Freundeskreis unterzutauchen und
Kontaktfreudigkeit vorzutäuschen, dann bleiben sie lieber
zu Hause, selbst auf die Gefahr  hin, daß ihnen die Decke
auf den Kopf fällt.  Feiertage sind schlechte Tage zum
Kennenlernen. Jeder Mann sollte das wissen. Mit der Arbeit
legen die Frauen

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auch ihre Ungezwungenheit nieder und ihre impulsiven
Emotionen. Beinahe möchte man glauben, daß sie sich von
einem Kavalier nicht ansprechen lassen wollen, um  den
Sonntag nicht zu entweihen. Anders läßt sich ihre
feierliche Zurückhaltung kaum erklären.  Damit will ich
jedoch keinesfalls behaupten, daß an Festtagen alle
männlichen Annäherungsversuche zum  Scheitern verurteilt
sind. Männer, die mit wachen Augen durch die Welt gehen,
werden sehr schnell die möglichen Zielobjekte erkennen und
ins Visier nehmen. Es gehört  allerdings einige Übung und
eine gute Beobachtungsgabe dazu - und selbstverständlich
ein Quentchen Menschenkenntnis.

Warum aber sind Frauen an Feiertagen so abweisend und
unansprechbar? Weil sie sich in ungewohnter Garderobe  an
ungewohnten Orten in ungewohnter Atmosphäre so
unsicher fühlen, daß einfach keine unternehmungslustige
Gelöstheit aufkommen kann. Wer die Woche über in
saloppen Slippern, angetan mit einer Leinenbluse und
verwaschenen Jeans, über der Schulter den Riemen einer
abgegriffenen Hirtentasche, durchs Leben geht, dem  wird es
einige Mühe bereiten, in hochhackigen Pumps  das
Gleichgewicht zu halten, sich das teure Jerseykostüm nicht
mit Eis zu bekleckern und die Krokotasche damenhaft in der
Armbeuge zu tragen. Unsicherheit macht  schüchtern und
verkrampft.
Den meisten Männern freilich geht es nicht viel anders.  Im
Alltag an lässige Freizeitkleidung gewöhnt, bieten sie  in
ihren tadellosen Staatsanzügen, denen man ansieht,  wie
sorgsam sie im Schrank gehütet werden, einen wahrhaft
jämmerlich unbeholfenen Anblick. Aufgeputzte
Pfingstochsen bewegen sich in ihrem Blumenschmuck

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anmutiger und natürlicher. Wer hat auf dem sogenannten
Tanzboden noch nie den eifrigen Jüngling belächelt, der sich
linkisch die Krawatte zurechtzieht, das Sakko pedantisch
zuknöpft und sich eventuell gar noch verstohlen  mit fünf
Fingern das Haar kämmt, ehe er eine Dame zum  Tanz
auffordert, mit einer hölzernen Verbeugung, deren  Steifheit
einem unbeteiligten Zuschauer das Wasser in  die Augen
treiben könnte?
Nein, bitte widersprechen Sie mir nicht! Wir alle sind so oder
ähnlich. Wie ein Professor der Kunstgeschichte einen Overall
oder den Drillich des Maurers niemals überzeugend
ausfüllen könnte, sollte ein Werktätiger der  Faust oder
der geschickten Hand nicht glauben, daß ihn  der neue
Maßanzug sogleich in einen perfekten Salonlöwen
verwandelt. Man muß schon ein wenig üben, ehe man sich
in einer ungewohnten Kluft mit ungezwungener
Selbstverständlichkeit zu bewegen vermag. Das betrifft alle
Menschen ohne Ausnahme. Selbst der begabteste
Schauspieler macht sich mit seiner Rolle vertraut, ehe  er sie
spielt.

Was für die Kleidung gilt, das gilt erst recht für den nicht
alltäglichen Rahmen der Umgebung. Das Parkett in feudalen
Hotels, noblen Bars oder erhabenen Museen ist  viel
glatter, als mancher Bursche es sich vorstellen kann.  Bevor
man solche Orte aufsucht, um eine Partnerin kennenzulernen,
muß man sich die notwendige Perfektion  anzueignen
versuchen. Jeder Mann sollte wissen, daß Unsicherheit sich
zu Lächerlichkeit steigert, sobald man sich in ihrem Schatten
zu riskanten Kühnheiten hinreißen läßt. Deshalb verzichtet
der kluge Gentleman im  Zweifelsfalle lieber darauf, eine
Schöne anzusprechen,  und begnügt sich mit der
beruhigenden Feststellung, daß

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ihm sicher ein Erfolg beschieden gewesen wäre, wenn er  es
wirklich versucht hätte.
Hotels sind ungeeignete Stätten, eine Frau zu finden, die
ernste Absichten hegt. Wer sich hier aufhält, der ist lediglich
für kurze Zeit abgestiegen. Er befindet sich auf der  Reise
oder verbringt höchstens seinen Urlaub in den  gastlichen
Mauern. Eine Bekanntschaft kann schon deshalb nur von
begrenzter Dauer sein. Und ob sich ein so flüchtiger Kontakt
später über zumeist große Entfernungen aufrechterhalten
oder gar noch vertiefen läßt, bleibt  höchst zweifelhaft. Ein
rasches Abenteuer erlebt man  hier sicherlich leicht. Einen
wirklichen Partner allerdings findet man nur selten.

Ein in Ehren ergrauter Hotelportier erzählt: «Ich stehe jetzt
schon seit 31 Jahren hinter dem Tresen im Foyer.  Aus
umfassender Erfahrung kann ich sagen, daß die meisten Paare,
die hier ins Bett steigen, sich bereits kennen,  ehe sie ein
Zimmer mieten. Sie kommen her, um ungestört zu sein. Daß
sich aber zwei Partner fürs Leben ausgerechnet im Hotel
begegnen, habe ich noch nie erlebt, obwohl ich meine Augen
offenhalte. Die einzige Ehe, die  in unserem Hause gestiftet
wurde, ist meine eigene. Allerdings heiratete ich nicht etwa
einen unserer weiblichen Gäste, sondern ein
Zimmermädchen, um das ich übrigens sehr lange werben
mußte.  Gewiß lernen sich hier viele Menschen flüchtig
kennen. 

Wenn Vertreter oder Tagungsteilnehmer

absteigen, 

dann ergeben sich schon einige

Berührungspunkte zwischen dem männlichen und dem
weiblichen Geschlecht.  Vor allem im Restaurant oder in der
Hotelbar. Nach Mitternacht beginnt das leise Huschen von
Zimmer zu Zimmer. Die Betten ächzen und quietschen dann
ganz schön.

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Am nächsten Morgen allerdings reisen Männlein und
Weiblein in verschiedene Richtungen ab, um sich niemals
wieder zu begegnen.
Häufiger geschieht es, daß sich Herren augenzwinkernd  bei
mir nach einschlägigen Adressen gefälliger Damen
erkundigen, wobei sie mit Trinkgeldern nicht gerade sparen.
Wer schon für einige Tage dem häuslichen Zwange
entflohen ist, der sucht eben eine Frau, bei der er auch
todsicher zum Schuß kommt. Bei Zufallsbekanntschaften im
Hotel aber bleibt es doch immer bis zum Schluß fraglich, ob
sich die Erwartungen der Männer am Ende auch erfüllen.
Ich weiß nur, daß Frauen, die mit einer Reisebekanntschaft
auf die schnelle ins Bett hüpfen, keine Partnerin  für die
Dauer sein können. Ein Mann müßte stets befürchten, daß
sie ihm bei nächster Gelegenheit Hörner  aufsetzen. Ein
Abenteuer, meinetwegen. Aber niemals  eine Bindung mit
einer solchen leichtfertigen Person.  Nein, da würde ich
dankend ablehnen.» Dieser Portier muß es wissen. Man
kann also im Hotel  mit etwas Glück vielleicht ein
Mädchen für schwache  Stunden finden. Eine Frau, die zu
verführen sich lohnen  würde, sucht man hier bestimmt
vergeblich. Wenn die  Oberflächlichkeit einer Beziehung
von vornherein ihren  Stempel aufdrückt, schreckt eine
charaktervolle Eva zumeist ernüchtert zurück. Es sei denn,
daß der sexuelle  Notstand sie alle angeborenen oder
anerzogenen Hemmungen vergessen läßt.
Männer, denen es nur um das Aufreißen einer willigen
Puppe geht, können demnach hin und wieder auf ihre
Kosten kommen. Meistens jedoch ist das nicht der Fall.
Erlebnisse solcher Art werden gelegentlich nur Berufs-

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reisenden zuteil, die in Hotels zu Hause sind und über ein
einschlägiges Repertoire von Methoden verfügen, welche sie
im Laufe der Zeit erfolgreich ausprobiert haben.  Die
meisten ernsthaften Partnerschaften, die im Hotel beginnen
und sich mit der Zeit sogar noch intensivieren, gehören in die
Traumwelt der Kinos und Romane - oder  in das Reich der
Phantasie.

Noch aussichtsloser als im Hotel ist für einen Mann der
Versuch, in einer Bar ein Mädchen seiner Blutgruppe
kennenzulernen. Frauen, die sich in einem Nachtlokal
ansprechen lassen und warmherziges Interesse bekunden,
sind ohne jeden Zweifel das Geld nicht wert, das sie  kosten.
Und sie kosten eine Stange Geld! Sie haben ohnehin nur die
Brieftasche des armen Burschen im Sinn,  der auf sie
hereinfällt. Sie verstehen es raffiniert, ihn innerhalb kürzester
Zeit zu einem Bettler zu machen, den sie nicht nur um seine
Barschaft gebracht haben, sondern auch noch um seine
Illusionen. Kein vernünftiger Mann wird doch wohl im Ernst
glauben, daß der schwarze Vamp oder das blonde Gift am
Bartresen ausgerechnet auf ihn gewartet hat! Die preis-
verdächtigen Schönheitsköniginnen der Nacht, die den
erwartungsvollen Gast schon bei seinem Eintreten
unauffällig abtaxieren, sind in menschlicher Hinsicht
überhaupt nicht an ihrer zufälligen Laufkundschaft interessiert.
Sie suchen lediglich das leicht verdiente Geld, ohne auch nur
zu einer halbwegs gleichwertigen Gegenleistung bereit zu
sein, auch wenn sie mit leeren Versprechungen noch so
schnell bei der Hand sind. Haben sie ihr  Opfer dann erst
einmal ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, verliert sich
ihr Interesse schlagartig, und sie  wenden sich mit
unschuldigem Augenaufschlag dem

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nächsten lohnenden Ziel zu. Der einsame Mann, der in einer
Bar Anschluß sucht, sollte besser gleich ins nächste  Eros-
Center gehen. Dort wird er zweifellos ehrlicher und  auch
preiswerter bedient. Er bekommt wenigstens etwas  für sein
Geld geboten.
Ein Barmixer plaudert nachsichtig lächelnd aus der
Schule: «Mir tun die Dummköpfe, die ahnungslos in unser
Etablissement hereinstolpern, beinahe leid. Denn sie  rennen
schnurstracks in ihr Unglück. Und noch ehe sie auf einem
Barhocker oder an einem der kleinen Tische Platz
genommen haben, ist ihr Schicksal bereits besiegelt.

Ganz selten, daß ein erfahrener Wolf, der nur seinen
Whisky oder Cognac trinken will, die welke Rose, die sich ihm
wiegend nähert, mit einer herrischen Handbewegung
davonjagt. Vor solchen Kavalieren müssen sich nicht nur
die Schönen der Nacht in acht nehmen, sondern auch der
Barmixer oder der Geschäftsführer. Denn der aufmerksame
Gast sieht uns streng auf die Finger  und wacht darüber,
daß die zum Schluß überreichte Rechnung korrekt ist.
Aber die anderen Schwachsinnigen, die einmal über ihren
eigenen Schatten zu springen versuchen, müssen ihr
Lehrgeld bezahlen. Hat sich ihnen eine Mieze an den Hals
geworfen, gibt es kein Entrinnen mehr. Und fängt  die
harmlose Fummelei erst einmal an, dann läßt die kleine
Schickse dem armen Schwein überhaupt keine Chance mehr.
Jeder Griff an die Titten oder ans Strumpfband  kostet,
umgerechnet in Drinks, ein kleines Vermögen.  Wenn sich
das Pärchen auf das abgeschabte Plüschsofa  im dunkelsten
Winkel unserer Kaschemme zurückzieht,  dann fließt der
billige Sekt, den wir als teuren Champa-

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gner ausschenken, buchstäblich in Strömen. Da kann der
unwissende Kunde ganz schnell einige Riesen loswerden,
ehe er begreift, was gespielt wird. Vor der ersten er-
nüchternden Zwischenrechnung muß die kleine Nutte,  und
die meisten der Barmädchen sind ja nichts anderes  als
Nutten ohne Format, das Schäfchen ins trockene gezogen
haben.
Ich wundere mich immer wieder, wie überzeugend die
raffinierten kleinen Luder den Kerlen Zärtlichkeit und
Willigkeit vorheucheln. Dazu gehört schon wahre Mei-
sterschaft. Aber noch mehr erstaunt es mich, daß
erwachsene Männer, die mitten im Leben stehen, auf diesen
Schmus überhaupt reinfallen. Sie sind empfänglich  für das
verlogenste Kompliment und freigebiger als Rok-kefeller. Sie
halten sich im Alkoholrausch für unwiderstehlich und
merken überhaupt nicht, daß sie sich zum  Gespött der
Flittchen und überhaupt des ganzen Personals machen.

Wir hatten hier mal ein Animiermädchen. Lissy nannte  sich
das ausgekochte Ding. In Wirklichkeit hieß sie allerdings
Elisabeth. Hübsch war sie aber trotzdem. Sogar
bildhübsch. Sie konnte die Männer um den Finger wik-keln.
Alle fraßen ihr aus der Hand. Ein Junggeselle war besonders
scharf auf sie. Er kam nur  ihretwegen immer wieder her und
wollte sie heiraten. Ein  halbes Jahr lang hat sie ihn an der
Nase herumgeführt  und ihm die Pfeife gehalten. Jedesmal
machte er eine Zeche, als wolle er den Schuppen kaufen.
Aber Lissy erlaubte ihm nur hin und wieder einen Kuß oder
einen Griff an die unaussprechlichen Mysterien. Mehr war
nicht drin.  Dafür kokettierte sie mit ihm auf Deibel-komm-
raus, daß er sich die größten Hoffnungen machte. Innerhalb
von

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sechs Monaten brachte er sein ganzes Erbe durch. Dann ging
ihm die Puste aus. Er war bettelarm geworden. Mein Chef
konnte sich aber einen zweiten Laden einrichten. Denn er hat
einen Reingewinn von 90 Prozent an allem, was über den
Tresen geschoben wird. Ich leistete mir einen Sportwagen.
Und die kleine Lissy kam auch  nicht gerade zu kurz. An
Lissys Junggesellen hatten wir uns alle gesundgestoßen. Wo
er abgeblieben ist, weiß ich leider nicht. Vielleicht wurde er
kuriert, aber um welchen Preis!

Die Lissy besaß das Talent, jeden Gast aufzureißen und
anzumachen. Geschlafen hat sie jedoch nur mit ihrem
Freund, einem minderjährigen Ladenschwengel, einem
Drogisten mit Pubertätspickeln im Gesicht, krummen
Beinen und Besenstielarmen. Sie stand halt auf ihn. Ver-
mutlich war sie ihm sogar hörig. Es gibt eben Mädchen, die
fahren auf einen unscheinbaren Typ ab.  Eine Freundin
kann kein Mann in einer Bar kennenlernen. Und wenn er es
wirklich fertigbringt, muß er schon  sagenhaftes Format
haben und die Katzen tüchtig rannehmen. Dann lassen sie
sich von ihm eventuell sogar auf den Strich schicken. Doch
wer will schon mit einer  Professionellen auf die Dauer
Tisch und Bett teilen?  Mich könnten Sie mit diesen
gefühllosen Nepp-Girls jagen. Ich würde sie höchstens mit
der Kneifzange anfassen. Nein, ein Mann sollte sich
woanders nach einem 

Frauchen umsehen. Im

Nachtgewerbe läuft für einen normalen Bengel überhaupt
nichts. Lassen Sie sich das von einem Experten sagen, der
das Milieu kennt wie kaum ein zweiter!»
In der Bar stehen die Chancen also auch ziemlich
schlecht, wenn nicht gar hoffnungslos. Vielleicht sollte

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der langsam resignierende Adam sein Glück im Museum
versuchen? Zur Kunst drängt es viele Jungfrauen wie auch
Frauen. Außerdem droht hier kein finanzielles Risiko, weil
Kultur allemal wohlfeil angeboten wird. Häufig  ist der
Eintritt sogar völlig kostenlos.  Aber stellt das Museum
wirklich eine ideale Begegnungsstätte dar? Bei näherer
Prüfung wird man diese Frage  verneinen müssen. Zwar
findet der sondierende Mann  hier nicht nur auf den
Gemälden alter und neuerer Meister weibliche Anmut im
Überfluß. Auch unter den Besucherinnen läßt sich so manche
schnuckelige Schönheit  entdecken, die ihre Blicke in
klassischer Nacktheit badet.  Doch wie spricht man sie an?
Abgesehen davon, daß in  den heiligen Hallen edler Kunst
laute Gespräche verpönt  und oft sogar verboten sind, der
profane Mensch seine  Worte also nur im Flüsterton zu
formulieren wagen darf, wird ein Mann wohl kaum Eindruck
auf eine Dame machen, wenn er sich vor einem Meisterwerk
artig zu seiner Nachbarin wendet und leise raunt: «Finden
Sie nicht  auch, daß Rembrandt einen frechen Pinsel
besaß?  Schauen Sie doch nur einmal, wie lüstern seine
Saskia den Blick schweifen läßt!»
Nein, das geht sicher nicht. Zur Kunstbetrachtung gehört
Kennerschaft. Und wer ist schon wirklich ein Experte?
Laien sollten lieber den Mund halten und die erlesenen
Kostbarkeiten schweigend genießen. So laufen sie nicht  gar
so leicht Gefahr, sich abgrundtief zu blamieren. Denn  wer
garantiert dafür, daß die Angesprochene kein profundes
Wissen auf dem Gebiet der Malerei oder Plastik  besitzt?
Nicht auszudenken, wenn sie ihren Anbeter mit  klugen
Reden und noch klügeren Fragen in die Enge  treibt. Ihr
Niveau läßt sich vorher nicht einmal flüchtig

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abschätzen und somit auch nicht annähernd das Ausmaß
einer eventuellen Blamage. Letzten Endes sind Frauen, die
ein Museum besuchen, darauf eingestellt, die Kunst passiv
zu genießen. Ganz  nach innen gerichtet, betrachten sie jede
Annäherung als  unziemliche Störung des erstrebten
seelischen Genusses  und reagieren dementsprechend.  Ein
Museumsdiener, der sich auskennt, bestätigt solche
Befürchtungen: «Im Museum herrscht eine so gedämpfte
Atmosphäre, daß ich bereits nach der zweiten Dienststunde
gegen die Müdigkeit ankämpfen muß. Alles schleicht auf
Zehenspitzen durch die Räume, kein lautes Wort ist zu hören.
Wer würde es hier noch wagen, unbeschwert eine Frau
anzusprechen? Bei uns geben sich die Besucher so reserviert
wie kaum an einem anderen Ort.  Und wenn sie sich vor
einem Gemälde im Wege stehen, dann entschuldigen sie sich
höchstens mit einer gepreßten Bitte um Verzeihung, die noch
förmlicher ist als in der Tanzstunde.
Kunstfreunde suchen bestimmt keine zwischenmenschlichen
Beziehungen im Museum. Und die Leute, die nur
herkommen, weil es draußen regnet, sind viel zu unsicher,
als daß sie es wagen würden, aus sich herauszugehen. Statt
dessen verweilen die Männer vor den weiblichen
Aktbildern, die Frauen dagegen halten sich verdächtig
lange mit verstohlenem Interesse vor den männlichen
Schönheiten der bildenden Kunst auf. Aber für aktiven Sex
ist im Museum meines Erachtens kein Platz.  Ich müßte es
sonst wissen.
Ein einziges Mal fand ich ein Pärchen in einem Nebenraum
vor den Werken von Canaletto und Guari. Die beiden hatten
keinen Blick für die Kunst übrig. Sie glaubten

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sich ungestört und fummelten recht locker miteinander.
Mein Kollege rief dummerweise die Polizei wegen groben
Unfugs und Erregung öffentlichen Ärgernisses, obwohl sich
doch niemand über sie geärgert hatte. Bei der  Vernehmung
stellte sich heraus, daß die zwei miteinander verlobt waren
und ein ruhiges Örtchen gesucht hatten. Ihre Bekanntschaft
verdankten also auch sie nicht dem Museum. Aphrodite als
Kupplerin? Nein, das gibt es wohl nicht.»
Es ist zum Verzweifeln. Sonn- und Feiertage eignen sich
nicht sonderlich für eine Kontaktaufnahme zum anderen
Geschlecht. Hotels, Bars oder Museen sind keine günstigen
Orte. Zweifellos bieten Kirchen oder Theater auch keine
besseren Möglichkeiten. Wer würde schon zwischen Messe
und Abendmahl das Gotteshaus - gelinde  gesagt -
entfremden? Das konnten sich höchstens die  Medici im
Florenz der Renaissance leisten. Aber die hatten ja auch zwei
Päpste in der Familie. Und im Theater ist die Hektik der viel
zu kurz bemessenen Pausen viel zu  groß, als daß man in
Ruhe einen taktisch klugen Angriff vorzubereiten vermag.
Außerdem, wer geht schon allein ins Schauspielhaus oder in
die Staatsoper? Eine Frau bestimmt nicht. Oder nur ganz
selten.  Langsam beginnen wir zu begreifen. An nicht
alltäglichen Orten oder zu nicht alltäglichen Zeiten lernt
man nur schwerlich eine Partnerin kennen. Die größten Chan-
cen bieten sich einem Manne in vertrauter Umgebung, in  der
er sich sicher fühlt, und an Tagen, denen keine besonders
festliche Prägung Würde verleiht.  Um einem Manne mit
gezielten Ratschlägen zu einer  Frau verhelfen zu können,
muß man zunächst wissen, wo er lebt. Großstädte bieten ganz
andere Möglichkeiten als

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mittlere Orte oder kleine Gemeinden, wobei es nicht nur auf
die soziologische Struktur des Gemeinwesens ankommt. In
einem winzigen Einöddorf, in dem einige hübsche Mädchen
engelsgeduldig auf einen Herz-Buben warten, während die
kräftigen Burschen im fernen Industrierevier ihr Geld
verdienen und auch wieder ausgeben, bieten sich selbst
einem Manne von unterdurchschnittlichen Qualitäten
unglaubliche Möglichkeiten. In 

einer verträumten

Gartenstadt hingegen, die fest in der  Hand steinalter
Rentner und betagter Witwen ist, wird  kaum ein Jüngling,
und mag er noch so viele Vorzüge besitzen, zum Zuge,
geschweige denn zum Schuß kommen, weil es an geeigneten
Objekten für seine Zielübungen  mangelt. Man muß die
Frauen eben immer dort suchen, wo sie wirklich sind.
Die Soziologen Klaus Eichner und Werner Habermehl,  die
das Sexualverhalten der Deutschen untersuchten  und im
RALF-Report die wichtigsten Ergebnisse ihrer  Analyse
zusammenstellten, geben auch Auskunft über  die
Umstände, unter denen sich die Ehepaare kennenlernen.
Danach werden ein Drittel aller Kontakte, die zu einer
dauerhaften Partnerschaft führen, beim Tanzen geknüpft.

Dicht dahinter folgt der Kreis von Freunden oder Be-
kannten, in dessen Bereich Mann und Frau zusammenfinden.
An dritter Stelle steht der Arbeitsplatz. Im Berufsleben
bieten sich also auch außerordentlich häufig Möglichkeiten,
die zu zwischengeschlechtlicher Zweisamkeit auf Dauer
führen. Den vierten Rang nehmen Hobbys und Interessen
ein,

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die in Vereinen oder auf Veranstaltungen gepflegt werden.
Auch hier sind die Chancen noch sehr gut, daß der
zündende Funke überspringt
Den Zufall, also das Kennenlernen durch Ansprechen  auf
der Straße beispielsweise, bezeichnen die Autoren  als
untypisch. Er vollbringt angeblich nur selten das, was  man
sich von ihm erhofft. Hier bleibt es meist, nach Ansicht der
beiden Wissenschaftler, beim frommen Wunsche, der nicht
in die Tat umgesetzt wird. Man will zwar,  aber man traut
sich nicht.

Warum eigentlich nicht? Gerade das Leben schreibt
doch die schönsten Geschichten, wie sie sich farbiger kein
noch so talentierter Autor ausdenken könnte. Es bedarf nur
eines kleinen Quentchens Mut, um sie zu erleben.

Aber alles der Reihe nach! Gelegenheit macht Liebe. Wo sind
die Möglichkeiten größer als auf dem Tanzparkett?  Hier
fordert der Mann eine Frau nach altdeutscher Sitte  auf, und
er darf sie sogar gleich legitim in die Arme nehmen, den
harmonischen Gleichklang der Körperbewegungen erleben
und höfliche, eventuell sogar kecke  Komplimente
machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob er ein gesprächiger
Typ ist oder ein großer Schweiger. Denn beim Tanz gibt
es keinen Redezwang. Und gute  Tänzer empfinden das
Gespräch sogar als störend, weil  sie sich auf die Musik und
den Rhythmus konzentrieren.  Tanz ist geschrittene Erotik.
Wenn die Spannung unter der Haut knistert, wenn die Blicke
sich für den Bruchteil  einer Sekunde zu lange treffen, dann
bedarf es beim Wiegen und Drehen keiner Worte. In einer
Disco gar dröhnt die Musikbox in Stereo so laut, daß man
seine eigene  Stimme nicht hört und erst recht nicht die
Stimme eines

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anderen Menschen. Man wird zum Schweigen gezwungen.

Doch es muß ja nicht gerade eine Diskothek sein. Intimer geht es
in Tanzlokalen zu, wo eine Band live vom Leder zieht Trotz aller
modernen Neuerungen gibt es noch immer selbst in den
kleinsten Orten eine «Jumbo-Diele» oder ein «Tanz-Cafe», wo
mindestens einmal in der Woche geschwoft wird. Im nahen
«Dorfkrug» vertauscht  die Zenzi am Freitagabend den
Melkschemel mit dem  Korkenzieher und bedient die durstigen
Tänzer, die von der rustikalen Drei-Mann-Band angelockt
worden sind.  In größeren Orten existieren neben den
klassischen  Tanzlokalen noch Ballhäuser traditionellen
Kalibers, die  eine wahre Fundgrube für «einsame Wölfe»
darstellen. Dort findet der Jäger jüngeres wie auch nicht mehr
ganz frisches Damwild aller Schattierungen und Haarfarben. Es
sind besonders dankbare Exemplare darunter, die oftmals keine
großen Ansprüche stellen. Hier geht es wahrlich nicht steif zu,
und herzliche Kontakte schließen sich fast von allein.
Ein Bonvivant und Experte auf dem Gebiet zwischenge-
schlechtlicher Kommunikation, der zu den Stammgästen aller in
seinem Einzugsbereich gelegenen Ballhäuser zählt, singt das
Lied dieser unverwüstlichen Institutionen  in den höchsten
Tönen:
«Es mag sein, daß manche Leute mich für verrückt halten. Aber
ich kann den modernen Amüsierschuppen mit  ihren irren
Lichteffekten, aufdringlichen Tonverstärkern  und der geistlos
schizophrenen, schrillen Musik nicht den  geringsten Reiz
abgewinnen. Wenn ich ohrenbetäubenden Radau hören und
gelangweilte Gesichter sehen will, dann brauche ich mich nur
an meinem Arbeitsplatz in

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der Fabrik umzutun. Nein, danke! Ich ziehe da tausendmal
lieber das alte, gute Ballhaus nostalgischer Prägung vor.

Hier ist die Welt nämlich noch in Ordnung, auch wenn das
Interieur leicht verstaubt und antiquiert wirkt. Das tut
überhaupt nichts, das gehört sogar dazu. Über allem
schwebt ein Hauch von Bohnerwachs und Romantik.  Die
Musiker der kleinen Kapelle spielen noch im Frack  oder
Smoking auf, und nicht in beleidigend saloppen Hawaii-
Hemden mit langstieligen Palmen drauf und nackten
Mädchen. Ihre Tangos und Foxtrotts, zwischendurch
eventuell ein Walzer, ein Rheinländer oder sogar auch ein
Beat lassen selbst das sprödeste Mädchen schmelzen. Bei
ihren gefühlvollen Melodien wird jeder Frau  ganz warm
ums Herz. Sie tauen das Eis routiniert auf. Die Ober tragen
noch den gewinnenden Cafehaus-Char-me zur Schau, sie
sind überaus höflich und servieren die  billige Flasche Wein
wie eine erlesene Köstlichkeit auf  fast echtem silbernem
Tablett. Sie bedanken sich auch  für kleine Trinkgelder, und
die Klofrau auf der Damentoilette betätigt sich noch immer
ganz passiv als liebenswerte Beichtmutter wie anno dazumal.
Aber man kommt ja nicht wegen des Kellners oder der
Klofrau her, sondern wegen der holden Weiblichkeit im
Ballsaal. Nein, es sind nicht nur ältere Semester, die ihn
zahlreich bevölkern. Erstaunlich viele süße, junge Frauen  und
Mädchen sitzen an den weißgedeckten Tischen und  nippen
erwartungsvoll an ihrem dickbauchigen Römer. Bereits jetzt
werden die ersten Blickkontakte geknüpft. Die Geigen
schluchzen, das Saxophon quäkt frech und  traurig zugleich,
und wenn der Refrain-Sänger mit tremo-lierendem Bariton
auch die härtesten Herzen erweicht,

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dann bleibt kein Auge trocken, und die Knie der Frauen
beginnen zu zittern.
Hin und wieder serviert der Herr Ober einer überraschten
Schönen einen Kirschlikör - eine kleine Aufmerksamkeit des
Herrn vom Tisch in der Nische, nein, nicht  der blonde,
sondern der schwarzhaarige mit dem unternehmungslustigen
Schnurrbart, zum Wohlsein! -, und  die Dame prostet dem
edlen Spender aufmunternd zu. Gleich wird der Kavalier die
Einsame zum Tanz auffordern. Das Spiel kann beginnen. Der
Abend ist gelaufen. Die Weichen sind gestellt.
Solche Szenen wiederholen sich allabendlich dutzendfach.
Mann und Frau finden zusammen. Manche dauerhafte
Partnerschaft, die nicht selten vor dem Standesbeamten
besiegelt wird, nimmt hier ihren Anfang. Und die Musik
spielt dazu. Nicht laut, aber sehr einschmeichelnd und
zärtlich. Denn im Ballhaus ist alles auf Moll gestimmt.»

Viele Männer schwören auf diese antiken Etablissements,
die oft genug zwei Weltkriege überdauert haben.  Wo es
keinen solchen Treffpunkt der einsamen Herzen gibt, findet
wenigstens einmal im Jahr das Schützenfest  statt. Und
natürlich der dazugehörige Schützenball, ohne  den das
Schützenfest eine farblose Herrenpartie wäre.  Im
Mittelpunkt steht der große Ringelpietz mit Anfassen  im
geräumigen Bierzelt, wo sich die Mädchen zu den ble-chernen
Klängen der Blasmusik begeistert im Kreise  schwenken
lassen, daß die Röcke sich nur so bauschen  und die
hübschen, geradegewachsenen Beine voll zur  Geltung
kommen.
Es ist leider eine erwiesene Tatsache, daß nicht nur die
meisten wackeren Schützenbrüder dem Alkohol kräfti-

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ger zusprechen als ihnen guttut, sondern auch die mei-
sten anderen männlichen Gäste, weshalb sie als Tänzer
schon bald versagen und ausfallen. Wie dankbar die
Frauen und Mädchen dann den hilfsbereiten Rettern in
der Not sind, die den Abend trotzdem zu einem guten En-
de führen und wohltätig in die Bresche springen wie wei-
land «Schmidtchen Schleicher», das weiß nur, wer so et-
was schon einmal mit eigenen Augen gesehen hat. Ihnen
lacht die freie Auswahl, weil die Konkurrenz sich selbst
disqualifiziert und aus dem Rennen geworfen hat.  Fast
jedes Dorf feiert sein Schützenfest. Und ist der Rummel
endlich vorbei, dann beginnt der Trubel im Nachbarort,
die Gaudi fängt von vorne an. Der Mann, der nur ein
bißchen «auf Draht» ist, vermag sich mit
unvorstellbarer Leichtigkeit als Hahn im Korb  durch
den ganzen Sommer zu schlagen. Was er aus seinen
überreichlichen Chancen macht, wie und in welchem
Maße er sie nutzt, das bleibt seinem eigenen Ermessen
überlassen. Sicher ist, daß er auf wirklich nichts zu ver-
zichten braucht. Er rennt nicht nur bei den ledigen
Frauen offene Türen ein. Wie sagte doch jener Berliner
Taxifahrer? «Ich verstehe nicht, warum so viele Männer
auf sechs Richtige im Lotto warten. Man braucht doch
nur einen Richtigen, dann bekommt man Arbeit in je-
dem Dorf!»
Der Zeit der Schützenfeste folgt der Karneval, in südli-
chen Breiten unseres Vaterlandes auch Fasching ge-
nannt. Bereits im November beginnt der närrische Prinz
sein  Zepter  zu schwingen, um es erst am Aschermitt-
woch nach den drei letzten tollen Tagen wieder aus der
Hand zu legen.  Abertausende von Maskenbällen,
Kostümfesten, Prunk-

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Sitzungen und anderen Narrenfeten werden pausenlos
gefeiert, wobei es so unkonventionell zugeht wie niemals
wieder im ganzen Jahr. Wildfremde Frauen fallen einem
Manne um den Hals und umgekehrt. Mancher Ehegatte
erteilt seiner Angetrauten sogar Generalerlaubnis, zu tun,
was sie will, nur damit er selbst bei seinem Vergnügen von ihr
nicht gestört wird. Nirgends werden Kontakte so schnell und
problemlos geknüpft wie im Karneval. Nirgends werden sie
allerdings auch wieder so schnell  gelöst. Aber wie so ein
pikantes Abenteuer wirklich endet, das liegt allein an den
beiden zufälligen Partnern, die  sich mehr oder minder
schicksalhaft gefunden haben.  Männern, die sich
normalerweise nicht oder nur sehr schwer etwas zutrauen,
kann man nicht nachdrücklich  genug raten, zumindest
während der drei tollen Tage in  eine der Hochburgen des
Karnevals oder Faschings zu  reisen, um dort ihr Glück zu
versuchen. Mit einer Flasche  Wein in der Hand und einem
gewinnenden Lächeln um die Augen wird es ihnen bestimmt
nicht schwerfallen, eine Frau zu finden - und hoffentlich auch
zu halten. Denn im Karneval verbrüdert sich alles, was zwei
Beine hat.  Und wer Bekanntschaften nicht gerade mit
taktlosen Zoten zu schließen versucht, dem winkt sagenhafter
Erfolg.  Interessant dabei, daß die deutschen Frauen um so
kontaktfreudiger sind, je südlicher sie wohnen. Ist die herbe
Blondine in Hamburg oder Kiel relativ zurückhaltend, taut
ihre dunklere Landsmännin im Main-Fränkischen  viel
rascher auf. Und in Bayern zeigen die Töchter des  Landes
von Anfang an, daß sie zu allen Zeiten lebensfroh  gestimmt
sind. Nur Nordrhein-Westfalen tanzt in der Statistik des Nord-
Süd-Gefälles aus der Reihe. Im Ruhrgebiet sowie im Kölner
und Düsseldorfer Raum sind die

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Frauen, was den Sex anbelangt, besonders experimen-
tierfreudig. Diese Erkenntnisse, die der Soziologe Werner
Habermehl aus seinen umfassenden Befragungen  zog,
können als typisch angesehen werden. Allerdings ersetzen
die norddeutschen Evas die lebenslustigere
Kontaktbereitschaft der südlichen Schwestern durch größere
Koitusfrequenz. Wer sein Haus seltener verläßt, der  findet
eben häufiger ins Bett.
Die Männer, die eine Frau suchen, haben es im Süden  der
Bundesrepublik einfacher. Dafür kommen die Männer im
Norden, wenn es erst einmal gefunkt hat, öfter zum Zuge.
Natürlich nur statistisch gesehen. Wie es im  Einzelfalle
aussieht, vermag niemand vorauszusagen.  Der Solist, dem
Tanz und Trubel nicht behagen, braucht  nicht zu
verzweifeln. Man muß seine Partnerin ja nicht unbedingt in
der Disco, auf dem Schützenfest oder im  Karneval finden.
Wie wir wissen, steht das Kennenlernen  im Freundes- oder
Bekanntenkreis an zweiter Stelle der Rangfolge.

Allerdings sollte ein Mann ruhig zu verstehen geben, daß  er
auf der Suche ist. Wer den uninteressierten Kostverächter
spielt, dem wird bestimmt kein Ball zugeworfen.  Er muß
damit rechnen, sein Leben lang ein Einzelgänger  zu bleiben.
Und das ist ein hoher Preis für seinen schüchternen Stolz.
Könnte er ahnen, wie gerne sich glücklich  verheiratete
Frauen als Kupplerinnen betätigen, er würde offener über
seine Einsamkeit reden. Denn jede Ehefrau hat irgendwo
eine Freundin, die sie an den Mann bringen möchte. Nicht
selten ist es sogar ein hübsches,  warmherziges Wesen, dem
nur die Möglichkeiten fehlen,  den Partner fürs Leben zu
finden. Wer nur wenige Freunde und Bekannte besitzt, der
ist

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freilich arm dran. Er muß alles dransetzen, seinen Le-
benskreis zu erweitern. Er hat beinahe die Pflicht, keine
Einladung abzuschlagen und Menschenansammlungen
aufzusuchen. Zwar findet man Freunde selten, aber Be-
kanntschaften, die sich zu Freundschaften entwickeln
können, sind schnell geschlossen. Hier bietet sich ein reiches
Feld. Und einmal geknüpfte Kontakte lassen sich nach dem
bewährten Schneeballsystem ins uferlose vervielfältigen.
Bald schon kann man sich vor Leuten nicht  mehr retten, zu
denen man lockere Verbindungen unterhält. Man nimmt an
ihrem geselligen Leben teil, ohne  sich allerdings
aufzudrängen, und lernt so, weil das ein  Naturgesetz ist,
von ganz allein viele ungebundene Frauen kennen. Unter
ihnen ist, wer wagt es zu bestreiten, über kurz oder lang auch
eine Schöne, die den Wünschen des einspännigen Mannes
entspricht und die sich ihm auch nicht verschließt.
Freilich sollte ein Mann nicht warten, bis er das Rentenalter
erreicht hat. Je früher er sich auf die Pirsch begibt, desto
schneller kommt er zu einer passenden Lebensgefährtin.
Wer erst mit 81 eine 18jährige heiraten will, der muß schon
außerordentlich wohlhabend sein, um sie fesseln zu können.
Die Brautschau im Freundeskreis hat einige nicht zu un-
terschätzende Vorteile. Man lernt einander wirklich
zwanglos kennen und braucht nichts zu überstürzen. Die
Gastgeber sind stets vermittelnd und ausgleichend dabei,  so
daß jede peinliche Schüchternheit mit Leichtigkeit
überspielt werden kann und keine Flaute das Gespräch zum
Erliegen bringt. Weil sie eingeweiht sind, fällt es ihnen auch
nicht schwer, die Vorzüge eines Mannes ins rechte Licht zu
setzen und ihn der ins Auge gefaßten Da-

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me unaufdringlich anzupreisen, ohne daß sie es so recht
bemerkt. Schließlich ist ihnen überdies auch noch die
Möglichkeit gegeben, sich beiläufig danach zu erkundigen,
welche Chancen der Interessent überhaupt hat. Diese
Sondierung gilt als ein sehr bedeutsamer Faktor, weil sie bei
negativer Auskunft viele unnütze Bemühungen erspart, im
umgekehrten Falle wiederum die Werbung  beschleunigt
und erheblich abkürzt.  Wer im Bekanntenkreise seine
Partnerin sucht, der darf der aktiven Mithilfe zahlreicher Leute
sicher sein. Immerhin ist es keine Schande, nach einer
Freundin Ausschau  zu halten. Und nur geltungssüchtige
Playboys, die mit ihren Eroberungen zu renommieren
pflegen, würden sich  schämen, die Unterstützung anderer
Menschen in Anspruch genommen zu haben.
Der Mann, der zu gehemmt ist, seinen Freunden die
ungewollte Einsamkeit einzugestehen, und der, aus welchen
Gründen auch immer, Kontakte bei Tanz oder auf  Festen
ablehnt, wird seine Energie vermutlich am Arbeitsplatz
einsetzen, um eine Frau zu finden. Sie muß ja  nicht
unbedingt eine Mitarbeiterin oder Kollegin sein.  Denn
Liebe im Betrieb ist nicht unproblematisch und  sehr oft
sogar in höchstem Maße gefährlich. Erfahrene  Männer
wissen, was ich meine. Sie verzichten auf solche Beziehungen
und ersparen sich dadurch viele Probleme. Ein Verhältnis mit
einer Kollegin läßt sich nämlich niemals verheimlichen,
auch wenn man noch so geschickt  und raffiniert zu Werke
geht. Der Klatsch blüht und gedeiht sehr bald. Gerüchte
haben ein zähes Leben. Einmal  in die Welt gesetzt, wuchern
sie üppiger als ein Krebsgeschwür. Liebesabenteuer schaffen
immer böses Blut und schüren den Neid anderer.

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Dauert eine Beziehung zwischen Mann und Frau länger  an,
kann es sehr leicht geschehen, daß die Umgebung allgemein
und speziell einen psychischen Druck auf das Paar ausübt.
Die beiden werden moralisch zur Verlobung oder gar zur
Heirat gezwungen, obwohl sie sich  vielleicht eher lieber
trennen würden, weil sie erkannt haben, daß sie doch nicht
zueinander passen.  Geht die Verbindung tatsächlich eines
Tages entzwei, gilt fast immer der Mann als Prügelknabe, der
sein Vergnügen gehabt hat und nun das arme Mädchen
sitzenließ.  Überstandene Affären vergiften meistens das
Betriebsklima, weil sich die beiden ehemaligen Partner
nur schlecht oder überhaupt nicht aus dem Wege gehen kön-
nen. Oft bleibt einem von beiden nichts anderes als die
Kündigung übrig.

Wendet sich ein Mann sodann einer anderen Frau im Betrieb
zu, ist er als Casanova oder Sittenstrolch abgestempelt. Ganz
abgesehen davon, daß es zu häßlichen Szenen  zwischen den
betroffenen Mädchen kommt. Dann triumphieren Eifersucht
und Gehässigkeit.  Ein Mann sollte es sich also gründlich
überlegen, ob er eine Liaison im Betrieb anfängt. Dabei darf
jedoch nicht  verschwiegen werden, daß Beziehungen am
Arbeitsplatz auch ihre Vorteile haben. Schließlich müssen die
Frauen  nicht erst umständlich angesprochen werden, weil
man acht Stunden am Tage beruflich mit ihnen verbunden ist.
Aus der selbstverständlichen Arbeitsverbindung entwik-keln
sich mit einigem guten Willen leicht persönliche Kontakte,
die sich nach Feierabend fortführen und vertiefen lassen.
Außerdem merkt ein Mann hier zwangsläufig  automatisch,
ob er Chancen bei einer der Kolleginnen  hat oder nicht.
Sympathien lassen sich nämlich ebenso-

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wenig verbergen wie ein ausgewachsener Schnupfen. Und
letzten Endes entspricht das kulturelle Niveau wie auch der
Lebensstandard solcher Frauen dem des Mannes, der sich in
dem gleichen Milieu bewegt. Ja, mehr  noch. Die
gemeinsame Arbeit verbindet außerordentlich,  auch wenn
man nach Feierabend angeblich abschaltet,  was in
Wirklichkeit jedoch kaum möglich ist.  Erotische
Aktivitäten am Arbeitsplatz bedeuten nicht,  daß man sich
auf Mitarbeiterinnen oder Kolleginnen beschränkt. Der Mann
kann sehr wohl seine Bemühungen auch auf Frauen
ausdehnen, mit denen er allgemein beruflich zu tun hat.
Gleichwohl ist es ihm auch möglich, Frauen an ihrem
eigenen Arbeitsplatz kennenzulernen,  den er nur als
amtlicher oder geschäftlicher Gast aufsucht.

Die ungezählten Geschichten vom Briefträger, der es mit der
grünen Witwe treibt, oder vom Gasmann, der die einsamen
Frauen gleich dutzendweise vernascht, sind in der
erdrückenden Überzahl zweifellos erfunden, zumindest
jedoch stark übertrieben. Aber ganz von der Hand weisen
darf man sie keinesfalls. Ob Milchmann, Zeitschrif-
tenvertreter, Hausmeister oder Elektriker, sie alle haben
tagtäglich Gelegenheit, einsamen Frauen näherzukommen,
wenn sie nur einigermaßen gut aussehen und keine
abweisende Haltung einnehmen. Ich kenne drei Ge-
richtsvollzieher, die ihre Frauen während der Ausübung ihres
doch keinesfalls menschenfreundlichen Berufes
kennenlernten.
Auch Verkäuferinnen in Warenhäusern, oft auch in ganz
normalen Geschäften, sind dankbare Objekte männlichen
Interesses. Schon mancher Junggeselle wurde zum
Stammkunden, der überflüssigen Krimskrams am lau-

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fenden Meter kaufte, um ihn mehrmals umzutauschen.  Er
kam so oft wieder, bis er zu Hause ein ganzes Warenlager
unnützer Dinge besaß - und das Mädchen seiner Wahl eines
Abends zum Essen ausführen durfte. Hübsche Stewardessen
und hübsche Verkäuferinnen werden  an ihrem Arbeitsplatz
niemals alt. Sie heiraten schnell.  Männer, die beim
Einkaufen einen hilflosen oder unentschlossenen Eindruck
erwecken, appellieren damit raffiniert an die unbewußt in
jedem weiblichen Wesen  schlummernden mütterlichen
Instinkt. Der höfliche Bursche, der sich im Laden für keine
bestimmte Sockenfarbe  zu entscheiden vermag, ist sehr bald
von einem Kreis fürsorglicher Verkäuferinnen umringt, die
ihm mit selbstlosem Rat geduldig zur Seite zu stehen
versuchen. Solche  Gelegenheiten gilt es zu nutzen.
Berufstätige Frauen kann man natürlich auch auf dem
Weg zur Arbeit ansprechen, obwohl sie dann naturgemäß
nicht viel Zeit haben und eventuell sogar in Eile sind. Aber
im Vorort-Zug, in U-Bahn, Tram oder Bus bleiben immer
einige unausgefüllte Minuten, die zu einem  nichtssagenden
und dennoch freundlichen Plausch geradezu einladen. Um so
mehr, wenn man einander tagtäglich sieht und sich somit
schon kennt, ohne bisher ein  Wort miteinander gewechselt
zu haben. In solchen Fällen genügt anfangs ein freundlicher
Blick, einige Tage später ein verständnisinniges Kopfnicken
und schließlich ein  kurzes, unaufdringliches Gespräch, das
sich mit der Zeit zu artigen Vertraulichkeiten steigern läßt,
ohne daß man  allerdings mit der Tür ins Haus fällt und die
Umworbene  durch aufdringliches Interesse verschreckt.
Erstaunt wird so mancher ahnungslose Mann auch regi-
strieren, wie viele junge, hübsche Frauen nach Feier-

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abend aus den Personaleingängen von großen Waren-
häusern oder Bürogebäuden auf die Straße strömen,
wenn er sich nur einmal die Mühe macht, das Terrain dort
zu sondieren. Es sind vom strapaziösen Arbeitstag illusionslos
gewordene Frauen und Mädchen, die es oft  schon
aufgegeben haben darauf zu hoffen, daß ein Märchenprinz sie
aus heiterem Himmel beim Verlassen der  Tretmühle
anspricht und freundlich anlächelt. Die einsamen Frauen
erkennt man daran, daß sie nicht abgeholt  werden und
nicht so zielstrebig wie an einen Partner  gebundene
Menschen heimeilen. Sie wirken immer ein wenig
unentschlossen, auch wenn sie sich Mühe geben, geschäftig
auszusehen. Aber nach einem achtstündigen Arbeitstag ist
keine Eva mehr eine gute Schauspielerin.  Ihre mimischen
Fähigkeiten haben sie im Büro oder hinter dem Ladentisch
im Lebenskampf verbraucht. Kenner wissen, daß es in den
ödesten oder zumindest einsamsten Gegenden Orte gibt, wo
sich hübsche, unbemannte Frauen gegenseitig fast auf die
Füße treten. Ich  meine jene Städte und Städtchen, in denen
sich Internate, Schwesternschulen, Fortbildungszentren,
Ausbildungsstätten für die verschiedensten weiblichen
Berufe  und nicht zuletzt die Verwaltungshochburgen von
Großbetrieben oder Konzernen niedergelassen haben. Hier
sucht ein Heer von Mädchen händeringend nicht nur den
Mann fürs Leben, sondern auch den Freund für schöne
Stunden, die in solcher Gottverlassenheit sehr selten
schlagen. Hier wird der anhanglose Jäger mit einigem
Glück zum Schuß kommen und zutrauliches Rehwild im
Überfluß vorfinden. Ein Dorado der liebenswertesten
Frauen aller erdenklichen Typen tut sich ihm auf. Klar im
Vorteil sind selbstverständlich Junggesellen, de-

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nen ihr Beruf Beweglichkeit und Abwechslung bietet. Sie
finden häufiger als ihre an einen Arbeitsplatz gefesselten
Geschlechtsgenossen eine günstige Gelegenheit, die sich
nutzen läßt. Und Gelegenheit macht Liebe.  Aber wer in
einer für zwischengeschlechtliche Kontakte ungeeigneten
Umgebung wohnt, der kann, zumal er ungebunden ist,
seinen Wohnort relativ leicht wechseln,  ohne allzu große
berufliche Nachteile befürchten zu müssen. Auf alle Fälle sollte
er die Chance, eine Frau fürs Leben zu finden, höher bewerten
als die Möglichkeit einer  vorzeitigen Beförderung oder
einer Gehaltsaufbesserung. Denn was wollte er mit seiner
besseren Position  oder dem leicht angehobenen Lohn
anfangen, wenn er  keine Frau an seiner Seite weiß, die sich
mit ihm darüber freut?
Es gibt Städte, die jedem Junggesellen ein überreiches
Betätigungsfeld erschließen. Bonn mit seinen Ministerien,
in denen Zehntausende alleinstehender Frauen  tagsüber
tätig sind, um abends und an den Wochenenden in dumpfer
Einsamkeit zu brüten, ist ein idealer Tummelplatz, wo sich die
Damen keinesfalls besonders zugeknöpft geben. Nicht
umsonst haben Spione und Agenten  bei den Sekretärinnen
der verschiedenen Dienststellen ein so leichtes Spiel.
Frankfurt mit seinen Banken und Verwaltungsgebäuden
verzeichnet bei Tage ebenfalls einen unschätzbaren
Frauenüberschuß, weshalb ein normaler Mann keineswegs
auf das weibliche Angebot in der Bahnhofsgegend
angewiesen sein dürfte. Und nicht viel anders sieht es auch
in Hamburg oder Bremen aus, obwohl die norddeutschen
Frauen sich zumindest äußerlich ein wenig zurückhaltend und
reserviert zeigen. Doch die Eva, die kei-

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nen Partner hat und deshalb naturbedingt unter ihrem
sexuellen Notstand leidet, taut auch in den nördlichen
Breiten irgendwann einmal auf, wenn nur der Richtige
kommt und sie nicht gleich durch plumpe Annäherungs-
versuche vor den Kopf stößt.
Allerdings haben alle Großstädte, so erfolgversprechend  die
Pirsch in ihnen auch sein mag, einen nicht zu übersehenden
Nachteil. Sie sind sehr teuer. Das kostspielige  Leben
beginnt bereits bei den sagenhaft hohen Mieten.  Deshalb
sollte der Junggeselle, sofern sich ihm die berufliche
Möglichkeit bietet, die kleinen Landgemeinden
vorziehen, in denen sich, wie oben bereits gesagt, die
Verwaltungszentren großer Wirtschaftsunternehmen  aus
Ersparnisgründen angesiedelt haben. Von hohen
Gehältern und niedrigen Lebenshaltungskosten angelockt,
strömen junge, hübsche Frauen hierher, um erst zu  spät zu
erkennen, wie leer und abwechslungsarm ihr Leben geworden
ist. Sie fallen einem jungen Mann in unge-heuchelter
Dankbarkeit um den Hals, wenn er sich nur wirklich um sie
bemüht.
Auch die Herren der Schöpfung, die sich in Kurorten oder
bevorzugten Urlaubsgegenden niedergelassen haben,
wandeln in erotischer Hinsicht auf der Sonnenseite  des
Lebens. Sie können einer Frau die Mußestunden nach
Kräften verschönen. Und nicht selten wird eine
Partnerschaft fürs Leben aus der flüchtig begonnenen
Bekanntschaft.
Berührungspunkte gibt es viele. Denn im Urlaub hat es
keine Frau wirklich eilig. Sie bringt viel Zeit mit, die sie  mit
Spaziergängen oder Caf^hausbesuchen auszufüllen
versucht. Wer will es einem höflichen Manne verargen,
wenn er an ihrem Tisch Platz nimmt und die Vorzüge ge-

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rade dieses Städtchens zu preisen weiß? Und wenn die
Schöne sich anderen Urlaubern gegenüber auch noch so
mißtrauisch oder gar abweisend zeigt, vor einem Einhei-
mischen schwinden alle Bedenken. Falls der arme Junggeselle
einmal wirklich nicht zum Zuge kommt, braucht er nicht zu
resignieren. Denn tagtäglich treffen neue Gäste ein, die ihm
die Auswahl erleichtern, bis auch er die Frau seiner Träume
gefunden hat.  Die Aufzählung dieses Kapitels erhebt
keinesfalls einen  Anspruch auf Vollständigkeit. Hier sollten
nur die gängigsten Möglichkeiten der Kontaktaufnahme
angedeutet  werden. In Wirklichkeit ist die Skala der
Gelegenheiten  weitaus größer. Allerdings bieten sich die
Chancen einem Manne meist unverhofft, weshalb es immer
gewappnet zu sein heißt. Nur der Kavalier kann wirklich
schlagfertig sein, der immer und jederzeit bereit ist.
Übrigens, wenn alle Stränge reißen, dann bleibt einem
Junggesellen als letzter Ausweg der Gang zum Heirats-
vermittler, wo es ihm hoffentlich nicht so ergeht wie jenem
Kandidaten, dem die Eheanbahnerin eine millionenschwere
Witwe anbot. Als er ein Foto der heiratswilligen  Dame zu
sehen wünschte, beschied ihn die Vermittlerin  knapp: «Ab
fünfhunderttausend Mark Mitgift werden bei uns keine Bilder
mehr gezeigt.»  Es ist nicht auszuschließen, daß ein Institut
für Partnerschaftsvermittlung oder Eheanbahnung einen
«Einspänner» mit der richtigen Frau zusammenführt.
Zehntausende haben sich auf diese Weise bereits gefunden,
und sie sind glücklich miteinander geworden.
Hunderttausende allerdings kamen trotz aller Bemühungen
der Agentur  nicht zum gewünschten Ziel. Dennoch ist der
Gang zu einem dieser oftmals zu unrecht belächelten Büros
kaum

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mit menschlichen Risiken verbunden. Denn entweder
klappt alles, oder es klappt eben nicht. Bedenklich wird
dieser Schritt jedoch angesichts der happigen Honorare,  die
zumeist im voraus fällig werden und bisweilen so gesalzen
sind, daß man sich für den Betrag spielend einen schnittigen
Wagen kaufen könnte. Und auch wenn die  Vermittlung zu
keinem Ergebnis führt, werden die Mäuse 

nicht

zurückgezahlt. Der Junggeselle kann sie dann  höchstens
unter «Lehrgeld» in der Bilanz seines Lebens verbuchen.
Weitaus billiger, aber keineswegs weniger erfolgversprechend,
ist da schon ein Heiratsinserat in der Zeitung. Nein, nicht
in einer Sex-Postille bekannter Prägung, wo die Annonce in
der Flut getürkter Anzeigen untergeht oder doch nur von
leichten Mädchen gelesen wird, die  sich auf einfache und
problemlose Weise gesundstoßen 

wollen. Eine

charaktervolle Partnerin wird ein Mann hier kaum finden.

Haben Sie sich dazu entschlossen, «auf diesem nicht
mehr ungewöhnlichen Wege» eine passende Frau anzu-
sprechen, dann wählen Sie klugerweise eine überregionale
Tageszeitung, zumindest aber ein Blatt mit hoher Auflage,
das in der nächsten größeren Stadt erscheint. Denn falls Sie
in einem kleineren Ort wohnen, werden Sie ohnehin wissen,
welche junge Frau akzeptablen Alters hier mehr oder minder
intensiv nach einem Partner  Ausschau hält. Für eine
erschwingliche zweistellige Summe erreichen Sie mit einer
Kleinanzeige gezielt eine breite Skala interessierter Damen.
Weil die meisten Frauen  von Natur aus wissensdurstig sind,
werden die Rubriken  «Partnerschaft» oder «Heiratswünsche»
nämlich stets mit  brennendem Interesse gelesen und
regelrecht studiert.

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Nicht ganz so ratsam ist es, auf Anzeigen zu antworten. Die
besseren Chancen und die größere Auswahl hat immer, wer
selbst ein Inserat aufgibt und die Dinge auf sich  zukommen
läßt. Und vergessen Sie nicht, um Bildzuschriften zu bitten,
wobei Sie die Fotos zurückzusenden versprechen. So können
Sie bereits im ersten Durchgang  «die Spreu vom Weizen»
trennen und alle jene Schreiberinnen aussortieren, die Ihnen
optisch nicht zusagen. Als Mann von Welt und von Charakter
werden Sie die Fotos  der Damen, die der ersten flüchtigen
Prüfung nicht standhielten, auch tatsächlich zurückschicken,
am besten mit  einem netten Begleitschreiben, welches
besagt, daß es Ihnen leid tut, sich bereits für eine andere
Schöne entschieden zu haben. Nicht fein von Ihnen wäre es,
die Bilder zurückzuhalten, um damit beispielsweise die
Freunde am Stammtisch im Wirtshaus das Fürchten zu
lehren. Bei der Formulierung des Anzeigentextes berät Sie
gerne die hilfsbereite Dame in der Geschäftsstelle der Zei-
tung, wo Sie Ihr Inserat aufgeben. Allerdings ist es auch  ein
Kinderspiel, die Annonce selbst zu entwerfen. Man  muß
sich nur auf das Allerwesentlichste beschränken.  Dabei
bleibt es sich gleich, ob der Text nur zehn Worte  oder
zwanzig  Zeilen  umfaßt. Ihre Lebensgeschichte und Ihre
Wünsche können Sie auf so geringem Raum ebensowenig
unterbringen wie Ihre Vorzüge. Ins Detail gehen  Sie deshalb
tunlichst erst dann, wenn Sie auf eine Zuschrift antworten.
Am besten ist es, zunächst einmal die Anzeigen anderer
Leute zu studieren. So findet man am besten heraus,
worauf es ankommt. Erlaubt ist es, die Ideen, die einem
gefallen, zu leihen und für sich zu verwenden. Mit dem
Urheberrecht kommen Sie gewiß nicht in Konflikt.

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Jedenfalls müssen aus Ihrem Inserat Ihr Geschlecht, Ihr
Alter und Ihre Größe hervorgehen. Auch eine Berufsangabe
empfiehlt sich dringend, weil damit zu große Stan-
desunterschiede von Anfang an vermieden werden.
Denn nur in Ausnahmefällen wird eine Abiturientin zu
einem ungelernten Hilfsarbeiter passen, falls er ein Fuß-
ballfan und überzeugter Dauerskatspieler ist, während  sie
über häusliche Neigungen verfügt und nur ernste
Schallplatten von Brahms aufwärts liebt. Weisen Sie also auch
in Stichworten auf Ihre Hobbys hin.  Skizzieren Sie, was
für eine Frau Sie suchen. Soll sie  sportlich sein, reiselustig
und selbstbewußt? Oder bevorzugen Sie ein liebevolles
Heimchen am Herd? Umreißen  Sie Ihre Wünsche, ohne
freilich ausführlich zu werden.  Denn erstens kostet jedes
gedruckte Wort bares Geld, und zweitens kann es durchaus
geschehen, daß bei näherer Bekanntschaft die eine oder
andere Bedingung ihre  Bedeutung verliert. Schon
mancher Mann, der eine  schlanke Brünette und nichts
anderes als eine schlanke  Brünette wollte, ist mit einer
molligen Blondine wunschlos glücklich geworden.

Geben Sie Ihre Konfession nur an, wenn eine sogenannte
Mischehe für Sie unter keinen Umständen in Frage
kommt. Aber schreiben Sie klipp und klar, daß Ihnen an
einer Raucherin (oder Trinkerin) überhaupt nichts liegt,
wenn Sie keinen Zigarettenrauch (oder keinen Alkohol-
geruch) vertragen. Wo keine Kompromisse möglich sind, muß
man das Kind beim Namen nennen, beispielsweise
«geschieden zwecklos» oder «nur ohne Anhang».
Übertreiben Sie nicht! Schmücken Sie sich in Ihrem Inserat
nicht mit einem Wagen der Luxusklasse un^ einem  dicken
Bankkonto, falls Sie Fußgänger sind und bereits

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Mitte des Monats sehnsüchtig auf den Zahltag warten.
Denn Lügen haben kurze Beine. Besonders dann, wenn eine
Partnerschaft ins Auge gefaßt wird, pflegen manche Frauen -
auch Männer - den Dingen penibel auf den Grund zu gehen.
Inserieren Sie kurz und unmißverständlich, aber nicht so:
«Junger Mann sucht junges Mädchen». So ein Inserat besagt
nichts und gibt auch nichts her. Das Geld dafür ist  zum
Fenster hinausgeworfen, obwohl ich nicht ausschließen will,
daß sich vielleicht doch eine niedliche Schöne  darauf
melden könnte. Aber die Chancen stehen dabei  doch zu
schlecht.

Jede Frau weiß hingegen sofort, woran sie ist, wenn sie
folgende Anzeige liest: «Freizeitsportler (Facharbeiter
34/179), sucht hellblonde, langbeinige Strandnixe für
Ostsee-Urlaub im Juli. Heirat bei gegenseitiger Zuneigung
nicht ausgeschlossen.» Mehr muß nicht gesagt werden, weil
sich alle näheren Wünsche und persönlichen Details aus der
Korrespondenz ergeben, die diesem Inserat - hoffentlich - folgt.

Besser jedoch ist es freilich, wenn man sich statt um-
ständlichen Briefaustausches schon bald trifft, um einander
unverbindlich persönlich kennenzulernen. Denn ein
Gespräch von Mensch zu Mensch ist immer ergiebiger  als
der längste schriftliche Erguß, der meist gekünstelt  wirkt,
weil er nur auf stilistische Wirkung bedacht ist. Außerdem seien
wir einmal ehrlich - schreibt kein Mensch  gern. Und sogar
Leute, die von Berufs wegen Tag für Tag  mit schriftlichen
Arbeiten befaßt sind, haben nicht selten  einen Horror vor
vermeidbaren Fleißübungen. Schreibfaulheit ist also
keinesfalls ein Armutszeugnis. Haben Sie auf Ihre Anzeige
also unter den sicher zahl-

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reich eingehenden Zuschriften eine erste Auswahl getroffen,
antworten Sie der ins Auge gefaßten Dame ausführlich,
wobei Sie sich jedoch darauf beschränken sollten, umfassend
Auskunft über sich zu geben, ohne intime  Details oder
einschlägig private Einzelheiten allzu vertrauensselig
auszuplaudern. Denn immerhin kennen Sie 

Ihre

Briefpartnerin noch nicht, weshalb ein gesundes  Maß
Vorsicht angebracht erscheint. Vergessen Sie auch nicht, ein
gutes Foto von sich beizulegen, besser noch mehrere, damit
sich das Mädchen im wahrsten Sinne des Wortes ein besseres
Bild von Ihnen machen kann. Notfalls sollten Sie die Kosten
nicht scheuen, sich von einem  Berufslichtbildner ins rechte
Licht setzen oder stellen zu lassen. Die Ausgabe lohnt sich
bestimmt.  Schreiben Sie ungekünstelt und natürlich.
Schwülstige 

oder übertrieben romantische

Formulierungen gehen  meist daneben. Und unfreiwillige
Komik ist nur selten liebenswert.
Ergibt sich aus den ersten zwei, drei Briefen gegenseitige
Sympathie, dann sollten Sie nicht lange zögern und ein
Rendezvous in einem netten Cafe vorschlagen. Sagt die
schöne Unbekannte zu, sind die gröbsten Vorarbeiten ge-
leistet, und dem aufregenden ersten Stelldichein steht
nichts mehr im Wege.

Machen Sie sich aber nichts vor! Im Anfang der Begegnung
wird es auf beiden Seiten Unsicherheit oder eine  leichte
Verlegenheit geben. Das schadet nichts. Und vielleicht gehört
so etwas vielleicht sogar dazu. Denn allzu  große
Selbstsicherheit läßt auf einschlägige Routine  schließen.
Die Frau könnte annehmen, daß Sie ständig  Ihre
Partnerinnen mit Zeitungsanzeigen ködern und daß Sie
eventuell sogar auf diese Masche reisen. Wichtig ist

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nur, daß beide Seiten entstehende Gesprächspausen
überspielen und sich an ein Gesprächsthema herantasten,
das sowohl ihr als auch Ihnen liegt.  Sprechen Sie am
besten von Anfang an zunächst über ihr Gegenüber. Denn
jede Frau hat ungemein viel von  sich zu erzählen, wie ich
schon an anderer Stelle ausgeführt habe. Von sich sollten
Sie erst reden, wenn sie  selbst davon anfängt und
entsprechende Fragen stellt. Ist nach den ersten Minuten noch
immer Sympathie vorhanden, kommt die Unterhaltung nach
menschlichem Ermessen von allein in zügigen Fluß. Und da
Sie beide genau wissen, weshalb Sie sich getroffen haben,
brauchen  Sie sich gegenseitig nichts vorzumachen. Was
aber auf überhaupt keinen Fall heißen soll, daß Sie der Dame
unverblümt den Vorschlag unterbreiten dürfen, noch am
gleichen Abend mit Ihnen ins Bett zu steigen. Sie könnten
damit nämlich alles verderben, was besonders schade wäre,
wenn Ihnen tatsächlich etwas an Ihrer neuen Bekanntschaft
liegt.
Von diesem ersten Zusammentreffen an geht es dann
weiter wie zwischen guten Freunden, die wissen, daß am Ziel
ihrer Wünsche ein gemeinsamer Anfang steht. Doch darüber
können Sie mehr in einem der folgenden Kapitel erfahren.

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Der Sprung über den eigenen
Schatten

Nach den ungeschriebenen Spielregeln unseres Gesell-
schaftssystems ist es immer der Mann, dem die nicht
leichte, aber sehr dankbare Aufgabe zufällt, in der Liebe den
ersten Schritt zu wagen. Die Menschheit wäre vom
Aussterben bedroht, wenn er nicht die Initiative ergreifen
würde, sich eine Partnerin zu suchen und sie für ein kürzeres
oder lebenslanges Liebesverhältnis zu gewinnen. Der Mann
muß also seine Hemmungen abstreifen. Sonst läuft nichts.
Aber zum Glück darf er sicher sein, daß ihm  die Frau auf
halbem Wege entgegenkommt, sofern der  Anfang erst
einmal gemacht ist und keine unüberbrückbaren Aversionen
zwischen beiden stehen. Diese Aversionen sind jedoch
seltener, als man befürchten muß.  Aber aller Anfang ist
schwer. Und je weiter man ihn hinausschiebt, desto
unüberwindlicher erscheint die erste,  wichtigste Hürde. Ein
zufälliger Kontakt, der ursprünglich nur ein paar leicht
hingeworfene Worte gekostet hätte, wächst sich nicht selten
zu einem massiven Problem  aus, vor dem der
unentschlossene Mann nur allzu oft kapituliert, weil er sich
ihm nicht zu stellen wagt. Die Folge 

können

Minderwertigkeitskomplexe sein. Sie führen  häufig zur
Flucht in eine Traumwelt, die in einer ausweglosen Sackgasse
endet.

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Frisch gewagt ist halb gewonnen! Nirgends bewahrheitet sich
diese alte Binsenweisheit treffender als in der Liebe. Deshalb
haben auch die unkompliziertesten Draufgänger die größten
Chancen. Mögen andere Männer besser  aussehen,
intelligenter sein und über kultiviertere Umgangsformen
verfügen, sie können keinen Erfolg verbuchen, solange sie ihn
nicht anstreben. Selbst ein schlechter Jäger wird mehr Wild
erlegen als der beste Schütze, der sich nicht entschließt, auf
die Pirsch zu gehen. So ist es nun einmal im Leben.

Dem Erfindungsreichtum sind bei der Jagd nach der Frau
wahrlich keine Grenzen gesteckt. Erlaubt ist - fast  - alles,
wenn man es nur mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl in
die Wege leitet. Dabei spielen weder Zeit  noch Ort eine
entscheidende Rolle. Auch der Nachdruck,  mit dem der
Mann seine Werbung betreibt, ist nur von  zweitrangiger
Bedeutung. Wobei aber besonders für Anfänger die Devise
gelten sollte, lieber eine Nummer kleiner zu beginnen als den
Mund zu voll zu nehmen. Großmäuligkeit und gewagte
Frechheit zahlen sich niemals  aus. Denn nur wer die Form
beherrscht, der darf sie verletzen. Ansonsten jedoch ist Takt
die beste Waffe, mit der man eine Schöne besticht und dann
auch erlegt.  Der bekannte Sexualpsychologe Rüdiger
Boschmann  weiß von einem reiferen Junggesellen zu
berichten, der  sich auf Liebesaffären mit reichen Frauen
spezialisiert  hat und die Eroberung zu einer Kunst
entwickelte. In sei-'  ner Erscheinung und seinem Auftreten
entspricht er dem landläufigen Bild eines Kavaliers, bei dem
die Umwelt Reichtum oder zumindest Wohlstand vermutet,
obwohl  er in Wirklichkeit wenig Geld besitzt, weil seine
besondere Form der Intelligenz beruflich kaum gefragt ist.

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Dieser Herr pflegt seine Urlaube-stets damit zu beginnen, daß
er sich unaufdringlich, doch elegant gekleidet, seine geringen
Ersparnisse einsteckt und sich in der benachbarten Großstadt
in der Halle eines teuren Hotels niederläßt. Er wartet, falls
man ihn fragt, auf einen Gast, der  sich verspätet hat. In
Wirklichkeit lauert er allerdings auf  eine der reichen und
gelangweilten Frauen, die es in vornehmen Hotels immer
gibt. Denn er weiß, daß reiche,  müßige, enttäuschte und
gelangweilte Damen immer  abenteuerlustig sind. Sie
möchten eine romantische, leidenschaftliche und kurzfristige
Liebesaffäre erleben. Geduldig sitzt der Herr also da, liest
eine Zeitschrift,  trinkt einen Kaffee und sieht aus wie ein
echter Gentleman, der er im Grunde ja auch ist.
Langjährige Erfahrung hat seinen Spürsinn geschärft, mit
dem er den gesuchten Frauentyp sofort wittert. Seine ideale
Partnerin  muß begütert, hübsch, nicht zu alt, intelligent und
humorvoll sein.
Dieser Junggeselle fällt in keiner Situation unangenehm  auf.
Länger als zwei Stunden wartet er niemals an einer
bestimmten Stelle. In den ersten Tagen seines Urlaubs
pendelt er zwischen den besten Hotels und dem Flugha-
fenrestaurant hin und her. Er behauptet, er habe noch nie
länger als drei Tage suchen müssen, um eine geeignete
Frau fürs Herz zu finden.

Wenn er seine Wahl getroffen hat, dann verliert er keine
überflüssige Zeit. Er reicht der Dame Feuer, bringt ihr
Zeitungen oder andere Lektüre, hilft ihr in den Mantel  und
erweist ihr jede Gefälligkeit. Ist erst einmal ein Gespräch in
Gang gekommen, läuft die Routine. Innerhalb  weniger
Minuten - mehr Zeit bleibt ihm manchmal nicht - überzeugt er
die Auserwählte, daß es doch eigentlich

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sehr schade sei, den Urlaub aus der Eingebung des Au-
genblickes nicht zu zweit verbringen zu können. Diese
Feststellung trifft er wohlweislich noch in scherzhaftem Ton,
wird jedoch sehr schnell überraschend ernst und beteuert
völlig ehrlich und aufrichtig, die Versuchung sei  für ihn
noch nie größer gewesen, mit einer schönen Frau Urlaub vom
Alltag zu machen. Er habe sich sein ganzes Leben lang
danach gesehnt, einmal etwas so Verrücktes anzustellen, doch
leider mangele es ihm an den finanziellen Mitteln, eine Flucht
ins Glück zu bestreiten.  Der Mann sieht gut aus, hat
geschliffene, untadelige Umgangsformen, ist intelligent und
besitzt Humor. Nur wenige Frauen, die er mit seiner
«Masche» überfällt, können  ihm widerstehen, und meist
wollen sie es auch überhaupt  nicht. Ist erst einmal
Einverständnis erzielt worden,  nimmt er den weiteren
Verlauf des Abenteuers in die  Hand. Er denkt sich
raffinierte Entschuldigungen für die  Angebetete aus, die es
ihr ermöglichen, zwei oder drei  Wochen mit ihm zu
verbringen, ohne daß Freunde, Verwandte oder der eventuell
vorhandene Ehemann Mißtrauen schöpfen. Niemals
nimmt er von den Frauen  mehr Geld an, als für die
Finanzierung des gemeinsamen  Urlaubs notwendig ist. Er
erweist sich als ausgezeichneter Liebhaber und zeigt sich
diskret. Nur ungern läßt er sich mit verheirateten Frauen ein.
Er  bevorzugt Witwen oder geschiedene Exemplare. Selbst-
verständlich ist er schon häufig gefragt worden, ob er
nicht Lust hätte, den kurzen Flirt in eine dauerhafte Bindung
umzufunktionieren. Aber bisher scheute er stets davor zurück,
seine Freiheit aufzugeben, obwohl manche  Vorschläge
ungemein verlockend waren.  Selbstverständlich ist das
Beispiel dieses Kavaliers nicht

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typisch für die Mehrheit der Männer, die eine Partnerin
suchen. Es zeigt aber, welche Möglichkeiten sich einem
Junggesellen bieten, wenn er nur weiß, was er will, und
wenn er bemüht ist, seine Vorstellungen in die Tat umzu-
setzen. Je öfter man es versucht, desto erstaunter stellt man
fest, wie leicht es ist, eine Brücke zum anderen Geschlecht zu
schlagen. Denn die Frauen beißen nicht. Sie  schlagen bei
Annäherung eines Mannes auch nicht um  sich. Und sie
haben bisher auch noch keinen Kerl gefressen. Von den
Kannibalinnen auf Borneo oder Sumatra einmal abgesehen.
Aber dort unterliegt der Flirt wie auch  die Brautwerbung
sicherlich ohnehin ganz anderen Gesetzen als bei uns.

Die Kommunikation zwischen Mann und Frau ist einer  der
natürlichsten Vorgänge von der Welt. Nur in Klöstern  mögen
Ausnahmen die Regel sein. Ansonsten aber gibt  es keine
Schranken oder Abgründe, welche die Geschlechter
trennen. Im Gegenteil. Seit Anbeginn der Menschheit
zieht es Mann und Frau zueinander hin.  Nicht von
ungefähr reichte Eva mit berechnendem Augenaufschlag
Adam den unheilvollen Apfel.  Im Sandkasten des
Spielplatzes kommen sich Jungen  und Mädchen in
paradiesischer Nacktheit mit entwaffnender Natürlichkeit
entgegen. Hier ist die Welt der beiden Geschlechter noch in
Ordnung. Keine Peinlichkeit  kommt auf, keine falsche
Scham bringt die kleinen  Knirpse in Verlegenheit. Keine
Verlogenheit stürzt sie in  psychische Konflikte, weil die
unaufrichtige Erziehung  noch nicht eingesetzt hat und
deshalb noch keine ungesunden Verhaltensnormen in den
kindlichen Hirnen zu verankern vermochte. Wir alle sind als
höchst sinnliche Wesen geboren worden,

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sagt die amerikanische Sexualwissenschaftlerin Paula
Newhorn. Das war unser ursprünglicher Zustand. Aber
unglücklicherweise wurden die meisten von uns schon  als
Kinder dieser Natürlichkeit entwöhnt. Verringerte sinnliche
und gefühlsmäßige Empfindungen sind das Ergebnis
umweltbedingter, behindernder Einflüsse. Die Diktatur des
Verstandes entwickelt sich planmäßig, bis sie die Gefühlswelt
beherrscht. Immer mehr sinnliche  Stimuli beginnen der
Zensur zu unterliegen. Zum Glück  ist diese Diktatur nicht
unüberwindlich. Das Paradies der  Kindheit läßt sich
wiederentdecken. Denn es liegt noch immer in uns selbst.
Jeder Mann sollte sich auf seine Sinnlichkeit konzentrieren
und sie als selbstverständlichen Bestandteil seiner Person,
besser seiner Persönlichkeit, akzeptieren. Wer  sich seiner
Sinnlichkeit bewußt geworden ist, der findet auch zu einem
gesunden Verständnis seiner Sexualität, die einen wichtigen
Faktor dieser Sinnlichkeit darstellt.  Er wird sich und auch
andere als menschliche Wesen erleben und nicht als Mann
oder Frau. So vermag er sich  selbst als Teil der Natur zu
erkennen. Er begreift, daß Geschlechtlichkeit, einerlei ob sie
männlich oder weiblich  ist, keinen Anlaß zu Unsicherheit,
Angst oder gar Panik  bietet. Das Verhältnis zu unserer
Sexualität wird dann endlich frei von Furcht sein und auch
bleiben. Wenn man sich die Männer einmal näher ansieht, die
bei Frauen immer wieder so viel Anklang finden, dann stellt
man erstaunt fest, daß es weder ihr Reichtum ist noch ihr
blendendes Aussehen, womit sie die Schönen besiegen.
Denn bezeichnend oft sind sie alles andere als wohlhabend
und alles andere als schön. An ihrem überwältigenden Charme
kann es auch nicht liegen. Häufig verhalten

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sie sich selbst dem begehrenswertesten Mädchen gegenüber so
primitiv geistlos, daß sogar ein unbeteiligter Beobachter ein
beinahe schmerzhaftes Gefühl der Peinlichkeit nicht zu
unterdrücken vermag. Mit abgedroschenen  Redensarten und
billigen Komplimenten, mit fadenscheinigen Keckheiten,
dünnen Witzchen und Schnodderigkeiten, die sie vermutlich
für geschliffene Schlagfertigkeit  halten, versuchen sie den
ersten, wichtigen Kontakt zu  schließen - und sie haben
außerordentlich oft Glück. Die  Frau geht auf ihre Scherze
ein, antwortet mit blitzenden  Augen und zeigt
unverhohlen, daß sie, aus welchen  Gründen auch
immer, einer Annäherung des Mannes  keineswegs völlig
abweisend gegenübersteht. Man könnte aus der Haut fahren.
Aber so ist nun mal das  Leben! Während der feinfühlige
Mann noch krampfhaft überlegt, wie er die ins Auge gefaßte
Eva formvollendet  und charmant ansprechen soll, während
er noch mit seinen Hemmungen kämpft und über den
eigenen Schatten  zu springen versucht, hat der
unkomplizierte Bursche  längst seine ersten «Breitseiten»
abgeschossen und einen deutlich sichtbaren Volltreffer erzielt,
der ihm signalisiert,  daß die Festung keinesfalls
uneinnehmbar ist. Vielleicht bedarf es noch nicht einmal
einer langwierigen Belagerung, sondern lediglich eines
kühnen Handstreiches, um den totalen Sieg auf der ganzen
Linie zu erringen.  Das Geheimnis jener erfolgreichen
Eroberer ist schnell  gelüftet. Sie packen die Gelegenheit
ohne falsche Skrupel beim Schöpfe, weil sie erstens keine
Angst vor den  Frauen, zweitens keine Angst vor dem
Versagen und  drittens keine Angst vor einer Abfuhr haben.
Sie betrachten ein Mädchen als gleichrangigen und
gleichwertigen  Menschen, mit dem es ins Gespräch zu
kommen gilt. Sie

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wissen, daß die Frauen im Grunde nicht weniger unsicher
sind als wir Männer, und sie haben darüber hinaus  erkannt,
daß ein weibliches Wesen, einerlei ob bescheidenes
Mädchen oder grand Dame, nicht intelligenter  oder
anspruchsvoller sein muß als ein ebenso durchschnittlicher
Mann. Die Menschheit ist in der erdrückenden Überzahl aller
Fälle schon mit dem Mittelmaß zufrieden. Das
Außergewöhnliche findet sie im Film.  Es gibt nur drei
Hindernisse, die einem Manne auf der  Suche nach einer
Frau wirklich zu schaffen machen können, noch ehe er richtig
begonnen hat, um sie zu werben. 

Es sind

Minderwertigkeitsgefühle, Schüchternheit wie auch
Hemmungen und letztlich die Angst vor dem'se-xuellen
Versagen.
Diese drei Handicaps treten so häufig auf, daß kaum ein
Mann völlig von ihnen verschont bleibt. Aber er braucht sie
keineswegs resignierend hinzunehmen. Wenn er nur
energisch genug gegen sie ankämpft, hat er die besten
Chancen, sie zu überwinden. Denn sie sind nicht unab-
änderlich.

Vorbedingung für einen Sieg über diese Schwächen ist  es
allerdings, daß man sie erkennt, sich ihrer bewußt wird und sie
keinesfalls bagatellisiert. Die meisten betroffenen Männer
nämlich haben sich daran gewöhnt, mit ihnen zu  leben. Sie
sind bequem geworden und trösten sich mit der im tiefsten
Ich verwurzelten Überzeugung, daß sie  nicht der Typ sind,
Frauen um den kleinen Finger zu wik-keln, daß es ihnen
aber besser als all den anderen  Dummköpfen gelänge,
wenn sie es einmal versuchen würden.

Leider bleibt es fast immer bei dieser Feststellung, und eines
Tages heiraten solche Männer eine Frau, die sie zwar

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nicht gerade überschwenglich lieben und die sie eigentlich
nur genommen haben, weil diese Frau sich um sie bemüht
- und gewonnen hat. Statt als Jäger auf die  Pirsch zu
gehen, sind sie als wehrloses Opfer in die raffiniert ausgelegte
Falle getappt.

Ein Mann muß ehrlich zu sich selbst sein. Nur wenn er
seine Fehler richtig einschätzt, bietet sich ihm die Mög-
lichkeit, sie zu korrigieren oder aber mit ihnen zu leben, ohne
daß sie ihn belasten und anderen Menschen ins Auge fallen.
Wer sich seiner Schüchternheit voll bewußt ist  und sie als
einen Teil seines Charakters akzeptiert, kann  sie - sofern er
sich außerstande sieht, sie zu eliminieren  - sinnvoll nutzen,
indem er sie zu einer Tugend erhebt und sie gezielt in seine
Pläne einbaut. Ungezählte Frauen  schwärmen für kultivierte,
zurückhaltende Männer, erwarten freilich jedoch von ihnen
zumindest ein Minimum persönlichen Engagements.
Wer dünne Arme und einen schmalen Brustkorb besitzt,
sollte nicht den Hochleistungssportler markieren, und ein
netter Junge, der mit geistigen Gütern nur spärlich gesegnet
ist, tut gut daran, nicht gerade mit seiner Intelligenz zu
renommieren. Wer wollte es ihm verbieten, sich  einfach so
zu geben, wie die Natur ihn geschaffen hat?  Ein
unkompliziertes, hübsches Mädchen sagte mir einmal: «Es
wird mir ewig ein Rätsel bleiben, warum die Männer immer
so aufschneiden müssen. Wir Frauen mögen sie doch gerade
so, wie sie nun einmal sind. Und wenn der Richtige
kommt, dann ist es uns egal, ob er  Flugkapitän ist oder
Arbeiter. Nur lieb muß er sein!»  Natürlich ist es erlaubt und
sogar empfehlenswert, die eigenen Vorzüge ins rechte Licht
zu setzen, solange man nicht übertreibt. Man muß nur seine
eigenen Grenzen

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kennen und sich hüten, sie leichtfertig zu überschreiten. Der
feinsinnige Poet besticht vermutlich durch seine romantische
Verträumtheit, während der urgesunde Naturbursche die
Frauenherzen mit unkomplizierter Aufrichtigkeit erobert.
Wenn aber eben dieser Naturbursche  plötzlich Hölderlin
zu zitieren beginnt, dann erntet er  höchstwahrscheinlich
ebenso unfreiwilliges Hohngelächter wie der sensible
Dichter, der versucht, im Wettstreit  mit einem athletischen
Hofschmied seinen kaum vorhandenen Bizeps spielen zu
lassen. Jeder Mann sollte sich  eben auf die Bereiche des
Lebens beschränken, die er  meisterlich oder zumindest
sicher beherrscht. Auch darf er seine Talente nur dort
anwenden, wo sie wirklich angebracht erscheinen.

Vermutlich riskiert der formvollendete Kavalier eine
Ohrfeige, wenn er in einem alpenländischen Kuhstall der
verständnislosen Magd die Hand zu küssen versucht. Sie wird
sich beleidigt fühlen und in ihrem verletzten Stolz  nach
dem bärenstarken Knecht rufen, falls sie es nicht vorzieht,
selber kräftig hinzulangen. Andererseits beschwört der
Jungbauer aus dem Oberammergau allerhand Unheil herauf,
wenn er zu nächtlicher Stunde in einem Hamburger
Villenviertel leise eine Leiter an eine Hauswand stellt, um
bei einer schmucken Deern fensterin zu gehen. Ein
Strafverfahren wegen versuchten  Einbruchs ist das
mindeste, was ihm bei diesem handfesten Flirt droht, sofern
der Staatsanwalt nicht gar Anklage wegen versuchter
Notzucht erhebt. Männer sind also gut beraten, wenn sie sich
auf der Suche nach einer passenden Frau überwiegend in den
Kreisen umschauen, die ihnen vertraut sind. Mag ein kleines
Abenteuer mit einer Partnerin aus einem anderen Milieu

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auch noch so pikant und herzerfrischend erscheinen, auf  die
Dauer wird eine solche Verbindung nur selten gutgehen. Nicht
umsonst sagten bereits unsere weisen Airvorderen: Schuster,
bleib bei deinem Leisten!  Aber schweifen wir nicht noch
weiter ab! Kehren wir zurück auf den Boden der Tatsachen
und halten wir uns wieder an unser Thema! Wer hindert
eigentlich einen  Mann daran, nicht nur seine Vorzüge zu
zeigen, sondern  darüber hinaus auch mit seinen kleineren
und größeren  Schwächen zu kokettieren? Er muß nur über
seinen Fehlern und über der Situation stehen. Dann verlieren
seine Mängel viel von ihrem Schrecken und wirken sich biswei-
len sogar segensreich aus.
Ich kenne einen Diplom-Physiker, der schon auf der
Schule mit Hemmungen und Schüchternheit geradezu
geschlagen war. Er errötete bereits bis unter die Haar-
wurzeln, wenn ihn ein junges Mädchen auch nur mit einem
flüchtigen Blick streifte. Niemals sah man ihn mit einer
Freundin, weil er stets einsam blieb. Er würde sich eher die
Zunge abgebissen haben, ehe er eine Frau angesprochen
hätte.
Mit den Jahren verstärkte sich seine Schüchternheit. Es  sah
aus, als steigere sie sich zu einem krankhaften Komplex. Aus
lauter Verzweiflung stürzte er sich in seine Arbeit. Er bestand
sein Staatsexamen an der Universität mit  den allerbesten
Noten, aber er wurde dieses Erfolges nicht recht froh, weil
er sich bei den Frauen als hundertprozentiger Versager
fühlte. Dabei hatte er doch noch nie in seinem Leben auch
nur den geringsten Versuch unternommen, ein Mädchen zu
umwerben.  Bis er sich eines Tages todesmutig entschloß,
über seinen Schatten zu springen. In einem Tanzcafe
sprach er

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klopfenden Herzens ein hübsches Mädchen an. Dabei tat  er
unbewußt das Richtige. Er gestand der Kleinen zögernd
und stockend, wie schüchtern er sei und welche
Überwindung ihn dieser Schritt kostete.  Der Erfolg war
überwältigend. Dem Mädchen gefiel seine Offenheit. Die
Schöne ließ sich durch seinen Mut beeindrucken, und weil
er durch seine bescheidene Zurückhaltung vorteilhaft von
den anderen ungehemmten  Männern abstach, ermunterte
sie ihn, vollends aus der Reserve vorzutreten. Der Bann war
gebrochen. Die beiden wurden ein glückliches Paar, bis die
Partnerschaft  nach einigen Monaten aus irgendeinem
Grunde, den ich  heute nicht mehr weiß, auseinanderging.
Zwar legte der junge Physiker auch jetzt seine Schüch-
ternheit nicht ab, sosehr er sich auch um ihre Überwindung
bemühte. Aber er benutzte sie nun als sicheres Mittel zum
Zweck. Mit ihrer Hilfe gelang es ihm, auch die  sprödeste
Frau zu erweichen. Seine demonstrierte Hilflosigkeit und sein
trauriger Blick zogen immer. Er hatte eine wirkungsvolle
Masche gefunden, die ihm den Weg  zum Herzen der
Damen ebnete und alle Türen öffnete. Man kann sagen, daß
er sich in seiner Schüchternheit pudelwohl fühlte.

Vor einigen Jahren umwarb er mit gewohnter, zurück-
haltender Bescheidenheit eine bekannte Schauspielerin, nach
der sich ungezählte Männer von Format die Hak-ken
schiefgelaufen hatten. Er bekam sie, und kürzlich
heirateten beide. Ein schüchterner Bursche voller Hem-
mungen triumphierte über eine Meute ausgekochter, er-
folggewohnter Casanovas, die er auf die Plätze verwies.
Dieses Beispiel sollte den ungezählten Leidensgenossen
jenes Physikers Mut machen. Es ist nicht einzusehen,

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warum sie nicht ebenfalls aus ihren nur scheinbar negativen
Eigenschaften Kapital schlagen könnten. Ein Versuch lohnt
bestimmt Und er wird kaum schaden. Die  Chancen
stehen gut.

In der Liebe ist es wie im Beruf. Ein Mann muß sich gut
verkaufen. Ob Künstler, Artist, Musiker oder Vertreter, sie
alle leben davon, daß sie sich ins rechte Licht setzen  und
vorteilhaft anpreisen. Jedermann weiß, daß beispielsweise
zwei Hochseilartisten, die das gleiche Risiko  eingehen und
gleich schwere Kunststücke unter Lebensgefahr vollbringen,
oftmals völlig unterschiedlich «ankommen». Der eine wird
frenetisch umjubelt und überschwenglich gefeiert, während
der andere nur bescheidene Achtungserfolge erringt, weil er
sich psychologisch nicht so wirkungsvoll in Szene zu setzen
versteht. Wer  kennt nicht den erfolgreichen Vertreter, der
allabendlich  eine dicke Aktentasche voller Aufträge
heimbringt und  die verbissenen Mitbewerber lässig aus
dem Felde  schlägt? Denn er vermag es, sich und damit
auch seine  Waren besser anzubieten. Warum reißt der eine
Conferencier das Publikum zu wahren Beifallsstürmen hin,
und weshalb rührt sich beim Vortrag seines Kollegen im Saal
kaum eine Hand, obwohl dessen Witze keinesfalls
schlechter sind? Es kommt eben immer darauf an, wie
geschickt man sein Angebot serviert. Die Zahl der Beispiele
ist endlos und würde ganze Bände füllen, wenn  man sie
anführen wollte.
Jeder Mann hat es selbst im Griff, aus seinen Fähigkeiten  das
Beste zu machen. Die Welt ist ein Markt, auf dem er sich gut
verkaufen muß, um vor der Konkurrenz bestehen zu können.
Und die Konkurrenz - machen wir uns nichts vor - ist gerade
in der Liebe groß, weil sie keines

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hohen Einsatzes bedarf. Deshalb sind alle Mittel erlaubt,
mögen sie auch noch so hemdsärmelig und unfair sein. Will
ein Mann bei den Frauen zum Zuge kommen, muß  er sich
konsequent um ihre Aufmerksamkeit bemühen. Ihm bleibt
nichts anderes übrig, als werbewirksam auf  sich
hinzuweisen. Nur so weckt er weibliche Neugier und frauliches
Interesse an seiner Person. Denn es ist in allerhöchstem Maße
unwahrscheinlich, daß ihn eine Schöne, die von seiner
Existenz nicht einmal etwas ahnt, im tiefsten Dschungel des
Lebens aufspürt und dann auch noch an die Hand nimmt, um
ihn schnurstracks und ohne Widerrede ins Paradies aller
Lüste zu führen. Vor den  Frauen allerdings, die so etwas
doch versuchen, sollte er  sich tunlichst in acht nehmen. Sie
besitzen vermutlich offene oder verborgene Fehler, vor denen
andere Männer nicht ohne Grund zurückgeschreckt sind. Hier
ist zumindest Vorsicht geboten.
Der kluge Mann wird aus seinem Typ das Beste machen.
Ändern freilich kann er sich bestimmt nicht, weil sein
Charakter angeboren und nicht austauschbar ist. Eben-
sowenig würde es ihm gelingen, aus seiner Haut zu
schlüpfen. Aber er hat die Möglichkeit, seine Tugenden  zu
kultivieren und seine Schwächen zu mildern, indem er  die
Vorzüge hervorhebt und eventuell aktiviert, die Fehler und
Mängel hingegen überspielt und nach Möglichkeit
verkümmern zu lassen versucht. Er wird erfolgreicher sein
als er anfänglich zu hoffen gewagt hat. Das ist eine Tatsache.
Auf jeden Fall aber muß er die umworbene Frau wissen
lassen, daß er sie begehrt und sich nichts sehnlicher wünscht
als sie zu gewinnen. Wohl jeder hat  schon einmal eine
Frau sagen gehört: «Hätte ich nur  geahnt, daß Tommy
mich liebt, ich wäre tausendmal lie-

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her mit ihm zum Standesamt gegangen als mit Peter!»
Aber Peter hat sie bekommen, weil er die Mühe nicht
scheute, um sie zu werben.
Jeder Mann hat sein Liebesglück selbst in der Hand. Pa-
tentlösungen und todsichere Tricks, eine Frau herumzu-
kriegen, gibt es allerdings nicht, und es wird sie auch niemals
geben. Denn jedes Mädchen ist ein individuelles  Wesen,
das auf ganz persönliche, spezifische Reize anspricht und
reagiert. Was die eine Frau hell begeistert, das stößt die
andere vielleicht rigoros ab. Und umgekehrt. Am Manne
liegt es herauszufinden, was seine angebetete Eva mag und
was sie ablehnt. Sie wird ihm dieses Unterfangen zweifellos
erleichtern, sofern sie auch  nur geringfügig an ihm
interessiert ist. Allerdings sollte  er ihre diskreten
Fingerzeige auch beherzigen. Frauen  verstehen es nämlich
meisterhaft, einen Mann zu ermuntern, wenn sie nur wollen.
Er muß nur ihre heimlichen  Zeichen richtig zu deuten
wissen. Gut beraten ist der Mann, der sich bei der Werbung
um eine Schöne nicht verstellt. Er mag eine angenommene
Rolle zeitweise noch so gut spielen, auf die Dauer ist es
noch keinem gelungen, die Täuschung konsequent
durchzuhalten. Irgendwann, meistens schon sehr bald, fällt
dann die Maske, und das wahre Ich bricht wieder durch.
Kein intelligenter Zeitgenosse wird deshalb falsche Vor-
stellungen zu erwecken versuchen, denen er über kurz oder
lang nicht gerecht zu werden vermag, es sei denn, er  ist auf
ein kurzes, flüchtiges Abenteuer aus. Und dafür sollte ihm
jedes Mädchen zu schade sein, sofern nicht auch sie ihm zu
verstehen gibt, daß sie ebenfalls nur vorübergehenden
Nervenkitzel sucht. In solchen Fällen hei-

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ligt das gemeinsame Einverständnis sowohl die Art als auch
den Zweck der gegenseitigen Beziehung. Männer sollten auf
jeden Fall ehrlich sein. Ihre Aufrichtigkeit schafft eine Basis
des Vertrauens. Und wer das  Vertrauen einer Frau
gewinnt, der hat meistens schon  halb gesiegt. Denn sie
offenbart sich vorbehaltlos nur einem Manne, den sie auch
lieben könnte. Und die höchste  Steigerung des Vertrauens
gipfelt in der körperlichen Hingabe.
Wenn es auch keine narrensicheren Patentrezepte und
Tricks gibt, stehen einem Manne doch viele Wege offen, eine
Frau anzusprechen und kennenzulernen. Dabei  schälen
sich drei Methoden besonders heraus:
1. Der schüchterne, zurückhaltende Typ versucht sein

Glück im konventionellen Gespräch, das er mit ent-
waffnender Offenheit beginnt. Dabei darf er ohne
weiteres seine Hemmungen anklingen lassen, mit
denen er beweist, daß die improvisierte Kontaktaufnahme
keinesfalls zu seinen Gewohnheiten gehört  und
tatsächlich ein ungewöhnliches Mittel darstellt,  zu dem
er nur Zuflucht nimmt, um die unwiederbringliche
Gelegenheit nicht entfliehen zu lassen, seine Traumfrau
kennenzulernen. Selbstredend kann  es nicht schaden,
wenn der Mann ein wenig melancholischen Charme
einfließen läßt. Es ist sicher, daß  die Angesprochene
nicht unbeeindruckt bleibt. Und  selbst wenn sie ihm
einen Korb gibt, wird sie ihn sehr sanft und mitfühlend
überreichen. Auch im al-lerschlimmsten Falle kann
dann von einer Abfuhr  keine Rede sein, sondern
höchstens von bedauernder Unmöglichkeit. Der Mann
wahrt sein Gesicht,  und er darf sich überdies damit
trösten, daß er mit

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seinem Kontaktversuch einer hübschen Frau ein artiges
Kompliment gemacht hat, das sie mit Stolz erfüllt und an
das sie noch lange verklärt zurückdenken wird.

2. Der kecke, forsche Typ wird alles daransetzen, die Frau

seiner Wahl durch einen unerwarteten Angriff  zu
überrumpeln. Das Überraschungsmoment sichert  ihm
ungeahnte strategische Vorteile, die es zu nutzen gilt. Aber
während man den schüchternen, zurückhaltenden Mann
ruhig zu kühnem Engagement ermuntern darf, muß man
diesem unternehmungslustigen Eroberer raten, sich zu
zügeln und nicht über  das Ziel hinauszuschießen. Er
muß gebremst werden, wenn er keinen irreparablen
«Flurschaden» anrichten  soll. Vor allem sei ihm ans Herz
gelegt, daß es plumpe  Frechheiten zu vermeiden gilt.
Rohe Redensarten  verstimmen jede Frau, selbst wenn sie
noch so harmlos gemeint sind. Auch ein Draufgänger muß
Fingerspitzengefühl besitzen, wenn er beim schwachen Ge-
schlecht Erfolg haben will. Geistloses Selbstbewußtsein
führt ebensowenig zum Ziel wie ungedämpfte
Überheblichkeit. Nur zu viele Männer, die sich über
Minderwertigkeitskomplexe nicht gerade zu beklagen
haben, können einfach nicht begreifen, warum sie beim
anderen Geschlecht nicht ankommen, obwohl  sie jede
sich bietende Gelegenheit nutzen. Der Grund liegt auf der
Hand. Statt mit gebremstem Schaum  zu manövrieren,
drücken sie voll auf die Tube und  verschrecken jedes
Mädchen mit halbstarker Rüpelhaftigkeit. Besonders
schlimm wird es, wenn sie im  Rudel auftreten und sich
gegenseitig zu übertrumpfen  versuchen. Dann bleibt die
Liebe auf der Strecke,

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und ihre Bemühungen enden in einem vorauszu-
sehenden Fiasko. Würden sie gezähmter und be-
herrschter agieren und mehr Rücksicht zeigen, sie
hätten ohne Zweifel viel öfter den angestrebten Erfolg,
der ihnen so häufig versagt bleibt. Ein sieghafter,
besitzergreifender Auftritt führt eben nur dann zum Ziel,
wenn das Temperament wohldosiert eingesetzt wird und
die Kühnheit sich dem Taktgefühl unterordnet. Wer
über kein feines Empfinden verfügt, der  sollte ohnehin
lieber die Finger von den Frauen lassen. Er hat sie nicht
verdient.

3. Der lebenserfahrene, gewandte Typ des Bonvivant

versucht die Frauen mit überlegenem Charme zu
verführen, den er im Übermaß verströmt und mit
vollen Händen in die Waagschale wirft. Er wickelt
seine Auserwählte um den kleinen Finger, indem er
Komplimente und andere Artigkeiten formuliert, die den
Damen gar vorzüglich schmecken. Er bekräftigt  seine
Liebe mit tausend Eiden, beherrscht die Skala  aller
Leidenschaften und gibt erst auf, wenn er ein Mädchen
besiegt hat. Diese Männer brauchen am allerwenigsten
guten Rat oder hilfreiche Tricks. Sie sind in allen Sätteln
gerecht, wissen das richtige Wort  zur rechten Zeit zu
finden und geraten niemals in  Verlegenheit. Weil sie
niemals aus der Rolle fallen  und in jeder Situation
Lebensart zu zeigen verstehen,  finden sie vor allem bei
den reiferen Evastöchtern  Anklang. Aber auch
erstaunlich viele junge Mädchen  gehen ihnen ins Netz.
Die Welt ist voll von älteren, graumelierten und sogar
weißhaarigen Bonvivants,  die sich im Herbst ihres
Daseins mit begehrenswerten  Schönheiten umgeben.
Denn bei ihnen finden die

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Frauen Verständnis und Geborgenheit, die sie bei
jüngeren Männern vergeblich suchen. Und sie werden
nur selten enttäuscht. Der lebenserfahrene Kavalier
weiß nämlich wie kaum ein anderer, was er einer Frau
schuldig ist. Ihn darf man als den erfolgreichsten Typ
bezeichnen, an dem sich kluge Burschen neidlos
orientieren sollten. Sie können unendlich viel bei ihm
lernen.

Diese drei auf den jeweiligen Typus des Mannes abge-
stimmten Praktiken wiederholen sich ständig, auch wenn  sie
noch so ideenreich und phantasievoll variiert werden.
Trotzdem gehört die Improvisation spontaner Kontakt-
aufnahme nicht zu den gebräuchlichsten Gepflogenheiten
auf dem erotischen Sektor. Denn so vielversprechend sie
auch immer sein mag, ziehen die meisten Männer bequemere
und weniger riskante Wege vor, wenn es  darum geht, ein
Mädchen kennenzulernen und zu erobern. Die Herren der
Schöpfung sind nämlich nicht nur  faul, sondern auch feige,
von Ausnahmen abgesehen. Ihnen mangelt es zum
Leidwesen der erwartungsvollen  Damen viel zu häufig an
der notwendigen Zivilcourage.  Fast alle werden von
Hemmungen gequält.  Niemand braucht den Kopf
resignierend hängenzulassen, nur weil er sich für
unscheinbar oder gar häßlich hält. Jeder Adam sollte wissen,
daß es den wirklich abstoßenden Mann nicht oder höchstens
ganz selten gibt, weshalb er kaum eine Chance hat, zur
Gruppe dieser hoffnungslosen Exemplare zu gehören. Meist
bilden sich die  armen Burschen ihre mangelnde
Attraktivität nur ein,  weil sie nicht in der Spitzenklasse der
männlichen Schönheitsgalerie vertreten sind. Dabei züchten
sie ihre Minderwertigkeitskomplexe zur Größe
ausgewachsener Ele-

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fanten heran, von denen sie schließlich erdrückt werden.
Nicht etwa ihr Aussehen trägt die Schuld an der Erfolglosigkeit
beim anderen Geschlecht. Die Komplexe sind es,  denen sie
ihre Niederlagen verdanken.  Optische Mängel lassen sich
fast stets durch gewissenhafte Körperpflege ausgleichen.
Gewaschenes Haar  sieht anziehender aus als eine
schuppenübersäte Mähne,  und mag sie noch so voll und
üppig sprießen. Saubere  Fingernägel wecken größere
Sympathien als die edelsten Künstlerhände, die sich
permanent nach Wasser  und Seife sehnen, und ein netter
Junge in adretter Kleidung, die ruhig salopp sein darf,
besticht Frauenblicke  mehr als der athletische Muskelprotz
in einer speckigen Hülle.

Männliche Schönheit kennt glücklicherweise keine  Norm.
Sie liegt allein im Auge der Betrachterin, über Geschmack läßt
sich nun mal nicht streiten. Jede Frau hat ein anderes Ideal.
Die eine bevorzugt den superschlanken, gewandten Typ, die
andere wieder zieht den breitschultrigen, bedächtigen Mann
vor, und noch eine andere gerät vielleicht ins Schwärmen,
wenn sie einen introvertierten Jungen kennenlernt, dessen
Zurückhaltung in ihr romantische Gefühle weckt. Damit soll
freilich nicht  bestritten werden, daß manche Männer im
Anfang auf einen größeren Kreis von Frauen wirken als
andere.  Wir alle kennen doch den Mann, der im landläufigen
Sinne weder hübsch noch klug ist, trotzdem aber die Mäd-
chen geradezu magnetisch anzieht, während ausgesprochene
Filmschönheiten dieser Spezies trotz ihrer vollendeten
Umgangsformen so langweilig und nichtssagend wirken,
daß sie keine Partnerin zu halten vermögen. So  kommt es
tatsächlich weniger darauf an, ob ein Mann gut-

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aussieht. Wichtig ist allein, daß er Erfolg bei Frauen hat Der
Erfolg jedoch ist einzig und allein an die sexuelle
Ausstrahlung gebunden. Äußere Vorzüge wecken be-
stenfalls das weibliche Interesse, das jedoch rasch wieder
abklingt, wenn hinter der maskulinen Schönheit keine
wirklichen Qualitäten verborgen sind.  Selbstredend muß
kein Mann ständig auf der Jagd sein, um eine passende Frau
zu finden. Aber ein Mindestmaß  von Aktivität gehört nun
einmal dazu, wenn er hin und  wieder Erfolg in der Liebe
haben will, bis er endlich die Richtige entdeckt und erobert
hat. Je wählerischer ein  Mann ist, desto länger wird er
suchen müssen, bis er das  Ziel seiner heimlichen Wünsche
erreicht hat. Der Sieg bei einer umschwärmten Schönen setzt
überdies Beharrlichkeit und Ausdauer voraus. Glück hat auch
in der Liebe auf die Dauer nur der Tüchtige.  Bedenkenlos
darf der suchende Mann seine Freunde als  Quelle für neue
Kontakte ausnutzen. Und wenn es gute  Freunde sind, dann
darf er sie sogar skrupellos strapazieren. Das ist besser, als sich
passiv von ihnen als geselliger Pausenclown gebrauchen zu
lassen. Man wird ihm sicher Verständnis entgegenbringen.
Der Junggeselle kann seine Wünsche ruhig spezifizieren.  Er
muß sagen, was er bei Frauen liebt und was er nicht mag.
Er soll seine Vorstellungen so genau wie möglich
beschreiben und präzise sein.

Ein Mann, der zielstrebig die Initiative ergreift, um eine
Frau zu ködern, hat tausendmal größere Chancen als
einer, der auf den Zufall wartet und darüber eventuell
steinalt wird.
Wer unentschlossen zögert, der kommt nicht weiter. Es  ist
doch wirklich nicht schwer, eine Frau mit kultivierter

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Noblesse und gewinnendem Charme zu umgarnen. Ein
aufmunternder Blick und ein lobendes Wort kosten keine
Überwindung, solange man keine umständliche «Staats-
aktion» daraus macht.
Jede Frau, jedes Mädchen wird entwaffnet, wenn ein
Mann ihr zu verstehen gibt, daß er sie mag. Mit einem
einzigen gezielten, wohlgesetzten Kompliment erschüttert er
selbst die ausgekochteste Männerhasserin in ihrer zynischen
Selbstsicherheit.
Selbstverständlich muß sich ein Mann auf der Suche nach
einem weiblichen Pendant in die Gesellschaft von  Frauen
begeben. Sonst verringern sich seine Chancen  rapide. In
einem Fußballclub, im männlichen Kegelverein oder in der
Verbindung ehemaliger Hochseematrosen ist er bei seinen
Bemühungen fehl am Platze. Natürlich muß der Mann auch
sonst gezielt vorgehen. Es  genügt nicht, die Orte
aufzusuchen, an denen Frauen zu  finden sind. Es müssen
auch die richtigen Orte sein. Eine  Jungfrau findet er
bestimmt nicht im Eros-Center oder hinter dem Tresen einer
Nachtbar, während er im Tagesraum der Frauenschaftsriege
e.V., die sich rigoros gegen vorehelichen Geschlechtsverkehr
wendet, kaum auf einen vollbusigen, willigen Vamp treffen
wird.  Es gibt allerdings den Glückspilz, der überall fündig
wird.  Auf einer reinen Herrenpartie am Vatertag reißt er
die  einzige bildhübsche Kellnerin des Gartenlokals auf. Im
gemischten Kirchenchor fällt ihm die einzige wirkliche
Schönheit des ganzen Landkreises buchstäblich in den
Schoß. Und in der Militärkaserne wirft sich ihm unter tausend
Kameraden die einzige und überdies außerordentlich
begehrenswerte Stabsärztin an den Hals. Aber das ist kein
Glück mehr. Das ist eine unerforschli-

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ehe Fügung, deren Logik sich jeder irdischen Analyse
entzieht. Die Juden bezeichnen so etwas ganz einfach als
«Massel».

Ein junger Student, der ein keineswegs erfolgloses Lie-
besleben führt, bevorzugt ein zweispuriges Verfahren,
um sich seine Gespielinnen zu suchen. Er nennt es die
allgemeine und die systematische Methode. Die
allgemeine Taktik besteht darin, daß er jede Party
besucht, zu der er eingeladen ist. Er versäumt keinen
Tanzabend, kein Jazz-Konzert, keine Geburtstagsfeier,
keinen Betriebsausflug oder was auch immer eine Frau
anzieht, die zu ihm passen könnte. Und er behauptet, daß
diese allgemeine Taktik Gold wert ist. Denn fast immer
findet er, was er sucht. Wem das Leben vieles bietet, dem
wird es wenigstens etwas bringen. Die systematische
Taktik gehorcht anderen Gesetzen. Um sie
anzuwenden, muß sich der Mann vorher genau
überlegen, welcher Typ Frau ihn besonders anzieht und
zu ihm paßt. Dann braucht er sich nur noch gezielt auf
den Weg zu machen und sie aufzuspüren, was übrigens
leichter ist, als es sich anhört. Eine sportliche Schöne fin-
det man im Tennis-Club, bei den Treffpunkten der
Schwimmer oder im Reiterverein. Ein häusliches Mäd-
chen sucht man tunlichst dort, wo hauswirtschaftliche
Talente gepflegt werden, also im Kochkursus der Volks-
hochschule beispielsweise oder im Handarbeitszirkel.
Und die musische Eva ist vermutlich in Bibliotheken, Mu-
sikvereinigungen und Universitäten zu Hause, bestimmt
nicht in Bars und Diskotheken, obwohl natürlich keine
Regel ohne Ausnahmen denkbar wäre. Im Grunde ist
alles leichter, als man befürchten müßte. Aber ohne
Initiative und mit zu großen Hemmungen

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wird jeder Versuch ein Schlag ins Wasser werden. Hem-
mungen sind die schlechtesten Voraussetzungen für einen
Erfolg beim anderen Geschlecht.  Nicht wenige Männer
leiden so sehr unter ihrer sichtbaren Unzulänglichkeit, daß sie
sich nur bei häßlichen Mädchen zu einem spontanen Angriff
aufraffen. Weil sie sich selbst für unansehnlich halten, verläßt
sie angesichts attraktiver Frauen der Mut.

Ein mit Komplexen beladener junger Bursche gesteht offen
seine Verklemmtheit ein: «Die meisten normalen Männer
ziehen Mädchen vor, die einigermaßen gut aussehen. Es
müssen ja keine ausgesprochenen Schönheitsköniginnen sein.
Aber irgendwo besitzen sie ihre Reize.  Ich hingegen kann
mit hübschen Frauen einfach nichts  anfangen. In ihrer
Gegenwart stellen sich bei mir Herzflattern und sogar
Schwindelanfälle ein. Nur wenn ich ein  Mädchen sehe, das
äußerlich ohne jede Anziehungskraft ist, komme ich in Fahrt.
Um ein Mädchen fürs Bett zu finden, erregt mich die
Vorstellung, ein weibliches Wesen  mit abstoßenden Zügen
zu verführen. Je häßlicher meine  Auserwählte ist, desto
ruhiger werde ich, und um so größere Genugtuung erfüllt
mich.
Natürlich habe ich schon zahlreiche Eroberungen gemacht,
denn die häßlichen Mädchen sind stets sehr willig,  weil sie
wissen, daß sich ihnen nicht allzu viele Chancen bieten.
Kürzlich besuchte ich mit einem guten Freund unseren
Fotoclub, in dem mir sofort eine junge Frau auffiel, die
wirklich nicht zu übersehen war. Denn sie ist das ab-
stoßendste Wesen, das ich jemals erblickt habe: außer-
ordentlich fett, unproportioniert, mit schrecklich vielen
schwarzen Haaren an den Beinen und einem ebensol-

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chen Schnurrbart über der Oberlippe. Als ich sie sah, stieg
in mir das Verlangen auf, mit ihr ins Bett zu gehen  und die
Liebe zu vollziehen.
Im Laufe des Abends gelang es mir, die Kleine zu einem
Schäferstündchen in meiner Wohnung zu überreden, was
mir nicht die geringste Mühe bereitete. Als wir zusammen
den Club verließen, bemerkte ich die spöttischen Blicke der
anderen anwesenden Männer, die mich  in höchste
Verlegenheit brachten.  In meinem Schlafzimmer stiegen
wir nach einigen  Drinks sofort ins Bett, wo wir den
Beischlaf vollzogen, in  dessen Verlauf sie mehrmals zur
Klimax kam, bis auch ich den Orgasmus erreichte.

Hinterher war mir allerdings so hundeelend, daß ich
mich vor mir selber schämte, die Liebe mit einer so unat-
traktiven Frau genossen zu haben. Ich verabschiedete sie sehr
schnell und verfiel anschließend in tiefste Depressionen.
Allerdings weiß ich nur zu gut, daß ich mich bei nächster
Gelegenheit sofort wieder für eine häßliche  Partnerin
entscheiden werde. Denn bei hübschen Mädchen bin ich,
wie gesagt, unfähig zu einer Erektion.»  Es gibt tatsächlich
eine stattliche Reihe von Männern, die  wissen, daß
unscheinbare oder gar unschöne Frauen  selbst für die
kleinste Aufmerksamkeit eines Mannes  dankbar sind und
sich deshalb problemlos erobern lassen. Groß ist auch die
Gruppe jener Männer, die auf häßliche Frauen infolge früherer
zufriedenstellender Sexualerfahrungen fixiert sind. Und
dann mag es noch einige  Kavaliere geben, die sich in die
Vorstellung verrannt haben, daß Sex an sich schon häßlich sei
und deshalb auch  eine häßliche Gespielin erfordere.  In
unserem abendländischen Kulturkreis trennen näm-

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lieh viele Zeitgenossen ihre sexuellen von den psychischen
Wünschen. Sie teilen die Frauen in zwei Kategorien, nämlich
in die guten Frauen wie Mutter, Schwester oder Madonna für
das Gefühl und in die schlechten für  den angeblich
schmutzigen Sex. Deshalb suchen sie körperliche Befriedigung
allein dort, wo sie sich gefühlsmäßig nicht zu engagieren
brauchen, weil sie die Partnerin in jeder Hinsicht abstoßend
finden. Die Kluft zwischen  psychischen und sexuellen
Bedürfnissen hindert manchen Mann daran, Genuß ohne
Reue zu finden.  Nur wer sich seiner eingebildeten
Schuldkomplexe entledigt und wirklich unbelastet das
Liebesspiel einleitet, der wird den Beginn, den Vollzug und das
Ende einer sexuellen Beziehung unbeschadet überstehen.
Ungezwungenheit und Natürlichkeit sind das Geheimnis, mit
dem erfolgreiche Liebhaber ihre Siegeszüge begründen.
Denn  die Angst lahmt nicht nur den Penis, sondern auch
die Zunge. Wem der Anblick eines hübschen Mädchens die
Sprache verschlägt, der darf nicht erwarten, daß die
«Eva» seine Wünsche errät, selbst wenn sie noch so ungeduldig
darauf wartet, daß er die Gelegenheit beim Schöpfe packt.
Denn die Frauen fürchten eine peinliche Niederlage nicht
weniger als die Männer. Allerdings haben sie  mehr zu
verlieren, weil sich couragiertes Engagement,  das nicht zur
Verwirklichung führt, bei ihnen besonders  verhängnisvoll
offenbart. Es verträgt sich einfach nicht  mit der passiven
Rolle, welche die Gesellschaft ihnen auf den Leib geschrieben
hat. Eine Frau, die um einen Mann  wirbt und dabei
abgewiesen wird, verliert ihr Gesicht. Sie  muß darüber hinaus
auch befürchten, daß die Umgebung sie nicht nur belächelt,
sondern auch verspottet.  Die Emanzipation scheint es
trotzdem möglich zu ma-

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chen. Seit das weibliche Geschlecht sein Selbstbewußtsein
zu entdecken beginnt, fassen die Mädchen immer häufiger
Mut. Sie wollen nicht mehr länger nur begehrte Objekte sein,
sie fangen auch selber an, im sexuellen Bereich Aktivitäten zu
entwickeln.  Ich habe vorhin vor den Frauen gewarnt, die
einen Mann  zu überrumpeln versuchen. Und diese
Warnung ist  durchaus berechtigt. Niemand aber sollte es
einer Frau verübeln, wenn sie mit weiblicher Raffinesse und
schlan-genhafter Verführung den Mann ihrer Träume zu
umgarnen versucht. Dabei darf sie selbstverständlich die un-
sichtbare Hemmschwelle überschreiten, wenn sie es so
unauffällig tut, daß selbst der aufs Korn genommene
Mann es nicht gewahr wird.
Denn es lohnt sich kaum, wenn ein Mädchen allein aus
gesellschaftlichen Hemmungen heraus seine Chancen aufs
Spiel setzt. Kein Mensch wird ernsthaft verlangen, daß eine
alleinstehende Frau auf ihr Glück verzichtet,  nur weil
Aktivität noch immer ein Recht zu sein scheint, das in erster
Linie dem Manne zugeordnet wird.  Zweifellos gilt
Passivität auch heute noch immer als urweibliche Tugend.
Sie wird im Privatleben ebenso von der Frau verlangt wie in
der Gesellschaft, in der Öffentlichkeit und - von wenigen
Ausnahmen abgesehen - auch im Beruf.
Bei Licht betrachtet, sind Aktivität und Passivität aber
beileibe keine Merkmale, die nur für den Mann oder nur für
die Frau gelten. Aktivität und Passivität sind weitgehend
unabhängig vom Geschlecht. Nur die Tradition hat in dieser
Hinsicht Normen gesetzt und Vorurteile geschaffen. Es gibt
nämlich auch aktive Frauen und passive Männer.

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Bei vielen Menschen sind Motivation wie nachgiebige
Toleranz gleichwertig nebeneinander existent. Im sexuellen
Bereich werden sogar je nach der persönlichen Veranlagung
alle nur denkbaren Abarten im geschlechtlichen
Wechselspiel auftreten. So kann ein außerordentlich aktiver
und männlicher Mann im Sexleben betont  passiv
empfinden, während umgekehrt eine normalerweise
denkbar passiv auftretende Frau bisweilen erstaunliche
Aktivitäten in sexueller Hinsicht entwickelt. Sehr oft
werden die stärksten Supermänner in den Armen einer
Schönen schwach und genießen die weibliche Dominanz mit
allen Sinnen. Ein solcher Rollentausch  kann sich sogar zu
einem aufregenden Spiel entwickeln, bei dem beide Partner
voll auf ihre Kosten kommen.  Nicht wenige Frauen
geraten in Ekstase, wenn sie im  Bett einmal die Führung
übernehmen und die Zügel an sich reißen.
Eine zeitweilige Passivität des Mannes ist weder unnatürlich
noch widerspricht sie der männlichen Funktion als
Beschützer oder Familienoberhaupt. Die Aktivität der
Frau wiederum ist ebensowenig unnatürlich oder gar
pervers. Sie widerspricht ebenfalls nicht der weiblichen
Rolle als Mutter oder Gefährtin. Als untragbar wird solches
Verhalten nur von jenen Leuten empfunden, die  noch in
alten Vorurteilen befangen sind, welche aus ihrer  Erziehung
resultieren.

Das neue Selbstbewußtsein, das die Frau von heute tagtäglich
in ihrem Selbstverständnis stärkt, macht es ihr immer leichter,
sich deutlicher und nachdrücklicher als jemals zuvor zu ihrer
Sexualität zu bekennen. Erotik und Sex unterliegen nicht
mehr so sehr der verdammenden Verachtung, der sie noch
vor wenigen Jahren ausgelie-

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fert waren. Tabus werden abgebaut, auch wenn sie freilich
noch lange nicht ihre Macht verloren haben. Vorurteile und
Traditionen besitzen ein langes und zähes Leben.

Mancher Mann wäre froh, wenn ihm ein Mädchen die Qual
des ersten Schrittes auf dem Wege zur Gemeinsamkeit
abnehmen würde. Und nicht selten geht diese vage
Hoffnung auch in Erfüllung. Aber kein Bursche sollte sich
auf dieses Wunder verlassen. Trotz aller Theorien  von
Emanzipation und Gleichberechtigung kostet es die  Frauen
keine geringere Überwindung als die Männer,  über den
eigenen Schatten zu springen. Schüchterne, zurückhaltende
Knaben haben den Routiniers einige Vorteile voraus. Sie
sind besonders erfindungsreich, wenn es darum geht, eine
Schöne auf sich  aufmerksam zu machen und ihr Herz zu
gewinnen. Sie  ersetzen die Nonchalance der furchtlosen
Rivalen durch  unerwartete Ideen und hoffen gottergeben,
daß die Angebetete leichtfüßig in die ausgelegte Schlinge
tappt. Leider haben sie nicht immer Erfolg, weil die Frauen und
die Geschicke gleichermaßen unberechenbar sind und sich
oft genug jeder mathematischen Kalkulation entziehen.  Ein
sympathischer, aber außerordentlich gehemmter  Junge,
der als Kassierer in der Zweigstelle einer Bank arbeitete,
verliebte sich in eine hübsche Kundin, die ihn so  sehr
faszinierte, daß er nachts kaum noch Schlaf fand. Er
zermarterte sich das Gehirn auf der Suche nach einer
Möglichkeit, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Aber er
schien für die Kleine, die sich an jedem Monatsende ihr
Gehalt von ihm auszahlen ließ, einfach Luft zu sein. Sie  sah
durch ihn hindurch, als sei er aus Glas wie die Pan-
zerscheibe, die ihn von ihr trennte.

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In seiner Verzweiflung dachte er sich einen nicht unge-
fährlichen Schachzug aus. Und als das Mädchen wieder
einmal erschien, um ihren Scheck einzulösen, blätterte er
ihr schnell und unauffällig drei Hunderter zuviel auf das
Zahlbrett. Mit klopfendem Herzen beobachtete er, wie
die schöne Kundin das Geld zusammenraffte und achtlos
in die Handtasche steckte. Das Blut dröhnte in seinen
Ohren, als sie die Schalterhalle wieder verließ.
Natürlich war dem verliebten Kassierer nicht wohl bei
der ganzen Angelegenheit. Denn drei Hunderter bedeu-
teten zu jener Zeit für ihn ein kleines Vermögen. Aber er
wollte es darauf ankommen lassen und seinem Glück ei-
nen kleinen Stoß geben.
Tatsächlich betrat das niedliche Mädchen kurz vor Ge-
schäftsschluß noch einmal den Kassenraum, sah sich er-
rötend um und näherte sich zielstrebig dem Schalter un-
seres Kassierers, der vor Aufregung einem Herzinfarkt
nahe war. In der Hand hielt sie die drei Hunderter, die sie
ratlos hin und her schwenkte.

Der Kassierer bekam sein Geld zurück - und das Mäd-
chen dazu. Heute sind beide längst verheiratet. Sie ha-
ben zwei Kinder und ein Häuschen im Grünen. Wenn
man den liebevollen Gatten fragt, ob das Risiko, das er
damals einging, nicht doch sehr hoch gewesen sei, ant-
wortet er lächelnd: «Diese Frau war mir das Wagnis wert.
Ich habe ziemlich hoch gepokert, aber gewonnen. Hätte
ich es nicht getan, sie würde heute noch nicht wissen, daß
es mich gibt!»
Solche Übungen seien freilich nicht zur Nachahmung
empfohlen, oder nur dann, wenn sich der Spieler den
Verlust seines Einsatzes leisten kann. Denn die Schön-
heit einer Frau ist noch lange keine Garantie für ihre Ehr-

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lichkeit, was jedoch auf keinen Fall heißen soll, daß weib-
liche Anmut zu wachsamer Vorsicht Anlaß geben sollte.
In diesem Falle hat Geld eine Ehe gestiftet. Oftmals
aber 

spielt es in den zwischenmenschlichen

Beziehungen eine unheilvolle Rolle. Und manchmal wird
es sogar als Köder  benutzt, der eine kleine Frau alle
guten Vorsätze vergessen läßt. Wie in der folgenden
Geschichte, für deren Authentizität ich mich allerdings
nicht verbürgen kann. So kam an einem Freitagabend
kurz vor Geschäftsschluß ein eleganter, weißhaariger
Herr mit einer entzük-kenden jungen Dame zu einem
Juwelier und ließ sich eine Auswahl der erlesensten
Brillantringe vorlegen, von  denen das Mädchen einen
Reif auswählen durfte. Mit sicherem Geschmack
entschied sich die Kleine für das teuerste Objekt, das
ein Vermögen kostete. Der charmante Begleiter bezahlte
mit einem Scheck, ließ den Brillantring zurücklegen und
versprach ihn im Laufe  des Montags abzuholen, wenn
der Juwelier den Scheck bei der Bank eingelöst haben
würde. Dann verließ das ungleiche Paar den Laden, und
der Geschäftsmann rieb sich zufrieden die Hände. Er
hatte, wie  er glaubte, einen guten Gewinn erzielt.  Als
der weißhaarige Kavalier am Montagnachmittag wie-
derkam, stürzte der Juwelier erregt auf ihn zu und flüster-
te nur mühsam gezügelt: «Mein Herr, der Scheck, den
Sie mir gaben, ist nicht gedeckt!»
Da lächelte der soignierte Herr nur verklärt: «Ich weiß
es,  mein Bester! Aber Sie ahnen ja nicht, was für ein
bezauberndes Wochenende ich mit der Kleinen
verbracht habe!»

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Wie man es richtig anfängt

Viele Männer wissen genau, wie man eine Frau an-
spricht. Sie kennen alle Schliche und tausend Tricks, mit
denen man ihr Herz gewinnt. Keine Finesse ist ihnen
fremd, wenn es darum geht, eine Schöne zu umwerben. Sie
erobern jedes Mädchen mit Kühnheit und Charme -  aber
leider nur in der Phantasie. Ist der sogenannte  Ernstfall
gekommen, dann rutscht ihnen das Herz in die  Hose. Alle
guten Vorsätze sind vergessen, die Kehle ist  wie
zugeschnürt, und das Hirn vermag keinen einzigen  klaren
Gedanken zu fassen.

In der Tat fürchten sich neun von zehn Männern unsagbar
vor dem Augenblick, in dem es eine Frau anzusprechen gilt.
Ihnen ist, als müßten sie mit einem feuerspeienden Drachen
kämpfen oder mit einem bengalischen Königstiger, der sich
sofort ausgehungert auf sie stürzen  wird. Tausend
Bedenken melden sich. Tausend Ängste  werden wach.
Dem redegewandtesten Burschen, der sonst wahrlich nicht
auf den Mund gefallen ist, fehlen die  einfachsten Worte, mit
denen er sich verständlich machen könnte. Er ist stumm wie
ein Fisch geworden. Vielleicht öffnet er noch ein paarmal
die Lippen, aber kein Ton kommt heraus.  Hinterher, wenn
die unwiederbringliche Chance vertan

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ist, könnte er sich ohrfeigen. Die geschliffensten Formu-
lierungen fallen ihm ein, mit denen er das engelsgleiche
Wesen hätte beeindrucken können. Die tollsten Ideen
schießen ihm durch den Kopf, doch das hübsche Mädchen,
dem seine ganze Aufmerksamkeit galt, ist längst  über alle
Berge. Und niemand weiß, ob er den Traum seiner schlaflosen
Nächte jemals wiedersehen wird.  Schlagfertigkeit ist das,
was man sagen würde, wenn  man noch einmal in die
gleiche Situation käme. Der  Mann weiß jetzt besser denn
je, wie er sich beim näch-stenmal verhalten wird. Aber es
steht zu befürchten, daß er wieder versagt und auch künftige
Gelegenheiten nicht nutzt. Die unsichtbare Hemmschwelle, die
es zu überwinden gilt, ist für ihn einfach zu hoch. Von einer
schönen Frau hörte ich einmal den bezeichnenden
Stoßseufzer: «Es ist wirklich schade, daß gerade die nettesten
Männer stets die größten Komplexe haben! Dabei könnten sie
doch so unwahrscheinlich erfolgreich sein. Sie brauchen sich
nur einen winzigen Ruck zu geben, und die Frauen
schmelzen gleich reihenweise. An  Gelegenheiten mangelt
es keinesfalls!»  Recht hat sie, diese kluge Eva. Der
allgegenwärtige Zufall bietet den Männern die besten
Chancen. Er ist der größte Kuppler. Aber nur die wenigsten
Helden wissen  ihn zu nutzen, wie die Statistik
unwiderlegbar beweist.  Immer wieder reagieren sie wie
versteinert, wenn sie einer unverhofften Situation
gegenüberstehen, die ihnen  alle Trümpfe zuspielt. Statt die
Initiative zu ergreifen und  ein nettes Wort an ihr hübsches
Gegenüber zu richten,  lauschen sie erschrocken dem
dröhnenden Pulsschlag ihres kochenden Blutes und sehen
verschämt an dem begehrten Mädchen vorbei, das vielleicht
nur auf ein einzi-

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ges aufmunterndes Wort wartet, um dem Manne die Bälle
zuspielen zu können, ohne sich exponieren zu müssen und in
den Verdacht zu geraten, ein blutsaugender Vampir zu sein,
der die Männer jagt und zu Tode hetzt.  Aber wie nimmt
man denn nun wirklich Kontakt zu einer  Unbekannten auf?
Ganz einfach: indem man sie anspricht!

Kein Mann sollte jetzt mit Ausflüchten kommen und mit der
Ausrede, daß er damit doch eine Abfuhr riskieren könnte.
Natürlich muß er damit rechnen, daß ihn das Mädchen, das
er aufs Korn genommen hat, kurz und bündig abblitzen läßt.
Aber was tut das schon?! Ebensogut  kann es freilich auch
passieren, daß er zum Zuge kommt und einen Sieg erringt.
Schließlich existiert die ganze  Menschheit nur, weil Mann
und Frau zueinanderfinden.  Die Partnerschaft des
männlichen und weiblichen Geschlechts ist die größte
Selbstverständlichkeit auf Erden. Deshalb stehen die Chancen
für einen Mann tausendmal besser, als er es zu hoffen wagt.
Ein sympathischer Bursche, der die Bekanntschaft einer Frau
sucht, begeht doch wahrlich kein Verbrechen. Und falls er
sich ihr mit kultivierter Höflichkeit nähert, ist sie  es, die sich
abgrundtief schämen müßte, wenn sie bei der Zurückweisung
seiner Werbung aus der Rolle fällt und beleidigend reagiert.
Dann braucht sich der junge Mann  nicht die geringsten
Vorwürfe zu machen. Er darf höchstens froh sein, daß ihm die
zweifelhafte Freundschaft einer Xanthippe «mit den Haaren
auf den Zähnen» erspart geblieben ist.
Die meisten Männer geben sich Frauen gegenüber sehr
natürlich, solange sie keine ernsthaften Absichten haben.
Fehlendes Interesse ist fast immer eine Garantie für Un-

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gezwungenheit. Deshalb hinterlassen sie bei Mädchen,  die
ihnen nichts bedeuten, zwangsläufig einen tieferen
Eindruck als bei einer heimlich Angebeteten, der sie unsicher
oder gar linkisch gegenübertreten. Ist die Kleine  dann gar
noch bildhübsch, versagen sie vollends und verlieren auch das
allerletzte Quentchen Zivilcourage.  Viele Männer wagen es
um keinen Preis, ihr Glück bei einer ausgesprochenen
Schönheit zu versuchen. Sie glauben, daß
überdurchschnittlich gutaussehende Frauen im Reservoir der
Supermänner die freie Auswahl haben,  weshalb ein
normaler Bursche ohne jede Chance bleiben  muß und ins
abgeschlagene Mittelfeld verwiesen wird. 

Dieser

Trugschluß ist anscheinend unausrottbar. Die  Tatsachen
des täglichen Lebens beweisen das Gegenteil.  Eine wirklich
bildhübsche Dame beklagte sich einmal bei mir: «Ich weiß
einfach nicht, woran es liegt. Und langsam  beginne ich
bereits an meinem Aussehen und meiner Anziehungskraft
zu zweifeln. Denn während andere Frauen, die bei weitem
weniger äußerliche Vorzüge besitzen als ich, ständig neue
Kontakte knüpfen, bemühen  sich die Männer um mich
überhaupt nicht. Manchmal  glaube ich sogar, daß sie mich
nachdrücklich meiden. Sie sind zwar höflich zu mir, aber sie
tun ansonsten, als sei ich Luft für sie.»
Sie ist keinesfalls Luft für die Männer, die sich nur deshalb
nicht die Mühe machen sie anzusprechen, weil sie  sich
keinen Erfolg bei ihr ausrechnen. Die meisten Herren der
Schöpfung erliegen dem Irrtum, daß eine schöne  Frau
zwangsläufig vergeben sein muß. In Wirklichkeit ist  diese
grundfalsche Annahme häufig die Ursache dafür,  daß die
unternehmungslustige Dame einsam bleibt, obwohl sie sich
nach einem liebevollen Partner sehnt. Nur

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deshalb gehen so viele hübsche Mädchen einsam durchs
Leben, während die häßlicheren oftmals an jedem Finger zehn
Männer haben und sich über einen Mangel an Gelegenheiten
nicht zu beklagen brauchen. Ein Mann, der  sich von
weiblicher Schönheit verunsichern läßt, ist letzten Endes
selber schuld, wenn er nur ein Mädchen zweiter Wahl
bekommt.
Doch wie bekämpft man die eigene Unsicherheit? Woher
schöpft man den Mut, einer Frau, deren Liebreiz alle kühnen
Vorsätze zu lahmen droht, ohne Angst entgegenzutreten?

Psychologen und Psychoanalytiker haben sich ausführlich
und gewissenhaft mit diesem Problem beschäftigt, das nicht
wichtig genug genommen werden kann. Sie empfehlen ein
Sieben-Punkte-Training, das sich über sieben Wochen
erstreckt. Es ist von jedem Manne spielend  zu bewältigen,
weil es nichts Unmögliches verlangt und mit kleinen, leichten
Schritten zum Ziele führt. Ein Versuch schadet bestimmt
nicht, denn er verspricht am Ende  Selbstsicherheit nicht nur
in den erotischen, sondern in  allen Bereichen des Lebens.
Außerdem erfordert er keinen oder kaum nennenswerten
Zeitaufwand. Der Erfolg ist in den meisten Fällen
verblüffend, die Versagerquote  minimal. Und so sieht das
Trainingsprogramm aus:  1. Woche. Suchen Sie bei jeder
Gelegenheit Gespräche mit älteren Leuten! Denn der
Kontakt zu betagten Mitbürgern läßt sich besonders leicht
herstellen, weil er wirklich keine Überwindung kostet. Reden
Sie mit ihnen im Supermarkt oder Discountladen über die
minderwertige  Qualität der Kartoffeln, über die hohen
Obstpreise und  über das schlechte Wetter! Helfen Sie den
Alten beim  Tragen ihrer Einkaufstaschen! Fangen Sie im
Bus oder

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in der Bahn eine Unterhaltung über die mangelhaften
Verkehrsverbindungen oder über die Jugendkriminalität  an!
Lassen Sie Ihren zufälligen Gesprächspartner dabei  ruhig
ausführlich zu Worte kommen! Ältere Leute teilen sich gerne
anderen Menschen mit. Unterbrechen Sie nur,  um kurze
Gegenfragen zu stellen! Aber halten Sie das  Gespräch im
Fluß! Erzählen Sie auch von sich selber! Lächeln Sie höflich!
Seien Sie nett! Besuchen Sie häufig Orte, an denen viele
Menschen zusammenkommen! Das  sind Verkehrsmittel,
Veranstaltungen oder Kaufhäuser,  um nur einige wenige
Möglichkeiten zu nennen. Lassen  Sie Ihren Wagen in der
Garage! Kommentieren Sie am 

Ladentisch das

Warenangebot, ohne es jedoch herabzuwürdigen! Beraten Sie
unentschlossene Kunden freundlich und unaufdringlich!
Suchen Sie immer wieder Blickkontakt zu Ihrem
Gesprächspartner! Formulieren Sie  kurze, knappe Sätze,
wenn Sie im Reden ungeübt sind und sich leicht verhaspeln!
Vermeiden Sie Fremdwörter,  die Sie sonst nicht
gebrauchen oder deren Bedeutung Sie nicht genau kennen!
Schon nach der ersten Woche werden Sie erstaunt feststellen,
wie leicht es ist, Kontakte  zu knüpfen und einen Dialog in
Gang zu halten. Vermutlich sind Sie schon jetzt erheblich
sicherer und selbstbewußter geworden. Sie haben bereits
einen Teil Ihrer  Hemmungen verloren. Sie wirken
natürlicher und weniger verkrampft.
2. Woche. Beginnen Sie allmählich, den Schwerpunkt Ihrer
Aktivitäten auf jüngere Leute zu verlagern! Fragen Sie nach
dem Weg, auch wenn Sie ihn kennen! Bitten Sie  freundlich
um Feuer, falls Sie Raucher sind! Stellen Sie  sich im
Bierlokal zu den anderen Männern an den Tresen und
beteiligen Sie sich am Gespräch! Aber hüten Sie sich

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vor Betrunkenen! Sie sind nervtötende Zeitgenossen. Sagen
Sie ruhig und überlegt Ihre Meinung, ohne andere Gäste zu
provozieren oder gar vor den Kopf zu stoßen! Markieren Sie
nicht den überlegenen Zeitgenossen! Geben Sie sich so, wie
Sie sind! Suchen Sie immer und immer wieder den Dialog,
besser noch den Disput! Sagen Sie dem Gastwirt bestimmt,
aber freundlich, wenn ein  Getränk zu warm oder zu kalt
oder zu knapp eingeschenkt ist! Prüfen Sie beim Bezahlen
sichtbar die Rechnung, ohne sich dabei jedoch wichtig zu tun
und ohne pedantisch zu sein! Versuchen Sie, im Beruf eine
eigene  Meinung zu vertreten und Ihren Standpunkt zu
verteidigen! Aber widersprechen Sie nicht nur um des
Widerspruchs willen! Sagen Sie es Ihrem Chef, wenn Sie
eine Anordnung für falsch und ungeeignet halten! Bleiben Sie
dabei überaus höflich, aber unbeirrbar! Beginnen Sie
meinetwegen mit den Worten: «Die neue Regelung ist klug
durchdacht und auch erfolgversprechend. In unserem Falle
jedoch sollte man berücksichtigen, daß einige
Schwierigkeiten auftreten könnten . . . »  Denn kein Chef  läßt
sich ungestraft von einem Untergebenen kritisieren.  Für
sachliche Vorschläge aber hat er meist ein offenes  Ohr.
Beziehen Sie also sachlich Position! Lassen Sie sich  nicht
einschüchtern, wenn Sie im Recht sind! Ihr gesteigertes
Selbstbewußtsein verträgt jetzt schon eine kleine
Belastungsprobe. Aber strapazieren Sie es noch nicht allzusehr!
Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden.  3. Woche.
Bauen Sie Ihr Selbstbewußtsein weiterhin aus!  Gehen Sie in
teure Geschäfte! Sehen Sie sich dort zwanglos um, ohne,
etwas zu kaufen! Fragen Sie nach Preisen und Qualität der
Artikel, die Sie interessieren! Lassen Sie sich ruhig eine
Auswahl vorlegen! Treiben

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Sie den Verkäufer oder die Verkäuferin zur Verzweiflung,
wenn Sie glauben, daß es Ihrem Selbstwertgefühl  nützlich
ist! Der Zweck heiligt die Mittel. Sie müssen sich konsequent
freischwimmen! Prüfen Sie das Angebot in  verschiedenen
Läden, ehe Sie sich dazu entschließen, eine Ware zu
erwerben! Machen Sie es sich während der  Wochen des
Trainings zum Prinzip, niemals etwas beim  ersten Besuch
zu kaufen! Schnürsenkel, Streichhölzer  oder eine Rolle
Zwirn ausgenommen. Bringen Sie den  Mut auf, das
Geschäft mit  leeren  Händen wieder zu verlassen! Doch
bedanken Sie sich für die Mühe, die ein dienstbarer Geist
sich mit Ihnen gemacht hat! Erkundigen Sie sich im Auto-
Salon nach den Lieferfristen für Ihren unerschwinglichen
Traumwagen! Handeln Sie einen  Rabatt aus! Fragen Sie,
welche Extras bei Barzahlung auf Sie warten! Denken Sie
immer daran, daß der Autoverkäufer ein ebenso kleines
Würstchen ist wie Sie! Lassen Sie sich nicht einschüchtern!
Und wenn Sie wissen,  was Sie wissen wollten,
verabschieden Sie sich höflich  und selbstsicher wie ein
König! Der Händler wird Sie insgeheim bewundern, auch
wenn er es nicht zeigt. Schauen Sie sich in
Bekleidungsgeschäften um! Probieren Sie ungeniert mehrere
Anzüge an, ehe Sie bedauernd erklären,  daß Ihnen leider
kein einziger wirklich .zusagt! Zeigen  Sie, daß Sie feste
Vorstellungen haben, von denen Sie  sich nicht abbringen
lassen! In dieser dritten Woche eignen Sie sich so viel
Routine im Umgang mit Menschen  an, wie andere Leute
vielleicht in einem ganzen Leben erwerben. Sie werden ein
Mann, dem man ansieht, daß  er sich kein  X  für ein U
vormachen läßt. Je mehr Sie sich in der Schulung Ihrer
Persönlichkeit üben, desto erstaunter registrieren Sie, daß
Ihnen dieses Training, vor dem

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Sie sich insgeheim gefürchtet haben, sogar Spaß zu machen
beginnt.

4. Woche. Sie sind jetzt auf dem besten Wege, eine Per-
sönlichkeit zu werden. Aber nun kommt die schwierigste
Hürde. Sie müssen lernen, «nein» sagen zu können! Wenn  Sie
so schüchtern waren, wie Sie glaubten, dann besitzen  Sie
zweifellos Freunde, von denen Sie ausgenutzt wurden. Diese
Zeit muß vorbei sein! Spielen Sie nicht länger den gutmütigen
Hanswurst, mit dem andere nach Belieben umspringen
können! Gehen Sie nur auf Vorschläge  Ihrer Freunde und
Bekannten ein, wenn Sie wirklich  Spaß daran haben!
Falls Sie lieber den Krimi auf dem  Bildschirm sehen
wollen, statt am Stammtisch Skat zu dreschen, sagen Sie es!
Falls Sie keine Zeit haben, lassen  Sie die aufdringlichen
Freunde es schonungslos wissen! Ihre Tage sind zu kostbar
geworden, als daß Sie die so  kurz bemessene Freizeit
anderen Menschen opfern können, nur um ihnen die
Langeweile zu vertreiben! Lehnen  Sie freundlich, aber
rigoros Gefälligkeiten für Leute ab, die Ihnen auch nicht
gefällig sind! Lassen Sie sich nicht  durch zermürbende
Reden breitschlagen, wenn Sie nicht  wollen! Sie sind Ihr
eigener Herr! Lassen Sie es die anderen spüren, auch wenn
Sie deswegen angefeindet werden! Seien Sie aber zu
Bedürftigen und zu Leuten, die es  wirklich verdienen, auch
weiterhin hilfsbereit! Ihr «Nein»  bezieht sich allein auf die
Ausbeuter und Nassauer, die in  Ihnen bisher einen
«nützlichen Idioten» gesehen haben. Pfeifen Sie darauf, wenn
Sie infolge Ihrer Standhaftigkeit jetzt den einen oder anderen
angeblichen Freund verlieren! Sie werden ihn nicht
vermissen. Sie werden höchstens aufatmen. Formulieren Sie
Ihre Absage aber stets  sachlich und höflich! Begründen
Sie diese Absage

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freundlich, aber bestimmt! Gehen Sie nur auf die Wünsche
anderer Leute ein, wenn Sie das Entgegenkommen  im
tiefsten Herzen bejahen können! Ansonsten bleiben  Sie
lieber eisern! Konsequenz zahlt sich aus.  5. Woche.
Allmählich können Sie gezielter vorgehen, sofern Sie fleißig
trainiert haben. Es kostet Sie keine große Überwindung mehr,
sich in einem Cafe oder einem Restaurant zu anderen
Leuten an einen Tisch zu setzen.  Versuchen Sie es! Es ist
leichter als Sie denken. Wählen  Sie die Mittagszeit oder den
Abend, wenn Sie sich für ein Speiselokal entscheiden. Denn
dann sind die Restaurants meist gut besucht. Für ein Cafö ist
der späte Nachmittag die günstigste Zeit. Am besten
entscheiden Sie  sich für einen Tisch, an dem zwei Damen
sitzen, die Sie  nicht besonders reizen. Sie wissen ja, daß
fehlendes Interesse die beste Garantie für Ungezwungenheit
ist. Und zwei Damen sollten es schon sein, weil es sich zu
dritt besser plaudern läßt. Dialoge können für Anfänger unter
Umständen recht anstrengend sein. Fragen Sie korrekt,  ob
noch ein Platz frei ist! Man wird Ihnen ohne zwingenden
Grund keinen abschlägigen Bescheid geben. Setzen  Sie sich
unverkrampft! Erkundigen Sie sich charmant danach, was
heute besonders zu empfehlen ist! Die beiden  Damen
beraten Sie todsicher gerne. Falls Sie rauchen wollen, holen
Sie zuerst das Einverständnis Ihrer Tischnachbarinnen ein!
Vergessen Sie nicht, ihnen ebenfalls  eine Zigarette
anzubieten! Beginnen Sie wohldosiert ein  oberflächliches
Gespräch, das weder Tiefgang noch  Schwerpunkte haben
sollte! Man muß sich ja erst zu einem beide Seiten
interessierenden Thema vortasten. Reden Sie über das Essen,
das Wetter, die letzten Tagesereignisse, den gestrigen
Fernsehkrimi, die nächsten Ur-

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laubsreisen, kurz, fast alles ist erlaubt, was die Intimsphäre oder
die persönlichen Gefühle nicht verletzt. Äußern Sie sich
nicht abfällig zu bestimmten Punkten, solange  Sie nicht
sicher sind, daß Sie mit Ihren Bemerkungen keinen
«Flurschaden» anrichten! Mit einem taktlosen Witz  über die
Kirche können Sie eine gläubige Christin mitten  ins Herz
treffen! Mit einer schlüpfrigen Zote über Sexualität beleidigen
Sie vielleicht gerade eine standhafte Moralistin! Und wenn
Sie über Gastarbeiter herfallen, seien Sie ebenfalls vorsichtig!
Es könnte sein, daß die Schwester oder die Tochter einer der
beiden Damen sich gerade mit einem Türken verlobt hat!
Verhalten Sie sich sachlich und neutral, das ist am
ungefährlichsten! Seien Sie  sicher, daß die beiden
Tischgenossinnen Ihre Gesellschaft zu schätzen wissen,
solange Sie sich nicht zu  plump, zu aufdringlich oder zu
taktlos benehmen! Brillieren Sie mit nicht zu unglaubwürdig
übertriebenen Komplimenten und mit Natürlichkeit! Denken
Sie immer daran, daß es hier keinesfalls um alles oder nichts
geht, sondern daß Sie hier nur vor sich selber eine
Zwischenprüfung ablegen und nichts weiter! Beobachten Sie
unauffällig, wie Sie «ankommen»! Ihr Auftritt war
ausgezeichnet, wenn die Damen beim Abschied sagen:
«Schade, daß wir uns schon trennen müssen!» Nehmen Sie
diese Worte trotzdem nicht zu wörtlich!
6. Woche. Sie haben sich «freigeschwommen». Aber Sie sind
noch lange kein Meister. Ihnen fehlt der letzte Schliff  und vor
allem die Routine. Jetzt gilt es, sich ganz auf die  Frauen zu
konzentrieren, die als Partnerinnen in Frage  kommen.
Begehen Sie aber nicht den Fehler, allein einen Pirschgang ins
Auge zu fassen, auch wenn Sie sich schon ganz sicher fühlen!
Selbstüberschätzung führt zu nichts.

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Machen Sie sich mit einem wirklich guten Freund auf  den
Weg in ein Tanzlokal, Restaurant oder Volkshoch-
schulseminar! Einerlei, welches Ziel Sie ansteuern, wenn  Sie
nur die Gewißheit haben, ansprechende Frauen und
Mädchen anzutreffen, stimmt die Richtung. Brechen Sie  mit
jeder Schönen, die Ihnen begegnet, ein unkompliziertes
Gespräch vom Zaun! Zu zweit bereitet Ihnen diese
Kurzweil nicht die geringsten Schwierigkeiten. Flirten Sie!
Aber tragen Sie nicht zu dick auf! Sie werden sich wundern,
wie gerne sich die meisten Frauen auf eine unverbindliche
Unterhaltung einlassen. Sprechen Sie über  Themen, von
denen Sie etwas verstehen! Erklären Sie  ruhig, daß Sie
überfordert sind, wenn die Materie zu  schwierig oder zu
kompliziert wird! Selbst Albert Einstein hätte sich kaum
zum Licht- und Raumproblem in  der holländischen
Genremalerei des 17. Jahrhunderts zu  äußern gewagt. Und
Herbert von Karajan müßte passen,  wenn er nach seiner
Meinung über die Zukunftsaussichten der
Infinitesimalrechnung gefragt werden würde. Niemand kann
alles wissen. Er blamiert sich nur, falls er  neunmalklug in
Bereichen mitmischt, die ihm zwangsläufig verschlossen
bleiben müssen. Seien Sie freigebig mit  Komplimenten und
ehrlichem Lob! Aber bleiben Sie mit beiden Beinen auf der
Erde! Trotzdem brauchen Sie Ihre  Worte nicht auf die
Goldwaage zu legen! Frauen sind empfänglich für
Artigkeiten. Versuchen Sie nicht, ein 

Mädchen

umständlich zu erobern, wenn sie klar zu erkennen gibt, daß
Sie keine Chancen haben! Wenden Sie sich mit Ihrem Freund
lieber der nächsten Frau zu! Hören Sie aber auf die
Zwischentöne, Sie finden rasch heraus, ob eine Absage
wirklich nachdrücklich ernst gemeint ist oder ob sie nur
zur Taktik des Mädchens ge-

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hört. Ein «Nein» kann durchaus ein «Vielleicht» oder gar ein
«Ja» bedeuten, wenn es von einem kokett aufmunternden,
eventuell sogar provozierenden Lächeln begleitet wird.
Denken Sie immer daran, daß die meisten  Frauen
miserable Schauspielerinnen sind, denen es nur  selten
gelingt, sich wirklich zu verstellen!  Ziehen  Sie in  dieser
sechsten Woche an jedem Abend kritisch Bilanz! Lassen Sie
sich von Ihrem Freund ehrlich kritisieren!  Fragen Sie ihn,
was an Ihrem Auftreten wirkungsvoll war  und was ihm
lächerlich erschien! Wiederholen Sie diese Übungen zu zweit
so oft wie nur möglich, am besten täglich! Es wäre nicht
verwunderlich, wenn Sie bereits jetzt  ein Mädchen für
immer oder wenigstens eine feste  Freundin gefunden
haben. Aber binden Sie sich nicht  leichtfertig! Suchen Sie
weiter, doch bauen Sie den bestehenden Kontakt konsequent
aus! Eventuell ist die Kleine doch die richtige!

7. Woche. Der Tag ist gekommen, an dem Sie auf die Mit-
wirkung Ihres Freundes verzichten können. Machen Sie sich
gezielt allein auf den Weg! Nehmen Sie die schönste Frau, die
Ihnen begegnet, aufs Korn! Nein, nicht die drittschönste,
sondern wirklich die schönste! Geben Sie sich  nicht mit
Halbheiten zufrieden! Wählen Sie das hübscheste Mädchen
aus! Bedauern Sie die ängstlichen Männer, die keinen Mut
dazu aufbringen und deshalb niemals die Möglichkeit haben
werden, eine Traumfrau zu finden!  Wo Sie Ihr Glück
versuchen, das ist völlig einerlei. Aber  versuchen Sie es!
Denken Sie daran, daß jede normale  Frau einen Mann
braucht! Und daß Sie ein Mann sind! Vielleicht gar der
Prinz, von dem diese Frau ihr ganzes Leben lang geträumt
hat! Dabei kommt es überhaupt  nicht darauf an, wie Sie
aussehen, sondern nur darauf,

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wie Sie auftreten. Frisch gewagt ist halb gewonnen. Und
selbst wenn Sie nicht auf Anhieb landen können, Sie werden
erheblich mehr Erfolge verbuchen als Absagen.  Denn
Sie sind ein selbstsicherer Mann geworden. Und Sie dürfen
überzeugt sein, daß Ihr Selbstbewußtsein den  Frauen und
Mädchen imponiert. Ihre Ausstrahlungskraft  bleibt nicht
ohne Wirkung.

Sie haben nun gelernt, Ihre Hemmungen abzubauen
oder zumindest zu überwinden. Eine gelegentliche Abfuhr
kann Sie nicht mehr schrecken. Sie gehört einfach  dazu,
weil nicht alle Frauen den gleichen Geschmack  haben
können. Es ist also durchaus nichts Außergewöhnliches, wenn
Sie partout nicht der Typ des angesprochenen Mädchens sind
und die Kleine deshalb nicht zu überzeugen vermögen, daß
Sie es dennoch mit Ihnen versuchen sollte. Sie haben
schlimmstenfalls ein wenig Zeit verloren und an Erfahrung
gewonnen. Wenden Sie sich, statt an sich und Ihren Vorzügen
zu zweifeln, lieber gleich  der nächsten Eva zu. Denn es soll
mehr als eine Frau auf Erden geben.
Eine Abfuhr, die Sie erleben, muß nicht unbedingt Ihnen
persönlich gelten. Es genügt schon, daß ein weibliches
Wesen gerade in diesem Augenblick traurig, niederge-
schlagen oder verstimmt ist. Vielleicht hat die Angesprochene
Probleme, unter deren Eindruck ihr nicht nach einer
charmanten Unterhaltung mit einem netten Manne zumute
ist! In so einer Situation hätte selbst Casanova  keine
Chancen gehabt! Es kann sein, daß sie gerade auf dem Wege
zum Zahnarzt oder zum Gynäkologen ist und sich völlig auf
die Angst vor der Behandlung oder der  Diagnose
konzentriert. Eventuell hat sie beruflichen Ar-

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ger oder ihr Bruder liegt schwerverletzt im Krankenhaus.
Schließlich kennen Sie die Fremde ja nicnt, und daher
können Sie auch nicht mit all ihren näheren Lebensum-
ständen vertraut sein. Wenn es also nicht klappt, sollten
Sie nicht zu grübeln beginnen und auch keine unnützen
Vermutungen anstellen! Entschuldigen Sie sich höflich
für Ihre Kühnheit und vermeiden Sie jede Aufdringlich-
keit! Die nächste Chance kommt bestimmt! Dessen dür-
fen Sie gewiß sein.
Viele Männer werden jetzt stöhnen: Mit einer Abfuhr, die
ich eventuell einstecken muß, würde ich schon fertig wer-
den. Und Angst habe ich auch nicht. Doch mit welchen
Worten spreche ich eine schöne Fremde auf der Straße
an? Ich kann ja nicht einfach auf sie zugehen und fragen,
ob sie mit mir schlafen möchte! Nein, das sollte er nicht
unbedingt tun, obwohl so mancher Bursche mit dieser
Überrumpelungstaktik schon unverhofft zum Ziel
gekommen ist. Die Wahrscheinlichkeit  wäre zu gering,
und die Reaktion des angesprochenen Mädchens ließe
sich nicht einmal entfernt voraussagen, weshalb die
Folgen nicht annähernd abzuschätzen sind. Zugegeben,
es ist viel schwerer, eine Frau auf der Straße
anzusprechen als im Tanzlokal oder im Restaurant. Aber
wer sich seine spezielle Masche zurechthäkelt, der steht
keinesfalls vor unüberwindlichen Schwierigkeiten.
Halbstarke Frechdachse fragen sowohl abgebrüht als
auch geistlos: «Na, wo gehen die beiden hübschen Beine
denn hin?» Andere Draufgänger schmeißen sich ran:
«Na, Fräuleinchen, kennen wir uns nicht? Nein? Dann
wird es aber höchste Zeit, daß wir uns kennenlernen!»
Mancher Galan versucht es auf die forsche Tour: «Meine
Dame, ich glaube, wir beide haben dieselbe Blutgruppe!»

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Und ein Heer von Dümmlingen drischt seit Jahrzehnten
das gleiche leere Stroh: «Na, Puppe, deine Mutti hat dir
heute aber ein besonders hübsches Kleidchen angezo-
gen!»

Man sollte meinen, daß solche hirnlosen Blindgänger in
der erdrückenden Überzahl aller Fälle auf Granit beißen
und postwendend abgeblitzt werden. Aber weit gefehlt!
Erstaunlich oft gelingt ihnen der erste Schritt. Das Mäd-
chen zeigt sich häufig zugänglich. Der Kontakt ist ge-
knüpft. Der Funke springt über. Das soll nun nicht
heißen, daß die meisten Frauen sich  über soviel
Dummheit freuen und darauf abfahren! Nein,  bestimmt
nicht. Doch sie wissen offensichtlich, daß der
Durchschnittsmann weder mit Geist noch mit Intelligenz
überreichlich gesegnet ist, weshalb sie ihm den Anfang
so leicht wie nur möglich machen. Denn schließlich liegt
es ja auch in ihrem Interesse, einen Partner zu finden.
Würden sie zu hohe Ansprüche stellen, sie kämen nur
schwerlich zu einem Manne. Außerdem ist ein normales
Mädchen keinesfalls geistreicher als das maskuline Pen-
dant. Und letzten Endes geht es beim Flirten ja nicht ge-
rade um die Aufnahmeprüfung für die Philosophische
Fakultät einer Universität, sondern um den Beginn einer
Beziehung, deren Schwerpunkte meistens im sexuellen
Bereich liegen. Esprit ist dabei - falls überhaupt - erst in
zweiter Linie gefragt.
Wenn also schon schnodderige Portokassenjünglinge
beim schönen Geschlecht ohne nennenswerte Anstren-
gung zum Zuge kommen, darf ein kultivierter, höflicher
Mann erst recht erwarten, Sympathie und Interesse zu
finden.  Ein Postbeamter erzählt, wie er seine spätere
Frau ken-

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nenlernte, weil er sich im entscheidenden Moment ein Herz
faßte: «Ich bin von Natur aus ein ziemlich schüchterner Typ,
der sich stets unauffällig im Hintergrund hält.  Um keinen
Preis der Welt würde ich mich in einer größeren
Ansammlung von Menschen zu Wort melden. Ich  könnte
mich an keiner Diskussion beteiligen. Schon in der Schule
wurde ich bis unter die Haarwurzeln rot,  wenn ich ein
Gedicht vor versammelter Klasse aufsagen mußte.

In der Tanzstunde bekam ich das häßlichste Mädchen  des
ganzen Kurses ab, weil ich mich mit der Dame zufriedengeben
mußte, die übrigblieb. Und auch später, als meine Freunde
längst glücklich mit einem Mädchen liiert  waren, ging ich
allein durchs Leben. Ich fand nichts als  Mitleid und gute
Ratschläge, die mir jedoch kaum etwas nützten, außer daß sie
mich zusätzlich belasteten, weil sie  mir die Kompliziertheit
meiner Situation doppelt verdeutlichten.
Ab und zu fand ich eine Freundin. Aber das waren meist
Mädchen, die meine Bekannten für mich ausgesucht hatten.
Ich empfand nicht sehr viel für sie, weil eine Frau, die  einem
Manne zufällig zugeschoben wird, nur selten seinen
Erwartungen entspricht. Diese Verhältnisse gingen  denn
auch so schnell wieder auseinander, wie sie begonnen hatten.

Ich resignierte allmählich und begann mich mit meiner
Erfolglosigkeit in der Liebe abzufinden. Bis ich auf der
Straße einem Mädchen begegnete, dessen Anblick mir fast
den Atem raubte. Die Kleine war bildhübsch und sah aus wie
ein bezaubernder Engel. Sie hatte ein kindliches
ebenmäßiges Gesicht mit unwahrscheinlich großen, blauen
Augen. Üppiges Blondhaar fiel ihr ungebändigt

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über die schmalen Schultern. Die Figur wirkte zierlich und
dennoch kurvenreich, daß mir das Wasser im Munde
zusammenlief. Die schlanken Beine des Mädchens waren
geradegewachsen und wollten einfach kein Ende nehmen.
Schlagartig begriff ich, daß dieses unwirkliche Wesen
meine Traumfrau war. Wenn ich sie jetzt nicht ansprach,
würde ich sie niemals wiedersehen. In mir tobte ein Vulkan,
und tausend Gedanken schössen durch mein Hirn.
Vermutlich würde ich sie trotz allem nicht angesprochen
haben, wenn sie mir nicht einen kurzen Blick zugeworfen
hätte, der um den Bruchteil einer Sekunde zu lang war. Mir
schien, als springe ein Funken über. In meinen Adern toste das
Blut, und das Herz schlug mir bis zum Halse.  Am liebsten
wäre ich vor Hilflosigkeit im Erdboden versunken.
Mit dem Todeskampf der Verzweiflung trat ich dem Mädchen
in den Weg und versuchte krampfhaft eine Entschuldigung
zu formulieren. Ich wollte für meine Frechheit um Verzeihung
bitten und der Kleinen erklären, daß ich vorher noch niemals
eine Frau auf der Straße angesprochen hatte. Aber ich
begann nur zu stottern, brachte 

kaum einen

zusammenhängenden Satz hervor und wurde rot wie ein
Schuljunge. Dabei trat mir der Angstschweiß auf die
Stirn.

Merkwürdigerweise bekam ich keine Ohrfeige, und die
junge Dame erteilte mir auch keine Abfuhr. Sie lächelte nur
allerliebst und glaubte mir aufs Wort, daß ich normalerweise
Kontakte auf diese Art nicht zu suchen pflegte.  Dazu hatte
ich mich auch, wie sie sachverständig feststellte, viel zu
ungeschickt angestellt. Aber statt mich auszulachen, sprach sie
mir Mut zu. Ehe ich mich recht ver-

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sah, führten wir ein heiteres Gespräch, das allerdings zum
größten Teil sie bestritt. Und einige Minuten später saßen wir
in einem nahen Tagescafe, wobei ich gestehen muß, daß ich
vor Aufregung überhaupt nicht wußte, wie wir
dahingekommen waren. Alles erschien mir unwirklich, und
mir war, als schwebe ich in weichen Wolken. Das Mädchen
überspielte meine Schüchternheit sehr geschickt. Ungläubig
hörte ich, daß ich erfolglos geblieben wäre, wenn ich mich ihr
routiniert und wortgewandt genähert hätte. Meine
Unsicherheit jedoch hatte sie gerührt.

Ich brauchte sie nicht umständlich zu erobern. Wir fanden
einander auf Anhieb sympathisch, wobei ich auch  heute
noch nicht genau weiß, was sie an mir so sehr  mochte.
Bereits nach einem halben Jahr heirateten wir,  und alle
meine Freunde beneiden mich um meine Frau,  wie ich sie
mir nicht idealer vorstellen könnte. Längst haben wir drei
entzückende Kinder. Meine  Schüchternheit dem anderen
Geschlecht gegenüber hat  sich ein wenig gelegt. Ganz zu
überwinden vermochte  ich sie freilich bis auf den heutigen
Tag nicht. Aber wozu  auch? Meiner Frau ist das nur recht.
Denn so hat sie, wie  sie sagt, weniger Angst davor, daß ich
einmal fremdgehen könnte. Dabei spiele ich nicht einmal
in meinen  heimlichsten Gedanken mit dieser Möglichkeit.
Denn ein  Mädchen wie sie finde ich nirgends sonst als zu
Hause.»  Dieser Erfahrungsbericht eines sogenannten
Durchschnittsmannes sollte so manchen Herrn der
Schöpfung nachdenklich werden lassen. Die Frauen können
nämlich ganz anders sein, als er sie sich vorstellt.  Jeder
Mann, der eine Frau unterwegs anspricht, appelliert an ihre
weibliche Neugier. Heimlich fragt sie sich

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nämlich, was ihm wohl so sehr an ihr gefallen mag. Und
wenn er gar noch ein mehr oder minder dick aufgetragenes
Kompliment anbringt, dann entwaffnet er sie, noch  ehe es
zu einem Schlagabtausch mit Ungewissem Ausgang
gekommen ist. Dabei bleibt es nebensächlich, wie geschickt
oder ungeschickt er sich anstellt.  Der versierte Verführer
wird niemals auf eine günstige  Gelegenheit warten, um ein
Mädchen «aufzureißen», wie es heute im Fachjargon heißt.
Denn erstens sind die wirklich günstigen Gelegenheiten
äußerst dünn gesät, und  zweitens stellt sich erst hinterher
heraus, ob eine Gelegenheit tatsächlich günstig war oder
nicht. Deshalb nutzt der geborene Verführer jede Chance, die
sich ihm bietet,  selbst wenn die Erfolgsaussicht noch gering
erscheinen mag.
Ein kluger Mann, der es wissen muß, sagte einmal: «Es gibt
kaum eine Frau, die sich nicht von einem Burschen
ansprechen ließe, sofern er nur den richtigen Spruch auf der
Walze hat! Die Probleme beginnen erst, wenn er die  Katze
aus dem Sack läßt. Dann heißt es nämlich Farbe zu bekennen.»

Recht hat er. Kein Mädchen und keine Frau kann es sich
leisten, einem Manne, der sie nach dem Weg fragt oder
sonst um eine neutrale Auskunft bittet, brüsk die kalte
Schulter zu zeigen. Kenner der Materie behaupten unwi-
dersprochen, daß hundert Prozent aller Frauen sachlich  auf
die Kontaktaufnahme eines Mannes eingehen. Rund dreißig
Prozent beenden jedoch rasch das Gespräch, sobald sie
merken, daß es in private oder gar intime Bereiche abgleitet.
Fünfzig Prozent geben dem Kavalier  freundlich und
verständnisvoll zu verstehen, daß sie - aus welchen Gründen
auch immer - an einer Bekannt-

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schaft nicht interessiert sind. Aber immerhin zwanzig
Prozent brechen die Unterhaltung nicht ab. Sie zeigen
mehr oder weniger deutlich, daß ihnen daran gelegen ist, den
Fremden, der sie auf diese doch keineswegs alltägliche Art
und Weise angesprochen hat, näher kennenzulernen und
eventuell sogar etwas zu riskieren. Ob sich  aus diesem
vielversprechenden Anfang ein Flirt oder gar  eine feste
Beziehung entwickelt, das steht allerdings auf  einem
anderen Blatt.

Jede fünfte Frau ist einer Straßenbekanntschaft also
nicht abgeneigt. Es kommt lediglich darauf an, mit wieviel
Fingerspitzengefühl die Männer solche Situationen  zu
nutzen und zu meistern verstehen. Daß von ihnen dabei keine
rhetorischen Glanzleistungen verlangt werden,  ist bereits an
anderer Stelle hinreichend gesagt worden. 

Ein

berufsmäßiger «Aufreißer» berichtet, wie er es anfängt, eine
flüchtige Bekanntschaft zu schließen: «Ich gehe die ganze
Sache immer sehr entkrampft an. Eine Frau  für schöne
Stunden zu finden, das ist für mich keine lebenswichtige
Notwendigkeit, sondern ein prickelnder Freizeitsport. Die
Seligkeit hängt nicht davon ab, und deshalb stehe ich auch
nicht unter einem unseligen Erfolgszwang. Aber natürlich
freue ich mich, wenn ich es wieder einmal geschafft habe.
Denn jeder Mensch  braucht in seinem Leben
Selbstbestätigung. Niemals lege ich mir einen präzisen
Feldzugsplan zurecht. Das habe ich vielleicht früher hin und
wieder getan. Aber als ich merkte, daß es erstens immer ganz
anders kommt als man denkt, da fing ich an, den Zufall oder
das Schicksal für mich entscheiden zu lassen. Ich fahre
dabei ganz gut. Allerdings verstehe ich nicht, warum viele
Männer aus

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dem Anmachen eines hübschen Mädchens so große Probleme
werden lassen. Da ist doch wirklich nichts dabei.  Ich will
aber gerne zugeben, daß ich eine Frau mitten auf  der Straße
nur sehr selten anspreche. Denn hier kommt es ja tatsächlich
auf die Sekunde an. Doch gar so schwierig ist das auch wieder
nicht. Was tut es schon, wenn ich  ein hübsches Mädchen
frage: 'Verzeihen Sie, schönes  Fräulein, aber ich bin fremd
in der Stadt. Können Sie mir  sagen, wohin ein einsamer,
armer Junggeselle hingehen 

kann, um die Zeit

totzuschlagen?'  Erstaunlich oft erhalte ich wohlmeinende
Ratschläge, und häufig ergibt es sich, daß ich die Kleine im
Verlaufe des Gespräches einlade, einfach mit mir zu kommen.
Viele kommen wirklich mit! Ohne Umschweife und ohne viel
Getue! Der Abend ist dann meist gelaufen, und die Richtung
stimmt. Es ist sogar schon mehrmals passiert, daß mich ein
Mädchen mit zu sich nach Hause nahm, wo wir  beide ohne
viele Umschweife auf unsere Kosten kamen.  Lieber breche
ich allerdings in einem Lokal oder in einem Kaufhaus ein
Kontaktgespräch vom Zaun. Das ist  einfacher, weil man
seinen Geist dabei nicht so stark zu strapazieren braucht. Ich
muß mich dann nicht so sehr  auf den Kern der Sache
konzentrieren. Am Verkaufstisch oder in der Schlange vor
der Kasse  kommt man sich von ganz allein näher. Ein
beziehungsvolles Wort über die Ware oder die niedliche
Kundin rutscht doch jedem Manne beinahe von selbst aus
dem Mund. Der Rest ist Routine. Natürlich sehe ich den Mäd-
chen vorher vorsichtshalber auf die Hände, um mich zu
vergewissern, daß sie keinen Ehering tragen, obwohl ich nicht
selten auch bei verheirateten Frauen nicht auf taube Ohren
stoße.

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Ein bißchen Psychologie gehört freilich dazu. Aber man lernt
sie spielend. Schon nach dem zweiten oder dritten  Satz
weiß ich, wie weit ich mit meinen Worten gehen darf,
ohne Empörung oder Zurechtweisung zu ernten.  Die eine
Frau will halt als Dame genommen werden, die  andere als
Vamp, und eine dritte liebt es eben leicht schlüpfrig.

Wenn eine Frau am Imbißstand in eine dicke, saftige
Bockwurst beißt, bin ich sogleich im Bilde, ob ich über den
delikaten Happen eine anzügliche Bemerkung machen kann
oder ob ich mir die Anspielung auf den  Traum einer
Jungfrau verkneifen muß. Dieses Gespür  hat ein guter
«Aufreißer» einfach im Urin. Meist kann er  unbesorgt sein.
Denn die Damen sind doppeldeutigen  Bemerkungen und
einschlägigen Witzen zugänglicher,  als sich das so
mancher guterzogene Bengel träumen  lassen würde. Alles,
was mit Sex zu tun hat, regt die meisten Frauen auf und
macht sie unheimlich an. Dieser weiblichen Schwäche
trage ich weitestgehend  Rechnung. Mit erotischen Themen
lassen sich am leichtesten Brücken zum anderen Geschlecht
schlagen, sofern man nur feinfühlig genug vorgeht und die
Suppe  nicht versalzt. Wer wollte es mir schon verargen,
wenn  ich im Warenhaus zu einer aufregenden Frau, die
gerade  unentschlossen mit einem billigen Fähnchen
liebäugelt,  anerkennend sage: 'Dieses Kleid macht Sie
besonders  scharf! Wenn Sie es kaufen, garantiere ich für
nichts!' Ich gehe jede Wette ein, daß sie mir einen prüfenden
Blick  zuwirft, in dem ich wie in einem aufgeschlagenen
Buch lesen kann! Der Rest entwickelt sich dann von ganz al-
lein, ohne daß ich mich noch schwer ins Zeug legen müßte.

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Einer mit Einkaufstüten und Taschen beladenen Frau
nehme ich auf der Straße ritterlich die Lasten ab, falls das
Gepäck nicht zu schwer und die Dame akzeptabel ist.
Dabei riskiere ich auch furchtlos größere Umwege, die ich
bei meinen Aktionen von vornherein einkalkuliere. Ich
zeige mich in jeder erdenklichen Hinsicht selbstlos  und
galant. Ich erkläre auch frei heraus, daß es mir eine  Freude
ist, einer so hübschen Dame behilflich sein zu  dürfen, und
schmiere ihr ausgiebig Honig um das lockende Mündchen. Bei
ihr zu Hause angekommen, bringt es  kaum eine Schöne
übers Herz, mich vor der Tür kurz und bündig abzufertigen.
Zum Dank laden mich die meisten zu einem Gläschen ein
oder zu einer Tasse Kaffee.  Dann entscheidet es sich, ob
etwas läuft oder ob ich gegen meinen Willen etwas
'anbrennen' lassen muß.  Bei schlechtem Wetter gehe ich
niemals ohne Regenschirm aus, obwohl ich ein abgehärteter
Berber bin, der  weder Blitz noch Donner oder den
prasselnden Wolkenbruch fürchtet. Aber ich weiß, daß jeder
Schauer eine Katastrophe für Frisur, Make-up und Schuhwerk
einer Frau  heraufbeschwört. Deshalb wähle ich in
schützenden  Hauseingängen oder wo sonst auch immer die
niedlichste Schönheit aus, die vor dem Guß Zuflucht gesucht
hat, und biete ihr trockenes Geleit an. Der aufgespannte Re-
genschirm, auf dessen Dach die Tropfen monoton trommeln,
schafft eine ideale Kulisse, in deren Geborgenheit  man
einem Mädchen die romantischsten Schmeicheleien sagen
kann. Die Kleine wird dem Retter in der Not,  der sie
unbeschädigt heimbringt, ewig und drei Tage  dankbar
sein. Nicht ausgeschlossen, daß sie ihn, wenn er  vor ihrem
Hause unschlüssig den Schirm zuklappt, mit  zu sich nach
oben bittet. Tut sie es wider Erwarten nicht,

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weise ich sie diskret darauf hin, daß die Witterung nicht nur
unfreundlich, sondern auch kühl ist und daß mir ein
trockenes Zimmer wie auch ein heißer Tropfen jetzt
höchst willkommen wären. Solchen Wink hat bisher nur
selten eine Frau mißachtet.

Früher fuhr ich bei Regen immer mit dem Auto suchend
durch die Straßen. Doch schon bald mußte ich feststellen, daß
die Mädchen nur äußerst ungern zu einem fremden Mann in
den Wagen steigen. Sie fürchten offensichtlich um ihren Ruf
und ihre Unschuld. In ihren eigenen vier  Wänden
allerdings fürchten sie sich dann nicht mehr.  Am
unabhängigsten fühle ich mich ohne Auto. Zu Fuß  hat ein
Mann viel größere Kontaktmöglichkeiten als am  Steuer, wo
er zu sehr isoliert ist. Falls es notwendig wird,  kann man ja
immer noch ein Taxi heranwinken.  Einerlei, wo ich auch
immer bin, ich könnte an jedem Tage, den Gott werden läßt,
ohne Anstrengung zwei bis drei hübsche Frauen anmachen
und aufreißen. Aber mit der Zeit wird man wählerischer. Dann
sucht man das Besondere. Und darin liegt die eigentliche
Gefahr für den  Routinier. Zu schnell stellt sich ein gewisses
Maß der sexuellen Übersättigung ein. Deshalb wünschte ich
mir, ich  könnte noch einmal ganz von vorne anfangen. Das
süße,  prickelnde Herzklopfen, das ich einstmals
empfand, wenn ich aufgeregt eine schöne Frau ansprach, ist
für alle Zeiten dahin. Und das tut mir einfach leid.» Dieses
Geständnis eines erfolgreichen Verführers mag  uns
nachdenklich stimmen. Aber es beweist einmal  mehr,
wie unterschiedlich die einzelnen Männer programmiert
sind. Auf der einen Seite haben wir die Gruppe jener
Zeitgenossen, denen es an Gelegenheiten mangelt, auf der
anderen Seite befinden sich die Casanovas

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jener Kategorie, die sich über zu leichte Erfolge beim
schwachen Geschlecht beklagen.  Bezeichnend, daß auch
die siegessicheren Männer nur  höchst selten eine Frau auf
der Straße ansprechen. Denn  auch sie scheuen oft genug vor
dem verhältnismäßig großen Risiko zurück, das sie zwingt,
allen verfügbaren  Charme und noch mehr in die
Waagschale zu werfen.  Dieser Weg ist und bleibt eben
ungewöhnlich. Aber gerade weil er nicht alltäglich
beschriften wird, führt er erstaunlicherweise verblüffend
häufig zum angestrebten Ziel.

Erheblich leichter ist es, eine Schöne anzusprechen, der man
regelmäßig begegnet, ohne sie zu kennen. Auf dem Wege zur
Arbeit mag das der Fall sein, in einem nahen  Geschäft, in
einem Büro, wo man häufiger zu tun hat,  oder im
Paternoster des Hochhauses, in dem man tätig ist. Man sieht
einander immer wieder, kommt sich aber  zwangsläufig
niemals näher. Aus dieser platonischen Beziehung eine
Bekanntschaft werden zu lassen, ist kinderleicht. Denn ein
persönliches Verhältnis zueinander besteht ja längst.
Grüßen Sie die umschwärmte Frau beim nächsten Zu-
sammentreffen freundlich, sofern Sie ihr nicht ohnehin
schon zunicken! Sie wären ein taktloser Flegel, falls Sie  die
Fremde, die Ihnen doch wiederum so fremd auch  nicht
mehr ist, mit Nichtachtung beleidigen. Wenn man  sich
ständig immer wieder über den Weg läuft, wirkt es  einfach
ungezogen, den anderen gleichgültig zu übersehen.
Vom verständnisinnigen Gruß bis zum ersten Wort ist es
wahrlich nur ein kleiner Schritt. Sie dürfen das Mädchen
irgendwann ruhig einmal fragen: «Haben Sie Geburts-

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tag? Sie sehen heute morgen so beschwingt aus!» Oder
sagen Sie auf dem Weg zur Straßenbahn mit einem be-
sorgten Blick auf die Uhr: «Himmel, heute sind wir aber
spät dran! Es ist allerhöchste Zeit!» Und wenn Sie das en-
gelsgleiche Geschöpf einmal mehrere Tage n'-.ht zu Ge-
sicht bekamen, was todsicher irgendwann geschehen
wird, dann ist es Ihnen erlaubt, sich teilnehmend nach ih-
rem Befinden zu erkundigen: «Waren Sie krank? Ich ha-
be mir schon Sorgen um Sie gemacht!» Ihr Interesse
schmeichelt der sympathischen Frau garantiert.  Ganz
schön in Verlegenheit können Sie die Kleine bringen,
wenn Sie ihr bei der nächsten Begegnung bezie-
hungsvoll zulächeln und erleichtert aufseufzen: «Gott sei
Dank, da sind Sie ja! Ich habe heute nacht so
aufregende  Sachen von Ihnen geträumt!» Da alle
Frauen von Natur aus neugierig sind, wird sie garantiert
zurückfragen: «Was denn?»

Nun ist es an Ihnen, sich zu zieren und errötend zu flü-
stern: «Das traue ich mich Ihnen überhaupt nicht zu er-
zählen!» Und wenn sie weiter in Sie dringt, was todsicher
geschieht, dann erklären Sie zögernd und zaghaft: «Sie
besuchten mich in meinem Apartment und hatten über-
haupt nichts an! Sie können sich nicht vorstellen, wie
glücklich Sie mich gemacht haben . . . !» Das Mädchen
darf Ihnen noch nicht einmal böse sein. Denn niemand
trägt eine Schuld an den Ereignissen, die während eines
Traumes geschehen!
Vermutlich wird die Angebetete mit gespieltem Er-
schrecken oder mit entwaffnender Heiterkeit reagieren.
Auf jeden Fall kommen Sie ihr menschlich ein gewalti-
ges Stück näher. Wenn Sie nur ein bißchen Glück haben,
läuft sie Ihnen sogar nach, um möglichst viele Einzelhei-

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ten ihres eigenen Verhaltens zu erfahren. Denn alle
Frauen sind in der Tat recht wissensdurstig.  Pauschale
Ratschläge kann man einem Manne, der  Kontakte zu
Frauen sucht, freilich nicht geben. Hier gilt,  wie überall im
Leben, der Hinweis: Passen Sie Ihre Worte der jeweiligen
Situation an! Improvisieren Sie! Improvisationen sind
lebendiger als auswendig gelernte Lektionen, die einem
Manne keinen Spielraum lassen, wenn  ein Mädchen anders
handelt, als er erwartet hat. Und die Frauen verhalten sich
garantiert anders! Denn keine von  ihnen paßt in ein
vorgefertigtes Schema! Daran sollte jeder Mann ständig
denken! Eva ist nicht nur ein rätselhaftes, sondern auch ein
unberechenbares Wesen!  Was kann Ihnen passieren, wenn
Sie auf die Schöne, die Ihnen täglich begegnet, zugehen und
sagen: «Jetzt grüßen wir uns schon seit einem ganzen Jahr!
Dabei haben  wir noch nicht einmal einen einzigen Satz
miteinander  gewechselt. Ich heiße Maximilian Scheu und
arbeite dort drüben bei Kußmaul & Co. Wir stellen kosmetische
Artikel aller Art her. Sie kennen doch sicher unsere Erzeug-
nisse? Und ich bin der Mann, der für die schlechten Lip-
penstifte die gute Reklame macht!»  Das Eis, das ohnehin
niemals vorhanden war, ist gebrochen. Das Mädchen wird
sich Ihnen seinerseits vorstellen. Jetzt können Sie
allmorgendlich ein kurzes, aber  wirklich nur kurzes
Gespräch führen und einander näherkommen, ohne daß Sie
der Dame Ihres Herzens auf  die Nerven gehen. Denn die
Pflicht ruft und verbietet konventionelle Endlosigkeiten.
Bis Sie sich eines Tages ein Herz fassen und das Mädchen
für den Abend oder einen der folgenden Tage ins  Kino, in
die Konditorei oder ins Theater einladen. Aus

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der Antwort geht recht problemlos hervor, ob sie will,
nicht kann oder nicht will. Es ist ja durchaus möglich, daß sie
einen Freund hat oder daß Sie nicht ihr Typ sind. Blamiert
haben Sie sich aber in keinem Falle, und das Mädchen wird
sich freuen, einen Mann zu kennen, dem sie  nicht
gleichgültig ist. Aber wir wollen hoffen, daß sie zusagt und
einen kurzweiligen Abend in Ihrer Gesellschaft  verbringt,
dessen Verlauf zu den kühnsten Hoffnungen berechtigt.
Rüdiger Boschmann, einer der exzellentesten Kenner  der
Materie, empfiehlt allen ratsuchenden Männern pauschal:
«Jede unverfängliche Ansprache genügt. Sind erst einmal die
Gesprächsbarrieren niedergerissen, ist das  Schlimmste
überstanden. Sie können sich weiter vorarbeiten. Erzählen
Sie der Frau nicht zu viel über sich  selbst! Reden Sie
über die Frau und um die Frau drum  herum! Fast alle
Frauen sind eitel. Die Dame wird Ihre  Aufmerksamkeit
dadurch zu danken wissen, daß sie gegen ein nächstes und
übernächstes Gespräch nichts einzuwenden hat. Ist die Zeit
reif dafür, laden Sie die Dame  - auch Mädchen, ganz
besonders junge Mädchen sind 'Damen' - zu einer Erfrischung
ein oder zu einer Veranstaltung.»
Dieser Ratschlag ist freilich nicht neu, aber immer wieder
wirkungsvoll. Er hat schon Millionen von Männern sicher zum
Ziel geführt und nur wenige enttäuscht. Einen
unbezahlbaren Tip gibt Rüdiger Boschmann den
Junggesellen, die sich spezialisieren wollen. Er richtet ihr
Augenmerk auf die Gruppe der «versetzten Frauen»: «Es
kommt ständig vor, daß im Eingang eines Theaters oder
einer Konzerthalle eine hübsch zurechtgemachte Frau
steht, die nervös um sich schaut und alle paar Minu-

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ten ihre Uhr betrachtet. Das ist ein 'Opfer' für Sie. Entweder ist
die Frau 'versetzt' worden, oder ihr Begleiter hat  sich so
sehr verspätet, daß er praktisch schon aus dem  Feld
geschlagen ist. Gehen Sie schnurstracks hin und erkundigen
Sie sich, ob es der betreffenden Dame so ergangen ist wie
Ihnen selbst - ist auch sie Versetzt' worden? Wenn ja, was
spricht dann dagegen, gemeinsam einen verpfuschten Abend
in einen gelungenen Abend zu verwandeln? Sie kennen ein
Lokal, in dem ein Grieche  ganz wunderbare Steaks brät,
mit einem Salat, der .. .  Zwei Versetzte' können einander
selten widerstehen. Sie  müssen allerdings damit rechnen,
bemogelt zu werden, wie auch sie selbst ein bißchen mogeln.
Ich kenne Fälle, wo sich erst nach Jahren herausstellte, daß
beide nunmehr miteinander verheirateten Partner nur die
Rolle des 'Versetzten' gespielt hätten.»  Das Leben ist voller
Überraschungen. Und es hält viele  Wunder für uns bereit.
Aber Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige. Es fällt uns
nicht in den Schoß, wenn wir  untätig oder unentschlossen
bleiben. «Nur wer wagt, der gewinnt.»
Den Männern, die sich bei allem guten Willen nicht
trauen, ein Mädchen auf der Straße aus heiterem Himmel
anzusprechen - und die meisten Männer trauen sich  nicht -,
bietet sich die alternative Möglichkeit der stufenweisen
Steigerung ihrer Werbung um eine schöne Frau.
Gelegenheiten dazu ergeben sich überall und in jeder
Menge. Man muß nur die Augen offenhalten und immer
bereit sein.
Als ideal erweisen sich gemütliche Gaststätten und intime
Bars, jedoch keine ausgesprochenen Nachtlokale,  von
denen bereits in einem der vorangehenden Kapitel

116

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hinreichend die Rede war. Kleine Kneipen, sofern es in
ihnen einigermaßen kultiviert und gesittet zugeht, was man
auf den ersten Blick erkennt, haben den Vorteil der
ungezwungenen Atmosphäre, in der ein ungekünstelter,
beinahe freundschaftlicher Umgangston herrscht. Tanzlokale
oder größere Restaurants hingegen überzeugen  durch die
große Auswahl an Damen, die dem Manne in  ihrer Vielfalt
die Qual der Vorentscheidung erleichtern. Denn an hübschen
Mädchen mangelt es hier keinesfalls.  Ein erfahrener Autor,
der sich angelegentlich mit dem  Phänomen der ersten
Kontaktaufnahme beschäftigt hat, beschreibt einen typischen
Anfang zwischengeschlechtlicher Begegnungen so: «Ich habe
also in einem Lokal ein Mädchen entdeckt, das mich reizt und
interessiert. Wenn ich nicht von vornherein an ihrem Tisch
Platz nehme,  kann ich den Kellner bitten, ein Getränk,
das ich den Möglichkeiten meiner Geldbörse entsprechend
ausgewählt habe, ihr mit meinen Grüßen zu servieren. Am be-
sten bestelle ich das gleiche.
Hat der Ober meinen Auftrag ausgeführt, wird sich die
Dame zuerst einmal im Lokal suchend nach dem Spender
umsehen. Bei dieser Gelegenheit proste ich ihr
freundlich zu, und es steht nichts mehr im Wege, daß ich
einige Zeit später an ihren Tisch trete mit der Frage, ob der
Drink ihr geschmeckt hat und ich vielleicht einen  zweiten
bestellen darf. Hierbei kann ich dezent und wirklich
unaufdringlich andeuten, daß ich mich gerne zu ihr  setzen
würde. Das ist ein Wunsch, den sie mir kaum abschlagen
wird.

Unversehens sind wir bereits mitten im Gespräch, das  mit
allgemeinen Bemerkungen über die Qualität der Getränke und
die gediegene Umgebung beginnen mag, ehe

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es persönlicher wird, ohne jedoch zu plumpen Indiskretionen
zu führen. Der Flirt kann seinen vorgeplanten Verlauf nehmen.
Die originellste Möglichkeit ist das sicherlich nicht, aber
ohne Zweifel eine der erfolgreichsten.  Wenn ich mich
gleich beim Betreten des Lokals für eine  Frau entschieden
habe, ist es mir erlaubt, sofort den leeren Stuhl neben ihr ins
Auge zu fassen und ganz unverbindlich zu fragen, ob der
Platz noch frei ist. Tut man das mit der gebotenen Noblesse,
wirkt es auch dann nicht  aufdringlich, wenn noch
genügend andere Tische ganz frei sind. Denn daß man als
Einzelperson einen Gesprächspartner sucht, ist
keinesfalls ein strafwürdiges Verbrechen. Man klärt damit
höchstens besonders  schnell die Fronten, was niemals früh
genug geschehen kann.»
Sitzt man der Auserwählten erst einmal gegenüber, läßt man
sich nach einigen unverbindlichen Worten von ihr  bei der
Auswahl der Speisen oder Getränke beraten und fragt sie, ob
man sie vielleicht zu einem Cognac, einem Likör oder
einem Täßchen Kaffee einladen dürfe. Dazu  erklärt man
entwaffnend: «Wissen Sie, ich trinke nicht  gerne allein!»
Oder: «Bei einem Gläschen spricht es sich  leichter!» Oder:
«Sie erlauben doch, daß wir auf Ihr Wohl trinken?!»
Muß man befürchten, daß sie die harmlose Einladung
ablehnt, darf man nicht fragen, ob sie etwas trinkt, sondern
lediglich, was sie trinkt. Man zwingt ihr unauffällig  die
Auswahl auf: «Mögen Sie lieber einen Weinbrand  oder
einen Kirschlikör?» Die meisten Frauen gehen gerne in die
Falle. Die Hemmschwelle ist überwunden. Dem  zweiten
Schritt steht nichts mehr im Wege. Legen Sie niemals ein
Wort auf die Goldwaage, wenn

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Sie eine Dame ansprechen! Wichtig ist nicht so sehr, wie  Sie
es tun, sondern daß Sie es tun! Selbst ein geistloser Anfang
führt erstaunlich häufig zum Ziel, wie die Erfolge einfallsloser
Galane immer wieder beweisen. Mut bringt  einen Mann
zumindest zu Beginn weiter als Geist, der leider nicht immer
sofort zu bestechen vermag, weil er einige Zeit braucht, um
wirksam zu werden. Dann allerdings  triumphiert er über die
Frechheit, und zwar auf der ganzen Linie.

Wenn Ihnen partout keine Formulierung einfällt, ein
Mädchen in einem Lokal oder in einem geselligen Kreis
schlechthin anzusprechen, dann versuchen Sie es getrost mit
einem Kompliment. Es geht ihr herunter wie Honig.  Denn
jede Frau ist eitel. Sie hält sich für das schönste und
unwiderstehlichste weibliche Wesen auf der Welt, Alaska  und
Feuerland eingeschlossen. Erzählen Sie ihr schwärmerisch,
wie hübsch und anmutig sie ist! Sie wird es immer wieder
gern hören. Scheuen Sie dabei vor fast nichts  zurück, was
ihrem Selbstbewußtsein schmeicheln kann! Möglich, daß sie
mißtrauisch fragt: «Sie Schwindler sagen doch sicher jeder
Frau, daß sie hübsch ist?» Dann  antworten Sie
unerschrocken: «Ja, das stimmt. Aber Sie sind wirklich
schön!» Spätestens von dieser Sekunde an  haben Sie bei ihr
einen Stein im Brett. Denn eine Frau interessiert sich eher für
einen Mann, der sich für sie interessiert, als für einen, der
einen unschätzbar teuren Maßanzug trägt.
Schaut eine Frau verträumt in die Ferne, weil sie weiß, daß
sie ein edles Profil besitzt, dann zögern Sie keinen
Augenblick, das klassische Ebenmaß ihrer bezaubernden
Linien zu loben! Sieht sie Ihnen wie zufällig einen
verräterischen Moment zu lange ins Gesicht, dann hat sie

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entweder Gefallen an Ihnen gefunden, oder sie erwartet, daß
Sie ihr ein Kompliment machen, weil sie die größten,
verträumtesten und schönsten Augen hat, die man sich  nur
vorstellen kann. Vielleicht gefallen Sie ihr, und es verlangt
sie zusätzlich nach einem anerkennenden Wort. Sagen Sie es
ihr! Und sagen Sie es ihr unverzüglich!  Beinahe wäre ich
versucht, schüchternen Männern zu raten, sich mit zwei oder
drei Gläschen Schnaps ein wenig  Mut anzutrinken. Er macht
ganz einfach gelöster. Ich wage diese Empfehlung dennoch
nicht auszusprechen, weil  ich weiß, daß zu viele Burschen
nicht das rechte Maß halten können und weit über das gesteckte
Ziel hinausschießen. Statt sich zu lockern, betrinken sie sich,
was höchst peinlich und lächerlich wirkt und mit Sicherheit zu
einem  keinesfalls gewünschten Ergebnis führt.  Grundfalsch
ist es auch, bewußt oder unbewußt den Sex  in den
Mittelpunkt der Gedanken oder gar der Gespräche zu stellen.
Damit schockieren Sie die Frauen zumindest am Anfang.
Profis konzentrieren sich vielmehr auf die Eitelkeit und das
Gefühl der Damen. Wobei sie fast  immer ins Schwarze
treffen. Je zärtlicher und schmelzender die männliche
Werbung, desto aussichtsreicher die Perspektiven! Ein
Mann kann nicht genug übertreiben,  wenn er es nur mit
Charme und Hingabe tut! Heiratsschwindler schwören auf
diese Masche, mit der sie ihre Opfer innerhalb weniger Tage
herumkriegen, ohne sich sonderlich anzustrengen. Sie wissen
um die verblüffende Wirkung der faustdick aufgetragenen
Schmeicheleinheiten. Öl und Schmalz vollbringen wahre
Wunder! In Tanzlokalen, Discos oder beim «Ball verkehrt»
werden allabendlich selbst die zurückhaltendsten und
kritischsten  Frauen dutzendweise auf diese keinesfalls
ungewöhnli-

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ehe Art angemacht, «aufgerissen» und abgeschleppt.
Natürlich ist ein Mann nicht ausschließlich auf die Arena
der Öffentlichkeit angewiesen, wenn er eine Partnerin
sucht. Er braucht sich nur im Kreise von Verwandten,
Freunden oder Bekannten umzuschauen. Jeder kennt ei-
nen Menschen, der eine hübsche Schwester hat, oder ein
uninteressantes Mädchen, das mit einer ausgesproche-
nen Schönheit befreundet ist. Hier gilt es, das Ziel auf
geeigneten Umwegen anzuvisieren und andere Leute für
diese Zwecke einzuspannen. Man muß nur sein A ".liegen
vortragen und an das Verständnis, die Kollegialität oder
das Mitleid appellieren. Dann wird einem Schützenhilfe
von allen Seiten zuteil, und alle Helfer sonnen sich im
Gefühl der Unentbehrlichkeit. Später können Sie dann
sagen: «Diese Ehe habe ich gestiftet!» Bitten Sie Ihren
Freund doch einfach, Sie mit seiner Schwester oder der
Freundin seiner Schwester bekannt  zu machen. Regen
Sie eine kleine, gemütliche Feier an,  auf der man sich
zwanglos näherkommt! Oder fragen Sie 

die

Arbeitskollegin, wann sie sich wieder mit der niedlichen
Blondine trifft, mit der sie vorgestern ins Kino gegangen
ist! Gestehen Sie ihr ruhig, daß Sie sich in die  Kleine
verknallt haben und sie einfach hinreißend finden!
Natürlich wird die Arbeitskollegin ihrer Freundin Wort
für Wort von Ihrer Unterhaltung berichten, und schon ist
die weibliche Neugier auf den Mann geweckt, der sich un-
sterblich in sie verliebt hat. Nicht nur Gelegenheit macht
Liebe, auch Neugier zeitigt oftmals solche Wirkung. Ei-
nem ersten Treffen, von der Kollegin arrangiert, steht
kein Hindernis mehr im Wege. Sie haben in solchen Fäl-
len noch den unbezahlbaren Vorteil, daß die Umworbene
von Anfang an weiß, was Sie von ihr wollen. Sie wird ihr

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Verhalten danach richten, und Sie können aus ihren
Reaktionen die notwendigen Schlüsse ziehen. Frauen lieben
an Männern sowohl Zärtlichkeit als auch  Leidenschaft. Ein
kluger Mann sollte deshalb zu Beginn  stets herauszufinden
versuchen, welche Eigenschaft sie  bei einem Partner
momentan vorziehen würde. Denn  jeder Mensch
empfindet zu verschiedenen Zeiten ganz unterschiedlich.
Und ein Mädchen, das heute auf einen  leidenschaftlichen
Partner steht, fährt vielleicht schon  morgen auf einen
zärtlichen Typ ab. Unser Gefühlsleben ist eben unergründlich,
und selbst die Psychoanalytiker  vermochten es bis auf den
heutigen Tag nicht zu enträtseln. Manchmal sehnen sich
ansonsten romantisch veranlagte Frauen nach harter Action
und handfestem Sex,  während die temperamentvolle Eva
bisweilen verspielte Sanftheit vorzieht.

Aber einerlei, was eine Frau bei einem Manne auch immer
suchen mag, sie sucht es stets an der richtigen Stelle. Rüdiger
Boschmann gibt den Männern wohlmeinende  Hinweise,
wie sie den Damen bei der Suche entgegenkommen können:
Sobald sich auch nur die geringste Gelegenheit ergibt, mit
der ins Auge gefaßten Schönen eine Unterhaltung
anzufangen, dürfen Sie ruhig irgendwelchen belanglosen
Quatsch reden, aber Ihre Blicke müssen Bände erzählen.
Richten Sie es so ein, daß die Dame nicht umhin kann zu
spüren, wie Sie versuchen, sich zurückzuhalten und es
dennoch nicht können, weil in Ihnen das plötzliche Begehren
wütet.
Möglichst schnell muß es zu kleinen, fast zufälligen Be-
rührungen und Liebkosungen kommen. So etwas läßt sich
ganz unauffällig machen. Legen Sie im Gespräch

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der Dame kurz eine Hand auf den Arm oder unterstreichen
Sie ein Argument dadurch, daß Sie mit einem Finger wie
abwesend auf die Hand der Frau tippen!  Gibt es bei der
Begegnung Gelegenheit zum Tanzen, haben Sie ausgesorgt,
zumindest dann, wenn «altmodisch» getanzt wird. Schmiegen
Sie sich beim Tanzen eng an Ihre Partnerin und beachten Sie
jedes Körpersignal, das sie  Ihnen gibt! Sie werden sofort
wissen, woran Sie bei ihr  sind. Antworten Sie
unmißverständlich darauf! Was ist Tanzen seinem Ursprung
nach denn anderes als sexuelles Werben? Also werben Sie!
Streicheln Sie die  Nackengegend der Frau! Reiben Sie Ihre
Brust gegen ihren Busen! Legen Sie eine Handfläche in die
Kreuzgegend Ihrer Partnerin und bringen Sie durch Druck,
der  dem Tanzrhythmus angeglichen ist, die unteren Regio-
nen einander näher!

Reden ist nicht nötig. Die Berührungen sprechen für sich.
Wenn es die Umgebung, die Beleuchtung - und die
Reaktion des Mädchens gestatten, können Sie ohne große
Tiraden gleich zum Küssen übergehen. Aber kein feiner
Mann bringt eine Frau, die schwach zu werden verheißt,
öffentlich in Verlegenheit! Was sich da zwischen Ihnen und
der Dame abspielt, ist eine Sache, die nur Sie  beide etwas
angeht! Leidenschaftskundgebungen zur Unterhaltung der
anderen Gäste oder zur Befriedigung  der eigenen Eitelkeit
sind nicht angebracht!  Besteht bei Ihnen und der Frau
wortlose Einigkeit, müssen Sie die Initiative ergreifen, um
eine günstige Weiterentwicklung zu garantieren. Fragen Sie
einfach: «Könnten wir nicht zusammen fortgehen?» Oder
liefern Sie der  Dame eine Rechtfertigung für sich selbst,
indem Sie vorschlagen: «Das Wetter draußen ist wunderbar!
Wollen

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wir zwei nicht einen Spaziergang machen?» Es spielt keine
Rolle, ob es draußen Katzen und Hunde regnet. In solchen
Fällen ist das Wetter draußen immer «wunderbar». Egal, was
Sie sagen, sagen Sie es so, daß die Frau spürt, wie brennend
gerne Sie mit ihr allein sein möchten! Hier  scheiden sich
dann die Geister. Unter Umständen werden Sie dann
verblüfft feststellen, daß die feurige Dame zwar nichts gegen
die tollste «Anschmeiße» hat, sich Ihnen jedoch keinesfalls
hingeben will. Diese Sorte hält es  mit dem Wahlspruch:
«Appetit holt man sich anderweitig,  aber gegessen wird zu
Hause!»  Sollte Ihnen dies widerfahren, lassen Sie die Frau
sofort fallen wie eine zu «heiße Kartoffel»! Schließlich ist
es  nicht Ihre Aufgabe, die Bettfreuden eines anderen Herrn
vorzubereiten. Verhält sich die Frau aber wie ein erwachsener
Mensch und möchte, wenn sie ein starkes Begehren
empfindet, diesem Begehren auch Folge leisten, ist  es an
Ihnen, den anderen Anwesenden einen akzeptablen Grund
für das gemeinsame Verlassen der Gesellschaft zu liefern.
Eine bewährte Methode ist es, die «schwachwerdende» Frau
zu der Entschuldigung zu bewegen, sie fühle sich  nicht
wohl. Hierauf können Sie sich erbieten, sie nach Hause zu
begleiten. Oder es fällt ihr - auf Ihre Anregung hin - plötzlich
ein, wie gedankenlos sie gewesen ist, denn sie hat ja der
Nachbarin versprochen, spätestens  um zehn Uhr einmal
nach deren Baby zu sehen. Darum muß sie jetzt schnellstens
heim - in Ihrer Begleitung selbstredend.
Erwarten Sie von der Frau nicht, daß ihr von selbst plausible
Entschuldigungen einfallen, die Außenstehende  halbwegs
überzeugen könnten! Dafür ist sie - hoffent-

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lieh - zu sehr mit ihrem inneren Aufruhr beschäftigt. Behält sie
allerdings einen kühlen Kopf, liegt die Sache nicht so
günstig für Sie . . .

Selbstverständlich wird es einem Manne immer wieder
passieren, daß eine Frau zwar grundsätzlich zur Liebe
bereit ist, sich jedoch aus anerzogenen Hemmungen heraus
weigert, den Koitus zu vollziehen. Nun kann es keinesfalls
Aufgabe dieses Buches sein, über Moral oder Unmoral zu
richten. Das würde den Rahmen unseres  Themas
sprengen, ohne zu einer zufriedenstellenden  Antwort zu
führen. Deshalb will ich mich darauf beschränken, einige
Gedankengänge des bekannten amerikanischen
Ehepsychologen Dr. Albert Ellis wiederzugeben:

«Es ist durchaus nichts grundsätzlich Falsches an der
Verführung, solange sie in einer gescheiten und vernünftigen
Art und Weise mit ein paar anständigen Grundregeln
praktiziert wird. Dies trifft beinahe auf jede sexuelle
Handlungsweise zu. Es ist schwierig, sexuelles Verhalten  an
sich als schlecht, unnormal oder perfertiert zu betrachten.
Eher ist es die unmoralische oder gestörte Weise, in der
solches Verhalten geübt wird, die es abartig  macht. In
dieser Hinsicht ist die Homosexualität ein klassisches Beispiel.
Junge Knaben beteiligen sich häufig an  gegenseitiger
Masturbation oder an anderen Formen der  Homosexualität.
Erwachsene Männer, die im Gefängnis  oder sonstwie von
Frauen isoliert leben, haben ebenfalls 

sexuelle

Beziehungen zu anderen Männern. Es gibt  nichts
Ungewöhnliches oder Pervertiertes an dieser Art von
gelegentlicher oder sporadischer Teilnahme an sexuellen
Handlungen mit Angehörigen des eigenen Ge-

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schlechts. Wenn aber ein Mann ausschließlich mit einem
anderen Mann geschlechtlich verkehrt oder wenn er in
besessener oder gezwungener Art homosexuelle Ventile
sucht oder wenn er homosexuell ist, weil er befürchtet,  bei
den Frauen zu versagen, und deshalb keine Begegnungen
mit ihnen riskieren will - erst unter diesen Umständen tendiert
er dazu, ein unverbesserlicher und tatsächlicher
Homosexueller zu werden und wegen seiner  Sexualität
neurotisch zu sein.

So ist es auch mit der Verführung. Wenn Sie ausschließlich
daran interessiert sind, ein neues Mädchen nach dem  anderen
zu verführen und keine Form von sexueller Beziehung
aufrechtzuerhalten, oder wenn Sie sich in besessener und
gezwungener Art und Weise mit Verführung  befassen und
andere wichtige Aspekte Ihres Lebens zugunsten eines
übertriebenen Zeit- und Energieaufwandes für dieses Spiel
vernachlässigen, oder wenn Sie nur  versuchen, sehr junge
Mädchen zu verführen, weil Sie  befürchten, daß Sie mit
älteren Frauen nicht zurechtkommen und daß es katastrophal
sei, von ihnen abgewiesen zu werden - erst unter diesen
Umständen begeben Sie  sich auf ein besonderes Gebiet des
sexuellen Verhaltens,  und Sie werden wegen Ihrer
neurotischen Sperren anomal.
Ähnlich sieht es aus, wenn Sie sich vor jeglicher Art von
verführerischer Tätigkeit fürchten und es ablehnen, es jemals
zu versuchen, ein Mädchen zu überreden, mit Ihnen  ins Bett
zu gehen, selbst wenn es so aussieht, als ob Sie  gute
Aussichten auf Erfolg hätten und äußerst viel Spaß  mit ihr
haben würden, dann schädigen Sie sich unnötigerweise
selbst und werden sexuell neurotisch.  Verführen oder
Nichtverführen, das ist hier nicht gerade

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die Frage, da Sie legitimerweise zu dieser oder jener Zeit
beides tun können. Solange Sie Verführung oder Ent-
haltsamkeit in einer gescheiten, anständigen Art üben, und
solange Sie vernünftige Sorgfalt walten lassen, zu Ihren
sexuellen Partnerinnen nicht rücksichtslos zu sein,  solange
wird es Ihnen gelingen, im Leben und in der Liebe ziemlich
gut voranzukommen.»  Noch ein Wort zum männlichen
Verhalten den schwachen Frauen gegenüber sei mir erlaubt.
Jeder Mann, ob hart oder weich veranlagt, sollte es sich zum
Grundsatz  machen, jede Frau und jedes Mädchen
liebenswürdig und geduldig zu behandeln! Denn die meisten
von ihnen sind physisch und psychisch zerbrechlich wie rohe
Eier, auch wenn es manchmal nicht so aussehen mag. Aber
der Schein trügt.
Seien Sie niemals grob, derb oder unbeherrscht! Sie flößen
der Schönen damit nur unnötige Furcht ein und  schüren
ihren Widerstand. Sie erreichen also damit höchstens das
Gegenteil von dem, was Sie tatsächlich wollen. Wenn Sie von
einem Mädchen zurückgewiesen werden  - und das wird
Ihnen um so häufiger geschehen, je mehr  Versuche Sie im
Leben starten - dann tragen Sie die Abfuhr mit Würde,
Gelassenheit und - falls sie können - auch mit Humor! Geben
Sie der Dame nicht gleich die  Schuld, sondern suchen Sie
den Fehler bei sich selbst! Sie werden ihn ganz gewiß finden,
weil Sie als Mann von Natur aus kritisch und darüber hinaus
auch selbstkritisch  veranlagt sind. Schwerer als den Fehler
zu finden ist es  freilich, ihn abzustellen oder zu beheben.
Denn niemand kann aus seiner Haut heraus. Ehe Sie Ihren
Unmut an  dem erschrockenen Mädchen auslassen, sollten
Sie daran denken, daß andere weibliche Wesen eben
diesen

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Fehler sicherlich lieben und sich einer anderen Frau zuwenden!
Zum Glück hat nicht jede Schöne den gleichen Geschmack.
Die Neigungen der Frauen mögen noch so verschieden  sein,
die Angst davor, als sexuelles Objekt von einem  Manne
mißbraucht werden zu können, ist bei den meisten vorhanden.
Deshalb muß der einfühlsame Mann alles daransetzen, zunächst
einmal ihr Vertrauen zu gewinnen. Schenkt ein Mädchen ihm
nämlich erst einmal ihr Vertrauen, dann schenkt sie sich ihm
bald auch selbst.  Selbstsicheres, überlegenes, besonnenes
Auftreten  weckt ebenso das Vertrauen einer Frau wie
Ehrlichkeit, Geduld und Verständnis für ihre Probleme. Zeigen
Sie  Ihrer künftigen Partnerin immer wieder, daß sie nicht nur
triebhaft veranlagt sind, sondern auch liebevoll und zärtlich.
Sagen Sie ihr, daß Sie treu sein können und auch  wollen,
wenn Sie beide sich als passendes Paar erweisen!  Verführung
unter vorgetäuschten Verhältnissen ist nicht  nur schmutzig,
sondern auch gemein und verantwortungslos!
Lassen Sie nicht nur durch Worte, sondern durch Ihr ganzes
Verhalten erkennen, daß Sie die Frauen wirklich achten und
respektieren! Beweisen Sie, daß Sie in ihnen  nicht nur eine
willige Masturbationshilfe sehen, sondern  den gleichwertigen
Partner! Reden Sie niemals abfällig über die Sexualität anderer
Menschen!  Wenn ein Mädchen zögert, sich Ihnen vollends
hinzugeben, dann dürfen Sie die Kleine niemals überrumpeln
oder durch Ihre Überlegenheit gefügig machen! Überzeugen Sie
die Frau davon, daß Sexualität ein ganz normaler Bestandteil
unseres Lebens ist und daß man ihr positiv gegenüberstehen
muß! Das dauert zwar länger,

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erschließt Ihnen beiden aber auf die Dauer größere und
intensivere Liebesfreuden. Es lohnt sich, um eine Frau
geduldig und unaufdringlich zu werben. Was man mit
Gewalt niemals erreichen würde, das gewährt sie einem dann
ganz von allein aus eigenem Antrieb.  Üben Sie Ihren
Charme und Ihre Überzeugungskraft täglich - aber nicht nur
vor dem Spiegel, sondern in freier Wildbahn! Und versuchen
Sie neidlos von erfolgreicheren Männern zu lernen! Es zahlt
sich aus.

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Das erste Mal

Ganz egal, was die Männer auch immer anstellen mögen,  um
das Interesse einer Frau zu erwecken, sie haben nur ein
einziges Ziel im Auge. Und die Frauen wissen nicht weniger
gut, um was es wirklich geht. Denn auch ihnen  sitzt der
Sexteufel im Blut. Er zwickt und zwackt sie überall,
vornehmlich jedoch an einer einzigen Stelle, nach der  die
Männer so verrückt sind. Letzten Endes wollen die
Mädchen dasselbe wie die Burschen, auch wenn sie sich
anfangs noch so nachdrücklich zieren und sträuben.  Nur
die wenigsten unerfahrenen Frauen leisten überhaupt
keinen Widerstand. Meistens verteidigen sie ihre  Unschuld
oder zumindest ihren Schoß so konsequent, als  seien sie
unnachgiebig entschlossen, die Beine niemals  zu öffnen.
Haben sie sich aber endlich dazu überwunden, im Kampf der
Geschlechter zu unterliegen, dann ergeben sie sich
resignierend in ihr Schicksal, als brächten sie  entsagungsvoll
ein unbeschreibliches Opfer dar, dessen  Bedeutung der
Mann niemals auch nur zu erahnen vermag. Dabei sind sich
viele Sexualwissenschaftler einig,  wenn sie behaupten: «Je
später ein Mädchen seine ersten  sexuellen Erfahrungen
macht oder je hartnäckiger es  sich dagegen sträubt, desto
heißblütiger und hemmungsloser reagiert es später auf
erotische Reize!»

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Seit vielen Jahrhunderten wurden die Frauen von frühester
Kindheit an dazu erzogen, ihre Jungfräulichkeit als  ihr
kostbarstes Gut zu hüten und sie erst in der Hochzeitsnacht
dem mehr oder weniger geliebten Gatten zu  schenken.
Aber schon immer fanden ungezählte Mädchen Mittel und
Wege, die streng überwachten Verbote  zu umgehen und
voreheliche Liebesfreuden zu genießen,  wie auch so manche
anscheinend treue Ehefrau heimlich  auf illegitimem Terrain
ihre Lüste befriedigte und dem  ahnungslosen Gemahl
«Hörner aufsetzte», ohne sich um  die sittlichen Gebote
sonderlich zu sorgen. Die Zahl der Mädchen, die unberührt
in die Ehe gehen, war noch bis vor wenigen Jahren erstaunlich
hoch. Während die Männer sich schon immer im Bordell
oder anderweitig bei leicht zugänglichen Damen die Hörner
abzustoßen und erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln
wußten, erwartete man von einem Mädchen zumindest
theoretisch Jungfräulichkeit bis zur Hochzeitsnacht. Auch
heute noch wünschen sich die meisten Männer -  allen
gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz - eine Frau  zur
Geliebten, die noch nicht durch die Hände anderer  Partner
gegangen ist. Der Trend der Zeit jedoch läßt diesen Wunsch
nur noch höchst selten Wirklichkeit werden.  Der Wert der
Jungfräulichkeit eines Mädchens hängt  engstens mit dem
männlichen Besitzdenken zusammen,  das heute nicht
weniger ausgeprägt ist als in früheren Zeiten. Die Pioniere
der Sexualwissenschaft, die noch stark unter dem Einfluß
der patriarchalischen Gesellschaftsordnung standen,
pflegten die voreheliche Deflo-ration und den vorehelichen
Geschlechtsverkehr 

schlechthin als Beweis der

Minderwertigkeit einer Frau zu betrachten. Sie erklärten, daß
die «Entjungferung» der

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einzige physiologische Vorgang sei, welcher mit einer
funktionellen Verletzung des entsprechenden Organs
einhergeht. «Die Natur», so sagten sie, «zeigt hier, was alle
Erörterungen der Feministen zur Verteidigung der
sexuellen Gleichberechtigung auch immer anführen mögen,
aufs klarste, wie ungleichwertig sie selbst die
geschlechtliche Unberührtheit des Mannes und Weibes
einschätzt. Der Mann verliert seine virginelle Junggesel-
lenschaft mit leichter, wollüstiger Befriedigung ohne jegliche
Beschwerde an seinem Genitale, während die Jungfrau bei
dem ersten Schritt, ihre Jungfräulichkeit zu opfern, einen
lokalen Kampf mit dem sich zur Wehr setzenden eigenen
Geschlechtsorgan zu führen, Schmerzen  zu erdulden und
Ungemach zu erleiden hat.»  Der Sexualforscher Ernest
Borneman bezeichnet diese  Ansicht rundweg als Unsinn,
«denn bei der Defloration  leidet der Mann ebenso große
oder ebenso geringe  Schmerzen wie die Frau.
Penisfrakturen sind nicht selten. Andererseits können auch
bei der Frau Deflorations-Verletzungen auftreten,
beispielsweise Verletzungen des Scheidenvorhofs, der
Scheide oder des Nierenbeckens.»  Angesichts dieser
Begleiterscheinungen bei der Entjungferung eines Mädchens
müßte der Wunsch so vieler Männer nach einer unberührten
Partnerin auf Verständnislo-sigkeit stoßen. Aber der
männliche Stolz darauf, der  erste zu sein und einer Frau
das Reich der Sexualität als  erster zu erschließen, ist
zweifellos Rechtfertigung genug. Wenn aber der Mann
ebensowenig Erfahrung besitzt wie das unberührte
Mädchen, dann stellt das erste  Mal beide vor nicht zu
unterschätzende Probleme. Und sofern die Kleine noch nicht
regelmäßig die Pille nimmt,  kommt ein zusätzlicher
Unsicherheitsfaktor hinzu. Die

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Furcht vor einer ungewollten Schwangerschaft steigert  die
Angst vor der eigenen Ungeschicklichkeit ins Unermeßliche.

Im entscheidenden Augenblick muß sich der Mann unter
allen Umständen vergewissern, ob die Auserwählte
durch regelmäßige Einnahme der Pille vorgesorgt hat.
Wenn nicht, hat er die Pflicht, selber und rechtzeitig vor-
zubeugen. Denn im entscheidenden Augenblick vergißt er -
besonders beim ersten Male - mit ziemlicher Sicherheit alle
guten Vorsätze und beschwört damit allerhand Unheil
herauf. Und selbst wenn alles ohne Folgen  bleibt, drohen
dem jungen Paar quälende Wochen nervtötender
Ungewißheit, bis die nächste Periode wieder  einsetzt, die
jedoch auch keine hundertprozentige Klarheit schafft, weil sie
durchaus auch bei einer begonnenen  Schwangerschaft noch
einmal auftreten kann.  Nimmt das Mädchen - aus welchen
Gründen auch immer - die Pille nicht, dann sollte der
verantwortungsbewußte Mann ein Präservativ benutzen.
Sicherer allerdings ist eine Kombination von
Scheidenzäpfchen und  Präservativ. Die Anwendung ist
denkbar einfach und keinesfalls störend oder hinderlich, sofern
man sie in das unbeschwerte Liebesspiel mit einbezieht.
Dabei empfindet der Mann es als äußerst reizvoll, wenn die
Geliebte ihm  den Präser zärtlich überstreift, während er die
herrlichsten Gefühle in ihr beim Einführen des
Scheidenzäpfchens erregt. Diese Kombination von einem
Präservativ  und Zäpfchen, die vor unerwünschten Folgen
schützt,  fördert die Aktivität und Mitverantwortung beider
Partner in idealer Weise. Und sie schafft ein Gefühl der Si-
cherheit, indem sie überflüssige Ängste ausschaltet. Ein
Koitus ohne Verhütungsmaßnahmen aber ist nicht nur

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leichtsinnig, sondern rundweg verantwortungslos, es sei
denn, er soll tatsächlich gewollter Fortpflanzung dienen.
Einerlei, ob ein Paar vorgebeugt hat oder nicht, ist die
Entjungferung auch heute noch wie in früheren Zeiten ein
Trauma im Leben einer jeden Frau. Dabei spielt es  keine
Rolle, wo es geschieht. Auf den Rücksitzen eines
Kleinwagens kann es ebenso schön sein wie im Brautbett oder
genauso enttäuschend.

Kein Mann darf die Angst der Frau «davor» unterschätzen.
Das Mädchen fragt sich hundertmal: «Wird er mir weh tun?
Wie verhalte ich mich, wenn es schmerzt? Kann  ich weinen?
Oder stoße ich ihn ab, wenn ich es tue? Will er, daß ich mich
vor seinen Augen ausziehe? Sollen wir  das Licht brennen
lassen oder lieber ausknipsen?»  Zum Glück ist die
psychologische Angst der Frau vor falschem Verhalten meist
stärker als die psychische Angst  vor dem Schmerz, den die
Defloration verursachen mag.  Trotzdem soll jeder Mann
zärtlich und feinfühlig auf ihre  Sorgen eingehen. In
liebevollem Gespräch wird er ihre  Sorgen und Bedenken
zerstreuen, wenn er sich nur die richtige Mühe gibt. Vor dem
ersten Mal muß das Verhältnis beider Partner zueinander so
natürlich und unverkrampft wie nur irgend möglich sein.
Dann ergibt sich alles weitere ganz von selbst, und keine
Peinlichkeit kommt auf.
Die Angst des Mädchens vor dem Deflorationsschmerz kann
der Mann mildern oder vielleicht sogar gänzlich
ausschalten, indem er die Ratschläge der amerikanischen
Eheberaterin Barbara Bross weitergibt: «Das Reißen des
Hymens wird kaum schmerzen. Und du wirst  auch nicht
viel Blut verlieren, falls überhaupt. Weniger  als bei der
Menstruation. Mach dir keine Sorgen, wenn es

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beim ersten Mal nicht schön ist. Das hat nichts zu bedeuten. Es
gibt einen Mythos, der besagt, daß ein Mädchen  den ersten
Mann ewig liebt. Das ist purer Unsinn. Das erste Mal ist selten
angenehm, selbst für die leidenschaftlichste Frau. Also mach
dir keine Sorgen. Genieße es, soweit du es kannst. Wie jedes
menschliche Tun ist auch  die Liebe auf Erfahrung
angewiesen. Bevor alles wirklich  klappt, braucht ihr beide
noch eine ganze Menge Praxis.  Verlier die Geduld nicht -
nicht mit ihm und noch weniger mit dir selbst. Du bist nicht
frigide, wenn du anfangs  wenig oder nichts fühlst. Du wirst
bald sehr viel fühlen.»  Der männliche Wunsch nach
Jungfräulichkeit enthält stets den Wunsch nach Defloration.
Eine Frau zu deflorieren bedeutet aber, ihr Schmerz
zuzufügen, sie zum  Bluten zu bringen. Das ist jedoch
zumindest unbewußt stets ein sadistischer Wunsch. Frauen
sollten Männern, die sich nur nach einer unberührten Frau
sehnen, mit 

Skepsis gegenübertreten. Denn

deflorationssüchtige  Männer sind nur selten gute
Ehemänner. Sie werden  stets nach anderen Frauen
suchen, die sie entjungfern  können. Ein Mann tut also gut
daran, seine Vorliebe für Jungfrauen nicht zu laut zu äußern.
Sie könnte den Erfolg seiner Bemühungen um eine Schöne
außerordentlich gefährden.
Ernest Borneman schreibt dazu: «In sensitiven Kulturen gilt
es als Fehler, jemals die eigene Ehefrau zu deflorieren. Denn
mit Defloration verbindet sich Schmerz, und Schmerzen soll
ein Mensch einem geliebten Wesen niemals zufügen. Die
römischen Bräute deflorierten sich  deshalb selbst, indem
sie sich auf den Schoß der Nachbildung des Gottes Mutunus
setzten, durch dessen Phal-lus das Hymen zerrissen und die
Vagina erweitert wurde.

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Auch mit dem Lingamdienst in Indien sind ähnliche
Zeremonien verbunden. Anstelle des Götterbildes über-
nahmen später die Priester oder auch die Zauberer  die
Entjungferung. Das «Jus primae noctis» wurzelt in  dieser
Idee. Nie sollten Liebe und Schmerz in der Person  des
Entjungferers eine Personalunion eingehen.»  Aber keine
Angst! Gar so schlimm, wie es manchmal hingestellt wird, ist
das erste Mal bestimmt nicht, wenn der Mann sich nur immer
wieder ins Gedächtnis ruft, daß alle  Frauen, nicht nur die
Jungfrauen, «zerbrechliche» Wesen  sind, die sich nur dem
Liebhaber vorbehaltlos eröffnen,  der sie mit Behutsamkeit,
Zärtlichkeit und Fingerspitzengefühl zu nehmen weiß. Dabei
kommt es weniger auf die  Routine an als vielmehr auf den
Vorsatz, sanft und empfindsam vorzugehen. Allerdings ist ein
Mädchen bei einem erfahrenen Manne in besseren Händen
als bei einem unbeholfenen Anfänger, der sich in ihren
Armen erst die Sporen verdienen will.

Eine 19jährige Verkäuferin beschreibt, wie sie ihr Debüt
erlebte: «Bis vor einer Woche war ich noch Jungfrau, aber
nur gerade so, weil ich bei fünf oder sechs Gelegenheiten dem
Geschlechtsverkehr ziemlich nahe kam. In  diesen Fällen
wurde ich äußerst intensiv stimuliert, freute  mich aber
trotzdem, daß der Koitus nicht vollzogen wurde. Seit meinem
13. Lebensjahr betrachte ich mich als  sehr ungehemmt,
zumal ich Sex stets offen mit meiner  Mutter und meiner
älteren Schwester wie auch mit meinen Freundinnen
diskutieren konnte. Als ich jetzt meine Unschuld verlor, war
das für mich ein schrecklicher Fehlschlag. Die Enttäuschung
konnte nicht größer sein, obwohl der Junge sich rechtschaffen
bemühte, mich lieb und nett zu behandeln. Wir hatten uns
zwar

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erst einen Tag vorher kennengelernt, und die Vereinigung
gab uns beiden nicht viel, aber er ist nun mein ständiger
Freund. Seit jenem Ereignis vor sieben Tagen hatten wir
fünfmal Verkehr, und jedesmal endete es mit  einem
Fiasko.
Gestern sprachen wir offen darüber, und er war sehr besorgt
über mich, als ich ihm gestand, daß ich mich beim  Koitus
gehemmt fühle und nicht einmal in die Nähe eines
Höhepunktes komme. Wenn meine Reaktion sich nicht
bessert, wird unsere Freundschaft vermutlich auseinan-
dergehen, obwohl mein Partner, der sich die größte Mühe
gibt, mich zu verstehen, unheimlich heißblütig veranlagt ist.
Doch in der Vaginalzone empfinde ich kaum  etwas, und
wenn ich mich meinem Freund hingebe, dann  ertrage ich
seine Bemühungen nur ihm zuliebe. Ich  schließe die
Augen, um ihm meine Gleichgültigkeit zu  verheimlichen,
und ich lächele glücklich, obwohl mir  eher zum Heulen
zumute ist.
Zu meiner Beruhigung las ich irgendwo, daß nur sehr wenige
junge Mädchen in den ersten Jahren ihrer sexuellen  Aktivität
einen Orgasmus erreichen, weil er sich erst mit  der Zeit
entwickelt. Deshalb habe ich die Hoffnung noch nicht
aufgegeben.»
Die Erfahrung dieser jungen Frau ist in der Tat nicht un-
gewöhnlich. Obwohl es keine allgemeinen Normen gibt und
auch keine Altersgrenze, die einer Frau sexuelle Befriedigung
garantieren könnte, fanden Kinsey und seine  Mitarbeiter
heraus, daß fast 100 Prozent der Männer ihrer
Untersuchungsgruppe im Alter von 17 Jahren stets  den
Orgasmus erreichen. Aber nur 30 Prozent der weiblichen
Personen hatten vor der Ehe einen Höhepunkt erlebt. Sie
berichteten auch, daß die maximale orgastische

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Reaktion der Frau mit dem 35. Lebensjahr eintritt.  Das
sind gewiß ernüchternde Feststellungen. Kein Mann muß sie
jedoch als unabänderlich hinnehmen, wenn er  nicht gerade
ein unverbesserlicher Egoist ist. Erwiesenermaßen kommt
eine Frau um so schwerer zum Orgasmus, je schneller der
Partner aufs Ganze geht. Je länger und zärtlicher er aber das
Vorspiel ausdehnt, desto größer ist die Chance, daß die
Geliebte ebenfalls einen Höhepunkt erreicht. Denn bei Frauen
dauert die Erregungsphase länger als beim Manne, der
praktisch innerhalb  weniger Sekunden orgasmusbereit
sein kann. Beim  weiblichen Organismus hingegen ist eine
Anlaufzeit von  einer halben Stunde oder mehr noch
durchaus normal.  Bei der jungen Verkäuferin, die eben zu
Wort kam, ist das  Ausbleiben einer befreienden Reaktion
keineswegs verwunderlich, zumal sie selbst das Gefühl hat,
für den Geschlechtsverkehr noch nicht reif zu sein. Wenn
sie den  Sex nur ihrem Freund zuliebe praktiziert, ist die
Befürchtung berechtigt, daß es noch sehr lange dauern wird,
bis sie Lust und Freude an sexueller Partnerschaft findet.
Für zahlreiche Frauen nämlich ist sexuelle Lust nichts
anderes als ein Produkt von Gewohnheit, Erfahrung und
Praxis.

Viele junge Frauen empfinden nicht anders als diese offene,
aufrichtige Geliebte. Sie wollen keine Spielverderberinnen
sein. Und weil sie nicht den geringsten Versuch
unternehmen, ihre Hemmungen abzustreifen und ihre
Verkrampftheit zu lösen, sträubt sich ihr gesamter Körper
gegen einen befreienden Höhepunkt, den entspannte
Geschlechtsgenossinnen bei jedem einzelnen Koitus  nach
Belieben erleben. Allein am Manne liegt es, die
Schranken abzubauen und geduldig daran zu arbeiten,

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daß seine Partnerin Gefallen, Spaß und schließlich höchste
Lust beim Liebesspiel findet. Denn die Sexualität ist  ein
Geschenk des Himmels und keine lästige Pflicht, als  die so
manches Mädchen sie noch immer betrachtet. Wie wichtig
liebevolles Eingehen des Mannes auf eine  Frau sein kann
und wie bedeutsam männliche Geduld ist, geht aus dem
Erfahrungsbericht einer jungen Frau  hervor, die über das
erste Mal schreibt: «Ich verlor meine sogenannte Unschuld in
einem Auto. Es kam für mich  nicht gerade überraschend,
weil mein Freund und ich  uns fest vorgenommen hatten,
daß es an diesem Abend passieren sollte. Die Situation war
denkbar unbequem,  aber weil es draußen stark regnete,
hatten wir keine anderen Möglichkeiten.
Mein Freund brauchte sich nicht groß anzustrengen, weil  ich
infolge regelmäßiger Selbstbefriedigung alle Wege  geebnet
hatte. Aber er machte sich keine besondere Mühe. Ehe ich
richtig begriff, was geschah, legte er sich über mich und drang
in mich ein, nachdem er meinen Rock hochgeschoben hatte.

Es gab überhaupt kein Vorspiel, so daß ich bis zum
Schluß kalt und gefühllos blieb. Hätte mein Freund mir
zunächst einige gezielte und ausgedehnte Streicheleinheiten
in der Brustgegend und an den Oberschenkeln zukommen
lassen, wäre ich sicher viel temperamentvoller mitgegangen.
Aber ohne eine Ouvertüre mit allen Schikanen läuft bei mir
nichts, wie ich heute sicher weiß.  Denn Frauen wie ich
wollen ohne Eile angewärmt und aufgeheizt werden, damit
sie auf Touren kommen.  Mein Freund dachte nur an sich.
Innerhalb weniger Sekunden war er fertig, wobei er überhaupt
nicht auf meine  Wünsche einging. Ich fühlte mich hinterher
recht mies.

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Ein wenig aufregender hatte ich mir meinen Einstand
nämlich vorgestellt.

Zu seiner Entschuldigung kann ich nur anführen, daß auch
er nicht sehr erfahren war und mich als Versuchskaninchen
benutzte. Nach diesem enttäuschenden Erlebnis  wandte ich
mich routinierteren Männern zu, die eine  Frau mit
Zärtlichkeit und aufregenden Fingerspielen in  Ekstase zu
bringen vermögen. Bei ihnen kam ich immer zum Orgasmus,
der sich beinahe automatisch einstellt,  wenn mich ein
Partner an den richtigen Stellen liebkost. Meinen ersten Mann
sah ich niemals wieder. Ich habe ihn ohne jede Schwierigkeit
vergessen.»  Leider ist die erste wirkliche Vereinigung von
Mann und  Frau bei uns fast stets eine heimliche,
schlüpfrige und  schmutzige Angelegenheit, die sich im
Verborgenen vollzieht wie ein ehrenrühriges Verbrechen.
Nicht zu Unrecht konstatiert Rüdiger Boschmann
resignierend:  «Angsterfüllt, unwissend und plump begehen
unsere Jugendlichen das, was in Romanen wohlklingend das
'erste Erlebnis' genannt wird.» Und der Experte fährt fort: «Die
erste Vereinigung erleben die meisten Menschen bei uns
lange vor der Hochzeit, meistens zwischen dem Beginn  des
16. und dem Ende des 18. Lebensjahres. Zu dieser  Zeit
haben die Beteiligten nur ein sehr geringes Wissen  um das,
was vor sich gehen soll. Sie verhalten sich ungeschickt, tun
einander weh und empfinden die äußeren  Umstände als
erniedrigend und peinlich.»  Der Arzt und Sexualtherapeut
Dr. Ferdinand Harvey,  dem wir zahlreiche neue sexuelle
Erkenntnisse verdanken, schreibt treffend: «Man kann das
Leben nicht zurückdrehen: Wenn der Anfang schlecht ist,
dann ist zunächst einmal alles verdorben.

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In dieser ersten Nacht werden die Weichen gestellt, und was
in dieser Nacht durch Lieblosigkeit, Egoismus und
Dummheit des Mannes verdorben wurde, das läßt sich  oft
niemals wiedergutmachen. Vielleicht findet sich erst  nach
der Ehescheidung wieder ein Weichensteller, der  mit viel
Geschick und Liebe die Frau aus ihrer Verkrampfung
herausholt und glücklich macht. Aber zwischen diesen
beiden Zeitpunkten liegt eine zerbrochene  Ehe oder
Partnerschaft, eine verdorbene Jugend  . . . »   Bleibt zu
fragen, so kommentiert Rüdiger Boschmann  bitter, wo
denn der Mann, der hier in der ersten Nacht «die Weichen
stellen» soll, seinerseits Erfahrungen hernimmt, die es ihm
ermöglichen könnten, wie ein guter  Liebhaber zu
verfahren. Er darf ja, nimmt man unsere  Moralgesetze
ernst, ebenfalls nur unschuldig in das  Abenteuer
eintreten. Außerdem bleibt es schleierhaft,  wie etwa der
zweite «Weichensteller», der die Frau wieder «aus ihrer
Verkrampfung herausholen» soll, seine Kenntnisse erlangt
hat.
Auch auf die Gefahr hin, sich einen Ruf als Verfechter der
Unmoral einzuhandeln, hält es Boschmann - und ungezählte
andere ebenfalls - für besser, die Beteiligten  wüßten bereits
beim «ersten Mal», wie sie sich richtig verhalten müssen. Ein
Mädchen sollte über die körperlichen  Voraussetzungen bei
Mann und Frau sehr gut Bescheid  wissen, bevor es sich
verführen läßt. Und der beteiligte  Mann müßte bestens
darüber informiert sein, was es mit  dem, das er da
vollbringt, überhaupt auf sich hat.  Die Unwissenheit
ungezählter Mädchen wird noch sehr  lange fortbestehen.
Dafür sorgen nicht nur altmodische  Eltern, sondern auch
überholte Moralvorstellungen, die  nicht innerhalb einiger
weniger Jahre abgebaut werden

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können. Traditionen und Gewohnheit führen ein zähes
Leben. Und die Diktatur der öffentlichen Meinung ist trotz
aller Bereitschaft zum Fortschritt stärker als weiblicher Mut.

Noch bis weit in die nächste und vielleicht sogar auch in die
übernächste Generation hinein werden die infolge ihrer
angeborenen oder anerzogenen erotischen Passivität
unerfahrenen Mädchen bis zu ihrem ersten sexuellen Erlebnis
unwissend bleiben, ehe sie aus der Praxis lernen,  wie man
bewußt und ohne Furcht die Liebe vollzieht.  Deshalb
kommt auch heute noch dem Manne, auch  wenn er
selber nur geringe und überdies theoretische  Kenntnisse
besitzt, die Führungsrolle zu, wenn beide die  elysischen
Gefilde körperlicher Liebe betreten.  Jeder Mann muß
wissen, daß sich eine Frau gerade beim  ersten Mal
vertrauensvoll in seine Hände begibt, sich ihm bedingungslos
ausliefert. Wenn er sie dabei derb und  brutal behandelt,
begeht er nicht etwa nur eine verzeihliche Dummheit, er
handelt bewußt kriminell. Er greift  verhängnisvoller und
schmerzhafter in ein fremdes Leben ein als ein Dieb, ein
Betrüger oder ein Räuber.  Männer, die eine Frau nicht zu
achten vermögen und nur  billigen Sinnenrausch suchen,
sollten ihre Triebe bei  Mädchen abreagieren, die so
abgebrüht sind wie sie selbst. Hier können sie wenigstens
keinen Flurschaden anrichten. Frauen aber, bei denen sie der
Erste sein wollen, haben ein Recht darauf, geliebt zu
werden. Doch auch eine Eva, die ihr Debüt längst hinter
sich hat, ist  nicht weniger männlicher Behutsamkeit und
Ritterlichkeit wert, auch wenn sie eine Enttäuschung
leichter zu verkraften vermag. Jedes weibliche Wesen darf
beanspruchen, von dem Manne, dem es sich schenkt, geachtet

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und höflich behandelt zu werden. Casanova sagte einmal  im
hohen Alter: «Vier Fünftel des Genusses bestanden für
mich darin, die Frau glücklich zu machen.»  Weil er
Rücksicht nahm und den Wünschen seiner Partnerinnen den
unbedingten Vorrang gab, hatte dieser  wohl berühmteste
aller Liebhaber so unglaublichen Erfolg beim schönen
Geschlecht. Denn die Frauen wissen 

männliche

Selbstlosigkeit zu schätzen, für die sie sich mit  besonderer
Hingabe bedanken. Wenigstens meistens. Achtung vor einer
Frau ist glücklicherweise unabhängig  von Praxis und
Erfahrung. Sie gehört zu den Tugenden,  die auch ein
ungeübter Mann pflegen und kultivieren  kann. Ist er dazu
nicht fähig, wird es ihm auch später als  Profi nicht gelingen,
das Herz eines Mädchens zu gewinnen. Er bleibt dann sein
Leben lang ein triebhafter Mensch, dem ebensogut auch
mit einer lebensgroßen Puppe aus Vinyl gedient ist, an der
er seine Potenz erschöpfen kann.
Wer Achtung vor seiner zukünftigen Partnerin hat, der wird
sich eher beherrschen und sie nicht gar so sehr bedrängen wie
ein ungeduldiger Stier. Falls die Kleine nicht  will - oder noch
nicht will, sollte der Mann ihr Zeit lassen,  sich zu entscheiden,
auch wenn die Selbstbeherrschung viel Kraft und noch mehr
Energie kostet. Um so schöner  wird das gemeinsame erste
Erlebnis später sein. Kein Kavalier sollte die Umworbene
zu überrumpeln oder gar zu nötigen versuchen. Er muß ihre
hoffentlich  nur vorübergehende Ablehnung ernst
nehmen, auch  wenn sie nur der Furcht entspringt und nicht
der Abneigung oder der Gleichgültigkeit.  Ein erfahrener
Liebhaber rät allen Anfängern: «Wenn Sie bei einer Frau
Erfolg haben wollen, dann seien Sie

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besonders lieb und nett zu ihr! Zeigen Sie niemals, daß Ihre
Ungeduld Sie unwillig oder gar ärgerlich macht! Beweisen Sie
lieber auf charmante Weise, wie sehr Sie die  Dame Ihres
Herzens begehren! Wohldosiertes Verlangen schmeichelt
jeder Frau. Umwerben Sie das Mädchen, das Sie lieben
oder zu lieben glauben! Werfen Sie dabei alle Ihre Vorzüge in
die Waagschale! Aber bringen  Sie Geduld auf, Geduld und
nochmals Geduld . . . !»  Eine bekannte Schauspielerin
bekennt, daß sie beim ersten Mal das Glück hatte, an einen
verständnisvollen  Mann zu geraten, der zwar nicht im
landläufigen Sinne  hübsch war, dafür jedoch über die drei
wichtigsten Eigenschaften verfügte, mit denen man eine
Frau bezaubern kann. Er besaß Geduld, Verständnis und
ein übermenschliches Einfühlungsvermögen. In ihrem
Erfahrungsbericht erinnert sich die berühmte Diva: «Ich
war damals ein blutjunges Ding, noch keine 17, und hatte von
nichts eine Ahnung. Ich wußte nicht, was ich wollte, aber ich
war felsenfest entschlossen, es zu erreichen.  Eines Tages
beschloß ich, meinen jungfräulichen Status aufzugeben, weil
ich Unberührtheit für altmodisch und  rückständig hielt.
Meine Wahl fiel auf einen netten, nicht  mehr ganz jungen
Mann aus unserer Nachbarschaft,  dem ich keinesfalls
gleichgültig war. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit
machte er mir artige Komplimente,  wobei er mir keine
Stunde lang verhehlte, daß es sein  größter Wunsch war,
mit mir zu schlafen.  Ich reagierte auf seine deutlichen
Werbungen keinesfalls  verärgert. Denn obwohl er es an
Offenheit nicht mangeln  ließ, blieb er bei jeder Gelegenheit
taktvoll und fiel niemals aus der Rolle, sosehr ich ihn auch
hinhielt und auf die Folter spannte.

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Immer wieder versuchte er mich zu einem Glas Wein ein-
zuladen, und ich lehnte immer wieder nachdrücklich ab. Ich
werde den erstaunten Ausdruck seiner Augen nicht
vergessen, als ich an jenem denkwürdigen Abend aus
heiterem Himmel und ohne zu zögern sein Angebot annahm.
Eine Stunde später klingelte ich mit klopfendem Herzen  an
seiner Wohnungstür. Mein Anbeter war geschieden  und
lebte keinesfalls in luxuriösem Rahmen. Aber mir zu  Ehren
hatte er sein Heim in ein Märchenschloß verwandelt. Überall
standen üppige Blumensträuße in allen verfügbaren Vasen,
um meine Anwesenheit zu verschönen.  Fließend weiches
Kerzenlicht erhellte den Raum und  schuf eine intime
Atmosphäre, die mich beinahe feierlich  stimmte. Der niedrige
Teetisch war weiß gedeckt. Er wurde von einem schönen
Bukett langstieliger Bakkaratro-sen geschmückt, die meine
Augen aufleuchten ließen. In  einem Eiskübel stand eine
Flasche Champagner. Es  kann aber auch einfacher Sekt
gewesen sein. Ich weiß es  heute nicht mehr, und vermutlich
wußte ich es auch damals nicht. Es war ohnehin völlig
gleichgültig.  Ohne uns über den Verlauf des Abends
abgesprochen zu  haben, wußten wir beide in wortloser
Übereinstimmung, was geschehen würde. Der Gleichklang
unserer Gedanken verband uns schweigend.
Mein Anbeter legte eine zärtliche Platte auf. Noch ehe  ich
mich setzen konnte, tanzten wir im wiegenden Rhythmus
miteinander. Unsere Leiber korrespondierten bei jedem Schritt
verständnisinnig, und von allein drängten sie sich aneinander.
Ich spürte die weichen Männerlippen  mein Ohr küssen,
meine Wangen, meinen Mund, meinen Hals . . .

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Dann saßen wir nahe beieinander auf dem Sofa und tranken
ein Glas Sekt. Ich fühlte mich wie berauscht und dachte in
einer Mischung aus Angst und Neugier daran, daß es gleich
passieren würde. Das Blut dröhnte in meinen Schläfen.
Vertrauensvoll überließ ich meinem Gastgeber die Initiative.
Denn ich selbst hätte nicht einmal annähernd gewußt, wie
ich mich jetzt verhalten mußte. Ich besaß ja  nicht die
geringste Erfahrung, von einigen Küssen nach  der
Tanzstunde abgesehen und einem flüchtigen Petting im Auto
eines Freundes, dessen Hand ich jedoch brüsk
zurückgestoßen hatte, als sie im Begriff gewesen war,
meine Scheide zu öffnen . . .

Auf dem Sofa schmusten wir eine kleine Ewigkeit. Mein
Verehrer kannte sich gut aus. Er widmete jeder Region
meines Leibes seine zärtlichen Aufmerksamkeiten, ohne  die
Dinge zu überstürzen. Ich wurde es kaum gewahr, als er meine
Bluse aufknöpfte und sein warmer Mund meine Brüste küßte,
die rosigen Spitzen feucht umschmeichelte und endlich an
ihnen zu saugen begann. Meine Empfindungen dabei waren
unbeschreiblich herrlich. Plötzlich  sehnte ich mich danach,
daß er sich rascher vorarbeiten  möge, um endlich in mich
einzudringen.  Er schien es zu spüren. Denn jetzt streifte er
mir langsam  meinen Slip herunter, wobei ich meinen
Unterleib leicht  anhob, um ihm seine Tätigkeit zu
erleichtern.  Und dann bot sich ihm mein nackter Schoß
ungeschützt  und wehrlos an. Er küßte mein buschiges
Schamhaar. Ich spreizte zitternd und bebend meine Beine,
wobei ich  krampfhaft die Augen schloß und der Dinge
harrte, die da kommen mochten. Es durchfuhr mich wie ein
elektrischer Schlag, als sich

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die Lippen meines Partners über die Liebesfrucht stülpten
und die flinke Zungenspitze das Kleinod eifrig zu umrunden
begann, ehe sie in die kleine Grotte einzudringen  versuchte,
was auf keine nennenswerten Schwierigkeiten stieß, weil ich
schon seit meinem elften Lebensjahr  regelmäßig onanierte
und dabei auch das störende Hymen nach und nach
beseitigt hatte.  Meine Gefühle während dieses ersten
Cunnilingus meines Lebens steigerten sich von Sekunde
zu Sekunde, und da ich ja über masturbatorische Erfahrungen
verfügte, kam ich schnell zu einem gemäßigten Orgasmus,
als die Zunge meine Klitoris gar zu gezielt umschmeichelte.
Ich bäumte mich kerzengerade hoch und schrie leise auf. Jetzt
konnte es nicht mehr lange dauern, bis das Unfaßbare sich
ereignen würde. Ich schmolz wie Wachs unter den zärtlichen
Liebkosungen meines Geliebten, der jede  Faser meines
Körpers virtuos beherrschte.  Fast beiläufig streifte er jetzt
auch sich die Hosen herunter. Und als ich in schmerzhafter
Neugier beinahe gegen meinen Willen die Augen aufschlug,
da fiel mein Blick  auf seinen riesigen Phallus, der wie ein
Mastbaum mächtig hin und her schwankte. Dieses
überdimensionale  Glied sollte in meiner engen Scheide
Platz haben?  Nein, niemals! Eine panische Angst überfiel
mich. Ich  fürchtete, dieses Monstrum würde meine Vagina
zerreißen.
Ich schob ernüchtert meinen Gespielen von mir. Ich bat und
bettelte, er möge mich verschonen! Und dann zog ich mir
in unvorstellbarer Hast meinen Slip wieder an, der auf dem
Boden lag. Ich knöpfte meine Bluse zu und  strich mir den
Rock glatt. Alles an mir war in hellstem Aufruhr.

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Mein Geliebter beruhigte mich, ohne mir seine Enttäu-
schung zu zeigen. Er sprach mir verstehend Mut zu, und  er
gab zu erkennen, daß er begriff, was in mir vorging. Aber
sein trauriges Lächeln werde ich niemals vergessen.
Er streichelte mir tröstend und aufmunternd das Haar und
die Wangen, aber nicht mit sexueller Berechnung, sondern
eher selbstlos und väterlich. Er sagte mir auch,  daß er mich
niemals gegen meinen Willen zu etwas drängen würde, das ich
nicht aus freiem Willen bejahen könne und ihm nicht aus
eigenem Antrieb zu geben bereit wäre. Und er verstand mich
vollends, als ich ihm gestand,  daß noch niemals vorher das
Glied eines Mannes in mich eingedrungen war.
Wir tranken noch ein Glas Sekt zusammen. Und als ich
aufbrach, ohne von ihm aufdringlich zurückgehalten zu
werden, da drückte er mir den Strauß roter Bakkaratro-sen
in die Hand, als kleines Zeichen seiner Anbetung. Er  wollte
mich noch nach Hause bringen, was ich aber mit Rücksicht
auf die klatschsüchtige Nachbarschaft ablehnte.

Dann stand ich draußen auf der dunklen Straße. Mein
Verstand arbeitete wieder und ich schalt mich eine Närrin,
weil ich so kurz vor dem Ziel aufgesteckt hatte. Ich war also
eine inkonsequente Versagerin. Zu allem Überfluß tat mir
mein Geliebter leid, weil ich ahnte, wie schwer es einen
Mann belasten muß, unmittelbar vor  dem anscheinend
sicheren Koitus mit einem appetitlichen Mädchen entsagen
zu müssen. Ich konnte mir gut vorstellen, daß ihn jetzt seine
überschüssige Potenz doppelt intensiv quälte. Ich machte auf
dem Absatz kehrt und schellte abermals

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an seiner Tür. Er zeigte sich überhaupt nicht verwundert
darüber, daß ich zurückkam. Er gestand mir sogar, daß er  es
insgeheim gehofft und erwartet hatte.  Diesmal zierte ich
mich überhaupt nicht mehr. Ich zog  mich von selber aus
und kuschelte mich in die weichste  Ecke des Sofas. Nackt,
wie Gott mich schuf, erwartete ich  meinen Geliebten und
nahm ihn mit offenen Armen und  offenen Schenkeln auf,
als er sich ebenfalls entkleidet hatte und zu mir kam.

Wie lange wir uns liebten, das weiß ich heute nicht mehr. Aber
es kam mir vor wie eine beglückende Ewigkeit. Als er in mich
eindrang, ließ ich mich einfach auf einer Woge  der Seligkeit
treiben. Er schien meine geheimsten Wünsche zu erraten und
widmete meinem ganzen Leib vom  Scheitel bis zur Sohle
seine ganze zärtliche Aufmerksamkeit. Er füllte mich mit
der glutvollen Kraft seiner  Lenden, und er war auch
hinterher so liebevoll zu mir, wie später kein anderer Mann
mehr.»  Nur wenige Mädchen haben das Glück, beim ersten
Mal an einen zärtlichen und erfahrenen Partner zu geraten.
Viel häufiger vollziehen sie den ersten Liebesakt mit einem
Freund, der ebenso ungeübt ist wie sie. Deshalb  muß ein
Mann, dem es an Praxis und Routine noch mangelt, sich unter
allen Umständen über den Unterschied der Triebkräfte von
Mann und Frau im klaren sein, wenn  er ein guter und
rücksichtsvoller Liebhaber werden will:  Bei fast jedem
Manne dominiert das körperliche Begehren. Es beherrscht ihn
und sein ganzes Denken und Handeln. Er führt ohne
Unterbrechung ein Sexualleben, seit er - sei es im Traum
oder durch Selbstbefriedigung -  seinen ersten Orgasmus
erlebte. Der physische Reiz  spielt in seinem Dasein die
unbestrittene Hauptrolle. Er

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transponiert seine Empfindungen und Gefühle sofort und
ohne Zeitverlust in körperliche Reaktionen. Zweifellos
kennt auch die Frau manuelle Experimente mit dem eigenen
Körper, den sie bei der Masturbation erforscht. Sie genießt
ihre Lustempfindungen ebenfalls  und hat gegen ihr
Auftreten nichts einzuwenden. Aber  im Verhältnis zu
einem anderen Menschen steht bei ihr  immer das
Gefühlsleben im Vordergrund. Die erste Liebe wird für sie
stets romantisch und unkörperlich sein.  Erst langsam und
ganz allmählich verschmelzen die psychischen und physischen
Empfindungen zu einer sexuellen Einheit. Jedes Mädchen
braucht also sehr viel Zeit, um sich auf das große «Ereignis»
einstellen zu können.  Nur ein Mann, der den weiblichen
«Schaltmechanismus»  versteht, wird in der Lage sein, das
Verhalten einer Frau  zu begreifen. Nur wenn er sich der
Mühe unterzieht, sie zu enträtseln, ist es ihm möglich, Liebe
zu schenken und  zu empfangen. Dann wird ihm auch klar,
warum so manches Mädchen sich ihm körperlich versagt,
obwohl sie  ihm nachdrücklich versichert, ihn zu lieben und
sogar sexuell von ihm erregt zu werden. Weibliche Scheu
und Zurückhaltung sind nur bedingt  anerzogene
Eigenschaften. Frauen wissen nämlich instinktsicher, daß
die völlige Hingabe an einen Mann für sie mit einem Fiasko,
vielleicht sogar mit einer Katastrophe enden kann. Denn die
Chance, geliebt zu werden, ist nicht größer als die Gefahr, daß
der Partner sie nur mißbraucht und für seine egoistischen
Zwecke benutzt. Deshalb ist die erste körperliche
Vereinigung ein rigoroser  Wendepunkt im Leben einer
jeden Frau. Danach wird  nichts mehr so sein wie vorher.
Vom Manne allein hängt es ab, ob ein Mädchen den

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Übergang von der psychischen zur physischen Liebe ohne
Schaden vollzieht. Darin liegt - abgesehen von den  rein
körperlichen Aspekten - die Verantwortung, die der Mann auf
sich nimmt.

Im Gegensatz zur seelischen Seite der Sexualität mutet das
technische Verfahren des ersten Liebesaktes denkbar
einfach an. Ein erfahrener Sexualtherapeut rät allen  jungen
Männern:
Der Kitzler ist nicht alles. Aber richten Sie Ihre Konzentration
bei einem in der Liebe noch ungeübten Mädchen besonders
auf ihn. Denn Sie dürfen ziemlich sicher sein, daß nur dieses
Organ und die kleinen Schamlippen bereits lustempfindlich
sind. Die übrigen Teile des Körpers  wurden noch nicht
erotisiert, mit Ausnahme der Brust  vielleicht. Auch der
Scheideneingang ist nur selten schon  voll lustempfindlich.
Männer sind von Natur aus immer  orgasmusbereit, sofern
nicht gerade ein Höhepunkt nur kurze Zeit zurückliegt. Eine
unerfahrene Frau aber muß  Liebe erst lernen. Sie braucht
sehr viel Zeit dafür.  Will ein Mann seine Geliebte auf den
Koitus vorbereiten  und ihr wirkliche Freude schenken, sollte
er mit den Fingern vor allem den Kitzler und die kleinen
Schamlippen ganz sanft und gefühlvoll liebkosen. Er macht
seine Sache besonders gut, wenn das Mädchen dabei bereits
zu einem oder mehreren Orgasmen kommt. Es kann dem
Mann passieren, daß seine Partnerin sich  unglaublich
ungeschickt verhält, obwohl sie zu allem bereit ist und keine
Hemmungen hat. Oftmals liegt sie starr  und steif da, als
erwarte sie ein furchtbares Unheil oder schlimmeres.

Dann muß der Liebhaber sie geduldig auftauen, trösten und
beruhigen. Denn sie weiß noch nicht, wie sie reagie-

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ren kann und reagieren sollte. Sie hat den Schritt vom
Geistigen zum Körperlichen noch nicht vollzogen.  Ganz
wichtig dabei ist: Der Mann darf jetzt nicht schweigen! Er
muß reden! Er muß ihr sagen, wie sehr er sie liebt! Frauen
lieben mit den Ohren. Erzählen Sie ihr, wie schön sie aussieht!
Gehen Sie dabei ruhig ins Detail! Sagen Sie ihr, wie voll und
üppig ihr Haar lockt, wie wunderbar ihre Augen leuchten, wie
hübsch das kleine Naschen zum sinnlichen Mund paßt, wie
erregend Sie die  Kurven ihrer Brüste finden und wie
verführerisch ihr Schamhaar schimmert . . .
Preisen Sie das große Geschenk, das sie Ihnen mit ihrer
Hingabe darbringt! Ihre Stimme muß sie schmeichelnd
einhüllen und streichelnd umgeben!  Lassen Sie den Worten
Taten folgen! Wenn Sie die Haare bewundern, dann fahren
Sie sanft mit den Händen  durch die Haare, wenn Sie den
Mund loben, dann küssen  Sie ihn auch! Hüllen Sie das
Mädchen in einen unsichtbaren Mantel der Zärtlichkeit,
während Sie es entkleiden!  Geben Sie ihr die Gewißheit,
einmalig und kostbar zu  sein - die schönste Frau der Welt!
Und wenn Sie genau hinsehen, werden Sie feststellen daß sie
es wirklich ist, 

zumindest in diesen köstlichen

Augenblicken. Sie ist an  diesem Tag so herrlich wie keine
andere, sie ist ein Wunder, sie ist tatsächlich einmalig!
Lassen Sie sich ruhig von Ihrer Begeisterung hinreißen!
Seien Sie ein Dichter! Sprechen Sie aus, was Sie sonst über
die Lippen zu bringen scheuen! Geben Sie sich dem  großen
Rausch der Euphorie der Liebe hin - aber hüten  Sie Ihren
Körper!

Denn jetzt kommt es darauf an, daß Sie sich als wirklicher
Mann erweisen, der seine Triebe beherrscht. Sie

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müssen sich zurückhalten und Ihre Aktionen unter Kontrolle
haben! Selbst wenn das wachsende Begehren des Mädchens
Sie fast um den Verstand bringt. Schenken Sie  ihr immer
wieder alles, aber gönnen Sie sich selbst vorläufig nichts!

Sie müssen ausdauernd, geduldig und zäh sein! Streicheln
Sie den ganzen Körper des Mädchens, ohne auch  nur einen
Zentimeter auszulassen. Küssen Sie eine ganze Sinfonie von
Küssen - begehrliche Küsse, zarte Küsse, keusche Küsse,
liebkosende Küsse.  Zeigen  Sie ihr,  was Sie empfinden!
Übersetzen Sie Gefühle in körperliche Zärtlichkeiten!

Leise, sanft und ohne jede Gewalt sollten Sie das Mädchen
dazu bringen, sich Ihnen zu öffnen. «Besteigen» Sie Ihre
Geliebte nicht plump und ungehobelt! Geben Sie ihr  auch
Gelegenheit, Ihren Penis zu sehen und anzufassen!  Sonst
kann es passieren, daß sie von der Größe des erregten
Gliedes erschreckt wird. Unterbrechen Sie niemals Ihre
Zärtlichkeiten für länger als wenige Sekunden,  sonst kann
die Erregung der Geliebten steil abfallen.  Sprechen Sie
beruhigend zu ihr! Sagen Sie ihr beispielsweise: «Ich möchte
jetzt ganz zu dir kommen, Liebling. Du brauchst keine Angst
zu haben. Ich werde ganz vorsichtig sein und dir nicht weh
tun. Es wird auch nichts  passieren. Ich habe vorgesorgt.
Du kannst ganz ruhig  sein und alles mit mir zusammen
erleben. Du brauchst  mir nur zu sagen, falls ich dir weh
tun sollte. Ich halte dann sofort still. Vor allem aber mußt du
mir sagen, wenn dir etwas Freude bereitet... Komm, gib dich
deinen Gefühlen ganz hin. Vergiß alles um uns herum. Laß dich
einfach gehen  . . . »   Auch eine Frau, die sich sehr
ungeschickt verhält,

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braucht man nicht gewaltsam «zurechtzurücken», man kann
ihre Beine in die richtige Position streicheln. So und  nicht
anders sollten Sie verfahren!  Sie dürfen dem Mädchen Ihre
Sehnsucht und Ihr Begehren deutlich zeigen. Das Tempo
Ihres Vorgehens aber  muß die Frau selbst bestimmen
können. Fragen Sie immer wieder, ob Ihre Geliebte bequem
liegt, ob es weh tut, ob es angenehmer ist als vorher! Achten
Sie darauf, daß die Scheide auch feucht genug ist! Helfen Sie
notfalls im Anfang mit Speichel nach. Und halten Sie ständig
Kontakt mit der Vulva, auch wenn Sie Ihre Körperhaltung
verändern müssen.

Wenn Sie einigermaßen geschickt sind, können Sie eine
Position über Ihrer Partnerin einnehmen, die sie überhaupt
nicht mit Ihrem Körpergewicht belastet, es Ihnen  jedoch
gestattet, in die Scheide einzudringen. Sie müssen  sich dabei
so auf Knie und Ellenbogen stützen, daß Ihr  Penis in eine
Stellung nicht vor, sondern über der Vulva  gebracht wird.
Das Mädchen macht dann höchstwahrscheinlich eine
Bewegung Ihrem Phallus entgegen, indem sie die
Scheidenöffnung nach oben richtet.  Denn wenn Sie direkt
von vorn in die Scheide eindringen, pressen Sie auch direkt
gegen das Jungfernhäutchen, das nicht ausweichen kann
- sofern es noch vorhanden ist. Als viel günstiger erweist es
sich, die Pe-nisspitze von oben her hinter die Jungfernhaut zu
schieben und dann ganz langsam einzudringen.  Während
jeder Sekunde, die jetzt folgt, soll das Mädchen  deutlich
spüren, wie besorgt Sie um sie sind und wie zärtlich Sie sein
möchten. Konzentrieren Sie sich ganz darauf, gut zu Ihrer
Geliebten zu sein, auch wenn Ihr Geschlechtstrieb nun
nachdrücklich auf Erfüllung drängt.

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Von Vorteil ist es, wenn Sie sich nur auf einen Arm stützen.
Sie können dann die freie Hand unter das Kreuz des
Mädchens schieben und einen leichten Druck nach oben
ausüben. Die richtige Stelle liegt ein wenig oberhalb des
Gesäßes. Durch den Druck kippt das Becken nach vorn. Das
tiefe Eindringen wird dadurch erleichtert. Ist das nicht nötig,
weil Sie ein Kissen oder ein zusammengerolltes
Kleidungsstück zu diesem Zwecke benutzen, können Sie mit
der freien Hand die Geliebte zusätzlich streicheln und
liebkosen. Denn jetzt, da «das Letzte» bevorsteht, ist es
natürlich besonders schön, wenn es Ihnen gelingt, durch
vorsichtiges Massieren und Drücken  des Kitzlers einen
Höhepunkt herbeizuführen.  Keinesfalls dürfen Sie zulassen,
daß Ihre Partnerin aus einer unvermittelten Ängstlichkeit
heraus ihre sexuelle Erregung verliert. Zu leicht wird dabei
nämlich die Scheide trocken. Sollte das dennoch geschehen,
müssen Sie den Bereich sofort mit Speichel anfeuchten. Das
ist keinesfalls unästhetisch, sondern notwendig.  Bei aller
Ekstase, von der Sie jetzt zweifellos beherrscht werden,
müssen Sie gerade jetzt einen kühlen Kopf behalten und den
Verstand bewahren. Denn in dem Augenblick, da Sie weiter in
Ihre Partnerin eindringen, verursachen Sie ihr Schmerzen,
vorausgesetzt, daß sie wirklich  noch eine Jungfrau ist. Je
nach körperlicher Gegebenheit heftige oder weniger große
Schmerzen. Aber sie sind unvermeidbar.
Es wäre nicht sehr zu empfehlen, mit einem schnellen,
gewaltigen Stoß die Defloration so rasch wie möglich
hinter sich zu bringen. Das würde den Schmerz zwar ver-
kürzen, auf jeden Fall jedoch unnötig erheblich verstärken.
Gehen Sie statt dessen langsam vor, und beobach-

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ten Sie genau ihre Reaktionen. Wenn sie sich wollüstig
gegen Sie drängt, dann ist alles in Ordnung. Zuckt sie aber
zurück, müssen Sie unbedingt abwarten und ein wenig später
einen neuen Versuch wagen, der sicherlich erfolgreicher
verläuft.
Am besten können Sie Ihre Geliebte von dem erwarteten
Schmerz ablenken, wenn Sie das Mädchen im Augenblick
des Eindringens ablenkend ins Ohrläppchen oder in die
Schulter beißen, ohne sie allerdings zu verletzen. Natürlich
hilft auch ein heftiger, schmerzhafter Kuß auf den Mund. Die
Tastnerven übermitteln dann von zwei Punkten her
gleichzeitig ihre Warnsignale. Im Hirn überwiegt der stärkere
Reiz, der den schwächeren für Sekunden  überlagert und
beherrscht.

In diesen Sekunden sollten Sie ruhig und kräftig in die
Scheide eindringen und sich danach völlig still verhalten. Ihre
eben noch unschuldige Geliebte ist jetzt Ihre erblühte Partnerin
geworden. Sie fühlt sich wie neu geboren. Eine völlig andere
Welt tut sich ihr auf. Sie mögen es nicht so empfinden, aber
die Frau, die Sie  verführt haben, weiß es. Sie können die
dämmernde Erkenntnis in ihren Augen sehen. Lassen Sie ihr
jetzt Zeit zu erfassen, was geschehen ist. Geben Sie ihr von
Zärtlichkeiten erfüllte Muße, auszukosten und zu genießen,
daß sie ganz von Ihnen erfüllt ist. Seien Sie zart und vor-
sichtig, und vernachlässigen Sie Ihre Liebkosungen
nicht, wenn endlich auch Sie zum Orgasmus kommen.
Zeigen Sie Liebe und Fürsorglichkeit selbst im allerletzten
Augenblick des Höhepunktes. Denken Sie für diesmal nicht
an sich, sondern allein an Ihre geliebte Partnerin. Bewegen
Sie sich nicht, solange es Ihnen nur  möglich ist. Zeigen
Sie ihr, welche Glückseligkeit sie Ih-

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nen geschenkt hat. Lösen Sie sich erst wieder von ihr,
wenn es wirklich nicht mehr anders geht.  Lassen Sie die
junge Frau auch hinterher nicht mit sich  allein. Alles, was
Sie ihr vorher gesagt haben, sollten Sie  ihr jetzt wieder und
wieder noch einmal sagen. Die Melodie der Liebe darf nicht
mit einem Mißton abbrechen und verstummen.
Geben Sie Ihrer Geliebten die Gewißheit, daß dies nicht das
Ende, sondern ein Anfang ist. Schenken Sie ihr die
Sicherheit Ihrer Liebe. Das ist es, was sie jetzt mehr als alles
andere braucht.
Über einen Mann, der sich «nachher» uninteressiert von
seiner Partnerin abwendet, weil er ja nun bekommen hat, was
er wollte, brauchen wir nicht zu reden. Er ist nicht er-
wähnenswert. Er ist kein wirklicher Mann . . .

Natürlich wird nicht jeder junge Bursche seine «Feuertaufe»
mit einem unberührten Mädchen erleben. Vielleicht bereitet
ihm eine in der Liebe erfahrene Frau das  aufregende
Abenteuer der ersten körperlichen Vermählung. Dann darf er
getrost ihr die Führung überlassen.  Sein Verhalten aber
sollte er an den gleichen Maximen orientieren, wie sie für
die Begegnung mit einem jungfräulichen Mädchen gelten.
Denn jede Frau - ob blutjung oder reif - braucht Zärtlichkeit.
Zum Glück ersetzen junge Männer die fehlende Routine
durch jugendliches Temperament und heißblütiges  Feuer.
Deshalb schrieb ein alternder Playboy nicht ohne Wehmut
diese Zeilen:

«Ich frage mich manchmal, ob jemand sexuell erfahrener sein
kann, als ihm selbst guttut. Es mag auf den ersten Blick so
aussehen, als ob ich eine ziemlich alberne Frage

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stelle, zumal man doch allenthalben den Mangel an se-
xuellen Fertigkeiten zwischen Liebenden beklagt. Doch  ich
glaube entdeckt zu haben, daß mit zunehmender Erfahrung
und häufigerer Abwechslung in der Technik die  Fähigkeit,
einen Orgasmus zu erreichen, zwar gleichbleibt, die
Spontaneität aber in bedenklich hohem Maße  verlorengeht.
Wenn die Liebesaktionen nämlich allzu berechnet sind,
schwindet ein großer Teil der Lust. Gewiß,  da ist die
Genugtuung, daß man der Partnerin ein höchstmögliches Maß
an Lust verschafft, von der man in gewissem Sinne auch
selbst profitiert, indem man ihre Haut  streichelt und ihre
Nerven erregt, aber zum großen Teil fehlt oft genug die
eigene sexuelle Begierde, der unbeschreibliche
Sinnenrausch, der uns die Umwelt vergessen läßt.

Nach der abschließenden Ejakulation und der orgasti-
schen Reaktion der Geliebten überkommt den Mann zwar
das stolze Gefühl sexueller Leistung, und es gibt natürlich auch
die Befriedigung körperlicher Entspannung,  aber ein großer
Teil des Liebesvollzuges war eben doch  nur Technik und
Routine, die sich in ständiger Wiederholung erschöpft. Sicher
gibt es noch gelegentlich unvorhergesehene und deshalb
stimulierende Aktionen der  Partnerin, aber selbst sie lösen
weitaus weniger Lustgefühle aus als die unerwarteten
Improvisationen zu jener  Zeit, als man noch sexuell naiver,
neugieriger und unerfahrener war.

Wir verlieren sehr viel von der Substanz unseres Ge-
fühlslebens, während die Jahre unwiederbringlich dahineilen.
Wir werden immer bessere Kenner der Liebe und  all ihrer
Spielarten, aber wir zahlen einen sehr hohen  Preis dafür.
Wir tauschen die fast unerträgliche Erregung

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unserer jugendlichen Sexualbegegnungen ein gegen Er-
fahrungen, die doch ohne das ursprüngliche Feuer der
jungen Jahre nur noch relativ wenig wert sind. Ich erinnere
mich leider nur zu gut an die langgezogene Unruhe  der
Erwartung, wenn damals ein hübsches Mädchen körperliches
Interesse an mir zeigte.  Mich plagten früher keine
akademischen Fragen und keine medizinischen Probleme, ich
machte mir auch keine  Gedanken über die ästhetische
Vollkommenheit des mehr oder minder makellosen Leibes
meiner Freundin,  wenn ihre Finger meine Anatomie
erkundeten oder  wenn ich meinerseits meine Neugier
stillte. Wir rangen  miteinander um unser Fleisch, wie
ertrinkende Menschen um Luft ringen. Wir waren nicht
gewillt zu kurz zu  kommen, einer wollte nur völlig im
anderen aufgehen,  um die animalischen Leidenschaften und
Triebe auszuleben, die uns beherrschten und uns von einem
Exzeß in den nächsten peitschten.
Natürlich kamen wir manchmal nicht zum Orgasmus, weil
wir es praktisch sehr ungeschickt anstellten, aber ein schlaffer
Penis konnte damals noch immer stets rasch  und
problemlos zur Härte zurückgeschmeichelt werden,  und der
hemmungslose Liebeskampf ging weiter. Heute nun wird der
Orgasmus mehr und mehr mit Erfahrung  erreicht. Gewiß
ist er noch immer recht befriedigend,  aber alle Aktionen
vollziehen sich viel zu perfekt. Die  Spannung schwindet.
Die Luft ist raus.  Ich gäbe ein Vermögen dafür, wenn ich
wüßte, wie man  die Spontaneität der Jugend mit der
Kennerschaft des  reiferen Menschen verschmelzen kann.
Aber vermutlich  muß ich es hinnehmen, daß die Liebe
allmählich zum Genuß eines abgeklärten Experten wird.»

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Dr. Stephan Neiger, Mitglied der Gesellschaft für das wis-
senschaftliche Studium der Sexualität, schrieb über die-
ses keineswegs zu unterschätzende Problem: «Zuviel
Abwechslung kann für den Sex so tödlich sein wie Mono-
tonie. In der Tat ist ständiges Experimentieren oftmals
auch nur eine andere Form der Langeweile, die einen
Menschen daran hindert, eine intime Beziehung aufzu-
bauen.»
Und Dr. Harold Greenwald, Professor für klinische Psy-
chologie in Kalifornien, sagt: «Mein Einwand gegen
viele der beratenden Sex-Bücher auf dem Markt ist, daß
sie sich zu sehr auf die Technik einstellen und den
geistigseelischen Aspekten zu wenig Aufmerksamkeit
widmen. Natürlich brauchen wir Erziehung und
Information, aber Sex als Aktivität - einerlei ob um des
Spaßes, der Lust oder der Intimität willen - schließt zwei
Menschen ein. In diesen Büchern jedoch scheint es keine
Menschen zu geben, sondern nur Körperteile. Wie
schrecklich wäre es, wenn unser technisches Zeitalter
nur Meister des Sex hervorbringen würde!»
Wie schwierig es in der Tat ist, ein in psychischer Hin-
sicht guter Liebhaber zu werden, beweist der nachfolgen-
de Erfahrungsbericht eines Mannes, der aus den Unzu-
länglichkeiten des Anfangs gelernt hat: «Vor einem knap-
pen Jahr verliebte ich mich in ein Mädchen, dessen
Schönheit mich hellauf entflammte. Obwohl wir einan-
der sehr begehrten, erlaubte sie mir erst nach vielen Wo-
chen, mit ihr ins Bett zu gehen, wo sie sich mir bedenken-
los schenkte.
Unglücklicherweise war ich, obwohl bereits 25, noch ein
ziemlich unerfahrener Liebhaber und konzentrierte
mein ganzes Bewußtsein ängstlich darauf, ihr unter
allen Um-

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ständen und in jeder Sekunde zu gefallen. Sie merkte natürlich
bald, daß ich weder Praxis noch Routine besaß, und der
Liebesvollzug wurde denn auch ein peinlicher Vorgang für
mich. Ich stellte mich ungeschickt an, und  noch ehe alles
richtig begonnen hatte, war es auch schon  wieder vorbei.
Aber mein Mädchen zeigte sich einfühlsam und geduldig.
Mit der Zeit wurden wir allmählich recht versiert und waren
schließlich ein harmonierendes  Paar. Alles wäre ohne die
geringsten Probleme verlaufen, wenn ich das Glück
unserer Beziehung nicht nur  nach dem sexuellen Erfolg
beurteilt hätte.  Leider begriff ich nicht, daß in der Liebe
andere Faktoren nicht weniger wichtig sind als das
gemeinsame Erreichen eines Höhepunktes. Ich war so
versessen darauf, die verschiedensten aufregenden
Techniken zu praktizieren,  daß ich überhaupt nicht daran
dachte, meinem Mädchen zu sagen, wie wundervoll sie war,
und ich strengte mich  auch in keiner Weise an, zärtliche
Liebesgespräche zu  führen, wie sie eine Frau nun einmal
vor, während und nach dem Koitus erwartet und zweifellos
auch braucht. Ich sagte ihr nicht, daß sie für mich das einzige
Mädchen auf der ganzen Welt war, daß ich sie über alle Maßen
liebte und daß sie mir den Himmel auf Erden schenkte. Sie
litt - wie viele andere Frauen - unter dem Mangel an
Romantik und Zärtlichkeit. Aber ich merkte es nicht einmal.
Es dauerte nicht lange, und sie verließ mich, obwohl wir  im
Bett ansonsten bestens zusammenpaßten. Ich hatte  ihre
psychischen Ansprüche zu sträflich unterschätzt. Obwohl
ich jetzt mehrere Freundinnen habe, bei denen  ich nicht
mehr in den gleichen Fehler verfalle, vermisse ich sie sehr.
Sie ging, weil sie fürchtete, sie könne mich

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nicht glücklich machen - und weil ich ihr nicht sagte, wie
glücklich sie mich machte. Was für ein trauriges und fol-
genschweres Versagen der menschlichen Kommunikation!
Vermutlich geht es ungezählten anderen Männern nicht viel
anders als mir. Wir sind einfach zu versessen  darauf,
unseren Partnerinnen Orgasmen am laufenden  Band zu
verschaffen, und denken deshalb viel zu selten  daran, ihre
Gefühle zu befriedigen.»  In der Sexualität sind Geist und
Körper besonders eng  miteinander verbunden. Niemand
könnte auf die Dauer  nur mit dem Leib oder nur mit der
Seele lieben. Deshalb  ist das Eingehen nicht nur auf die
physischen, sondern auch auf die psychischen
Empfindungen der Partnerin  die unbedingt notwendige
Voraussetzung für ein erfülltes Sexualleben. Männer sind
durchaus in der Lage, den  Koitus als Mittel zur sexuellen
Entspannung zu betrachten. In einer länger dauernden
Beziehung kommen sie jedoch nicht ohne eine
gefühlsmäßige Bindung an ihre  Partnerin aus. Eine Frau
hingegen wirft von Anfang an ihr Herz und ihre Seele in die
Waagschale, weshalb sie  mehr als jeder Mann riskiert. Der
verantwortungsbewußte Liebhaber wird dieses Opfer zu
würdigen wissen, selbst wenn die Partnerschaft nicht von
langer Dauer sein sollte.

Unter dem Aspekt der sensuellen Empfindlichkeit ist die
männliche Erektion ein heikles Thema. Selbst der potenteste
Mann kann in arge Verlegenheit kommen, wenn  seine
Erregung unvermutet durch äußere Einflüsse gestört und
damit meistens auch gedämpft wird. Ablenkende Faktoren
sind Geräusche, fremde Stimmen im Nebenraum, die Angst
vor Entdeckung, aber auch schon niederschlagende
Gedanken und Erinnerungen an un-

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erotische Themen - angefangen beim Finanzamt bis hin  zu
Begräbnissen. Manchmal genügt schon eine kurze,
ernüchternde Bemerkung der Partnerin, um aus einem
aufragenden Baumstamm eine hängende Trauerweide
werden zu lassen. Und auch die Angst vor dem eigenen
Versagen führt oft genug dazu, daß der Held tatsächlich
versagt und seine Lanze senkt. Den Befehl dazu gibt das
Gehirn, in dem das Lustzentrum liegt, das auf seismogra-
phische Weise alle äußeren Einflüsse registriert und sowohl
Stimulationen als auch niederschlagende Störungen an die
ausführenden Organe signalisiert, die sofort  entsprechend
reagieren. Schon allein deshalb ist die Erektion nicht nur
eine körperliche Reaktion, sondern auch ein von Seele und
Geist abhängiges Mysterium. Viele Männer und noch mehr
Frauen besitzen nicht die  geringste Ahnung von den
Möglichkeiten und den Grenzen der männlichen Potenz.
Während die unerfahrene  Eva die Ausdauer ihres Partners
in unglaublicher Weise  überschätzt, halten sich viele
Liebhaber für ausgesprochene Versager, obwohl sie von der
Natur mit normalen oder sogar überdurchschnittlichen
sexuellen Fähigkeiten  ausgestattet wurden. Schuld an
diesen Minderwertigkeitskomplexen sind nicht nur die dick
aufschneidenden  Geschlechtsgenossen, die Wunderdinge
von ihren sexuellen Leistungen erzählen, sondern auch die
erotischen Romane eines bestimmten Genres, in denen die
Männer Orgasmen ohne Zahl erleben, selbst nach soeben
erfolgter koitaler Heldentat sofort zu einer neuen  Erektion
kommen und ohne Unterbrechung eine Geliebte nach der
anderen mit ihrem Flammenschwert beglük-ken, das
pausenlos Feuer speit wie ein vorsintflutlicher  Drachen.
Der Orgasmus wird als zumindest mittleres

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Erdbeben beschrieben, unter dem die Geliebte wie eine
Rakete verglüht, wobei sie sich zuvor in ihre einzelnen
Bestandteile aufzulösen droht.
Ein junger Rechtsanwalt beschreibt seine einschlägigen
Gedanken zu diesem Thema so: «Während meiner fünf
Ehejahre sind meine Orgasmen wahrlich nicht von der Art
eines 'Erdbebens' gewesen. Meist beschränkt sich  das
Lustgefühl auf die Genitalzone, und die Empfindungen sind
zwar berauschend und beglückend, keinesfalls  aber
überwältigend oder gar erschütternd. Obwohl ich  stets den
über alle Maßen erregten Liebhaber spiele, bin ich sicher, daß
meine Frau mir die hemmungslose Intensität meines
Orgasmus nicht so recht glaubt. Im Endeffekt scheint mein
sexuelles Verlangen und Empfinden erheblich schwächer als
das anderer Männer, von denen  ich gehört und gelesen
habe.
Ist es aber andererseits nicht möglich, daß der sogenannte
überwältigende Orgasmus nur eine Ausgeburt der
Phantasie unserer Schriftsteller oder anderer sexueller
Hochstapler ist?»
Er ist es. Seit Anbeginn der Menschheit neigt der Mann
dazu, seine Sexualkraft zu übertreiben und Märchendinge von
seiner Potenz zu erfinden, um nicht nur andere Rivalen von
seiner sagenhaften Potenz zu überzeugen,  sondern auch
die Frauen - und nicht zuletzt sich selbst.  Der unerfahrene
Mann braucht sich also keine Sorgen um seine Fähigkeiten
z« machen. Auch anderswo wird nur «mit Wasser gekocht».

Kinsey führt in seiner Studie über den Mann sechs ver-
schiedene Arten des Orgasmus an. Keine davon ist eine volle
orgastische Reaktion.
1.  Eine milde Reaktion, die auf die Genitalien be-

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schränkt ist, mit wenig oder überhaupt keiner körperlichen
Reaktion. Im Penis klopft es ein paarmal, und der Samen
fließt ohne die normalen, ejakulatori-schen,
stoßweisen Spritzer heraus. Der Orgasmus  vollzieht
sich ohne ein besonders intensives Gefühl. Kinsey stellt
fest, daß mindestens ein Fünftel aller  Männer diese
höchst unzulängliche Reaktion erleben.

2. Die Klimax, die als die am häufigsten auftretende gilt,

schließt eine gewisse Spannung ein oder das  Zucken
eines oder beider Beine sowie auch des  Mundes, der
Arme oder anderer besonderer Körperteile. Bei dieser
Reaktion wird der ganze Leib steif. Es gibt ein paar
Krämpfe, aber keine Nachwirkungen. Diese Reaktion
soll 45 Prozent aller Männer  widerfahren. Dabei
verhindert die Körperstarre or-gastische
Erschütterungen.

3. Diese Reaktion ist von gleicher Art wie die vorge-

nannte, aber heftiger. Kinsey beschreibt sie nach den
Angaben der untersuchten Männer: «Die Beine werden
oft steif, mit verhärteten Muskeln und ausgestreckten
Zehen. Die Muskeln des Bauches sind zusammengezogen
und verkrampft, Schultern und Nak-ken steif und oft
vorgebeugt. Der Atem ist angehalten oder aber
keuchend, die Augen blicken starr,  sofern sie nicht
geschlossen sind ... Der ganze Körper oder zumindest
Teile davon zucken krampfhaft, bisweilen gleichzeitig mit
dem Klopfen oder den heftigen Stößen des Penis. Dazu
kommt häufig ein  Seufzen, Stöhnen oder heftiges
Schreien. Die Nachwirkungen sind nicht markant.»
Diese Art der Reaktion wird von einem Sechstel der
männlichen Testpersonen Kinseys angegeben.

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4. Ein kleiner Prozentsatz von Männern neigt zu hyste-

rischen Reaktionen, in deren Verlauf es zu unkon-
trollierten Lachausbrüchen, unartikulierten Worten,
sadistischen oder masochistischen Gefühlen und
schnellen Bewegungen kommt, die in unsinnigen
Gesten kulminieren. Zu dieser Gruppe gehören rund fünf
Prozent aller Männer.

5. Schließlich bekennt sich nach Kinseys Darstellung eine

ganze Reihe von Männern zu den vorgenannten
Reaktionen, die jedoch darüber hinaus in einem
heftigen Zittern gipfeln, das einhergeht mit einem
ausgesprochenen Zusammenbruch, dem Verlust aller
Farbempfindungen und oftmals sogar in einer voll-
kommenen Ohnmacht.

6. Eine Anzahl von Männern beklagt sich nach Kinseys

Darstellungen über Schmerz und Furcht beim Her-
annahen des Orgasmus. Es sieht so aus, als sei der
Penis kurz vor dem Höhepunkt besonders empfindlich.
Kinsey berichtet, daß manche Männer unerträgliche
Schmerzen leiden und sogar qualvoll schreien, wenn die
koitalen Bewegungen fortgesetzt werden  oder wenn
der Penis auch nur berührt wird. Von einem «Erdbeben»
oder übersinnlichen, welterschütternden Gefühlen also
keine Spur. Die Intensität der 

sinnlichen

Wahrnehmungen während des Aktes hält sich  in
Grenzen. Der Superorgasmus aller Orgasmen ist
nichts weiter als ein unbestätigtes Gerücht, was jedoch
nicht ausschließen soll, daß alle Menschen unterschiedlich
empfinden.

Auch in anderen sexuellen Bereichen gilt es, die Ansichten
und Meinungen auf ein gesundes Maß zurückzuschrauben.
Der Mann als unermüdliche Sex-Maschine ist

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sowohl hinsichtlich seiner Ausdauer als auch der Häufigkeit
seiner koitalen Aktivitäten eine Utopie. Den potenten
«Wunderbullen» gibt es nicht, und es wird ihn auch nie
geben.
Niemand braucht Angst zu haben, daß er sexuell unter-
entwickelt ist, nur weil er nicht dauernd mit einem eri-
gierten Penis durch die Gegend marschiert. Sinnliche Erregung
ist schließlich kein Normalzustand, sondern eine  Reaktion
auf erotische Reize in bestimmten Situationen. Immerhin hat
die erdrückende Mehrzahl aller Menschen  noch andere
Aufgaben und Interessen, als sich ausschließlich mit dem
eigenen Geschlechtsleben zu beschäftigen.

Die Soziologen Dr. Klaus Eichner und Dr. Werner Ha-
bermehl beziffern in ihrem RALF-Report die Zahl der
Männer, die fast täglich Geschlechtsverkehr haben, auf nur
elf Prozent. Ihnen stehen 14 Prozent gegenüber, die in den
letzten vier Wochen überhaupt nicht zum Schuß gekommen
sind. 16 Prozent hatten innerhalb des vergangenen Monats
zwischen eins und drei sexuelle Begegnungen mit dem
anderen Geschlecht. Der Durchschnittsmann schließlich
kommt seinen ehelichen - oder partnerschaftlichen - Pflichten
ein- bis dreimal in der Woche nach. Diese Zahlen nannten 58
Prozent aller befragten Männer.

Sieht man von den elf Prozent sexaktiven Männern ab, für
die ein Tag ohne Intimverkehr ein verlorener Tag zu  sein
scheint, dann stellt man fest, daß 89 Prozent der
männlichen Menschheit, und damit auch zwangsläufig  89
Prozent aller Frauen, ein keineswegs überschwengliches
Geschlechtsleben führen. Ein Anfänger braucht demnach
nicht zu befürchten, daß seine Freundin ihm

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Gewaltleistungen abverlangen wird. Er darf den Sex un-
bedarft angehen.
Beim Koitus selbst sind auch keine sportlichen Höchstlei-
stungen üblich. Männer, die Angst haben, den Anforde-
rungen, die an ihre Ausdauer gestellt werden, nicht genügen
zu können, machen sich unnötige Sorgen. Zwar  werden
sie anfangs recht schnell den Orgasmus erreichen. Aber mit
der Zeit entwickelt sich das «Stehvermögen» in einem Maße,
das sie selbst nicht für möglich gehalten hätten.

Die Konkurrenten auf dem Gebiet der körperlichen Liebe
glänzen normalerweise nicht gerade durch ein Übermaß an
Selbstbeherrschung. Ihrem angestrebten furiosen
Leistungsvermögen sind von Mutter Natur enge Grenzen
gesteckt. Kinsey und zahlreiche andere Sexualforscher kamen
zu der wahrhaft niederschlagenden Erkenntnis, daß bei 40
Prozent aller Männer der Geschlechtsverkehr - vom
Eindringen des Mannes in die Frau bis zum Erguß - höchstens
fünf Minuten dauert. Zumeist ist er jedoch noch wesentlich
kürzer. 34 Prozent aller Männer bringen es auf fünf bis zehn
Minuten. 17 Prozent schleppen sich mit Hängen und Würgen
in 15 bis 20  Minuten über die Runden. Ganze neun Prozent
gehören  zur Eliteklasse, die den Koitus ohne Mühe auf
über 30  Minuten auszudehnen vermögen.  Wenn man
bedenkt, daß Frauen ganz allgemein eine längere Anlaufzeit
brauchen, um in den vollen Genuß des  Liebeserlebnisses
zu kommen, ist dies eine wahrhaft traurige Statistik. Zwar
versuchten nahezu dreiviertel aller schnell zum Höhepunkt
kommenden Männer, ihren Orgasmus hinauszuzögern, um
der Partnerin Freude zu  bereiten, doch konnten sie ihr
Bemühen nicht über zwei

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Minuten hinaus ausdehnen. Kinsey erklärt, daß eine kei-
neswegs geringe Zahl den Höhepunkt sogar bereits in-
nerhalb einer Minute oder in noch kürzerer Zeit erreicht.
Angesichts dieser Zahlen werden viele Männer voller Stolz
ihre Minderwertigkeitskomplexe abstreifen, weil sie bemerken
müssen, daß sie mit ihren Leistungen, die sie  bisher immer
für sehr bescheiden hielten, weit über dem  Durchschnitt
liegen. Diese Feststellung steigert das Selbstwertgefühl, das
eine wichtige Voraussetzung für eine gute Partnerschaft und
für harmonische sexuelle Beziehungen darstellt.
Wenn ein Mann sich unverkrampft auf das erste Erlebnis  mit
einer Frau einstellt, wird er keine ernsthaften Schwierigkeiten
zu bewältigen haben. Denn er wurde, wie seine Partnerin, mit
dem erforderlichen Instinkt ausgestattet,  der ihm ein
zielsicheres Handeln erlaubt und sogar vorschreibt.
Bedeutsamer allerdings ist - man kann es nicht  oft genug
wiederholen - das zärtliche Eingehen auf die  Persönlichkeit
der Geliebten. Eine erfahrene Ehefrau spricht ihre
Gedanken dazu so aus:  «Die Männer sind heutzutage
besessen von der Aufgabe,  einer Frau sexuelle Lust zu
verschaffen, die sie einzig  und allein an der Zahl oder der
Intensität der Orgasmen  messen, welche die Frau während
der Vereinigung erlebt. Sie vergessen dabei, daß eine Frau
natürlich auf eine gute Vorstellung im Bett reagiert, und wenn
der Mann  geschickt ist und seine Partnerin keine sexuellen
Hemmungen hat, muß sie schließlich den Höhepunkt errei-
chen. Aber wenn alles vorbei ist, mag sie ihn als ganzen
Menschen betrachten und dabei recht unterschiedliche
Gefühle entwickeln.  Für mich ist Sex nicht einfach ein
nettes Tummeln im

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Bett. Er ist das Bewußtsein, daß mein Mann im Mittelpunkt
meiner Existenz steht. Er ist der Mensch, an den ich denke,
wenn ich meine Kleider kaufe und mich frage,  ob ich in
meinem neuen Aufzug auch anziehend auf ihn  wirke. Und
ich liebe ihn mehr, wenn er merkt, daß ich  meine Frisur
geändert habe, oder wenn er sagt, daß er ohne mich keinen
Film mit Genuß sieht, als wenn er mir  mitteilt, daß er
meinetwegen eine Erektion hat.  Sex liegt in kleinen,
privaten Spaßen und einem heimlichen Lächeln über den
Frühstückstisch hinweg, oder darin, daß er mir sagt, ich sei
das hübscheste Mädchen auf der ganzen Party, und wenn er
mir zeigt, daß er es auch  so meint, indem er in meiner
Gegenwart nicht mit anderen Frauen flirtet. Sex heißt,
gemeinsam eine besondere Mahlzeit vorzubereiten und über
einer Flasche Wein die innersten Gedanken auszutauschen.
Sex liegt in dem sanften Kuß auf den Nacken und in dem
unbewußten Griff nach der Hand des Partners. Sex wird
natürlich auch im Bett ausgedrückt, in der Leidenschaft, in den
heißesten und innigsten Liebkosungen und in der Bestäti-
gung der Liebe füreinander. Alle Liebe ist Sex, und Sex  ist -
manchmal - auch Orgasmus. Aber für die liebende  Frau ist er
nur eine zusätzliche Sondervergütung.»  Die Dame, die
diese Zeilen schrieb, ist 55. Die jungen  Männer können
viel von ihr lernen.

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Wege zur sexuellen Partnerschaft

Für nahezu jede Frau ist sexuelle Erfüllung kein Ge-
schenk, das ihr einfach in den Schoß fällt, sondern das
Produkt ihrer Erfahrung und Hingabe. Mädchen sind von
Natur aus nicht orgasmusfähig, von einigen wenigen
Ausnahmen vielleicht abgesehen. In einem kontinuierlichen
Lernprozeß, der nicht selten Wochen, Monate oder gar Jahre
dauert, eignet sich eine Frau nach und nach die  Fähigkeit an,
unter männlicher Mithilfe - oder durch Ma-sturbation - den
angestrebten Höhepunkt zu erreichen  und diese Eskalation
nach Belieben zu wiederholen. Der Mann ist im Gegensatz
zum Mädchen nach Eintritt 

der Geschlechtsreife

automatisch in der Lage, den Orgasmus zu  erzielen. Selbst
der einfältigste Trottel weiß,  wie er dabei zu Werke gehen
muß, ohne daß ihm jemand auch nur den geringsten Hinweis
zu geben braucht. Die  Frau macht ihren Nachteil später
allerdings dadurch wieder wett, daß sie beim Liebesspiel
beinahe beliebig oft  zum Höhepunkt kommen kann,
während ihr Partner  nach der Ejakulation für längere oder
kürzere Zeit unfähig zur Fortsetzung der sexuellen
Aktivitäten ist.  Ein Mann, der sich für ein unerfahrenes
Mädchen entscheidet, muß in Kauf nehmen, daß sie
zumindest anfangs keinen allzu großen Spaß am
gemeinsamen Sex

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genießt und daß der Koitus deshalb für sie ohne erfüllenden
Höhepunkt endet.

Es ist eine alte Binsenweisheit, daß Partnerschaften, in  denen
sich zwei sexuell versierte Menschen zusammenfinden,
glücklicher und intensiver sind als ein Bund, den  ein
jungfräuliches Mädchen mit einem Manne eingeht,  der
ebenfalls keine einschlägige Praxis besitzt. Allerdings haben
diese beiden Menschen den unbestreitbaren Vorteil, daß sie ihre
ersten aufregenden Erfahrungen gemeinsam erleben und somit
enger zusammenwachsen.  Die beglückende Zeit der
stimulierenden Entdeckungen bindet in außerordentlich starkem
Maße. Trotzdem wird man der ersten Liebe - statistisch gesehen -
keine lange Dauer voraussagen können. Die Gründe liegen auf
der Hand. Beide Menschen sind sexuell noch nicht geformt. Sie
haben noch nicht Position bezogen. Ihnen fehlt die Erfahrung
mit anderen Partnern, und eines Tages wird  die erotische
Neugier siegen. Denn die Versuchung  lauert überall. Der
Rest ist dann nichts weiter als dankbare Erinnerung an eine
unwiederbringliche Zeit, die um so herrlicher empfunden wird,
je weiter sie zurückliegt.  Kein Mensch vermag wirklich zu
sagen, was Liebe ist  und wie sie entsteht. Niemand weiß,
warum ausgerechnet diese eine Frau das Blut eines bestimmten
Mannes in  Wallung bringt - und umgekehrt. Die sexuelle
Anziehung der beiden Geschlechter ist eine naturgegebene
Realität, und man braucht über sie nicht zu diskutieren.  Das
tun Philosophen und Psychoanalytiker schon zur  Genüge,
wobei sie allerdings bis heute noch zu keinem  befriedigenden
Ergebnis gekommen sind. Aber weshalb  gerade zwei
Menschen, die sich aus einer Laune des Schicksals begegnen,
willkürlich und vorbehaltlos zuein-

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anderstreben, das wird ein ewiges Rätsel bleiben. Dabei muß
es nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick sein. Manche
Zuneigung keimt in einer kurzen, schwachen Stunde. Doch
oftmals wiederum dauert es sehr lange, bis  sich Mann und
Frau ihrer Empfindungen füreinander bewußt werden und die
Konsequenzen ziehen.  Wenn man auch die Liebe nicht zu
definieren vermag, so  hat die Wissenschaft wenigstens
herausgefunden, welche chemischen Vorgänge sich im Körper
vollziehen, sobald zwei sich mögen. In seiner «Physiologie
der Liebe»  schreibt der italienische Sexualforscher Paolo
Mante-gazza: Der Gesichtssinn ist der erste und wichtigste
Bote der Liebe. Ein einziger Blick genügt, um eine erdrücken-
de Flut von Gefühlen in einem Menschen auszulösen.
Dabei entscheidet unser Auge nicht nur über Sympathien
und Antipathien. Vor allem bei der Partnerwahl ist  sein
Eindruck von eminenter Bedeutung. Der Prozeß der
«Paarbildung» beginnt mit einem ersten flüchtigen Blick und
endet - hoffentlich - im siebenten Himmel. Haben die Augen
das Bild des zufälligen Partners akzeptiert und die erotischen
Reize an das Gehirn weitergeleitet, folgt dem «Augenblick»
die «Augensprache», die den ersten Kontakt zwischen zwei
Menschen ermöglicht. Der römische Dichter Ovid riet bereits
vor rund 2.000 Jahren  den Männern, die eine schöne Frau
umwarben: «Laß deine Augen in ihren versinken! Dein stiller
Blick sei ein Geständnis! Oft überzeugt er mehr als tausend
Worte!»  Auch die Psychologen haben die dominierende
Funktion des Blickes längst erkannt, wenn es um Erotik geht.
Der Sozialpsychologe Michael Angyle analysierte in einem
Katalog die Bedeutung der Augensprache. Darin heißt  es
unter anderem:

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«Ein tiefer, langer Blick bekundet Interesse. Er signalisiert
Bereitschaft. Zwei Menschen, die einander mögen, sehen sich
häufiger in die Augen.
Abneigung oder Depressionen äußern sich fast stets
durch niedergeschlagene Lider. Ein Mann, der eine Frau zu
lange und zu intensiv anschaut, wirkt taktlos oder
zumindest respektlos. Er wird  sich keine Sympathien
erwerben. Keine Frau liebt es, mit  Blicken regelrecht
ausgezogen zu werden.  Eine Frau, die den Augen eines
Mannes ausweicht oder  mit einem bösen, strafenden Blick
reagiert, gibt ihm unmißverständlich zu verstehen, daß er bei
ihr keine Chancen hat.

Erwidert sie jedoch seinen Blick, und lächelt sie ihm dabei
auch noch zu, dann darf er ihr Verhalten getrost als
Ermunterung zu einem zärtlichen Angriff auffassen.»  Noch
detaillierter sind die Ratschläge, die der britische
Verhaltensforscher Julius Fast den Männern gibt. Er sagt:
«Eine Frau, die zu haben ist, hält ihre Bewegungen  genau
unter Kontrolle. Ein Mann kann es als 'Posieren'
bezeichnen, eine andere Frau als 'affektiertes Benehmen'.
Aber die Bewegungen ihres Körpers, ihrer Hüften  und
Schultern sprechen eine deutliche Sprache: Möglich, daß sie
mit leicht gespreizten, symbolisch geöffneten und einladenden
Beinen dasitzt. Vielleicht fährt sie sich auch  bei einer
wohlüberlegten, aber scheinbar zufälligen Geste mit einer
Hand beinahe liebevoll über die Brust. Sie  streichelt beim
Reden eventuell ihre Schenkel oder wiegt  beim Gehen
auffordernd die Hüften. Einige ihrer Bewegungen sind
einstudiert und bewußt, andere hingegen  vollziehen sich
vollkommen unbewußt.»

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Die Autorin Gerti Senger beschreibt die Situation des
Mannes nach dem ersten «Augenblick»; «Hat Ihr Ge-
sichtssinn zu allem 'ja' gesagt, und wurden Sie nicht
durch einen strafenden oder ausdruckslosen Blick abgekühlt,
sind die Würfel schon gefallen. Sie haben gar keinen Einfluß
mehr auf das, was nun passiert. Über hochkomplizierte, kreuz
und quer laufende Reizbahnen geraten Sie in
Sexualbereitschaft. Sie legen Hemmungen ab, Sie gehorchen
sexuellen Befehlen, setzen verschiedene  Muskelgruppen in
Aktion - mit einem Wort: Nach diesem optischen Acht-
Sekunden-Vergnügen laufen Sie auf  vollen Touren, machen
Männchen und schlagen Rad.  Wenn Sie allerdings Pech
haben, spielt Ihnen Ihr Sexualzentrum einen bösen Streich:
Es bricht unter dem starken optischen Eindruck der
weiblichen Reize völlig  zusammen. Anstatt die üblichen
Äußerungen des Wohlgefallens abzugeben, erstarren Sie.
Gebannt, wie das  berühmte Kaninchen vor der Schlange,
können Sie nur  hoffen, daß es Ihrem Gegenüber besser
ergeht und die  Initiative zur Kontaktaufnahme von da
kommt. Damit  dürfen Sie rechnen, auch wenn Sie kein
Adonis sind. Denn bei Frauen ist der Gesichtssinn nicht so
elementar ausgeprägt wie bei Männern. Die Einbruchspforte
für die Liebe ist beim Mann nun mal das Auge. Daran gibt
es  nichts zu rütteln. Oder können Sie allen Ernstes von sich
behaupten, daß Sie sich auf einer Party immer an das
Mädchen heranmachen, das besonders intelligent aussieht
oder das Ähnlichkeit mit General de Gaulle hat,  den Sie
tief verehren? Oder bleiben Ihre Blicke an einem  Mädchen
kleben, weil es besonders sparsam ist oder weil  man ihm den
gutmütigen Charakter an den Hundeaugen abliest?»

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Auch die Chemie der Liebe folgt strengen Gesetzen.
Schon bei der ersten, oft zufälligen Begegnung mit einer
anziehenden Frau setzen im Körper des Mannes chemische
Veränderungen ein. Der Atem geht schneller, und
unbewußte Signale werden in Körpersprache gesendet und
empfangea Winzige Spuren Adrenalin schießen ins Blut.
Bei der Frau fließen ebenfalls kleine, aber immens wirksame
Mengen des Hormons Adrenalin in den Blutkreislauf. Die
Atemzüge und der Puls beschleunigen sich. Unzählige
Nervenspitzen wirken auf die lustempfindlichen  Teile des
Gehirns.
Von den chemischen Umwandlungen im Körper beeinflußt,
beginnt der Blutdruck des Mannes anzusteigen. Die
Produktion des Sexualhormons Testosteron kommt auf
Touren. Der Organismus bereitet sich auf die Liebe vor,  ob
der Mann will oder nicht.
Die Frau verspürt inzwischen ein sinnliches Gefühl, vielleicht
sogar ein Kribbeln im Unterleib. Auch ihr Testoste-ronspiegel
hebt sich. Ihre Pupillen erweitern sich ohne  äußere
Einflüsse. Unbewußt deutet der Mann dieses erotische Signal:
Diese Frau ist bereit, sich zu verlieben!  Erfahrene Männer
sind nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie selbst die
unscheinbarsten Reaktionen einer Frau richtig zu
interpretieren wissen und ihr Verhalten darauf einstellen.
Außerdem haben sie begriffen, daß die Sexualität nicht nur
ein wesentlicher Faktor der männlichen, sondern auch der
weiblichen Existenz ist.  Und sie richten sich in ihrem
ganzen Verhalten danach. Niemand wird ernsthaft in Abrede
zu stellen versuchen, daß der Koitus nur in den seltensten
Fällen der Zeugung neuen Lebens dient. Im Vordergrund
steht die Befriedi-

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gung des Geschlechtstriebes und der Sinnenreiz höchster
erotischer Lustempfindung.  Das unverhohlene Ziel des
sexuellen Verkehrs ist der Orgasmus bei Mann und Frau.
Jede geschlechtliche Partnerschaft strebt die gleichzeitige
oder zumindest annähernd synchron erfolgende
körperliche Erfüllung an.  Aber während der Höhepunkt
beim Manne normalerweise ohne jede Problematik erreicht
wird, muß die Frau,  solange sie noch unerfahren ist,
behutsam hingeführt werden. Dazu ist eine möglichst lange
Intumeszenz notwendig, die durch entsprechend geeignete
Erregungsspiele bereichert werden kann. Unglücklicherweise
wissen das längst nicht alle Männer, oder sie setzen sich in
egoistischer Manier leichtfertig darüber hinweg.  Die
Intumeszenz ist nichts anderes als die erste Welle der
sexuellen Reaktion auf einen psychischen oder physischen
Reiz. Sie umfaßt die Gesamtheit der reflexen Veränderungen
der Geschlechtsorgane und des gesamten Organismus, zu
denen auch die seelischen Begleiterscheinungen zählen
können.
Die sexuellen Erregungszustände entwickeln sich bei der
normalen Frau in zwei Phasen, und zwar der ersten Phase der
Vorbereitung und der zweiten Phase des Span-
nungszustandes, wenn die Erregung eine gewisse Schwelle
erreicht hat.
Dabei wird der zärtliche oder zumindest aufmerksame
Liebhaber bemerken, daß sich die Vulva, also die Ge-
samtheit der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane,
entfaltet. Die Klitoris stellt sich auf, die Schamlippen
schwellen an, die Nymphae, also die kleinen Schamlippen,
deren Färbung sich verdunkelt, werden besonders  heftig
durchblutet, und die gesamte Vagina öffnet sich

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einladend, während sie ein unverwechselbares Sekret
absondert.
Nicht sofort zu erkennen ist, daß sich der Scheideneingang
deutlich neigt. Der Gebärmutterhals klafft leicht  auf, und
die Brüste versteifen sich. Dazu kontraktiert der
Scheidenmuskel spastisch, sobald ein höherer Erre-
gungszustand erreicht ist.

Diese Anzeichen signalisieren gemeinsam oder auch einzeln,
daß der weibliche Körper für den Liebesakt bereit  ist und
einem Orgasmus entgegenfiebert.  Der Mann hat viele
Gelegenheiten, sich am weiblichen  Verhalten über seine
Chancen und Möglichkeiten zu orientieren. Es muß ja nicht
gerade Studium der vaginalen Reaktionen sein, die erst
sichtbar werden, wenn er  ohnehin schon auf Erfolgskurs
segelt. Die Haut des Gesichtes, die Augen, die Lippen und
die Brüste verraten mindestens ebensoviel. Aber alle
untrüglichen Anzeichen nützen dem Liebhaber nichts,
wenn er nicht be^  greift, daß ein langes, sensibles und je
nach Veranlagung  der Partnerin behutsames oder forsches
Liebesspiel die  unabdingbare Voraussetzung für eine
glückliche Vereinigung bildet. Nur der wirklich ausreichend
vorbereitete  weibliche Orgasmus ist in der Lage, dem
Höhepunkt zielstrebig entgegenzuarbeiten. Andernfalls
besteht die Gefahr, daß die Geliebte kühl bleibt oder in
einem frühen Stadium der Eskalation verharrt, während der
Mann im  Alleingang den Gipfel der Lust erreicht.  Frauen,
die auf solche Weise unbefriedigt bleiben, gibt es wie Sand am
Meer. Nicht selten beklagen sich ihre Männer über mangelnde
Liebesfähigkeit oder gar über Frigidität, ohne zu ahnen, daß
sie selbst die Schuld am angeblichen Versagen der Partnerin
tragen.

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Niemand wird ernsthaft bestreiten, daß der Mann seinen
Höhepunkt bereits nach wenigen Minuten, in ungezähl-
ten Fällen sogar schon nach einer Reihe von Sekunden,
erreichen kann. Die Frau hingegen braucht eine wesent-
lich längere Anlaufzeit, um in Erregung zu geraten und
den Orgasmus zu erleben. Ziel eines ausgewogenen Lie-
besspieles ist es jedoch, daß beide Partner gleichzeitig
oder wenigstens nahezu gleichzeitig die lustlösende Ent-
spannung genießen.
Die Gemeinsamkeit ergibt sich um so leichter, je langsa-
mer der Mann erregt wird und je disziplinierter er sich zu
beherrschen lernt. Umgekehrt ist es bei der Frau. Sie
braucht sich nicht zurückzuhalten, muß jedoch nach eini-
gem Studium ihres Organismus und nach notwendigem
Training in der Lage sein, aus den Reizungen ihrer eroge-
nen Zonen höchstmöglichen Lustgewinn zu erzielen.
Das ganze Geheimnis gegenseitiger Erfüllung besteht
demnach zum nicht geringen Teil aus vorbereitenden
Zärtlichkeiten, mit denen die Erregung der Partnerin ge-
steigert und der ihres Geliebten angepaßt werden soll.
Dabei spielen selbstredend Zärtlichkeiten im Bereich der
erogenen Zonen die Hauptrolle.  Die erogenen Zonen
sind nichts weiter als jene Haut- und Schleimhautpartien,
deren spezifische Erregung sexuelle Lust auslöst. Dabei
müssen wir jedoch zwischen den  primären, also den
erstrangigen, und den sekundären, also den
untergeordneten erogenen Zonen unterscheiden. Zu den
primären erogenen Zonen der Frau gehört die  Klitoris
und darüber hinaus die Scheide an sich. Zärtlichkeiten in
diesem Bereich können, je nach Intensität oder
Empfindung, sehr bald einen Orgasmus bewirken, sofern
die Partnerin zuvor hinreichend eingestimmt worden ist.

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Der einfühlsame Liebhaber, der auf behutsame Steigerungen
Wert legt, beschränkt sich zu Beginn der Hinwendung auf die
sekundären erogenen Zonen seiner Partnerin. Diese
sekundären erogenen Zonen sind außerordentlich
zahlreich und über den ganzen Leib der Frau verteilt.
So befinden sich in der Genitalsphäre der sehr druck-
empfindliche Schamberg, die gesamte Schamspalte, die
Innenseiten der Oberschenkel, die gesamte Analzone samt
dem Schließmuskel, die Brüste ganz allgemein und schließlich
die Brustwarzen mit den Höfen und dem weiteren Umkreis.

Die außerhalb der Genitalsphäre liegenden erogenen
Zonen lassen sich kaum aufzählen. Sie umschließen den
Unterleib, die Leistengegend, den Brustkorb, die Lenden,  die
Achselhöhlen, die Innenseiten der Arme, die Handgelenke und
sogar die Kommissur zwischen den Fingern, die Fußsohlen,
den Hals, die Lippen und die Ohren. Und streng genommen
kann der ganze weibliche Körper  durch gezielte
Berührung erregt werden. Dabei sollte der Mann wissen, daß
jede Frau auf den Reiz an besonderen Stellen anders reagiert
und daß sie, je nach Veranlagung und Neigung, Zärtlichkeiten
an speziell von ihr bevorzugten Punkten allen anderen
Liebkosungen vorzieht. Diese bevorzugten Punkte gilt es beim
sensiblen Petting zu entdecken. Die Frau wird ihrem
Geliebten dabei durch unübersehbare und unverwechselbare
Reaktionen behilflich sein.
Es ist einleuchtend, daß sich bei der Vielzahl ihrer erogenen
Zonen die Frau vor oder während der Intumeszenz  (med.
Anschwellung) nur langsam steigert. Beim Mann  hingegen,
dessen erogene Zonen sich hauptsächlich auf

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die Genitalsphäre beschränken, vollzieht sich der Vorgang
der Erotisierung um ein Vielfaches rascher. Aber nicht nur
das gemäßigtere Ansteigen der weiblichen Lust macht viele
Männer unsicher. Die Reaktionen  der Frauen auf männliche
Betätigung sind überdies außerordentlich unterschiedlich. Was
landläufig als in höchstem Maße erregend bezeichnet wird,
das kann im Einzelfalle geradezu als lästig oder zumindest als
unerotisch empfunden werden. Nicht zuletzt deshalb ist es für
die sogenannte normale Frau bisweilen recht schwierig, in das
notwendige Stadium der Erregung versetzt zu werden.
Denn die seelisch-körperliche Entspannung der Frau als
Basis einer Intumeszenz ist nicht so leicht zu erreichen, wie
so mancher Liebhaber es sich vorstellt.  «Das trifft
besonders dazu dann zu», erklärt Dr. Albert  Ellis, «wenn
Mädchen prüde sind. Oder wenn sie so tun, als wären sie in
sexueller Hinsicht großzügig und frei, während sie in
Wirklichkeit ihre Sexualität mit dicken  Schichten von
sextötender oder sexentwertender Romantik überdecken.
Nicht, daß Romantik nicht ihre Vorzüge hätte. Die besitzt sie
gewiß. Relativ triebschwache Frauen können sich manchmal
gefühlsmäßig zu höchsten Höhen erregen und sich so selbst
helfen, mehr Sexualleben zu gewinnen, wenn sie sich auf die
Liebe anstatt auf den Sex konzentrieren. Aber das Gegenteil
ist wahrscheinlich ebenso wahr. Die  Durchschnittsfrau geht
bei ihren Handlungen zur Selbstbefriedigung ziemlich
praktisch und unromantisch vor. Sie experimentiert mit den
verschiedensten Teilen ihrer  Anatomie, findet gewöhnlich,
daß ihre Klitoris der empfindlichste Teil ihrer Genitalien ist,
und dann - in einem  erheblich weiter fortgeschrittenen
Stadium ihrer außer-

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ordentlich erdnahen Experimente - entdeckt sie genau,
welche Art von körperlicher Betätigung und was an
Phantasie zum Ziele führt, sich in einer relativ kurzen Zeit
zu voller lustlösender Entspannung zu bringen.  Häufig
versucht sie sich mit den verschiedensten Erfindungen - wie
Haarbürsten, fließendes Wasser, Massagegeräte oder ähnliches
-, um ihre Lust zu steigern. Und häufig greift sie zu ganz
konkreten Phantasien, um sich zu sexueller Erregung und
Befriedigung zu bringen. Im  Laufe der Prozedur ist sie
gewöhnlich höchst praktisch und unromantisch, und sie läßt
es mit Recht nicht dazu  kommen, daß hochtrabende
Idealvorstellungen sich ihr  hindernd in den Weg zu ihrem
sexuellen Selbstausdruck stellen.

Nicht so - leider -, wenn das gleiche Mädchen anfängt,  mit
einem Manne, in den sie verliebt ist, Liebesspiele zu treiben
oder den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Jetzt beharrt sie
meistens darauf, daß die Liebe alles erobern  soll, und sie
erwartet von ihrem Helden Gedankenlesekünste, die ihn
genau das erahnen lassen, was sie sexuell  braucht, um ihn
dazu zu bringen, sie in bewährtester Weise zu befriedigen. Und
da ihre romantischen Vorstellungen in dieser Hinsicht fast
völliger Unsinn sind, findet sie bald, daß
zwischengeschlechtliche Beziehungen ihr nicht so viel Genuß
bringen wie ihre Selbstbefriedigungs-Ex-peditionen. Und so
wird sie von ihrem Freund enttäuscht  sein und vielleicht
sogar von der Mann-Frau-Beziehung überhaupt.
Was sollte sie statt dessen tun, wenn sie den Sex mit ihrem
heißgeliebten Mann genießen will? Ganz klar: Freiheraus
sprechen und ihre Wünsche mitteilen. Wenn sie,  um ihre
höchste Lust zu erreichen, ein sanftes oder festes

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Streicheln braucht, ein Massieren ihrer Klitoris oder ihrer
Vagina, das Einführen oder Nichteinführen des Gliedes,
dann, zum Kuckuck, soll sie es sagen! Kein Mann, ganz
gleich, wie sehr er seine Frau lieben mag und wie bereit er
auch immer sei, sie zu beglücken, ist ein Gedankenleser . . .
Wenn sie nicht ihre Lippen aufknöpft und ihn informiert, wie
soll es ihm dann möglich sein, genau zu wissen, was  sie
wirklich fühlt?
Ein ehrliches, offenherziges Sex-Gespräch und ein ohne
Scham und Scheu erstrebtes Anpassen beider Körper  bis
zum gemeinsamen Höchstgenuß, das zerstört keine
menschliche Romantik - es sei denn, daß Sie durch
unsinnige Vorstellungen von Romantik das zufällig glauben . .
.

Ist der Mann, der seinem Mädchen eine Schachtel Pralinen
mitbringt, unromantisch oder lieblos, nur weil er sich  vorher
vergewissert hat, daß sie Pralinen auch wirklich mag und
nicht etwa eine Abneigung dagegen hat? Natürlich nicht.
Warum sollen wir dann einen Liebespartner für unromantisch
halten, nur weil er sich bemüht, in Liebe und voller Rücksicht
zu entdecken, was seine Gefährtin möchte? Und Zeit und
Mühe aufwendet, ihren besonderen - oder gar eigenartigen -
sexuellen Neigungen zu entsprechen?»
Es mutet wahrhaft erstaunlich an, wie hartnäckig sich
Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mann und  Frau
halten. Ohne Zweifel ist das weibliche Schweigen  über
eigene sexuelle Bedürfnisse einer der großen Fehler, die eine
Partnerschaft gefährden, noch ehe sie richtig  begonnen hat.
Neben der rigorosen, nicht etwa der animalischen, Passivität
der Frau ist es dieses Schweigen,

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an dem die meisten Liebesbeziehungen scheitern.  Man
kann einem Liebhaber nicht eindringlich genug raten, die
weiblichen Wünsche zu erforschen. Notfalls darf er sich nicht
scheuen, sie aus seiner Partnerin herauszufragen! Das
geschieht am besten im Bett, oder wenn man  überhaupt
zärtlich eingestimmt ist und intime Liebkosungen
austauscht. Denn dann ist die Hemmschwelle außerordentlich
herabgesetzt, und das Gespräch vollzieht sich ohne Scheu
und falsche Scham. Ein Mann jedoch, der sich nicht danach
erkundigt, was seine Geliebte besonders erregt, ist ein Esel.

Natürlich gibt es auch Frauen, die sich besonders im Anfang
nicht zu schade sind, ihren Partner zielbewußt zu  lenken.
Der Mann sollte sie unbedingt gewähren lassen!  Das gilt
besonders dann, wenn er noch relativ unerfahren oder sexuell
wenig ausdauernd ist. Denn solche Männer gehen ziemlich
rasch aufs Ganze. Sie steuern ihr Ziel ohne verspielte Umwege
an, was nur der Frau nichts ausmacht, die bereits hochgradig
erregt ist. Das wird aber  nur selten der Fall sein. Denn am
Anfang steht die Bereitschaft, nicht aber die Euphorie. Kein
Mann liebt es, wenn ihm seine Partnerin nüchterne Befehle
erteilt Aber soweit braucht es ja überhaupt nicht zu kommen.
Zwar fällt die offene Aussprache gerade zu Beginn einer
Partnerschaft nicht leicht, weil man einander noch nicht
kennt und demzufolge nicht recht weiß, welche Tonart und
welche Formulierungen angebracht  sind. Aber ein Mann,
der aufmerksam auf seine Geliebte eingeht, findet schnell und
mühelos heraus, was sie mag und was sie ablehnt. Er muß nur
die Sprache ihres Leibes  zu deuten wissen. Eine Partnerin,
die ihren Körper und  ihre Gefühle auch nur einigermaßen
beherrscht, kann

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durch Bewegungen oder Veränderungen der Körperposition
dem Geliebten jene Partien entziehen, an denen  sie nicht
liebkost werden will oder die sie sich für einen  späteren
Zeitpunkt «reservieren» möchte. Andererseits  vermag sie
geschickt die Regionen anzubieten, an denen  ihr
Zärtlichkeiten angenehm sind.  Ein einfühlsamer Mann liest
im nackten weiblichen Körper und seinen Aktionen wie in
einem aufgeschlagenen Buch. Er kann spielend sein
Verhalten an den Reaktionen der Frau und ihrer Intensität
ausrichten, ohne auf  korrigierende Worte angewiesen zu
sein. Schweigt jedoch eine Frau, und bemüht sie sich überdies
um beherrschende Zurückhaltung, fehlt also ihre Reaktion
und bleiben die lenkenden Hinweise aus, dann ist es  dem
Partner unmöglich, die Wirkung seiner Zärtlichkeiten zu
ermessen. Er kann sich nicht orientieren, weil die  Geliebte
nicht zeigt, was ihr gefällt. Und so wird er vielleicht zu
anderen Methoden greifen, von denen er sich  größeren
Erfolg verspricht.
Die Scheu vor demonstrativen Lustreaktionen, die den
Mädchen bis in die allerjüngste Zeit eingeimpft wurde,
bildet demnach eines der ernstesten Hindernisse für den
Vollzug eines wirklich befreienden Liebesspieles. Denn
harmonisches Eingehen des Mannes auf ihre Wünsche,
einfühlsamen Kontakt bis zum beglückenden Höhepunkt,
kann nur die Frau erwarten, die unverwechselbar zeigt, wie
sehr sie sich auf seine Zärtlichkeiten freut und  welcher Art
diese Zärtlichkeiten sein müssen. Der Mann hat also
geradezu die Pflicht, seine Geliebte  systematisch zu
entkrampfen, zu lockern und schließlich  aus einer eventuell
vorhandenen Zurückhaltung hervor-zulocken, bis sie sich
ungekünstelt ihren Empfindungen

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hingibt und nicht versucht, ihre Gefühle kontrolliert zu
verbergen. Nur dann eröffnet sich dem Paar das vollkommene
Liebesglück in seiner befreienden Vielfältigkeit. Die besten
Voraussetzungen für einen Mann, der seine  Partnerin
wirklich glücklich machen will, sind Zärtlichkeit und
Ausdauer. Nun läßt sich Zärtlichkeit zumindest bis zu einem
gewissen Grad erlernen, sofern sie nicht angeboren ist und
deshalb als Bestandteil der Liebestechnik betrachtet werden
muß. Viele Männer, die nicht gerade zu Sensibilität und
Empfindsamkeit neigen, haben es  in dieser Hinsicht schon
zu wahrer Meisterschaft gebracht. Schlechter hingegen steht
es weltweit mit der Potenz. Bereits Alfred C. Kinsey erklärte
nach umfassenden  Studien, daß der normale, der «typische»
Mann vom Einführen seines Gliedes in die Scheide bis zum
Erguß gerade zwei Minuten durchhält. Danach ist der ganze
Zauber vorüber.
Aber ungezählte Frauen, die vor der Revolution des se-
xuellen Lebens nicht einmal wußten, daß es so etwas wie
einen Orgasmus überhaupt gibt, erwarten heute von ihrem
Partner ein ausgedehntes Sexspiel mit mehreren
Orgasmen und eine Vereinigung, die ihnen nochmals
mehrere Höhepunkte unterschiedlicher Intensität beschert.

Leider sind sexuell ausdauernde, zärtliche und erfahrene
Männer eine geringe Minderheit. Es ist also sehr wahr-
scheinlich, daß auch Sie das Heer der Liebhaber bereichern,
die den eigentlichen Geschlechtsverkehr nicht  nach
Belieben zu verlängern vermögen, sondern nach  relativ
kurzer Zeit ihr Pulver verschießen.  Verlieren Sie deswegen
nicht gleich den Kopf! Verzweifeln Sie nicht! Sie sind keine
Ausnahme, Sie gehören

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vielmehr zur Norm, zum gesunden Durchschnitt. Dennoch
haben Sie es selber in der Hand, sich zu einem ausdauernden
Partner zu erziehen, auch wenn es Ihnen  nicht gelingen
sollte, einen Weltrekord aufzustellen. Dabei müssen Sie
allerdings stufenweise vorgehen. Und  von unschätzbarem
Vorteil ist es, wenn Sie Ihre Partnerin in Ihre Probleme
einweihen. Verheimlichen können  Sie diese Probleme
ohnehin nicht vor ihr. Zunächst sollten Sie sich immer und
immer wieder bemühen, bereits beim Vorspiel Ihre Geliebte
in eine hohe  Erregungsstufe zu versetzen, so daß sie bei der
anschließenden Vereinigung trotz geringer Dauer des
Verkehrs  einen Orgasmus erreicht. Dehnen Sie notfalls die
vorbereitenden Zärtlichkeiten aus, bis sie schon in diesem Sta-
dium zu mindestens einem, besser noch zu mehreren Hö-
hepunkten kommt, die dann durch den Orgasmus beim
anschließenden Eindringen des Phallus in die Scheide
gekrönt werden. Hierbei kommt es dann wahrlich nicht
mehr allzusehr auf die Dauer der Vereinigung an.
Sprechen Sie hinterher, am besten auch vorher, mit Ihrer
Partnerin ausführlich über Ihre Potenzprobleme, ohne das
Thema freilich überzubewerten. Frauen sind ver-
ständnisvoller, als die meisten Männer zu hoffen wagen.
Sollte sie sich aber entgegen jeder Vernunft über Sie lustig
machen, dürfen Sie ihr getrost den Laufpaß geben.  An ihr
verlieren Sie nichts. Sie haben eine bessere Partnerin
verdient.
Je länger eine Liebesbeziehung andauert, desto potenter wird
der Mann. Denn in gewissem Maße trägt jedes Verhältnis den
Keim der Gewohnheit in sich. Und nicht umsonst behauptet
der Volksmund, daß Gewohnheit abstumpft. Die
Reduzierung des lustvollen Begehrens auf

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einen normalen Standard steigert die Ausdauer. Nicht
umsonst sind langjährige Partnerschaften am erfülltesten,
während kurze Begegnungen außerordentlich häufig
unbefriedigend verlaufen.
Jenem Mann, dem Selbstbeherrschung, autogenes Training
und körperliche Übungen in Ausdauer zu langwierig und
beschwerlich erscheinen, stehen einschlägige  Hilfsmittel
zur Verfügung. Versandhäuser und Geschäfte für Ehehygiene
bieten spezielle Cremes an, welche beim  Manne die
Reizempfindlichkeit herabsetzen und die  Erektionsdauer
verlängern. Es gibt auch Beruhigungsmittel zum
Einnehmen, die bei einem nervösen oder  übersensiblen
Manne den Orgasmus hinauszuzögern  vermögen. In
vielen Fällen jedoch genügt schon das  Überziehen eines
normalen Präservatives, um eine vorschnelle Ejakulation zu
verhindern. Schließlich sei auch  noch auf jene Präservative
hingewiesen, die von innen mit einer reizdämpfenden
Creme beschichtet sind.  Sexuell ausdauernde Männer sind
keine Wunderknaben.  «Wunderbullen», die von Natur aus
ihre Orgasmen zurückhalten können, gibt es, von ganz
wenigen Ausnahmen abgesehen, so gut wie überhaupt nicht.
Das Hinauszögern des Höhepunktes ist bei fast allen
Männern eine  Lernerfahrung, vergleichbar der Entwicklung
zur Liebesfähigkeit bei den Frauen. Ein ausdauernder
Mann hat  zweifellos bereits früh onaniert und dabei die
Eruption  nach Kräften hinausgeschoben, um den
Nervenkitzel zu steigern. Später gelang es ihm dann relativ
leicht, sich  auch beim Koitus diszipliniert zu beherrschen,
um den  Lustverzicht umzufunktionieren. Je ausdauernder
ein Liebhaber ist, desto erfahrener und geschickter wird er
bei einer Partnerin zu Werke gehen.

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Rüdiger Boschmann beschreibt eine Art Schnellverfah-
ren, in dem praktisch jeder Mann sexuelle Ausdauer er-
lernen kann, wenn ihn eine ihm vertraute Partnerin dabei
unterstützt. Die Lernmethoden sind denkbar einfach:
Bei vorbereitenden Zärtlichkeiten sollten beide Partner
ein Spiel daraus machen, wie lange der Mann Liebkosun-
gen am Glied ertragen kann, ohne sein Sperma zu ejaku-
lieren. Dabei müssen Liebhaber und Geliebte eng
zusammenarbeiten. Aufgabe der Frau ist es, den Mann
vorsichtig zu reizen und ihn nicht durch zu heftiges Sti-
mulieren zu einem Orgasmus zu verführen. Der männli-
che Partner seinerseits muß rechtzeitig zu erkennen ge-
ben, wenn er der Schwelle zum Höhepunkt bedenklich
nahe kommt, worauf sämtliche Liebkosungen sofort un-
terbrochen werden. Entspannt der Mann im entscheiden-
den Augenblick auch noch alle Muskeln, wird es ihm
mehrmals hintereinander gelingen, dem Erguß «auszu-
weichen». Jeder Erfolg sollte ermutigen. Ein Mißerfolg
darf aber keinesfalls als Unglück aufgefaßt werden.
Sinn dieses Spieles ist es, dem Sexualverhalten des
Mannes ein neues Muster aufzuprägen. Durch das Wie-
derholen der Praxis wird der Orgasmus von einem
unaufhaltsam und automatisch eintretenden Ereignis
umgewandelt in eine Reaktion, die der Mann steuern
muß, ehe sie ablaufen kann.
Nicht selten reicht die eben beschriebene Übung schon
aus, um nach ein oder zwei Monaten eine beträchtliche
Verlängerung der Koitusdauer möglich zu machen. Das
ist meistens dann der Fall, wenn im Spiel von der Partne-
rin Mundreize angewendet worden sind. Blieb es aller-
dings bei manuellen, also «handgreiflichen» Liebkosun-
gen, haben viele Männer noch Schwierigkeiten bei der

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Vereinigung, weil die von der weiblichen Scheide vermittelten
Reize sich gar zu sehr von den durch Liebkosungen mit der
Hand verursachten Erregungen unterscheiden. Der
Übergang vom Spiel zur dauerhaft ausgedehnten Vereinigung
erfordert aber in fast jedem Falle wieder  die enge
Zusammenarbeit beider Partner.  Ein normaler Mann, der
diesen Lernprozeß durchläuft,  hat schon viel erreicht, wenn
er ohne Unterbrechung seiner Bewegungen eine Koituszeit
von sechs bis acht Minuten durchhält. Das mag Ihnen
vielleicht nicht gerade sensationell erscheinen, aber Sie
sollten bedenken, daß  er damit bereits weit über dem
Durchschnitt liegt und  Hoffnungen auf eine weitere
Ausdehnung durchaus gerechtfertigt sind.
Neben den rein körperlich wirkenden Methoden gibt es
noch die oft empfohlenen Verfahren, nach denen ein
Mann sich geistig vom Koitus ablenken soll, indem er bei-
spielsweise schwierige Rechenaufgaben zu lösen versucht
oder sich an unangenehme Berufssituationen erinnert. Diese
Ablenkungsmanöver sind äußerst wirksam. Dennoch halten
zahlreiche Ehetherapeuten nicht viel davon, weil dabei zu viel
von der ursprünglichen Zärtlichkeit verlorengeht. Außerdem
ist nicht ausgeschlossen,  daß der Erfolg sich in
unbeabsichtigter zeitweiliger völliger Lustlosigkeit
niederschlägt. Kein Mann, der eine unerfahrene Frau erobert
hat, wird  ernsthaft erwarten, im Bett eine perfekte Geliebte
vorzufinden. Aus psychischen und physischen Gründen ist sie
nicht in der Lage, die körperliche Liebe wie eine Frau zu
erleben, die das Mysterium inniger Zweisamkeit bereits
entschleiert hat. Die entscheidenden Lustorgane, Kitzler  und
kleine Schamlippen, sind bei ihr noch nicht voll ent-

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wickelt. Andere Teile der Vulva sind noch nicht erotisiert. Der
ganze Körper wartet darauf, geweckt zu werden.  Ein Ehe-
Experte rät allen Männern: «Seien Sie nicht ungeduldig mit
Ihrer Geliebten! Erzählen Sie ihr lieber, was  mit ihrem Körper
vor sich geht! Vielleicht wird sie besonders große Freude
daran haben, bewußt mitzuerleben,  wie sie sich verändert
und wie ihre Liebesfähigkeit von Begegnung zu Begegnung
wächst. Für Sie selbst kann das Heranreifen Ihrer Partnerin
ein bewegendes Erlebnis sein. Sie führen Ihre Geliebte
Schritt für Schritt in den Garten der Liebe hinein. Sie dürfen
daran Anteil nehmen, wie sich für Ihre Frau immer wieder
neue Freude erschließt, bis sie Ihnen endlich  ebenbürtig
ist und die erste vollkommene Vereinigung  Sie beide eins
werden läßt.»

In vielen Jahrhunderten bis auf den heutigen Tag haben
ungezählte Bücher die Kunst beschrieben, den Körper einer
Frau die sexuelle Liebe zu lehren. Dabei sind sich alle  Kenner
der Materie darin einig, daß der Mann beim Liebesspiel der
Frau viel Zeit lassen müsse und sie nicht  durch sein
Ungestüm erschrecken dürfe. Wenn der Mann  während der
ersten Tage und Wochen überhaupt in seine Frau eindringe,
dann solle er es sanft und rücksichtsvoll tun. Zu jeder Zeit
gelte es, das Begehren der Geliebten möglichst so sehr
anzustacheln, bis sie schließlich  selbst danach verlangt, den
Mann ganz in sich aufzunehmen.
Alle Liebeskunst fängt mit schmeichelnden Worten an. In
einem orientalischen Lehrbuch der Liebe - und die
Orientalen waren seit alters her wahre Meister darin -
empfiehlt der weise Autor seinen Schülern: «Der Mann
sollte der Frau schon am Tage kleine Ge-

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schenke schicken und sich ihr gegenüber freundlich er-
weisen, um sie auf die Stunden der Gemeinsamkeit vor-
zubereiten. Abends soll er lange bei ihr sitzen und ihr
Zärtlichkeiten ins Ohr flüstern. Dabei preise er tunlichst ihre
Schönheit.
Auf dem Liebeslager ist es niemals falsch, wenn der
Mann die Frau zart streichelt und sie mit weiteren Liebesworten
verwöhnt. Er soll die Schöne vor allem an den Innenseiten der
Arme und Schenkel liebkosen und sie dabei küssen.

Nach und nach ist es ratsam, daß der Mann seine Küsse auf
den ganzen Körper der Frau ausdehnt. Dabei soll er
besonders heiß jene Regionen küssen, die er als besonders
schön gepriesen hat. Dann aber gilt es, beginnend mit dem
linken Fuß, den ganzen Leib der Geliebten  Stück für
Stück mit den Lippen zu umschmeicheln. Erst soll er den
Fuß überall küssen, dann den Unterschenkel,  das Knie und
endlich - mit besonders viel Feingefühl -  den Oberschenkel.
Anschließend die Hüfte, die Flanke,  die Brust, den Hals -
nicht die kleinste Stelle des Körpers darf der Liebhaber
auslassen, und er soll sich davor hüten, zwischen den Küssen
längere Pausen einzulegen.  Außerdem muß er die Frau
warmhalten, damit sie nicht  friert. Denn Frauen sind von
Natur sehr kälteempfindlich.  Hat der Mann die Frau, vom
linken Fuß angefangen, rund um den ganzen Körper bis zum
rechten Fuß mit seinem zärtlichen Mund liebkost, soll er sie auf
der Rückseite ebenso küssen, wobei er keinesfalls in lieblose
Eile verfallen darf. Denn unbeherrschte Hast ist der
Todfeind jeden sexuellen Genusses.

Ist dieses Vorspiel nach gebührender Dauer abgeschlossen,
dann darf der Mann sich in Einzelheiten verlieren.

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Die Frau wird ihm dankbar sein, wenn er gefühlvoll und
ausdauernd ihre Schamlippen küßt, ehe er sein ganzes
Interesse auf die Klitoris konzentriert, die er mit allen Sinnen
umwirbt.
Nach solchem Vorspiel begehrt die Frau meistens selbst die
Vereinigung so heftig, daß der Mann nicht die geringste Mühe
aufzuwenden braucht, um in sie einzudringen.» Keine Frau
liebt es, wenn der Mann sie gleich zu Anfang  mit Sex oder
eindeutigen Worten überrumpelt. Frauen  sehnen sich nach
einer kultivierten Werbung. Sie wollen  genußvoll verführt
werden. Dabei gilt es, Tabus und vorgefaßte Hemmungen
stufenweise abzubauen, ohne die Geliebte vor den Kopf zu
stoßen oder gar zu erschrek-ken.

Natürlich gibt es erfahrene Frauen, die gleich bei der ersten
Begegnung zur Sache kommen wollen, weil sie es
außerordentlich beschwerlich finden, unbefriedigt und allein
im Bett zu liegen und nicht einschlafen zu können.  Aber
keine Angst! Diese Frauen geben ihre Wünsche mehr
oder weniger verhohlen zu verstehen, so daß es  keinerlei
weiterer Ratschläge bedarf. Normalerweise jedoch erwartet
ein Mädchen, daß der Mann nicht mit der Tür ins Haus fällt.
So tut ein kluger Mann gut daran, es am ersten Abend bei
einem Abschiedskuß bewenden zu lassen, sofern ihn  die
Schöne nicht bewußt oder unbewußt zu weiteren
Schritten ermuntert. Beim zweiten Treffen tauscht man
vielleicht bereits Zungenküsse aus, und bei der dritten
Begegnung kommt es normalerweise schon zu zärtlichen
Berührungen und Liebkosungen. Dabei braucht der Mann
nicht den Mut zu verlieren, wenn die Geliebte  seinen
Fingern noch den Schoß verwehrt. Das ist ganz

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natürlich. Besonders dann, wenn er der Erste im Leben  des
Mädchens sein sollte.
Irgendwann bei einem der nächsten Treffen kann es
durchaus zum Petting kommen, das im Orgasmus der Frau
endet. Jetzt ist der Bann gebrochen. Und wenn das Mädchen
die Pille nimmt oder der Mann geeignete Vor-
sorgemaßnahmen zur Verhinderung einer unerwünschten
Schwangerschaft getroffen hat, wird die kleine Eva
vermutlich bereit sein, sich dem Partner bedingungslos  zu
schenken.

In jeder Phase der Werbung und der Eroberung wird der
ritterliche Mann der Angebeteten immer wieder zu verstehen
geben, daß er sie nicht nur liebt, sondern daß er  sie auch
achtet. Wer seine Partnerin nur zum Zwecke der
Triebbefriedigung mißbraucht, stellt sich das größte Ar-
mutszeugnis aus. Er ist nicht nur egoistisch, er ist kriminell.
Dr. Albert Ellis bemerkt zu diesem Thema: «Sehen Sie der
Tatsache ins Auge, daß die beiden Geschlechter sowohl in
unserer Gesellschaft als auch in der  Natur im allgemeinen
recht unterschiedlich eingestuft werden. Selbstverständlich
trifft dies nicht immer und nicht in jeder erdenklichen Weise
zu, denn es gibt erhebliche Übereinstimmungen im Verhalten
von Männern und Frauen. Aber Männer neigen eben doch
dazu, stärker und direkter zu handeln. Und sie besitzen den
stärkeren  und überwältigenderen Sexualdrang. Darüber
hinaus leben wir in einer Kultur, in der ein Mann immer noch
an  Ansehen gewinnt, wenn er auf zahlreiche Abenteuer mit
Frauen zurückblicken kann, während Frauen von ihren
Mitmenschen mehr oder weniger schief angesehen werden,
sofern sie sich auch nur in bescheidener Weise mit
verschiedenen Männern eingelassen haben.

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Diese biologischen und soziologischen Unterschiede
haben eine erhebliche sexuelle Gegnerschaft gezeugt.
Männer verübeln es den Frauen, daß sie sich erotisch so
langsam erwärmen, daß sie die Männer selbst dann ab-
wehren, wenn sie als Frau erregt sind und sich nach Ge-
schlechtsverkehr sehnen und daß sie viele nichtsexuelle
Forderungen - beispielsweise hinsichtlich Unterhaltung  oder
Heirat - stellen, ehe sie dem körperlichen Drang eines Mannes
regelmäßig nachgeben.  Die Frauen wiederum sind häufig
verbittert, weil die  Männer sie lieblos nehmen wollen, weil
sie von ihren Geschlechtsorganen anstatt von ihrem Geist oder
von anderen Attributen beherrscht werden und weil sie sich
mehr  oder weniger unbeständig verhalten. Diese Sex-
Gegenstände in unserer Gesellschaft haben  Sie nicht
erfunden, aber Sie müssen damit leben und sie,  wenn
möglich, in bezug auf Ihr Verhältnis zu einer Frau  nach
besten Kräften zu verringern versuchen. Zeigen Sie den
Frauen, daß Sie nicht geneigt sind, sie hauptsächlich oder gar
ausschließlich als Sex-Objekte zu betrachten, daß Sie fähig
sind, auch liebevoll und nicht nur leidenschaftlich mit ihnen
den Verkehr zu vollziehen und daß Sie einer Frau die Treue
halten können, wenn sie sich als  zufriedenstellender Liebes-
und Geschlechtspartner erweist.

Weisen Sie Ihre Begleiterinnen darauf hin, daß Sie
Frauen im allgemeinen wirklich respektieren, und beweisen
Sie durch Ihre Gesinnung und Ihre Haltung, daß Sie  keine
Frau - unter welchen Umständen auch immer -  für ein
Flittchen oder eine Herumtreiberin halten. Manche Frauen
wünschen sich Sex aus diesem, andere aus  jenem Grunde.
Manche wollen häufiger Sex als andere.

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Manche genießen den Sex in der Ehe, andere suchen ihn
außerhalb der ehelichen Legalität. Aber alle Frauen -  das
sollten Sie zu glauben anstreben - sind Damen, sind
menschlich, sind Menschen. Und keine sollte verurteilt
werden, weil sie an ungewöhnlichen geschlechtlichen
Handlungen teilnimmt.»
Eingedenk solcher Maximen postuliert Dr. Albert Ellis:
Frauen sind in vielerlei Hinsicht schwach und unglaublich
verwundbar. Versuchen Sie deshalb nie, eine Frau zu
übertölpeln, sie schwächer zu machen oder sie aus der
Bahn zu werfen! Bauen Sie die Frau auf, so gut Sie nur
können! Unterstützen Sie Ihre Partnerin bei der Arbeit  an
ihrem Selbstbildnis und sorgen Sie dafür, daß sie sich  trotz
ihrer Mängel und Fehler selbst voll akzeptieren  kann.
Zeigen Sie ihr alles Menschenmögliche, wie man gegenüber
der Sexualität eine positivere Position einnimmt, sie mehr
genießt und sich darauf freut, sie wieder und immer wieder zu
erleben. Lassen Sie die Frau wissen, daß sie lieben und geliebt
werden darf - und daß sie sich trotzdem akzeptieren und ihre
eigenen Lebensprobleme lösen kann, selbst wenn sie
einmal falsch wählt  und deswegen Mißbilligung und
Ablehnung erfährt.  Helfen Sie ihr, eine positive Einstellung
gegenüber Männern, der Ehe und dem Leben überhaupt
zu finden.  Wenn Sie eine solche Haltung den Frauen
gegenüber einnehmen, zu denen Sie sexuelle Beziehungen
anzuknüpfen versuchen, dann werden Sie mit ziemlicher Si-
cherheit erfolgreich sein, und Sie können sogar mit noch
größerer Sicherheit eine unschätzbare Hilfe bieten, und
zwar nicht nur den Frauen, sondern auch den Männern, mit
denen diese Frauen später einmal eine Partnerschaft
eingehen werden . . .

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Eine Frau, die sich geachtet fühlt, wird immer eine hinge-
bungsvollere Geliebte sein als ihre Geschlechtsgenossin,  der
die Minderwertigkeitskomplexe ihre Natürlichkeit  und
Unbefangenheit auch auf dem Liebeslager rauben.
Selbstbewußte Frauen sind gute Partnerinnen, was freilich
nicht heißen will, daß sie ihre weiblichen Schwächen
verleugnen sollen. Aber ein selbstbewußtes Mädchen
wird die Fehler in Tugenden verwandeln, wenn der Geliebte
ihr die Möglichkeit dazu bietet und sie eventuell sogar noch
dabei unterstützt.
Wirkliche Frauenkenner legen deshalb nicht nur im Anfang
den allergrößten Wert darauf, die romantischen Bedürfnisse
ihrer Partnerin zu befriedigen. Indem sie die  Seele
umwerben, erobern säe die ganze Frau mit Haut  und
Haaren. Und erst wenn die Sexbereitschaft der Umworbenen
unverkennbar geworden ist, geht der gute Liebhaber dazu
über, die Wünsche seiner Partnerin und natürlich auch seine
eigenen geduldig und ohne falsche  Hast in die Tat
umzusetzen.

Am Anfang aller sexuellen Zärtlichkeiten steht der Kuß.
Gewiß gehen ihm häufig oder sogar meist körperliche
Kontakte voraus, ein verlangender Händedruck vielleicht
oder eine verständnisinnige Berührung. Aber der  Kuß
zwischen Mann und Frau hat ausschließlich und unverkennbar
erotische Bedeutung. Er versucht die Frau  sexuell zu
erregen, bis sie selbst den Wunsch verspürt, daß der Mann
seine Aktivitäten steigert. Beim Küssen  vollzieht sich die
Verführung der Partnerin praktisch  durch ihren eigenen
Körper und ihre angeborenen sexuellen Neigungen.

Gegen Küsse hat sicherlich keine Frau ernsthaft etwas
einzuwenden, sofern sie ihren Partner mag oder gar liebt.

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Denn beim Küssen behält sie die Kontrolle über ihren
Körper und ihre Reaktionen, ohne ein unkalkulierbares
Risiko einzugehen. Küsse sind aufregend, aber sie ver-
pflichten zu nichts, und sie schaden auch nicht dem Ruf. Sie
erscheinen den meisten Mädchen als die harmloseste  Form
sexueller Erregung. Und wenn sie auch keine
Befriedigung schenken, so provozieren sie doch - zumindest
im Anfang - herrliche Glücksgefühle. Der  Volksmund
verniedlicht sie nicht ohne Berechnung: «Ein  Küßchen in
Ehren kann niemand verwehren!»  Aber täuschen wir uns
nicht! Jeder erfahrene Liebhaber  weiß, wie leicht Küsse ein
Mädchen zum Schmelzen bringen können und die
Widerstandskraft erlahmen lassen.  Küsse machen Appetit
auf mehr. Sie regen an und steigern die Lust. Frauen, die
einen Kuß heißblütig erwidern,  sind auf dem allerbesten
Wege, vor den Werbungen des Mannes zu kapitulieren.
Niemand sollte glauben, daß der erste Kuß eine Selbst-
verständlichkeit ohne tiefere Bedeutung ist! Er wird immer
mehr sein als Routine, Selbstbestätigung oder eine
sportliche Verlegenheitslösung. Für viele junge Frauen
stellt er ein rückhaltloses Geständnis dar, mit dem sie sich
zumindest psychisch vor dem Manne, dem sie ihn
gewähren, enthüllen. Nicht umsonst sagen die Orientalen:
«Ein feuchter, verlangender Kuß ist der erste Schritt auf dem
Wege ins Paradies!»

Küssen ist eine Kunst. Viele Frauen schließen von der Innigkeit
des Kusses auf die Zärtlichkeit des Mannes beim Liebesspiel.
Und sie tun klug daran. Denn beim Küssen  kann sich ein
Liebhaber ebensowenig verleugnen wie  auf dem
Liebeslager. Männer, die den Kuß als Zeitvertreib für Teens
oder als

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oberflächliche Schmuserei abtun, haben nicht die geringste
Ahnung, was er für Frauen wirklich bedeutet. Dabei  ist es
völlig einerlei, ob die Schöne in der Liebe erfahren  ist oder
nicht. Sie sehen im Kuß den ersten Prüfstein der  Gefühle.
Der amerikanische Autor Roger O. Conway  warnt alle
einfallslosen Liebhaber: «Viele Männer versuchen schon
am ersten Abend aufs  Ganze zu gehen. Dieser Kurs ist
übermäßig ehrgeizig und voller Fallgruben. Im allgemeinen
wäre es ratsamer, wenn Sie sich eine Kampagne vornehmen,
die sich über drei bis fünf Abende verteilt - und wenn Sie sich
vor Augen halten, daß es sogar noch länger dauern kann!
Manche Männer unternehmen ihre Kußversuche nur,
wenn sie den Wagen parken oder vor der Haustür gute
Nacht sagen. Diese beiden Gelegenheiten können falsch
aufgefaßt werden, weshalb man sie besser meidet. Die
Sache mit dem Parken ist häufig deshalb nicht gut, weil  das
Mädchen genauso etwas erwartet und instinktiv  nach
Kräften auszuweichen versucht. Folglich ist die  Kleine in
keiner guten Stimmung, wenn Sie es das erste  Mal
versuchen. Sobald Sie eine einsame Straße oder eine
menschenleere Gegend ansteuern, weiß sie, daß Sie  nicht
nur mit ihr reden wollen. Die meisten Frauen, mit denen Sie
sich verabreden, haben diese Park-Routine bereits hinter sich -
sogar viele Male hinter sich. Und niemand ahnt, welche
schlechten Erinnerungen diese früheren Spritztouren
hinterlassen haben können!  Wenn Sie bei der ersten
Verabredung mit einem Mädchen den Motor abstellen, ist es
möglich, daß sie erstarrt und denkt: 'Na ja, jetzt geht es also
wieder los. Erst wird  er dies machen, dann das und so
weiter!' Falls Sie Ihren Arm auf die Rückenlehne legen und
ihn sanft auf ihre

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Schultern gleiten lassen, glauben Sie etwa, daß Sie die
junge Frau damit überraschen? Wenn ja, dann machen  Sie
sich etwas vor. Sie kennt jeden Schachzug dieser Art, ehe Sie
dazu ansetzen.
Wenn Ihr Mädchen nach einem mit Ihnen verbrachten
Abend von Ihnen entzückt zu sein scheint und sich für
Zärtlichkeiten empfänglich zeigt, dann ist es etwas ganz
anderes, und Sie können sie im geparkten Wagen durchaus zu
küssen versuchen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie unter
diesen Umständen nicht nur bereit, sich küssen zu lassen, sie
könnte es Ihnen sogar verübeln, wenn  Sie es nicht tun.
Kennen Sie einander aber kaum, zeigt  das Mädchen nicht
deutlich, daß sie warme Gefühle für  Sie hegt, und neigt sie
eventuell auch noch zur Prüderie, dann wird der erste Kuß in
einem geparkten Wagen auf keinen Fall der beste Weg zu
ihrem Herzen oder Busen  sein. Denken Sie darüber ruhig
einmal nach! Und unternehmen Sie keine Routine-
Versuche. Die Gefahr, daß Sie Schiffbruch erleiden, ist zu
groß. Es hat auch eindeutige Nachteile, wenn Sie mit dem er-
sten Kuß warten, bis Sie das Mädchen zu ihrer Haustür
zurückgebracht haben. Bedenken Sie zunächst einmal  die
Zeit, die Sie an diesem Abend bereits verschwendet  haben
können! Da waren Sie vielleicht einige Stunden
zusammen, und erst ganz zum Schluß, da die Kleine
drauf und dran ist, ins Haus zu flitzen, kommen Sie zu
dem, was eventuell der wichtigste Teil des Abends hätte sein
sollen. Es ist bereits sehr spät, sie ist darauf eingestellt,
sofort hineinzugehen, und Sie beide stehen fast  immer
vollständig bekleidet da - während der kalten  Jahreszeit
sogar im Mantel! Selbst wenn die junge Frau unter solchen
widrigen Umständen auf Sie reagiert, wie

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weit können Sie dann gehen, wie lange können Sie bleiben,
und was können Sie darüber in Erfahrung bringen, wie
leidenschaftlich sie wirklich ist? Versuchen Sie lieber, Ihre
Begleiterin früher am Abend zu küssen - und zwar so, daß Sie
genügend Chancen haben, Ihre Rückschlüsse zu ziehen.
Gelingt es Ihnen, die  Frau in Ihre Wohnung einzuladen oder
ohne große Überredungskünste von ihr zu sich mitgenommen
zu werden,  bereitet es vermutlich keine größeren
Schwierigkeiten,  beispielsweise auf dem Sofa einen ersten
Kuß anzubringen, der zu einer angemessenen Umarmung
und vielleicht sogar zu leichtem oder schwerem Petting
führt. Das Küssen selbst - falls das Mädchen keine weiterge-
henden Zärtlichkeiten gestatten will - sollte lieber aus einer
Reihe einzelner Küsse bestehen als aus einem massiven
Dauerkuß. Wenn Sie erst spät abends anfangen,  dann
haben Sie meistens höchstens Zeit für einen einzigen Gute-
Nacht-Kuß nebst Umarmung. Aber falls Sie bereits um neun
Uhr abends beginnen, dann besteht kein  Grund, weshalb
der erste Kuß und die erste Umarmung  nicht zu weiteren
Handlungen führen soll. Und wer weiß,  was Sie bei diesem
Tempo um 11 Uhr außer ihren Lippen  noch alles küssen
werden!»

Um am leichtesten zu einem Kuß zu kommen, raten er-
fahrene Liebhaber ihren Geschlechtsgenossen, sich nicht  in
ablenkenden Zerstreuungen zu verzetteln. Kinos,
Theater, Kunstausstellungen oder Partys mögen noch so
unterhaltsam sein, sie bringen den Mann kaum oder nicht
nennenswert seinem Ziel näher. Denn diese Frei-
zeitbeschäftigungen sind außerordentlich zeitraubend, und
die vielen Menschen ringsum lassen ganz einfach  keine
intime Stimmung aufkommen. Im Kino kann es ge-

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schehen, daß der Star auf der Leinwand dem Mädchen
wesentlich besser gefällt als Sie, und dann beschäftigt sich
Ihr Schwärm mehr mit dem Film und dem Hauptdarsteller als
mit Ihnen. Auf einer Party besteht - abgesehen vom
Zeitaufwand - die Möglichkeit, daß ein anderer  Mann Ihnen
den Rang abläuft und die Aufmerksamkeit des Mädchens
auf sich zieht. Und nach einem Ausstellungsbesuch, der sich
in die Länge zieht, wenn man nicht  als Kunstbanause
dastehen will, sagt die junge Frau  plötzlich ernüchternd:
«Es war zauberhaft, aber ich muß morgen zeitig aufstehen!
Deshalb sollten wir uns jetzt verabschieden!»
Wählen Sie Orte und Situationen, in denen Sie mit der
Angebeteten wirklich allein sind, damit sie sich auf Sie
konzentrieren kann! Machen Sie ihr Komplimente, reden Sie
von ihr, und flirten Sie! Stellen Sie das Mädchen immer in den
Mittelpunkt des Gespräches! Und unterbrechen Sie die
Kleine nicht, wenn sie zu plappern anfängt!  Jede Frau will
sich ihre wirklichen oder eingebildeten  Probleme von der
Seele reden. Vor allem aber sei Ihnen empfohlen, immer das
Unerwartete zu tun! Fahren Sie nicht in Geleisen, die schon
Ihre Vorgänger strapaziert haben!
Das heißt nichts anderes, als daß Sie das Mädchen nicht im
parkenden Auto oder vor der dunklen Haustür küssen sollen,
sondern in einem Augenblick, da sie es am allerwenigsten
erwartet!
Ein Experte beschreibt das so: «Keine Frau ist darauf vor-
bereitet, daß ein Mann mit normalem Menschenverstand  sie
auf offener Straße aus heiterem Himmel küßt. Gut, tun Sie
genau das! Nutzen Sie die Gelegenheit, wenn Sie  ihr
beispielsweise aus dem Wagen helfen! Sie wird so

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verblüfft sein, daß sie sich nicht wehrt und Ihnen noch
nicht einmal böse ist!»

Ob während eines Spazierganges oder wo auch immer,
liebkosen Sie in einer Mischung aus Verhaltenheit und
Zärtlichkeit ihren Haaransatz so sanft mit den Lippen, daß
sie im ersten Moment gar nicht weiß, ob es sich tatsächlich
um einen Kuß handelt oder nur um ein leises  Streicheln.
Zupfen Sie dabei knabbernd an der Haut und  dem Haar!
Lassen Sie Ihren Mund schwerelos über ihre  Stirn gleiten,
daß kribbelnde Schauer das Mädchen  durchrieseln! Und
wenn sie Ihnen das Gesicht zuwendet - was früher oder später
todsicher geschieht -, küssen  Sie ihre Augen, die Brauen (!),
die Nasenspitze, vergessen Sie auch die Ohrläppchen nicht
und auch nicht die  Grübchen dahinter, wo sie besonders
leicht erregbar ist,  und drücken Sie endlich Ihren Mund auf
ihre - hoffentlich - gewährenden Lippen! Sollte sie jedoch
gleich zu Beginn zurückschrecken und Sie fortzuschieben
versuchen, dann geben Sie auf! Zumindest für den Augenblick.
Sie haben noch nichts verloren.  Küssen Sie in der
Öffentlichkeit niemals aus Eitelkeit  oder Besitzerstolz!
Sie verärgern damit nicht nur das Mädchen, sondern auch
zufällige Zuschauer. Denn es  wirkt in höchstem Maße
peinlich, wenn ein Mann seine  Partnerin nur küßt, um zu
zeigen: «Seht her! So sehr werde ich geliebt! Schaut nur, was
ich mit meinem Eigentum alles anstellen darf!» Wer dabei mit
einem Auge beifallheischend in die Runde blickt, der ist ein
lausiger Liebhaber und ein armer Tropf!
Immer wieder bewährt sich der Überraschungseffekt.
Müssen Sie beispielsweise bei rotem Licht vor einer Ver-
kehrsampel halten, dann legen Sie ihr unaufdringlich die

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flache Hand unter das Kinn und küssen Sie kurz und
flüchtig ihren Mund. Je schwereloser und hingehauchter diese
Zärtlichkeit ist, desto weniger wird Ihnen das Mädchen böse
sein und desto größere Wirkungen stellen  sich ein.
Natürlich können Sie auch beim ersten Rotlicht  nur ihre
Hand küssen, beim zweiten ihren Haaransatz  und beim
dritten schließlich ihren Mund. Weiter werden  Sie beim
zügigen Verkehrsfluß allerdings nicht kommen. Dr. Albert Ellis
schreibt nicht nur den unerfahrenen Männern ins Stammbuch:
«Das Geheimnis der richtigen Ausführung des ersten Kusses
liegt oft in der Wahl des richtigen Augenblickes bis auf den
Bruchteil einer Sekunde.  Wenn Sie Augen und Ohren
offenhalten, so daß Sie sehen, was in dem Mädchen, mit
dem Sie sich verabredet  haben, vorgeht, wenn Sie gegen
Ihre eigene Nervosität  angehen, indem Sie sich selbst
überzeugen, daß es keine  Katastrophe bedeutet, bei diesem
besonderen Mädchen  zu versagen, wenn Sie hartnäckig und
bestimmt das verfolgen, was Sie sexuell anstreben, Ihrer
Partnerin aber  gleichzeitig zeigen, daß Sie auf ihrer Seite
stehen und ihr helfen wollen, als Sex-Partnerin und als Mensch
zu wachsen und sich zu entwickeln, wenn Sie in der Kunst
des  Küssens einiges Geschick entwickeln - dann sind die
Chancen, daß Sie Ihre Partnerin bald gut und verzaubernd
küssen können und daß dem ersten Kuß viele weitere
entzückende Küsse folgen werden, außerordentlich  groß
. . . »
Jede liebende Frau wartet darauf, mit Küssen erobert zu
werden. Sobald die erste Hürde genommen und der erste
Kuß ohne Widerstreben ausgetauscht ist, sollte der  Mann
ihr Gesicht mit den Lippen erforschen, wobei er  keine
Region ausläßt. Dabei steigert er die Lust der Part-

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nerin, wenn er mit den Fingerspitzen sanft ihren Nacken
streichelt und massiert, weil sich dort eine äußerst sensible
erogene Zone befindet, die leider viel zu oft vernachlässigt
wird.
Der aufmerksame Liebhaber achtet während des Kusses
feinfühlig auf das Verhalten seiner Gefährtin. Reagiert sie
beim Kuß auf eine bestimmte Stelle spontan, tut er  gut
daran, nach einiger Zeit auf diesen Punkt zurückzukommen.
Und wenn die Reaktion des Mädchens dann  wieder so
deutlich wie beim erstenmal ist, wird er diesem Ort besondere
Aufmerksamkeit widmen und gesteigerte  Zärtlichkeiten
zuwenden. Keine Frau vergißt es einem  Manne, wenn er
sich fürsorglich an ihren Reflexen orientiert und seine
Kenntnisse selbstlos dazu benutzt, sie  glücklich zu
machen.
Küsse erfordern allerhöchstes Feingefühl. Wer seinen
Wischlappen gewaltsam zwischen die Lippen und die
Zähne der Geliebten bohrt, um sich rücksichtslos auszutoben,
der wird das Mädchen nur schrecken und schok-kieren. Er
braucht sich nicht zu wundern, wenn sie künftig auf seine
Zärtlichkeiten verzichtet und sich vielleicht  einem
einfühlsameren Mann zuwendet. Je sanfter und liebevoller
ein Kuß ist, desto hinreißender verzaubert er eine Frau.
Der erste wirklich erotische Kuß hat für die meisten Mädchen
sehr viel Ähnlichkeit mit der völligen Hingabe. Rüdiger
Boschmann spricht sogar von Frauen, die das intime
Beisammensein von dem Verhalten des Mannes  beim
ersten «echten» Kuß abhängig machen. Ist dieser  Kuß ein
Kunstwerk, gilt bei diesen Frauen die spätere  Vereinigung
schon als beschlossene Sache. Eine von ihnen erklärte
Rüdiger Boschmann in einem Intim-Inter-

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view: «Wenn ich mich von einem Manne richtig geküßt
fühle, dann will ich auch mit ihm ins Bett.»  «Küssen ist,
wenn Sie es nur einmal ohne Scheuklappen  betrachten,
neben dem Eindringen des Penis in die  Scheide so
ziemlich die intimste Handlung, die sich zwei  Menschen
gegenseitig gestatten können», sagt Rüdiger  Boschmann.
«Die Art, wie Zungenküsse getauscht werden, verrät sehr viel
über das Liebesverhalten einer Frau oder eines Mannes.
Stoßen Sie beispielsweise sofort mit steifer Zunge in den
Mund der Frau vor, darf sie annehmen, daß Sie auf dem
Liebeslager auch nicht gerade verständnisvoll mit ihr
umgehen werden. Dringen Sie aber  gefühlvoll und
vorsichtig ein und nehmen Sie dabei  Rücksicht auf die
Reaktionen der Frau, so wird sie wissen, daß sie sich auf
ein schönes Sex-Erlebnis freuen kann.

Zungenküsse sollten nicht einer Vergewaltigung gleichen.
In ihrer besten Form sind sie ein harmonisches Geben und
Nehmen von Zärtlichkeit. Die Zungenspitzen  können sich
sanft umschmeicheln, die Zähne können  leicht um die
Zunge des Partners geschlossen werden,  sie wieder
loslassen und den Weg für kurzes und schnelles Eindringen
freimachen. Zungen können tremolieren  und in Moll
streicheln. Es kann auch ein wollüstig-heiteres Zungenduell
stattfinden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Überlassen Sie bei Zungenküssen gelegentlich der Frau  die
Initiative und beachten Sie, wie sie sich verhält. Eine  Frau,
die nur mit weichen Lippen küßt und den Muskeldruck der
Lippen nicht variiert, ist unerfahren. Andererseits ist eine
Dame, die Ihnen einfallsreich und lebhaft unterschiedliche
Küsse gibt, entweder sexuell erfahren

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oder sehr begabt für die Liebe. Es ist wichtig für Sie, darüber
Bescheid zu wissen, denn die Kuß-Techniken Ihrer
Partnerinnen geben Ihnen Hinweise für den weiteren
Verlauf der Liebesschlacht. Unerfahrene und 'stille' Frauen
wollen anders behandelt werden als erfahrene  oder
lebhafte. Beobachten Sie die 'Signale' der Frau -  falls sie
signalisiert.»
Sehr bald schon erkennen zärtliche Paare, daß Küsse nur zum
sexuellen Vorspiel gehören, weil sie die Triebe stimulieren,
ohne sie zu befriedigen. Deshalb wird es keine Frau
verwundern, wenn der Partner zu kühneren Intimitäten
übergeht. Und sofern er es mit dem erforderlichen
Fingerspitzengefühl tut, nimmt es ihm seine Partnerin si-
cherlich nicht übel, auch wenn sie sich aus irgendwelchen
Gründen dagegen sträubt. Allgemein jedoch sind  die
Übergänge vom Küssen zum Petting so fließend, daß
niemand so recht zu sagen vermag, wann die Grenzen
überschritten werden.
Meist wird es geschehen, daß der Mann nach und nach
beim Küssen die Brüste seiner Partnerin in die Liebko-
sungen einbezieht. Sträubt sich das Mädchen aus Scham oder
Furcht gegen die Berührung durch seine Hand,  kann er
den Busen auch mit dem Unterarm oder der eigenen Brust
stimulieren, obwohl fingerfertige Zärtlichkeiten am
aufregendsten empfunden werden. Drücken  Sie beim
Küssen und während der Umarmung die Brüste  Ihrer
Gefährtin sanft mit dem Unterarm, der sehr wohl  auch zu
liebkosen vermag. Erwecken Sie den Eindruck,  als sei dies
eine unbeabsichtigte Geste.  Lenken Sie anfangs die
Aufmerksamkeit der Partnerin  ab, indem Sie beim Küssen
mit einer Hand ihr Haar, den Nacken oder die Schultern
streicheln, während die ande-

209

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re ihren Busen fest und dennoch liebevoll in den Griff
nimmt. Das kann sowohl über dem Kleid geschehen als auch
dadurch, daß Sie die Hand unter dem Pullover oder der Bluse
hinaufwandem lassen. Hierbei erregen Sie das Mädchen
durch Ihre Küsse, durch die Streicheleinheiten  der einen
Hand auf Haar, Genick oder Schultern und  durch die
Liebkosungen der anderen Hand auf der Brust.  Mit der
Reaktion der Schönen dürften Sie mehr als zufrieden sein.
Lösen Sie trotzdem sehr bald wieder die Hand von ihrem
Busen, noch ehe Ihre Partnerin sich recht besonnen hat und
Zeit findet, sie selbst fortzuschieben. Sie soll meinen,  daß der
Griff an ihre Rundungen eine zufällige, beiläufige Geste ohne
direkte Absicht gewesen ist. Es ist an Ihnen, diesen Vorgang
nach Belieben zu wiederholen und dabei jedesmal etwas
länger und etwas intensiver an den verbotenen Hügeln der
Leidenschaft zu verharren.  Ziehen  Sie Ihre Hände aber
rechtzeitig zurück,  noch ehe die Umworbene protestieren
kann. Reizen Sie bei alledem die Brüste nicht gar zu sehr, es
sei denn, Sie  besitzen bereits genügend Erfahrung, um die
Intensität richtig zu dosieren.
Beobachten Sie ständig den Blick des Mädchens! Ist er starr
oder ein wenig feucht in die Ferne gerichtet, verrät  er
sexuelle Erregung. Die Blicke einer Frau sprechen ohnehin
schon Bände. Versuchen Sie, darin zu lesen!  Nutzen Sie es
aus, wenn sich Ihnen - auf welchem Wege  auch immer - die
Gelegenheit bietet, die nackten Brüste  zu küssen. Heute, da
zahlreiche Frauen auf einen Büstenhalter verzichten, ist
solch eine Chance längst keine Utopie mehr, und sie war es
eigentlich noch nie. Die Liebkosungen der bloßen Brüste mit
den Lippen oder den

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Fingerspitzen gehören zu den Delikatessen, welche
Frauen am meisten lieben, sobald sie erst einmal auf den
Geschmack gekommen sind.
Das Massieren der Brust von den Achselhöhlen zu den
Spitzen hin löst fast stets unverzügliche Lustempfindungen
aus. Ein kräftiges Streicheln mit gespreizten Fingern  sowie
das Zusammenfassen und leichte Drücken der  Brust mit
der Hand steigert die Erregung zusätzlich. Beinahe um den
Verstand kann ein Mann seine Partnerin bringen, wenn er mit
dem Mund an einer Brustwarze saugt oder wenn er sie mit
den Lippen liebkost, während die Zunge kleine Kreise um
die versteifte Spitze beschreibt und dabei einen ziemlichen
Druck auf das darunterliegende Gewebe ausübt.

Solche Zungenspiele vermögen eine Frau so sehr zu erregen,
daß sie bisweilen schon jetzt zu einem kleineren  oder
vollkommenen Orgasmus gelangen kann. Denn oftmals löst
die Erregung Reflexe im Unterleib aus. Nicht  selten
empfindet die Frau Liebkosungen der Brust auch  als
Liebkosungen der Genitalien - und umgekehrt. Reizt der Mann
jedoch sowohl Brüste als auch Scheide gleichzeitig, steigern
sich die Lustgefühle meistens ins Uferlose.
Es ist nicht unmöglich, daß sich aus zärtlichen Kontakten des
Mundes oder der Hände zu den nackten Brüsten eine
bedingungslose Liebesbereitschaft entwickelt, die direkt zum
Koitus führen kann. Umsichtige Männer sollten diesem
Aspekt Rechnung tragen und das Petting an einem
geeigneten Ort vollziehen, etwa im Schlafzimmer, auf einer
einsamen Wiese oder im Schütze dichter Büsche, wo  man
sich ohne Furcht vor Störungen einander hingeben  kann.
Der Parkplatz vor dem Supermarkt oder eine

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Bank im belebten Stadtpark sind dafür weniger geeignet.
Auch für die Bruststimulation gilt der Satz: Man darf
nichts übereilen! Die Lippen und die Finger müssen sich
allmählich zu den Hügeln der Lust vorarbeiten! Küssen  Sie
zunächst die ganze Brust mit der Zunge und den Lippen, ehe
Sie sich auf die hochempfindlichen Spitzen zu konzentrieren
beginnen!

Es gibt ungezählte Frauen, die bedingungslos zum Ge-
schlechtsverkehr bereit sind, sobald ihre Brustwarzen  von
den Lippen oder der Zunge ihres Geliebten gereizt werden.
Der Partner erkennt ihre Wünsche an ihren  Reaktionen,
sobald sein Mund ihre Brustwarzen berührt. Sie verraten sich
durch unbeherrschtes Winden und Zuk-ken des Leibes,
durch plötzliches, heftiges Atemholen  und nicht zuletzt
durch spitze Lustschreie oder unkontrolliertes Stöhnen.
Manche Frauen erlauben zwar auch in diesem Stadium
keinen Koitus, sind aber doch sexuell so erregt, daß sie
Zärtlichkeiten gestatten, die sie bis dahin höchstens im
Traume gewährt hätten. Diese Liebkosungen reichen von
der sanften Berührung der Vulva bis hin zu leiden-
schaftlichen Intimküssen.

War es bisher nicht unmöglich, daß sich die Hände des
Mannes zu ihren Brüsten vorarbeiteten und sie freilegten, so
bereitet es auch jetzt keine unüberwindlichen
Schwierigkeiten, das störende Kleid hochzuschieben und den
Slip so weit herunterzuziehen, daß die Hände, der  Mund
oder der Penis den bloßen Schoß bequem erreichen können.
Ungezählte Mädchen heben dabei instinktiv den Unterleib
leicht an, damit der Partner sie vollends  von dem Höschen
befreien kann. Diese unbewußte Be-

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wegung signalisiert meistens die Bereitschaft zur völligen
Hingabe.
Jetzt hat der Liebhaber zwei Möglichkeiten. Entweder
beginnt er sogleich seinen Phallus einzuführen, oder er küßt
zärtlich zuerst ihren Schoß, dann den Schritt und  endlich
die äußeren Schamlippen . . .   Je sanfter und zärtlicher sich
der Liebhaber bei der Stimulierung der primären erogenen
Zonen verhält, desto williger wird sich seine Partnerin zeigen.
Männer, die sich  zu beherrschen verstehen, gehen auch zu
diesem Zeitpunkt noch nicht zu vaginalen Küssen oder gar
zum Koitus über. Sie dehnen das Vorspiel in unbeschreiblich
aufregender und für das Mädchen befriedigender Weise
nach besten Kräften aus.
Fast alle Frauen spreizen in dieser Phase des Liebesspieles
willig die Beine, um dem Gefährten mehr Spielraum  zu
geben und intensivere Liebkosungen genießen zu
können. Nutzen Sie diese Gelegenheit, die sich Ihnen nun
ziemlich unvorbereitet bietet! Jetzt können Sie beweisen,
was für ein guter Liebhaber Sie sind!  Streichen Sie mit
den Fingerspitzen von unten nach  oben über die
Schamfurche! Betasten Sie vorsichtig die  Scheide, um sich
besser zurechtfinden zu können! Denn Sie sind fast
ausschließlich auf Ihren Tastsinn angewiesen. Die meisten
Frauen lassen es aus Scham oder der  irrigen Vorstellung,
daß ihre Scheide häßlich oder zumindest unansehnlich ist, nur
höchst ungern zu, daß ihr Partner diese Region mit den
Augen studiert. Öffnen Sie mit den Fingerspitzen die großen
Schamlippen! Fühlen Sie sich behutsam vor! Erkunden Sie,
wo sich die Klitoris Ihrer Geliebten befindet! Konzentrieren
Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Kitzler, aber rei-

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zen Sie nicht ausschließlich ihn! Verlagern Sie häufiger das
Ziel Ihrer Zärtlichkeiten, um unerwartet wieder zur  Klitoris
zurückzukehren!

Viele Frauen, die das Eindringen des Penis in ihre Scheide
strikt ablehnen und sich mit Händen und Füßen dagegen
sträuben, lassen es mit Begeisterung zu, daß der  Partner
ihre Genitalien leidenschaftlich küßt In frommem
Selbstbetrug genießen sie diese Art des Petting ohne
Furcht, weil kein Sexualkontakt vollzogen wird und ein
wirklicher Geschlechtsverkehr nicht unmittelbar in Aussicht
steht.

Dr. Albert Ellis schreibt: «Manche Jungfrauen, die darauf
bedacht sind, ihre Unschuld zu bewahren, ziehen Cunni-
lingus aus einem bestimmten Grunde vor. Sie wollen
nicht nur den Geschlechtsverkehr meiden, sie möchten sich
darüber hinaus von allen sexuellen Praktiken fernhalten, die
zu einer Beschädigung des Jungfernhäutchens führen
könnten. Eine manuelle Manipulation in ihrem
Genitalbereich führt aber außerordentlich häufig  zum
erkennbaren Verlust der Jungfräulichkeit. Oral-ge-nitale
Beziehungen hingegen sind in dieser Hinsicht relativ
ungefährlich, weshalb sie besonders von jenen Mädchen
gestattet werden, die fest entschlossen sind, ihre physische
Unberührtheit zu bewahren. In einer Vielzahl von Fällen zeigt
sich heutzutage noch eine weitere eigenartige
Begleiterscheinung der Halb-Jungfräulichkeit.
Mädchen, die sich die Gunst ihrer  männlichen Partner
erhalten möchten, aber dennoch  den Geschlechtsverkehr
ablehnen, suchen in der Fellatio - dem Einführen des Penis in
den Mund - einen gangbaren Ausweg. Hierdurch bringen sie
den Partner zum Orgasmus und werden nicht bedrängt, ihn
auf andere Wei-

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se zu befriedigen. Sobald sich diese Mädchen in Theorie und
Praxis überzeugt haben, daß oral-genitale Beziehungen
erfüllend und genußvoll sind, kommen sie bald zur
Erkenntnis, daß Cunnilingus, das Gegenstück von Fella-tio,
ebenfalls zulässig ist. Sollten Sie also feststellen, daß  Ihre
Partnerin zur Fellatio bereit ist, dürfte es für Sie relativ leicht
sein, sie zu überreden, Cunnilingus an ihr ausüben zu
lassen.»

Für jeden Sexologen ist hartes Petting ohne jeden Zweifel
bereits Geschlechtsverkehr, während die Juristen in  ihren
Definitionen dieser Theorie nachdrücklich, aber  wenig
überzeugend widersprechen. Eine Frau kann ihr  ganzes
Leben lang technisch und juristisch eine Jungfrau  bleiben,
wenn sie ihre sexuellen Praktiken auf die Spielarten des
Petting beschränkt.

Allerdings sei hier nachdrücklich vor der falschen Annahme
gewarnt, wonach ein Mädchen beim Petting nicht schwanger
werden kann! Hat nämlich der Mann während des
Austausches von Zärtlichkeiten einen Orgasmus, und wird
bei Liebkosungen mit den Händen versehentlich auch nur
eine Spur seines Spermas in der Nähe des Scheideneinganges
oder in der Scheide selbst hinterlassen, besteht durchaus die
Gefahr einer sogenannten 

jungfräulichen

Schwangerschaft, über die sich dann nicht nur die beiden
Partner die Köpfe zerbrechen. Die Benutzung des Mundes
einschließlich der Lippen  zum Liebkosen und Stimulieren
der Genitalien des Sexualpartners ist nach dem Gebrauch
der Hände und der  Geschlechtsorgane selbst die wertvollste
und wirksamste  erotische Technik, auch wenn sie noch so
häufig mißverstanden und verleumdet wird. Roger-Maxe de
la Glan-nege beschreibt in seinem Buch «Oralgenitalismus -
ein

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enzyklopädischer Umriß der Oral-Technik bei der Genital-
Reizung» eine Fülle einschlägiger Techniken. Dabei  stellt er
auch fest, daß Cunnilingus keinesfalls davon abhängt, wie
sehr oder wie wenig ein Paar bekleidet ist und  ob es
zusammen ins Bett geht. Cunnilingus kann sehr wohl auch
an weniger verschwiegenen Orten praktiziert werden,
während die Partnerin noch fast völlig angezogen ist.
Wenn ein Mädchen beispielsweise in einem Auto mit Ihnen
Zärtlichkeiten austauscht, können Sie oral-genitale
Beziehungen aufnehmen, ehe Ihre Gefährtin richtig begriffen
hat, was geschieht. Sie brauchen nur einige gezielte Ratschläge
zu befolgen:
1. Betten Sie den Kopf so in den Schoß Ihrer Partnerin, daß
Ihr Hinterkopf sich fest in ihren Klitorisbereich
schmiegt. Rollen Sie mit Ihrem Kopf, bis sie allmählich
erregt wird. Gleichzeitig können Ihre Hände ihr Gesicht,  die
Brust oder andere Körperpartien streicheln.
2. Öffnen Sie die auf Ihrer Seite befindliche Wagentür, um
Ihren Beinen mehr Spielraum zu geben. Drehen Sie  sich in
eine Bauchlage um. Stützen Sie sich auf die Ellenbogen, mit
Ihrem Gesicht oberhalb des Schoßes der Gespielin -
scheinbar um mit ihr zu reden.
3. Graben Sie Ihr Gesicht gelegentlich in ihren Schoß und
lassen Sie Ihren warmen Atem durch ihre Kleidung hindurch
in den Klitoris-Bereich dringen. Aber nicht pusten, nur
ausatmen oder höchstens hauchen.
4. Reiben Sie die Wange an ihren Oberschenkeln und
schieben Sie auf diese unauffällige Weise das Kleid hoch und
höher.
5. Lassen Sie Ihre Zunge leicht über Knie und Schenkel der
Geliebten streichen, ziehen Sie dabei das Kleid wei-

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ter zur Seite und arbeiten Sie sich mit dem Mund zielstrebig
voran.
6. Fassen Sie vorsichtig, sofern es möglich ist, an die Ge-
nitalien Ihrer Partnerin, indem Sie die Finger unter ihr
Höschen haken. Wenn nötig, massieren Sie die Genitalien
längere Zeit, bis Ihre Gefährtin interessierter zu werden
beginnt.
7. Ziehen Sie nach einer Weile ihren Slip ein kurzes
Stückchen herunter und gebrauchen Sie in ihrem Klitoris-
Bereich wie auch an den anderen empfindlichen Regionen
statt der Finger Ihre Zunge.

8. Falls Sie sich entschließen, das Mädchen zu einem voll-
kommenen oral-genitalen Orgasmus zu bringen, streifen  Sie
ihren Slip vollständig herunter, öffnen Sie mit den Fingern
die Schamlippen ihrer Vulva und schnellen Sie  mit der
Zungenspitze flink und leicht gegen die Scheide. Bevorzugen
Sie den Klitoris-Bereich. Die Reaktionen Ihrer Geliebten
weisen Ihnen den richtigen Weg. Saugen Sie hin und wieder
an der Vagina. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kommt sie
dabei zu einem vollendeten Orgasmus.

Diese Technik hört sich komplizierter an, als siejn Wirk-
lichkeit ist. Denn die Natur weist zwei Liebenden meist den
richtigen Weg, sofern sie sich nicht allzu weltfremd  und
ungeschickt anstellen.
Selbstverständlich verläuft sowohl das sanfte als auch  das
harte Petting am aufregendsten, wenn beide Partner  nackt
sind und sich vor unliebsamen Überraschungen sicher fühlen
können. Aber natürlich genügt es auch völlig,  daß die
Gefährtin ihren Unterleib und die Brüste entblößt.

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Wichtig ist in jedem Falle, daß der Mann auf ausreichende
Feuchtigkeit der Scheide achtet. Die Vulva muß stets
schlüpfrig sein. Trockene Reibung ist für die Frau meistens
ausgesprochen schmerzhaft. Notfalls sollte der  Partner
den Zeigefinger mit Speichel anfeuchten. Genitale
Zungenküsse hingegen bringen keine Probleme dieser  Art
mit sich.
Höchstes Ziel aller Liebesspiele muß es für den Mann sein,
nicht nur selber Erfüllung zu finden, sondern auch  der
Geliebten Erfüllung zu schenken. Deshalb sollte er  sie
bitten, ihm freiheraus zu sagen, was ihr Freude schenkt
oder aber Unpäßlichkeiten, vielleicht sogar  Schmerzen
bereitet. Aufmerksame Liebhaber ziehen aus 

den

körperlichen Reaktionen der Gefährtin ihre Schlüsse. Aber
trotzdem kann es geschehen, daß eine Frau zu  sehr
gehemmt ist und sich von allein weder mit Worten  noch
durch physische Hinweise offenbart. Fragen Sie in  solchen
Fällen ohne Umschweife, womit Sie Ihre Partnerin besonders
glücklich machen können und was sie sich  im Moment
erträumt!
Erklären Sie Ihrer Geliebten gelegentlich, daß kein Mann  in
jedem Augenblick zärtlicher Betätigung zu erraten
vermag, was eine Frau gerade empfindet und auf welcher
Stufe der Erregungsskala sie angelangt ist. Machen  Sie ihr
klar, daß es zu den sexuellen Aufgaben der Frau  gehört,
dem Manne auf dem Wege zum gemeinsamen  Glück
behilflich zu sein.

Zwar wird der Liebhaber nach längerer Gewöhnung viele
Anzeichen im Verhalten der Partnerin richtig deuten. Aber
er darf sich niemals völlig darauf verlassen. Denn  täglich
reagiert sie anders, weil sie täglich anders empfindet und fühlt.

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Erfahrene Liebhaber wissen - und unerfahrene sollten  sich
merken -, daß die Stimulation einer sexuell erregten Frau
niemals und unter keinen Umständen unterbrochen werden
darf. Sogar relativ kurze Pausen im Austausch von
Zärtlichkeiten können die Spannung abkühlen und das
Feuer erlöschen lassen. Daran muß sich  jeder Mann
immer wieder erinnern, wenn er seine Bemühungen um eine
Schöne unterbricht. Ob er zwischendurch einen Schluck
trinkt, oder ob er einen tiefen Zug aus der Zigarette macht,
immer sollte er sich bemühen,  den intimen Körperkontakt
nicht völlig einzustellen. Die  Glut muß stets weitergeschürt
werden. Dabei ist es keinesfalls wichtig, daß ein Liebesspiel
stets mit einem Koitus endet. Eine Frau zum Orgasmus zu
bringen, ohne mit dem Penis in ihre Vagina einzudringen,
gilt als der sicherste Weg, sie zum Geschlechtsverkehr zu
verführen. Sobald sie nämlich erkannt hat, daß  der Partner
wirklich an ihrer Befriedigung und an ihrem  Glück
interessiert ist, wird sie sich in vertrauensvoller
Dankbarkeit zu revanchieren versuchen, wobei sie oft
genug selbstlos und ohne Hemmungen vorgeht.  Ob und
wann ein Paar den vollkommenen Geschlechtsverkehr
vollzieht, das ist nicht von gar so großer Bedeutung, wenn
beide einander regelmäßig auch auf andere  Weise beim
Petting wirkliche Befriedigung zu schenken vermögen. Einem
Manne, der es lange Zeit nur bei Zärtlichkeiten beläßt, die
ohne Vereinigung zum erlösenden  Orgasmus führen, wird
eine Frau mit ziemlicher Sicherheit sehr bald von selbst in
bedingungsloser Hingabe gehören, wenn er sich zurückhält
und sie nicht pausenlos  mit dem Wunsch nach völliger
Verschmelzung der Leiber bedrängt. Sofern der
Geschlechtsverkehr ohne grö-

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ßere Risiken und Gefahren möglich ist, begrüßt die Frau ihn
am Ende noch mehr als der Partner, nachdem beide  sich
lange genug auf diese oder jene Art Erfüllung zu verschaffen
wußten.
Die Liebe kennt ungezählte Möglichkeiten, einem Mädchen
beim Petting höchste Befriedigung zu schenken. Es muß nicht
immer gleich Cunnilingus sein, obwohl viele  Experten ihn
als die Krönung aller Praktiken bezeichnen,  die nicht zum
vollendeten Koitus führen. Ein bekannter Autor von Sexual-
Handbüchern hat einige Hinweise zusammengestellt, wie ein
Mann bei seiner  Partnerin einen vollendeten Orgasmus
auslösen kann, ohne in sie einzudringen:

1. Scharfen Sie eine bequeme Situation. Im Treppenhaus  zu
stehen oder zu versuchen, bei Ihrer Partnerin aufs Ganze
zu gehen, während sie nebeneinander im Kino sitzen, ist wohl
kaum die empfehlenswerteste Lage der  Welt, obwohl
diese beiden Positionen - und sogar noch  unmöglichere - im
Notfall auch benutzt werden können.

2. Entfernen Sie, wenn es sich irgendwie einrichten läßt, die
Unterwäsche Ihrer Partnerin. Ziehen Sie ihr die störenden
Dessous aus, oder bewegen Sie die Gefährtin dazu, es zu tun.
Auch wenn sie scheinbar hinreichend entkleidet ist, um ihre
Genitalien manipulieren zu lassen,  kann der Mann sie
meistens noch besser erregen und zu einem vollendeten
Orgasmus führen, wenn auch andere  erogene Zonen ihres
Körpers unbehindert seinen Küssen und Streicheleinheiten
zugänglich sind.
3. Wenn Sie liegen, werden Sie bald erkennen, daß es am
besten ist, sich auf einem Ellenbogen abzustützen und den
Ellenbogen Ihres Petting-Arms auf Ihren Hüftknochen zu
stellen. Wenn Sie sitzen, dann ist es am empfeh-

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lenswertesten, Ihr Außenbein heraufzuziehen und den
Ellenbogen auf dem Oberschenkel abzustützen. Auf diese
oder ähnliche Weise ist es Ihnen ohne Anstrengung
möglich, eine beachtlich lange Zeitspanne beim Petting  zu
bleiben - oftmals länger als eine Stunde -, ohne daß  Finger
oder Arme ermüden.
4. Versuchen Sie herauszufinden, welche Streicheltechniken
den Klitoris-Bereich Ihrer Partnerin besonders erregen, und
wenden Sie diese Methode bevorzugt an. Ab  und zu sollten
Sie jedoch auch auf andere Reize umschalten, besonders
dann, wenn eine Luststeigerung ausbleibt.
5. Bei einer schwer zu befriedigenden Frau führt oftmals
allein die Gleichförmigkeit der Stimulierung zum Orgasmus.
Dann wenden Sie am besten die gleichen Bewegungen, den
gleichen Druck, die gleiche Position und sogar  die gleiche
Atemtechnik immer wieder an. Einige Frauen  wiederum
brauchen gelegentliche oder ständige Abwechslung in der
Erregungsmethode, und sie werden es Ihnen offen zu
verstehen geben. Andere Frauen benötigen ebenfalls
Abwechslung, ohne es jedoch zu sagen.  Hier müssen Sie
durch Beobachtung ihrer Reaktionen  oder durch
behutsames Befragen herausfinden, was sie erregt.
6. Bei den meisten Frauen sollten Sie zumindest anfänglich
Speichel oder Absonderungen aus der Scheide benutzen, um
den Klitoris-Bereich und andere empfindliche  Stellen ihres
Geschlechtsorgans anzufeuchten. Handelsübliche Cremes
sind häufig ausgezeichnet und können unbedenklich
angewandt werden. Zu viel Feuchtigkeit kann sich ebenso
störend wie Trockenheit bemerkbar  machen. Sie müßte
von Zeit zu Zeit fortgetupft werden.

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7. Beenden Sie Ihre Zärtlichkeiten auf keinen Fall, wenn Ihre
Gefährtin zum Orgasmus gekommen zu sein  scheint.
Männer sind nach dem Höhepunkt häufig superempfindlich
und lehnen in dieser Phase eine Berührung  ihres Penis ab.
Frauen hingegen bevorzugen hinterher  meistens einen
fortgesetzten Druck auf den Klitoris-Bereich, aber nicht
immer eine Fortsetzung der aktiven Manipulationen. Üben
Sie diese Art von Druck aus, bis sie Ihnen zu verstehen gibt,
daß es an der Zeit ist, den Kontakt gänzlich abzubrechen.

So unmerklich, wie sich das Petting aus dem Kuß zu ent-
wickeln vermag, vollzieht sich meist auch der Übergang vom
Petting zum Koitus. Denn gerade in der Liebe sind  die
Grenzen so fließend, daß man sie nur allzu leicht
übersieht - oder übersehen will. So wie jenes Mädchen,  das
nach einer aufregenden Nacht der Freundin erzählte:  «Ich
wollte ihm gerade sagen, daß ich nicht 'so eine' bin,  da war
ich schon so eine  . . . »   Die Details des wirklichen
Geschlechtsverkehrs zu beschreiben, dürfte nach allem
bisher Gesagten eigentlich  überflüssig sein. Er wird
vollzogen, indem der Mann seinen erigierten Penis in die
Scheide der Partnerin einführt, wobei er sanfte bis heftige
stoßweise Bewegungen  ausführt, um ihr und sich selbst
höchste Lust zu verschaffen, bis bei beiden der Orgasmus
einsetzt - oder einsetzen sollte. Paare, die sich beim Petting
zurechtfinden,  werden auch beim Koitus instinktiv richtig
vorgehen, von  einigen anfänglichen Unbeholfenheiten
abgesehen.  Der Phantasie und dem Erfindungsreichtum
sind dabei  keine Grenzen gesteckt. Bei der Vereinigung gibt
es ungezählte Stellungen, wenn jede winzige Variation mitge-

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rechnet wird. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, daß
nur einige wenige wirklich praktikabel sind. Die meisten
gehören in die Welt der Märchen oder in den  Bereich
akrobatischer Kunstfertigkeiten, die man lieber Artisten mit
Gelenken und Knochen aus Kautschuk überlassen sollte.
Selbst erfindungsreiche Paare werden sich mit einem
kleineren Repertoire begnügen, das dennoch vollkommen
genügt, um auch ausgefallenen Ansprüchen zu genügen.
Aber über kurz oder lang stellt sich in den meisten
Partnerschaften ohnehin eine Lieblingsposition  heraus,
die immer wieder bevorzugt wird. Meist handelt es sich um
eine Praktik, an der die Frau besondere Freude hat. Der kluge
und einfühlsame Liebhaber unterwirft  sich dabei tunlichst
ihren Wünschen, was jedoch nicht  heißen soll, daß er kein
Recht darauf hat, seine Neigungen durchzusetzen. Erlaubt ist
dabei eigentlich alles, was  beide Partner ohne Widerwillen,
ohne Zwang und ohne  Schmerzen freiwillig tun - und
dulden. Die Mehrzahl aller Paare - nämlich 99 Prozent - be-
schränkt sich auf sechs Stellungen, die immer wieder mit
Vorliebe benutzt werden. Dabei sind jedoch außerordentlich
viele Variationen möglich.

1. Gesicht zu Gesicht - Mann oben:

Sie legen sich auf Ihre Gefährtin, die vorzugsweise mit
gespreizten Beinen, angezogenen Knien und angehobenen
Oberschenkeln auf dem Rücken liegt. Man kann auch ein
Kissen unter ihr Gesäß schieben, oder sie legt eventuell die
Beine auf Ihre Schultern. Belasten Sie das  Mädchen nicht
mit Ihrem Körpergewicht, sondern stützen Sie sich mit den
Händen, den Unterarmen und den

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Knien ab. In verschiedenen Varianten kann Ihre Partnerin die
Beine spreizen und flach liegen lassen oder zwischen Ihren
Knien halten, nur ein Bein zwischen Ihren  Knien belassen
oder sonst eine Haltung einnehmen, die Ihnen ein besonders
tiefes Eindringen ermöglicht.

2. Gesicht zu Gesicht - Frau oben:

Diesmal liegen Sie auf dem Rücken, während Ihre Gefährtin
im Reitsitz auf Ihrem Schoß hockt und das Glied einführt. Sie
kann auch ihren Rücken gegen Ihre hochgestellten
Oberschenkel lehnen. Es ist auch möglich, daß sie sich nach
dem Eindringen des Penis zu Ihnen herunterbeugt, um Sie
zu küssen und Ihren Oberkörper mit  den Brüsten zu
streicheln. Oft wird sie sich im Halbkreis  langsam umdrehen
und Ihrem Gesicht den Rücken zuwenden, ohne die
Umklammerung Ihres Phallus zu lösen. Sie können dabei
sowohl flach auf dem Rücken liegenbleiben als auch den
Oberkörper leicht anheben und  sich dabei auf die
Ellenbogen stützen.

3. Gesicht zu Gesicht - in der Seitenlage:

Sie liegen beide einander zugewandt auf der Seite. Die
beiden auf dem Bett oder einer anderen Unterlage liegenden
Beine verharren still, während Sie Ihr oben liegendes Bein
über den Oberschenkel oder zwischen die  Schenkel Ihrer
Partnerin schieben, so daß die Beine verschlungen sind.
Natürlich kann auch Ihre Geliebte dieses Manöver ausführen.
Einer von Ihnen darf dabei auch eine annähernde Rückenlage
einnehmen, während der andere die Seitenlage beibehält.

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4. Koitus von hinten:

Selbstverständlich bereitet es auch keine Schwierigkeit,  den
Penis von hinten in die Scheide gleiten zu lassen. Dazu wendet
Ihre Gefährtin Ihnen im Liegen den Rücken zu, wobei sie
halb oder gänzlich auf der Seite liegt und  die Knie leicht
angezogen hält. Das Einführen des Gliedes zwischen ihren
Hinterbacken bereitet dann nicht die geringste Mühe.
Natürlich kann sich Ihre Partnerin auch  mit vorgeneigtem
Oberkörper niederknien, wobei sie mit  Kopf und Schultern
beinahe die Unterlage berührt. Sie  knien hinter ihr und
dringen zwischen den Beinen in die  Vagina ein. Am
häufigsten jedoch wird wohl die Bauchlage Ihrer Geliebten
sein, wobei sie die Hüften leicht anhebt, während Sie über
ihr liegen.

5. Stellungen im Sitzen:

Nicht immer wird es möglich sein, daß ein Paar sich im Bett
oder auf einer geeigneten Unterlage liebt. Dann sind
Sitzpositionen eine bequeme Notlösung. Dabei gibt es
zahlreiche Wege, sich zu vereinigen. So nimmt der Mann
beispielsweise auf einem Stuhl, einer Parkbank oder dem
Beifahrersitz des Wagens Platz. Das Mädchen setzt  sich auf
seinen Schoß und wendet ihm das Gesicht zu.  Wenn sie
dabei die Beine um die Taille des Partners  schlingt, dann
ergibt sich die Einführung nahezu von selber. Falls genügend
Platz vorhanden ist, kauert sich das Mädchen in abgewandter
Haltung über Ihren Schoß, wobei Sie die Knie geschlossen
halten. Sie dirigieren den  Unterleib mit beiden Händen in
die richtige Lage und  bewegen die Geliebte den
Erfordernissen entsprechend  über dem Penis auf und
nieder.

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6. Positionen im Stehen:

Am besten ist es, wenn Ihre Gefährtin mit herabhängenden
Beinen auf einem Tisch oder einer Kiste sitzt, während Sie
zwischen ihren Schenkeln stehen. Sie können  aber auch
von hinten in sie eindringen, während sie beide stehen, das
Mädchen sich aber vorbeugt und Ihnen  den Rücken
zuwendet. Dabei ist es von Vorteil, wenn die Hände der
Partnerin einen festen Halt finden. Eine andere Version, die
besonders beim Militär sehr verbreitet  war, erfordert, daß
beide Partner sich gegenüberstehen, während das Mädchen
die Arme um den Hals und die  Beine um die Hüften des
Mannes schlingt. Hierbei ist jedoch große männliche Kraft
erforderlich, sofern das  Mädchen nicht ausgesprochen
wenig wiegt. Und außerdem muß die Geliebte sehr
beweglich reagieren, um  nicht zu sehr auf dem
eingeführten Penis zu lasten.

Diese sechs Grundhaltungen neben ihren ungezählten
Varianten gehören zum Standardprogramm der meisten
Liebenden. Aus ihnen lassen sich zahlreiche Stellungen
komponieren, deren Ausschmückung sich im Laufe des
Liebesspieles von selbst ergibt. Empfehlungen kann hierbei
kein Sexualberater geben,  weil alle Menschen verschieden
empfinden und dementsprechend auch verschieden reagieren.
Denn die körperliche Liebe zwischen Mann und Frau ist
voller Wunder und Überraschungen. Nicht zuletzt diese
Überraschungen sind es, die den Sex zu einem so
spannenden und  aufregenden Mysterium werden lassen.
Und erstaunt  wird so mancher Mann recht bald
erkennen, daß die  Schönheit eines Mädchens keinerlei
Aufschluß über körperliche Vorzüge oder Nachteile gibt.

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Rüdiger Boschmann sagt zu diesem Thema: Ein un-
scheinbares Mädchen, das Sie ursprünglich nur als «Ver-
legenheitslösung» angesprochen haben, entpuppt sich  im
Bett vielleicht als sexuell unersättlich und sehr beglük-kend.
Das Mannequin aber, dem Sie wochenlang mit viel List und
Tücke nachstellten, erweist sich auf dem Liebeslager unter
Umständen als blöde Gans, der es an Oberweite fehlt und
die so sehr auf ihre neue Frisur bedacht  ist, daß von
Liebeswonnen keine Rede sein kann.  Glauben Sie einem
erfahrenen Junggesellen! Sie werden  niemals wissen, was
sich in den nächsten Stunden abspielt, wenn Sie eine neue
Frau zu Sex überredet haben.  Jede Frau ist anders. Die
anatomischen Grundvoraussetzungen mögen bei Ihren
Partnerinnen einigermaßen übereinstimmen - obwohl auch
das nicht sicher ist -,  doch das sagt wenig aus über das
individuelle Grundverhalten.
Sie bringen eine gepflegt wirkende, nach teuren Wassern
duftende und gebildete Dame zu Bett. Dann stellt sich
heraus, daß diese «Dame» seit zwei Wochen ihre Unter-
wäsche nicht gewechselt hat . . .  Ein scheues Reh soll Ihr
Liebeslager teilen. Als Sie rücksichtsvolle Vorbereitungen
treffen, entnimmt das scheue  Reh seinem Tragebeutel ein
Paar rote Stiefel von Hüftlänge und besteht darauf, diese
Stiefel beim Lieben zu  tragen. Sonst kann das scheue Reh
nämlich keinen Orgasmus haben, weil es Fetischistin ist.
Die «höhere Tochter», bei der Sie mit viel Zurückhaltung
vorgingen, um sie nicht zu verschrecken, läuft nach dem
ersten Koitus ungehemmt nackt in Ihrer Wohnung herum
und unterhält sich fröhlich mit Ihnen, während sie einen
flotten Strahl ins Klo plätschern läßt. Jene glutäugi-

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ge Bardame aber, bei der Sie unkonventionelles Verhalten
voraussetzen, ist gar nicht so. Die will nur in der Stan-
dardstellung mit Ihnen schlafen, und auf keinen Fall darf
dabei das Licht brennen!

Was die Aufmachung der Schambehaarung angeht,
müssen Sie mit allem rechnen. Unheimlich behaarte Damen
werden Ihnen begegnen und auch andere, bei denen die
Intimausstattung gänzlich unbehaart ist.  Eine sexuell
erfahrene Frau gibt sich Ihnen hin und tobt  mit Ihnen in
größter Leidenschaft, doch obwohl sie die  «Pille» nimmt,
besteht sie darauf, daß Sie Ihren Erguß unter allen Umständen
außerhalb der Scheide haben sollen. Erst zwei Stunden
später, als Sie sich wieder einmal nach dem Grund für dieses
kuriose Verhalten erkundigen, gibt die Dame zu, um was es
sich handelt: Zwar hat  sie schon mit gut zwei Dutzend
Männern geschlafen, aber den Samenerguß in ihrer Scheide
wird sie nur dem  Manne schenken, der sie heiratet - in der
Hochzeitsnacht! Derartige «Ersatzjungfernschaften» basteln
sich viele Frauen zurecht. Mal reservieren sie den Erguß in
der Scheide für die Hochzeitsnacht, mal Intimküsse oder auch
die Berührung des Kitzlers überhaupt. Noch absonderlicher
und vermutlich nur Frauen verständlich wird  die
Geschichte, wenn eine verheiratete Frau den Seitensprung
mit Ihnen macht, im eigentlichen Sinne sei sie dem Gatten
überhaupt nicht untreu gewesen, denn «das  Letzte»,  das
Samenschlucken, habe sie Ihnen verweigert!  Auch die
Geräuschkulisse kann sehr unterschiedlich  sein. Manche
Frauen unterdrücken sogar unter dem Ansturm eines
Orgasmus jede Bewegung und geben keinen  Piep von sich,
weil sie alle Lustäußerungen als «verdorben» halten.

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Wenn die Liebe stirbt

Jedes Märchen geht einmal zu Ende. Eine Liebe, die
nicht zum Standesamt führt, trägt auch in ihren strah-
lendsten Sternstunden den Keim des Abschieds bereits  in
sich. Spätestens dann, wenn keine Steigerung mehr
möglich ist, beginnt der Verfall einer Beziehung. Die Sta-
gnation der Gefühle leitet den Tod einer Partnerschaft ein.
Und die Trennung ist dann nur noch eine Frage der  Zeit -
und des Mutes.

Leider erschöpfen sich die zärtlichen Empfindungen
nicht gleichzeitig. Liebeskummer gehört deshalb zum
Geschlechtsleben eines Menschen wie das Salz zur Suppe.
Aber nur die wenigsten Paare trennen sich - wenn es  einmal
soweit ist - ohne Haß, Streit und böse Worte.  Was
himmelhoch jauchzend begann, das endet oft genug mit
Bitterkeit. Im Zurückbleibenden fechten Trennungsschmerz
und gekränkte Eitelkeit einen hoffnungslos erscheinenden
Kampf miteinander aus.  Was tut ein Mann, wenn ihm die
Geliebte den Abschied  gibt? Hier ist guter Rat
ausnahmsweise billig. Die Antwort kann nur lauten: Er tut
überhaupt nichts. Denn  wenn es erst einmal zur
endgültigen Trennung kommt, dann sind alle Versuche einer
Wiederbelebung der Beziehungen aussichtslos gescheitert.
Und niemand sollte ver-

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suchen, erkaltete Gefühle aufzuwärmen. Er bringt höchstens
ein fades Menü zustande, das keinem Partner noch
schmecken würde.
Dem Manne, der den Laufpaß bekommen hat, kann man
zunächst nur Glück wünschen. Denn er ist wieder frei. Er darf
sich ungestraft und ohne schlechtes Gewissen unter  den
Millionen schöner Frauen und Mädchen das begeh-
renswerteste weibliche Wesen aussuchen. Er sieht neuen und
hoffentlich erregenderen Liebesabenteuern entgegen, und
jede neuerliche Eroberung wird ihn nicht nur  mit Stolz
erfüllen, sie wird auch sein Selbstbewußtsein in  ungeahntem
Maße heben.

Was auch immer der Grund dafür sein mag, daß eine Frau
sich von ihrem Partner trennt, stets sollte er sich vor  Augen
halten, daß sie ihn vorher unter vielen Rivalen ausgewählt,
geliebt und - vermutlich ungezählte Male - glücklich gemacht
hat. Dem bitteren Ende gingen also  viele Augenblicke
höchsten Triumphes und leidenschaftlicher Glückseligkeit
voraus. So gesehen, tritt nicht ein  Verlierer ab, sondern ein
Sieger. Das Bewußtsein dieser Tatsache wird den
Abschiedsschmerz mildern oder zumindest ein wenig
erträglicher machen.  Wenn die Initiative zur Auflösung
einer Beziehung von der Frau ausgeht, hat kein Mann auch
nur den geringsten Grund, Gefühle der Minderwertigkeit
oder der Unzulänglichkeit zu züchten. Auch Eifersucht ist eine
unsinnige Reaktion, weil sie erstens nichts mehr ändert und
zweitens nur überflüssige Schmerzen verursacht.  Ein
exzellenter Frauenkenner warnt vor dieser unseligen
Leidenschaft: «Halten Sie mir nicht entgegen, Eifersucht  sei
doch normal! Wie könne man es denn ertragen, eine geliebte
Frau in den Armen eines Rivalen zu wissen? Be-

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nimmt sie sich bei diesem anderen Mann auch so leiden-
schaftlich? Flüstert sie ihm vertraute Koseworte zu? Besingt
sie jetzt ihn mit unwillkürlichen Lauten der Wonne?
Eifersucht ist absolut negativ und sinnlos. Es stimmt
nicht, daß große Liebe immer mit großer Eifersucht ein-
hergeht. Das Gegenteil ist wahr. Falls Sie zur Eifersucht
neigen und nicht daran arbeiten, diese schlechte Eigenschaft
loszuwerden, ziehen Sie sich besser von jedem Kontakt mit
Frauen zurück. Vor allem sollten Sie niemals heiraten, denn es
ist mehr als wahrscheinlich, daß Sie Ihre Frau unglücklich
machen.

Jeder Eifersüchtige will den von ihnen geliebten Menschen
besitzen wie einen Gegenstand. Menschen sind  keine
Gegenstände, sie sind Lebewesen mit jeweils individuell
gearteten Gefühlen, Bedürfnissen, Trieben und Anlagen.
Der Eifersüchtige mißachtet die einzigartige Persönlichkeit
des anderen . . . Eine Frau, die Ihnen gelegentlich untreu
ist, oder die  nichts mehr mit Ihnen zu tun haben will, ist
schließlich keine Verbrecherin. Sie lebt nur innerhalb der
Grenzen ihrer Natur, die sie nicht korrigieren kann, so wie Sie
Ihre Eifersucht nicht berichtigen können. Wenn es für Sie
sehr schmerzlich ist, die Geliebte zu verlieren, dürfen Sie sich
bei ihr erkundigen, ob Sie etwas falsch gemacht haben. Selten
werden Sie darauf eine vernünftige Antwort  erhalten.
Druckst die Frau herum, sollten Sie die Szene  abbrechen,
bevor sie häßlich wird. Tausendundzwei  Gründe mögen
Ihre Geliebte veranlassen, sich von Ihnen  zu trennen. Sie
kennt ihre Motive vielleicht selbst nicht genau, aber sie fühlt
die Notwendigkeit einer Trennung  in sich. Das genügt für
sie vollauf.» Das Ende einer Affäre muß man mit Würde und
Nobles-

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se tragen. Geschmacklosigkeiten sind denkbar unangebracht.
Sie hinterlassen einen üblen Nachgeschmack und  schlechte
Erinnerungen. Wenn Sie selbst der Leidtragende sind, liegt es
allein an Ihnen, den Abschied in kultivierter Form verlaufen zu
lassen, damit Sie beide noch im hohen Alter ohne Haß
aneinander zurückdenken können.  Geben Sie gehässigen
Ressentiments keinen Raum und  wenden Sie sich - statt
sinnlosen Schmutz aufzuwühlen 

und Beleidigungen

auszutauschen - unverzüglich einer neuen Partnerin zu. Der
Verflossenen aber dürfen Sie  zum Abschied einen
Blumenstrauß und einen Brief schik-ken, in dem Sie ihr für die
schöne Zeit danken, die Sie mit  ihr verleben durften. Sie
können ganz sicher sein, daß sie  diesen Brief immer wieder
dann hervorholen wird, wenn  sie Ärger mit ihrem neuen
Geliebten hat. Erleichtern Sie sich den Abschiedsschmerz,
indem Sie  sich all jene Fehler Ihrer Ex-Geliebten ins
Gedächtnis rufen, über die Sie sich schon immer geärgert
haben und  die sie nicht ablegen konnte und wollte. Glauben
Sie mir, es waren sehr viele und sehr gravierende Fehler, von
denen Sie oft bis zur Weißglut gereizt wurden. Und - Hand aufs
Herz - wäre die Partnerschaft mit einer so unvollkommenen
Frau auf die Dauer wirklich gutgegangen?  Na, also! Seien
Sie froh, daß sie Ihnen die Entscheidung  abgenommen hat
und die Aufgabe ersparte, von sich aus  Schluß zu machen.
Denn nichts ist schlimmer, als ein  Mädchen zu
verabschieden, das wie eine Klette an Ihnen  hängt. Viele
Männer bringen so etwas überhaupt nicht fertig und werden
geheiratet, nur weil sie nicht den Mut  zur Trennung
aufbrachten. Die Welt ist voll von solchen Ehen. Aber wie soll
sich ein Mann verhalten, der seiner Partne-

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rin aus irgendwelchen Gründen überdrüssig geworden  ist?
Was kann er tun, um ihr seinen Entschluß so schonend wie
nur möglich beizubringen?  Feinfühlende Männer machen
ein Martyrium durch, ehe  sie wirklich Farbe bekennen und
das Thema der Trennung anschneiden. Denn meistens ist die
Partnerin nicht  nur ahnungslos, sie kann obendrein in der
Mehrzahl aller  Fälle nichts dafür. Und einem Mädchen, das
dem geliebten Manne mit einem ahnungslosen Lächeln
vertrauensvoll entgegentritt, eröffnet er nur höchst
widerwillig, daß alles aus sein muß. Aber Mitleid allein ist
keine Basis für eine dauerhafte Partnerschaft.
Männer, die einen Schlußstrich unter die Beziehungen zu
ihrer Gefährtin ziehen wollen, müssen immer wissen, daß
man ein liebendes Frauenherz nicht geknickt oder
zerbrochen zurückgibt! Gehen Sie deshalb so schonend wie
nur möglich vor! Denn jetzt ist alles Fingerspitzengefühl nötig,
das Sie nur aufzubringen vermögen! Greifen  Sie auf eine
barmherzige Notlüge zurück, um die Empfindungen der Frau
nicht zu verletzen!  Raffinierte Zeitgenossen brechen einen
Streit vom Zaun,  um einen Vorwand für den endgültigen
Abschied zu finden. Aber das klappt beileibe nicht immer.
Denn eine liebende Frau kann man nicht so leicht demütigen.
Sie wird zu den größten Opfern und den unglaublichsten
Konzessionen bereit sein, um den Gefährten ihres Lebens
nicht zu verlieren.

Glück haben Sie, wenn Sie Ihre Freundin bei einem Sei-
tensprung ertappen. In diesem Falle wird es zwar auch
Tränen geben, aber zweifellos sieht die Frau ein, daß Sie die
Konsequenzen ziehen müssen und daß es unmöglich  ist, Sie
umzustimmen, wenn Sie sich einmal zu den Fol-

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gerungen entschlossen haben. Allerdings sind Fehltritte  viel
zu selten, als daß man sich auf eine so günstige Gelegenheit
verlassen könnte. Und außerdem hat vermutlich  gerade
dieses Mädchen Sie noch niemals betrogen.  Natürlich
können Sie eine Flasche Wein entkorken, eine  Kerze
anzünden und pathetisch oder traurig erklären:  «Liebling,
die schöne Zeit muß einmal vorbei sein! Ich liebe dich nicht
mehr! Ich habe eine andere Frau kennengelernt, die mir mehr
bedeutet!»
Doch bringen Sie so etwas tatsächlich übers Herz? Au-
ßerdem kann es sein, daß Ihre Partnerin der Flasche
Wein und der brennenden Kerze ganz andere Bedeutung
beimißt und sich mit zärtlicher Hingabe, die um Behütung
bittet, aufmunternd an Sie schmiegt. Dann gehen alle Vorsätze
zum Teufel.
Was tut man, wenn ein Streit wirkungslos verpufft und die
Geliebte Ihnen nicht den Gefallen tut fremdzugehen?
Erfahrene Männer versuchen es keinesfalls ohne Erfolg  mit
der stufenweisen Methode allmählicher Entfremdung. Sie
erklären der Freundin, daß sie sich in einer seelischen Krise
befinden und mit sich selbst in Unfrieden leben. Am besten
wäre es, wenn man einander in der  nächsten Zeit nicht so
oft sieht. Zunächst einmal muß der  Mann Abstand zu sich
selbst gewinnen, weshalb er die  nächsten zwei oder drei
Wochen ganz für sich allein leben möchte. Nein, eine andere
Frau ist bestimmt nicht im Spiel.

Nach zwei oder drei Wochen sieht man sich zwar wieder, doch
gibt sich der Mann dabei recht zerstreut, abwesend  und
ziemlich neutral. Er darf bisweilen unwillig reagieren und muß
sich selbst der geringfügigsten Zärtlichkeiten enthalten.

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Das Mädchen beginnt sehr bald zu ahnen, woher der
Wind weht. Und wenn der Mann konsequent bleibt, die
Zusammenkünfte immer seltener werden und von Mal  zu
Mal kühler verlaufen, dann setzt die Entfremdung mit
ziemlicher Sicherheit recht bald ein, bis die Partnerschaft
endgültig im Sande versickert.
Anstelle der seelischen Krise kann der Mann natürlich auch
berufliche Überlastung ins Feld führen, der Student  schützt
sein bevorstehendes Examen vor, der an seine Eltern
gebundene Junggeselle verschanzt sich hinter seiner
kranken, pflegebedürftigen Mutter und der sensible  Poet
macht sich vielleicht zum Opfer seiner angegriffenen
Nerven, die von ihm Abgeschiedenheit und strengste
Einsamkeit verlangen.

Die Phase der Zurückhaltung läßt sich übrigens grenzenlos
ausdehnen, bis die junge Frau entweder die Geduld oder die
Beherrschung verliert und die Beziehungen ihrerseits kurz
und schmerzlos abbricht. Mit dieser Lösung  dürfte jeder
Mann mehr als zufrieden sein. Ausgekochte Schauspieler
erklären der Partnerin, daß  sie auf dem besten Wege sind,
impotent zu werden, und  daher dem Glück des Mädchens
nicht im Wege stehen  dürfen. Diese Begründung wirkt stets
Wunder. Denn keine Frau möchte es sich selber zumuten, mit
einem Partner zusammenzuleben, der ihr und sich die höchste
Erfüllung versagen muß. Eine solche Gemeinschaft wäre eine
Farce und ein unhaltbarer Zustand obendrein.  Allerdings
hat dieser Vorwand gleich zwei Haken. Erstens muß sich
der Bursche auch tatsächlich jeglichen Verkehrs mit seiner
Freundin enthalten und auch standhaft bleiben, wenn sie sich
um die Wiederbelebung seiner  Potenz bemüht, und zweitens
kann es sein, daß die Part-

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nerin die Kunde von seiner sexuellen Unzulänglichkeit im
engeren und weiteren Freundeskreis arglistig oder
ahnungslos verbreitet und somit seinen Ruf in höchstem
Maße schädigt. Ansonsten aber ist Impotenz eines der
wirkungsvollsten Mittel, um eine Partnerschaft ohne Bit-
terkeit und ohne große Schmerzen zu beenden. Dem
Mädchen bleibt überdies die blutende Wunde der quälenden
Eifersucht erspart.

Mutige Männer erfinden ein verschollen geglaubtes un-
eheliches Kind, dessen ledige Mutter plötzlich aus heiterem
Himmel auftauchte und Legitimierung der früheren
Beziehung durch nachträgliche Eheschließung fordert.
Diesem Ansinnen kann sich kein verantwortungsbewußter
Kavalier entziehen. Die Partnerin wird verständnisvoll vor
den älteren Rechten der Kindesmutter zurücktreten und ohne
Groll das Feld räumen.  Junge, ungebundene Männer
suchen sich in einer anderen Stadt eine neue Tätigkeit, um
die Bande zu ihrer  Freundin zu lockern und allmählich
gänzlich zu lösen. Aus den Augen, aus dem Sinn! Mit etwas
Geschick gelingt es ihnen spielend, die Partnerschaft
sanft einschlummern zu lassen.

Mancher Abenteurer beruft sich auf sein Fernweh, das ihn
in die weite Welt treibt. Er kann es seiner Freundin
angeblich nicht zumuten, endlos auf ihn zu warten, weshalb er
sie schweren Herzens freigibt.  Sehr gut kommt auch die
Begründung eines Mannes an,  er sei seiner Geliebten nicht
würdig und untauglich für eine wirkliche Partnerbindung.
Vor so viel Aufrichtigkeit strecken die Frauen die Waffen,
wobei sie sich mit dem  Bewußtsein trösten, geliebt zu
werden und nur das Opfer  männlicher Unzulänglichkeit zu
sein.

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Selbstredend sind alle Ausreden des trennungsfreudigen
Herrn im Grunde unverbindlich. Die seelische Krise, die
berufliche Überlastung, die Krankheit der Mutter, die
Nervenschwäche können ebenso vorübergehender Natur
gewesen sein wie die Impotenz, der Wunsch nach
Ortswechsel und das Fernweh. Sogar das uneheliche
Kind kann sich als Irrtum erweisen, sofern nicht die Mutter des
Kindes ihren Sinn gewandelt hat. Und die Unwür-
digkeitsgefühle, die eine Partnerbindung unmöglich
machten, hat ein guter Psychotherapeut allmählich geheilt.
Kein Mann ist also verpflichtet, seine Absichten unbedingt in
die Tat umzusetzen. Gewarnt seien alle Männer, die sich mit
Trennungsgedanken tragen, vor der Unberechenbarkeit
liebender  Frauen. Manche Schöne schreckt sogar vor
einer  Schwangerschaft nicht zurück, nur um den Geliebten
an sich zu ketten. Sie «vergißt» eines Tages die Pille, sie ent-
fernt das schützende Scheidenpessar oder sie tauscht das
verhütende Zäpfchen gegen ein harmloses Präparat aus, das
ihm ziemlich ähnlich sieht. Sie hat alle Möglichkeiten in der
Hand, eine Schwangerschaft herbeizuführen, während Sie
ahnungslos in die Falle tappen.  Hier muß der Mann auf
der Hut sein. Spätestens dann, wenn er die Trennung offen
mit der Freundin besprochen hat, kann er mit solchen
unüberlegten Reaktionen rechnen. Um so mehr, falls sich die
Frau mit besonderem  Nachdruck an ihn klammert und
Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um ihn zu halten.
Daß zwei Menschen auseinandergehen, ist eine alltägliche
Geschichte. Wenn die Trennung wirklich notwendig
geworden ist, sollte man keine welterschütternde Tragödie
daraus machen. Die Zeit heilt alle Wunden, und das

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Leben geht weiter. Die Welt stürzt nicht ein. Zu Herzen
gehende Abschiedsszenen sollte man nur jenen Frauen
reservieren, die das Pech hatten, sich ernsthaft zu verlieben,
während man selbst nur ein wenig Abwechslung gesucht hat.

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