background image
background image

Page 2

background image

Page 3

background image

IMPRESSUM

Ein Kind der Liebe erscheint in der Harlequin Enterprises GmbH

Redaktion und Verlag:

Postf ach 301161, 20304 Hamburg
Telef on: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: 

kundenserv ice@cora.de

Geschäf tsf ührung:

Thomas Beckmann

Redaktionsleitung:

Claudia Wuttke (v . i. S. d. P.)

Produktion:

Christel Borges

Graf ik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn,

Marina Grothues (Foto)

© 1997 by  Lori Foster

Originaltitel: „Scandalized!“
erschienen bei: Harlequin Books, Toronto
Published by  arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe TIFFANY

Band 801 - 1998 by  CORA Verlag GmbH, Hamburg
Übersetzung: Brigitte Bumke

Umschlagsmotiv e: Elena Vasilschenko / Shutterstock

Veröf f entlicht  im  ePub  Format  in  10/2014  –  die  elektronische  Ausgabe  stimmt  mit  der  Printv ersion

überein.

E-Book-Produktion: 

GGP Media GmbH

, Pößneck

ISBN 9783733786687

Alle  Rechte,  einschließlich  das  des  v ollständigen  oder  auszugsweisen  Nachdrucks  in  jeglicher  Form,

sind v orbehalten.
CORA-Romane  dürf en  nicht  v erliehen  oder  zum  gewerbsmäßigen  Umtausch  v erwendet  werden.
Sämtliche  Personen  dieser  Ausgabe  sind  f rei  erf unden.  Ähnlichkeiten  mit  lebenden  oder  v erstorbenen
Personen sind rein zuf ällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, MY STERY , TIFFANY

 

Alles  über  Roman-Neuheiten,  Spar-Aktionen,  Lesetipps  und  Gutscheine  erhalten  Sie  in  unserem  CORA-

Shop 

www.cora.de

 

Werden Sie Fan v om CORA Verlag auf  Facebook.

Page 4

background image

1. KAPITEL

Sie war die perfekte Frau.

Tony Austin studierte ihre Gesichtszüge, ihren Körperbau. Das

hatte er natürlich schon vorher getan, doch jetzt begutachtete er
sie  besonders  gründlich.  Sie  war  keine  klassische  Schönheit,
aber  das  war  für  sein  Vorhaben  nicht  notwendig.  Ihre
Ausstrahlung,  ihr  selbstsicheres  Auftreten  und  ihre  Anmut
dagegen waren beeindruckend, ja atemberaubend.

Weil er immer wieder zu ihr hinübersah, wurde Olivia Anderson

schließlich  auf  ihn  aufmerksam.  Das  geheimnisvolle  Lächeln,
das sie ihm zuwarf, ließ sein Herz schneller schlagen. Doch er
tat  seine  Reaktion  als Aufregung  über  seinen  Plan  ab.  Einen
anderen Grund konnte es nicht geben.

In  ihrem  schlichten  schwarzen  Kleid  und  den  hockhackigen

schwarzen Pumps wirkte sie elegant wie immer. Doch das hatte
sein  besonderes  Interesse  nicht  geweckt.  Vielmehr  hatte  er
einen  Entschluss  gefasst,  und  sie  spielte  dabei  eine  wichtige
Rolle, auch wenn sie davon noch nichts ahnte.

Er kannte sie seit drei Jahren, weil er geschäftlich mit ihr zu tun

hatte.  Zu  seinem  Empfang  war  sie  nur  gekommen,  um  diese
Geschäftsbeziehung zu vertiefen. Denn ihre Bekanntschaft hatte
absolut  nichts  Persönliches  –  und  dabei  wollte  er  es  auch
belassen.

Vor zwei Tagen hatte sie ihm das Angebot gemacht, auch in

dem  neuen Austin  Crown  Hotel  eine  ihrer  Dessous-Boutiquen
zu eröffnen. Er hatte ihr noch keine Antwort gegeben. Doch das
würde er umgehend tun. Noch heute Abend. Und dann würde er
seinerseits einen Wunsch äußern.

Page 5

background image

Zum  ersten  Mal  seit  Langem  war  er  vor  einer  geschäftlichen

Besprechung  nervös.  Dann  kam  Olivia  mit  graziösen
Bewegungen und dennoch entschlossenen Schrittes auf ihn zu,
und er konnte nur noch denken, was für ein hübsches Baby sie
beide zustande bringen würden. Lächelnd sah er ihr entgegen.

Tony  wird  einverstanden  sein,  dachte  Olivia  voller  Freude.  Er

hatte  sie  den  ganzen  Abend  über  beobachtet,  ja,  regelrecht
begutachtet.  Und  dafür  konnte  es  eigentlich  nur  einen  Grund
geben.  Der  Gedanke  an  ihren  bevorstehenden  Sieg  versetzte
sie in Hochstimmung.

Als  sie  zu  ihm  hinüberging,  hielt  er  ihren  Blick  gefangen.

Seinen  Mund  umspielte  ein  kleines  sinnliches  Lächeln,  von
dem,  wie  sie  wusste,  die  meisten  Frauen  hingerissen  waren.
Sie, Olivia, würde dagegen nur hingerissen sein, wenn er ihr die
erhoffte Antwort gab.

Ihr  Geschäft  war  ihr  Leben,  und  sie  gestand  sich  weder  die

Zeit noch den Wunsch nach etwas anderem zu. Genau wie er,
dessen war sie sicher. Wenigstens was sie betraf.

Tony  stand  in  dem  Ruf,  ein  fantastischer  Liebhaber  zu  sein,

auch wenn sie nicht hätte sagen können, wie viele der Frauen,
die  das  behaupteten,  Erfahrungen  aus  erster  Hand  hatten.  Ihr
gegenüber  machte  er  nie  eine  Bemerkung  über  seine
Beziehungen.  Vielmehr  schien  er  von  dem  ganzen  Gerede
überhaupt keine Notiz zu nehmen. Genau darum bemühte auch
sie sich. Ihr Interesse an ihm war rein geschäftlicher Natur. Auch
wenn sie zugeben musste, dass sie gelegentlich ihrer Fantasie
freien Lauf ließ …

Sie trat zu ihm.

„Hallo, Olivia.“ Seine Stimme klang tiefer als sonst, sein Blick

Page 6

background image

wurde noch eindringlicher. „Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl hier.“

Sie  blickte  sich  um.  Dieser  Empfang  wurde  anlässlich  der

Umgestaltung  seines  großen,  alten  Stadthotels  gegeben.  Mit
der neuen hochwertigen Einrichtung im klassischen Stil sollte es
anderen First-Class-Hotels Konkurrenz machen.

„Alles ist wunderschön geworden, Tony. Warum sollte ich mich

da nicht wohlfühlen?“

Sein Lächeln vertiefte sich. „Ich glaube, Sie mögen Partys nicht

besonders.  Sie  wirken  geistesabwesend.“  Er  neigte  den  Kopf
leicht  zur  Seite.  „Sind  Sie  erpicht  darauf,  Geschäftliches  zu
besprechen?“

Olivia  trank  ihr  Glas  aus,  um  nicht  spontan  zu  antworten.  „Ich

habe  überlegt,  ob  Sie  wohl  schon  zu  einer  Entscheidung
gekommen  sind.  Natürlich  sollte  man  nicht  gerade  auf  einem
Empfang  über  Geschäfte  reden,  aber  …“  Sie  merkte,  dass  er
sie wieder genau beobachtete. „Würden Sie mich wohl ins Bild
setzen?“

Leise  lachend  überging  Tony  ihre  Frage.  Er  verstand  sich

bestens auf die Taktiken bei Geschäftsabschlüssen. Sie jedoch
auch. „Möchten Sie noch etwas zu trinken?“

„Nein danke.“

„Schon zu viel getrunken?“

„Zu viel Mineralwasser? Ich glaube, damit kann ich umgehen.

Sie  dagegen  …“  Sie  schnupperte  an  seinem  Glas.  Weil  es
jedoch keinen Alkohol enthielt, zog sie die Brauen hoch.

„Ich  trinke  auch  nicht.  Jemand  muss  schließlich  einen  klaren

Kopf behalten.“

Obwohl Olivia ihm nicht zeigen wollte, wie überrascht sie war,

Page 7

background image

hakte sie nach: „Sie trinken nie?“

„Gelegentlich ein Glas Wein zum Abendessen.“

„Ich trinke überhaupt keinen Alkohol.“

„Aus einem besonderen Grund?“

Olivia  zögerte.  Es  war  komisch,  dass  man  jemanden  seit

Jahren  kannte  und  sich  nur  rein  geschäftlich  begegnete,  und
plötzlich  fand  man  sich  in  einem  sehr  persönlichen  Gespräch
wieder.  Es  machte  ihr  jedoch  nichts  aus.  Sie  war  immer  der
Meinung  gewesen,  je  besser  man  seine  Geschäftspartner
kannte,  desto  leichter  konnte  man  mit  ihnen  umgehen.  Und  es
war ihr größter Wunsch, mit Tony Austin noch viele Geschäfte zu
machen. „Ich verabscheue Alkohol.“

„Vielleicht erzählen Sie mir irgendwann einmal, warum.“

„Vielleicht.“

Tony  schwieg  einen  Moment,  dann  fragte  er  unvermittelt:

„Haben  Sie  ein  Fünfjahresziel,  Olivia?  Oder  irgendwelche
langfristigen Pläne, auf die Sie hinarbeiten?“

Wieder  überkam  Olivia  prickelnde  Aufregung,  die  sie  zu

unterdrücken versuchte. Sein ungewohntes Interesse konnte nur
bedeuten, dass ihr Management ihm zusagte. Tony Austin war
ein exzellenter Geschäftsmann. Es hieß, er habe die Anzahl der
Hotels  der  Hotelkette  Austin  Crown  in  den  drei  Jahren  nach
dem Tod seines Vaters verdoppelt. Unter seiner Leitung waren
aus den Mittelklassehotels First-Class-Hotels geworden.

Während  Tony  sich  gekonnt  lässig  gegen  die  Wand  lehnte,

fielen  Olivia  seine  wunderbar  breiten  Schultern  auf.  Tony
verfügte  über  mehr  Energie  und  Entschlusskraft  als
irgendjemand sonst, den sie kannte. Eine dicke Strähne seines
braunen  Haars,  das  dunkler  und  lockiger  als  ihr  eigenes  war,

Page 8

background image

war ihm in die Stirn gefallen, und seine grünen Augen glänzten.

Olivia  lächelte.  „Natürlich  habe  ich  ein  Ziel.  Ein  sehr

bedeutendes  sogar.  Wenn  Sie  möchten,  erkläre  ich  Ihnen
Näheres.“

Zu  ihrer  Überraschung  wies  Tony  einen  Kellner  an,  ihnen

alkoholfreie  Getränke  in  sein  Büro  zu  bringen  und  dafür  zu
sorgen,  dass  sie  nicht  gestört  wurden.  Sie  hatte  nicht  damit
gerechnet, dass er tatsächlich heute Abend Geschäftliches mit
ihr besprechen würde.

Als  Tony  mit  Olivia  am Arm  zu  seinem  Büro  ging,  merkte  er,

dass  einige  andere  Gäste  ihnen  nachstarrten. Aber  er  war  es
gewöhnt,  dass  Fremde  immer  wieder  Klatsch  über  ihn
verbreiteten.  Wer  ihn  hier,  in  seiner  Heimatstadt  Willowbrook,
Indiana,  jedoch  gut  genug  kannte,  gab  nichts  auf  solches
Gerede.

Olivia  legte  sich  im  Geist  zurecht,  wie  sie  ihn  überzeugen

konnte.  Sie  überlegte  gerade,  ob  sie  ihren  Fünfjahresplan  mit
seiner Hilfe vielleicht schon in kürzerer Zeit verwirklichen könnte,
als  er  sie  in  einen  schwach  beleuchteten  Raum  schob.  Der
Geruch nach Leder, vermischt mit Tonys ureigenem Duft, der in
der  Luft  hing,  war  für  Olivia  das  reinste  Aphrodisiakum.  In
diesem Raum würde ihr vielleicht der Durchbruch gelingen, auf
den  sie  gewartet  hatte.  Ihr  Geschäft  war  ihr  ein  und  alles.  Sie
hatte es aus eigener Kraft aufgebaut und war mit Erfolg belohnt
worden. Das war fast so schön, wie das Leben zu führen, das
sie eigentlich führen wollte. Fast.

Tony  schloss  die  Tür  und  lehnte  sich  dagegen.  Komisch,

bisher  war  ihm  noch  nie  aufgefallen,  wie  hübsch  Olivia
Anderson  sein  konnte,  wenn  sie  aufgeregt  war,  wenn  sie

Page 9

background image

lächelte  …  Er  hatte  sie  noch  nie  so  richtig  als  Frau
wahrgenommen, und jetzt erkannte er, dass sie ausgesprochen
verführerisch wirkte.

Heute Abend hatte sie ihr fast glattes dunkelbraunes Haar, das

ihr normalerweise bis auf die Schultern fiel, zu einem eleganten
Nackenknoten aufgesteckt. Olivia hatte mehr Stil und Klasse als
jede andere Frau, die er kannte. Er mochte ihre dunkelbraunen
Augen, in denen sich ihre Gefühlsregungen widerspiegelten, die
Stärke ihres Charakters und ihre ganze Leidenschaft. Das hieß,
Leidenschaft für ihre Arbeit.

Er  schaltete  eine  moderne  Designerstehlampe  ein,  die  sein

großzügig geschnittenes Büro jedoch kaum mehr erhellte. Aber
er  zog  gedämpftes  Licht  vor,  während  er  ihr  seinen  Vorschlag
unterbreitete, auch wenn das ein wenig feige war. Abrupt fragte
er: „Waren Sie je verheiratet, Olivia?“

Die  Frage  schien  sie  sehr  zu  überraschen.  „Nein.  Und  ich

plane eine solche Verbindung auch nicht für die nahe Zukunft.“

„Verbindung?“ Er musste erneut lächeln. Sie hatte eine höchst

merkwürdige  Art,  die  Dinge  zu  betrachten,  als  sei  alles  eine
geschäftliche Angelegenheit.

Schulterzuckend setzte sich Olivia in einen der beiden Sessel

vor seinem Schreibtisch. „Meine Arbeit ist mein Leben. Ich bin
zufrieden damit, wenn es so bleibt.“

Tony  nahm  ihr  gegenüber  Platz. Auch  wenn  das  die Antwort

war,  die  er  erwartet  hatte,  so  beunruhigte  sie  ihn  doch  ein
wenig.  Eine  Frau  mit  ihren  Qualitäten,  mit  ihrer  Intelligenz  und
ihrer Persönlichkeit sollte ihr Leben nicht allein verbringen.

„Wie alt sind Sie?“

Sie  blinzelte  leicht  irritiert.  „Sechsundzwanzig.  Meinen

Page 10

background image

Fünfjahresplan habe ich erst letztes Jahr aufgestellt. Er sieht vor,
dass  ich,  bis  ich  dreißig  bin,  mindestens  noch  drei  weitere
Geschäfte eröffnet habe.“

„Da  bleibt  Ihnen  in  der  Tat  nicht  viel  Zeit  für  einen  Ehemann

oder Kinder oder sonstige private Dinge.“

Mit gerunzelter Stirn sah sie ihn an. Tony war klar, dass er sie

nicht  so  bedrängen  sollte.  Nur,  er  hatte  noch  nie  viel  Geduld
gehabt. Wenn er etwas wollte, dann wollte er es sofort.

„Ich  verstehe  nicht,  warum  Sie  mir  derart  persönliche  Fragen

stellen.  Ich  nahm  an,  Sie  wären  mit  unseren  Geschäften
zufrieden …“

„Mehr  als  zufrieden.  Ihre  Branche  boomt,  und  meine  Hotels

profitieren  bereits  von  Ihren  beiden  Boutiquen.  Ich  sehe  kein
Problem darin, noch eine zu eröffnen.“

Olivia atmete hörbar aus und lächelte ihn strahlend an. „Danke.

Genau  das  hoffte  ich  zu  hören.  Obwohl  Sie  mich
zugegebenermaßen  mit  diesen  persönlichen  Fragen  irritiert
haben.  Ich  weiß,  es  ist  wichtig,  Geschäftspartner  zu  verstehen
und  sich  zu  vergewissern,  dass  sie  nicht  plötzlich  ihre  Pläne
ändern.  Wenn  das  Ihre  Sorge  war,  dann  kann  ich  Ihnen
versichern …“

„Ich möchte ein Baby.“

Vor Überraschung blieb Olivia der Mund offen. Sie hatte einen

hübschen Mund, voll und weich … Sie hatte auch schöne Haut,
was  natürlich  ein  Plus  wäre,  genau  wie  ihre  ausgezeichnete
Gesundheit und ihr scharfer Verstand.

Sie räusperte sich und antwortete mit einem kleinen, nervösen

Lachen: „Das dürfte anatomisch wohl unmöglich sein.“

„Nicht, wenn ich die richtige Frau finde, die das Kind austrägt.“

Page 11

background image

Sie  ließ  sich  in  den  Sessel  zurückfallen.  Ihre  Hände

umklammerten  die  Armlehnen,  ihr  Mund  stand  erneut  offen.
Tony 

beschwor 

sich, 

endlich 

aufzuhören, 

auf 

ihren

verführerischen Mund zu achten.

Weil  es  klopfte,  brauchte  er  nicht  sofort  etwas  zu  sagen.

Sobald  der  Kellner  wieder  gegangen  war,  suchte  er  Olivias
Blick. Sie schaute noch immer fassungslos drein.

„Ich höre förmlich, wie es in Ihrem Kopf arbeitet, Olivia, und ich

möchte  Ihnen  versichern,  ehe  ich  fortfahre,  dass  das  Ganze
nichts mit Ihren Geschäften zu tun hat. Sie bekommen Ihre dritte
Boutique  auf  jeden  Fall.  Ich  werde  die  Papiere  am
Montagmorgen  unterschreiben  und  sie  Ihnen  per  Kurier
zustellen lassen.“

„Danke.“

Tony  schenkte  ihr  ein  Glas  Mineralwasser  ein  und  reichte  es

ihr.  „Ich  möchte  jedoch  noch  etwas  anderes  mit  Ihnen
besprechen.“

„Das habe ich mir schon gedacht.“

Ihre  trockene  Bemerkung  ließ  ihn  schmunzeln.  „Wie  gesagt

möchte ich ein Baby. Ich habe ausgezeichnete Mitarbeiter, die
die  tägliche  Routinearbeit  in  meinen  Hotels  erledigen  können,
sodass ich nicht mehr so viel zu arbeiten brauche. Ich kann es
mir  absolut  leisten,  ein  Kind  mit  allen  Privilegien  aufzuziehen.
Dabei  will  ich  es  keineswegs  verwöhnen,  sondern  darauf
achten, dass moralische Grundsätze und feste Überzeugungen
nicht zu kurz kommen und …“

Olivia  berührte  seinen  Arm.  Tony  genoss  ihre  Berührung,

spürte sie ganz intensiv und verfluchte sofort, dass er auf eine
Art und Weise darauf reagierte, die er sich verboten hatte. Zum

Page 12

background image

Glück schien Olivia nichts von seinem Dilemma zu merken.

„Ich  bezweifle  nicht,  dass  Sie  ein  wunderbarer  Vater  sein

würden, Tony.“

Ihr Lob freute ihn sehr. „Danke.“

„Keine Ursache. Aber was haben Ihre Pläne mit mir zu tun?“

Er suchte ihren Blick. „Na ja … Sie sollen die Mutter sein.“

Ihre  Reaktion  darauf  war  nicht  ganz  so,  wie  er  es  erwartet

hatte. Fassungslos legte sie die Hand auf den Mund, und nach
einem Moment erst brach sie in fast hysterisches Gelächter aus.
Tony stand auf und zog sie hoch. „Olivia! Alles in Ordnung mit
Ihnen?“

Kopfschüttelnd  fing  sie  erneut  zu  lachen  an.  „Habe  ich  mich

eben nicht klar ausgedrückt? Habe ich nicht eben gesagt, dass
mein  Geschäft  mein  Leben  ist?  Ich  kann  nicht  heiraten,  und
schon gar nicht, um …“

„Heiraten?  Lieber  Himmel,  ich  will  Sie  nicht  heiraten!“  Er

merkte  sofort,  wie  entsetzlich  das  klang,  und  ergänzte  schnell:
„Ich  möchte  nur,  dass  Sie  mein  Baby  austragen.  Nach  der
Geburt  können  Sie  tun  und  lassen,  was  Sie  wollen.  Ich  werde
sicherstellen,  dass  Sie  umziehen  können,  wohin  Sie  auch
wollen, denn natürlich werden Sie umziehen müssen. Ich möchte
keine  Einmischung  bei  der  Erziehung  meines  Kindes,  und
keiner von uns beiden will ja wohl einen Skandal. Ich dachte, der
Nordwesten der USA würde Ihnen vielleicht zusagen.“

„Sie wollen, dass ich …“

„Das Baby austrage.“ Weil er sie immer noch festhielt, spürte

er, wie sie sich versteifte. Er zwang sich, sie loszulassen. „Aber
denken  Sie  bitte  nicht,  dass  ich  vorhabe,  mich  Ihnen  …  na  ja,
unsittlich zu nähern. Es gibt andere Methoden, das Sperma zu

Page 13

background image

übertragen. Alles würde …“

Sie wich zurück, als habe er sie geschlagen.

„Ich  verpatze  das  gründlich,  nicht  wahr?“  Tony  fuhr  sich  mit

einer Hand durchs Haar. „Ob Sie es glauben oder nicht, das ist
das erste Mal, dass ich unsicher bin, während ich ein Geschäft
vorschlage.  Denn  genau  das  ist  es,  Olivia.  Eine  geschäftliche
Vereinbarung.“ Weil sie weiterhin schwieg, fuhr er nach einem
Moment  fort:  „Also?  Sie  könnten  mir  das  Ganze  ein  wenig
leichter machen, wenn Sie etwas sagen würden.“

„Das würde ich ja. Wenn ich wüsste, was.“

Er  atmete  tief  durch.  „Sie  brauchen  Zeit  zum  Nachdenken.

Warum  setzen  wir  uns  nicht  wieder  hin,  und  ich  erkläre  Ihnen,
warum  ich  Sie  ausgewählt  habe,  welchen  Nutzen  Sie  davon
hätten,  wenn  Sie  zustimmten,  wie  ich  die  rechtliche  Seite
handhaben will und …“

„Das  ist  eine  ganze  Menge,  besonders,  wenn  man  bedenkt,

dass  es  gleich  Mitternacht  ist.  Ich  hatte  einen  anstrengenden
Arbeitstag  und  will  morgen  früh  ins  Büro.“  Ihre  Stimme  zitterte
noch  leicht,  aber  Olivia  setzte  sich  wieder  hin.  Tony  war
erleichtert.  Sie  schrie  nicht  Zeter  und  Mordio  wegen  sexueller
Belästigung,  und  sie  stürmte  auch  nicht  empört  hinaus.  Nein,
Olivia  war  eine  vernünftige  Frau.  Das  war  eine  der
Eigenschaften, die er an ihr schätzte.

„Zuerst einmal, Sie gefallen mir sehr, Olivia. Nicht im Sinne von

zukünftiger 

Ehefrau 

oder 

einer 

anderen 

persönlichen

Beziehung, sondern als Genspenderin. Ihre Klugheit verschlägt
mir  manchmal  den Atem,  besonders  weil  Sie  es  keineswegs
leicht hatten. Trotzdem haben Sie mit Auszeichnung …“

„Wie kommt es, dass Sie so viel über mich wissen?“

Page 14

background image

Offenbar  hatte  er  ihren  Unmut  geweckt.  Er  dachte  daran  zu

lügen,  verwarf  diese  Idee  jedoch  ebenso  schnell.  „Ich  habe
Nachforschungen über Sie anstellen lassen. Bitte hören Sie mir
erst  einmal  zu,  damit  Sie  verstehen,  wie  wichtig  das  für  mich
war.“  Er  wartete  ab,  doch  als  sie  ihn  nur  stumm  anschaute,
begann er aufzuzählen, was er in Erfahrung gebracht hatte. „Ihre
Eltern,  die  nur  ein  geringes  Einkommen  hatten,  kamen  bei
einem  Hochwasser  ums  Leben,  als  Sie  gerade  sechzehn
waren. Sie waren auf dem College und hatten nebenbei einen
Job, erarbeiteten sich alles, was Sie jetzt besitzen, aus eigener
Kraft,  ohne  jede  Hilfe  von  Verwandten  oder  Freunden.  Im
Übrigen haben Sie gar keine Verwandten und auch keine guten
Freunde, soweit ich weiß.“

Sie  saß  ganz  still  da  und  brachte  es  fertig,  gleichzeitig  stolz

und  verletzt  auszusehen,  sodass  Tony  mit  gesenkter  Stimme
fortfuhr:  „Sie  hatten  nie  etwas  mit  einem  Mann  zu  tun,  es  sei
denn  geschäftlich.  Sie  führen  ein  bescheidenes,  unauffälliges
Leben, besitzen vermutlich ein beachtliches Sparkonto, und Sie
bleiben  für  sich.  Die  einzigen  Verabredungen,  die  Sie  treffen,
sind geschäftlicher Natur.“

Sie schwieg eine ganze Weile, ehe sie sagte: „Sie waren sehr

gründlich.“

„Ich  musste  sicher  sein,  dass  Sie  geeignet  sind,  Olivia.  Bitte

versuchen Sie zu verstehen. Ich will keine Frau, die, sobald sie
schwanger  ist,  das  Baby  behalten  will  oder  mich  oder  uns
beide. Alles, was ich über Sie erfahren habe, belegt, dass Sie
absolut  kein  Interesse  daran  haben,  sich  jetzt  oder  in  naher
Zukunft zu binden. Das stimmt doch, oder?“

Sie wandte den Kopf und starrte in die hinterste Zimmerecke.

„Ja.“  Dann  atmete  sie  tief  durch  und  sah  wieder  ihn  an.  „Aber

Page 15

background image

ich habe auch kein Interesse daran, neun Monate in Verzug zu
geraten.  Jetzt  ein  Kind  zu  bekommen  würde  meine  Pläne
erheblich  beeinträchtigen,  ganz  zu  schweigen  von  meinem
guten Ruf. Man würde ohne Ende über mich klatschen.“

„Nicht unbedingt. Nicht, wenn ich verspreche, Ihr Fünfjahresziel

in  einem  Jahr  anzuvisieren.  Nicht,  wenn  ich  verspreche,  mich
dafür  einzusetzen,  dass  Ihre  neuen  Geschäfte  gut  anlaufen.
Nicht,  wenn  ich  Ihren  Umzug  sofort  in  die  Wege  leite  oder  es
Ihnen ermögliche, eine lange Pause einzulegen.“

„Und das würden Sie alles tun?“

„Natürlich. Die Sache ist mir sehr ernst. Ich kann es mir leisten,

großzügig zu sein, und ich möchte das Baby. Schnellstens. Am
vierzehnten November habe ich Geburtstag. Das ist in gut einer
Woche. An  meinem  Geburtstag  im  nächsten  Jahr  möchte  ich
mein  eigenes  Kind  in  den  Armen  halten.  Ich  werde  dann
fünfunddreißig.“  Er  zögerte,  aber  ihm  war  klar,  dass  er  ihr
seinen Wunsch noch näher erläutern musste. „Mit fünfunddreißig
ist es höchste Zeit für ein Kind. Wenn ich warte, wenn auch nur
noch ein, zwei Jahre, würde ich fast vierzig sein, bis das Kind
auf die Welt kommt. Ich muss langfristig planen, etwa, wie sich
mein  Alter  auf  das  Kind  im  Teenageralter  auswirkt,  wenn  er
oder sie mich am meisten brauchen wird.“

„Sie  machen  sich  also  Sorgen  wegen  Ihrer  …  Ihrer

biologischen Uhr?“

„Das ist ganz sicher ein Aspekt.“

„Warum wünschen Sie sich so sehr ein Kind? Warum heiraten

Sie nicht erst und gehen die Sache ganz konventionell an? Und
vor  allem,  warum  wollen  Sie  gerade  mich  als  Mutter  Ihres
Kindes?“

Page 16

background image

Tony nahm es als gutes Zeichen, dass Olivia das Ganze noch

immer mit ihm diskutierte, und fasste Mut. Er würde sie für sich
gewinnen.  Schließlich  war  er  darin  geübt,  Geschäfte  zum
Abschluss  zu  bringen,  und  er  hatte  schon  schwierigere
Verhandlungen  geführt. Aber  es  stimmte  auch,  dass  er  es  nur
mit  wenigen  Geschäftspartnern  zu  tun  gehabt  hatte,  die  so
beharrlich  waren  wie  Olivia.  Das  war  eine  der  vielen
Eigenschaften, die er an ihr bewunderte.

„Ich  möchte  deshalb  jetzt  ein  Kind,  weil  auch  mein  jüngerer

Bruder  und  meine  Schwester  Kinder  haben.  Mein  Bruder  hat
erst kürzlich sein drittes Kind bekommen, einen kleinen Jungen,
und  da  wurde  mir  klar,  was  ich  bisher  vermisst  habe,  was  ich
ewig  vermissen  werde,  wenn  ich  nicht  bald  handle.  Verstehen
Sie mich nicht falsch. Ich bin sehr gern der liebende Onkel und
genieße es, wenn sie ganz aus dem Häuschen geraten, sobald
ich auftauche. Es tut gut, von einem Kind geliebt zu werden.“ Er
machte  eine  Pause.  „Aber  ich  habe  eigentlich  keinen  Einfluss
auf die Kids. Denn ich bin eben nur der Onkel. Ich möchte gern
selbst ein Kind erziehen, einen Teil von mir weitergeben.“

Olivia lächelte. „Sie spüren Ihre Sterblichkeit?“

„Vermutlich.  Aber  das  ist  nicht  alles.  Ein  erfolgreiches

Unternehmen  aufzubauen  und  von  seinen  Mitarbeitern
respektiert  zu  werden,  ist  nichts  im  Vergleich  zu  der Aufgabe,
ein Kind großzuziehen. Meine Geschwister bringen sich nicht so
intensiv ins Geschäft ein wie ich, aber sie erziehen wunderbare,
liebe Kinder. Und das ist eine viel größere Leistung. Ich möchte
in  ihre  Fußstapfen  treten.“  Er  suchte  erneut  ihren  Blick.
„Außerdem  möchte  ich  so  sehr  geliebt  werden  wie  sie.
Vorbehaltlos, heiß und innig.“

„Aber Sie wollen keine Ehefrau?“

Page 17

background image

„Eine Ehe, wie sie meine beiden Geschwister führen, ist nicht

der Normalfall.“ Tony war erleichtert, dass Olivia sich nicht über
ihn  lustig  machte.  Es  war  leichter,  mit  ihr  zu  reden,  als  er
gedacht hatte. Ohne zu überlegen hatte er sich ihr geöffnet, wie
er  das  noch  nie  jemand  anderem  gegenüber  getan  hatte.  „Es
ist,  als  wären  sie  eins  mit  ihren  Ehepartnern.  Sie  teilen  alles,
unterstützen  einander  und  haben  Spaß  miteinander.  Sie
scheinen  manchmal  die  Gedanken  des  anderen  lesen  zu
können,  so  sehr  harmonieren  sie  miteinander.  Mitunter  bin  ich
richtig  neidisch.  Und  nachdem  ich  nun  solche  wunderbaren
Beziehungen  erlebt  habe,  kann  ich  mich  eigentlich  nicht  mit
weniger  zufriedengeben.  Bisher  habe  ich  jedoch  keine  Frau
gefunden,  die  so  gut  zu  mir  passen  würde,  und  ich  bin  die
Suche leid. Die meisten Frauen können es nicht tolerieren, dass
ich so viel arbeite, es sei denn, sie sind selbst Geschäftsfrauen.
Doch dann sind sie beruflich meist so engagiert, dass sie keine
Zeit für einen Mann haben, geschweige denn für ein Kind.“

Als  sie  zusammenzuckte,  merkte  er,  dass  sie  seine  Kritik

persönlich  genommen  hatte.  „Olivia.  Ich  will  niemanden
verurteilen.  Ich  weiß,  dass  Frauen  es  schwerer  haben  als
Männer, dass für sie selten die gleichen Regeln gelten. Und ich
verstehe  das  Bedürfnis  voranzukommen.  Mir  ging  es  bis  vor
Kurzem genauso.“

„Doch  nun  brauchen  Sie  sich  nicht  mehr  so  intensiv  um  Ihre

Geschäfte zu kümmern.“

„Richtig.  Wissen  Sie,  erfolgreich  zu  sein  hat  auch  seine

Schattenseiten.  Ich  habe  immer  das  Gefühl,  die  Frauen  sind
eher an meinem Bankkonto interessiert als an mir.“

„Haben  Sie  eigentlich  eine  Ahnung  davon,  wie  attraktiv  Sie

Page 18

background image

sind?  Wie  …  erotisch?  Hotelkette  hin,  Hotelkette  her,  ich  bin
sicher, die Frauen laufen Ihnen in Scharen nach.“

„Sie nicht.“

Olivia sah aus, als würde sie sich die Zunge abbeißen wollen.

Doch  Tony  unternahm  nichts,  um  das  betretene  Schweigen  zu
überbrücken. Plötzlich fühlte er sich wie auf der Pirsch, und sie
war seine Beute. Ihre Worte setzten neue Energien in ihm frei,
weckten ein Interesse, das er seit Langem nicht verspürt hatte.
Er  tat  jedoch  sein  Bestes,  um  diese  Gefühle  zu  ignorieren.  Ihr
Kompliment  war  nicht  wichtig  für  sein  Vorhaben  –  doch  es
erfüllte ihn mit männlichem Stolz. Er war sehr gespannt, was sie
als Nächstes sagen würde.

Sie  wandte  keinen  Blick  von  ihm.  „Das  stimmt.  Wie  gesagt

habe  ich  andere  Pläne  und  beabsichtige  nicht,  hinter  einem
Mann herzurennen, egal, wie anziehend er sein mag.“

Tony  lächelte.  „Das  ist  mit  ein  Grund,  warum  ich  Sie

ausgewählt  habe.  Sie  haben  mich  noch  kein  einziges  Mal  auf
eine sinnliche Art und Weise angesehen.“

„Ich glaube nicht …“

„Sie  wissen  schon,  was  ich  meine.  Ich  brauche  nicht  zu

befürchten, 

dass 

Sie 

meinen 

Vorschlag 

mit 

dem

Hintergedanken  annehmen,  mich  in  die  Falle  zu  locken,
stimmt’s?“

„Äh … ja.“

„Wie gesagt, ich bewundere Ihre Intelligenz. Mit uns beiden als

Eltern  wird  mein  Sohn  oder  meine  Tochter  in  dieser  Hinsicht
nicht  zu  kurz  kommen.  Außerdem  verfügen  Sie  über  eine
gehörige  Portion  gesunden  Menschenverstand.  Und  Sie  sind
kerngesund. In den beiden letzten Jahren haben Sie nicht einen

Page 19

background image

Tag im Geschäft gefehlt. Sie sind liebenswürdig und großzügig
–  alle,  die  Sie  kennen,  haben  das  bestätigt.  Und  Sie  haben
einen passenden Körperbau.“

„Einen passenden Körperbau?“

„Einen attraktiven Körperbau“, verbesserte er, während er den

Blick über ihre Beine gleiten ließ. „Ihre Beine sind wohlgeformt,
Ihre  Schultern  gestrafft,  Ihr  Rücken  gerade.  Sie  sind  nicht
besonders feingliedrig und doch sehr feminin. Sie neigen nicht
zu Übergewicht, aber Sie sind … kräftig. Falls ich eine Tochter
bekäme, brauchte ich mir keine Sorgen zu machen, dass sie zu
zierlich  werden  würde.  Solche  Frauen  mag  ich  nämlich  gar
nicht. Nein, sie hätte eine sehr ansprechende Figur. Genau wie
Sie.“

Unwillkürlich glitt sein Blick über ihre Brüste, die sich deutlich

unter  ihrem  schwarzen  Stretchkleid  abzeichneten.  „Ich  habe
einen kleinen Busen“, hörte Tony sie sagen.

Es  gelang  ihm,  gleichgültig  mit  den  Schultern  zu  zucken,

obwohl  er  im  Moment  alles  andere  als  desinteressiert  war.  Er
zwang  sich,  Olivia  wieder  ins  Gesicht  zu  sehen.  Ihr  Blick  war
herausfordernd,  und  er  musste  über  ihren Anflug  von  Eitelkeit
schmunzeln. „Überhaupt nicht. Sie sind … wohlproportioniert.“

Sie  lächelte  ihn  unsicher  an,  dann  blickte  sie  zur  Seite,  als

überdenke  sie,  was  er  gesagt  hatte.  Ihm  krampfte  sich  vor
Nervosität  der  Magen  zusammen.  Aber  da  war  noch  ein
anderes  Gefühl.  Es  war  geradezu  lachhaft,  doch  je  länger  er
sich mit ihr unterhielt, desto mehr mochte er sie. Sie hatte nicht
so  reagiert,  wie  es  die  meisten  Frauen  getan  hätten.  Sie  war
weder  zutiefst  schockiert  noch  außer  sich  vor  Empörung.  Und
sie wirkte auch nicht beleidigt. Allerdings ein wenig verwirrt und

Page 20

background image

nachdenklich.

„Warum  überlegen  Sie  sich  meinen  Vorschlag  nicht  übers

Wochenende  und  sagen  mir  am  Montag  Bescheid?  Falls  Sie
zustimmen,  können  wir  den  Arzt  aufsuchen,  mit  dem  ich
gesprochen habe, und noch vor meinem Geburtstag alles in die
Wege leiten.“

Sie verzog das Gesicht. „Eine künstliche Befruchtung, sagten

Sie?“

„Ja. Aber  soweit  ich  verstanden  habe,  ist  das  nicht  schlimm.

Ich liefere mein Sperma ab …“ Sie zog eine Braue hoch. „Sie
liefern Ihr Sperma ab?“

„Ja.“ Tony errötete und kam sich wie ein Idiot vor. „Wie genau

geht denn das vonstatten?“

„Lassen  Sie  das  nur  meine  Sorge  sein.“  Sein  schroffer  Ton

ließ sie leise auflachen. Ihm war noch nie aufgefallen, dass sie
Humor besaß, und er empfand ihr Lachen als sehr angenehm.
„Also, ich liefere mein Sperma ab, und dann …Na ja, ich … es
ist vermutlich nicht viel anders als bei einem Routinecheck. Statt
der gewohnten gynäkologischen Untersuchung wird Ihnen mein
Sperma übertragen – inseminieren nennt man das –, und dann
müssen wir abwarten, ob eine Befruchtung stattgefunden hat.“

Olivia  kaute  an  ihrer  Unterlippe,  ehe  sie  langsam  antwortete:

„Das klingt ziemlich … technisch.“

„Ich  gebe  zu,  das  ist  nicht  ganz  die  Art  und  Weise,  die  die

Natur vorgesehen hat, um eine Frau zu schwängern, aber es ist
auf jeden Fall unpersönlicher, und darauf kommt es mir in erster
Linie an.“

„Warum?“

Ihre unverblümte Frage verwirrte ihn. „Warum was?“

Page 21

background image

„Warum muss es so unpersönlich sein? Warum können Sie es

nicht einfach … tun?“

„Tun?“

Entrüstet  seufzte  sie  auf.  „Die  Frau  Ihrer  Wahl  auf  natürliche

Weise schwängern.“

Tony  verspürte  augenblicklich  ein  vertrautes  Ziehen  in  der

Leistengegend. Lust, verdammte Lust. Er schluckte. „Ich will das
Ganze  so  weit  wie  möglich  als  geschäftliche  Vereinbarung
behandeln. Sich nackt auszuziehen …“ Seine Erregung wuchs,
und  er  musste  sich  erst  einmal  räuspern.  „Mit  einer  Frau  zu
schlafen ist dagegen etwas sehr Persönliches.“

Olivia schien jetzt ganz entspannt und irgendwie entschlossen.

Tony  war  klar,  dass  sie  sein  Unbehagen  bemerkt  hatte  und
daraus  ihren  Vorteil  ziehen  würde  –  wie  jede  clevere
Geschäftsfrau. Sie nickte gespielt verständnisvoll. Dann lächelte
sie vielsagend. „Verstehe.“

„Das hoffe ich.“

„Ich glaube, ich nehme Ihren Rat an und denke über alles nach.

Sie sagten, Sie wollten meine Antwort nicht vor Montag?“

„Ich  …“  Er  hatte  keine Ahnung,  was  in  sie  gefahren  war.  Sie

verhielt  sich  nicht  so,  wie  er  es  erwartet  hatte  oder  wie  er  es
sich hätte vorstellen können. „Sie brauchen nicht bis Montag zu
warten, wenn Sie eher zu einer Entscheidung kommen.“

„Wie wär’s, wenn ich Ihnen morgen Abend Bescheid gebe?“

Er  nickte  und  zwang  sich  zu  einem  Lächeln.  Ihre  belustigte

Miene  verriet  ihm,  dass  er  ihr  nichts  vormachen  könnte  und
dass  sie  sein  Unbehagen  gründlich  genoss.  „Ich  gebe  Ihnen
meine Privatnummer.“

Page 22

background image

„Nein.  Ich  habe  den  Eindruck  gewonnen,  dass  die  fruchtbare

Frau, die Ihnen zu Diensten sein soll, nicht Ihr Privatleben stören
soll.“  Er  wollte  widersprechen,  doch  sie  kam  ihm  zuvor.  „Ich
gebe  Ihnen  stattdessen  meine  Nummer  –  meine  Privatsphäre
ist  ja  nicht  annähernd  so  bedroht  wie  Ihre.  Sie  können  mich
anrufen. Sagen wir, morgen Abend um sieben?“

Mit ihrem kleinen vorgereckten Kinn und ihrer hübschen Nase

hoch  in  der  Luft  sah  sie  stolz  und  unnachgiebig,  fast  arrogant
aus. Er fand sie wunderbar und nickte nur stumm, weil er sich
bereits  vorstellte,  wie  schön  sie  in  anderen  Umständen
aussehen  würde.  Sie  würden  gemeinsam  ein  bildhübsches,
gesundes Kind erschaffen. Sacht berührte er ihr Kinn. „Es wäre
mir übrigens egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen würde. Ich
weiß nicht mehr, ob ich Ihnen das gesagt habe.“

Sie lächelte. „Nein, das haben Sie nicht. Aber ich habe mir das

schon  gedacht.“  Dann  schrieb  sie  ihm  ihre  private
Telefonnummer auf.

„Ich hätte Ihre Nummer in meinen Unterlagen gehabt.“

„Nun brauchen Sie sie nicht herauszusuchen.“

Mittlerweile war Tony sehr verlegen, doch Olivia schien keine

derartigen Probleme zu haben.

„Ich  fahre  jetzt  nach  Hause,  denn  es  ist  schon  spät,  und  ich

habe eine Menge zu überlegen.“

„Ich werde ein guter Vater sein, Olivia.“ Das hatte er eigentlich

nicht  sagen  wollen.  Er  hatte  nicht  vorgehabt,  sie  davon  zu
überzeugen, was für ein guter Mensch er war. Aber er wünschte
sich so sehr ein Kind.

Auch diesmal machte sie sich nicht über ihn lustig.

„Das  habe  ich  nie  bezweifelt.“  Dabei  wirkte  sie  fast  traurig,

Page 23

background image

was  überhaupt  keinen  Sinn  ergab.  „Morgen  um  sieben,  Tony.“
Und dann war sie weg.

Page 24

background image

2. KAPITEL

Schlaflos  lag  Olivia  in  der  Nacht  im  Bett  und  verachtete  sich.

Sie war eine Betrügerin, jemand, der einen anderen Menschen
auf gemeinste Art und Weise ausnutzen wollte. Tony ahnte nicht,
mit was für einer Frau er es da zu tun hatte.

Seit  ihrem  sechzehnten  Lebensjahr  wusste  sie,  dass  sie  nie

Kinder  haben  würde. Aus  medizinischen  Gründen.  Damals  im
Krankenhaus,  nur  Stunden  vor  ihrem  Tod,  hatte  ihre  Mutter  ihr
die  näheren  Zusammenhänge  erklärt.  Sie,  Olivia,  würde  nie
Mutter werden können. Und so hatte sie ihr Geschäft zu ihrem
Lebensinhalt gemacht.

Olivia  spürte  Tränen  aufsteigen,  als  sie  sich  daran  erinnerte,

wie sie als ganz junges Mädchen ins Krankenhaus musste, weil
sie  starke  Bauchschmerzen  hatte  und  blutete.  Es  war
schrecklich gewesen, von einem Arzt untersucht zu werden. Sie
hatte sich so geschämt. Und dann, in den Tagen danach, waren
ihre  Eltern  so  still  gewesen,  so  bedrückt.  Heute  waren  ihr
Krankenhäuser  verhasst,  und  sie  ging  nur  zum  Arzt,  wenn  es
unbedingt sein musste.

Sie  hatte  geglaubt,  die  Vergangenheit  bewältigt  und  die

Wünsche,  die  sich  nicht  erfüllen  konnten,  begraben  zu  haben.
Doch Tonys Vorschlag hatte alles wieder aufgewühlt. Sie wollte
geliebt  werden,  Kinder  haben,  von  einem  ganz  besonderen
Mann als sinnliche Frau begehrt werden.

Die  ersten  beiden  Wünsche  hatten  keine  Aussicht  auf

Erfüllung, der dritte vielleicht.

Gerüchten zufolge sollte Tony ein fantastischer Liebhaber sein,

und deshalb hatte sie manchmal in ihm nur den Mann gesehen

Page 25

background image

und  ihren  eigenen  Fantasien  freien  Lauf  gelassen.  Schließlich
war sie trotz allem immer noch eine Frau. Aber sie hatte nie auf
eine intime Beziehung zu Tony gehofft oder eine solche wirklich
gewollt.

Bis sie von seinem Plan erfahren hatte,

Und  jetzt  konnte  sie  an  nichts  anderes  mehr  denken.  Tony

bewunderte  sie  offenbar,  und  das  war  immerhin  etwas.  Sie
mochte ihn, fand ihn attraktiv und sehr sexy. Und er wollte sie als
Mutter  seines  Kindes.  Das  war  wie  ein  kostbares  Geschenk,
das schönste aller Komplimente.

Tony  brauchte  nicht  zu  wissen,  dass  sie  unfruchtbar  war.  Sie

könnte  darauf  bestehen,  die  Sache  „natürlich“  anzugehen,  und
ihm  erlauben,  ein  paar  Wochen  lang  als  Mann  sein  Bestes  zu
geben.  Dann  würde  sie  ihm  sagen,  dass  es  nicht  geklappt
hatte.  Er  würde  seiner  Wege  gehen,  eine  andere  Frau
auswählen  und  innerhalb  seiner  gesetzten  Frist  sein  Baby
bekommen.  Dass  er  es  schaffen  würde,  bezweifelte  sie  keine
Sekunde. Es gab unzählige Frauen, die ihm diesen Wunsch nur
allzu gern erfüllen würden.

Aber  er  hatte  sie  angesprochen,  und  sie  konnte  ihm  nicht

einfach einen Korb geben. Noch nicht. Ihn so beiläufig darüber
reden zu hören, dass sie von ihm schwanger werden sollte, war
irgendwie sehr erregend gewesen. Lange verschüttete Gefühle
waren  in  ihr  aufgebrochen.  Und  als  sie  sich  vorgestellt  hatte,
was er tun musste, um sein Sperma „abzuliefern“, hatte sie ein
heißes  sinnliches  Prickeln  verspürt  und  gleichzeitig  große
Zärtlichkeit,  weil  er  sich  so  sehr  ein  Kind  wünschte.  Diese
beiden  Empfindungen  hatten  sozusagen  ihren  gesunden
Menschenverstand ausgeschaltet.

Page 26

background image

Tony  war  nicht  nur  ein  sehr  erfolgreicher  Geschäftsmann,  er

liebte auch seine Familie, während sie selbst nicht einmal eine
Familie hatte. Er war ein guter Mensch. Und sie hatte vor, ihn für
ihre eigenen Zwecke auszunutzen.

Sicher,  sie  war  eine  Betrügerin,  aber  sie  würde  dabei  ja

niemanden verletzen. Außer sich selbst.

Es war eine lange Nacht gewesen und ein noch längerer Tag.

Am Abend  war  Olivia  hochgradig  nervös. Als  ihr  Telefon  kurz
nach sieben läutete, sprang sie auf. Sie zwang sich, es viermal
klingeln  zu  lassen,  weil  sie  nicht  übereifrig  erscheinen  wollte.
Dann nahm sie ab.

„Olivia? Hier ist Tony.“

Sie  räusperte  sich.  „Oh,  hallo.“  Ihre  Stimme  klang  schrill.  Ja,

sie würde es wagen, sie würde die Gelegenheit ergreifen. Aber
natürlich  würde  sie  nichts  von  ihm  annehmen  außer  seiner
schon  gemachten  Zusage,  dass  sie  noch  eine  Boutique
eröffnen konnte. Sie würde keine Schuldgefühle haben, weil sie
durch  ihn  einen  finanziellen  Vorteil  gehabt  hätte.  Sie  wollte
nichts weiter als seinen Körper, und das nur für kurze Zeit.

„Hallo.“  Es  entstand  eine  Pause.  „Haben  Sie  sich

entschieden?“

Sie  atmete  tief  durch.  „Ja.  Aber  es  gibt  da  ein  paar

Bedingungen, die ich gern mit Ihnen besprechen würde.“

Sie  hörte,  wie  er  scharf  den  Atem  einsog.  „Heißt  das,  Sie

willigen ein?“

„Ja. Vorausgesetzt …“

„Schon gut. Was immer Sie wollen, es ist Ihnen gewährt!“

Es  war  nicht  zu  überhören,  dass  er  sich  riesig  freute,  weil  er

Page 27

background image

glaubte, in absehbarer Zukunft sein Baby zu bekommen. Olivia
verdrängte  ihre  Schuldgefühle.  „Vielleicht  sollten  Sie  sich  erst
einmal anhören, was ich will, ehe Sie zustimmen.“

„Egal, was es ist, ich kann es mir leisten. Ich weiß ja, dass Sie

nicht  geldgierig  sind  und  mich  kaum  in  den  Bankrott  treiben
werden.“

„Ich möchte den Arzt außen vor lassen.“

„Wie bitte?“

„Ich möchte die Sache natürlich angehen.“

„Natürlich?“

Er  klang  völlig  perplex,  und  sie  hätte  beinahe  frustriert

aufgestöhnt.  „Ja,  verflixt!  Sie  und  ich  …  so  wie  die  Natur  es
vorgesehen hat.“

Wieder Schweigen. „Tony?“

„Ich bin noch da.“

Olivia  hielt  den  Atem  an.  Sie  spürte,  dass  Tony  versuchte,

einen  klaren  Gedanken  zu  fassen.  Endlich  sagte  er:  „Würden
Sie mir erklären, warum?“

„Selbstverständlich. Es ist nur so …“

„Nein,  warten  Sie.  Das  ist  keine  Unterhaltung,  die  man  am

Telefon führt. Haben Sie Zeit?“

„Jetzt?“

„Ja, jetzt. Ich möchte nicht ins Bett gehen müssen, ohne Ihren

Vorschlag zu verstehen.“

„In  Ordnung.“  Olivia  war  ein  wenig  ratlos.  „Ich  könnte  mich

irgendwo mit Ihnen treffen.“

„Nein, ich hole Sie ab. Ich kenne Ihre Adresse. Sie steht …“

Page 28

background image

„In Ihren Unterlagen.“

„Ja. Ich komme, so schnell ich kann.“

Nachdem Tony aufgelegt hatte, eilte Olivia in ihr Schlafzimmer,

um  etwas  Passendes  anzuziehen.  Vor  ihrem  Kleiderschrank
hielt sie inne, weil ihr die Situation lächerlich vorkam. Was um
alles  in  der  Welt  wäre  wohl  das  passende  Outfit,  um  einem
Mann  zu  sagen,  dass  man  einverstanden  war,  sein  Kind  zu
bekommen, aber nur, wenn er einem als Gegenleistung höchste
Sinnenlust bereitete?

Besonders,  wenn  einem  bewusst  war,  dass  man  ihn  betrog

und  er  durch  diese  Abmachung  rein  gar  nichts  erhielt,  am
allerwenigstens das, was er eigentlich wollte: ein Baby.

Tony starrte ihre Wohnungstür an und wollte schon klopfen, als

er  die  Hand  wieder  sinken  ließ.  Verdammt,  warum  konnten
Frauen nie etwas auf die einfache Art und Weise tun? Er hatte
Olivia einen klaren Vorschlag gemacht, und sie hatte das Ganze
komplizieren  müssen,  indem  sie  ihn  bat,  mit  ihr  zu  schlafen.
Nicht  dass  ihm  das  schwerfallen  würde,  aber  er  wollte  keine
Beziehung. Er wollte von seinen einmal gefassten Plänen nicht
abweichen.

Und nun wollte Olivia Anderson – Geschäftsfrau par excellence

und Inhaberin zweier Boutiquen mit sexy Dessous – tatsächlich
mit ihm ins Bett gehen.

Wer  hätte  gedacht,  dass  sie  ihn  ausgerechnet  darum  bitten

würde? Sie war ihm immer ein Rätsel gewesen, aber dennoch
hatte  diese  Entwicklung  ihn  völlig  aus  dem  Konzept  gebracht.
Wenn er bei ihr in der Boutique war und dabei einen Blick auf
die  von  ihr  geführte  Reizwäsche  warf,  hatte  er  sich  manchmal
gefragt, ob sie selbst je diese winzigen Kreationen aus Spitze

Page 29

background image

und Seide trug. Es schien nicht zu ihr zu passen. Aber jetzt …

Dass sie ihn so sehr verwirrte, gefiel ihm ganz und gar nicht.

Andererseits  wollte  er  sich  auch  nicht  nach  einer  anderen
Kandidatin  für  sein  Vorhaben  umsehen  müssen.  Die  Zeit  lief
ihm davon.

Nein. Er hatte Olivia ausgewählt, verdammt, und er würde nicht

aufgeben, ohne wenigstens vernünftig mit ihr geredet zu haben.

Er fuhr sich mit einer Hand durchs Haar, und dann klopfte er.

Sofort gingen drei Türen auf. Olivia und zwei Nachbarn blickten
ihn  an,  die  letzteren  ausgesprochen  neugierig.  Das  hatte  ihm
gerade noch gefehlt.

Olivia lächelte schief. „Kommen Sie doch herein.“

„Nein.“  Er  warf  den  Nachbarn,  einem  älteren  Paar  und  einer

jüngeren  Frau  mit  Lockenwicklern,  finstere  Blicke  zu.  „Lassen
Sie uns lieber ein Stückchen mit dem Auto fahren.“

Olivia zögerte. „In Ordnung. Ich hole nur schnell meine Jacke.“

Tony  fluchte  leise.  Das  war  genau,  was  er  hatte  vermeiden

wollen.  Er  wollte  nicht,  dass  über  seine  Beziehung  zu  Olivia
spekuliert  wurde,  denn  er  hatte  nie  eine  Beziehung  zu  ihr
angestrebt.  Sein  einfacher,  männlich-genialer  Plan  hatte
vorgesehen, dass er ihr die Adresse des Arztes gab und dann
eine  Weile  später  von  ihr  Bescheid  erhielt,  ob  sie  schwanger
geworden  war.  Ganz  sicher  hatte  er  nicht  vorgehabt,  vor  ihrer
Wohnungstür  zu  stehen  und  sich  gleich  von  drei  Nachbarn
begutachten zu lassen.

Nachdem  Olivia  endlich  abgeschlossen  hatte,  nickte  sie

lächelnd  ihren  Nachbarn  zu.  „Hallo  Hilda,  Leroy,  Emma.  Das
hier  ist  Tony  Austin.  Sieht  so  aus,  dass  ich  bald  noch  eine
Boutique  in  einem  seiner  Hotels  eröffnen  kann.  Ist  das  nicht

Page 30

background image

fantastisch?“

Als sie schließlich auf die Straße traten, sagte Tony: „Das war

bestimmt das letzte Mal.“

„Was meinen Sie?“

„Dass  ich  Sie  abhole.  Das  führt  nur  zu  Spekulationen.  Wenn

wir nicht aufpassen, haben wir einen Skandal.“

Er hielt Olivia die Wagentür auf, doch sie stieg nicht sofort ein.

„Heißt  das,  dass  Sie  vorhaben,  sich  noch  einmal  mit  mir  zu
treffen? Dass Sie meinen Bedingungen zustimmen?“

Er  schlug  seinen  unverbindlichsten  Ton  an.  „Wir  werden

sehen.“ Dann schob er sie regelrecht auf den Beifahrersitz und
stieg selbst ein.

„Da gibt es nicht viel zu sehen, Tony. Mir gefällt die Idee einer

künstlichen Befruchtung nicht, das ist alles. Wenn Sie sich nicht
vorstellen  können,  mich  zu  berühren,  dann  gibt  es  auch  nichts
mehr zu bereden.“

Er  umklammerte  das  Lenkrad  mit  beiden  Händen,  biss  die

Zähne  zusammen.  Sie  berühren?  Schön,  er  würde  sie  gern
berühren  –  am  liebsten  sofort,  mit  seinen  Händen,  seinem
Mund,  seinem  ganzen  Körper. Aber  er  würde  es  nicht  tun.  Oh
nein. Berühren war keine gute Idee. Denn wenn er erst einmal
damit anfing, würde er so bald nicht mehr aufhören können und

„Tony?“

„Tun  Sie  mir  einen  Gefallen,  Olivia?  Seien  Sie  bitte  ein  paar

Minuten still, bis wir irgendwo parken, um Ihre … Bedingungen
zu besprechen.“

„In Ordnung.“

Page 31

background image

Sie  war  so  verdammt  einsichtig,  und  das  wurmte  ihn,  aber

wenigstens schwieg sie eine Weile und gab ihm so die Chance,
seine Lüsternheit wieder unter Kontrolle zu bringen.

Schließlich  fragte  sie  zögernd:  „Haben  Sie  die  Möglichkeit  in

Betracht  gezogen,  dass  ich  nicht  schwanger  werden  könnte?
Schließlich gibt es keine Garantie, dass es klappt. Wie viel Zeit
wollen  Sie  sich  für  den  Versuch,  mich  zu  schwängern,
zugestehen?“

Mit den fünf Minuten Ruhe, die sich Tony erbeten hatte, war es

schlagartig  vorbei.  Wie  kam  es  nur,  dass  er  völlig  nüchterne
Begriffe  wie  „schwängern“  auf  einmal  erotischer  fand  als  das
heißeste  Liebesgeflüster?  Vielleicht,  weil  sie  mit  seinem
Wunschtraum  zu  tun  hatten?  Noch  nie  hatte  er  sich  bei  einer
Frau vorgestellt, dass sie sein Kind unter dem Herzen trug, und
das  musste  der  Grund  sein,  warum  jedes  Wort  aus  Olivias
Mund ihn so tief erregte.

Er  räusperte  sich  und  hielt  den  Blick  auf  die  dunkle  Straße

gerichtet.  „Der  Doktor  meinte,  dass  mehrere  Versuche  nötig
sein könnten, ehe eine künstliche Befruchtung den gewünschten
Erfolg hat.“

„Und  wie  ist  es  auf  natürlichem  Weg?  Gibt  es  da  einen

zeitlichen Anhaltspunkt?“

„Das habe ich ihn nicht gefragt.“

„Das sollten Sie vielleicht.“

Tony  bog  von  der  Hauptstraße  auf  einen  unbefestigten  Weg

ab, der zu einem kleinen Park führte. Hier würden sie ungestört
reden können.

Auch wenn ihm ganz heiß war, ließ er den Motor laufen, denn

es  war  eine  kalte  Nacht  Anfang  November.  Nachdem  er  die

Page 32

background image

Scheinwerfer ausgeschaltet hatte, wandte er sich Olivia zu, um
das Thema aufzugreifen. Doch ihr Anblick ließ ihn innehalten.

Das Mondlicht, das sich über sie ergoss, brachte ihr dunkles

Haar  zum  Schimmern.  Ihre  Wimpern  warfen  lange,  zarte
Schatten auf ihre Wangen. Sie hielt den Blick auf ihre im Schoß
gefalteten Hände gesenkt. Irgendwie erschien sie sehr unsicher
… verletzlich. Das war er von ihr nicht gewohnt. Als sie hochsah,
überkam ihn einmal mehr tiefe Frustration.

Olivia war zwar die eleganteste Frau, die er kannte, aber sie

war keine klassische Schönheit. Er hatte sich in seinem Leben
mit attraktiveren Frauen verabredet, mit ihnen geschlafen, auch
einige längere Affären gehabt. Aber Olivia war die einzige Frau,
deren  Persönlichkeit,  Intelligenz  und  Wesensart  er  so  attraktiv
fand,  dass  er  sie  gebeten  hatte,  die  Mutter  seines  Kindes  zu
werden. Das war schon bemerkenswert.

„Ich  weiß,  meine  Bitte  klingt  absurd“,  sagte  sie  leise.

„Schließlich  könnten  Sie  jede  Frau  haben,  die  Sie  wollen,  und
es dürfte ja ziemlich klar sein, dass Sie keine Beziehung mit mir
wollen.  Das  ist  okay,  denn  ehe  Sie  mir  Ihren  Vorschlag
machten,  hatte  ich  eigentlich  auch  keine  Absichten  auf  Sie.“
Nervös verschränkte sie die Hände ineinander. „Aber wie schon
gesagt, bedeutet mir mein Beruf alles. Genau wie Sie möchte
ich im Moment keine Bindung. Deshalb erscheint mir die Idee ja
so perfekt. Ich habe mir nie die Zeit genommen oder die Mühe
gemacht, viele Männer kennenzulernen, und bin sehr vorsichtig,
was  intime  Kontakte  angeht.  Heutzutage  ist  es  ja  auch  nicht
ratsam,  sich  auf  schnellen  Sex  einzulassen.  Aber  eine  feste
Bindung  möchte  ich  eben  auch  nicht.  Deshalb  dachte  ich,  wir
könnten  bei  einem  Arrangement,  wie  es  mir  vorschwebt,
vielleicht beide bekommen, was wir wollen.“

Page 33

background image

Völlig sprachlos suchte Tony ihren Blick. Sie konnte ihm doch

unmöglich  vorschlagen,  was  er  verstanden  zu  haben  glaubte.
„Ich möchte ein Baby. Und Sie, Olivia?“

Mit abgewandtem Gesicht bekannte sie leise: „Ich möchte eine

heiße,  unvergessliche Affäre.  Zwei  Wochen  lang.  Wenn  ich  in
dieser  Zeit  schwanger  werde,  bekommen  Sie  das  Baby,  und
wir  verfahren  so,  wie  Sie  es  geplant  haben.  Wenn  ich  nicht
schwanger werde, gehe ich meiner Wege, und Sie können sich
eine Frau suchen, die sich als fruchtbarer erweist. Sie schulden
mir  nichts.  Im  Gegenteil,  ich  werde  mich  als  reichlich  belohnt
betrachten.“

„Reichlich belohnt? Mit Sex? Sie hören sich an wie eine …“

„Eine Frau, die verzweifelt ist? Vermutlich bin ich das.“ Endlich

sah sie ihn an. „Ich möchte wissen, wie es ist, mit einem Mann
zusammen  zu  sein.  Aber  ich  muss  diesem  Mann  vertrauen
können,  sowohl  in  Bezug  auf  meine  Sicherheit  als  auch  auf
meine  Gesundheit.  Ich  denke,  Sie  sind  der  geeignete
Kandidat.“

Tony  runzelte  die  Stirn.  „Olivia,  Sie  sind  doch  wohl  keine

Jungfrau mehr, oder?“

„Nein, aber fast.“ Sie hielt zwei Finger hoch.

„Sie hatten bisher Sex mit zwei verschiedenen Männern?“

„Nein,  ich  hatte  zweimal  Sex.  Mit  dem  gleichen  Mann  oder

besser, Jungen. Und beide Male waren sehr enttäuschend.“

„Was hat er denn falsch gemacht?“

„Da  bin  ich  mir  nicht  sicher,  weil  ich  es  ja  noch  nicht  richtig

erlebt  habe.  Wir  waren  beide  praktisch  voll  angezogen,
eingezwängt auf dem Rücksitz seines Wagens, und er stöhnte
viel. Die ganzen drei oder vier Minuten lang. Ununterbrochen.“

Page 34

background image

„Tja …“ Tony musste ein Lachen unterdrücken. „Ich glaube, das

kann ich besser.“

„Das will ich hoffen.“

Ihr ernsthafter Ton brachte ihn nun doch zum Lachen. „Ich kann

mich  nicht  erinnern,  dass  mich  je  eine  Frau  unumwunden
gebeten hat, sie sexuell zu befriedigen. Sie machen mir richtig
Angst, wissen Sie das?“

„Das  möchte  ich  nicht.  Und  ich  möchte  auch  nicht  meinem

Partner  von  damals  –  wir  gingen  gemeinsam  aufs  College  –
allein  die  Schuld  an  meiner  negativen  Erfahrung  geben.  Wenn
ich auf die Idee gekommen wäre, ihm zu sagen, was mir gefällt
und  was  nicht,  dann  wäre  es  bestimmt  schöner  für  mich
geworden.  Aber  jetzt,  da  Sie  sich  mir  praktisch  auf  dem
Silbertablett präsentiert haben, kann ich ja hoffen, dass ich mehr
Gefallen an der Sache finden werde. Schließlich stehen Sie in
dem Ruf, die kühnsten Erwartungen zu erfüllen.“

Über seinen Ruf wollte er keinesfalls mit ihr diskutieren. Wenn

sie  auf  Klatsch  etwas  gab  …  Na  ja,  wenigstens  schien  er
schmeichelhaft ausgefallen zu sein. Tony seufzte. „Ich weiß nicht
recht, Olivia. Das könnte auch ins Auge gehen.“

„Sie  fürchten,  ich  könnte  Ihren  beeindruckenden  Praktiken

verfallen,  beschließen,  nicht  mehr  ohne  sie  oder  Sie  selbst
leben zu können und auf eine Heirat drängen?“

Damit brachte sie die Sache fast auf den Punkt. Nicht dass er

seine Liebestechniken für besonders beeindruckend hielt. Aber
er  wusste,  dass  Frauen  Sex  allzu  oft  mit  Liebe  verwechselten.
Er musste ihr das klarmachen …

„Ich  verstehe  Sie,  Tony.  Ich  hatte  auch  Bedenken,  wenn  auch

aus anderen Gründen. Im Moment wollen Sie nur ein Baby. Aber

Page 35

background image

wenn Sie miterleben, wie sich der Körper der Frau während der
Schwangerschaft verändert – verursacht durch Ihr Baby –, sind
Sie sicher, dass Sie Ihre Zuneigung für das Kind nicht auf die
Mutter übertragen?“

„So  war  es  nicht  geplant.  Ich  hatte  nicht  vor,  irgendwelche

Veränderungen mitzuerleben.“

„Nein?  Aber  soweit  ich  weiß,  sind  gerade  diese

Veränderungen  das  Faszinierende  an  einer  Schwangerschaft.
Sie  wollen  nicht  fühlen,  wie  sich  Ihr  Baby  im  Bauch  der  Mutter
bewegt?  Sie  wollen  nicht  bei  Ultraschalluntersuchungen  dabei
sein?  Ich  habe  einmal  einen  Bericht  im  Fernsehen  darüber
gesehen.  Es  war  unglaublich.  Alles  war  genau  zu  erkennen.
Sogar die einzelnen Fingerchen und Zehen.“

Tony begann der Kopf zu schwirren. „Ich glaube … ich glaube,

ich muss noch über so einiges nachdenken.“

„Entschuldigung. Jetzt habe ich Sie durcheinandergebracht.“

„Nein,  keineswegs.  Es  ist  nur  so,  dass  sich  alle  meine

Überlegungen auf die Zeit nach der Geburt konzentriert haben.
Aber  natürlich  will  ich  die  Schwangerschaft  miterleben.“  Er
betrachtete 

sie 

eingehend. 

„Würde 

es 

Ihnen 

etwas

ausmachen?“

„Was meinen Sie?“

„Wenn ich Sie genau beobachten würde? Und teilhaben würde

an 

den 

Veränderungen 

Ihres 

Körpers 

während 

der

Schwangerschaft?“

Sie schwieg eine ganze Weile, während sie nervös am Revers

ihrer Jacke herumzupfte. „Nein, es würde mir nichts ausmachen.
Wenn Sie das gern möchten – und wenn ich schwanger werde.“

„Olivia, es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. Sie sind eine

Page 36

background image

gesunde  junge  Frau  im  besten  gebärfähigen  Alter.  Ich  selbst
habe mich untersuchen lassen, und der Arzt hat mir versichert,
dass ich imstande bin, ein Kind zu zeugen.“

Olivia holte tief Luft und streckte ihm dann die Hand hin. „Also,

sind wir uns handelseinig?“

Er war so tief erregt, dass seine Hand zitterte, als er einschlug,

und  seine  Stimme  klang  ganz  heiser.  „Ja,  wir  sind  uns
handelseinig.“

„Wann fangen wir an?“

Sie  hätte  genauso  gut  sagen  können:  Wann  willst  du  mich

nackt  sehen  und  mich  berühren,  denn  die  Wirkung  war  die
Gleiche. Er konnte kaum atmen, als ihm die erotischsten Bilder
durch den Kopf schossen. „Ich denke, Sie sollten herausfinden,
wann Sie …“, er schluckte, „… wann Sie empfängnisbereit sind.
Führen Sie einen Kalender?“

„Natürlich.  Das  tun  die  meisten  Frauen,  um  keine  bösen

Überraschungen  zu  erleben.  Wie  wär’s,  wenn  ich  Ihnen
Bescheid gebe, und dann sehen wir, welcher Termin uns beiden
am besten passt?“

Es  irritierte  ihn  über  alle  Maßen,  dass  sie  derart  ruhig  und

geschäftsmäßig  reden  konnte,  nachdem  sie  ihm  praktisch
befohlen  hatte,  sie  so  zu  lieben,  dass  es  ein  unvergessliches
Erlebnis für sie würde. Weil er sich bereits in den schillernsten
Farben ausmalte, was er alles mit ihr machen würde, brachte er
kaum eine Antwort heraus. „Ja, in Ordnung.“

„Ich  ermittle  also  den  günstigsten  Zeitpunkt  für  eine

Empfängnis und rufe Sie dann an.“

„Und notieren Sie jetzt bitte meine Privatnummer, Olivia. Ich will

Ihren Anruf nicht verpassen, falls ich nicht im Büro bin, wenn …

Page 37

background image

wenn Sie bereit sind.“

Ihr  Lächeln  wirkte  jetzt  zuversichtlich  und  ging  ihm  durch  und

durch. „Wie Sie wollen, Tony.“

Tony  schluckte.  Was  sie  wohl  sagen  würde,  wenn  sie  erst

splitternackt unter ihm lag. Er verfiel in Schweigen, weil er nicht
wusste,  was  er  noch  hätte  sagen  sollen.  Er  war  entschlossen,
die  Sache  so  schnell  wie  möglich  hinter  sich  zu  bringen.  Das
war die einzige Möglichkeit, um nicht den Verstand zu verlieren.

Den  ganzen  Sonntag  über  beschäftigte  sich  Olivia  mit  dem

Thema  Empfängnis.  Obwohl  sie  keinen  regelmäßigen  Zyklus
hatte und wusste, dass sie nicht schwanger werden würde, so
musste sie doch ein paar nähere Angaben machen, damit Tony
keinen Verdacht schöpfte.

Als  sie  beschlossen  hatte  zu  sagen,  das  kommende

Wochenende  sei  ihre  beste  Zeit,  um  schwanger  zu  werden,
wurde  sie  von  Vorfreude  gepackt  und  gleichzeitig  von
Schuldgefühlen  und  Selbstzweifeln  gequält.  Sie  schüttelte  sie
ab.

Am  Montag  traf,  wie  versprochen,  der  neue  Vertrag  ein,  und

sie nahm ihn zum Anlass, um Kontakt zu Tony aufzunehmen.

Nachdem sie den Vertrag von ihrem Anwalt hatte durchsehen

lassen und ihn selbst noch einmal überprüft hatte, griff sie zum
Telefon  und  vereinbarte  über  Tonys  Sekretärin  einen  Termin
zum  Lunch.  Inzwischen  war  es  Mittwochmorgen,  also  gerade
vier  Tage  nach  ihrer  Vereinbarung  mit  Tony,  und  doch  schien
das Olivia eine Ewigkeit her zu sein.

Wie  sie  gehofft  hatte,  rief  seine  Sekretärin  zurück  und

bestätigte,  dass  Tony  es  einrichten  könne,  sie  in  ihrem
Stammrestaurant  zu  treffen.  Dort  hatten  sie  sich  schon  des

Page 38

background image

Öfteren  verabredet,  um  Geschäftliches  zu  besprechen.  Doch
heute  war  es  etwas  anderes.  Mit  dem  Vertrag  in  ihrer
Aktentasche und einem Buch über Empfängnis verließ Olivia ihr
Büro. Sie lächelte erwartungsvoll.

Tony war bereits da, als Olivia das Restaurant betrat. Er hatte

einen  etwas  abseitsstehenden  Tisch  gewählt,  damit  sie
ungestört  waren.  Sie  zwang  sich,  Tony  in  normalem,
geschäftsmäßigem  Ton  zu  begrüßen.  Er  wandte  keinen  Blick
von ihr.

Nachdem sie bestellt hatten, fragte er: „Gibt es Probleme mit

dem Vertrag, den ich Ihnen geschickt habe?“

Olivia  winkte  ab.  „Nein,  wir  haben  lediglich  ein  paar  kleinere

Änderungen vorgenommen.“

„Sie  haben  immer  Änderungswünsche,  Olivia,  aber  meistens

keine kleinen.“

Sie  grinste.  Er  hatte  recht.  Aber  sie  war  nun  einmal  eine

knallharte  Geschäftsfrau  und  sie  war  sehr  stolz  darauf.  „Sie
können  doch  nicht  von  mir  erwarten,  Tony,  dass  ich  blind
unterschreibe.  Der  überarbeitete  Vertrag  ist  viel  günstiger  für
mich. Sie werden sehen.“

Er  lächelte  sie  an.  „In  diesem  speziellen  Fall  hätten  Sie  gar

nicht Ihren Anwalt zu bemühen brauchen. Ich sagte Ihnen doch,
ich würde Ihnen bewilligen, was immer Sie wollen.“

„Nein.“

„Bitte?“

Olivia wollte das ganz klarstellen. Es quälte sie schon genug,

dass  sie  ihn  emotionell  ausnutzte.  Das  konnte  sie  unmöglich
auch  noch  in  geschäftlicher  Hinsicht  tun.  „Ich  möchte,  dass  wir
den Vertrag über die Boutique separat behandeln. Er hat nichts

Page 39

background image

mit  der  anderen  …  Vereinbarung  zu  tun.  Sehen  Sie  ihn  durch
wie  jeden  anderen  Vertrag  auch  und  geben  Sie  mir  dann
Bescheid.“

„Und  Sie  werden  nachgeben,  falls  ich  nicht  mit  Ihren

Änderungen einverstanden bin?“

„Auf keinen Fall.“ Sie grinste ihn erneut an. „Ich werde wohl hart

verhandeln müssen, falls Sie nicht zustimmen.“

Er warf ihr einen amüsierten Blick zu. „Möchten Sie noch etwas

mit mir besprechen, Olivia?“

Es  war  klar,  worauf  er  hinauswollte.  Sie  legte  ihre  Gabel  aus

der  Hand  und  schob  ihren  Salatteller  beiseite.  Dann  nahm  sie
den  schmalen  Band  über  Empfängnis  aus  ihrer  Aktenmappe
und schlug eine Seite auf, die sie markiert hatte.

Tony beobachtete sie sprachlos.

„Ich habe mich in unser neuestes Projekt eingelesen. Wie es

scheint,  ist  das  kommende  Wochenende  meine  beste  Zeit.
Nach  meinem  Kalender  sollte  ich  am  Sonnabend  meinen
Eisprung haben, plus oder minus einem Tag.“

„Das heißt, Sie erwarten Ihre nächste Regel in zwei Wochen?

Genau zum Ende der von Ihnen gesetzten Frist?“

Ihre  Frist.  Entweder  war  sie  bis  dahin  schwanger,  oder  die

Vereinbarung war nichtig. Beinahe hätte Olivia angesichts ihrer
eigenen Dreistigkeit aufgestöhnt.

„So  ist  es.“  In  Wahrheit  hatte  sie  sich  diesen  Termin  einfach

ausgedacht,  genau  wie  die  Frist.  Sie  würde  nicht  schwanger
werden,  nicht  mit  nur  einem  Eierstock.  Und  ihre  Periode  war
unregelmäßig,  blieb  oft  ganz  aus,  also  gab  es  eigentlich  auch
keinen zeitlichen Rahmen. Man konnte nicht schwanger werden,
wenn  man  keinen  Eisprung  hatte,  eine  Tatsache,  mit  der  sie

Page 40

background image

leben musste.

Olivia  sah  Tony  an.  Trotz  ihrer  Verlegenheit  war  sie

entschlossen,  die  Sache  durchzuziehen.  Tony  hatte  ihren
Vorschlag nur sehr zögernd zugestimmt, und falls das die große
romantische Affäre ihres Lebens werden sollte, dann wollte sie,
dass  er  mit  ganzem  Herzen  dabei  war.  Also  hatte  sie  ihr
Vorhaben  gut  geplant.  Bis  sie  miteinander  schlafen  würden,
wäre Tony mehr als bereit; er wäre versessen darauf.

Sie  atmete  tief  durch.  „Ich  denke,  ich  kann  mich  für  ein  paar

Tage freimachen. Wie steht es mit Ihnen?“

„Ein paar Tage?“

„Ja,  natürlich.“  Olivia  warf  ihm  einen  irritierten  Blick  zu.

„Diesem  Buch  hier  zufolge  muss  man  sich  schon  viel  Zeit
nehmen. Hören Sie zu. ‚Das Paar sollte wenigstens zweimal im
Abstand von sechs Stunden Verkehr haben.‘ Sehen Sie? Es hat
keinen  Zweck,  die  Sache  anzugehen,  wenn  wir  nicht  mit  der
richtigen Einstellung darangehen. So etwas kann man nicht so
nebenbei erledigen.“

„Ich, äh …“

„Da wäre noch etwas.“

Tony zog die Brauen hoch, unfähig, sich zu äußern.

„Hier  steht,  dass  der  Mann  bis  zum  günstigsten  Zeitpunkt  für

eine Empfängnis keinen Sex haben soll, damit möglichst viele
lebensfähige  Spermien  gebildet  werden.“  Sie  hielt  inne  und
trank einen Schluck Tee. Dann blickte sie ihm in die Augen. Sie
kam sich wie eine Hochstaplerin vor, war aber nach wie vor fest
entschlossen.  Das  war  ihre  ganz  große  Chance.  „Sie  sollten
also enthaltsam leben, bis wir miteinander schlafen. Ist das ein
Problem?“

Page 41

background image

„Nein.“

„Gut.“  Olivia  wollte  sich  nicht  eingestehen,  wie  erleichtert  sie

war,  und  sie  wollte  erst  recht  nicht,  dass  Tony  das  merkte.
Daher  blätterte  sie  eine  Seite  weiter.  Weil  das  die  Seite  war,
auf  der  sie  etliche  Zeilen  markiert  hatte,  wollte  sie  das  Buch
schnell schließen, doch Tony hielt seinen Finger dazwischen.

„Noch mehr interessante Fakten, auf die Sie gestoßen sind?“

Seine Stimme klang tiefer als sonst und ein wenig heiser.

Olivia vermied es, ihn anzuschauen. „Ja, ein paar.“

„Treffen  sie  auf  uns  zu?“  Als  sie  stumm  nickte,  drängte  er:

„Bitte klären Sie mich auf.“

„Vielleicht sollte ich Ihnen das später …“

„Aber ich sterbe vor Neugierde.“

„Na schön.“ Sie nahm das Buch zur Hand und räusperte sich

umständlich. Sie hatte schon mehr als eine schwierige Situation
durchgestanden, ohne die Haltung zu verlieren. „Also hier steht:
‚Um  die  Chancen  auf  Erfolg  zu  erhöhen,  sollte  die  Frau
anschließend  ein  paar  Minuten  ruhig  auf  dem  Rücken  liegen
bleiben,  am  besten  noch  mit  dem  Mann  verbunden  und  mit
angezogenen  Knien,  damit  sich  das  Sperma  vor  dem
Gebärmutterhals sammelt.‘“

Tony,  der  gerade  einen  Schluck  Wasser  getrunken  hatte,

verschluckte sich prompt.

Olivia war mit seiner Reaktion zufrieden. Wenn es ihr gelang,

ihn immer wieder zu überrumpeln, dann würde er keine Chance
haben,  ihre  Motivation  zu  hinterfragen  und  ihre  Gemeinheit
aufzudecken.  „Sicher  wissen  Sie  das  alles  schon.  Es  war  ja
schließlich Ihre Idee.“

Page 42

background image

„Nein.“ Er schüttelte energisch den Kopf. „Meine Idee sah nicht

vor, ein paar Minuten länger mit Ihnen verbunden zu bleiben.“

„Sie finden die Vorstellung abstoßend?“ Sie tat ihr Bestes, um

beleidigt  dreinzusehen,  denn  ihr  war  klar,  dass  seine Abwehr
nichts mit Widerwillen gegen sie als Frau zu tun hatte, sondern
mit  dem  Thema  ihres  Gesprächs.  „Ihnen  wäre  es  natürlich
lieber, ich läge auf einem sterilen Tisch und ein Arzt im weißen
Kittel würde sich mit einer Spritze an mir zu schaffen machen.“

„Olivia  …“  Tony  ergriff  ihre  Hand.  „Ich  glaube  nicht,  dass  Sie

eine Ahnung davon haben, wie das alles auf mich wirkt. Ich bin
auch nur ein Mann und so eine Art Unterhaltung nicht gewöhnt.“

Seine Hand fühlte sich wunderbar an. Olivia schloss die Augen

und  wurde  sofort  von  neuerlichen  Schuldgefühlen  gepackt.  Sie
führte  ihn  zu  ihrem  eigenen  Vorteil  gnadenlos  an  der  Nase
herum, und er litt sichtlich darunter. „Tut mir leid. Ich sollte Ihnen
nichts mehr vorlesen. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich auch ein
wenig  unbehaglich.  Also  versuche  ich,  mit  dem  Thema  so
sachlich umzugehen wie möglich, damit wir es rein geschäftlich
betrachten können.“

„Ich weiß, und ich habe Verständnis dafür.“ Zögernd ließ er ihre

Hand  los  und  lehnte  sich  zurück.  Sein  Blick  wirkte  hitzig  und
sehr intensiv. „Aber ich glaube nicht, dass es funktionieren wird,
Olivia.“

Page 43

background image

3. KAPITEL

Olivia  geriet  fast  in  Panik.  Hatte  sie  Tony  zu  sehr  gedrängt?

„Sie wollen das Ganze abblasen?“

„Nein!  Aber  ich  glaube  nicht,  dass  es  mir  möglich  ist,  die

Sache  so  nüchtern  anzugehen.  In  den  letzten  Tagen  habe  ich
viel darüber nachgedacht, und ich glaube einfach nicht, dass ich
mit einer Frau schlafen kann, die ich kenne und bewundere, und
so  tun  kann,  als  sei  das  nicht  im  Mindesten  intim.  Allerdings
könnten  wir  darüber  hinwegkommen,  wenn  wir  uns  beide
bemühen.“

„Ich bin nicht sicher, ob ich Sie verstehe.“ Wenigstens machte

er keinen Rückzieher, und allein das zählte.

„Wir  sollten  das  Ganze  als  eine  Art  Abenteuer  betrachten.

Solange  wir  unsere  Begegnungen  auf  den  …  äh  …  Akt
beschränken,  sollte  es  uns  möglich  sein,  die  Dinge  unter
Kontrolle zu halten.“

„Verstehe.  Keine  Freundschaftsbesuche  zwischen  unseren

Terminen.“

„Genau.  Wir  treffen  uns,  wenn  es  nötig  ist,  um  unsere

Vereinbarung  zu  erfüllen,  aber  ansonsten  bleibt  unsere
Beziehung, wie sie ist.“

„Nämlich rein geschäftlich.“

„Ja.“

Olivia  spielte  mit  ihrer  Gabel  herum.  Es  war  geradezu

lächerlich,  aber  sie  fühlte  sich  gekränkt.  „Das  entspricht  auch
ganz  meinen  Vorstellungen.  Ich  genieße  Sie  und  Ihre
Liebeskünste,  während  Sie  Ihr  Bestes  geben,  um  mich  zu
schwängern.“ Die Szene, die sie sich dabei vorstellte, nahm ihr

Page 44

background image

den Atem. „Ansonsten habe ich, wie Sie sich erinnern werden,
keine Zeit für unnütze Rendezvous.“

Es schien, als wolle Tony dazu noch etwas sagen, doch dann

schüttelte er den Kopf und meinte nur: „Schön, dann wären wir
uns also einig. Und kommendes Wochenende passt mir auch.
Sollen wir am Freitagabend anfangen?“

„Ich bin an diesem Tag in der Boutique in Southend und hätte

ab sechs Zeit.“

„Wunderbar. Ich werde etwas für uns arrangieren, sodass wir

ungestört  sind,  und  Sie  dann  abholen.  So  werden  wir  nicht  in
der  Öffentlichkeit  zusammen  gesehen,  was  meiner  Meinung
nach wichtig ist.“

Olivia war eher an körperlicher Nähe interessiert, nickte aber.

„Das  wäre  mir  auch  lieb.  Ich  will  keinen  Skandal
heraufbeschwören.“

Er  lachte  leise.  „Im  Gegensatz  zu  mir  brauchen  Sie  sich

wenigstens  nicht  zu  sorgen,  dass  Ihre  Familie  Wind  davon
bekommt. Alle meine Verwandten wohnen hier in der Nähe, und
alle  glauben,  sie  müssten  mein  Leben  ordnen.  Beim  leisesten
Verdacht  eines  Skandals  erscheinen  sie  jedes  Mal  alle  in
meinem Haus, bereit, sich tatkräftig einzumischen.“

„Und  unser  Vorhaben  bietet  nun  wirklich  die  beste

Voraussetzung zu einem Skandal.“

„Dann hätte meine Familie ihren ganz großen Tag.“

Olivia  war  fasziniert.  Sie  hatte  oft  überlegt,  wie  Tony  wohl

aufgewachsen  war,  da  sie  selbst  ja  überhaupt  keine  Familie
hatte. Sie nahm an, dass seine Verwandten ebenso nett waren
wie er. „Ihre Familie weiß also nichts von Ihren Plänen?“

Page 45

background image

„Himmel,  nein. Altmodisch,  wie  sie  alle  sind,  halten  sie  strikt

daran fest, alles in der richtigen Reihenfolge zu tun.“

„Also zuerst heiraten?“

„Genau.“ Er grinste spitzbübisch. „Sie alle bemühen sich eifrig,

mich  zu  verheiraten.  Jeder  hat  mindestens  schon  drei
hoffnungsvolle Bräute angeschleppt. Ich kann ihnen einfach nicht
verständlich  machen,  dass  ich  die  Wahl  gern  selbst  treffen
würde.“

Plötzlich  merkte  Olivia,  dass  sie  bereits  gegen  ihre  eben

aufgestellten  Verhaltensregeln  verstoßen  hatten.  Näheres  über
Tonys  Familie  zu  erfahren  ging  eindeutig  über  das  rein
Geschäftliche hinaus und war zudem gefährlich. Denn je besser
sie  ihn  kennenlernte,  desto  faszinierender  erschien  er  ihr.  Sie
hatte  nicht  lange  gebraucht,  um  in  ihm  einen  sehr  attraktiven
Mann  zu  sehen  und  ihn  zu  begehren.  Ihre  Gefühle  für  ihn
schienen sich rasch zu vertiefen. Oder vielleicht waren sie auch
schon  immer  da  gewesen  und  hatten  nur  darauf  gewartet,
entdeckt zu werden.

Diese Möglichkeit machte ihr Angst. Weder in beruflicher noch

in  privater  Hinsicht  konnte  sie  es  sich  leisten,  sich  zu  sehr  auf
ihn  einzulassen.  Deshalb  brachte  sie  das  Gespräch  auf  ein
weniger vertrauliches Thema.

Sie diskutierten über die neue Boutique und den Vertrag, und

als ihr Lunch zu Ende ging, versprach Tony, seinen Anwalt den
Vertrag  mit  den  von  Olivia  gewünschten  Änderungen
ausfertigen zu lassen und ihn ihr umgehend zuzustellen. Zudem
hatten sie sich das Du angeboten. Schließlich kannten sie sich
als Geschäftspartner schon lange genug.

Dann  standen  sie  vor  dem  Restaurant,  und  Tony  berührte

Page 46

background image

Olivia am Arm. „Dann bis Freitag um sechs.“

„Ich werde bereit sein.“

„Ich hoffe, du weißt, worauf du dich da eingelassen hast.“

Olivia hielt seinem Blick stand und nickte stumm.

„Gut.  Denn  ich  glaube,  ich  werde  die  Kontrolle  verlieren,

sobald die Tür hinter uns ins Schloss gefallen ist. Du hast dich
weit aus dem Fenster gelehnt, Lady. Gefordert, dass ich dir Lust
bereite  und  mir  viel  Zeit  dafür  nehme.“  Er  hob  die  Hand  und
strich  ihr  mit  dem  Finger  über  die  Wange,  nur  ganz  flüchtig.
„Freitagabend  wirst  du  feststellen,  dass  ich  auch  ein  paar
Wünsche anzumelden habe.“

Lächelnd sah Olivia ihm nach, als er zu seinem Wagen ging.

„Oh, das hoffe ich sehr“, flüsterte sie.

Nachdem  sie  sich  kaum  auf  ihre  Arbeit  hatte  konzentrieren

können,  fuhr  Olivia  am  späten  Freitagnachmittag  nach  Hause,
um  zu  duschen  und  sich  umzuziehen.  Es  fiel  ihr  nicht  leicht,  in
ihrem Schrank etwas Passendes zu finden, denn es sollte nicht
zu  offensichtlich  sein,  dass  sie  gefallen  wollte.  Als  sie  in  ihre
Boutique  zurückkehrte,  blieb  nicht  mehr  viel  Zeit,  bis  Tony  sie
abholen würde.

Sobald ihre Filialleiterin gegangen war, machte sie sich daran,

Bewerbungen  neuer  Mitarbeiterinnen  für  die  neue  Boutique
durchzusehen.

Doch schon bald kreisten ihre Gedanken wieder um Tony. Auf

einmal  fand  sie  ihr  schlichtes  zweiteiliges  Kleid  aus
beigefarbener Wolle doch nicht schick genug. Als sie sich aber
vorstellte, wie er die Perlmuttknöpfe des Tops einen nach dem
anderen aufknöpfte, erschauerte sie wohlig.

Statt  einer  Strumpfhose  hatte  sie  hauchzarte  Strümpfe  und

Page 47

background image

Strapse aus zartrosa Satin gewählt. Ihre Pumps mit mittelhohen
Absätzen brachten ihre Beine bestens zur Geltung. Ihr Haar trug
sie offen, sodass es ihr auf die Schultern fiel.

Vielleicht  wäre  ich  weniger  nervös,  dachte  Olivia,  wenn  ich

etwas  Gewagteres  angezogen  hätte.  Wenn  sie  sexy  Wäsche
trug, fühlte sie sich meistens besonders selbstsicher.

Sie trat an einen der Ständer und nahm einen Teddy zur Hand,

der 

ausgesprochen 

verführerisch 

war 

mit 

seinen

Spitzenrosetten  über  den  Brüsten  und  zwischen  den  Beinen.
Sie befühlte das seidige Material und musste tief durchatmen,
als  sie  sich  ausmalte,  wie  Tony  es  durch  seine  Hände  gleiten
ließ.

Als die Ladenglocke bimmelte, fuhr sie herum.

Es  war  Tony.  Er  kam  geradewegs  zu  ihr  herüber,  denn  sie

blieb  wie  angewurzelt  neben  dem  Ständer  stehen,  den  Teddy
noch immer in der Hand.

Tony  ließ  den  Blick  über  sie  gleiten  und  starrte  dann  auf  das

zarte Gebilde in ihrer Hand. „Sind wir allein?“

Sie nickte. „Ich wollte gerade schließen …“

Sacht legte er ihr einen Finger auf den Mund. Er lächelte nicht

zur  Begrüßung,  sondern  sah  sie  nur  entschlossen  und
ausgesprochen begehrlich an. Er schob eine Hand in ihr Haar
und trat näher. Und dann küsste er sie.

Das Warten hatte sich gelohnt.

Tony konnte sich nicht entsinnen, je derart versessen auf eine

Frau  gewesen  zu  sein.  Energisch  und  zielstrebig  wie  sie  nun
einmal  war,  hatte  Olivia  ihn  gründlich  verführt.  Er  hätte  nie
gedacht,  dass  ihre  geschäftliche  Verhaltensweise  sich  auf
etwas  so  Persönliches  übertragen  ließ.  Eigentlich  wusste  er

Page 48

background image

verdammt wenig über sie privat …

Zum Beispiel, ob sie selbst solche sexy Dessous trug wie den

Teddy, den sie da in der Hand hielt.

Er würde es bald herausfinden.

Die  Vorstellung,  dass  sie  ihn  begehrte,  hatte  ihm  die  ganze

Woche über keine Ruhe gelassen, und es hatte ihn große Mühe
gekostet,  sich  zu  beherrschen.  Er  wollte  einen  heißen,  intimen
Abend mit ihr, und dann wäre er wohl in der Lage, sie sich aus
dem Kopf zu schlagen und sich wieder ganz auf den Grund zu
besinnen, weswegen er mit ihr zusammen war. Aber, verflixt, sie
schmeckte so gut.

Sie  widersetzte  sich  ihm  nicht,  reagierte  nicht  schockiert  auf

seinen Kuss. Sie stand einfach da und ließ ihm seinen Willen.
Er  eroberte  erneut  ihren  Mund,  strich  dann  zart  mit  der  Zunge
über ihre Unterlippe. Olivia stöhnte auf.

Tony  löste  sich  von  ihr  und  sah  auf  sie  hinab.  Ihre  schönen

braunen Augen  hielt  sie  halb  geschlossen.  Ihre  Lippen  waren
noch leicht geöffnet, ihre Wangen gerötet. Das gefiel ihm.

„Wir fahren zu meinem Haus.“

Sie blinzelte ein paar Mal, dann räusperte sie sich. „Ich dachte,

du hättest irgendwo ein Zimmer reserviert.“

„Mein  Haus  liegt  sehr  abgeschieden.  Und  ich  möchte  nicht

irgendwo in der Stadt gesehen werden. Zu viele Leute kennen
mich. Außerdem habe ich heute Geburtstag, und irgendjemand
könnte  auf  die  Idee  kommen,  mich  mit  einer  Flasche
Champagner  oder  dergleichen  zu  überraschen.  Wenn  wir  erst
einmal allein sind, möchte ich nicht gestört werden.“

Sie  riss  die  Augen  auf.  „Herzlichen  Glückwunsch.  Ich  hatte

Page 49

background image

ganz vergessen … Du solltest mit jemand Besonderem feiern.“

Beinahe hätte er bekannt, dass sie dieser Jemand war, doch

er verkniff es sich gerade noch. „Das ist schon in Ordnung.“ Er
küsste sie flüchtig. „Ich wüsste nicht, wie man seinen Geburtstag
schöner  verbringen  könnte.  Du  gibst  mir  das  beste  Geschenk
überhaupt.“

Kaum  hatte  er  das  gesagt,  da  merkte  er,  dass  sie  das

vielleicht missverstand, und er ergänzte: „Ein Baby, meine ich.“

„Ja, ich weiß.“

Doch er war nicht aufrichtig. Denn im Moment begehrte er sie

so  sehr,  dass  jeder  Gedanke  an  eine  Empfängnis  in  den
Hintergrund  rückte.  Er  musste  endlich  sein  Verlangen  nach  ihr
ausleben,  damit  er  sich  anschließend  auf  andere,  wichtigere
Dinge konzentrieren konnte.

Olivia wirkte leicht durcheinander, während sie den Teddy auf

den 

Ständer 

zurückhängte. 

Tony 

sah 

sich 

um.

Selbstverständlich  kannte  er  ihre  beiden  Boutiquen,  doch  es
erstaunte  ihn  immer  wieder,  wie  geschmackvoll  Olivia  sie
eingerichtet hatte. Sie hatte ein untrügliches Gespür dafür, wie
man wirkungsvoll Dessous präsentierte.

„Ich muss noch mehr von diesen Teddys bestellen“, bemerkte

Olivia.  „Ich  wusste  von  vornherein,  dass  sie  ein  Hit  werden
würden. Doch diese Woche haben wir mehr verkauft, als selbst
ich erwartet hatte. Sie sind aber auch so bequem.“

„Und unglaublich sexy.“

Sie nickte. Dass Olivia das Gefühl hatte, ein wenig Small Talk

betreiben  zu  müssen,  verriet,  wie  nervös  sie  war.  Dennoch
konnte Tony nicht umhin zu fragen: „Woher weißt du denn, dass
sie bequem sind? Trägst du selbst solche Wäsche?“

Page 50

background image

„Natürlich. Alles, was ich verkaufe, probiere ich selbst aus.“

Tonys Blick blieb an einem sehr gewagten schwarzen BH mit

passendem  Slip  hängen.  Weil  ihn  augenblicklich  heiße
Erregung  durchzuckte,  wurde  ihm  klar,  dass  sie  aufbrechen
sollten, ehe er die Beherrschung verlor.

Er  half  Olivia,  die  ebenso  aufgewühlt  schien  wie  er  selbst,  in

den  Mantel  und  geleitete  sie  hinaus.  Als  sie  ihren  Laden
abschloss,  fiel  Tony  auf,  dass  sich  ihre  Brustknospen  deutlich
unter ihrem weichen Wolltop abzeichneten. Am liebsten hätte er
ihre Brüste berührt, sie liebkost. Er wollte jeden Zentimeter ihres
Körpers  erkunden  und  ihr  Lust  schenken,  wie  sie  es  von  ihm
verlangt hatte.

Zunächst  hatte  ihn  dieser  Punkt  ihrer  Abmachung  etwas

verunsichert. Doch je länger er darüber nachgedacht hatte – und
über  die  Möglichkeiten,  Olivias  Wünsche  zu  erfüllen  –,  desto
aufregender  fand  er  die  ganze  Situation.  Sich  mit  Olivia  in
geschäftlichen  Dingen  zu  messen,  versetzte  ihn  immer  in
Hochstimmung.  Im  Bett  würde  es  noch  viel  schöner  sein.  Er
fühlte sich herausgefordert wie seit Langem nicht mehr.

Wenn  ich  es  beim  ersten  Mal  nicht  richtig  mache,  habe  ich

genug  Zeit  für  weitere  Versuche,  dachte  er,  während  er  vom
Parkplatz fuhr. Er musste grinsen.

„Was ist?“

Er merkte, dass Olivia ihn beobachtete. Sie sah misstrauisch

und  ein  wenig  befangen  drein.  „He,  du  überlegst  es  dir  doch
wohl nicht anders, oder?“, fragte er.

„Nein,  aber  ich  muss  gestehen,  dein  Grinsen  entmutigt  mich

ein bisschen.“

Ihm entging nicht, dass ihre Stimme leicht zitterte, und er ergriff

Page 51

background image

ihre Hand. „Ich kann es kaum …“

„Abwarten?“

„Das trifft es genau.“ Er grinste erneut. „Und du?“ Sie atmete

tief durch. „Ich auch.“

Tony  umfasste  das  Lenkrad  fest  mit  beiden  Händen,  so  sehr

ging ihm ihr Eingeständnis unter die Haut. Am liebsten wäre er
mit  Höchstgeschwindigkeit  nach  Hause  gerast.  Doch  es
herrschte dichter Verkehr, denn es war Freitagabend.

„Wie lange fahren wir?“

„Ungefähr  zwanzig  Minuten.“  Zwanzig  Minuten,  die  ihm  wie

zwei Stunden vorkommen würden. „Bist du hungrig?“

„Nein.“

„Sicher? Ich könnte unterwegs etwas zu essen besorgen.“

„Danke, ich bin wirklich nicht hungrig.“

Es gefiel ihm, dass sie genauso ungeduldig war wie er selbst.

Als sie an einer Ampel halten mussten, meinte er: „Wie wär’s,
wenn  du  herüberrutschst  und  mich  noch  einmal  küsst?  Ehrlich
gesagt, brauche ich etwas für den allergrößten Hunger.“

Sie atmete ein paar Mal tief durch, dann kam sie näher zu ihm.

Diesmal  überging  Tony  das  zärtliche  Necken.  Er  stieß  mit  der
Zunge  in  ihren  Mund  vor  und  erkundete  ihn  mit  ungebremster
Gründlichkeit. Olivia zog ihn ungestüm an sich.

Die Ampel  sprang  um,  und  der  Verkehr  setzte  sich  langsam

wieder in Bewegung.

Jede  sich  bietende  Gelegenheit  nutzten  sie  zu  weiteren

Küssen,  sie  schmiegten  sich  aneinander,  berührten  sich,  bis
Tony endlich in die Auffahrt zu seinem Haus einbog. Sie hatten
fünfundzwanzig Minuten gebraucht, und jede Minute war eine Art

Page 52

background image

Vorspiel  gewesen,  das  ihre  Sinne  berauscht  hatte.  Mit
geschlossenen  Augen  saß  Olivia  da  und  schien  sich  ganz
darauf zu konzentrieren, zu Atem zu kommen.

„Wir sind da.“

Langsam wandte sie den Kopf, um sein Haus in Augenschein

zu nehmen. „Oh Tony, es ist wunderschön.“

Ihr  Lob  freute  ihn.  „Ich  habe  es  vor  ein  paar  Jahren  bauen

lassen und dabei darauf geachtet, dass möglichst viele Bäume
stehen blieben.“

„Es scheint mit der Landschaft zu verschmelzen.“

Genau das hatte er beabsichtigt. Aus Stein, Holz und Schiefer

gebaut, fügte sich das eingeschossige, großzügig geschnittene
Haus  perfekt  in  die  Umgebung  ein.  „Jetzt,  wo  die  Bäume  kahl
sind, ist das Haus gut zu sehen, im Sommer dagegen kaum.“

Als  Tony  Olivia  gleich  darauf  in  der  geräumigen  Garage  aus

dem  Wagen  half,  konnte  er  nicht  anders,  als  sie  erneut  zu
küssen. Und da sie diesmal völlig ungestört waren, hielt er sich
nicht länger zurück. Er ließ die Hände über ihren Rücken gleiten,
umfasste besitzergreifend ihren Po.

Als er sie fest an sich presste, stöhnte Olivia auf. Sie musste

seine  tiefe  Erregung  gespürt  haben,  und  er  konnte  nichts
anderes  denken,  als  dass  das  Olivia  war,  die  coole
Geschäftsfrau,  die  sich  da  verlangend  an  ihm  rieb  und  mehr
wollte.  Es  war  wunderbar  und  seltsam  zugleich  und  so
berauschend, dass er es fast nicht aushalten konnte. Weil seine
Erregung  immer  mehr  wuchs,  hatte  er  das  Gefühl,  gleich  zu
explodieren.

Er drängte sie in Richtung auf die Tür, die in sein Haus führte.

Jetzt, wo er seinem Ziel so nah war, wollte er Olivia auf keinen

Page 53

background image

Fall in der Garage lieben. Doch dann fiel sein Blick erneut auf
ihre  kleinen  harten  Knospen,  weil  ihr  Mantel  aufgeknöpft  war.
Behutsam umfasste er mit den Händen ihre Brüste, fühlte, wie
weich  sie  waren.  Olivia  lehnte  den  Kopf  an  die  Garagenwand
und  gab  einen  kleinen  lustvollen  und  zugleich  sehnsüchtigen
Laut von sich.

Ohne  lange  zu  überlegen,  knöpfte  Tony  drei  der

Perlmuttknöpfchen  auf  und  schob  ihr  Top  beiseite.  Ihr  BH  aus
Spitze  und  Satin  war  zartrosa  und  so  durchsichtig,  dass  Tony
nichts  verborgen  blieb.  Der  Anblick  brachte  ihn  fast  um  den
Verstand. Er rieb mit dem Daumen über ihre Brustspitze, sacht,
spielerisch  und  beobachtete,  wie  Olivia  erschauerte.  Das  war
zu viel.

Aufstöhnend  entblößte  er  ihre  Brust  und  neigte  den  Kopf,  um

sie mit dem Mund zu liebkosen. Erneut strich er zärtlich mit dem
Daumen darüber. Olivias Atmen ging immer schneller, während
er sie neckte und die Spannung vergrößerte.

„Tony …“

Ihr  bittender  Unterton  brachte  ihn  zur  Besinnung.  Er  brannte

darauf,  sie  nackt  in  den Armen  zu  halten,  aber  er  wollte  auch
nichts  überstürzen.  Ohne  den  Blick  von  ihrem  schönen  Körper
zu wenden, legte er Olivia einen Arm um die Taille, um sie ins
Haus zu führen.

Kaum  hatte  er  die  Garagentür  geöffnet,  da  ertönte  ein

vielstimmiges: „Überraschung!“

Er  sah  sich  seiner  gesamten  Familie  gegenüber,  entdeckte

Luftballons  im  Hintergrund,  Luftschlangen.  Erst  nach  einem
Moment  erfassten  alle  die  peinliche  Situation.  Tony  sah  seine
Mutter  nach  Luft  schnappen,  seinen  Großvater  leise  lachen.

Page 54

background image

Sein Bruder grinste breit.

Ihm  selbst  musste  seine  Fassungslosigkeit  ins  Gesicht

geschrieben  sein. Aber  er  und  Olivia  standen  wie  angewurzelt
da. Erst als ihm bewusst wurde, dass sein sechsjähriger Neffe
Olivia  anstarrte  und  seine  Schwägerin  ihrem  Sohn  die Augen
zuhielt, erwachte Tony aus seiner Erstarrung. Er schlug die Tür
zu. Dann versuchte er zu überlegen, was zu tun war.

„Ach du meine Güte!“

Olivia hielt die Hände vors Gesicht. Ihre Brust war noch immer

mehr  oder  weniger  enthüllt.  Und  Tony  wollte  nichts  sehnlicher,
als ihre kleine rosa Knospe mit dem Mund zu umschließen. Er
wünschte seine Familie sonst wohin, doch als er hinter der Tür
plötzlich  hysterisches  Gelächter  hörte,  wusste  er,  dass  keiner
seiner lieben Verwandten von der Stelle weichen würde. Diese
Nervensägen!

„Ach du meine Güte!“, flüsterte Olivia erneut. Dann sah sie ihn

wütend  an.  „Du  hast  mir Abgeschiedenheit  versprochen,  Tony.
Da drinnen müssen an die fünfzig Leute sein!“

„Nein,  höchstens  zehn  bis  zwölf.  Darunter  mehrere  lärmende

Kids.“

Entrüstet,  wie  sie  war,  schien  sie  überhaupt  nicht  zu  merken,

dass  ihre  Kleidung  noch  immer  in  Unordnung  war.  Tony,  der
sicherheitshalber  die  Türklinke  umklammert  hielt,  falls  jemand
auf die Idee kam, die Tür zu öffnen, wollte mit seiner freien Hand
ihre Brust streicheln. Olivia fuhr zurück.

„Tony!“

„Nur  einen  kleinen  Vorgeschmack,  okay?  Dann  lass  ich  mir

etwas einfallen.“

Sie schien nicht zu verstehen, was er meinte, und das war wohl

Page 55

background image

der Grund, warum sie nicht protestierte.

Tony  beugte  sich  vor,  um  mit  der  Zunge  ihre  Brustspitze  zu

umrunden. Olivia schnappte nach Luft, und er begann, sacht zu
saugen. Ihre Knospe war so hart, dass es ihm fast den Verstand
raubte.  Wieder  und  wieder  fuhr  er  aufreizend  mit  der  Zunge
darüber. Olivia stöhnte leise.

Gerade, als sie mit den Händen sein Haar durchwühlte, wurde

diskret  an  die  Garagentür  geklopft.  „Du  kannst  gern
hereinkommen, Tony. Ich hab die Kinder zum Safttrinken in die
Küche geschickt.“

Fluchend lehnte Tony die Stirn gegen Olivias Dekolleté, wurde

jedoch  abrupt  beiseite  gestoßen,  als  sie  hastig  ihren  BH  zu
richten  begann  und  sich  das  Top  zuknöpfte.  „Beruhige  dich,
Olivia, es ist alles in Ordnung.“

Hinter der Tür hörte er seinen Bruder sagen: „Ja, Olivia, alles in

Ordnung. Wir freuen uns, dass Sie hier sind, um mitzufeiern.“

„Verschwinde, John!“

„Okay. Aber in zwei Minuten bin ich zurück, wenn ihr bis dahin

nicht erschienen seid.“ Suchend blickte sich Olivia um, und Tony
merkte,  dass  sie  an  Flucht  dachte.  „Vergiss  es.  Sie  werden
mich nicht entkommen lassen, und deshalb sitzt du auch fest.“

„Aber  du  willst  das  doch  nicht“,  jammerte  sie.  „Das  ist  deine

Familie,  Tony,  dein  Privatleben.  Und  wir  haben  abgemacht,
dass ich mich da heraushalte.“

Tony seufzte. „Mir fällt schon etwas ein, wie ich meine Familie

ablenke. Bleib ganz cool. Sie brauchen nur zu erfahren, dass wir
Geschäftspartner sind und sonst nichts.“

„Ganz cool bleiben? Obwohl es keinen Zweifel daran gibt, was

wir  in  der  Garage  gemacht  haben?“  Sie  schüttelte  den  Kopf.

Page 56

background image

„Nein. Ich gehe da nicht hinein.“

„Olivia …“

„Sie haben uns praktisch in flagranti ertappt!“

„Das geht sie nichts an. Wenn dir jemand frech kommt, dann

sag  mir  Bescheid,  und  ich  werde  ihm  oder  ihr  den  Kopf
waschen.“

Sie  wirkte  absolut  nicht  überzeugt.  „Ich  hab  dich  beruflich  in

Aktion  erlebt,  Lady.  Da  wirst  du  doch  wohl  mit  ein  paar
neugierigen Verwandten fertig werden.“

Sie atmete tief durch und nickte.

Tony fluchte leise. Dann strich er zärtlich mit einem Finger über

ihre  Unterlippe.  „Hast  du  eine  Ahnung,  wie  frustriert  ich  im
Moment bin? Wie sehr ich leide?“

Olivia  schien  langsam  ihre  Gelassenheit  zurückzugewinnen.

„Nicht  mehr  als  ich,  nehme  ich  an.  Schließlich  war  das  Ganze
meine Idee. Du, wenn ich mich recht entsinne, hast nur ungern
eingewilligt.“

„Ich war ein Idiot.“ Er wandte sich zur Tür. „Ich nehme an, ein

paar  Stunden  kann  ich  durchhalten.  Wie  lange  kann  eine
Geburtstagsparty im Familienkreis denn schon dauern?“

Olivia versuchte, unbekümmert zu lächeln, während sich Tonys

Verwandte  um  sie  scharten,  um  sie  zu  begrüßen.  Tony  stellte
sie mit erstaunlicher Offenheit vor. „Alle einmal herhören, das ist
Olivia  Anderson.  Wir  sind  Geschäftspartner,  denn  sie  ist
Inhaberin  der  Dessous-Boutiquen  in  den  Hotels.  Und  gerade
heute haben wir daran gearbeitet, die Eröffnung einer weiteren
Boutique voranzubringen.“

Olivia  hielt  den  Atem  an,  doch  niemand  machte  eine

Page 57

background image

Bemerkung  zu  der  offensichtlichen  Verschleierung  der
Tatsachen. Dann stellte Tony alle einzeln vor. Aber Olivia verlor
schnell  den  Überblick,  obwohl  sie  sonst  ein  gutes
Namensgedächtnis  hatte.  Mit  ein  paar  an  Tony  gerichteten
anzüglichen  Bemerkungen  zu  den  Geschäften,  die  er  da
betrieb,  widmeten  sich  die  Männer  anschließend  im
Wohnzimmer einem Football-Spiel im Fernsehen und ließen sie
in Ruhe.

Die Frauen jedoch wollten sich mit ihr unterhalten. Da Tony mit

einem bedauernden Blick ins Wohnzimmer entschwunden war,
blieb Olivia nichts anderes übrig, als mit Sue, Tonys Mutter, zu
den anderen Frauen und Kindern in die Küche zu gehen.

Zu  Olivias  Überraschung  stellte  niemand  neugierige  Fragen.

„Tut  mir  leid,  dass  wir  Ihre  Pläne  durchkreuzt  haben“,  meinte
Sue.  „Tony  wusste  natürlich  nichts  von  der  Party.  Und  wir
wussten nicht, dass Tony etwas anderes vorhatte.“

Tonys  Schwester  Kate  und  seine  Schwägerin  Lisa  brachen

gleichzeitig in lautes Gelächter aus.

„Sie hätten sein Gesicht sehen sollen!“, sagte Kate. „Es ist uns

wirklich gelungen, ihn zu überraschen.“

Olivia  musste  lächeln.  Die  beiden  Frauen  verstanden  es

meisterlich,  bei  ihrer  Arbeit  in  der  Küche  den  hin  und  her
rennenden Kindern auszuweichen. „Es war ziemlich peinlich.“

Lisa lachte. „Für uns auch. John ist genau wie Tony und lässt

keine Gelegenheit aus, seinen Bruder zu ärgern.“

„Und  mich  triezen  sie  gemeinsam.  Ohne  Ende!“  Kate

schüttelte  den  Kopf.  „Aber  jetzt  habe  ich  genug  Munition,  um
Tony mindestens einen Monat lang aufzuziehen.“

Olivia fand, dass es Zeit war, das Thema zu wechseln. „Kann

Page 58

background image

ich Ihnen irgendwie helfen?“

Sue  war  dabei,  aufgeschnittenen  Schinken  auf  eine  Platte  zu

legen,  Kate  stellte  Gläser  und  Servietten  auf  ein  Tablett,  und
Lisa versuchte, Kartoffelsalat auf Teller zu verteilen, während sie
auf dem anderen Arm einen Säugling hatte. Erleichtert wandte
sie sich zu Olivia um.

„Wenn Sie vielleicht das Baby halten könnten?“

„Ich,  äh  …  Wie  wär’s,  wenn  ich  den  Salat  austeile?  Ich  habe

noch nie einen Säugling gehalten.“

„Das  ist  überhaupt  kein  Kunststück.  Und  er  ist  ein  so  lieber

Junge und wird Ihnen keine Mühe machen.“

Ehe Olivia eine andere Ausrede einfiel, hielt sie den Kleinen in

den Armen. Er war in eine hellblaue Decke gewickelt, und außer
einer  winzigen  Hand  und  einem  rosa  Gesichtchen  war  nichts
von  ihm  zu  sehen.  Als  er  zu  zappeln  anfing,  drückte  sie  ihn
vorsichtig an sich, woraufhin er einen kleinen Seufzer von sich
gab. Olivia musste lächeln.

Dabei  verspürte  sie  einen  Stich  in  der  Brust  und  wurde  ganz

wehmütig.

Die Frauen verließen eine nach der anderen die Küche, um im

Esszimmer  aufzudecken,  und  Olivia  war  froh,  einen  Moment
allein  zu  sein.  Sie  hatte  noch  nie  ein  so  kleines  Kind  aus  der
Nähe  gesehen  und  war  sehr  neugierig.  Sacht  rieb  sie  ihre
Wange  an  seinem  Köpfchen.  Wie  seidig  der  Haarflaum  des
Kleinen war. Und wie er duftete. Nie zuvor hatte sie einen Duft
so süß, so ergreifend gefunden wie den des Babys. Gerade, als
sie  erneut  nahe  an  seinem  Gesicht  tief  einatmete,  kam  Tony
herein.

„Was machst du da?“

Page 59

background image

Sein  alarmierter  Ton  ließ  Olivia  zusammenfahren.  Doch  ehe

sie  etwas  hätte  sagen  können,  kam  Lisa  zurück  und  nahm  ihr
den Kleinen dankend ab, um ihn schlafen zu legen.

Nachdem sie die Küche wieder verlassen hatte, flüsterte Tony

Olivia zu: „Findest du, dass das eine gute Idee war?“

Olivia begriff sofort, was er meinte. Nämlich, dass sie auch ein

Baby  wollte,  wenn  sie  erst  einmal  eins  im Arm  gehalten  hatte.
Sie hätte ihm sagen können, dass er sich darum keine Sorgen
zu  machen  brauchte.  Sie  konnte  sich  das  wünschen,  solange
sie  wollte,  sie  würde  keins  bekommen.  Aber  Leidenschaft
schien Tony ihr überreichlich schenken zu können. Was sie auf
der Herfahrt und in seiner Garage empfunden hatte … Es war
fast  alles,  was  sie  mit  einem  Mann  zu  erleben  gehofft  hatte.
Alles außer tiefer Liebe.

„Hätte ich etwa ablehnen sollen? Mit welcher Begründung?“

Er fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Komm jetzt bitte mit.

Sie warten mit dem Essen auf uns.

„Das wird bestimmt eine unmögliche Situation, Tony.“

„Nein. Alles ist in bester Ordnung.“

Überzeugt klang das nicht, und Olivia fragte sich, ob John oder

Kate  ihn  schon  aufgezogen  hatten.  Beim  Betreten  des
Esszimmers blickte Olivia sich um. Sie hatte bisher noch nicht
viel  von  Tonys  Haus  gesehen,  doch  sie  war  keineswegs
überrascht. Alles, angefangen vom Geschirr über die Möbel bis
hin zur Tapete bewies exzellenten Geschmack, ohne protzig zu
wirken.  Tony  prahlte  nie  mit  seinem  Geld,  und  abgesehen  von
der Größe des Hauses hatte er bei der Einrichtung nur Wert auf
Gemütlichkeit und Zweckmäßigkeit gelegt.

Ein  Raum  schien  in  den  anderen  überzugehen,  und  es  gab

Page 60

background image

viele Fenster im Haus. Die Möbel waren alle aus hochpoliertem
Mahagoni. Als  die  kleine  Maggie,  die  Olivia  auf  drei  schätzte,
mit einer Hand am Büfett entlangstrich, hinterließ sie darauf eine
Schmierspur. Doch Tony nahm sie einfach hoch und warf sie in
die Luft. Die Kleine quietschte vor Vergnügen, schlang ihm die
Ärmchen um den Hals und gab ihm einen feuchten Kuss auf die
Wange. Dann setzte Tony Maggie in ihren Hochstuhl und nahm
selbst  neben  Olivia  Platz.  Die  anderen  Kinder  riefen  alle
durcheinander, weil sie auch von ihrem Onkel beachtet werden
wollten.

Wieder verspürte Olivia dieses Stechen in der Brust.

Sie wünschte sich verzweifelt diese eine heiße Affäre, um eine

gewisse  Leere  in  sich  auszufüllen.  Denn  sie  würde  ein
einsames Leben führen, ohne Kinder und ohne einen Mann, der
sie  liebte.  Nicht  gewollt  hatte  sie  jedoch,  dass  sie  vorgeführt
bekam,  was  sie  tatsächlich  alles  vermisste,  quasi  aus  erster
Hand erfuhr, was ihr für immer versagt bleiben würde.

Während sie Tony beobachtete, wie er mit den Kindern lachte

und spielte, begriff Olivia, dass ihr ersehntes Liebesabenteuer
sie nur noch einsamer machen würde.

Während  des  Essens  merkten  die  Kinder  schnell,  dass  sie

leicht  zu  unterhalten  war.  Obwohl  sie  immer  melancholischer
wurde,  lachte  sie  über  ihre  Späße  und  hörte  sich  ihre
Geschichten an.

Tonys  Familie  akzeptierte  sie  und  tat  alles,  damit  sie  sich

wohlfühlte. Wenn es auch nur ein kurzes Vergnügen sein konnte,
so  genoss  Olivia  es,  an  einer  Party  im  Familienkreis
teilzunehmen.

Dennoch  fühlte  sie  sich  die  ganze  Zeit  über  wie  ein

Page 61

background image

Eindringling.  Und  als  sie  den  Berg  bunt  eingewickelter
Geburtstagsgeschenke in einer Ecke entdeckte, wurde ihr klar,
dass sie nicht bleiben konnte.

Sie  entschuldigte  sich,  um  sich  frisch  zu  machen,  und  fand

dann schnell ein Telefon. Das Zimmer, in dem es stand, musste
Tonys Schlafzimmer sein, nach dem Inhalt des offen stehenden
Kleiderschrankes zu urteilen und dem Duft, der im Raum hing.
Wieder atmete sie tief und genüsslich ein. Dann nahm sie sich
zusammen. Auf der Bettkante sitzend, rief sie ein Taxi an.

Minuten später, als Tony nach ihr sah, saß sie noch immer auf

dem Bett.

Page 62

background image

4. KAPITEL

Leise schloss Tony die Schlafzimmertür hinter sich. Olivia sah

hoch, und ihre Blicke trafen sich. „Versteckst du dich etwa?“

„Was glaubst du?“

„Nein, ich glaube nicht, dass du dich verstecken würdest. Was

machst du also hier drinnen?“

Olivia  stand  auf.  Sie  kam  sich  idiotisch  vor,  wie  ein  Feigling.

„Ich  habe  ein  Taxi  bestellt.  Denn  ich  finde,  es  ist  höchste  Zeit,
nach Hause zu fahren.“

Aufseufzend  lehnte  sich  Tony  gegen  die  Tür.  „Du  lässt  mich

also noch einen Tag warten, Olivia?“

Sein  heiserer  Ton  und  sein  kaum  unterdrücktes  Verlangen

ließen ihr Herz schneller schlagen. „Das … ist nicht der rechte
Zeitpunkt, Tony. Du weißt das.“

Sein  Blick  war  heiß  und  begehrlich.  „Ich  könnte  dich  sehr

schnell umstimmen, Honey.“

Darauf möchte ich wetten, dachte Olivia. Es fiel ihr nicht leicht,

unnachgiebig  zu  bleiben.  „Wenn  ich  jetzt  aufbreche,  schöpfen
sie vielleicht keinen Verdacht …“

„Olivia,  sie  haben  gesehen,  dass  ich  deine  Brust  geküsst

habe.  Ein  wenig  Verdacht  haben  sie  da  bestimmt  schon
geschöpft, könnte ich mir vorstellen.“

„Das haben sie nicht gesehen.“

„Mag sein. Aber dein Top war ganz schön verrutscht.“

Olivia  mühte  sich,  ruhig  und  gelassen  zu  atmen.  „Vielleicht

kommen sie zu dem Schluss, dass sie sich geirrt haben, wenn
ich jetzt nach Hause fahre. Wenn ich bis zuletzt bleibe, werden

Page 63

background image

sie annehmen, dass wir die Nacht miteinander verbringen, und
genau das wollten wir vermeiden. Keine Spekulationen, keinen
Klatsch. Keinen Skandal. Erinnerst du dich?“

„Ja, aber …“

Es  klopfte.  „Alles  in  Ordnung  da  drinnen?“,  rief  John.  Tony

schloss  die  Augen.  Seine  Verärgerung  war  ihm  deutlich
anzusehen.  „Ich  bringe  ihn  um.“  Olivia  hätte  ihm  gern  dabei
geholfen.

„Wir kommen gleich, John. Und wenn du noch einmal an diese

verdammte Tür klopfst, dann werde ich dich verklopfen.“

„He! Ich wollte dir nur sagen, dass der Kuchen angeschnitten

werden soll.“

„Das hast du hiermit getan. Und jetzt verschwinde!“

Olivia  rieb  sich  die  Stirn.  Sie  hatte  das  Ganze  nur  noch

schlimmer  gemacht.  Lieber  Himmel,  Tonys  Bruder  hatte  sie
beide im Schlafzimmer ertappt. „Wie dieser Mann ein so süßes
Baby zustande gebracht hat, ist mir ein Rätsel.“

Zu  ihrer  Überraschung  lachte  Tony  auf.  „John  ist  in  Ordnung.

Glaub mir, wenn er wüsste, wie die Dinge liegen, würde er mich
nicht nerven.“

„Nein?“

Langsam  schüttelte  Tony  den  Kopf,  während  er  zu  ihr

hinüberging  und  sie  an  sich  zog.  „Nein.  Er  wäre  sehr
verständnisvoll.“  Er  sah  ihr  tief  in  die  Augen.  „Ich  will  dich,
Olivia.“

Sein Eingeständnis versetzte ihr einen Stich. „Morgen?“

Er bedeckte ihr Gesicht und ihren Hals mit unzähligen kleinen

Küssen. Mit der Zungenspitze kitzelte er ihren Mundwinkel. „Wie

Page 64

background image

wär’s  am  Vormittag?  Du  wirst  mich  doch  nicht  bis  abends
warten lassen, oder?“

Olivia dachte, dass ihr alles recht sein würde, wenn er nur nicht

aufhörte,  sie  so  zart  zu  küssen  und  dabei  ihren  Rücken  zu
streicheln.

„Wo?“

„Keine Ahnung. Aber ich werde mir etwas überlegen, okay? Ich

hole dich wieder ab. Gegen zehn?“

„Schön.“  Sie  zwang  sich  zu  ignorieren,  wie  sinnlich  und

romantisch  alles  mit  Tony  war,  und  sich  ganz  auf  ihre
Abmachung  zu  konzentrieren.  Diese Affäre  war  nur  von  kurzer
Dauer. Tony wollte sie nicht als Lebensgefährtin. Er wollte sich
ihrer nur bedienen, genau wie sie sich seiner. „Du brauchst dir
keine Sorgen zu machen, Tony. Wir haben noch Zeit. Ich sollte
noch ein paar Tage lang empfängnisbereit sein.“

Kaum  hatte  sie  das  gesagt,  da  küsste  er  sie  tief  und  innig,

liebkoste aufreizend mit der Zunge ihre Zunge. Ein Kuss, der ihr
die Nacht verkürzen helfen sollte.

Leider glühten ihre Wangen noch immer, als sie gleich darauf

ins  Wohnzimmer  zurückkehren  musste.  Zum  Glück  war  das
Licht 

ausgeschaltet, 

und 

nur 

die 

Kerzen 

auf 

dem

Geburtstagskuchen 

brannten. 

Weil 

John 

neben 

dem

Lichtschalter stand, war das wohl seine Idee. Er zwinkerte Tony
zu, und Olivia kam zu dem Schluss, dass er vielleicht doch ganz
nett war.

Kates Töchter, Angie und Allison, vier und fünf Jahre alt, stritten

sich,  wer  beim  Geburtstagsständchen  am  lautesten  singen
konnte.  Und  Johns  Sohn,  der  sechsjährige  Luke,  wollte
unbedingt  den  Kuchen  anschneiden  und  servieren.  Obwohl

Page 65

background image

Olivia  erklärte,  dass  sie  weg  müsse,  bestanden  alle  darauf,
dass sie wenigstens noch ein Stück Kuchen aß. Wie viel Spaß
hätte die Party gemacht, wenn sie wirklich dazugehört hätte …

Zu  ihrer  Überraschung  wollten  die  Kinder  sie  zum  Abschied

alle umarmen, und die Erwachsenen versicherten ihr, dass sie
sich sehr freuen würden, sie bald einmal wiederzusehen. Damit
nicht  genug,  denn  zu  ihrem  Kummer  lud  Tonys  Mutter  sie  zum
Essen an Thanksgiving ein.

Olivia murmelte ein lahmes „Vielen Dank, aber ich weiß noch

nicht,  ob  ich  kommen  kann“,  ehe  sie  zu  dem  inzwischen
vorgefahrenen Taxi hinauseilte.

Tony holte sie auf der Verandatreppe ein. „Tut mir leid, Olivia.

Ich weiß, dass der Abend nicht leicht für dich war.“ Beim Anblick
des Taxis fluchte er leise. „Ich sollte dich zumindest nach Hause
fahren.“

„Das  ist  schon  in  Ordnung,  Tony.  Du  kannst  ja  wohl  schlecht

deine eigene Geburtstagsparty verlassen.“

Als  er  seine  Brieftasche  zückte,  um  das  Fahrgeld  zu

übernehmen, lehnte Olivia energisch ab.

„Wirst  du  mir  dann  wenigstens  den  Gefallen  tun  und  mich

anrufen, sobald du im Haus bist?“

Sprachlos  starrte  Olivia  ihn  an.  Sie  war  es  gewöhnt,  auf  sich

aufzupassen,  und  seine  Bitte  erschien  ihr  einfach  absurd.
„Warum?“

„Damit ich weiß, dass du gut angekommen bist.“

„Tony,  du  kannst  unmöglich  damit  anfangen,  dich  für  mich

verantwortlich zu fühlen. Das ist gegen unsere Abmachung. Ich
komme bestens allein zurecht. Also mach dir keine Sorgen.“

Page 66

background image

„Ruf mich an.“

Er  war  genauso  unerbittlich  wie  sie  selbst.  Und  obwohl  es

sicher keine gute Idee war, gab Olivia nach. „Na schön.“

„Danke.“ Er grinste breit.

„Ein bescheidener Gewinner bist du nicht gerade, Tony.“

„Ich  habe  doch  noch  gar  nicht  gewonnen.  Da  wären  noch

meine  lieben  Verwandten,  die  mich  mit  neugierigen  Fragen
löchern werden, sobald ich wieder hineingehe. Jetzt, wo du weg
bist  und  nicht  mehr  gekränkt  werden  kannst,  werden  sie  sich
keinen Zwang antun, wie immer.“

Da  sie  wusste,  wie  gut  er  sich  mit  seiner  Familie  verstand,

hatte  sie  absolut  kein  schlechtes  Gewissen,  ihn  seinem
Schicksal zu überlassen. Sie stieg in ihr Taxi, und Tony beugte
sich zu ihr herunter, um ihr noch schnell einen Kuss zu geben.

„Morgen, Olivia, da werde ich gewinnen.“

Als  er  beiseitetreten  wollte,  hielt  sie  ihn  fest,  um  ihn  noch

einmal  zu  küssen,  diesmal  länger  und  inniger.  „Wir  werden
beide gewinnen“, flüsterte sie ihm zu.

Tony lachte leise. Dann schauten sie beide zufällig zum Haus

hinüber.  Und  da  stand  vor  der  Eingangstür,  aufgereiht  wie  zu
einem  Klassenfoto,  Tonys  gesamte  Familie.  Und  selbst  im
schwachen Mondlicht sah Olivia genau, dass sie alle amüsiert
grinsten.

Ein Blick auf seinen Wecker sagte Tony, dass es erst sieben

Uhr morgens war und er noch nicht aufzustehen brauchte, da er
Olivia  ja  erst  um  zehn  treffen  würde. Also  blieb  er  liegen  und
dachte  an  sie  und  an  alles,  was  sich  am  Vorabend  ereignet
hatte.  Ihre  Verletzlichkeit  in  Gegenwart  seiner  Familie  weckte
Gefühle  in  ihm,  die  er  sich  nicht  eingestehen  wollte  –

Page 67

background image

besonders,  weil  er  viel  lieber  die  prickelnde  Lust  genoss,  die
sie in ihm entfachte.

Die ganze Nacht über war er in Gedanken bei Olivia gewesen.

Es war unglaublich, aber inzwischen begehrte er sie wie keine
Frau  zuvor.  Natürlich  war  sie  so  vollkommen  anders  als  die
Frauen, die er kannte. Sie stellte Forderungen, brachte jedoch
auch Gegenleistungen. Sie war eine kühle Geschäftsfrau, aber
fair und ihren Mitarbeitern gegenüber großzügig. Ein Grundsatz,
an dem auch er festhielt.

Sie hatten eigentlich viel miteinander gemein.

Und dennoch gab es jede Menge Gründe, warum er sich nicht

näher mit ihr einlassen konnte. Genau die Dinge, die er an ihr
bewunderte,  machten  sie  für  eine  gefühlsmäßige  Beziehung
ungeeignet.  Er  wollte  ein  Baby,  dem  er  seine  ganze  Liebe
geben konnte.

Olivia wollte ein florierendes Geschäft. Sie hatte ja zugegeben,

dass sie sich keine Familie wünschte und keine Zeit dafür hatte.
Und  obwohl  es  ihn  begeisterte,  dass  sie  im  Rahmen  einer
geschäftlichen  Vereinbarung  zugestimmt  hatte,  ein  Baby  von
ihm  zu  bekommen,  unterstrich  es  einmal  mehr,  dass  ihr  Beruf
noch  immer  das  Wichtigste  in  ihrem  Leben  war.  Ihm  dagegen
war  nun  ein  Kind  wichtiger.  Das  musste  er  sich  immer  wieder
vergegenwärtigen.

Im  Haus  war  es  kühl,  als  Tony  schließlich  aufstand,  um  sich

Kaffee zu kochen. Da er bloß Boxershorts anhatte, begann er zu
frösteln. Aber vielleicht würde das ihm helfen, einen klaren Kopf
zu behalten.

Während  das  Wasser  durch  den  Filter  der  Kaffeemaschine

lief,  ging  er  ins  Bad,  um  sich  das  Gesicht  zu  waschen  und

Page 68

background image

Zähne  zu  putzen.  Heute,  dachte  er  mit  Blick  auf  sein
Spiegelbild,  wird  mit  Olivia  alles  glatt  über  die  Bühne  gehen.
Keine  weitere  Einmischung  vonseiten  seiner  Familie,  und  er
würde  Olivia  auch  kein  Baby  mehr  im  Arm  halten  sehen  mit
einem Gesichtsausdruck, der ihm ans Herz ging. Er würde sich
ins Gedächtnis rufen, dass ihre Liaison Mittel zum Zweck war.
Sie  hatten  eine  Vereinbarung  getroffen,  und  mehr  konnte  es
nicht  sein.  Nicht  wenn  er  aus  diesem  Abenteuer  heil
herauskommen wollte – ohne gebrochenes Herz und ohne den
Verstand verloren zu haben.

Tony  hatte  sich  gerade  seine  erste  Tasse  Kaffee

eingeschenkt,  als  es  klingelte.  Barfuß  ging  er  zur  Haustür  und
sah durch den Spion Olivia vor der Tür stehen. Es war gerade
Viertel  vor  acht,  und  sein  erster  Gedanke  war,  dass  sie
hergekommen  war,  um  abzusagen,  weil  sie  vielleicht  plötzlich
eine Geschäftsreise machen musste. Eine Vorstellung, die ihm
gar nicht behagte.

Ohne zu bedenken, dass er fast nichts anhatte, riss er die Tür

auf.  Olivia  starrte  einen  Moment  lang  seine  nackte  Brust  an,
dann  ließ  sie  den  Blick  an  ihm  hinabgleiten,  ehe  sie  ihm  ins
Gesicht sah.

„Du bist ganz schön behaart.“ Zögernd legte sie ihm die flache

Hand auf die Brust, genau auf sein heftig klopfendes Herz. Sie
streichelte ihn, ließ die Finger durch sein Brusthaar gleiten. „Es
gefällt mir“, flüsterte sie atemlos.

Tony erwiderte nichts. Er war sich nicht sicher, ob er einen Ton

herausgebracht  hätte.  Und  dann  sah  sie  mit  großen  Augen
strahlend zu ihm auf. „Ich konnte nicht warten.“

Er  war  wie  vom  Schlag  gerührt.  Seine  Hand  zitterte,  als  er

Page 69

background image

seine Kaffeetasse auf ein Tischchen stellte und Olivia ins Haus
zog.  Er  musste  sich  vergewissern,  ob  er  richtig  gehört  hatte.
„Olivia?“

„Ich weiß, wir wollten uns um zehn treffen, aber wir haben heute

beide  frei,  oder?  Und  ich  fand  es  schrecklich,  noch  warten  zu
müssen. Ich konnte letzte Nacht nicht schlafen …“

„Ich auch nicht.“

Tony  fasste  es  nicht,  dass  sie  hier  war,  schüchtern  und

entschlossen zugleich aussah, und er begehrte sie so sehr wie
noch  nie  etwas  in  seinem  Leben.  Dass  er  sich  gerade  eben
noch  vorgenommen  hatte,  Abstand  zu  wahren,  spielte  keine
Rolle mehr. Er spürte, wie sie die Schultern straffte, um ihm ins
Gesicht  zu  sehen.  Dieser Anflug  von  Herausforderung  war  so
typisch für sie, so liebenswert. So verdammt sexy.

Während  er  immer  erregter  wurde,  warf  Olivia  die  Haustür

hinter  sich  zu  und  stellte  eine  kleine  Reisetasche  ab.  „Tja,  wie
du siehst, bin ich heute Morgen ein wenig wagemutig. Aber es
ist  ja  anzunehmen,  dass  dein  Haus  jetzt  sicher  ist.  Ich  meine,
der Blitz schlägt nie zweimal an der gleichen Stelle ein, oder?“

Er  wusste  nicht,  was  er  antworten  sollte,  weil  er  von  ihrem

sehnsüchtigen Blick abgelenkt wurde und ihren leicht bebenden
Lippen.

Sie  schluckte.  „Ich  möchte  nicht,  dass  du  denkst,  ich  will  die

ganze  Nacht  bleiben,  aber  ich  musste  etwas  zum  Anziehen
mitbringen  für  später  …  Falls  wir  den  ganzen  Tag  zusammen
verbringen.“

Ehe er ihr das hätte bestätigen können, redete sie weiter. „Oje,

ich verpatze das gründlich. Du erinnerst dich doch sicher, dass
in  dem  Buch  stand,  dass  wir  es  nach  ein  paar  Stunden  noch

Page 70

background image

einmal versuchen sollten, und da dachte ich …“

„Pst.“ Er konnte sich kaum beherrschen, sie nicht sofort in sein

Schlafzimmer zu tragen. Ihre Art, diese seltsame Mischung aus
Scheu und Mut, machte ihn verrückt vor Verlangen. „Ich dusche
ganz schnell und …“

„Nein.“  Sie  schüttelte  den  Kopf.  „Ich  habe  lange  genug

gewartet, Tony, und will mich keine Sekunde länger gedulden.“

Ihr Blick blieb an seinen Boxershorts hängen, die seine heftige

Erregung kaum verbargen. Noch ein freimütiges Eingeständnis
von ihr, und die Shorts würden ihn gar nicht mehr bedecken. Er
wollte,  dass  sie  ihn  berührte,  er  wollte  …  „Ich  muss  mich
wenigstens rasieren, Honey, damit ich dich nicht kratze.“

Als Antwort  darauf  begann  Olivia,  ihren  Mantel  aufzuknöpfen.

Tonys Puls beschleunigte sich. Zunächst kam ihr Dekolleté zum
Vorschein, ihr zarter Brustansatz. Doch beim nächsten gelösten
Knopf  merkte  Tony,  dass  sie  überhaupt  nicht  angezogen  war,
sondern  nur  den  Teddy  trug,  den  er  am  Vorabend  in  ihrem
Laden bewundert hatte.

Ich  hätte  es  mir  denken  können,  schoss  es  ihm  durch  den

Kopf, während er ihren wohlgeformten Körper anstarrte. Er hatte
bezweifelt,  dass  sie  die  verführerische  Wäsche,  die  sie
verkaufte, selbst trug, und jetzt bewies sie ihm, dass sie einfach
hinreißend darin aussah. Und plötzlich war alles zu viel für ihn.

Ungeduldig schob er ihr den Mantel über die Schultern und ließ

ihn achtlos zu Boden fallen, sodass ihre kleine Enthüllungsshow
abrupt  endete.  Dann  hob  er  sie  kurzerhand  auf  die Arme.  Er
spürte  ihre  schlanken  Schenkel,  die  sich  gegen  seinen
Unterarm  pressten,  ihre  weichen  Brüste  an  seiner  Brust  und
stöhnte auf.

Page 71

background image

Weil es ihm bis zu seinem Schlafzimmer zu weit war, eilte er

ins Wohnzimmer und ließ sich mit ihr auf die Couch fallen. Mit
ungezügelter  Wildheit  eroberte  er  ihren  Mund  und  begann  ihre
weichen  weiblichen  Rundungen  mit  den  Händen  zu  erkunden.
Ihm war klar, dass er zu hastig vorging, doch er konnte sich nicht
mehr bremsen.

Sie  erschauerte,  als  er  über  ihren  Po  strich,  die  Hand  von

hinten zwischen ihre Beine schob. Die drei kleinen Druckknöpfe
des  Teddys  waren  schnell  gelöst,  und  dann  konnte  er
ungehindert  mit  den  Fingern  die  geheimsten  Winkel  ihres
Körpers erforschen. Er fing an, sie zu streicheln, spürte, wie sie
immer  erregter  wurde.  Dass  er  nicht  augenblicklich  völlig  die
Kontrolle über sich verlor, war das reinste Wunder. Sie atmete
schnell und flach, umklammerte seine Schultern.

Aufstöhnend löste sich Tony von ihrem Mund, weil er ihre Haut

schmecken, ihren Duft einatmen wollte. Sie war einfach überall
weich und zart, angefangen von ihrem offenen Haar, das seine
Wangen streifte, bis hin zu ihren schlanken Schenkeln, die sie
bereitwillig  spreizte,  als  er  mit  seinen  erotischen  Erkundungen
fortfuhr, um sie weiter zu entflammen.

Mit der Zunge strich er über dem durchscheinenden Stoff des

Teddys über eine harte Knospe. Als er daran saugte, bog sich
Olivia ihm verlangend entgegen. Die kleinen kehligen Laute, die
sie  ausstieß,  stachelten  ihn  an.  Behutsam  drang  er  mit  einem
Finger  in  sie  ein,  bewegte  ihn  hin  und  her,  spürte,  dass  sie
bereit für ihn war. Sie stöhnte vor Lust, und da konnte Tony nicht
länger an sich halten.

Hastig zog er seine Shorts aus und kniete sich zwischen ihre

Schenkel.  Ihre  Blicke  kreuzten  sich,  und  ihr  Augenausdruck,
diese Mischung aus Verletzlichkeit, brennendem Verlangen und

Page 72

background image

stummer Aufforderung,  raubte  ihm  endgültig  den  Verstand.  Er
küsste sie wild und zügellos, während er eins mit ihr wurde.

Mit  einem  einzigen  harten  Stoß  glitt  er  tief  in  sie  hinein.

Geradezu  besessen  davon,  zum  Ziel  zu  kommen,  begann  er,
sich im uralten Rhythmus der Liebe in ihr zu bewegen. Er hörte
Olivia  keuchen,  spürte,  wie  sie  sich  seinen  Bewegungen
anzupassen  versuchte,  obwohl  die  Couch  ihr  nicht  viel
Spielraum  dazu  gab.  Gefühle  stürzten  auf  ihn  ein,  die  er  nie
zuvor  empfunden  hatte,  so  als  würde  er  mit  diesem Akt  einen
ureigenen Besitzanspruch geltend machen.

Er  schob  eine  Hand  unter  ihre  Hüften,  um  sie  an  sich  zu

pressen,  zwang  sie  so,  ihn  vollkommen  in  sich  aufzunehmen,
hinderte  sie  daran,  sich  ihm  auch  nur  ein  klein  wenig  zu
entziehen. Sie stöhnte auf, umschloss ihn eng, kam ihm hungrig
entgegen.  Da  gipfelte  seine  Erregung  in  einem  so  intensiven
Höhepunkt, dass ihm fast die Sinne schwanden.

Dennoch war ihm bewusst, als er befreit aufschrie, dass Olivia

ihn fasziniert beobachtete. Er warf den Kopf zurück, während ihn
immer neue Wellen der Lust durchfluteten, bis er sich schließlich
nach Atem ringend auf sie fallen ließ.

Zögernd schlang Olivia ihm die Arme um den Nacken und fuhr

ihm mit den Fingern durchs Haar. Und als sie zart seine Schläfe
küsste,  eine  unglaublich  süße,  unschuldige  Liebkosung,  da
wurde  ihm  klar,  dass  er  sie  eben  ganz  erbärmlich  ausgenutzt
hatte, dass er die Bedingungen ihrer Vereinbarung völlig außer
Acht  gelassen  hatte.  Er  hatte  überhaupt  nicht  mehr  an  diese
verdammte  Vereinbarung  gedacht.  Himmel,  er  hatte  ihr  keine
erotischen Hochgefühle verschafft.

Er hatte ihr nichts gegeben, außer der ungezügelten Lust eines

Page 73

background image

Mannes.

Olivia  merkte,  dass  Tony  sich  verspannte,  und  ahnte,  was  in

ihm  vorging.  Sie  umarmte  ihn  fester.  Er  entzog  sich  ihr  nicht,
hob jedoch den Kopf. Obwohl sie sich seltsam befangen fühlte,
blickte sie ihm in die Augen und lächelte ihn an.

Er seufzte auf. „Es tut mir leid.“

Sie legte ihm zwei Finger auf den Mund, um ihn vom Sprechen

abzuhalten. Doch er begann sofort, ihre Finger zu küssen, und
sie  konnte  nicht  widerstehen,  sich  mit  einem  Kuss  zu
revanchieren. „Verdirb mir diesen Moment nicht, indem du dich
unnötigerweise entschuldigst, Tony. Bitte.“

Ehe sie wusste, wie ihr geschah, war er mit der Zunge in ihren

Mund  vorgedrungen  und  liebkoste  sie  aufs  Innigste.  Dabei
drängte  er  sich  erneut  an  sie.  Olivia  wurde  augenblicklich  von
einem wohligen Prickeln erfasst.

„Ich habe schon alles verdorben, Honey. Und du verdienst viel

mehr als eine Entschuldigung.“

Es war das zweite Mal, dass er sie „Honey“ genannt hatte, und

es  gefiel  ihr.  Denn  seitdem  ihre  Eltern  gestorben  waren,  hatte
ihr niemand mehr einen Kosenamen gegeben. Bisher hatte sie
gar nicht gewusst, dass sie das vermisst hatte.

„Warum entschuldigst du dich eigentlich?“

„Weil  ich  den  Kopf  verloren  habe.  Du  hast  nichts  von  mir

bekommen.“

„Stimmt  nicht.“  Oh,  wie  aufregend  war  es,  seinen  kräftigen,

schlanken  Körper  an  sich  zu  spüren,  seine  festen  Muskeln,
seine  sehnigen,  langen  Beine.  Sie  umarmte  Tony  noch  fester
und rieb ihre Nase an seiner Brust. Er duftete immer so gut, so
sexy.  So,  wie  eben  nur  er  duftete.  Es  machte  sie  ganz

Page 74

background image

benommen. „Meinetwegen hat bisher noch kein Mann den Kopf
verloren, Tony. Ein ganz schönes Gefühl, finde ich.“

Er  lachte  auf.  „Das  liegt  wohl  daran,  dass  ich  noch  nie  ohne

Kondom mit einer Frau geschlafen habe. Dich ganz und gar zu
spüren, war absolut berauschend.“

Sein Geständnis überwältigte sie. „Noch nie?“

„Nein, ich war immer vorsichtig, schon als Teenager. Aber du

bist  selbst  auch  ein  wenig  schuld  an  meiner  Eile,  weil  du  in
diesem  Outfit  hier  aufgekreuzt  bist.“  Er  strich  mit  einer  Hand
über den Teddy, der ihr nun um die Taille hing. „Ich wäre vorhin
fast  vergangen,  als  du  deinen  Mantel  aufgeknöpft  hast.  Am
liebsten hätte ich dich gleich hinter der Haustür genommen.“

Und  er  glaubte,  er  habe  ihr  nichts  gegeben?  Mit  wild

klopfendem Herzen küsste Olivia Tony noch einmal. Als er sich
von ihr löste, merkte sie überdeutlich, dass er erneut voll erregt
war.

Tony betrachtete sie derart eingehend, dass es ihr schwerfiel

zu  sprechen.  Aber  aus  irgendeinem  Grund  wollte  sie  ihm
unbedingt  sagen,  was  sie  dachte.  „Ich  hatte  schon  Angst,  du
würdest lachen, weil ich in dem Teddy lächerlich aussehe. Denn
eigentlich findet mich niemand sexy.“

„Du bist so sexy, dass es verboten werden müsste.“

„Tony …“ Seine Komplimente ließen ihr den Kopf schwirren.

„Es  bleibt  unser  kleines  Geheimnis,  okay?“  Zärtlich  strich  er

über  die  leichten  Rötungen  auf  ihrer  Haut,  die  von  seinen
Bartstoppeln  herrührten,  über  ihren  Hals,  ihre  Brüste.  Er  hielt
inne,  um  mit  ihren  Knospen  zu  spielen,  bis  sie  lustvoll
aufstöhnte.  Olivia  ersehnte  nichts  mehr,  als  sofort  noch  einmal
mit ihm zu schlafen.

Page 75

background image

Aber unvermittelt stand Tony auf. „Ich muss duschen und mich

rasieren. Denn ich möchte deine Haut nicht noch mehr reizen.“

Noch ehe sie hätte protestieren können, hatte er sie erneut auf

die  Arme  gehoben  und  drückte  sie  fest  an  sich.  Auch  daran
könnte sie sich gewöhnen.

„Sie können mit mir duschen, Miss Anderson. Danach werde

ich mich ausgiebig um Sie kümmern.“

„Bisher haben Sie Ihre Sache sehr gut gemacht, Mr Austin.“

„Du hattest keinen Höhepunkt.“

Ihr wurde heiß. Seine unverblümte Art, die Dinge beim Namen

zu  nennen,  erregte  sie,  obwohl  es  ihr  peinlich  war.  „Ich  …  ich
hatte  mein  Vergnügen. Aber  ich  soll  ja  wohl  noch  eine  Weile
bleiben.“

„Ich  verspreche  dir,  dass  du  noch  mehr  Vergnügen  haben

wirst, wenn ich dich erst richtig verwöhne.“

Er schien entschlossen, ihre Forderungen zu erfüllen, während

sie  es  mittlerweile  schrecklich  fand,  sie  überhaupt  gestellt  zu
haben. Sie wollte nicht, dass es nur um reine Befriedigung ging,
um  Berührungen,  die  stimulieren  sollten,  während  Gefühle
jedoch  außen  vor  blieben.  Denn  es  waren  die  Gefühle,  die  ihr
Beisammensein so schön gemacht hatten. Aber das konnte sie
Tony unmöglich sagen, nicht, nachdem sie ihm erklärt hatte, sie
wolle seine exzellenten Liebestechniken kennenlernen.

Als er sie in der Dusche absetzte, fiel Olivia etwas ein. „Hieß

es nicht, dass wir ein paar Stunden warten sollten, ehe wir das
Ganze wiederholen? Um dir Zeit zur Regeneration zu geben?“

Tony trat hinter ihr in die Duschkabine und zog ihr den Teddy

über  den  Kopf.  Dann  warf  er  ihn  auf  den  Fußboden  des
Badezimmers.  Fasziniert  ließ  er  den  Blick  über  ihren  nackten

Page 76

background image

Körper  schweifen,  und  das  gab  ihr  Gelegenheit,  ihn  ebenfalls
ausgiebig zu betrachten. Er war einfach fantastisch gebaut. Als
sich ihre Blicke kreuzten, spiegelten seine grünen Augen mehr
Leidenschaft wider, als sie es sich je hatte erträumen können.

Tony  zog  sie  an  sich,  sodass  sich  ihre  Körper  von  der  Taille

abwärts  berührten.  Den  Beweis  seines  Verlangens  hart  und
heiß  an  ihren  Bauch  zu  spüren  machte  Olivia  atemlos  vor
Erwartung. „Diesmal lasse ich mir Zeit, Honey. Das verspreche
ich dir.“

Ihr Herz klopfte heftig, und sie war unfähig zu sprechen.

„Man  nennt  das  Vorspiel,  Olivia.  Ich  werde  dich  für  den

verpassten Höhepunkt entschädigen – überreichlich. Wir haben
alle Zeit der Welt.“

Dreißig  Minuten  später,  als  sie  auf  seinem  Bett  lagen,  ahnte

Olivia, dass sie Sinnenlust dieser Intensität unmöglich mehrere
Stunden hintereinander ertragen würde. Tony war gerade dabei,
ihre eine Knospe spielerisch mit der Zunge zu reizen, während
er eine Hand über ihren Bauch wandern ließ und dabei immer
wieder  zwischen  ihre  Schenkel  glitt,  bis  sie  vor  Verlangen
stöhnte und keuchte.

Lachend  tat  er  ihr  leises  Flehen  ab,  während  er  sein

erregendes Fingerspiel nicht eine Sekunde unterbrach. „Warte
ab, Sweetheart. Es wird noch schöner.“

„Nein.  Ich  halte  es  nicht  länger  aus,  Tony.“  Aber  sie  war  zu

unerfahren, um sich das Ende dieser süßen Tortur vorstellen zu
können.

Zart  küsste  Tony  ihre  leicht  geöffneten  Lippen.  „Vertrau  mir

einfach, okay?“

Als  er  eine  heiße  Kussspur  über  ihren  Bauch  zog,  wurde  sie

Page 77

background image

nur  noch  von  dem  Gedanken  beherrscht,  endlich  Erfüllung  zu
finden.  Jeder  Nerv  in  ihr  war  angespannt,  ihr  ganzer  Körper
schien  zu  glühen.  Bereitwillig  ließ  sie  Tony  weit  ihre  Beine
spreizen,  bot  sich  seinem  Blick  ohne  jede  Scham  dar.  Sie
spürte  seinen  warmen  Atem,  die  feuchte  Berührung  seiner
Zunge  und  dann  seine  heißen,  glatten  Lippen  an  ihrem
empfindsamsten Punkt.

Nein,  sie  würde  das  nie  überstehen.  Sie  bäumte  sich  auf.

Lustgefühle  stürzten  derart  intensiv  auf  sie  ein,  dass  sie
hemmungslos  aufschrie.  Er  umspannte  ihren  Po  mit  beiden
Händen fester, zwang sie auf diese Weise, sich weiterhin seiner
zärtlichen Folter hinzugeben.

Und plötzlich schien sie nur noch aus unbeschreiblicher Lust zu

bestehen 

und 

wurde 

von 

Wellen 

pulsierender 

Hitze

davongetragen,  die  ihren  ganzen  Körper  durchströmten.  Tony
fuhr  die  ganze  Zeit  fort,  sie  zu  liebkosen,  und  als  die  Schauer
der Ekstase langsam verebbten, redete er leise auf sie ein, bis
sie sich beruhigte.

Als  Olivia  die  Augen  öffnete  –  was  sie  große  Anstrengung

kostete –, lag Tony wieder neben ihr und streichelte ihre Brust.
Er  sah  sie  höchst  interessiert  an  und  fragte  rundheraus:  „Du
hattest noch nie einen Höhepunkt, stimmt’s?“

Vor  Schreck  schloss  sie  die  Augen  wieder.  Leise  lachend

küsste  Tony  ihre  Nase.  „Versteck  dich  nicht  vor  mir,  Olivia.
Rede mit mir.“

„Reden ist nicht vorgesehen.“

„Nein? Keine Sorge. Es wird nicht lange dauern, bis wir noch

einmal  miteinander  schlafen.  Aber  gib  mir  erst  einmal  eine
Antwort auf meine Frage.“

Page 78

background image

Leicht  verstimmt,  weil  er  hartnäckig  auf  seiner  sehr

persönlichen Frage bestand, erwiderte sie: „Es erschien mir nie
besonders  wichtig.  Zudem  habe  ich  dir  doch  erzählt,  dass
meine beiden diesbezüglichen Versuche scheiterten.“

„Deine  beiden  Versuche  mit  einem  Partner.  Das  bedeutet  ja

nicht, dass du nicht selbst …“

Erst  jetzt  merkte  sie,  worauf  er  anspielte.  Sie  musste  ihn

unbedingt ablenken. „Müsstest du jetzt nicht erregt sein?“

Sein Lächeln besagte, dass sie ihm nichts vormachen konnte.

Um jedoch ihre Frage zu beantworten, nahm er ihre Hand und
führte  sie  an  sich  hinab,  damit  sie  ihn  umschloss.  Genüsslich
schloss er für einen kurzen Moment die Augen. „Du siehst, ich
bin ziemlich erregt. Aber ich genieße dich auch gründlich.“

„In Verlegenheit bringst du mich, das tust du.“

„Warum? Weil ich mich wie der geschickteste Liebhaber weit

und breit fühle? Du hast geschrien, Olivia.“ Er drehte ihren Kopf
zu sich herum. „Schau mich an, Honey.“

Sie tat es. Die Zärtlichkeit in seinem Blick nahm ihr den Atem.

„Ich  freue  mich,  dass  ich  dir  etwas  schenken  konnte,  was  du

noch  nicht  kanntest.  Das  macht  das  Ganze  zu  etwas
Besonderem.“

„Tony.“  Sie  drängte  sich  an  ihn,  begehrte  ihn  erneut  glühend

und wollte keinen Moment länger warten.

Und dann klingelte es.

Tony  schien  es  zunächst  überhören  zu  wollen.  Doch  als

anschließend nachdrücklich an die Tür gehämmert wurde, stand
er  fluchend  auf.  Schnell  zog  er  seine  Jeans  an.  „Bleib  liegen,
Olivia. Ich bin sofort zurück.“

Page 79

background image

Nachdem er aus dem Zimmer gestürmt war, sprang Olivia aus

dem Bett und schlang das Laken um sich. Sie spähte auf den
Flur  und  schlich  dann  ein  Stückchen  Richtung  Haustür,  um  zu
sehen,  wer  so  früh  am  Morgen  gekommen  war.  Es  war  Tonys
Bruder, John, der mit dem Baby auf dem Arm an der Tür stand
und sehr besorgt aussah.

„Ich weiß, der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, Tony …“

„Du ahnst nicht, wie ungünstig.“

„Doch. Ich sah den Wagen und nehme an, Olivia ist hier.“ Tony

verschränkte  die  Arme  vor  der  nackten  Brust.  „Was  willst  du,
John?“

„Es  tut  mir  furchtbar  leid,  wirklich.  Wenn  es  eine  andere

Möglichkeit gäbe, wäre ich bestimmt nicht hier. Aber Mom und
Kate  machen  heute  Morgen  einen  Einkaufsbummel,  und  ich
muss Lisa sofort ins Krankenhaus fahren.“ Er erklärte, dass sie,
nachdem sie sich schon am Vorabend nicht wohlgefühlt habe, in
der  Nacht  hohes  Fieber  bekommen  habe,  gehustet  habe  und
nur  schwer  habe  atmen  können.  „Tony,  ich  kann  doch  im
Krankenhaus  nicht  auf  meine  drei  Kinder  aufpassen  und  mich
gleichzeitig um Lisa kümmern.“

Sofort nahm Tony ihm das Baby ab. „Glaubst du, es ist etwas

Ernstes mit Lisa?“

„Keine Ahnung, hoffentlich nur eine Grippe, aber …“

„Mach dir keine Sorgen. Natürlich nehme ich dir die Kids ab.

Wo sind denn die beiden anderen?“

„Im Wagen bei ihrer Mutter. Ich war mir ja nicht sicher, ob du zu

Hause  bist.  Ich  rechne  es  dir  hoch  an,  Tony,  dass  du
einspringst, auch wenn du uns wahrscheinlich alle zum …“

„Sei nicht albern, John. Kümmere dich um Lisa, und halt mich

Page 80

background image

auf dem Laufenden, okay?“

Als John die Kinder holen ging, ein Paket Windeln und einiges

andere,  eilte  Tony  ins  Haus  zurück  und  wäre  dabei  fast  mit
Olivia  zusammengestoßen.  In  der  linken  Hand  hatte  er  die
kleine  Reisetasche,  die  sie  mitgebracht  hatte,  im  rechten Arm
das Baby. Er sagte nichts dazu, dass sie hinter ihm herspioniert
hatte, sondern ging geradewegs ins Schlafzimmer.

„Du hast alles gehört?“

Seine Besorgnis war unschwer zu verkennen, und Olivia stellte

einmal mehr fest, wie eng er mit seiner Familie verbunden war.
„Ja. Kann ich irgendwie helfen?“

Er schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, Babe. Hier, kannst du dich

schnell  anziehen?“  Kaum  hatte  er  ihr  ihre  Tasche  in  die  Hand
gedrückt, da lief er schon ins Wohnzimmer, um John die Kinder
abzunehmen.  Seufzend  schloss  Olivia  die  Tür.  Offenbar  wollte
Tony, dass sie nach Hause fuhr. Denn er wollte sie ja nicht mit
seiner Familie zusammenbringen. Aber es schmerzte trotzdem.
Während  sie  miteinander  schliefen,  hatte  sie  alles  um  sich
herum vergessen, einschließlich ihrer absurden Vereinbarung.

Trotz  all  der  Gründe,  die  sie  hatte,  Tony  nicht  zu  nah  zu

kommen, wollte sie jetzt bleiben und helfen. Sehr gern sogar.

Ihr  Körper  prickelte  noch  immer  von  der  sinnlichen  Qual,  die

Tony ihr so gekonnt bereitet hatte, aber Olivia schaffte es, ihre
Bundfaltenhose  und  einen  Pullover  anzuziehen,  ehe  er  ins
Schlafzimmer  zurückkam.  Er  hielt  das  Baby  noch  immer  im
Arm,  was  ihn  jedoch  nicht  daran  hinderte,  sie  mit  dem  freien
Arm an sich zu ziehen.

„Verdammt, was ich aber auch für ein Glück habe.“

„Die  Welt  scheint  sich  gegen  uns  verschworen  zu  haben.“  Er

Page 81

background image

küsste  sie  flüchtig  auf  den  Mund.  Dann  fragte  er  zu  ihrer
Überraschung: „Kannst du bleiben?“ Olivia wusste nicht, was sie
sagen sollte.

„Unsere Pläne sind zwar durchkreuzt, und vielleicht müssen wir

die  Kinder  sogar  über  Nacht  behalten.  Aber  es  macht  mir
Sorgen, dass Lisa plötzlich ins Krankenhaus muss.“

Seine Besorgnis rührte Olivia, und es freute sie, dass er sie in

den  geänderten  Tagesablauf  einschloss.  „Du  möchtest  nicht
allein sein?“

Er zögerte einen Moment. „Scheint ganz so.“

„Wir sind Freunde, Tony. Egal, welche Vereinbarung wir sonst

noch  getroffen  haben.  Und  Freunde  helfen  einander.  Du
brauchst  also  nicht  zu  befürchten,  dass  ich  deine  Bitte  falsch
interpretiere.“

Er überging ihre Anspielung auf ihre besondere Situation ganz

einfach. „Heißt das, dass du bleibst, Olivia? Bitte.“

In diesem Moment hätte sie alles für ihn getan. Aber natürlich

konnte  sie  ihm  das  nicht  sagen.  Sie  lächelte  ihn  an.  „Ja,  ich
bleibe, solange du mich brauchst.“

Page 82

background image

5. KAPITEL

Tony umarmte Olivia erleichtert. „Jetzt brauche ich eine Tasse

Kaffee. Und die Kinder haben bestimmt Hunger. Na, ihr beiden,
wie wär’s mit Frühstück?“

In  eben  dem  Moment  schauten  zwei  ernste  kleine  Gesichter

durch den Türspalt ins Zimmer. Olivia ging das Herz auf, als sie
die beiden Kinder so dastehen sah, offenbar sehr besorgt um
ihre Mutter. Sie vergaß für einen Augenblick, dass sie eigentlich
nichts von Kindern verstand, und kauerte sich vor sie hin.

„Hallo, ihr beiden. Wisst ihr noch, wer ich bin?“

Der sechsjährige Luke sah sie mit ernsthafter Miene an. „Klar.

Es  war  ja  erst  gestern  Abend.  Du  hast  Onkel  Tony  in  der
Garage geküsst.“

Olivia  errötete,  lächelte  aber.  „Eigentlich  war  es  umgekehrt.

Dein Onkel hat mich geküsst.“

Maggie, die für eine Dreijährige sehr zierlich erschien, erklärte

altklug: „Onkel Tony küsst gern. Mich küsst er auch viel.“

Und Olivia fand ganz leicht Zugang zu dem kleinen Mädchen.

Sie  zog  Maggie  einfach  näher,  und  die  Kleine  legte  ihr
vertrauensvoll  einen  Arm  um  den  Hals.  „Seid  ihr  zwei  denn
hungrig? Euer Onkel wollte nämlich Frühstück für uns machen.“

Maggie nickte, doch Luke wandte sich ab.

„Deine  Mom  wird  wieder  gesund,  Luke.  Ganz  bestimmt“,

tröstete Tony ihn.

„Dad hat solche Angst.“

Tony  ging  in  die  Küche  voran.  „Nein,  er  macht  sich  Sorgen.

Das ist ein großer Unterschied. Dein Dad findet es schrecklich,

Page 83

background image

wenn  einer  von  euch  krank  ist.  Dass  es  deiner  Mom  nicht  gut
geht,  macht  ihn  beinahe  selbst  krank.  Er  muss  jetzt  alles  tun,
damit  sie  schnell  wieder  gesund  wird.  Und  weil  er  nicht
gleichzeitig auf euch und auf sie aufpassen kann, bleibt ihr erst
einmal hier bei mir.“

„Für wie lange?“

Tony  tat,  als  sei  er  beleidigt.  „Meine  Güte,  Luke,  da  muss

Olivia ja denken, dass ihr mich nicht mögt.“

Maggie  entzog  Olivia  ihre  kleine  Hand  und  sagte  sehr

bestimmt: „Doch, wir mögen Onkel Tony. Ganz doll.“ Und Olivia
musste lächeln.

Während  Tony  Frühstück  machte,  plapperten  die  beiden

munter  weiter  mit  ihm,  und  es  faszinierte  Olivia  zunehmend,
dass  Tony  ein  solcher  Familienmensch  war.  Den  Kindern  war
deutlich  anzumerken,  dass  sie  gern  bei  ihm  waren.  Und  Tony
bewies,  dass  er  mit  der  gleichen  Geschicklichkeit  wie  jede
Mutter auch beim Kochen ein Kind im Arm balancieren konnte.
Olivia fragte sich, ob er das tat, weil er das Baby so gern hielt
oder weil er nicht wollte, dass sie es hielt.

Leider stellte sich im Lauf des Tages heraus, dass Letzteres

der Fall war. Nicht ein einziges Mal bat Tony sie, ihm mit dem
Baby  zu  helfen.  Kurz  nach  dem  Frühstück  rief  John  an,  um
Bescheid  zu  sagen,  dass  Lisa  eine  Lungenentzündung  habe,
die  sie  wohl  aufgrund  ihrer  allgemeinen  Erschöpfung
bekommen  habe,  und  über  Nacht  im  Krankenhaus  bleiben
müsse.  Und  deshalb  fragte  er  an,  ob  er  die  Kinder  bei  Tony
lassen könne.

Tony  war  einverstanden,  und  die  Kinder  waren  rundweg

begeistert,  nachdem  sie  erfahren  hatten,  dass  ihre  Mutter

Page 84

background image

gesund werden und wohl am nächsten Tag wieder nach Hause
kommen würde. Tony versprach ihnen, vor dem Kamin ein Zelt
aufzubauen.

Maggie wollte wissen: „Schläft Livvy auch hier?“

Einen Moment schien Tony sprachlos zu sein. „Wenn sie will.

Und sie heißt Olivia, meine Süße, nicht Livvy.“

„Das  macht  mir  nichts  aus,  Tony.  Es  ist  eine  gebräuchliche

Abkürzung.“

Doch  in  Wahrheit  rief  dieser  Kosename,  den  ihr  auch  ihre

Eltern  gegeben  hatten,  lange  vergessene  Gefühle  in  ihr  wach
und ging ihr sehr zu Herzen. Und Tony schien es zu merken. Er
nahm ihre Hand und drückte sie fest. Dann rief er seine Mutter
und seine Schwester an, um ihnen zu berichten, was vorgefallen
war. Olivia schloss aus seinen Bemerkungen, dass seine Mutter
die  Kinder  zu  sich  nehmen  wollte.  Doch  er  erklärte,  dass  sie
„zelten“ wollten, sie könne die drei am Morgen abholen.

Nach  einem  frühzeitigen  Abendessen  wurden  Luke  und

Maggie  warm  angezogen,  weil  sie  draußen  im  Garten  spielen
wollten.  Das  Baby,  Shawn,  lag  schlafend  auf  einer  Decke  auf
dem  Fußboden,  sodass  Tony  und  Olivia  für  eine  Weile  relativ
ungestört waren.

Tony ließ sich neben Olivia auf die Couch fallen. „Mann, bin ich

erledigt. Kinder können einen wirklich ganz schön in Trab halten,
was?“

Sie  wusste,  dass  er  jede  Minute  des  Tages  genossen  hatte

und sich nicht ernstlich beklagte.

„Ich  hätte  dir  gern  ein  wenig  geholfen.“  Sie  sagte  das  mit

Bedacht, um ihn nicht in Alarmbereitschaft zu versetzen.

„Du  hilfst  mir  schon,  indem  du  einfach  da  bist.

Page 85

background image

Lungenentzündung – wer hätte das gedacht? Lisa wirkt immer
so gesund.“

Dann  erzählte  er,  dass  seine  Mutter  und  Kate  bereits  Pläne

machten, um Lisa zu unterstützen, bis sie wieder ganz gesund
war. Eine Haushaltshilfe lehne sie nämlich entschieden ab.

„Deine Familie hält wirklich zusammen.“

Er  sah  Sie  an.  Ihre  Bemerkung  schien  ihn  zu  überraschen.

„Das ist doch selbstverständlich.“

Wie  schön  wäre  es,  zu  einer  solchen  Familie  zu  gehören,

dachte Olivia. Ohne zu überlegen, sagte sie: „Als Maggie mich
Livvy nannte … das hat mich an meine Kindheit erinnert. Meine
Eltern nannten mich auch so.“

Tony zog sie näher zu sich heran. Mit den Lippen berührte er

zart  ihre  Schläfe.  „So  etwas  Ähnliches  habe  ich  mir  schon
gedacht. Du hast so traurig ausgesehen. Es tut mir leid, Olivia.“

Sie versuchte, möglichst unbekümmert zu wirken, und lächelte

sogar. „Es ist so lange her, dass ich ganz vergessen habe, wie
es  ist,  sie  zu  vermissen.  Wahrscheinlich  habe  ich  mich  ans
Alleinsein gewöhnt.“

Das war schlicht gelogen, denn wer konnte sich schon daran

gewöhnen, sein Leben allein zu verbringen? Es war nie jemand
da,  mit  dem  man  Erfolge  feiern  konnte,  und  wenn  ihr  der
berufliche Stress gelegentlich zu viel wurde, dann konnte sie nur
bei sich selbst Zuflucht finden.

Tony  sah  sie  derart  eindringlich  an,  dass  Olivia  der

schreckliche  Verdacht  kam,  er  lese  ihre  Gedanken  und  wisse
genau, was sie vor ihm verbarg.

Er legte eine Hand auf ihre Hände. „Ist das der Grund, warum

du dich abkapselst?“

Page 86

background image

„Das tu ich gar nicht.“

„Aber  natürlich  tust  du  das.  Du  bleibst  für  dich,  verabredest

dich  nicht,  schließt  keine  Freundschaften.  Du  steckst  deine
ganze  Energie  in  deine  Wäschegeschäfte,  gerade  so,  als
hättest du Angst, dich zu binden.“

„Das  stimmt  nicht.“  Sie  wusste  nicht,  was  sie  sonst  hätte

antworten  sollen.  Es  war  unmöglich  zu  erklären,  warum  sie
zurückgezogen  als  Single  lebte.  Sie  würde  Tony  nie  die
Wahrheit sagen können.

„Es ist nicht natürlich für eine Frau wie dich, allein zu leben und

keine Beziehung zu wollen.“

„Eine Frau wie mich? Was genau soll das heißen?“

„Entschuldige. Das habe ich nicht so gemeint. Es ist nur … Ich

habe dich bisher nie so gesehen, wie du wirklich bist. Du warst
zwar  immer  nett,  aber  eben  ganz  die  sachliche,  distanzierte
Geschäftsfrau. Dabei bist du eine sehr warme, gefühlvolle Frau,
die sexy Dessous trägt und in den überraschendsten Momenten
so verdammt süß und verletzlich aussieht.“

„Tony  …“  Es  gefiel  ihr  weder,  als  verletzlich  eingestuft  zu

werden, noch sich rechtfertigen zu müssen.

„Ich  verstehe  dich  nicht,  Olivia,  und  ich  möchte  es  so  gern.

Wirklich.“

„Aber warum?“

„Kein  Grund  zur  Panik.  Ich  denke  bestimmt  nicht  an

Orangenblüten  und  goldene  Ringe.  Es  ist  nur  …  ich  mag  dich
lieber, als ich dachte.“

„Sex weckt bei Männern manchmal solche Gefühle. Glaub mir,

das geht vorbei.“

Page 87

background image

Er streckte die Hand aus, um sich eine ihrer Haarsträhnen um

den  Finger  zu  wickeln.  Dann  zog  er  sie  sanft  zu  sich  heran.
„Honey, du hast nicht genug Erfahrung mit Männern und Sex, um
solche Weisheiten zu verbreiten.“ Er kniff sie liebevoll. „Und ich
würde  sagen,  diese  freche  kleine  Bemerkung  verlangt  nach
Revanche, meinst du nicht?“

Olivia versuchte, sich Tony zu entziehen, mit wenig Erfolg.

„Frech war das eigentlich nicht gemeint.“ Weil sein Verhalten

sie ganz nervös machte, ging sie zum Angriff über. „Verdammt,
Tony, wir haben vereinbart, nicht persönlich zu werden, richtig?
Und diese Unterhaltung wird langsam sehr persönlich. Du willst
ein Baby von mir, nicht meine Lebensgeschichte hören. Warum
reden  wir  nicht  lieber  über  Sex?“  Dabei  schmiegte  sie  sich
herausfordernd an ihn.

Er  ließ  sie  gewähren,  doch  seine  Miene  blieb  unverändert.

„Eben weil ich ein Baby von dir will und du nicht die Frau zu sein
scheinst,  für  die  ich  dich  gehalten  habe,  ist  dein  familiärer
Hintergrund  umso  wichtiger.“  Er  hielt  sie  noch  immer  an  ihrer
Haarsträhne fest.

Als er anfing, die Unterseite ihrer Brust zu streicheln, drängte

sich Olivia noch enger an ihn, damit er sich ihrer ganzen Brust
widmete.  Doch  er  grinste  nur  und  fuhr  unbeirrt  fort,  sie  zu
necken.

Da wurde sie ungehalten. „Glaub bloß nicht, dass ich einfach

dasitze und mir deine Einschüchterungsversuche gefallen lasse.
Wir sind hier nicht in einem Konferenzzimmer.“

„Und auch nicht im Schlafzimmer. Hör also auf, mich durch Sex

ablenken zu wollen – darauf werden wir auf jeden Fall so schnell
wie möglich zurückkommen. Erzähl mir lieber etwas von deinen

Page 88

background image

Eltern.“

Weil  er  ganz  offensichtlich  nicht  davon  abzubringen  war,  gab

sie schließlich nach.

Tony  drehte  ihren  Kopf  zu  sich  herum,  damit  er  sie  küssen

konnte. Aus der zarten, flüchtigen Berührung ihrer Lippen wurde
schnell ein tiefer Kuss voller Leidenschaft, und es gelang Tony
nur mit Mühe, sich von ihr zu lösen.

„Du  lernst  wirklich  schnell,  aber  ich  bin  zu  neugierig,  um  dir

deinen Willen zu lassen. Also, wie war das mit deinen Eltern?“

Unwillig  seufzte  Olivia  auf.  „Sie  waren  arm,  nicht  besonders

gebildet,  und  sie  arbeiteten  sehr  hart.“  Die  Erinnerung  an  ihre
Eltern  ließ  ihr  das  Herz  schwer  werden.  „Unsere  Möbel  waren
meist  abgenutzt,  aber  es  war  immer  sauber  bei  uns.  Meine
Mutter hielt ihren Haushalt tadellos in Ordnung.“

„Hattest du eine enge Beziehung zu ihnen?“

Sie wusste es nicht mehr – und das schmerzte sie. „Im Alltag

konnten wir nicht viel Zeit miteinander verbringen. Wann immer
möglich, backte meine Mutter mir meinen Lieblingskuchen, und
mein Dad gab mir stets einen Gutenachtkuss, egal, wie spät er
auch nach Hause kam.“

Sie atmete tief durch, und ohne dass sie es eigentlich gewollt

hätte,  erzählte  sie  weiter.  „Meine  Eltern  liebten  mich,  ganz
bestimmt, und sie versuchten für mich zu tun, was sie konnten,
aber … manchmal machten sie Fehler.“

Tony beugte sich zu ihr hinunter, um zärtlich ihre Nasenspitze

zu küssen. „Alle Eltern machen Fehler, Honey. Auch sie sind nur
Menschen.“

Olivia  nickte  nur,  weil  sie  mit  ihrem  Bericht  schnell  zu  Ende

kommen  wollte.  „Ich  war  ein  Einzelkind,  und  wir  wohnten  in

Page 89

background image

einem  Nest  namens  Hattsburg  direkt  am  Mississippi.  Meine
Mutter  arbeitete  im  Supermarkt,  mein  Vater  in  der  einzigen
Fabrik am Ort. Manchmal … manchmal trank er zu viel. Seine
Art zu entfliehen, wie Mom immer sagte.“

Tony  hielt  sie  fest  umschlungen,  spendete  ihr  so  ohne  Worte

Trost. Tief Atem holend, beendete Olivia rasch ihre Geschichte.
„Sie kamen auf dem Fluss ums Leben, weil sie in einem Boot
fuhren, das den Sicherheitsstandards nicht entsprach. Der Fluss
führte  Hochwasser,  und  das  Boot  kenterte.  Mein  Vater  war
betrunken  und  schätzte  die  Situation  nicht  richtig  ein,  wie  der
Sheriff mir sagte. Er verlor das Bewusstsein, als er über Bord
ging,  und  starb  noch  auf  dem  Weg  ins  Krankenhaus.  Meine
Mutter  hatte  versucht,  ihn  zu  retten,  doch  weil  das  Wasser
eiskalt  war,  erlitt  sie  eine  schwere  Unterkühlung,  neben
verschiedenen 

anderen 

Verletzungen. 

Sie 

starb 

im

Krankenhaus nur wenige Tage nach meinem Vater.“

Olivia  nahm  sich  zusammen,  um  ihren  Schmerz  nicht  die

Oberhand gewinnen zu lassen. „Eigentlich vermisse ich sie gar
nicht  mehr,  weil  ich  mich  kaum  noch  erinnere,  je  eine  Familie
gehabt  zu  haben.  Du  kannst  dich  wirklich  glücklich  schätzen,
weißt du das?“

Tony erwiderte nichts darauf, und Olivia fragte sich, ob sie zu

viel gesagt hatte, ob er es sich anders überlegte und sie doch
von seiner Familie fernhalten wollte. Aber dann hob er ihr Kinn
und begann, ohne ein Wort zu verlieren, zärtlich an ihren Lippen
zu knabbern.

„Bitte,  Tony  …  Hör  auf  damit.  Ich  halte  es  nicht  aus,  und  wir

können im Moment doch nicht miteinander schlafen.“

„Stimmt. Aber ich berühre dich einfach gern. Verwehre es mir

Page 90

background image

nicht.“ Er ließ seine Zunge in ihren Mund gleiten, um sie tief und
gründlich zu küssen.

„Wann  …“  Sie  rang  nach  Atem,  als  er  kurz  den  Kopf  hob.

„Wann können wir es noch einmal versuchen?“

„Meine  Mutter  holt  die  Kinder  morgen  früh  ab.  Musst  du

morgens gleich ins Geschäft?“

Weil er mit ihrer einen Knospe zu spielen anfing, seufzte Olivia

wohlig auf. „Ich kann mir den Vormittag freinehmen.“

„Gut.  Ich  muss  am  Nachmittag  kurz  ins  Büro,  möchte  aber,

dass du mitkommst. Denn ich möchte dir etwas zeigen.“

Ehe  sie  hätte  nachfragen  können,  drängte  er  sie  gegen  die

Rückenlehne  der  Couch  und  bedeckte  ihr  Gesicht  und  ihren
Hals mit heißen, begehrlichen Küssen.

„Oh Olivia, ich kann nicht genug von dir bekommen.“

Sein  Eingeständnis  versetzte  sie  in  Hochstimmung.  Nur  allzu

gern  schüttelte  sie  die  traurigen  Erinnerungen  an  ihre  Kindheit
ab  und  gab  sich  dem  neu  entdeckten  Gefühl  ungezähmter
Begierde  hin.  Dann  drang  auf  einmal  eine  entrüstete
Kinderstimme in ihr Bewusstsein, und Olivia fuhr hoch.

„Mann! Ihr beide schmust aber doll.“

Es  war  Luke,  der  mit  den  Händen  in  den  schmalen  Hüften

neben der Couch stand und höchst ungehalten dreinblickte.

Mit einem Seufzer, der in leises Lachen überging, fragte Tony:

„Was gibt’s denn, Luke?“

„Ich möchte, dass du mit rauskommst und mit mir Ball spielst.

Maggie kann überhaupt nicht fangen.“

Tony überlegte einen Moment und sah dabei immer wieder zu

dem  Baby  hinüber.  Olivia  verdrehte  die  Augen.  „Geh  schon,

Page 91

background image

Tony. Falls der Kleine unruhig wird, hole ich dich.“

Zärtlich mit dem Daumen über ihre Lippen streichend, raunte

er ihr zu: „Ich will dich nicht allein lassen.“

„Ihr seid schlimmer als Mom und Dad!“, beklagte sich Luke.

Olivia musste lachen. „Nun geh schon, ehe Luke schlecht wird.

Er ist schon ganz grün im Gesicht.“

Das brachte Luke zum Lachen.

„Na los, Tony. Ich sehe unterdessen ein wenig fern.“

„Bist du sicher, dass du zurechtkommst?“

„Ganz sicher.“

Tony zog sich seine Daunenjacke über und ging dann mit Luke

in  den  Garten  hinaus.  Olivia  trat  ans  Fenster.  Lachend
versuchten  die  Kinder  Tony  davon  abzuhalten,  den  Ball  zu
werfen, und sie fielen alle drei hin. Tony begann, Luke zu kitzeln,
während  er  es  gleichzeitig  fertigbrachte,  Maggie  in  die  Luft  zu
werfen. Olivia fühlte etwas Feuchtes auf ihrer Wange und stellte
fest, dass es eine Träne war.

Warum  es  sie  zum  Weinen  brachte,  Tony  mit  zwei  Kindern

spielen zu sehen, hätte sie nicht sagen können. Es war ja nicht
so,  dass  er  letztendlich  nicht  das  Kind  bekäme,  das  er  sich
wünschte. Er würde einen wunderbaren Vater abgeben, und sie
beneidete  ihn  um  die  Chance,  ein  Kind  großzuziehen.  Sie
hinderte ihn nicht daran, verzögerte seinen Plan höchstens um
ein paar Wochen. Und was war das schon im Vergleich zu dem
Glück, ein Leben lang ein eigenes Kind zu haben?

Sie hätte ihnen ewig beim Spielen zusehen können, wenn das

Baby  nicht  unruhig  geworden  wäre.  Da  Tony  ihm  gerade  erst
vorhin die Flasche gegeben hatte, nahm Olivia an, dass er nur

Page 92

background image

hochgenommen werden wollte.

Ganz  vorsichtig  hob  sie  den  Kleinen  auf  die Arme.  Wie  eine

kleine  Schildkröte  streckte  er  das  Köpfchen  vor,  um  sie
anzusehen.  Sein  Schmollmündchen  brachte  Olivia  zum
Schmunzeln.  Es  sah  aus,  als  sei  er  verstimmt,  in  fremder
Umgebung  aufzuwachen.  Sie  drückte  ihn  an  sich  und  sah  zu,
wie er herzhaft gähnte.

Dann setzte sie sich mit Shawn in einen bequemen Sessel. Es

fiel  ihr  nicht  schwer,  sich  zu  entspannen.  Shawn  schien  sie  zu
mögen,  denn  er  kuschelte  sich  vertrauensvoll  an  sie.  Instinktiv
summte  sie  eine  Melodie,  während  sie  ihn  sacht  hin  und  her
wiegte. Es dauerte nicht lange, da gähnte sie auch und dachte,
dass sie, wenn sie schon kein eigenes Baby haben konnte, jetzt
wenigstens wusste, wie es war, eins im Arm zu halten.

Mit  Maggie  auf  dem  Arm  und  ganz  Ohr  für  Lukes

Weihnachtswünsche ging Tony ins Haus zurück.

An  der  Tür  zum  Wohnzimmer  blieb  er  abrupt  stehen,  als  er

Olivia  mit  Shawn  in  den  Armen  im  Sessel  schlafen  sah.
Augenblicklich  brachte  er  Luke  und  Maggie  zum  Schweigen,
weil  er  Olivia  nicht  aufwecken  wollte.  Er  hätte  stundenlang
dastehen und sie einfach nur betrachten können.

Es  war  geradezu  eine  Offenbarung,  sie  im  Schlaf  zu

überraschen  und  plötzlich  tief  im  Herzen  zu  erkennen,  was  er
bisher nicht hatte wahrhaben wollen.

Genau das war es, was er sich wünschte.

Vom Spielen mit den Kindern – seinen Kindern – nach Hause

zu kommen, wo seine Frau mit seinem Baby in den Armen auf
ihn  wartete.  Er  wollte  sie  umhegen,  wollte  sie  lieben.  Er  wollte
sich  um  eine  ganze  Familie  kümmern,  nicht  nur  um  ein

Page 93

background image

einzelnes  Baby.  Er  wollte  all  seine  Liebe  geben  und
wiedergeliebt werden. Er wollte alles.

Mit  heftig  klopfendem  Herzen  und  einem  Ziehen  in  der

Magengrube  setzte  er  Maggie  ab  und  zog  Luke  näher.  Leise
bat  er  die  Kinder,  ihre  Schlafanzüge  anzuziehen  und  sich  im
Bad zu waschen.

„Trag  mich.“  Maggie  streckte  ihm  erneut  die Arme  entgegen,

doch Tony schüttelte den Kopf.

„Diesmal nicht, Süße. Luke, kannst du Maggie beim Aus-und

Anziehen helfen?“

„Sicher. Manchmal zieht sie ihre Sachen verkehrt herum an.“

Maggie runzelte die Stirn. „Ich bin noch ein kleines Mädchen,

und das macht nichts. Sagt Mommy.“

Tony  schmunzelte.  „Und  deine  Mom  hat  recht.“  Er  umarmte

Maggie  kurz.  „So,  und  jetzt  ab  ins  Bad  mit  euch.  Ich  baue
unterdessen das Zelt auf, okay?“

Luke  wollte  auch  umarmt  werden.  „Können  wir  noch

Marshmallows und heiße Schokolade haben?“

„Ich  glaube,  ich  habe  noch  Kakao  im  Haus.  Wir  werden

nachsehen,  sobald  ihr  fertig  seid.  Aber  wir  dürfen  nicht
vergessen, vor dem Schlafengehen noch die Zähne zu putzen.“

„Es ist noch gar nicht Zeit zum Schlafengehen.“

Tony  strich  Luke  übers  Haar.  „Ich  weiß.  Es  gibt  ja  auch  noch

eine Gutenachtgeschichte. Und wenn es Zeit ist, verspreche ich
dir, in eurer Nähe zu schlafen, okay?“

Luke nickte, bemüht, nicht zu erleichtert dreinzusehen. „Da wird

Maggie froh sein.“

Gleich  darauf  ging  er  mit  seiner  Schwester  an  der  Hand  den

Page 94

background image

Flur entlang. Es erfüllte Tony mit Stolz, dass die beiden so liebe
Kinder  waren.  Und  er  hoffte,  dass  er,  wenn  Olivia  erst
schwanger war, ein ebenso guter Vater werden würde wie sein
Bruder John.

Bei  diesem  Gedanke  krampfte  sich  ihm  erneut  der  Magen

zusammen,  und  er  ging  zu  Olivia  hinüber.  Er  hatte  es  nie  so
empfunden, doch als er sie jetzt betrachtete, entspannt und mit
einem kleinen zufriedenen Lächeln, fand er sie sehr hübsch. Er
schluckte und trat leise näher.

Sie war offenbar ganz erschöpft, denn genau wie er hatte sie

in der Nacht kaum geschlafen. Ihr gemeinsames Vorhaben war
schon Anlass genug, um aus dem seelischen Gleichgewicht zu
geraten.

Sie  schlafen  zu  sehen,  völlig  gelöst  und  ohne  jede  Spur  von

Stolz und Beharrlichkeit, die sonst ihre Haltung bestimmten, war
für  Tony  sehr  aufschlussreich.  Er  hatte  Olivia  immer  einseitig
betrachtet.  Dabei  hätte  er  wissen  müssen,  dass  sie
vielschichtiger war als die meisten anderen Frauen.

Von  ihrer  Familie  zu  reden  hatte  sie  aufgewühlt  und  nach

Worten suchen lassen, wie er es überhaupt nicht von ihr kannte.
Ihr Schmerz hatte ihn tief berührt. Mit seinem Kuss hatte er sie
ablenken  und  trösten  wollen.  Doch  wie  immer,  seit  er  diesen
seltsamen  Handel  mit  Olivia  eingegangen  war,  hatte  eine
Berührung  genügt,  um  sich  nach  weiteren  zu  verzehren.  Für
einen  Moment  hatte  er  tatsächlich  vergessen  gehabt,  dass
Maggie und Luke draußen spielten.

Tony war froh, dass Luke hereingekommen war, denn er wollte

nicht,  dass  Olivia  glaubte,  zwischen  ihnen  drehe  sich  alles  nur
um Sex oder darum, ein Baby zu zeugen. Sie waren Freunde,

Page 95

background image

genau  wie  sie  gesagt  hatte.  Inzwischen  sogar  engere,  als  er
sich das je hätte vorstellen können, aber es gefiel ihm.

Shawn strampelte, dann kuschelte er sich wieder an ihre Brust,

und ohne die Augen zu öffnen, klopfte Olivia ihm sanft auf den
Rücken und beschwichtigte ihn leise. Tony legte eine Hand auf
ihre Hand.

Olivia riss die Augen auf, brauchte jedoch einen Moment, um

sich zu orientieren. Dann lächelte sie. „Hallo.“

„Hallo.“

„Er wollte gehalten werden.“

„Das sehe ich.“

„Er schläft viel, nicht wahr?“

„Das  tun  Säuglinge  nun  einmal“,  erwiderte  er  im  Flüsterton,

während  er  ihr  tief  in  die  dunklen  Augen  sah  und  nichts
sehnlicher wollte, als sie in die Arme zu ziehen. „Wir sollten ein
Buch über Babys besorgen, damit wir wissen, was uns erwartet,
wenn unseres geboren ist.“

Der  schmerzliche  Ausdruck  in  ihren  Augen  ließ  Tony

automatisch  die  Hand  nach  ihr  ausstrecken.  „Was  hast  du,
Olivia? Bist du okay?“

Sie schluckte und holte tief Atem. „Ja, ich bin okay. Es ist nur

… Tony, wirst du sehr enttäuscht sein, wenn ich nicht schwanger
werde? Was ist, wenn wir es zwei Wochen lang versuchen, wie
vereinbart, es aber nicht klappt?“

„Dann  versuchen  wir  es  eben  weiter.“  Da  war  er  sich  ganz

sicher. Er wollte nicht, dass eine andere Frau sein Kind zur Welt
brachte. Er wollte diese Frau.

„Ich  …  ich  weiß  nicht,  ob  das  wirklich  eine  gute  Idee  ist.  Wir

Page 96

background image

waren uns doch darüber einig …“

Er kauerte sich vor sie hin, schlang ihr die Arme um die Taille

und lehnte den Kopf gegen ihre Oberschenkel. Sie fuhr ihm mit
den Fingern durchs Haar. „Tony?“

„Pst.  Mach  dir  keine  Sorgen.  Lass  uns  einfach  abwarten  und

sehen,  was  passiert.“  Er  hielt  sie  umschlungen,  bis  er  die
Kinder  aus  dem  Bad  kommen  hörte.  Seufzend  erhob  er  sich.
„Wird  Zeit,  dass  ich  das  Zelt  aufbaue.  Wirst  du  denn  heute
Nacht mit uns zelten?“

„Ich  habe  weder  einen  Schlafanzug  für  mich  noch  eine

Zahnbürste noch …“

„Ich habe einen Mickymaus-Schlafanzug im Schrank, den Kate

mir einmal als Jux geschenkt hat. Den kannst du anziehen. Und
ich habe auch eine Zahnbürste vorrätig.“

„Ja? Sollte ich fragen, warum?“

Er grinste. „Lieber nicht.“

Olivia runzelte die Stirn, und er gestand sich ein, dass ihm ihr

Anflug  von  Eifersucht  gefiel,  auch  wenn  sie  dergleichen  nie
zugeben würde.

Behutsam,  damit  er  ihn  nicht  weckte,  legte  er  Shawn  auf  die

Decke zurück. „Komm. Du kannst mir mit dem Zelt helfen.“

Zunächst schoben sie die Möbel zur Seite, um dann das Zelt

mitten  im  Raum  aufzubauen.  Anschließend  zündete  Olivia  im
Kamin  ein  Feuer  an,  während  Tony  in  der  Küche  nach
Marshmallows und Kakao suchte. Shawn wachte auf und fing an
zu  quengeln,  und  obwohl  Olivia  das  übernehmen  wollte,  hatte
sie  große  Schwierigkeiten  beim  Windelwechseln.  Lachend
zeigte ihr Tony, wie man es richtig machte.

Page 97

background image

Er  merkte,  dass  sie  Shawn  gern  die  Flasche  gegeben  hätte,

sich aber zurückhielt und so tat, als sei sie höchst interessiert an
der  albernen,  umständlichen  Geschichte,  die  Maggie  ihr  von
ihrem  Lieblingszeichentrickfilm  erzählte.  Tony  beobachtete  sie
heimlich, und in ihm reifte ein Plan.

Nach  allem,  was  sie  als  Kind  erlebt  hatte,  bildete  Olivia  sich

vielleicht  nur  ein,  keine  eigene  Familie  zu  wollen.  Vielleicht
konnte  er  sie  vom  Gegenteil  überzeugen.  Auch  wenn  er  eine
mögliche  Zurückweisung  fürchtete,  so  konnte  er  sich  der
besonderen  Situation,  die  romantische  Vorstellungen  einer
intakten Verbindung geradezu heraufbeschwor, nicht entziehen.
Mit einer Frau zusammen zu sein, zu agieren wie eine Familie
mit  drei  Kindern  ließ  ihn  sich  erneut  sehnlichst  eine  eigene
Familie wünschen.

Sein  ursprünglicher  Plan  war  jedoch  viel  realistischer  und

einfacher durchzuführen. Er wusste, dass er ein Kind lieben und
ein  guter  Vater  sein  konnte.  Aber  eine  Ehefrau  …  das  war
riskant.  Konnte  er  wirklich  von  Olivia  erwarten,  dass  sie  ihr
Leben  änderte,  um  eine  Familie  in  ihrem  arbeitsreichen
Geschäftsalltag unterzubringen?

Tony kam zu dem Schluss, dass er mehr Zeit brauchte – Zeit,

um sie mit den Kindern zu beobachten, um mit ihr zusammen zu
sein.  Morgen  würde  er  ihr  in  seinem  Büro  die  Pläne  zur
Erweiterung  des  Northwestern  Crown  Hotels  zeigen,  um  zu
sehen, wie sie die Eingliederung ihrer neuen Dessous-Boutique
fand.

Bis dahin …

Er  ging  zu  ihr  hinüber  und  legte  ihr  kurzerhand  Shawn  in  den

Schoß. Mit großen Augen sah sie zu ihm auf, hoffnungsvoll und

Page 98

background image

zugleich  ein  wenig  verunsichert.  Dann  drückte  er  ihr  das
Fläschchen in die Hand. Shawn wurde unruhig.

„Ich glaube, er hat Hunger, Honey. Fütterst du ihn?“

„Du willst, dass ich ihn füttere?“

„Halt die Flasche hoch, damit er keine Luft schluckt und leg ihm

ein Lätzchen unters Kinn, weil er meistens ganz schön sabbert.“

Behutsam  brachte  Olivia  Baby  und  Flasche  in  die  richtige

Stellung.  Als  Shawn  schließlich  an  der  Flasche  nuckelte,
ermunterte sie Maggie, ihre Geschichte weiterzuerzählen.

Es  rührte  Tony,  als  er  Olivia  den  Kleinen  füttern  sah.  Und  er

fragte  sich  einmal  mehr,  ob  er,  wenn  er  nur  das  Baby  behielt,
nicht auf das Beste an der Vereinbarung verzichtete.

Page 99

background image

6. KAPITEL

Nach  mehreren  Geschichten  und  viel  Gelächter  schliefen

Maggie und Luke endlich ein.

Tony hatte sie alle in einer Reihe im Zelt platziert: Zuerst kam

Luke,  dann  er  selbst,  dann  Maggie  und  schließlich  Olivia. Am
liebsten hätte er natürlich direkt neben Olivia gelegen, aber das
hätte ihm zu viel Selbstbeherrschung abverlangt. Jetzt, kurz vor
Mitternacht, wandte er den Kopf und sah im schwachen Schein
des  Feuers,  der  durch  die  Zeltwand  drang,  dass  Olivia  mit
offenen Augen dalag. Über Maggie hinweg strich er mit einem
Finger sacht Olivias Arm entlang.

Sie lächelte ihn an. „Schlafen sie?“

Er antwortete ebenso leise: „Ich glaube schon.“

„Ich habe noch nie auf dem Boden geschlafen.“

Er grinste und zog an ihrem Schlafanzugärmel, bis sie ihm ihre

Hand gab. „Eine Menge neuer Erfahrungen heute, hm?“

Als sie sich verlegen auf die Lippe biss, hätte er beinahe laut

gelacht.  „Ich  meinte,  einen  Mickymaus-Schlafanzug  zu  tragen.
Und  einem  Baby  die  Flasche  zu  geben.  Mit  einer
schnarchenden Dreijährigen in einem Wohnzimmer zu zelten.“

Nun  musste  auch  Olivia  grinsen.  „Und  ich  dachte  schon,  du

meinst etwas ganz anderes.“

„Macht es dir Spaß?“

Sie  drehte  sich  vorsichtig  auf  die  Seite,  um  ihn  ansehen  zu

können, ohne ihm die Hand zu entziehen. „Ich denke schon. Ich
habe  dich  immer  als  formellen  Geschäftsmann  gesehen,  und
dabei bist du der reinste Abenteurer.“

Page 100

background image

„Ich  und  formell?  Du  bist  doch  diejenige,  die  von  ihren

Geschäften völlig durchdrungen ist.“

„Ich habe mich an dir orientiert.“

„Ah, es ist also mein Fehler, dass du so skrupellos bist?“

„Es  ist  mir  ernst.  Ich  habe  dich  immer  sehr  bewundert.“  Und

dann bekannte sie, dass sie, noch ehe sie mit ihm wegen ihrer
ersten Boutique verhandelt habe, jeden Artikel über ihn gelesen
habe,  den  sie  habe  finden  können.  Und  dass  sie  es  zutiefst
beeindrucke,  wie  er  aus  einer  mittelmäßigen  Hotelkette  ein
schnell wachsendes, erfolgreiches Unternehmen gemacht habe.

Natürlich hatte Tony schon oft diese Lobeshymne vernommen,

aber  sie  von  Olivia  zu  hören,  bedeutete  mehr.  Und  er  musste
sich eingestehen, dass es ihm sehr gefiel, leise im Dunkeln mit
ihr  zu  reden.  Er  erzählte  selten  etwas  über  sich,  doch  nun
erschien ihm das ganz selbstverständlich.

„Nach  dem  Tod  meines  Vaters  musste  ich  unbedingt  etwas

tun, um mich abzulenken. Es war keine leichte Zeit, denn er war
der  beste  Vater  überhaupt.  Er  hat  mir  alles  beigebracht,  was
man in der Hotelbranche wissen muss, aber genau wie John hat
er über dem Beruf nie seine Familie vernachlässigt. Manchmal
frage ich mich, wo ich heute stehen würde, wenn er noch lebte.“

„Du hättest dein eigenes Unternehmen. Denn du bist ein sehr

hart  arbeitender,  erfolgsorientierter  Mann.  Ich  wette,  du  warst
schon in der Schule immer ein Streber.“

Er  lachte  leise.  „Vermutlich.  Und  es  ist  nicht  so,  dass  ich

bedauere,  immer  viel  gearbeitet  zu  haben.  Es  hätte  allerdings
auch  noch  anderes  geben  können.“  Er  wusste,  dass  sie  ihn
verstand, als sie seine Hand drückte.

„Das wird es. Jetzt. Du wirst eine eigene Familie haben, Tony,

Page 101

background image

warte  nur  ab.  Du  hast  noch  jede  Menge  Zeit,  um  dich  neuen
Aufgaben  zu  widmen.  Du  bist  jung  und  intelligent  und  sehr  gut
aussehend und …“

Es irritierte ihn, sie über sein Leben sprechen zu hören, ohne

dass  sie  sich  einbezog.  Auch  wenn  er  das  ursprünglich  so
geplant  hatte  und  es  vielleicht  wirklich  die  beste  Lösung  war,
schreckte  er  instinktiv  vor  dem  Gedanken  zurück,  sie  zu
verlieren.

„Sehr gut aussehend, soso.“

„Hör auf, nach Komplimenten zu angeln. Du weißt doch genau,

wie du aussiehst. Warum stehst du nicht ehrlich dazu?“

Auch  wenn  der  Feuerschein  kaum  noch  durch  die  Zeltwand

drang, so sah Tony doch, dass sie schmunzelte. „Das ist eine
deiner Eigenschaften, die ich besonders an dir mag, Olivia. Du
bist  offen  und  ehrlich.  Ich  brauche  deine  Motive  nicht  zu
hinterfragen.“

Er spürte, wie sie plötzlich ganz still wurde, sich gefühlsmäßig

zurückzuziehen  schien.  Anstatt  das  Gespräch  fortzusetzen,
meinte sie nur: „Wir sollten jetzt schlafen. Du weißt doch, dass
ich  letzte  Nacht  kaum  ein  Auge  zugetan  habe.  Tony  verstand
nicht, warum ihre Stimmung so abrupt umgeschlagen war. Statt
nachzufragen, hielt er einfach weiterhin ihre Hand fest. „Tut mir
leid, dass du deshalb so müde bist, aber es freut mich, dass ich
nicht allein gelitten habe.“ Da sie nichts erwiderte, fügte er hinzu:
„Gute Nacht, Sweetheart. Wenn du nachts etwas brauchst, weck
mich auf.“

Demonstrativ schloss sie die Augen.

Aber  sie  zog  ihre  Hand  nicht  weg.  Und  dann  hörte  er  sie

flüstern: „Gute Nacht, Tony.“

Page 102

background image

Es  war  noch  sehr  früh,  als  Olivia  von  Maggie  aufgeweckt

wurde. „Livvy, ich muss mal.“

„Oh.“  Einen  Moment  lang  war  Olivia  ratlos.  Sie  sah  zu  Tony

hinüber.  Luke  hatte  sich  eng  an  ihn  gekuschelt.  Draußen  vor
dem  Zelt  schlief  Shawn.  Sie  hatten  Sofakissen  um  ihn  herum
gelegt, damit nachts niemand versehentlich auf ihn trat. Zweimal
hatte  sie  ihn  quengeln  hören,  und  jedes  Mal  war  Tony  leise
aufgestanden, um ihm die Flasche zu geben.

Olivia  wollte  ihn  nicht  erneut  wecken,  aber  sie  hatte  keine

Ahnung, was sie mit Maggie anfangen sollte. „Kannst du denn
schon allein aufs Töpfchen gehen?“

Im  Dämmerlicht  konnte  sie  kaum  erkennen,  dass  Maggie

nickte. „Komm aber mit.“

„Oh.“  Olivia  kam  sich  langsam  idiotisch  vor.  Natürlich  wollte

das kleine Mädchen nicht allein gehen. Es war stockdunkel im
Haus.  „Okay.  Aber  wir  müssen  ganz  leise  sein,  damit  wir
niemanden aufwecken.“

Als sie kurz darauf das Bad betraten, wollte Olivia wissen, ob

sie helfen solle.

Maggie schüttelte den Kopf. „Bleib aber bei mir.“

„In Ordnung.“

Maggie grinste sie an, und Olivia lehnte sich an die Wand und

wartete, bis Maggie fertig war.

Als sie zurückgetragen werden wollte, zögerte Olivia nicht. Im

Gegenteil, es gefiel ihr, wie sich das kleine warme Mädchen an
sie schmiegte, ihr vertraute.

Geräuschlos krochen sie ins Zelt zurück. Doch kaum hatte sie

Maggie wieder zugedeckt, da hörte sie Tony sagen: „Du bist ein

Page 103

background image

Naturtalent im Umgang mit Kindern, Olivia.“

Diesmal  kümmerte  es  sie  nicht,  dass  er  auf  etwas  anspielte,

was sie nie erleben würde, denn sie fühlte sich sehr gut. „Schlaf
weiter, Tony.“

„Ja, schlaf weiter, Tony“, murmelte Maggie. Und innerhalb von

Sekunden wurde im Zelt wieder leise geschnarcht.

Tonys Mutter erschien um halb neun mit einer Tüte Krapfen und

der  Neuigkeit,  dass  es  Lisa  inzwischen  viel  besser  gehe,
abgesehen  von  ihrer  anhaltenden  allgemeinen  Erschöpfung.
Das Penizillin habe Wunder gewirkt, und sie könne es gar nicht
abwarten, ihre Kinder wiederzusehen.

„Wenn der Arzt sein Okay gibt, kann Lisa wohl am Nachmittag

schon nach Hause“, erklärte Sue.

„Ist das nicht ein wenig verfrüht?“, fragte Tony. Sie saßen am

Esszimmertisch,  während  Maggie  und  Luke  sich  in  der  Küche
über  die  Krapfen  hermachten.  Sue  hatte  Shawn  auf  dem Arm
und  schnitt  ihm  immer  wieder  Grimassen  oder  redete  in  der
Babysprache  mit  ihm.  Tony  merkte,  dass  Olivia  geradezu
fasziniert vom Verhalten seiner Mutter war.

„Sie schien ganz okay zu sein, aber ich bin natürlich kein Arzt.“

Sue  lächelte  Olivia  an.  „Sie  wissen  ja,  wie  das  mit  Müttern  so
ist.  Sie  können  es  nicht  ertragen,  einmal  von  ihren  Kindern
getrennt zu sein. Zudem sorgt sie sich, dass die drei Tony auf
die Nerven gehen. Sie wusste ja nicht, dass Sie hier waren, um
ihm zu helfen.“

Die  Anspielung  seiner  Mutter  war  nicht  zu  überhören.  Doch

Olivia  lächelte  nur.  Tony  war  stolz  auf  sie,  so,  wie  sie  seine
Mutter  begrüßt  hatte,  wie  sie  sich  ganz  natürlich  gab.  Im  Haus
des Geliebten von dessen Mutter überrascht zu werden, daran

Page 104

background image

war  Olivia  nun  wirklich  nicht  gewöhnt.  Aber  sie  hatte  die
Situation bemerkenswert gut gemeistert.

In  Kakihose  mit  scharfer  Bügelfalte  und  schwarzem  Pullover

sah  sie  nicht  aus  wie  eine  Frau,  die  die  Nacht  auf  dem
Fußboden  verbracht  hatte.  Sie  war  bereits  angezogen
gewesen, als er aufgewacht war, und das hatte ihn geärgert. Er
hatte  Kaffee  für  sie  kochen  und  sie  mit  einem  Kuss  wecken
wollen.  Stattdessen  hatte  sie  den  Kaffee  gekocht  und  alle
Spuren  des  Schlafes  beseitigt,  ehe  er  auch  nur  aus  dem  Zelt
gekrochen war. Sie war wieder ganz die beherrschte, elegante
Lady  aus  der  Geschäftswelt.  Auch  wenn  er  ihren  Anblick
genoss, so wollte er doch häufiger ihre weichere, zugänglichere
Seite zu sehen bekommen.

Und er begehrte sie erneut. Eigentlich immer. Sie brauchte nur

auf ihn zuzukommen, und schon hatte er Lust.

„Tony hat die ganze Arbeit gemacht, Sue. Ich fürchte, ich habe

nicht viel Erfahrung mit Kindern. Aber sagen Sie Lisa bitte, dass
die  Kids  sehr  lieb  waren.  Ich  habe  die  Zeit  mit  ihnen  sehr
genossen und vie Spaß gehabt.“

In diesem Moment erschien Maggie neben Olivia. Ihr Gesicht

und  ihre  Hände  waren  voller  Zuckerglasur,  und  ohne  auch  nur
eine Sekunde zu zögern, wischte Olivia sie mit einer Serviette
ab.

Maggie lachte sie an. „Trag mich, Livvy.“

Olivia hob Maggie auf ihren Schoß. „Und wohin gehen wir?“

„Aufs Töpfchen.“

Olivia stand auf und entschuldigte sich für einen Moment.

Weil sie so ungezwungen mit Maggie umgegangen war, stand

für  Tony  fest,  dass  er  Fortschritte  machte. Auch  wenn  er  nicht

Page 105

background image

sicher war, auf welches Ziel hin.

Dass er ihr lächelnd nachsah, merkte er erst, als seine Mutter

ihn mit dem Fuß anstieß. „Sie hat eine natürliche Begabung für
den Umgang mit Kindern.“

Er lachte. „Das habe ich ihr heute Nacht auch gesagt.“

Sue 

war 

ganz 

damit 

beschäftigt, 

Shawns 

Decke

zurechtzuzupfen. „Es hat sich ja gut getroffen, dass sie gestern
hier war, als John die Kinder brachte.“

„Ich hätte es auch allein geschafft.“

„Du hattest noch nie alle drei über Nacht.“

„Stimmt. Aber wir hätten uns schon irgendwie durchgewurstelt.

Shawn schläft ja noch die meiste Zeit.“ Die Miene seiner Mutter
verriet Tony, dass sie ihm sozusagen eine Galgenfrist gab, aber
keineswegs von ihrem Kurs abzubringen war.

„Also … was hat Olivia hier gemacht?“

Seine  Mutter  konnte  durchaus  taktvoll  sein,  wenn  sie  wollte.

„Es waren schon häufiger Frauen in meinem Haus.“

„In jüngster Zeit jedenfalls nicht. Und Olivia, wenn ich mich nicht

irre, ist nicht nur irgendeine andere Frau.“

Ihre Beziehung war viel zu kompliziert, um sie seiner Mutter zu

erklären.  Insbesondere,  weil  er  sie  selbst  nicht  verstand.  Er
beschloss,  ihre  mütterliche  Neugier  im  Keim  zu  ersticken.
„Olivia  hängt  mehr  an  ihrem  Beruf  als  ich.  Sie  will
vorankommen, nicht zu Hause bleiben.“

„Na  und?  Viele  Frauen  sind  heutzutage  berufstätig  und

versorgen  zudem  eine  Familie.  Und  du  bist  nicht  gerade
mittellos. Ich glaube, zwischen euch beiden …“

„Mom, du bist viel zu voreilig. Olivia hat mir ganz klar gesagt,

Page 106

background image

dass sie keinen Ehemann und keine Familie will. Sie wäre völlig
ungeeignet  als  Ehefrau.  Hör  also  auf,  mich  verkuppeln  zu
wollen.“

Sue sah Richtung Tür und räusperte sich. Olivia stand dort, rot

im  Gesicht  vor  Verlegenheit  und  mit  tief  verletztem  Blick. Am
liebsten  hätte  Tony  sie  in  die  Arme  gerissen  und  ihr
geschworen,  dass  er  das,  was  er  eben  gesagt  hatte,  nicht  so
meinte. Aber  er  wusste  ja  nicht  einmal,  inwieweit  seine  Worte
wirklich zutrafen.

Olivia zwang sich zu einem Lächeln, als sie wieder Platz nahm.

„Ich  fürchte,  er  hat  recht,  Sue.  Die  Ehe  ist  nichts  für  mich.  Die
letzte Nacht mit den Kindern war mein erster näherer Kontakt zu
Kindern  überhaupt,  und  ich  bin  mir  nicht  einmal  sicher,  ob  ich
alles  richtig  gemacht  habe.  Was  jedoch  keine  Rolle  spielt.  Ich
bin  Geschäftsfrau  und  absolut  kein  Familienmensch.“  Sie
lachte, doch Tony merkte genau, dass ihre Heiterkeit nicht echt
war.  „Ein  solches  Leben  ist  nichts  für  mich.  Für  Tony  schon,
nachdem  ich  ihn  als  fürsorglichen  Onkel  erlebt  habe.  Er  sollte
unbedingt eigene Kinder haben.“

Seine  Mutter  war  der  gleichen  Meinung  und  plauderte  dann

noch  beiläufig  über  dies  und  jenes.  Doch  die  gespannte
Atmosphäre  blieb.  Olivia  wurde  erneut  zu  Thanksgiving
eingeladen. Und kurz darauf brach Sue mit den Kindern auf.

Nachdem  die  Haustür  hinter  ihnen  ins  Schloss  gefallen  war,

wandte  Tony  sich  mit  herausforderndem  Grinsen  zu  Olivia  um.
„Und jetzt zu dir.“

„Zu mir?“

„Wie  hast  du  es  nur  fertiggebracht,  so  früh  aufzustehen  und

dich  so  nett  zurechtzumachen,  ohne  dass  etwas  zu  hören

Page 107

background image

gewesen  wäre?“  Er  strich  über  ihren  sorgfältig  geflochtenen
französischen  Zopf,  der  gleichzeitig  lässig  und  elegant  wirkte.
Sie hatte nur einen Hauch Make-up aufgelegt – mehr brauchte
sie  auch  nicht  bei  ihren  seidigen  dunklen  Wimpern,  den
schönen Brauen und dem makellosen Teint. „Du siehst wirklich
nicht aus wie eine Frau, die letzte Nacht in einem Zelt kampiert
hat.“

„Danke.“  Olivia  legte  ihm  die  Hände  auf  die  Schultern.  „Ich

wusste  doch,  dass  deine  Mutter  kommen  würde,  und  dachte,
die  Situation  wäre  weniger  peinlich,  wenn  ich  sozusagen
empfangsbereit wäre.“

„Du siehst großartig aus. Wie immer.“ Sein Blick blieb an ihren

Brüsten  hängen.  „Trägst  du  denn  auch  heute  sexy
Unterwäsche?“

„Nein.“

„Warum nicht? Ich dachte, du trägst gern welche. Ich hatte mich

schon darauf gefreut, dass du mich damit wieder ganz verrückt
machst.“

Sie  räusperte  sich.  „Ich  hatte  nicht  damit  gerechnet,  hier  zu

übernachten. Daher hatte ich nicht nur keine Zahnbürste dabei,
sondern auch keine frische Wäsche.“

„Verstehe … Du trägst darunter also …“

„Gar nichts.“

Aufstöhnend zog er sie an sich. „Weck mich das nächste Mal

auf, ehe du aufstehst.“

Und  wieder  überraschte  sie  ihn.  Sie  löste  sich  von  ihm  und

verschränkte die Arme. „Ich glaube nicht, dass es ein nächstes
Mal  geben  wird.  Das  Übernachten,  das  Spielen  mit  Kindern,
das  morgendliche  Geplauder  mit  deiner  Mutter  –  das  gehört

Page 108

background image

nicht zu unserer Abmachung, Tony.“

Er  wollte  sie  berühren,  doch  ihre Abwehrhaltung  war  deutlich

genug. „Ich dachte, du hättest deinen Spaß gehabt.“

„Es  war  nicht  vorgesehen,  dass  ich  ganz  allgemein  meinen

Spaß habe, sondern nur … Na ja, du weißt schon …“

Tony  grinste.  „Aha.  Ich  habe  meinen  Teil  der  Abmachung

vernachlässigt,  stimmt’s?  Und  dabei  hatte  ich  doch
versprochen, dich nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen.“

Sie wich zurück, als er sie umarmen wollte. „Du hast mich nicht

enttäuscht! Ich meinte vielmehr …“

Trotz  ihres  Widerstands  schloss  Tony  sie  in  die  Arme  und

drängte sie sacht an sich. „Du weißt noch gar nicht, was dir alles
fehlt.“

Sie wollte erneut protestieren, doch er brachte sie kurzerhand

mit einem Kuss zum Schweigen.

Und diesmal wehrte sie sich nicht.

Olivia stöhnte auf, weil ihre Lustgefühle kaum noch auszuhalten

waren. Tony war tief in ihr versunken und sah ihr dabei ebenso
tief in die Augen.

Er hatte recht. Sie hatte nicht geahnt, was ihr alles abging.

Mit einer Hand hielt er ihren Po umspannt und drängte sie, in

seinen Rhythmus zu verfallen. „Beweg dich mit mir, Sweetheart.
Ja, genau so.“ Lustvoll stöhnend schloss er kurz die Augen, um
Beherrschung bemüht. Es gefiel ihr, zuzusehen, wie er mit sich
rang, und zu wissen, dass sie eine solche Wirkung auf ihn hatte.

Als er die Arme unter ihre Knie hakte und sie anhob, sodass

sie ihm völlig ausgeliefert war, geriet sie fast in Panik. Sie füllte
sie  so  vollständig  aus,  dass  sich  ihre  Lust  mit Angst  mischte.

Page 109

background image

Tony beugte sich vor, um sie zu küssen.

„Hab  keine  Angst.“  Er  bewegte  sich  heftiger  in  ihr  und

beobachtete dabei ihr Gesicht. „Sag mir, wenn ich dir wehtue.“

„Tony …“

„Tief, Honey, in dem Buch hieß es ganz tief, erinnerst du dich?

Diese Stellung war deine Idee.“

Ja, sie erinnerte sich, wie sie im Restaurant spöttisch über die

besten Empfängnismethoden geredet hatte. Aber daran dachte
sie  nun  wirklich  nicht,  dazu  waren  ihre  Glücksgefühle  viel  zu
stark, zu berauschend.

Die elektrisierende Spannung in ihr wuchs und wuchs, und auf

einmal  war  es,  als  wirbele  eine  wilde,  urgewaltige  Kraft  sie
davon, und sie schloss verzückt die Augen.

„Sieh mich an!“

Tonys Stimme drang kaum in ihr Bewusstsein vor. Sie schaffte

es,  die  Lider  zu  heben,  und  als  ihre  Blicke  verschmolzen,
erreichten  ihre  Gefühle  eine  Dimension,  die  weit  über  die
Vereinigung ihrer Körper hinausging.

Seine Augen  strahlten,  sein  Gesicht  war  erhitzt,  und  als  er  in

höchster  Lust  aufstöhnte,  wusste  sie,  dass  auch  er  einen
Höhepunkt  erlebte,  der  einer  Explosion  gleichkam.  Und  dann
ließ Tony sich langsam auf sie sinken und blieb erschöpft auf ihr
liegen.

Die  emotionale  Seite  der  körperlichen  Liebe  erschien  ihr

kaum erträglich. Tränen traten ihr in die Augen, doch zum Glück
merkte Tony nichts davon, weil er immer noch nach Atem rang.
Als er sich zur Seite rollen wollte, hielt sie ihn fest.

Er presste seine Wange an ihre. „Du bist fantastisch, weißt du

Page 110

background image

das eigentlich?“

Sie fragte sich, ob das wirklich wahr war. War die Liebe immer

so schön, oder hatten sie etwas Besonderes gemacht? Für sie
jedenfalls war es etwas Besonderes.

„Was  ist,  Honey?“  Liebevoll  strich  Tony  ihr  eine  Haarsträhne

aus der Stirn. „Ich kann dich regelrecht denken hören.“

„Ausgeschlossen.“

„Doch. Irgendetwas beunruhigt dich, stimmt’s?“

Olivia fiel auf, dass er sich diesmal nicht entschuldigte, es nicht

richtig  gemacht  zu  haben.  Im  Gegenteil,  er  sah  derart
selbstgefällig  drein,  dass  sie  annahm,  dass  der  Liebesakt
genauso sein sollte. Dennoch …

„Es wird von Mal zu Mal intensiver.“

„Und das macht dir Kopfzerbrechen?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Soll es denn so sein?“

„Bei uns, ja.“

„Aber bei anderen nicht?“

„Olivia.“ Weil er sich offensichtlich über sie amüsierte, runzelte

sie die Stirn. Zärtlich strich er mit dem Daumen darüber, damit
sie sich wieder entspannte.

„Sex  ist  bei  jedem  anders,  aber  das  ist  kein  Grund  zur

Beunruhigung.  Manche  Leute  gehen  ganz  unbekümmert  damit
um.“

„Und du?“

Er zögerte, dann küsste er sie erneut. „Ich weiß nicht recht. Für

mich  ist  Sex  etwas  Natürliches  und  nichts,  wofür  man  sich
schämen müsste. Aber etwas Beiläufiges war es für mich auch
noch  nie.  Eine  Frau  musste  mir  schon  etwas  bedeuten.

Page 111

background image

Abenteuer für eine Nacht mag ich nicht. Aber … es war noch nie
so schön für mich. Nie so wie mit dir.“

„Stört dich das nicht?“

Sein unerwartetes Gelächter ließ sie zusammenzucken. „Nein.

Wahrscheinlich sollte es das, aber … verflixt, es gefällt mir.“

Er  unterband  alle  weiteren  Fragen,  indem  er  aufstand.  Einen

Moment lang betrachtete er eingehend ihren bloßen Körper, und
es  machte  Olivia  stolz,  dass  ihr  Anblick  ihm  Vergnügen
bereitete.  Dann  gab  er  ihr  einen  liebevollen  Klaps.  „Komm,
Frau. Die Pflicht ruft. Ich muss ins Büro.“

Sie reckte und streckte sich, weil sie sein Bett eigentlich nicht

verlassen  wollte.  „Du  hast  recht.  Ich  muss  auch  einige Anrufe
erledigen.“

„Kommst du mit in mein Büro?“

„Ah, die mysteriöse Sache, die du mir zeigen willst. Was ist es,

Tony?“

„Du wirst schon sehen.“

Auf  dem  Weg  ins  Bad  wunderte  sich  Olivia,  wie  schnell  sie

sich  daran  gewöhnte,  in  Gegenwart  eines  Mannes  nackt  zu
sein. „Wir treffen uns in deinem Büro. Denn ich muss erst nach
Hause,  um  mich  umzuziehen,  und  dann  kurz  in  mein  eigenes
Büro.“

Sie schloss die Badezimmertür. Als sie sich im Spiegel sah –

ihr Lächeln, ihre zufriedene Miene –, hielt sie inne. Was war sie
nur für eine Betrügerin! Tony würde sie zweifellos hassen, falls
er es je erfuhr.

Sie  überlegte  gerade,  ob  sie  das  ganze  Spiel  abbrechen

sollte,  ehe  sie  zu  tief  hineingeriet,  als  Tony  an  die  Tür  klopfte.

Page 112

background image

„Beeil dich, Honey. Je eher ich meine Geschäfte erledigt habe,
desto eher kann ich Feierabend machen. Vielleicht können wir
heute Abend ja zusammen essen.“

Gemeinsame  Abendessen  gehörten  natürlich  auch  nicht  zu

ihrer Vereinbarung, aber sie wollte schrecklich gern einwilligen.
Und  weil  ihr  Herz  einen  kleinen  Freudensprung  machte,  als  er
sie  wieder  „Honey“  nannte,  wurde  Olivia  klar,  dass  sie  sich
bereits viel zu sehr gefühlsmäßig engagiert hatte.

Sie war dabei, sich in Tony zu verlieben.

Page 113

background image

7. KAPITEL

Das  Klappern  ihrer  Absätze  hallte  in  dem  mit  Marmor

ausgelegten  Foyer  wider,  als  Olivia  zu  Tonys  Büro  ging.  Von
allen  Crown  Hotels  mochte  sie  dieses  hier  am  liebsten.
Vielleicht, weil es in ihrer Heimatstadt lag, oder auch, weil Tony
hier  die  meiste  Zeit  verbrachte.  Von  hier  aus  führte  er  seine
Geschäfte.

Sie war unzählige Male zu geschäftlichen Besprechungen hier

gewesen,  aber  noch  nie  als  Tony  Austins  Geliebte.  Deshalb
hatte sie sich sehr sorgfältig gekleidet, sachlich-schick, wie es
ihrem Stil als Geschäftsfrau entsprach. Sie wollte auf keinen Fall
ins  Gerede  kommen.  Es  würde  schwierig  genug  werden,  in
unpersönlichem  Ton  mit  Tony  zu  sprechen,  ganz  so,  als  hätte
sie nicht erst am Vormittag nackt mit ihm im Bett gelegen – als
hätte er sie nicht aufs Wunderbarste verwöhnt. Als hätte sie sich
nicht ausgiebig dafür revanchiert …

Seit dem Empfang war sie nicht mehr im Hotel gewesen, und

damals  hatte  sie  nicht  sonderlich  auf  dessen  Neugestaltung
geachtet.  Jetzt  tat  sie  es.  Und  die Ausstattung  gefiel  ihr  sehr.
Tony und sie hatten also auch einen ähnlichen Geschmack.

Gleich  darauf  wartete  sie  im  Vorzimmer  darauf,  dass  Martha

ein Telefonat beendete.

Es war geradezu lächerlich, wie nervös sie war, gerade so, als

würde  Martha  auf  einen  Blick  sehen,  dass  sie  nun  ein  intimes
Verhältnis zu Tony hatte.

Endlich legte Martha auf und begrüßte sie.

„Hallo, Martha. Ich möchte zu Mr Austin. Ist er zu sprechen?“

„Er  hat  mir  gesagt,  dass  ich  ihm  sofort  Bescheid  geben  soll,

Page 114

background image

wenn Sie kommen. Sekunde bitte.“

Dieser  verflixte  Mann!  Konnte  er  sich  nicht  einmal  an  seine

eigenen  Spielregeln  erinnern?  Denn  jeder,  der  Tony  sprechen
wollte, brauchte von jeher einen Termin, außer der Familie und
sehr engen Freunden. Martha eine solche Anweisung zu geben,
war  etwa  so,  als  gäbe  er  ihre  sexuelle  Beziehung  öffentlich
bekannt.

Und  dann  fiel  Olivia  ein,  dass  sie  ja  schon  häufig

unangemeldet  vorbeigekommen  war,  wenn  es  die  eine  oder
andere  vertragliche  Unstimmigkeit  zu  besprechen  gab.  Sie
hatte sich noch nie nach Tonys Spielregeln gerichtet, wenn sie
etwas wollte.

Die Bürotür ging auf, und Tony kam heraus, gefolgt von seinem

Schwager Brian. Sie hatte beinahe vergessen, dass Brian auch
in  dem  Familienunternehmen  arbeitete.  Es  kamen  noch  zwei
Männer  ins  Vorzimmer,  ebenfalls  Manager  von  Crown  Hotels,
die  Tony  ihr  auf  dem  Empfang  vorgestellt  hatte.  Sie  alle
lächelten sie an. Olivia fühlte sich schrecklich.

Es  war  ihr  fast  unmöglich,  ihre  professionelle  Miene

aufzusetzen,  besonders  weil  Tony  dastand  und  sie  höchst
vertraulich  angrinste.  Sicher  würden  die  anderen  Männer  das
merken, und dann wäre ihr Geheimnis keins mehr.

Sie  überlegte  noch,  wie  sie  reagieren  sollte,  als  Brian  ihre

Hand  ergriff.  „Olivia.  Es  ist  nett,  Sie  wiederzusehen.  Wie  ich
höre,  haben  Sie  am  Wochenende  Tony  beim  Babysitten
geholfen.  Kate  war  richtig  begeistert.  Sie  beurteilt  jeden
danach,  wie  er  mit  Kindern  umgeht,  und  sie  erklärte  spontan,
dass Sie eine natürliche Begabung haben.“

Olivia war sprachlos. Warum behaupteten alle, sie habe eine

Page 115

background image

natürliche Begabung? Sie hatte doch keine Ahnung im Umgang
mit Kindern. Und dann traf sie fast der Schlag.

Brian  hatte  eben  vor  versammelter  Mannschaft  verkündet,

dass sie das Wochenende mit Tony verbracht hatte. Sie stöhnte
innerlich. Während sie wie gebannt Brian anstarrte, kam ihr der
Verdacht, dass er sie und Tony absichtlich bloßgestellt hatte.

Sie  zwang  sich  zu  einem  höflichen  Nicken.  „Es  war  mir  ein

Vergnügen.“

Brian lachte. „Sehen Sie? Wer würde es schon ein Vergnügen

nennen,  drei  Kinder  über  Nacht  zu  betreuen?  Außer  Tony
natürlich.  Der  wäre  wohl  mit  einem  Dutzend  Kinder  erst  so
richtig glücklich.“

Auch  Tony  lachte.  „Einem  Dutzend?  Nein  danke.  Drei  haben

mir gereicht.“

Olivia  fasste  es  nicht,  dass  Tony  einfach  dastand,  lachte  und

scherzte und die Unterhaltung derart aus dem Ruder laufen ließ.
Wollte  er,  dass  alle  von  ihrer Abmachung  erfuhren?  Was  war
aus ihrer Übereinkunft geworden, einen Skandal zu vermeiden?

„Ich habe Tony schon ein paar Mal gesagt, dass ich nun an der

Reihe bin“, fuhr Brian fort. „Ich kann Sie und Tony nicht zufällig
nächstes Wochenende anheuern, oder? Meine beiden Töchter
wären begeistert, und Kate und ich hätten wieder einmal Zeit für
uns.“

Noch immer grinsend schüttelte Tony den Kopf. „Gib uns erst

einmal einen Monat Erholung, dann überlegen wir es uns.“

Einen  Monat?  In  einem  Monat  würden  sie  einander  gar  nicht

mehr sehen. Zwei Wochen, und dann hieß es adieu. Eigentlich
waren es nicht einmal mehr zwei Wochen, denn der Countdown
lief ja bereits.

Page 116

background image

Die  Erinnerung  an  die  zeitliche  Begrenzung  ihrer Affäre  trieb

Olivia  die  Tränen  in  die  Augen.  Als  sie  sich  wieder
einigermaßen im Griff hatte, sah sie, dass Tony dabei war, die
beiden Manager und Brian zu verabschieden. Martha, seine viel
beschäftigte  Sekretärin,  arbeitete  an  ihrem  Computer.  Dann
spürte sie Tonys Hand auf ihrem Arm.

„Komm, wir unterhalten uns in meinem Büro.“

Im Gegensatz zum Vorzimmer waren die Wände seines Büros

nicht  aus  Glas,  sodass  Olivia  und  Tony  unbeobachtet  waren.
Sie brauchte noch einen Moment, um sich zu fassen.

Tony  führte  sie  zu  einem  bequemen  Ledersessel.  „Alles  in

Ordnung mit dir?“

Nein, sie war nicht okay. Sie fühlte sich miserabel. „Das Ganze

ist einfach schrecklich.“

„Was denn?“

Entgeistert  starrte  sie  ihn  an,  weil  sie  nicht  glauben  mochte,

dass  er  derart  begriffsstutzig  war.  „Inzwischen  wird  bestimmt
schon  im  ganzen  Hotel  über  uns  geklatscht!  Alle  werden  es
erfahren.“

„Du nimmst das viel zu tragisch, Honey. Lass die Leute doch

denken, dass wir uns verabreden. Was ist schon dabei?“

„Was  dabei  ist?  Du  wolltest  unsere  Verbindung  vertraulich

behandeln, erinnerst du dich?“

„Unsere  Beziehung  ist  vertraulich.  Niemand  wird  erfahren,

dass  wir  versuchen,  ein  Kind  zu  zeugen.  Und  was
Verabredungen betrifft, du bist attraktiv, wir arbeiten zusammen.
Warum  sollten  die  Leute  nicht  annehmen,  dass  wir  das  eine
oder andere Rendezvous haben?“

Page 117

background image

„Da könntest du recht haben.“

„Bestimmt sogar. Und da meine Familie schon von uns weiß,

könntest du ebenso gut einlenken und zum Thanksgiving-Essen
kommen. Sie werden mich lynchen, wenn du ablehnst.“

Sie bezweifelte wirklich, dass sie ein weiteres Familientreffen

überleben würde. „Ich glaube nicht …“

Tony  küsste  zärtlich  ihren  Mund.  „Ich  weiß,  es  ist  schwer  für

dich, aber ich werde ja auch da sein. Und nach einer Weile wird
es  dich  nicht  mehr  so  sehr  stören,  mit  einer  großen  Familie
zusammen  zu  sein.  Es  könnte  dir  sogar  Spaß  machen.
Außerdem freuen sich die Kinder auf dich. Und die mochtest du
doch.“

„Oh ja.“ Olivia war versucht, zuzustimmen, hatte aber auch ein

wenig Angst.  Sie  war  langsam  nicht  mehr  Herr  der  Lage,  und
das  war  ihr  seit  Langem  nicht  mehr  passiert.  „Ich  möchte
einfach nicht, dass alle glauben, wir seien miteinander liiert.“

„Sie werden glauben, was sie wollen, ob du nun kommst oder

nicht.  Wenn  du  jedoch  kommst,  würde  ihnen  wenigstens  ein
wenig der Wind aus den Segeln genommen.“

„Glaubst du das wirklich?“

„Ja. Im Moment nehmen sie doch an, dass ich dich vor ihnen

verstecken  will.  Wenn  du  mitkommst,  werden  sie  annehmen,
dass wir bloß miteinander ausgehen.“

„Vermutlich hast du recht. Und wenn die zwei Wochen um sind

und wir uns nicht mehr sehen, werden alle denken, dass wir uns
getrennt haben.“

Abrupt erhob sich Tony und ging zu seinem Schreibtisch. Mit

abgewandtem  Gesicht  stützte  er  sich  mit  einer  Hand  auf  die
Tischplatte,  die  andere  hatte  er  in  seiner  Hosentasche

Page 118

background image

vergraben.  Olivia  wünschte,  sie  wüsste,  worüber  er  so
angestrengt nachdachte.

Ohne  sie  anzusehen,  fragte  er:  „Wie  bist  du  eigentlich  auf

diese zwei Wochen gekommen?“

Sie  überlegte  einen  Moment.  „Das  erschien  mir  eine

angemessene Zeitspanne zu sein. Falls ich schwanger werde,
dann sollte es wohl bis dahin geklappt haben.“

„Du  dachtest  also,  wir  hören  einfach  auf,  einander  zu  sehen,

und  falls  sich  herausstellt,  dass  du  schwanger  geworden  bist,
dann rufst du kurz an, um mir die Neuigkeit mitzuteilen?“

Wenn man es so formulierte, klang es erschreckend nüchtern.

„Du hast diesem Plan zugestimmt, Tony.“

„Schon,  aber  jetzt  gefällt  er  mir  nicht  mehr.“  Er  warf  ihr  einen

kurzen  Blick  zu,  ehe  er  sich  wieder  abwandte.  „Ich  habe  eine
bessere Idee.“

„Und  die  wäre?“  Sie  wurde  von  Aufregung  und  gleichzeitig

einer gewissen Beklommenheit erfasst.

„Wir bemühen uns weiter um eine Empfängnis, bis wir Erfolg

haben. Wenn es drei Wochen dauert oder vier, was macht das
schon? Auf  diese  Weise  erlebe  ich  die  Schwangerschaft  von
Anfang an mit. Dem hast du zugestimmt, entsinnst du dich?“

In  diesem  Moment  wünschte  sich  Olivia  von  ganzem  Herzen,

sie wäre nicht unfruchtbar. Mehr Zeit mit Tony zu verbringen, ihn
an  ihrem  Leben  teilhaben  zu  lassen,  das  wäre  einfach
wundervoll. Da es jedoch nicht sein konnte, suchte sie fieberhaft
nach einer Antwort, die er akzeptieren würde.

„Es  gibt  keine  Garantie  dafür,  dass  es  innerhalb  von  vier

Wochen passiert, Tony. Wir müssen uns eine Frist setzen. Das

Page 119

background image

ist nur vernünftig.“

„Dann gib mir sechs Wochen.“

Er hatte das in seinem geschäftsmäßigen, gebieterischen Ton

gesagt. Olivia lachte auf, denn dieser Tonfall hatte sie noch nie
eingeschüchtert.  „Du  hast  also  das  Gefühl,  in  sechs  Wochen
genügend Potenz entwickeln zu können?“, neckte sie ihn.

Nun grinste auch er. „Komm her, Honey. Ich möchte dir etwas

zeigen.“

Olivias Neugier war geweckt. Auf Tonys Schreibtisch sah sie

eine  Reihe  von  Fotos  von  einem  sehr  exklusiven  Hotel
ausgebreitet. „Ist das ein Neuerwerb?“

„Ja. Was hältst du davon?“

Olivia besah sich die Bilder genau. Sie zeigten unter anderem

einen  eleganten  Bankettsaal  in  Dunkelrot,  Tannengrün  und
Gold.  Auf  einigen  waren  prachtvolle  Lüster  zu  sehen,  die  von
den  Decken  hingen.  Ein  Swimmingpool  war  auch  vorhanden,
umgeben von einer Gartenanlage.

„Es ist wunderschön.“

Tony erklärte ihr Näheres und meinte zum Schluss: „Es ist für

eine  gehobene  Klientel,  und  ich  dachte,  du  würdest  vielleicht
dorthin umsiedeln wollen – nach der Geburt des Babys.“

Olivia  riss  die Augen  auf  und  wich  automatisch  einen  Schritt

zurück. Ihr wurde ganz flau im Magen. „Verstehe.“

Tony  fuhr  sich  mit  einer  Hand  durchs  Haar.  „Die  Ladenfläche

jedenfalls gehört dir, ob du schwanger wirst oder nicht.“

Sie  zögerte  nur  den  Bruchteil  einer  Sekunde,  dann  schüttelte

sie den Kopf. „Nein. Unsere Abmachung …“

„Zum  Teufel  mit  der  Abmachung!“  Tony  atmete  tief  durch.

Page 120

background image

„Entschuldige.  Das  Ganze  macht  mich  ganz  krank.  Du  musst
wissen,  dass  ich  schon  überlegt  hatte,  dir  den  Ladenraum
anzubieten, ehe ich wegen des Babys mit dir gesprochen hatte.
Aber  ich  sagte  nichts,  weil  ich  dachte,  es  wäre  vielleicht  ein
Anreiz für dich, meinen Vorschlag anzunehmen. Aber jetzt … tja,
du verdienst den Laden. Du bist eine gute Wahl für die Crown
Hotels.  Deine  Boutiquen  finden  bei  unseren  Gästen  stets
großen Anklang, und deshalb wird dein Konzept auch im neuen
Hotel gut ankommen.“

Olivia  schwirrte  der  Kopf.  „Ich  weiß  nicht  recht.  Es  ist  ein  so

gravierender Schritt …“

„Ein  Schritt  nach  vorn.  Eine  enorme  Vergrößerung  deines

Unternehmens.  Das  Verkaufspotenzial  hier  wird  unglaublich
sein.“  Nach  einem  Moment  fügte  er  hinzu:  „Natürlich  wirst  du
durch  den  neuen  Laden  noch  beschäftigter  sein.  Geschäfte  zu
betreiben,  die  so  weit  auseinanderliegen,  nimmt  viel  Zeit  in
Anspruch,  und  dir  wird  kaum  Zeit  für  etwas  anderes  bleiben.
Aber das sollte kein Problem für dich sein.“

Sein  Ton  ließ  sie  hochsehen.  Sein  Blick  schien  sie  zu

durchbohren,  war  herausfordernd,  abwartend.  Aber  sie  hätte
nicht sagen können, worauf Tony wartete. Dann hakte er nach:
„Das ist es doch, was du willst, nicht wahr?“

„Ich … Ja. Ich möchte mich vergrößern.“ Trotz allem überkam

Olivia eine gewisse Aufregung. Das neue Hotel war genau der
Standort,  an  dem  sie  letzten  Endes  eine  Boutique  betreiben
wollte.

Aber  sie  wusste,  warum  Tony  ihr  das  Angebot  machte.  Er

wollte, dass sie so viel zu tun hatte, dass sie sich nicht in sein
Leben  und  das  des  Babys  würde  einmischen  können.  Das  tat

Page 121

background image

weh.  Sie  reckte  das  Kinn  vor.  „Es  ist  ganz  sicher  eine
fantastische  Gelegenheit,  Tony.  Aber  ich  möchte  mich  nicht
übernehmen. Der Nordwesten ist so weit weg …“

„Seattle, um genau zu sein.“

Er betrachtete sie erneut eingehend, und sie hatte das Gefühl,

er  wolle  sie  irgendwie  einschätzen.  „Seattle.“  Sie  begann,  in
Tonys  Büro  umherzugehen,  um  Zeit  zu  gewinnen.  Es  war
eigentlich ein ideales Angebot, denn sie würde Distanz zu Tony
brauchen.  Sie  bezweifelte  nicht,  dass  sie,  wenn  die  zwei
Wochen  um  waren  –  und  sie  musste  dieses  Limit  irgendwie
durchsetzen  –,  Schwierigkeiten  haben  würde,  Tony  zu
begegnen  und  so  zu  tun,  als  wäre  nichts  zwischen  ihnen
gewesen. Die zusätzliche Arbeit würde ihr helfen, nicht an Tony
zu denken. Aber Seattle …

„Über  einen  möglichen  Umzug  habe  ich  noch  gar  nicht

nachgedacht.  Schließlich  hatte  ich  anderes  im  Kopf.“  Sie
bedachte  ihn  mit  einem  nervösen  Lächeln,  das  er  zum  Glück
erwiderte.

„Du kannst es dir in Ruhe überlegen.“

„Danke.“ Ihre Erleichterung war ihr deutlich anzuhören.

Einen Augenblick lang sah Tony Olivia nachdenklich an. Dann

ging  er  zu  seiner  Bürotür  und  schloss  sie  ab.  Danach  kam  er
wieder auf sie zu. Sein Blick wirkte durchdringend, und sie wich
zurück, bis sie an den Schreibtisch stieß.

Direkt  vor  ihr  blieb  er  stehen,  ließ  sie  nicht  aus  den Augen.

Dann  drehte  er  sie  sanft  um,  sodass  sie  ihm  den  Rücken
zukehrte. „Leg die Hände flach auf den Schreibtisch.“

Sie  tat  es,  ohne  nachzudenken,  ihr  Puls  beschleunigte  sich.

„Tony?“

Page 122

background image

„Ich wollte dir noch etwas zeigen.“

Ehe Olivia wusste, wie ihr geschah, schob Tony ihr den Rock

hoch. „Tony, ich glaube nicht …“

„Pst.  Es  gibt  da  diese  neue  Mode,  die  man  ‚Mittagsquickie‘

nennt.  Sie  wird  dir  gefallen.“  Er  bewegte  die  Hände  über  ihre
Schenkel höher, bis er den Spitzenrand ihres Slips erreichte.

„Aber was ist, wenn Martha anklopft?“, flüsterte Olivia.

„Martha  ist  zum  Lunch.“  Seine  Stimme  klang  nun  heiser  und

tief, während er ihren Po streichelte und knetete. „Ich habe keine
weiteren  Termine,  und  im  Moment  fühle  ich  mich  besonders
potent.“ Spielerisch biss er in ihr Ohr.

„Hm. Verstehe.“ Er ließ verführerisch eine Hand nach vorn über

ihren  Bauch  wandern  und  schob  sie  in  ihren  Seidenslip.
Automatisch  spreizte  sie  die  Beine.  „Wir  können  ja  schlecht
deine Potenz vergeuden, oder?“

Er lachte leise, während er den offenen Mund auf ihren Nacken

presste,  warm  und  feucht  und  ausgesprochen  begierig.  Und
während ihr Herz zum Zerspringen klopfte und im stillen Büro nur
das  Aufziehen  seines  Reißverschlusses  zu  hören  war,  kam
Olivia  zu  dem  Schluss,  dass  jede  Mode  einmal  ausprobiert
werden sollte. Und im Augenblick gefiel ihr diese hier sehr.

Thanksgiving kam schnell heran, doch Olivia hatte keine Angst

mehr,  mit  Tonys  Familie  zusammenzutreffen.  In  den  letzten
beiden  Wochen  hatte  sie  alle  näher  kennengelernt.  Irgendwie
waren  sie  ihr  immer  wieder  über  den  Weg  gelaufen.  Ein  paar
Familienmitglieder waren sogar in ihre Boutique gekommen.

Angefangen hatte es mit seiner Schwester, Kate, die kam, um

Wäsche  zu  kaufen.  Sie  erstand  auch  wirklich  einige  Dessous,
doch die meiste Zeit plauderte sie mit Olivia.

Page 123

background image

Ein paar Tage später erschien Kate erneut, diesmal mit Lisa.

Lachend beschrieb sie Brians Reaktion auf ihre Dessous.

„Ich muss wohl ein wenig den Schwung verloren haben, denn

als  er  mich  in  diesem  Satin-Teddy  mit  dem  gewagten
Ausschnitt sah, wäre er fast aus dem Bett gefallen.“

Daraufhin  kaufte  Lisa  den  gleichen  Teddy  in  einer  anderen

Farbe, doch Olivia errötete, weil solche intimen Details in ihrer
Gegenwart erzählt wurden. In der Tat errötete sie immer wieder,
während  Lisa  und  Kate  in  ihrem  Laden  waren,  diverse
Wäschestücke 

anprobierten 

und 

sie 

in 

all 

ihr

„Mädchengeplauder“ 

einbezogen. 

Sie 

stellten 

keine

persönlichen Fragen zu Tony.

„Seit  dem  Tod  unseres  Vaters  spielt  Tony  den  Patriarchen“,

berichtete Kate, nunmehr ernst. „Es hat ihn noch mehr getroffen
als alle anderen. Er war der Älteste, und zwischen ihm und Dad
hatte sich eine besondere Beziehung entwickelt, weil Tony sich
mehr für die Hotels interessierte als zum Beispiel John, und sie
deshalb mehr Zeit miteinander verbrachten.“

„Als  Dad  starb“,  ergänzte  Lisa,  „war  John  sehr  um  Tony

besorgt. Aber wie Tony nun einmal ist, ließ er sich seine Trauer
nicht anmerken und stürzte sich in die Arbeit, um die Hotels zu
sanieren.  Ich  glaube,  er  tat  es  nicht  nur,  um  das  Unternehmen
voranzubringen, sondern auch, um sich abzulenken.“

„Und  er  klammerte  Frauen  fast  gänzlich  aus  seinem  Leben

aus. Vorher schien er entschlossen, sich eine Frau zu suchen.
Er  wollte  verheiratet  sein,  wie  wir  anderen  auch,  und  er  gab
verschiedenen  Frauen  eine  faire  Chance,  obwohl  sogar  ich
zugeben muss, dass er mit der einen oder anderen Wahl völlig
daneben lag. Tony ist ein so eigensinniger Mann, manchmal ein

Page 124

background image

bisschen arrogant, aber überaus liebenswürdig. Nur eine starke
Frau würde zu ihm passen.“

Lachend  versetzte  Lisa  Kate  einen  Knuff.  „Er  behauptete

immer, nach der perfekten Frau zu suchen.“

Kate  grinste.  „Und  wir  sagten  ihm  jedes  Mal,  dass  wir  schon

vergeben seien.“

Alle  drei  Frauen  brachen  in  Gelächter  aus,  und  Olivia  fühlte

sich zunehmend wohler in Lisas und Kates Gegenwart. Ohne zu
überlegen,  meinte  sie:  „Tja,  leider  bin  ich  so  weit  von  ‚perfekt‘
entfernt, wie es nur irgend möglich ist.“

Kate  schüttelte  den  Kopf.  „Perfektion  existiert  doch  nur  im

Blickwinkel 

der 

Person, 

die 

sie 

sucht, 

und 

ihren

Idealvorstellungen.“

„Jedenfalls“,  ergriff  wieder  Lisa  das  Wort,  nachdem  sie  sich

noch  einen  äußerst  knappen  Spitzenslip  ausgesucht  hatte,
„haben  Sie  und  Tony  Spaß  miteinander,  er  verabredet  sich
wieder, und die Kinder mögen Sie. Im Augenblick ist das doch
mehr als genug, finden Sie nicht?“

Olivia  ging  nicht  auf  diese  Frage  ein,  sondern  erwiderte  nur:

„Ich freue mich, dass die Kinder mich akzeptieren.“

„Sie schwärmen geradezu für Sie“, beharrte Kate. „Und wenn

man bedenkt, wie sie ihren Onkel Tony vergöttern, dann ist das
eine  große  Anforderung,  die  da  an  jede  seiner  möglichen
Beziehungen gestellt wird.“

Natürlich  erwähnte  Olivia  nicht,  dass  ihre  Beziehung  zu  Tony

einen bestimmten Zweck verfolgte und zeitlich begrenzt war. Sie
wollte  jeden  Tag  mit  ihm  genießen  und  in  ihre  Erinnerung
aufnehmen,  sodass  sie  nie  wieder  wirklich  allein  sein  würde.
Aber  die  beiden  Wochen  näherten  sich  sehr  schnell  ihrem

Page 125

background image

Ende,  und  es  wäre  einfach  nicht  fair,  Tony  länger  falsche
Hoffnungen zu machen.

Ein  paar  Tage  später  war  Olivia  in  ihrer  anderen  Boutique

dabei, mit ihrer Filialleiterin eine Bestellung zu besprechen, als
Brian und John auftauchten. Interessiert sahen sie sich um. John
schien  begeistert,  während  Brian,  kaum  zu  glauben,  richtig
verlegen wirkte. Olivia musste sich ein Schmunzeln verkneifen.

„Ah“, rief John aus und kam geradewegs auf sie zu, „da ist sie

ja,  die  Lady,  die  es  mit  links  geschafft  hat,  einen  Hauch  von
Honeymoon in eine normale Arbeitswoche zu bringen.“

Nun  ihrerseits  vor  Verlegenheit  errötend,  warf  Olivia  Brian

einen  Seitenblick  zu.  Er  war  an  einem  Ständer  mit  zarten
Spitzenmiedern stehen geblieben und begutachtete sie. „Hallo,
John.“

Er zog sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Ihr

Laden gefällt mir, Livvy.“

Seine  überschwängliche  Begrüßung  machte  Olivia  ganz

nervös,  und  sie  versuchte,  sich  zu  fassen.  „Freut  mich,  das  zu
hören. Haben Sie heute im Hotel zu tun?“

„Nein.  Brian  und  ich  machen  Weihnachtseinkäufe.  Da  unsere

Frauen  schon  des  Öfteren  bei  Ihnen  waren,  können  Sie  uns
sicher  sagen,  welche  Dessous  es  ihnen  besonders  angetan
haben.“

„Ja,  kann  ich.“  Es  gab  in  der  Tat  einige  Wäschestücke,  die

Kate und Lisa sehr gefallen hatten, aber nicht ganz billig waren.
Olivia zögerte.

Brian  enthob  sie  ihrer  Bedenken.  „Egal,  was  es  kostet,  ich

kaufe es.“

John  brach  in  Gelächter  aus.  „Armer  Brian.  Kate  hat  dich

Page 126

background image

wirklich fest an der Angel, was?“

„Beklage ich mich etwa?“

John  tat  entrüstet.  „Ich  weiß  nicht,  ob  es  mir  gefällt,  so  etwas

von meiner kleinen Schwester zu hören.“

„So  klein  ist  sie  gar  nicht  mehr,  und  glaub  mir,  was  für

Neigungen die Austin-Männer auch immer haben, sie hat ihren
Anteil geerbt.“

„Also Brian, du wirst Livvy mit solchem Gerede noch in Angst

und Schrecken versetzen.“

Olivia  hatte  keine Ahnung,  wovon  die  beiden  sprachen,  aber

sie  gewöhnte  sich  langsam  daran,  wie  sie  einander  aufzogen.
Schulterzuckend meinte sie: „Nein, überhaupt nicht.“

„Siehst  du?  Jeder,  der  Tony  kennt,  weiß,  dass  er  ein  sehr

dynamischer  Mann  ist.  Da  ist  es  nur  logisch,  dass  diese
Dynamik sich auf alle Lebensbereiche erstreckt.“

Als Olivia begriff, musste sie sich ein Lächeln verkneifen. Ja,

Tony  war  ein  „dynamischer“  Mann,  der  mit  allem,  was  er  tat,
beeindruckte – seine Liebeskünste eingeschlossen.

„So, es ist also ein Familienmerkmal?“

John  lachte.  „Genau.  Sehen  Sie,  mit  Ihren  Edelboutiquen

passen  Sie  bestens  dazu.  Und  wie  alle  Austins  strebt  Tony
immer  das  an,  was  er  möchte  –  und  gibt  nicht  auf,  ehe  er  es
erreicht  hat.“  Ehe  sie  hätte  antworten  können,  rieb  er  sich  die
Hände  und  meinte:  „So,  was  wünscht  sich  Lisa  denn  nun?  Ich
bin richtig neugierig.“

Unter  viel  Gelächter  suchten  John  und  Brian  schließlich

mehrere  Wäschestücke  aus,  die  ihnen  selbst  besonders
gefielen.  Die  Verkäuferin  hatte  alle  Hände  voll  zu  tun,  die

Page 127

background image

Einkäufe hübsch zu verpacken.

Die Austins waren eine so aufgeschlossene, herzliche Familie,

die  Männer  ihren  Frauen  so  sehr  zugetan,  und  alle  hielten  sie
zusammen. Und sie schlossen sie, Olivia, immer wieder mit ein.
Trotz  ihres  Vorsatzes,  auf  Distanz  zu  bleiben,  fühlte  sie  sich
irgendwie dazugehörig und freute sich auf ihren bevorstehenden
Besuch.

Es  wäre  das  erste  Thanksgiving,  das  sie  seit  dem  Tod  ihrer

Eltern nicht allein verbrachte, und es überkam sie ein Gefühl von
Traurigkeit und zugleich Aufregung.

Tony  kam  Olivia  um  drei  Uhr  nachmittags  abholen.  Sie  hatte

sich mit besonderer Sorgfalt gekleidet, und als sie ihm die Tür
öffnete, pfiff er anerkennend durch die Zähne.

„Honey, du wärst genau das richtige Dessert für mich.“

So,  wie  er  sie  mit  Blicken  verschlang,  hatte  sich  also  die

Ausgabe  gelohnt.  Ihr  neues  Kleid  aus  schwarzem  Cashmere
betonte  ihre  Figur  perfekt,  und  der  asymmetrische Ausschnitt,
der  eine  Schulter  freiließ,  verlieh  dem  Ganzen  eine  gewisse
Raffinesse.  Der  Saum  endete  etwa  eine  Handbreit  über  ihren
Knien, und durch ihre hochhackigen Pumps war sie etwa gleich
groß wie Tony.

Er zog sie an sich und drückte einen verlangenden Kuss auf ihr

Schlüsselbein. „Tony …“

Mit einer Hand strich er über ihre Brust, hielt jedoch inne, als

sie scharf die Luft einsog. „Hab ich dir wehgetan?“

Sie  schüttelte  den  Kopf.  Sie  fühlte  sich  heute  besonders

empfindsam, ihre Brüste schmerzten beinah bei seinen sanften
Liebkosungen.

„Deine  Knospen  reagieren  schon,  und  ich  hab  sie  kaum

Page 128

background image

berührt.“ Tony seufzte auf. „Was würde ich dafür geben, jetzt ein
Stündchen mit dir allein sein zu können.“ Widerstrebend gab er
sie frei. „Wenn wir nicht erwartet würden …“

„Aber wir werden es.“ Sie hatte ebenso große Sehnsucht nach

ihm  wie  er  nach  ihr. Auch  wenn  ein  gemeinsames  Leben  vor
ihnen läge, anstatt nur noch wenige Tage, würde sie nie genug
von  seiner  brennenden  Begierde  bekommen.  Sie  nahm  sich
zusammen, um jetzt nicht an ihren selbst auferlegten Termin zu
denken, denn sie wollte sich den Tag nicht verderben.

Als Tony Olivia kurz darauf die Wagentür öffnete, strich sie ihm

zärtlich über die Wange.

„Olivia.“  Er  beugte  sich  zu  ihr  hinab  und  küsste  sie  heiß  und

innig. Sein Kuss hätte den seit dem Morgen gefallenen Schnee
zum Schmelzen bringen können. Er hielt kurz inne, um forschend
ihr Gesicht zu betrachten, dann küsste er sie noch einmal. Olivia
vergaß  die  weiße  Pracht  ringsum,  vergaß,  dass  sie  zu  spät
kommen könnten, und wäre am liebsten zurück in ihre Wohnung
gegangen.

Auf  einmal  hörten  sie,  wie  gegen  eine  Glasscheibe  geklopft

wurde, und sahen hoch.

Hinter  der  Haustür  standen  breit  schmunzelnd  Olivias

Nachbarn. Als Olivia ihnen lachend zuwinkte, winkten sie zurück.

„Wie die sieben Zwerge, die Schneewittchen und den Prinzen

verabschieden, hm?“

„Aha. Du hältst dich also für einen Prinzen?“

Sobald Tony den Wagen gestartet hatte, griff er das Gespräch

auf.  „Nein,  ich  meinte  nur,  dass  sie  sehr  nett  auf  dich
achtgeben.“

Das  fand  Olivia  auch.  „Und  es  ist  schon  seltsam,  wenn  man

Page 129

background image

bedenkt, wie zurückgezogen ich lebe. Ich bin freundlich zu ihnen,
gehe  ihnen  nicht  gerade  aus  dem  Weg,  bemühe  mich  aber
auch nicht um sie.“

„Das  brauchst  du  gar  nicht.  Du  hast  diese  gewisse

Ausstrahlung, die Menschen Vertrauen einflößt. Und heutzutage
ist Vertrauen alles.“

Sie  blickte  zur  Seite.  „Manchmal  ist  es  dumm,  jemandem  zu

vertrauen.“ „Ich vertraue dir.“

„Oh Tony, bitte nicht. Ich möchte jetzt nicht über wichtige oder

ernste Dinge sprechen. Ich möchte heute nur … meinen Spaß
haben.“

Er griff nach ihrer Hand. „Und den hast du mit meiner Familie?“

„Aber  ja.  Sie  sind  alle  ein  bisschen  verrückt  und  so  herzlich,

dass man einfach Spaß in ihrer Gesellschaft haben muss.“

„Okay. Aber morgen müssen wir miteinander reden.“

Einen  Moment  saß  sie  stocksteif  da,  dann  nickte  sie

widerstrebend. Ja, sie würden miteinander reden müssen. Ihre
Zeit lief ab, und Tony verdiente es, wieder frei zu sein.

Den Rest der Fahrt legten sie schweigend zurück.

Das  Haus  von  Tonys  Mutter  war  mit  weihnachtlichen

Lichterketten  geschmückt,  und  an  der  Tür  hing  ein  dekorativer
Kranz.  Tony  hob  Olivias  Kinn  und  küsste  sie.  „Lächle,
Sweetheart.  Wir  wollen  jetzt  einfach  nur  den  Besuch  genießen
und das Essen und später die Liebe. Einverstanden?“

„Natürlich.“ Sie lachte, weil er überrascht tat.

„Hab ich es dir etwa verdorben, Olivia?“

„Gründlich.“

„Du hast also vor, mich später zu verführen?“

Page 130

background image

„So ist es.“

Er  schob  eine  Hand  unter  ihren  Mantel.  „Heißt  das,  du  trägst

aufreizende Dessous, um mich zum Wahnsinn zu treiben?“

„Natürlich nicht“, erwiderte sie mit Unschuldsmiene. Er runzelte

die Stirn, und weil die Tür aufging, flüsterte sie ihm schnell zu:
„Ich trage überhaupt nichts darunter.“

Page 131

background image

8. KAPITEL

Die  ersten  krampfartigen  Bauchschmerzen  verspürte  Olivia

direkt  nach  dem  Dinner,  aber  sie  ignorierte  sie.  Sie  kannte
solche Schmerzen. Sie bekam sie immer wieder, seit sie mit elf
zum  ersten  Mal  ihre  Tage  gehabt  hatte,  doch  es  waren  keine
Regelbeschwerden.

Im  Lauf  der  Jahre  hatte  sie  gelernt,  mit  diesen  Schmerzen

umzugehen.  Nur  einmal  waren  sie  unerträglich  geworden,  und
das war damals gewesen, als ihre Eltern sie ins Krankenhaus
hatten bringen müssen.

Sie  erinnerte  sich  nicht  genau  an  die  Diagnose,  nur  daran,

dass  sie  hatte  operiert  werden  müssen  und  dabei  einen  ihrer
Eierstöcke  verlor.  Seitdem  war  ihr  Zyklus  so  unregelmäßig,
dass sie manchmal monatelang keine Regel hatte.

Ihre  Mutter  hatte  ihr  erklärt,  dass  sie  wahrscheinlich  keine

Kinder  bekommen  würde,  und  der  Grund  leuchtete  Olivia  ein.
Mit  nur  einem  Eierstock  konnte  man  schlechter  schwanger
werden, insbesondere, wenn man keinen Eisprung hatte.

Wenn  ihre  Bauchschmerzen  wieder  einmal  besonders

schlimm  waren,  hätte  sie  sich  gern  von  einem Arzt  bestätigen
lassen, dass diese Schmerzen im Bereich des Normalen lagen.
Doch ihr Erlebnis, als schüchternes junges Mädchen von einem
Mann  untersucht  worden  zu  sein,  ließ  sie  selbst  vor  einem
Routinebesuch beim Gynäkologen zurückschrecken.

Gerade  als  alle  über  einen  Witz  von  John  lachten,  verspürte

Olivia einen neuen Krampf und verzog das Gesicht. Tony fragte
sie leise, ob alles in Ordnung mit ihr sei.

„Ja. Ich glaube, ich habe nur ein wenig zu viel gegessen.“

Page 132

background image

Er grinste. „Ich auch.“ Dann flüsterte er ihr ins Ohr: „Du wirst mir

helfen müssen, später ein paar Kalorien abzuarbeiten. Weißt du
schon, wie?“

Im  Moment  wollte  sie  nichts  weiter  als  eine  Schmerztablette.

Sie  tätschelte  Tony  den Arm  und  stand  auf.  „Ich  überlege  mir
etwas. Und jetzt entschuldige mich bitte.“ Auf dem Weg zur Tür
spürte sie genau, dass Tony ihr besorgt nachsah.

Nachdem  sie  im  Bad  zwei  Tabletten  eingenommen  hatte,

lehnte sie sich gegen das Waschbecken. Die Schmerzen waren
diesmal  heftiger  als  sonst.  Sie  fragte  sich,  ob  das  damit
zusammenhing, dass sie sexuell aktiv geworden war.

Als sie nach ein paar Minuten wieder auf den Flur trat, wartete

Tony auf sie. „Was ist, Olivia? Was hast du?“

Was machte schon eine weitere Lüge? „Ich fühle mich etwas

angeschlagen, Tony. Vielleicht steckt mir eine Erkältung in den
Knochen.“

Er  legte  ihr  liebevoll  die  Hand  auf  die  Stirn  und  nickte  nach

einigen  Augenblicken.  „Du  scheinst  tatsächlich  ein  wenig
Temperatur zu haben. Wir sollten aufbrechen.“

„Nein.“  Sie  wollte  nicht,  dass  dieser  Tag  schon  endete,  vor

allem, weil ihnen nur noch wenige Tage zusammen blieben. „Es
ist nicht so schlimm.“

„Du siehst gar nicht wohl aus, Honey.“

„Es ist nichts, bestimmt.“

Weil  das  geradezu  verzweifelt  geklungen  hatte,  betrachtete

Tony sie noch eingehender. „Na schön. Aber ich möchte, dass
du dich hinsetzt und dich entspannst.“

„Die Frauen helfen alle, die Küche aufzuräumen.“

Page 133

background image

„Nein, das werden diesmal wir Männer übernehmen. Also, ruh

dich aus, okay? Und versprich mir, dass du mir Bescheid sagst,
wenn es dir schlechter geht.“

„Versprochen.“  Insgeheim  war  sie  jedoch  entschlossen,  bis

zum Ende des Familientreffens auszuhalten.

Aber  eine  Stunde  später  waren  ihre  Krämpfe  so  heftig,  dass

sie  nicht  länger  bleiben  konnte.  Sie  warf  Tony  einen  Blick  zu,
und  Tony  stand  sofort  auf,  als  habe  er  nur  auf  ihr  Signal
gewartet.

Er  machte  es  wunderbar,  sie  beide  für  ihren  frühzeitigen

Aufbruch zu entschuldigen. Daran, wie John grinste und Kate ihr
zuzwinkerte,  merkte  Olivia  jedoch  genau,  dass  alle  dachten,
dass sie aufbrachen, um endlich allein zu sein.

Als sie im Wagen saßen, erklärte Tony: „Ich bringe dich zu mir

nach  Hause.  So  kann  ich  mich  um  dich  kümmern,  falls  du
wirklich krank wirst.“

Entsetzt schüttelte Olivia den Kopf und suchte fieberhaft nach

einem  Grund,  sein  großzügiges  Angebot  abzulehnen.  „Ich
möchte  lieber  in  meine  Wohnung,  Tony.  Dort  fühle  ich  mich
wohler.“

„In Ordnung. Ich hole mir schnell ein paar Sachen von zu Hause

und übernachte bei dir.“

Bisher war es ihr gelungen zu vermeiden, dass er sich länger

in  ihrem Apartment  aufhielt.  Denn  sie  wollte,  dass  sie  sich  in
ihrem  Zuhause  noch  wohlfühlte,  sobald  ihre  gemeinsame  Zeit
um war. Wenn er erst in ihrem Bett geschlafen, in ihrer Küche
gegessen  oder  in  ihrem  Bad  geduscht  hätte,  würde  sie
dagegen ständig an Tony erinnert werden. Und das durfte nicht
passieren.

Page 134

background image

„Tony, es tut mir leid. Sehr sogar. Doch ich möchte lieber allein

sein. Immer wenn ich krank bin …“

„Aber du bist nie krank! Seit Jahren hast du nicht einen Tag im

Geschäft gefehlt.“

Richtig. Aber  die  Krämpfe  waren  auch  noch  nie  derart  heftig

gewesen. „Es wäre mir angenehmer, für mich zu sein.“

Es  trat  Schweigen  ein,  und  Olivia  war  klar,  dass  sie  Tony

verletzt  hatte.  Sie  fühlte  sich  schrecklich,  aber  es  gab  keinen
Ausweg,  keinen  Weg,  um  ihr  Verhalten,  ihre  Lügen
ungeschehen zu machen.

Endlich  sagte  Tony  sehr  leise:  „Ich  fahre  dich  nach  Hause.

Aber  ich  möchte,  dass  du  mir  versprichst  anzurufen,  wenn  du
etwas brauchst.“

„Natürlich.“

Sie wussten beide, dass das gelogen war.

Irgendwann begriff Olivia, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung

war. Seit sie nach Hause gekommen war, hatte sie Schmerzen,
einmal  mehr,  einmal  weniger,  und  sie  hatte  Blutungen
bekommen. Nicht stark, aber bei ihrem derart unregelmäßigen
Zyklus  war  es  schon  ungewöhnlich.  Dann  plötzlich,  gegen
Mitternacht,  wurden  ihre  Bauchschmerzen  unerträglich.  Sie
musste  ins  Krankenhaus,  auch  wenn  sie  nicht  selbst  würde
hinfahren können.

Tony  konnte  sie  nicht  bemühen,  nicht,  nachdem  er  angerufen

und  sie  ihm  gesagt  hatte,  er  solle  sich  keine  Sorgen  machen.
Sie  war  kurz  angebunden  gewesen.  Zum  einen,  weil  sie
Schmerzen hatte, zum anderen, weil es sie große Mühe kostete,
nicht einzulenken und ihm zu sagen, dass sie ihn brauchte. Sie
hatte ihn genug ausgenutzt, und nun wusste sie nicht, an wen sie

Page 135

background image

sich wenden sollte.

In ihrer Not ging sie schließlich zu ihrer Nachbarin Hilda. Kaum

hatte sie an deren Tür geklopft, da gingen, wie gewöhnlich, auch
die anderen Türen auf dem Flur auf, und im Nu wurde sie von all
ihren  Nachbarn  bemuttert  und  getröstet.  Minuten  später  hatte
Hilda ihren Mantel an und die Wagenschlüssel in der Hand.

Von  Hilda  und  dem  netten  alten  Leroy  gestützt,  schaffte  es

Olivia  zum  Hauseingang.  Hilda  versprach  den  anderen
anzurufen,  sobald  sie  im  Krankenhaus  angekommen  waren,
denn es schneite inzwischen heftig.

Kaum  saß  Olivia  mit  angezogenen  Beinen  hinten  im  Wagen,

da  begann  sie  zu  weinen.  Nicht  vor  Schmerzen,  sondern  vor
Rührung über die plötzliche Erkenntnis, dass sie Freunde hatte,
ohne es zu wissen. Sie hatte sich nur immer eingeredet, ganz
allein zu sein.

„Es  wird  gut,  Olivia.  Keine  Sorge.  Wir  sind  ganz  schnell  im

Krankenhaus.  Soll  ich  Ihren  Bekannten  anrufen,  sobald  wir  da
sind?“

Olivia  musste  lächeln.  Tony  war  längst  viel  mehr  als  ein

Bekannter für sie. „Nein. Das würde ihn nur beunruhigen, Hilda.
Ich rufe ihn später selbst an.“

„Sicher würde er Ihnen gern beistehen.“

Und herausfinden, was für eine Betrügerin sie war. „Nein. Bitte.

Ich will nicht, dass er sich Sorgen macht.“

Kaum  waren  sie  vor  dem  Krankenhaus  vorgefahren,  da  lief

Hilda schon hinein, um Bescheid zu sagen. Und Olivia war noch
nicht ganz ausgestiegen, da halfen ihr schon zwei Schwestern in
einen  Rollstuhl  und  eilten  mit  ihr  in  die  Aufnahme.  Ihr  wurden
jede Menge Fragen gestellt, und anschließend wurden diverse

Page 136

background image

Untersuchungen vorgenommen.

Als ein Arzt erschien und wissen wollte, ob sie schwanger sein

könnte, verneinte sie und erklärte kurz, was sie über ihre eigene
Krankengeschichte wusste. Er machte sich Notizen, lächelte sie
an  und  ordnete  dann  einen  Schwangerschaftstest  an.  Olivia
fand  das  völlig  unnötig.  Aber  sie  fühlte  sich  zu  elend,  um
Einspruch zu erheben.

Wenig  später  kam  der Arzt  wieder  und  meinte  trocken:  „Tja,

Ms Anderson, Sie scheinen in der Tat schwanger zu sein.“

Olivia starrte ihn fassungslos an. „Das ist unmöglich.“

„Durchaus  nicht.“  Er  lächelte  wohlwollend.  „Ich  möchte  eine

Ultraschalluntersuchung  machen.  Sie  wird  uns  Klarheit  geben,
warum Sie solche Schmerzen und Blutungen haben.“

Olivia  war  wie  betäubt.  Schwanger?  Sie  konnte  nicht

schwanger sein. „Aber ich habe nur einen Eierstock.“

„Einer genügt. Auch wenn Ihre Chancen dadurch geringer sind,

so kann es trotzdem zu einer Schwangerschaft kommen.“

„Aber ich habe nur sehr selten Monatsblutungen!“

Er  tätschelte  ihr  die  Hand.  „Lassen  Sie  uns  den  Ultraschall

machen, und dann sehen wir weiter, okay? Versuchen Sie, sich
nicht zu sorgen.“

Sich  sorgen?  Dazu  war  sie  viel  zu  verwirrt.  Und  dann  begriff

sie plötzlich und hätte am liebsten vor Freude gejubelt. Sie war
schwanger!  Sie  würde  ein  Baby  bekommen,  Tonys  Baby.  Ihre
Schmerzen  schienen  augenblicklich  nachzulassen.  Und  doch
waren  sie  ein  Signal  dafür,  dass  irgendetwas  nicht  stimmte.
Olivia begann zu hoffen und zu bangen, denn sie wünschte sich
dieses Kind so sehr.

Page 137

background image

Während  der  Untersuchung  erklärte  der  Arzt,  den  Olivia

eigentlich ganz nett fand, ihr ihre Situation genau. Natürlich war
auf  dem  Bildschirm  des  Ultraschallgerätes  noch  kein  Baby  zu
erkennen,  doch  es  zeigte  sich,  dass  sie  eine  große  Zyste  an
ihrem Eierstock hatte – und die war aufgeplatzt.

Sie geriet sofort in Panik, weil sie an ihre Operation als junges

Mädchen dachte … Doch der Arzt setzte sich zu ihr und nahm
ihre Hand.

„Ihre Zyste ist geplatzt, und bis die Plazenta groß genug ist und

genügend  Progesteron  produziert,  um  die  Schwangerschaft
aufrechtzuerhalten, 

werde 

ich 

Ihnen 

dieses 

Hormon

verabreichen  müssen.  Allerdings  könnten  trotzdem  Probleme
auftreten und Sie könnten das Baby verlieren, aber im Moment
besteht kein Grund, sich Sorgen zu machen. Ich nehme doch an,
dass Sie das Baby behalten wollen?“

„Unbedingt! Ich hätte mir nur nie träumen lassen …“

„Vor  Jahren  herrschte  noch  die  Meinung  vor,  dass  eine  Frau

mit nur einem Eierstock nicht schwanger werden kann. Aber wie
Sie sehen, ist es durchaus möglich.“ Er lächelte sie an, und sie
lächelte zurück.

„Und wie geht es jetzt weiter?“

„Ich möchte Sie vorläufig hierbehalten, um durch einige weitere

Untersuchungen  eine  Eileiterschwangerschaft  auszuschließen
und  um  sicherzustellen,  dass  alles  so  ist,  wie  es  sein  sollte.
Zudem  möchte  ich,  dass  Sie  noch  ein  paar  Mal  zur
Blutuntersuchung  herkommen.  Wir  werden  den  Hormonspiegel
prüfen, der in zwei Tagen ansteigen sollte, falls alles in Ordnung
ist. Und diesen Test werden wir zur Sicherheit wiederholen.“

Er machte sich Notizen. „Haben Sie schon einen bestimmten

Page 138

background image

Geburtshelfer im Auge?“

„Nein.“ Olivia war wie benommen.

„Ich könnte Ihnen einen empfehlen, wenn Sie wollen. Sie sollten

ihn 

umgehend 

aufsuchen 

und 

dann 

regelmäßig 

zu

Untersuchungen  gehen,  bis  Sie  die  ersten  drei  Monate
überstanden haben.“

„Und danach?“

„Danach ist das Risiko deutlich geringer.“

Olivia  hielt  an  diesem  Gedanken  fest,  als  der  Arzt  längst

gegangen  war.  Er  hatte  ihr  Codein  gegen  die  Schmerzen
gegeben, die auch schwächer geworden waren, doch schlafen
konnte sie nicht.

Mit etwas Glück und sehr viel Vorsorge und Umsicht würde sie

ein Baby bekommen.

Und  es  kam  nicht  infrage,  dass  sie  ihr  Kind  jemals  hergab  –

nicht einmal an Tony.

Dieser Gedanke ließ Olivia nicht los. Sie würde Tony jetzt die

Wahrheit  sagen  müssen.  Sie  würde  ihm  das  Kind  nicht
vorenthalten,  es  ihm  aber  auch  nicht  überlassen.  Er  würde  ein
wunderbarer Vater sein, obwohl die Situation nicht so war, wie
er  sie  sich  gewünscht  hatte,  und  obwohl  er  über  ihren  Betrug
außer sich sein würde.

Einen verrückten Moment lang überlegte sie, ob Tony so weit

gehen  würde,  ihr  eine  Heirat  anzubieten,  nur  um  das  Baby  zu
bekommen.  Sie  würde  jedenfalls  nicht  einwilligen.  Ihre
Schwangerschaft  war  nicht  der  Normalfall,  eher  ein  Wunder.
Was hätte Tony davon, wenn er sie heiratete und sie das Baby
verlor?

Page 139

background image

Nein. Tony musste sich eine gesunde Frau suchen, die ihm so

viele Kinder schenken konnte, wie er wollte. Sie würde ihm alles
gestehen und ihn freigeben.

Es wurde für Olivia die längste Nacht ihres Lebens – und die

glücklichste. Ein Baby! Sie fasste es noch immer nicht, dass sie
ein Kind bekommen würde.

Als  Olivia  am  Nachmittag  des  nächsten  Tages  nach  Hause

kam, klingelte ihr Telefon. Es ging ihr viel besser, und sie war
wieder mehr sie selbst. Sie beeilte sich abzunehmen.

„Wo zum Teufel hast du gesteckt?“

Oje! Sie starrte den Hörer in ihrer Hand an und überlegte, was

sie sagen sollte, denn Tony war ziemlich wütend.

„Olivia?“  Seine  Stimme  klang  beinah  panisch.  „Verdammt,

entschuldige.“  Frustriert  seufzte  er  auf,  und  sie  konnte  förmlich
sehen, wie er sich mit einer Hand durch das dunkle Haar fuhr.
„Ich  hab  mir  solche  Sorgen  gemacht,  Honey.  Wo  warst  du
denn?“

„Ich, äh, ich musste eine Weile außer Haus.“

„Ich  versuche  seit  heute  Morgen,  dich  zu  erreichen.  Ich  wollte

mich vergewissern, dass es dir gut geht.“

Das überraschte sie. Hatten sie nicht vereinbart, dass er sich

nicht nach ihrem Befinden erkundigen würde? „Es geht mir viel
besser. Tony? Hast du im Moment zu tun?“

„Ich  bin  im  Büro.  Warum?  Brauchst  du  etwas?  Du  bist  doch

krank, stimmt’s?“

„Nein,  es  ist  nur  …“  Sie  brach  ab,  weil  ihr  ganz  beklommen

zumute  wurde,  aber  es  war  besser,  die  Sache  hinter  sich  zu
bringen. „Wir müssen uns unterhalten.“

Page 140

background image

Es trat Schweigen ein. „Tony?“

„Das klingt sehr nach schwerem Geschütz, Olivia.“

Was  hätte  sie  darauf  antworten  sollen?  Sie  hörte  ihn  fluchen.

„Ich komme zu dir.“

„Was?“ Sie wollte ihn nicht in ihrem Apartment haben. Sie war

noch nicht bereit, ihm gegenüberzutreten. Nach ihrer schlaflosen
Nacht im Krankenhaus sah sie blass und müde aus. Sie wollte
erst  duschen  und  sich  zurechtmachen.  „Warum  treffen  wir  uns
nicht zu einem späten Lunch?“

„Zum  Teufel  damit.  Wenn  wir  uns  schon  unterhalten  müssen,

dann jetzt gleich. Ich will es hinter mich bringen. In einer halben
Stunde bin ich bei dir.“ Damit legte er auf.

Olivia  sank  auf  die  Couch.  Eine  halbe  Stunde,  um  sich  zu

wappnen.  Das  war  nicht  viel  Zeit. Aber  seit  dem  Moment,  wo
Tony ihr seinen Vorschlag gemacht hatte, war ihr nicht viel Zeit
geblieben.

Als Tony laut an Olivias Tür klopfte, war er tief frustriert. Sofort

gingen, wie immer, die Türen der Nachbarn auf, doch diesmal
war ihm nicht danach, höflich nach links und rechts zu nicken.

Er hämmerte erneut an ihre Tür. „Mach auf, Olivia.“

Es  war  ihm  egal,  dass  sein  Benehmen  flegelhaft  war.  Sie

wollte ihm den Laufpass geben, dessen war er sich sicher. Zum
Teufel mit ihr! Wie konnte sie eine solche Entscheidung treffen,
während  er  sich  selbst  noch  völlig  im  Unklaren  war?  Er  hatte
geglaubt,  dass  sie  sich  näherkamen,  dass  es  ihnen  vielleicht
gelang,  Lösungen  für  all  die  Probleme  zu  finden.  Er  hatte
überlegt,  ihr  einen  Kompromiss  vorzuschlagen. Aber  nein,  sie
hatte keine Lust mehr, ihm noch Zeit zu geben …

Gerade, als er noch einmal klopfen wollte, ging die Tür auf, und

Page 141

background image

Olivia stand vor ihm.

Er  machte  den  Mund  auf  –  und  vergaß,  was  er  hatte  sagen

wollen.  Sie  sah  schrecklich  aus.  Blass,  mitgenommen.  Sofort
gewann seine Sorge um sie die Oberhand über seine anderen
Gefühlsregungen.  Er  trat  ein  und  machte  den  neugierigen
Nachbarn die Tür vor der Nase zu.

„Olivia?“  Er  umfasste  sie  bei  den  Schultern.  „Bist  du  in

Ordnung, Honey?“

„Ja.“ Sie versuchte, sich ihm zu entziehen, und das erzürnte ihn

erneut.  Er  musste  sich  endlich  zusammennehmen.  Er  verlor
selten  die  Beherrschung  und  schon  gar  nicht  einer  Frau
gegenüber.  Olivia  jedoch  brachte  ihn  völlig  aus  dem
Gleichgewicht.

„Sag mir, was los ist.“

Nervös schlang sie die Finger ineinander. „Das Ganze ist sehr

schwierig für mich. Ich stehe selbst noch unter Schock, aber ich
wollte, dass du es schnellstens erfährst.“

Das  klang  nicht  nach  einer  vorbereiteten  Abschiedsrede.  Er

ließ sie los, doch als sie leicht taumelte, führte er sie zur Couch.
„Komm, setz dich.“ Er nahm neben ihr Platz. „Und jetzt sag mir
alles. Geht es dir schlecht?“

„Es  ging  mir  schlecht  gestern  Abend.“  Er  wollte  nachhaken,

aber  sie  fuhr  schnell  fort:  „Jetzt  ist  alles  okay.  Bestimmt.  Die
Sache ist die …“ Mit großen Augen blickte sie ihn verunsichert
an.  Dann  lächelte  sie  kaum  merklich  und  flüsterte:  „Ich  bin
schwanger.“

Tony  blinzelte.  Was  immer  er  für  schreckliche  Eröffnungen

erwartet hatte … unbändige Freude stieg in ihm hoch. Er stieß
einen Jubelschrei aus. Weil Olivia mit den Tränen kämpfte, zog

Page 142

background image

er  sie  an  sich  und  wiegte  sie  hin  und  her.  „Weine  nicht,
Sweetheart, alles wird gut. Ich verspreche es dir.“

Sie hatte Angst, das begriff er jetzt. Und er konnte es ihr nicht

verdenken.  Ein  Kind  zu  bekommen,  war  schon  beängstigend,
besonders  für  sie,  eine  Frau,  die  bis  vor  Kurzem  überhaupt
nichts mit Kindern zu tun gehabt hatte.

Obwohl sie fast so groß war wie er und eigentlich kräftig, kam

sie ihm klein und zerbrechlich vor. Er schmiegte sie an sich, und
da begann sie wirklich zu weinen. Konnte es sein, dass sie nicht
wollte,  dass  ihre  gemeinsame  Zeit  endete?  Ihm  war  bewusst,
dass er sie zärtlich anlächelte, aber er konnte nicht anders. Sie
war so süß, so verletzlich.

Und dann sagte sie mit erstaunlich fester Stimme: „Du kannst

es nicht haben.“

„Was?“

„Du kannst das Baby nicht haben.“

Er  sah  ihr  forschend  ins  Gesicht.  Sie  konnte  das  doch

unmöglich ernst meinen. „Wir können darüber reden …“

„Nein.“ Sie erhob sich. „Ich muss dir etwas erklären, Tony. Auf

deinen  Vorschlag  bin  ich  nur  deshalb  eingegangen,  weil  ich
glaubte,  keine  Kinder  bekommen  zu  können.  Als  junges
Mädchen verlor ich nämlich einen Eierstock, und deshalb hatte
ich nie einen normalen Zyklus. Ich dachte also, ich könnte mit dir
schlafen,  ohne  das  Risiko  einer  Schwangerschaft  einzugehen.
Sonst hätte ich nie zugestimmt, dir das Baby zu überlassen.“

Tony  war  wie  erstarrt.  Er  fasste  nicht,  was  Olivia  da  sagte.

„Aber warum …“

Sie  lachte  auf.  „Sieh  dich  doch  an.  Du  bist  ein  sehr

begehrenswerter  Mann.  Du  hattest  vorher  nie  Interesse  an  mir

Page 143

background image

gezeigt, und mein Motiv war, wie ich dir wahrheitsgemäß sagte,
dass ich einmal die Liebe erleben wollte. Mit einem Mann, den
ich bewunderte und dem ich vertrauen konnte.“

„Du hast mich belogen?“

Sie schluchzte auf. „Ja.“

Langsam stand Tony auf. Immer wenn er glaubte, endlich aus

Olivia schlau zu werden, war sie anders.

Und die jetzige Veränderung brachte ihn um den Verstand.

„Du hast mich für Sex ausgenutzt.“

Sie schlang die Arme um sich, nickte. „Es tut mir leid.“

„Leid?“  Er  hatte  sie  angeschrien,  und  sie  zuckte  zusammen.

Schlagartig  wurde  ihm  klar:  Sie  war  schwanger.  Mit  seinem
Baby. Daher wollte er sie nicht aufregen, und er zwang sich zur
Ruhe. „Deswegen hast du mir also immer wieder gesagt, dass
du vielleicht nicht empfängst.“

„Ja.“

„Und  deswegen  wolltest  du  die  Affäre  auf  zwei  Wochen

beschränken.“

„Ja.“

„Aber  der  Schuss  ging  nach  hinten  los.  Weil  du  schwanger

geworden bist. Ist das sicher?“

„Ja.“ Sie atmete tief durch. „Ich hätte es selbst noch gar nicht

gemerkt, aber weil es mir so schlecht ging und der Arzt einen
Test machte, weiß ich es in diesem Stadium schon.“

„Es muss ein ziemlicher Schock für dich gewesen sein.“

Instinktiv legte sie die Hand auf ihren Bauch. „Das war es.“ Und

dann  lächelte  sie  wieder  kaum  merklich,  als  versuche  sie
angestrengt, ihre Freude für sich zu behalten.

Page 144

background image

„So,  und  wie  passe  ich  nun  in  dieses  Szenario?  Es  ist  auch

mein Baby.“

Sie  trat  an  ein  Tischchen  und  richtete  einen  Lampenschirm.

„Du kannst an allem Anteil nehmen, wenn du willst.“

Er lachte auf und drehte sie wieder zu sich herum. „Wenn ich

will?“  Sie  riss  die  Augen  auf,  und  er  hätte  sie  am  liebsten
geschüttelt. „Ich war doch derjenige, der das Baby wollte, nicht
du!  Du  hattest  den  großartigen  Fünfjahresplan,  hast  du  das
vergessen?“

Sie  riss  sich  los.  „Nur  weil  ich  dachte,  ich  könne  kein  Kind

bekommen! Aber ich kann es, und ich will dieses Kind.“

„Was  ist  mit  deiner  Arbeit?  Wie  willst  du  allein  ein  Kind

großziehen?“  Er  wusste,  dass  er  unfair  war,  denn  sie  konnte
sich über solche Fragen noch kaum Gedanken gemacht haben.
Aber es war ihm egal. Er wollte sie verletzen, wie sie ihn verletzt
hatte.

Er schloss die Augen und zählte im Stillen bis zehn. Dann sah

er  ihr  ins  Gesicht.  „Olivia,  sei  vernünftig.  Hast  du  eine
Vorstellung  davon,  wie  schwierig  es  ist,  alleinerziehend  zu
sein?“

„Das werde ich wohl noch erfahren, oder nicht?“

Fast hätte er gelacht. Sie wirkte wieder wie die Olivia, die er

kannte, bereit, den Kampf aufzunehmen. Er rieb sich das Kinn.
„Ich könnte dich vor Gericht bringen, weißt du das? Ich kann für
den  Kleinen  sorgen,  wie  du  es  nie  können  wirst.  Nicht  nur
materiell, ich kann ihm jede Menge Zeit widmen …“

„Und wenn es ein Mädchen wird?“

„Du erinnerst dich nicht, dass mir das egal wäre? Ich dachte,

Page 145

background image

ich hätte das klargestellt.“

Abrupt ließ sie sich wieder auf die Couch fallen, vergrub das

Gesicht in beiden Händen. „Hör auf damit, Tony. Mach mir die
Sache nicht noch schwerer. Bitte!“

Es  schmerzte  ihn,  sie  so  geschlagen  zu  sehen.  Ihr  Wagemut

hatte sich in Luft aufgelöst. Tony setzte sich wieder neben sie.
„Ich werde mit Sicherheit Anteil am Leben des Babys nehmen,
Olivia.“

Sie fuhr herum. „Natürlich wirst du das! Ich werde ihn dir nicht

vorenthalten. Oder sie …“ Sie hielt inne und lächelte dann trotz
ihrer aufsteigenden Tränen. „Oh Tony, ich bekomme ein Baby!“

Sie weinte und lachte, und er konnte nicht anders, als sie fest

in die Arme zu schließen.

„Ich  hätte  das  nie  und  nimmer  für  möglich  gehalten.  Und  ich

schwöre dir, ich werde eine gute Mutter sein. Ich weiß, so hast
du  dir  das  alles  nicht  vorgestellt,  ich  ja  auch  nicht.  Aber  ich
werde dich nicht festnageln. Du kannst das Baby sehen, wann
immer  du  willst.  Dein  Leben  braucht  sich  nicht  zu  ändern,  nur
weil  ich  als  Mutter  zuständig  bleiben  will.  Ich  werde  mir
überlegen,  wie  ich  Beruf  und  Baby  unter  einen  Hut  bekomme.
Und du bist der Vater und kannst …“

„Auf  das  Baby  aufpassen,  während  du  deinen  Geschäften

nachgehst?“  Wollte  sie  ihn  erneut  ausnutzen,  damit  die  Sache
leichter für sie selbst wurde? Tony hielt Olivia von sich ab, um
sie forschend zu betrachten.

„Das habe ich gar nicht sagen wollen.“

„Nein?  Aber  du  siehst  dich  nur  mit  einem  halben  Problem,

oder? Schließlich kann ja ich euch beide unterstützen, während
du  deine  Pläne  zur  Ausweitung  deines  Unternehmens

Page 146

background image

vorantreibst. Und wann immer das Baby im Weg ist, spiele ich
quasi  automatisch  den  Babysitter.  Wie  könnte  ich  das  denn
ablehnen, wo ich dieses Kind doch so sehr gewollt habe?“

Sie  wurde  ganz  still.  Dann  erschien  ein  gelassenes,

unpersönliches Profilächeln auf ihren Lippen, und das gefiel ihm
gar  nicht.  Und  auch  nicht,  wie  sie  sich  zusammengenommen
und in sich zurückgezogen hatte. Genauso wirkte sie immer in
einer Geschäftsbesprechung, woraus er gefolgert hatte, sie sei
nicht  sensibel,  nicht  verletzlich.  Inzwischen  wusste  er,  dass  es
nur Schau war.

Kerzengerade  und  mit  vorgerecktem  Kinn  saß  sie  da.  „Du

dachtest,  ich  würde  dich  auf  diese  Art  ausnutzen  wollen?
Mitnichten.  Ich  brauche  nichts  von  dir.  Ich  habe  nie  etwas  von
irgendjemandem gebraucht. Das Baby und ich werden bestens
zurechtkommen.“

„Olivia …“

„Du solltest jetzt gehen.“

„Unsere Aussprache ist noch nicht beendet.“

„Doch. Ich habe dir gesagt, was es zu sagen gibt. Ob du Anteil

am  Leben  des  Babys  nehmen  willst  oder  nicht,  liegt  nun  ganz
bei dir.“

Er schaute sie böse an. „Du weißt verdammt gut, wie sehr ich

dieses Kind will.“

„Schön.“  Sie  stand  auf  und  schaffte  es,  trotz  ihrer

offensichtlichen  Müdigkeit  irgendwie  hoheitsvoll  auszusehen.
„Sobald er oder sie geboren ist, gebe ich dir Bescheid.“

Sie  ging  zur  Tür,  öffnete  sie  und  wartete  darauf,  dass  er  ihre

Wohnung verließ.

Page 147

background image

Und er tat es, weil er derart wütend war, dass er fürchtete, sie

erneut aufzuregen, wenn er blieb. Und das wäre nicht gut für das
Baby. Wie betäubt stürmte er zu seinem Wagen und setzte sich
hinein. Zum Teufel mit ihr, sie hatte ihn völlig aus dem Konzept
gebracht.

Er  erkannte,  dass  er  noch  immer  so  vieles  nicht  über  sie

wusste – und es trotz allem wissen wollte.

Obwohl  sie  also  geglaubt  hatte,  keine  Kinder  bekommen  zu

können, hatte sie das Gegenteil behauptet, um eine Affäre mit
ihm zu haben.

Das  war  absurd,  besonders,  weil  sie  nun  Opfer  ihrer

Schnapsidee geworden war. Aber er gab noch nicht auf. Olivia
wollte immer alles bestimmen, im Geschäfts-wie im Privatleben.
Es  war  ihre  Art,  das  Kommando  zu  übernehmen  und  alle
Entscheidungen zu treffen. Sie war hartnäckig und arrogant und
im Allgemeinen sehr fair.

Diesmal jedoch nicht.

Verdammt,  er  hätte  bei  seinem  ursprünglichen  Plan  bleiben

und sich nie auf eine persönliche Beziehung zu Olivia Anderson
einlassen sollen. Das Kind jedenfalls, das er sich so wünschte,
würde  er  nicht  bekommen.  Er  würde  überhaupt  nichts
bekommen.

Außer einem gebrochenen Herzen.

Page 148

background image

9. KAPITEL

„So, und wann wirst du sie heiraten?“

Langsam legte Tony seine Akten beiseite und wünschte, sich

jetzt nicht mit diesem Thema befassen zu müssen. „Gar nicht.“

John stützte sich auf Tonys Schreibtisch auf und starrte seinen

Bruder  böse  an.  „Und  warum  zum  Teufel  nicht?  Sie  ist  die
ideale Frau für dich.“

Was  hieß  hier  ideal?  Nichts  lief,  wie  es  sollte.  Seit  er  Olivia

zuletzt  gesehen  hatte,  waren  zwei  Wochen  vergangen.  Trotz
seines  verletzten  Stolzes  hatte  er  ein  paar  Mal  in  ihren
Boutiquen vorbeigeschaut und insgeheim gehofft, dass sie ihre
Meinung ändern und ihn wieder begehren würde. Doch er hatte
sie nicht angetroffen.

Er  hatte  sie  auch  telefonisch  in  ihrer  Wohnung  zu  erreichen

versucht. Vergeblich. Zweifellos war sie mit den Vorbereitungen
zur Eröffnung ihres neuen Ladens beschäftigt.

Und dieser Gedanke machte ihn erneut wütend.

Er  sah  John  an,  dann  wieder  die  Aktenberge  auf  seinem

Schreibtisch, um dezent anzudeuten, dass er zu tun hatte. „Das
geht dich nichts an, John.“

„Du  bist  jetzt  lange  genug  mit  einer  Trauermiene

herumgelaufen.  Zum  Kuckuck,  Mom  sorgt  sich  um  dich,  Kate
auch. Warum akzeptierst du es nicht endlich und gibst zu, dass
du sie liebst?“

„Weil sie mich belogen hat, darum!“ Er hatte keineswegs laut

werden  wollen,  doch  seine  angestaute  Frustration  über  sein
Bemühen,  Olivia  und  seine  eigenen  Gefühle  zu  verstehen,  war
einfach zu groß.

Page 149

background image

„Belogen? Worum ging es denn?“

Tony wünschte, er hätte den Mund gehalten. „Warum kümmerst

du dich nicht um deine eigenen Angelegenheiten?“

Unbeeindruckt lehnte sich John gegen den Schreibtisch. „War

es  eine  große  Lüge  oder  bloß  eine  kleine?  Hör  auf,  mich  so
wütend anzusehen. Ich will dir doch nur helfen.“

„Dann such mir eine so perfekte Frau wie Lisa.“

John brach in ungläubiges Gelächter aus. „Lisa? Perfekt? Du

machst wohl Witze.“

„Für  dich  ist  sie  perfekt.  Ihr  zwei  streitet  euch  nie.  Und  sie

würde dich nie anlügen.“

„Aber  natürlich  streiten  wir  uns  –  und  versöhnen  uns  dann

wieder.“ Er zwinkerte vielsagend. „Anlügen würde Lisa mich in
der Tat nie. Aber ich habe sie einmal angelogen. Da waren wir
noch  nicht  verheiratet,  und  sie  hätte  mir  beinah  den  Laufpass
gegeben.  Über  die  Lüge  selbst  war  sie  gar  nicht  so
aufgebracht,  sondern  über  die  Tatsache,  dass  ich  gelogen
hatte. Ist das auch bei dir und Livvy der Fall?“

Tony überlegte einen Moment. War er auf Olivia wütend, weil

sie ihn für Sex ausgenutzt hatte oder weil sie ihn offenbar nicht
mehr wollte? Er würde ihr wohl alles vergeben können, wenn sie
ihn liebte …

Weil  er  sich  nicht  schlüssig  war  und  schwieg,  erzählte  ihm

John, 

dass 

auch 

Kate 

und 

Brian 

gelegentlich

aneinandergerieten.  „Du  weißt  ja  am  besten,  dass  Kate  eine
ganz  schöne  Nervensäge  sein  kann.  Und  sie  behauptet
ihrerseits,  Brian  sei  weit  von  perfekt  entfernt.  Wenn  du  Olivia
liebst, spielt alles andere doch keine Rolle.“

Page 150

background image

Tony  dachte  über  das,  was  sein  Bruder  gesagt  hatte,  nach.

Der große Unterschied war jedoch, dass Olivia ihn anscheinend
nicht liebte. „Ich weiß nicht recht.“

John schlug mit der Hand auf den Schreibtisch. „Das kapiere

ich  nicht!  Sie  ist  sexy,  clever,  süß.  Die  Kinder  mögen  sie  und
die Frauen der Familie auch.“

Tony tat, als lese er konzentriert in seinen Akten.

John  ließ  nicht  locker.  „Sie  ist  sexy“,  wiederholte  er.  „Sehr

sexy.“

Tony warf die Akte beiseite. „Was soll das? Was hat es dich

zu interessieren, ob sie sexy ist oder nicht?“

„Ich bin doch nicht blind, Olivia gehört zu den Frauen, die nach

außen  hin  cool  wirken,  innerlich  aber  Feuer  haben.
Normalerweise wagt sich kein Mann nahe genug an sie heran,
um  ihren  Sex-Appeal  voll  zu  spüren.  Nachdem  sie  durch  dich
weicher geworden ist, fällt es natürlich eher ins Auge, wie sexy
sie ist.“

„Na  großartig.“  Sie  wollte  ihn  nicht  mehr,  aber  er  hatte  es

geschafft,  der  Welt  zu  zeigen,  wie  anziehend  sie  war?  Das
musste er sich nicht länger anhören.

Abrupt  stand  er  auf  und  baute  sich  vor  John  auf.  Doch  der

schüttelte nur den Kopf.

„Sieh dich doch an. Es ist zum Weinen. Gib es auf und sag ihr,

dass du sie liebst und sie zurückhaben willst.“

Ehe er sich hätte bremsen können, brach es aus Tony heraus:

„Sie hat mir den Laufpass gegeben, du Armleuchter. Nicht ich
ihr.“

Johns Miene zu beobachten, war fast komisch. Offenbar hatte

Page 151

background image

er an diese Möglichkeit überhaupt nicht gedacht. „Warum?“

Tony war klar, dass er schon zu viel gesagt hatte. Unter keinen

Umständen  würde  er  jemals  jemandem  anvertrauen  –  nicht
einmal seinem Bruder –, wie schändlich sich Olivia benommen
hatte. „Geh und lass mich allein, John.“

John wich keinen Zentimeter. „Ich begreife es nicht. Sie schien

verrückt nach dir zu sein. Dessen war ich mir sicher.“

Verrückt  nach  ihm?  Entgeistert  überlegte  Tony,  ob  das

womöglich stimmte.

„Was hast du getan, dass sie dir den Laufpass gegeben hat?

Hast du sie wegen dieser Lügengeschichte angebrüllt?“

Tony lachte auf, auch wenn er absolut nicht amüsiert war. Was

er getan hatte? Geliebt hatte er sie, auf ihren speziellen Wunsch
hin, ihr Lust bereitet, mit ihr sein Baby gezeugt.

Sein Baby. Aber das würde sie nun behalten. Und er hatte sie

in  seiner  Wut  beschuldigt,  ihn  automatisch  als  Babysitter
ausnutzen zu wollen.

Er  fluchte.  Doch  sein  Unmut  beeindruckte  John  keineswegs,

und er ließ sich einfach in einen Sessel fallen. „Ich glaube, wir
sollten die Sache klären.“

„Und  ich  glaube,  ich  sollte  an  meine Arbeit  zurück.“  Er  wollte

allein  sein  und  sich  seinem  Kummer  hingeben.  „Wenn  du  sie
wirklich willst, warum machst du ihr nicht den Hof?“

„Ihr den Hof machen?“

In  dem  Moment  kam  Brian  zur  Tür  herein,  und  ehe  Tony

wusste, wie ihm geschah, erklärte John Brian die Situation. Ihm
blieb nichts weiter übrig, als sich wieder an seinen Schreibtisch
zu  setzen  und  zuzuhören,  wie  sein  Bruder  und  sein  Schwager

Page 152

background image

über  ihn  sprachen,  als  wäre  er  gar  nicht  anwesend.  Diese
verdammte  Einmischerei  …  wenigstens  wussten  seine  Mutter
und seine Schwester nicht Bescheid.

Doch  kaum  hatte  er  an  Kate  gedacht,  da  kam  sie  völlig

aufgebracht in sein Büro gestürmt.

„Was hast du Olivia angetan?“

Tony lehnte sich zurück und schloss die Augen.

John  setzte  Kate  umgehend  ins  Bild.  „Aha.  Als  ich  mit  ihr

sprach, sagte sie nur, sie würden einander nicht mehr sehen.“

„Du  hast  mit  ihr  gesprochen?“,  hakte  Tony  begierig  nach.

„Wann?“

„Heute Morgen. Sie klang schrecklich.“

„Was soll das heißen? Ist sie noch krank?“ Ihm entging nicht,

dass sie alle bedeutungsvolle Blicke wechselten, aber das war
ihm im Moment egal.

„Von Kranksein ist mir nichts bekannt, Tony. Ich nahm an, sie

sei  todunglücklich.  Aber  da  dachte  ich  noch;  du  hättest  die
Beziehung abgebrochen. Ich meine, es war doch offensichtlich,
dass sie verrückt nach dir ist.“

„Warum behauptet das eigentlich jeder! Die Frau hat mir den

Laufpass gegeben.“

„Was  hast  du  ihr  getan?“,  fragten  Kate  und  Brian  wie  aus

einem Mund aufgebracht.

Tony reichte es. Er sprang auf und erklärte, dass er zum Essen

gehe.

John  packte  ihn  am  Arm.  „Ich  dachte  immer,  du  seist  ein

intelligenter Mann, Tony. Aber momentan stellst du dich ziemlich
idiotisch an. Sitz hier nicht beleidigt herum. Geh und regle die

Page 153

background image

Sache mit ihr.“

„Und wie soll ich das machen?“

Grinsend  schlug  John  ihm  auf  die  Schulter.  „Dir  wird  schon

etwas einfallen.“

Es  dauerte  noch  einige  Tage,  ehe  Tony  sich  einen  Plan

zurechtgelegt  hatte.  Dass  er  nicht  eher  auf  diese  geniale  Idee
gekommen war, war ihm unbegreiflich.

Er würde an Olivias Geschäftsmoral appellieren.

Er  spürte  Olivia  in  ihrer  im  Stadtzentrum  gelegenen  Boutique

auf.  Sie  war  gerade  dabei,  eine  Lichterkette  in  das  ans
Hotelfoyer  grenzende  Schaufenster  zu  hängen.  Sie  stand  auf
einem Hocker, lächelte, sah schön und gesund aus und absolut
nicht wie eine Frau, die sich wegen eines Mannes vor Kummer
verzehrte. Doch dann entdeckte sie ihn, und ihr Lächeln verflog.

Er trat zu ihr und half ihr vom Hocker herunter. „Hallo, Olivia.“

„Tag, Tony. Was führt dich hierher?“

„Ich war auf der Suche nach dir, um ehrlich zu sein.“

Ihr Blick wurde noch argwöhnischer. „Aha.“

„Wir haben einiges zu besprechen, denke ich. Du nicht?“

„Doch  …  vermutlich.“  Sie  wandte  sich  um  und  rief  ihrer

Verkäuferin  zu:  „Würden  Sie  mit  dieser  Lichterkette
weitermachen, Alicia? Ich bin im Büro.“

Wortlos ging sie ihm in den hinteren Teil des Ladens voran.

In  ihrem  Büro  setzte  sie  sich  an  ihren  Schreibtisch,  und  Tony

nahm  auf  einem  schlichten  Holzstuhl  Platz.  „Wie  geht  es  dir,
Olivia? Kate hatte den Eindruck, du seist krank.“

Einen Moment wirkte sie geschockt, dann entspannte sie sich

sichtlich.  „Morgendliche  Übelkeit.  Allerdings  ist  mir  auch  zu

Page 154

background image

anderen Tageszeiten übel, nicht nur morgens.“

Perfekt,  dachte  Tony.  Besser  hätte  das  Gespräch  gar  nicht

anfangen können. „Bemerkst du noch andere Veränderungen?“

Sie lächelte. „Ja. Kleinigkeiten, aber es ist schon erstaunlich,

wie das Baby sich bemerkbar macht. Auch wenn ich noch nicht
sehr lange schwanger bin.“

„Welche Kleinigkeiten?“ Er sah ihr fest in die Augen.

Sie errötete. „Dies und das. Nichts … Besonderes.“

„Aber ich möchte es wissen.“ Leise ergänzte er: „Das gehörte

zu unserer Abmachung, erinnerst du dich?“

Olivia setzte sich kerzengerade hin. „Wovon redest du da?“

Es  kostete  Tony  einige  Mühe,  unbefangen  dreinzusehen.

Wenn sie seine wahren Motive erriet, würde sie ihn womöglich
vor  die  Tür  setzen.  „Du  warst  einverstanden,  dass  ich  alle
Veränderungen  hautnah  miterleben  darf  –  falls  du  schwanger
wirst.  Wie  ich  inzwischen  ja  weiß,  hast  du  der  Vereinbarung
sowieso  nur  zugestimmt,  weil  du  glaubtest,  dieser  Fall  würde
nie eintreten. Ich habe viel darüber nachgedacht. Und ich finde,
dass du in der ganzen Sache fair sein solltest.“

Sie war blass geworden. „Ich habe dir schon gesagt, wie leid

mir das alles tut, Tony. Aber ich werde mein Baby behalten.“

„Ich möchte ein Besuchsrecht.“

„Das habe ich dir bereits angeboten.“

„Zudem  möchte  ich  die  Hälfte  der  Kosten  für  das  Baby

übernehmen. Und da wir schon über Kosten reden, so sollte ich
auch die Hälfte deiner Arztrechnungen bezahlen.“

„Nein!“  Sie  sprang  auf,  und  auf  ihren  Schreibtisch  gestützt,

blickte sie ihn böse an. „Ich habe dir gesagt, dass ich nichts von

Page 155

background image

dir will.“

„Ich weiß. Aber es ist mein gutes Recht, die Hälfte zu bezahlen,

sage ich dir.“

„Es ist mein Körper, mein Baby!“ Als sie merkte, was sie da

gesagt hatte, wich sie zurück. Tony wartete einfach ab, und sie
atmete  ein  paar  Mal  tief  durch.  „Okay.  Es  ist  auch  dein  Baby.
Wenn  du  dich  später  an  den  Kosten  für  den  Kinderarzt
beteiligen  willst,  soll  es  mir  recht  sein. Aber  meine Arztkosten
trage ich allein.“

„Ich könnte dich vor Gericht bringen.“

Sie  starrte  ihn  ah.  „Damit  du  die  Hälfte  meiner  Rechnungen

übernehmen kannst?“

„Das  und  damit  du  deiner  Verpflichtung  aus  unserer

Vereinbarung nachkommst.“

Olivia ließ sich auf ihren Stuhl fallen und konzentrierte sich ganz

aufs Atmen. Ihre Augen wirkten riesig in ihrem bleichen Gesicht.
„Du wirst mir das Baby wegnehmen?“

Tony kam sich vor wie ein Monster. Er ging zu ihr, kauerte sich

vor sie hin und nahm ihre Hände fest in seine Hände. „Glaubst
du wirklich, dass ich dir das antun würde, Olivia?“

„Nein. Aber du sagtest …“

„Wir 

haben 

noch 

andere 

Vereinbarungen 

getroffen,

Sweetheart.“  Er  sprach  leise,  beruhigend.  „Weißt  du  das  nicht
mehr?“ Ihr Blick wurde misstrauisch.

„Ich  möchte  die  Schwangerschaft  und  auch  die  Geburt

miterleben. Du hast mir versprochen, dass ich alle körperlichen
Veränderungen  an  dir  beobachten  darf,  die  das  Baby
verursacht.  Genau  das  möchte  ich,  Olivia,  und  jede  noch  so

Page 156

background image

kleine Kleinigkeit über deine Schwangerschaft erfahren.“

„Aber … alles ist jetzt doch anders.“

„Nein. Der einzige Unterschied ist, dass du eingestanden hast,

mich belogen zu haben, und dass du das Baby behalten willst.
Die  anderen  Absprachen  sollten  weiterhin  gelten.“  Er  drückte
erneut ihre Hand, während er ihr tief in die Augen schaute. „Das
ist das Mindeste, was du tun könntest.“

Er  merkte,  dass  sie  ernstlich  überlegte.  Sein  Blick  glitt  über

ihren  Busen.  „Ich  habe  ein  Buch  über  die  Schwangerschaft
gekauft  und  darin  steht,  dass  eine  der  ersten  körperlichen
Veränderungen  ist,  dass  die  Brüste  empfindlicher  und  voller
werden.“ Er suchte erneut ihren Blick. „Ich entsinne mich, dass
du,  als  wir  das  letzte  Mal  miteinander  geschlafen  haben,
besonders  empfindsam  warst.“  Sie  nickte  zögernd.  „Ah.  Sie
sind also voller?“

Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Ein wenig.“

„Und empfindlicher?“

„Ja.“ Ihre Stimme war nur noch ein Flüstern, heiser und tief.

„Ich möchte es sehen.“

„Tony …“

Die Art und Weise, wie sie seinen Namen stöhnte, erregte ihn

sehr,  und  das  sollte  jetzt  nicht  passieren,  während  er  so
angestrengt versuchte, die Oberhand zu gewinnen. Zart strich er
mit  dem  Daumen  über  ihre  Fingerknöchel.  „Pst.  Ist  schon  gut.
Ich  bin  nur  neugierig.  Du  weißt  doch,  wie  viel  mir  das  alles
bedeutet. Kannst du mir nicht wenigstens das geben?“

„Ich dachte, du würdest dir eine andere Frau suchen.“

Der Gedanke, eine andere Frau als Olivia zu berühren, war für

Page 157

background image

Tony geradezu abstoßend. Selbst wenn er niemals ein eigenes
Kind  haben  würde,  so  wollte  er  doch  nur  Olivia.  Diese
Erkenntnis überraschte ihn sehr, war aber die Wahrheit.

„Nein.  Ich  glaube  nicht,  dass  das  nötig  ist.“  Er  stand  auf,  um

Abstand  zu  ihr  zu  gewinnen,  ehe  er  sich  durch  Erklärungen
blamierte,  die  besser  ungesagt  blieben.  Wenigstens  im
Moment. „Wir werden dieses Kind bekommen, und da gibt es
genug  Dinge,  um  die  wir  uns  kümmern  müssen.  Die  ganze
Sache  ist  sowieso  viel  komplizierter,  als  ich  es  mir  vorgestellt
habe.“

Ohne dass er es gemerkt hätte, war Olivia hinter ihn getreten

und berührte ihn am Arm. „Es tut mir sehr leid, Tony. Ehrlich. Ich
wollte  nie,  dass  das  alles  passiert.  Mein  Plan  kam  mir  so
schlicht und einfach vor.“

Lächelnd  streichelte  er  ihre  Wange.  „Mit  dir  ist  gar  nichts

einfach, Honey. Du bist die komplizierteste Frau, die ich kenne.“

„Ich habe wirklich alles ruiniert, nicht wahr?“

Sie  hatte  ihn  glücklicher  gemacht,  als  er  je  erträumt  hatte  zu

sein, aber das sagte er ihr nicht. „Die Dinge laufen anders als
geplant, aber ich werde mein Kind ja bekommen. Ich werde es
eben  nur  mit  dir  teilen.“  Er  vergrub  die  Hände  in  den
Hosentaschen, um sie nicht erneut zu berühren. „Aber es wäre
schön,  wenn  du  dich  ansonsten  so  weit  wie  möglich  an  die
Abmachung halten würdest. Du wusstest schließlich von Anfang
an, was es mir bedeutet, Vater zu werden.“

Sie nickte unglücklich, und er hätte sich fast dafür entschuldigt,

dass  er  sie  mit  Schuldgefühlen  belud.  Aber  sie  verdiente  sie
wegen  ihres  Täuschungsmanövers.  Und  es  war  der  einzige
Weg, der ihm einfiel, um sein Ziel zu erreichen.

Page 158

background image

„Dann  stimmst  du  also  zu?  Du  zeigst  mir  die  Veränderungen

und lässt mich an allem teilnehmen?“

„Was genau meinst du mit teilnehmen?“

„Wenn der Arzt Ultraschalluntersuchungen macht, will ich dabei

sein. Wenn er die Herztöne abhört, will ich sie auch hören.“

Olivia schien erleichtert. „Das ist kein Problem.“

„Ich  möchte  auch  wissen,  wann  dir  morgens  übel  ist,  deine

Knöchel sehen, falls sie anschwellen.“ Seine Stimme klang auf
einmal heiser. „Und fühlen, ob deine Brüste empfindlich sind.“

Sie erschauerte, und er begehrte sie auf der Stelle, so heftig,

dass  es  ihm  den  Atem  nahm.  „Ich  habe  dich  schon  vorher
gesehen, Olivia, also wird es deine Intimsphäre nicht verletzen.
Ich  habe  dich  berührt  …“  Er  musste  innehalten,  um  sein
Verlangen  zu  zügeln.  „Ich  kenne  deinen  Körper  genau,  werde
also leicht die kleinste Veränderung feststellen können. Wirst du
mir das gestatten?“

„Ja.“  Ihre  Wangen  waren  gerötet,  ihre Augen  leuchteten.  „Ja.

Es ist das Mindeste, was ich tun kann.“

Die Anzeichen  dafür,  dass  auch  Olivia  erregt  war,  entgingen

ihm  nicht,  und  es  dauerte  einen  Moment,  ehe  es  ihm  möglich
war zu sprechen. „Ich kann heute Abend zu dir kommen.“

„Es wäre mir lieber …“

„Ich  weiß,  du  willst  mich  nicht  in  deinem  Apartment  haben.“

Weil  sie  ihn  überrascht  ansah,  lächelte  er  spöttisch.  „Nach
unserem letzten Treffen dort ist mir das klar geworden. Weil du
gar  kein  Baby  von  mir  wolltest,  wolltest  du  dein  Leben  von
meinem  getrennt  halten.  Du  wolltest  nicht,  dass  ich  in  dein
Allerheiligstes vordringe.“

Page 159

background image

Sie nickte schuldbewusst.

„Aber  nun  bekommst  du  mein  Baby,  und  ich  werde  zu  dir

kommen, und sei es nur, um das Kind abzuholen. Also spielt es
doch eigentlich keine Rolle mehr, oder?“

„Wahrscheinlich nicht.“

Es schien ihr ganz und gar nicht zu gefallen, und Tony hätte fast

geschmunzelt.  Jetzt  hab  ich  dich,  dachte  er.  Er  kam  ihr  nun
tatsächlich näher.

„Wie wär’s um sechs Uhr?“

„Bis dahin sollte ich hier fertig sein.“

„Gut.“ Am liebsten wäre er noch geblieben, aber es war besser

zu gehen, ehe sie ihre Meinung änderte. „Dann bis später.“

Olivia richtete erneut ihr Haar und verließ dann das Bad. Tony

verspätete  sich  etwas,  und  sie  war  übernervös.  Sie  fasste  es
nicht,  dass  er  wieder  Kontakt  zu  ihr  aufgenommen  hatte,  aber
sie  war  so  froh  darüber.  Denn  sie  hatte  Tony  schrecklich
vermisst.  Nicht  einmal  ihre  Arbeit  hatte  die  Leere  ausfüllen
können.

Als  es  klopfte,  rannte  sie  zur  Tür,  um  Tony  einzulassen,  ehe

ihre  Nachbarn  auf  den  Flur  spähten.  Sie  hatten  sie  seit  ihrer
Nacht im Krankenhaus sehr lieb umsorgt. Doch heute wollte sie
nicht nach ihrem Befinden gefragt werden, weil Tony nichts von
den Risiken der Schwangerschaft wissen sollte.

Tony war jedoch bereits von den Nachbarn umringt. Nachdem

er sich von ihnen verabschiedet hatte und Olivia gerade die Tür
hinter ihm schloss, rief Hilda ihm nach: „Kümmern Sie sich gut
um  sie,  hören  Sie?  Ich  möchte  nicht  noch  einmal  ins
Krankenhaus fahren müssen.“

Page 160

background image

Tony starrte Olivia an. „Wovon zum Teufel redet sie da?“

Sie suchte nach einer Ausrede, doch er packte sie energisch

an den Schultern. „Keine Lügen mehr, Olivia. Erzähl mir einfach
die volle Wahrheit.“

„Tut mir leid. Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst.“

„Sorgen, worüber? Ist das Baby okay?“

„Ja.“  Sie  nahm  das  neueste  Ultraschallbild  von  einem

Tischchen. „Das hier ist das Baby.“

Tony besah sich das seltsame Schwarz-Weiß-Bild und runzelte

die Stirn. „Wo?“

Olivia  lachte,  weil  er  ähnlich  reagierte  wie  sie  selbst.  „Man

kann  das  Kind  noch  nicht  erkennen.  Es  ist  ja  erst  gut  einen
Zentimeter groß. Aber wusstest du, dass es etwa ab der achten
Woche schon Fingerchen und Zehen bekommt?“

Tony  schwieg  einen  Moment,  dann  breitete  sich  ein

strahlendes  Lächeln  auf  seinem  Gesicht  aus.  „Fingerchen  und
Zehen, soso.“

Olivia  erklärte  ihm  die  dunklen  und  hellen  Schatten  auf  dem

Bild.

„Und jetzt möchte ich noch einmal genauer wissen, warum du

glaubtest, nicht schwanger werden zu können, und es trotzdem
geworden bist“, sagte Tony.

Olivia  setzte  sich  mit  Tony  auf  die  Couch  und  erzählte  ihm

ausführlich von ihrem speziellen Problem.

„Und warum musstest du neulich Nacht ins Krankenhaus?“

„Ich  hatte  eine  Zyste  am  Eierstock,  die  heftige  Schmerzen

verursachte.“  Ehe  Tony  hätte  nachfragen  können,  fuhr  sie  fort:
„Aber das hatte auch sein Gutes, denn sonst wäre ich nicht ins

Page 161

background image

Krankenhaus  gegangen  und  wüsste  noch  nicht,  dass  ich
schwanger bin.“

„Bist du sicher, dass jetzt alles in Ordnung ist?“

„Ganz  sicher.  Sie  haben  mich  gründlich  untersucht.  Ein  paar

Tage  ging  es  mir  nicht  besonders,  und  ich  war  nicht  im
Geschäft.  Aber  jetzt,  abgesehen  von  der  morgendlichen
Übelkeit, fühle ich mich großartig.“

„Du siehst gar nicht schwanger aus.“

Er  ließ  den  Blick  über  sie  gleiten,  und  sie  spürte  prickelnde

Hitze  in  sich  aufsteigen.  Sie  bemühte  sich,  ihren  erregenden
Gedanken  Einhalt  zu  gebieten.  „In  dem  Buch  für  werdende
Mütter, das ich gekauft habe, steht, dass ich erst ab dem dritten
Monat sichtbar zunehme.“

„Aber du verspürst schon Veränderungen, sagtest du?“

Nun wurde es heikel. „Meine Haut ist anders. Ich brauche kaum

noch Feuchtigkeitscreme. Auch mein Haar. Damit es wieder gut
sitzt,  musste  ich  mir  ein  anderes  Shampoo  besorgen.“  Sie
lachte. „Ich habe Heißhunger auf die unmöglichsten Sachen, und
ich muss häufiger zur Toilette.“

„Und deine Brüste sind voller und empfindlicher.“

„Ja …“ Sie hatte gehofft, das nebenbei erwähnen zu können,

doch er hatte ihr keine Chance dazu gegeben.

Mit  wild  klopfendem  Herzen  sah  sie  ihn  an.  „Ich  möchte  es

sehen, Olivia. Zieh dein Shirt für mich aus“, bat er leise.

Page 162

background image

10. KAPITEL

Olivia  schluckte.  Beim  besten  Willen  konnte  sie  ihre

Flanellbluse nicht aufknöpfen. Da nahm Tony sie an der Hand.

„Lass  uns  ins  Schlafzimmer  gehen,  damit  du  dich  hinlegen

kannst. So ist es für mich einfacher … dich zu untersuchen.“

Untersuchen.  Olivia  blieb  fast  das  Herz  stehen,  doch  sie  ließ

sich  widerspruchslos  ins  Schlafzimmer  führen  –  wo  Tony  noch
nie  zuvor  war.  Tief  im  Inneren  wollte  sie,  dass  er  sie  berührte,
sie anschaute. Aber sie konnte das unmöglich eingestehen. Es
war  ein  Wunder,  dass  Tony  überhaupt  mit  ihr  redete,  so
schlecht, wie sie sich benommen hatte.

Sie setzte sich auf die Bettkante, und er drückte sie behutsam

in die Kissen. Sie schloss die Augen.

Langsam knöpfte er ihr die Bluse auf. Ihr BH war neu, fester als

die, die sie sonst trug, und er hatte einen Vorderverschluss, den
Tony geschickt öffnete. Er schob die Körbchen beiseite.

„Olivia. Mach die Augen auf.“

Sie  tat  es.  Er  stand  neben  dem  Bett  und  betrachtete  sie

eingehend. Ehe sie sich hätte bedecken können, ergriff er ihre
Hände und setzte sich zu ihr. „Deine Brüste sind tatsächlich ein
bisschen größer als früher.“

Sie  hörte  Erstaunen  aus  seiner  rauen  Stimme  heraus.  „Ich

habe übrigens vor, das Baby zu stillen.“

„Wirklich?“

„Ja.  Ich  habe  viel  darüber  gelesen.“  Sie  klang  selbst  ganz

heiser, nervös und erregt wie sie war, aber das war egal. Tony
interessierte jede Einzelheit, und sie schuldete es ihm, ihn über

Page 163

background image

alles in Kenntnis zu setzen.

Als  er  ihre  Brust  umschloss  und  zart  mit  dem  Daumen  über

ihre Knospe strich, erschauerte Olivia heftig.

„Du  bist  sehr  viel  empfindlicher,  nicht  wahr?“  Das  klang

geradezu ehrfürchtig, und sie konnte nur stumm nicken.

„Olivia?“  Er  begann,  ihr  mit  zitternden  Händen  die  Hose

auszuziehen. „Ich möchte dich ganz sehen.“

Sie  lag  ganz  still,  die  Beine  leicht  gespreizt,  den  Oberkörper

von  ihrer  geöffneten  Bluse  umrahmt,  während  Tony  begehrlich
den  Blick  über  ihren  Körper  gleiten  ließ. Als  er  die  Wange  an
ihren  Bauch  schmiegte,  konnte  sie  nicht  länger  an  sich  halten.
Sie schlang die Arme um ihn und brach in Tränen aus.

„Sweetheart, weine nicht.“ Er wiegte sie sanft hin und her, doch

die Tränen wollten nicht versiegen. „Was ist, Olivia? Hab ich dir
wehgetan?“

Als ob er das je tun würde! Sie schüttelte den Kopf.

„Ich brauche dich, Livvy. Ich möchte mit dir schlafen.“

Mehr Ermunterung brauchte sie nicht. Sie nahm sein Gesicht in

beide Hände und küsste ihn leidenschaftlich.

Tony stöhnte auf, und im nächsten Moment beugte er sich über

sie und überschüttete sie mit Küssen, während er seine Schuhe
abstreifte.  Olivia  mühte  sich  mit  seinem  Hemd  ab,  bis  er  sich
schließlich selbst in Windeseile entkleidete. Als er sich wieder
über sie schob, flüsterte er: „Sag mir, wenn ich dir wehtue.“

„Das wirst du nicht. Bitte, Tony, ich hab dich so vermisst.“

Er  ließ  die  Hand  über  ihren  Bauch  abwärts  wandern  und

begann, sie zärtlich zu streicheln. Doch als sie das Gleiche bei
ihm machen wollte und ihn mit den Fingern umschloss, hielt er

Page 164

background image

abrupt inne. „Nein, Sweetheart, tu das nicht. Ich kann sonst nicht
…“

„Das  brauchst  du  nicht.  Komm  einfach  zu  mir,  Tony.  Jetzt

gleich.“

Einen Moment lang sah er ihr tief in die Augen, dann legte er

sich auf sie, wobei er sich bemühte, sie nicht zu sehr mit seinem
Gewicht  zu  belasten. Aufstöhnend  zog  sie  ihn  an  sich,  um  ihn
erneut mit ungezügelter Wildheit zu küssen. Sie öffnete weit und
einladend die Beine, und er drang behutsam in sie ein. Mit ihm
zu  schlafen  war  unbeschreiblich  schön,  und  es  hätte  nicht  viel
gefehlt, und sie hätte ihm gestanden, dass sie ihn liebte. Er hielt
ihr  Gesicht  in  beiden  Händen  und  küsste  sie,  als  die  Schauer
höchster Lust sie erfassten. Dann flüsterte er ihr etwas so leise
zu, dass sie es nicht verstand. Mit einem befreienden Stöhnen
presste  er  das  Gesicht  an  ihren  Hals,  und  sie  hielt  ihn  eng
umschlungen  und  streichelte  seinen  Rücken,  bis  er  wieder
ruhiger  atmete.  Als  Tony  ihr  nach  ihrer  Liebesstunde  das
feuchte Haar aus der Stirn strich, spürte Olivia genau, wie es in
seinem Kopf arbeitete. Sie ahnte, was kommen würde. „Heirate
mich.“

Sie  schüttelte  den  Kopf,  während  ihr  erneut  die  Tränen  über

die Wangen liefen. „Ich kann nicht.“

„Warum?“

Sie blickte ihm geradewegs ins Gesicht. „Warum willst du mich

heiraten?“

Verstimmt  wandte  er  sich  von  ihr  ab  und  setzte  sich  auf  die

Bettkante.  „Wir  bekommen  ein  gemeinsames  Baby,  und  ich
kann nicht einen Moment von dir lassen. Glaubst du nicht, dass
eine Heirat da eine ganz gute Idee wäre?“

Page 165

background image

Obwohl seine Antwort sie sehr enttäuschte, blieb sie ruhig, um

ihm nicht zu zeigen, wie sehr er sie verletzt hatte. „Ein Baby war
doch  von Anfang  an  geplant,  eine  Heirat  nicht.  Wenn  ich  mich
recht entsinne, warst du geradezu entsetzt, als ich dich zunächst
missverstand und dachte, du wolltest mich heiraten.“

„Da dachte ich ja noch, dass ich allein für das Baby zuständig

wäre.“

„Verstehe.“ Olivia setzte sich auf und begann, BH und Bluse zu

schließen. „Ich hab dir doch gesagt, dass ich dir das Kind nicht
vorenthalten  will.  Und  du  wirst  einen  wunderbaren  Vater
abgeben. Ich lasse dir dabei freie Hand.“

Er setzte zu einer heftigen Erwiderung an, das sah sie ihm an,

doch ein Klopfen an ihrer Tür hielt ihn davon ab. Er fluchte. „Das
glaube  ich  einfach  nicht.  Ich  dachte,  hier  in  deiner  Wohnung
wären  wir  ungestört.  Wenigstens  kann  es  diesmal  nicht  meine
Familie sein.“

Schnell zog Olivia ihre Hose an. „Ich kann mir nicht vorstellen,

wer mich da besuchen kommt.“

Tony  streckte  sich  wieder  auf  dem  Bett  aus.  „Richtig.  Du

vermeidest ja absolut jede Beziehung, oder etwa nicht?“

Sein  Zynismus  war  besonders  bitter,  nachdem  er  sie  noch

gerade  eben  so  zärtlich  geliebt  hatte.  Dies  traf  sie  sehr.  Auf
dem Weg zur Schlafzimmertür warf sie ihm einen kurzen Blick
zu und hatte dann Mühe, sich vom Anblick seines wunderbaren
Körpers loszureißen.

„Tu mir einen Gefallen, und bleib, wo du bist, okay?“ Ohne eine

Antwort  abzuwarten,  eilte  sie  zu  ihrer  Wohnungstür.  Das  wird
einer der Nachbarn sein, dachte sie. Sie täuschte sich. Vor ihrer
Tür stand eine Abordnung von Tonys Familie und plauderte nett

Page 166

background image

mit  den  Nachbarn,  die  natürlich  auch  diesmal  auf  den  Flur
gespäht hatten.

Kate  bemerkte  Olivia  als  erste  und  umarmte  sie  zur

Begrüßung. „Wir haben einen Einkaufsbummel gemacht, und da
fiel uns auf, dass wir Sie noch gar nicht zum Weihnachtsessen
eingeladen haben.“

Lisa  trat  näher,  gefolgt  von  John  und  Brian,  und  Olivia  blieb

nichts  anderes  übrig,  als  sie  eintreten  zu  lassen.  „Die  Kinder
würden sich so freuen, Sie wiederzusehen. Sie fragen ständig
nach Ihnen.“

John  grinste.  „Und  Tony  würde  sich  auch  freuen.  Da  bin  ich

sicher.“

Lisa  gab  ihrem  Mann  einen  Rippenstoß.  „John,  du  hast

versprochen, dich zu benehmen.“

„Das  tu  ich  doch.  Schließlich  sage  ich  ihr  nicht,  was  für  ein

missmutiger Kerl er in letzter Zeit ist, oder?“

Olivia  wurde  schlecht.  Ihre  Übelkeit  trat  immer  im

ungünstigsten Moment auf – wenn sie auf dem Weg zur Arbeit
war oder einen Kunden bediente.

Jetzt,  in  Gegenwart  von  Tonys  Familie,  war  der  ungünstigste

Zeitpunkt  überhaupt.  Sie  presste  eine  Hand  auf  ihren  Magen
und betete, dass er sich beruhigte.

Kate  legte  einen  Arm  um  Olivia,  weil  sie  die  Situation

missverstand. „Wir wollen Sie nicht bedrängen, Olivia. Aber wir
würden uns wirklich alle freuen, wenn Sie Weihnachten mit uns
feiern  würden.  Und  ganz  ehrlich,  die  Kinder  scheinen  Sie  zu
vermissen.“

Olivia dachte gerade, dass es kaum schlimmer werden könne,

als Tony erschien. „Das ist nicht fair, Schwesterherz, die Kinder

Page 167

background image

als Köder zu benutzen.“

Wie gebannt starrten alle zu ihrer Schlafzimmertür hinüber, wo

Tony, nur mit seiner Hose bekleidet, stand. Kein Wunder, dass
John und Brian zu grinsen anfingen und Kate und Lisa sie mit
großen Augen ansahen. Jeden Augenblick würden die Fragen
über  sie,  Olivia,  hereinbrechen.  Ihr  Magen  rebellierte  noch
heftiger,  und  sie  merkte,  dass  sie  sich  würde  übergeben
müssen.

Sie hielt sich den Mund zu und rannte los.

Hinter  sich  hörte  sie  Kate  erschrocken  nach  Luft  schnappen

und Johns Gemurmel, was denn los sei.

Am  deutlichsten  nahm  sie  Tonys  nüchterne  Bemerkung  wahr:

„Sie ist okay. Es ist nur die morgendliche Übelkeit. Entschuldigt
mich  bitte.“  Ehe  Olivia  die  Badezimmertür  hätte  zuschlagen
können, war Tony im Bad und schloss ab, während sie vor der
Toilette auf die Knie sank. Als sie sich gleich darauf übergeben
hatte,  zog  er  ab  und  reichte  ihr  einen  feuchten  Waschlappen.
„Geht es dir besser?“

„Geh  weg.“  Sie  klang  ganz  heiser  vor  Anstrengung,  und  er

kauerte  sich  hinter  sie  und  zog  sie  an  sich.  Dann  nahm  er  ihr
den Lappen aus der Hand und rieb ihr damit das Gesicht ab.

„Solltest du jetzt nicht hecheln oder so etwas?“

„Das ist eine Atemtechnik bei der Geburt, du Idiot.“

Tony musste über ihren strengen Ton grinsen. „Na ja, ich hab

mich in dieses Thema noch nicht so eingelesen wie du offenbar.
Gib mir etwas Zeit, okay?“

Sie stöhnte erneut, und er schaffte es gerade noch rechtzeitig,

den  Toilettendeckel  für  sie  hochzuklappen.  Nachdem  es
diesmal  überstanden  war,  sah  sie  ihn  böse  an.  „Geh  endlich

Page 168

background image

weg und lass mich in Ruhe.“

„Sei nicht albern, Olivia. Dir ist schlecht, na und? Ich hab schon

Schlimmeres erlebt.“

Sie  schwankte  zum  Waschbecken  und  bespritzte  sich  das

Gesicht mit Wasser. „Ja, Schlimmeres wartet nebenan, und du
darfst gern derjenige sein, der alles erklärt.“

„Was  gibt  es  da  zu  erklären?  Wir  bekommen  ein  Baby.  Das

hätten sie früher oder später sowieso herausgefunden.“

„Du  weißt  genau,  dass  es  mehr  als  das  ist,  und  du  hättest

längst in meiner Abwesenheit mit ihnen reden können!“

„Dazu ist es nun zu spät.“ Tony nahm Olivia an der Hand, und

es  blieb  ihr  nichts  anderes  übrig,  als  ihm  ins  Wohnzimmer  zu
folgen,  wo  alle  Platz  genommen  hatten.  „Wir  bekommen  ein
Baby“, verkündete er.

Kate war die erste, die freudestrahlend aufsprang. „Tony, das

ist ja fantastisch! Wann ist denn die Hochzeit?“

Und ohne zu zögern erwiderte er: „Es gibt keine.“

Alle  erstarrten,  ihr  Lächeln  verflog  in  Windeseile.  Und  dann

brach  ein  Sturm  der  Entrüstung  los.  Natürlich  müsse  er  sie
heiraten. Was denke er sich denn? Habe er nicht lange genug
seine  Freiheit  genossen?  Und  Babys  verdienten  nun  einmal
zwei  Elternteile.  Kate  legte  sogar  beschützend  den  Arm  um
Olivia, während sie aufgebracht auf ihren Bruder einredete.

Das  ist  ja  lachhaft,  dachte  Tony.  Seine  Familie  sollte  ihn

eigentlich besser kennen, aber offenbar hatten sie irgendwann
im  Verlauf  dieser  Farce  einer  Brautwerbung  die  Seiten
gewechselt.

Und die arme Olivia. Er merkte, dass es sie langsam aufregte,

Page 169

background image

wie  sie  ihn  ins  Gebet  nahmen.  Wenn  er  ihnen  die  Wahrheit
sagte, nämlich, dass sie diejenige war, die nicht heiraten wollte,
dann würde er sie in größte Verlegenheit bringen. Das konnte
er nicht machen.

Nur Olivia selbst konnte das klarstellen.

Sie sah von einem zum anderen, ganz benommen davon, wie

heftig sie alle Partei für sie ergriffen.

„Tony  hat  mir  einen  Heiratsantrag  gemacht!“  Sie  musste

praktisch schreien, um sich Gehör zu verschaffen, und es wurde
still im Raum.

John war der Erste, der reagierte. „Moment. Das verstehe ich

nicht. Wo liegt denn dann das Problem?“

Hilfe suchend schaute Olivia Tony an, doch er verschränkte nur

abwartend  die Arme  vor  der  Brust.  Er  war  genauso  neugierig
auf ihre Antwort wie die anderen.

„Ganz so einfach ist die Sache nicht.“

„Wann war Liebe denn jemals einfach?“

Lisa  versetzte  John  erneut  einen  Knuff.  „Das  ist  ihre

Angelegenheit, John. Vielleicht sollten wir sie in Ruhe lassen.“

„Aber  Tony  will  sie  heiraten!  Und  sie  mag  ihn  offenbar.“  Er

wandte sich an Olivia. „Das stimmt doch, oder?“

„Ich … ja.“

„Aber nicht genug, um ihn zu heiraten?“

„Es ist ziemlich kompliziert!“

John  schnaubte  verächtlich.  „Wie  kompliziert  kann  es  schon

sein? Sie mögen Tony. Er ist verrückt nach Ihnen. Zum Teufel, er
war  die  ganze  Woche  derart  melancholisch,  dass  ich  dachte,
ich  müsse  ihn  erschießen,  um  seine  Trauermiene  nicht  länger

Page 170

background image

mit ansehen zu müssen.“

Olivias Blick flog zu Tony, und er lächelte sie grimmig an. „Ja,

ich war ein richtiger Trauerkloß.“

Ihr stiegen Tränen in die Augen. „Oh Tony.“

Es  reichte  ihm.  Er  ging  zur  Wohnungstür  und  riss  sie  auf.

„Warum  verschwindet  ihr  nicht  alle  auf  der  Stelle?  Sie  macht
momentan einiges durch mit dieser Übelkeit, und jetzt bedrängt
ihr alle sie auch noch. Lasst uns allein.“

Lisa tätschelte Olivia den Arm. „Diese Übelkeit gibt sich in ein

paar  Wochen.  Und  danach  ist  eine  Schwangerschaft  nur  noch
halb so schlimm.“

Kate  umarmte  sie.  „Mir  war  auch  den  ganzen  Tag  lang

schlecht. Versuchen Sie, Cracker zu knabbern, wenn Ihr Magen
revoltiert.  Und  keine  Sorge  wegen  der  Tränen.  Lisa  und  ich
waren die reinsten Heulsusen, als wir schwanger waren.“

„Ich  hoffe,  es  geht  Ihnen  bald  besser,  meine  Liebe“,

verabschiedete sich Brian. „Kommen Sie Weihnachten. Feiern
wird Sie ablenken … von anderen Dingen.“

Dann stand nur noch John im Flur. „Was immer Sie für Gründe

zu  haben  glauben,  Olivia,  besprechen  Sie  sie  mit  ihm.
Manchmal  existieren  Probleme,  die  einen  bekümmern,
überhaupt nicht.“ Dann gab er ihr einen freundschaftlichen Kuss
auf die Wange und ging.

Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, herrschte zunächst

befangenes  Schweigen.  Tony  hielt  den  Blick  auf  die  Tür
gerichtet, während er seine Gedanken ordnete.

„Es  schien  dich  zu  überraschen,  dass  ich  in  letzter  Zeit  nicht

glücklich war.“

Page 171

background image

„Ich dachte, du wärst noch zu wütend, um unglücklich zu sein.

Warst du etwa unglücklich, weil du dachtest, ich würde dir das
Baby vorenthalten wollen?“

Tony gab sich keine Mühe, seinen Ärger zu verbergen. „Dem

Baby?  Ich  habe  mich  in  dich  verliebt,  lange  bevor  ich  wusste,
dass du schwanger bist. Himmel, wahrscheinlich war ich schon
seit Ewigkeiten ein wenig in dich verliebt. Du warst meine erste
Wahl  als  Mutter  für  mein  Kind.  Und  dann  erkannte  ich  schnell,
dass du meine einzige Wahl warst.“

Sie  schaute  ihn  mit  großen  Augen  an,  und  Tony  schüttelte

amüsiert  über  ihr  Erstaunen  den  Kopf.  Wieso  hatte  sie  nicht
gemerkt, wie viel sie ihm bedeutete?

„Olivia, wir haben eben miteinander geschlafen, und das hatte

absolut nichts mit dem Baby zu tun.“

„Nein?“

Lächelnd ging er auf sie zu. „Nein. Ich komme in deine Nähe,

und  schon  will  ich  dich.  Ich  denke  an  dich,  und  schon  will  ich
dich. Zum Teufel, du übergibst dich auf der Toilette, und ich will
dich.“

„Wirklich?“

Er  nickte.  „Und  es  geht  nicht  nur  um  Sex.  Ich  möchte  dich

halten, mit dir reden, dein Lachen hören. Ich genieße es, dabei
zu sein, wenn du einen Vertrag aushandelst.“

Das  brachte  sie  zum  Lachen.  Er  stand  dicht  vor  ihr,  berührte

sie jedoch nicht. Leise bekannte er: „Es macht mich ganz heiß,
dich  als  clevere  Geschäftsfrau  zu  erleben,  fordernd  und
hartnäckig.  Und  ähnlich  erging  es  mir,  als  du  Klein-Shawn  die
Flasche  gegeben  hast.  Und  als  du  mich  eben  vor  meiner
Familie in Schutz genommen hast – du gehst mir unter die Haut,

Page 172

background image

Lady.“

„Du liebst mich?“

„Himmel, ja. Hab ich das nicht eben zum Ausdruck gebracht?“

„Oh Tony.“ Zu seinem Erstaunen begann sie zu weinen. Als er

sie umarmen wollte, wich sie zurück. „Es gibt da so vieles, was
du wissen musst.“

Er setzte sich auf die Couch. „Wäre es nicht an der Zeit, mir

alles zu sagen?“

Sie  nickte  unsicher,  und  er  zog  sie  kurzerhand  auf  seinen

Schoß und hielt sie fest umschlungen. „Okay. Nun fang an. Und
lass nichts aus.“

Sie  erzählte  ihm  von  ihrer  Nacht  im  Krankenhaus,  dass  die

Schwangerschaft  noch  gefährdet  sei,  dass  sie  vielleicht  nicht
noch einmal schwanger werden könne. Selbst wenn sie dieses
Baby  austragen  könne,  würde  es  womöglich  ihr  einziges  Kind
bleiben.

Es  fiel  Tony  schwer,  seinen  Ärger  zu  zügeln.  Aber  er  wollte

Olivia zu Ende reden lassen, damit es keine Geheimnisse mehr
zwischen  ihnen  gab. Als  sie  geendet  hatte  und  er  nicht  sofort
etwas sagte, hob sie den Kopf.

„Tony?“ Er hörte ihre Unsicherheit, ihre Verletzlichkeit heraus,

und das brachte ihn noch mehr in Rage. „Bist du ärgerlich?“

„Ich bin wütend.“

Sie  schluchzte  leise  auf,  aber  er  ließ  sich  nicht  beirren.  „Wie

konntest du das tun, dir vornehmen, all das allein durchzustehen,
mich im Dunkeln zu lassen? Ist dir nicht irgendwann in den Sinn
gekommen,  dass  ich  dein  Vertrauen  verdiene?  Hab  ich  dir  je
Grund  zu  der  Annahme  gegeben,  ich  sei  ein  solcher

Page 173

background image

Armleuchter, dass ich dich das alles allein durchmachen lassen
würde? Verdammt, Olivia, wirst du dich mir denn nie öffnen?“

Sie  war  sehr  still  geworden.  „Das  habe  ich  gerade  eben“,

flüsterte sie.

„Was?“ In seinem Zorn begriff er nicht sofort.

„Ich hab mich dir geöffnet. Und ich vertraue dir. Aber ich liebe

dich so sehr, dass ich nicht wollte, dass du dich mit einer Frau
belastest, die dir nicht geben kann, wonach du dich sehnst.“

„Und wenn du es bist, wonach ich mich am meisten sehne?“

Sie löste sich von ihm, um ihm ins Gesicht sehen zu können.

Ihre dunklen Augen schimmerten tränenfeucht, und er liebte sie
so  sehr,  dass  er  am  liebsten  mit  ihr  geweint  hätte.  „Olivia,  ich
liebe dich.“

Schniefend  schlang  sie  ihm  die  Arme  um  den  Nacken  und

umarmte ihn so innig, dass er kaum Luft bekam. „Werde meine
Frau.“

„Aber du willst auch ein Baby.“

„Wir bekommen doch eins.“

„Aber wenn …“

Er legte ihr einen Finger auf die Lippen. „Kein Wenn und Aber.

Ich liebe dich. Und du mich. Wenn etwas schiefgeht, werden wir
eben  ein  paar  Kinder  adoptieren.  Das  spielt  keine  Rolle.
Wichtig ist allein, dass ich dich in meinem Leben brauche.“

Glücklich lachend umarmte Olivia ihn erneut. „Ich will dich auch.

Und  dieses  Baby.  Ich  bin  ganz  vorsichtig,  richte  mich  genau
nach den Anweisungen des Arztes, nehme zweimal täglich mein
Progesteron …“

„Du musst Medikamente nehmen?“

Page 174

background image

„Sieh  es  einfach  so,  dass  mein  Körper  dieses  Hormon

braucht, um dem Baby zu helfen. Nach den ersten drei Monaten
sind die Risiken nicht mehr so hoch.“

„Du  hast  dich  gründlich  mit  dem  Thema  befasst,  wie  es

scheint.“

Sie schmiegte sich an ihn. „Ich hatte solche Angst.“

Er nahm ihr Gesicht in beide Hände. „Von jetzt an wirst du mir

alles erzählen. Wir werden es gemeinsam durchstehen.“

Lächelnd versprach sie es.

„Und du wirst mich heiraten.“

Er  hatte  das  im  Ton  einer  Anweisung  gesagt,  und  Olivia

erwiderte: „Ja, Sir.“

Er  grinste.  „Du  hast  meine  Familie  eben  sehr  glücklich

gemacht.“

„Und dich?“

„Ich hab eben bekommen, was ich mir immer gewünscht habe.

Natürlich bin ich glücklich.“

Page 175

background image

EPILOG

Zwei Jahre später

„Sollen wir die Packung Windeln auf den Flug mitnehmen?“

Tony lachte. „Ohne die würde ich nicht aus dem Haus gehen.“

Er  betrat  das  Schlafzimmer,  wo  Olivia  beim  Packen  war.  Sie
war  wieder  schlank  und  bildschön,  obwohl  das  Schlanksein
nicht lange mehr so bleiben würde. „Wie fühlst du dich?“

Sie wandte sich strahlend zu ihm und ihrem dreizehn Monate

alten Sohn Devon um. „Prächtig.“

„Keine morgendliche Übelkeit?“

„Es ist wirklich komisch, aber diesmal keine Spur davon.“

„Lisa 

und 

Kate 

sagen 

auch, 

dass 

jede 

ihrer

Schwangerschaften anders war.“

Devon streckte die kleinen Arme nach seiner Mutter aus, und

Tony übergab ihn ihr. Sie drückte ihn zärtlich und küsste ihn und
atmete  glücklich  seinen  Babyduft  ein.  Lachend  strampelte
Devon mit den Beinen.

„Glaubst du, Fliegen gefällt ihm? Vielleicht hätte ich mit dieser

Reise nach Seattle noch etwas warten sollen.“

„Du  hast  lange  genug  gewartet.  Zudem  bleiben  wir  doch  nur

eine Woche, um nach dem Rechten zu sehen, und deine neue
Filialleiterin möchte dich doch endlich persönlich kennenlernen.
Und ich will mir unbedingt das Hotel ansehen.“

Lachend  schüttelte  sie  den  Kopf.  „Du  bist  schlimmer  als  ich.

Aber ein Geschäft vom anderen Ende der Vereinigten Staaten
aus zu betreiben, ist einfacher, als ich dachte.“

„In  der  Hotelbranche  lernt  man  das  schnell.  Man  kann  nicht

Page 176

background image

überall gleichzeitig sein.“

„Ich weiß. Und du hast mir das Geheimnis ja schon vor langer

Zeit verraten.“ Sie balancierte Devon auf der Hüfte und machte
mit  Packen  weiter.  „Solange  man  gute  Leute  einstellt  und  sie
fair behandelt, laufen die Dinge in der Regel reibungslos.“ Sie
bückte sich, um ein Paar Schuhe einzupacken, und Tony konnte
sich  nicht  verkneifen,  ihren  Po  zu  streicheln.  „Hab  ich  dir
eigentlich schon einmal gesagt, dass es mich ganz heiß macht,
wenn du diesen geschäftsmäßigen Ton anschlägst?“

„Warum, glaubst du wohl, schlage ich ihn so oft an?“

„Du warst schon immer ein hinterhältiges Weib.“ Er lachte auf,

als  sie  ihm  spielerisch  einen  Klaps  gab.  Ihr  anfängliches
Täuschungsmanöver  war  kein  Thema  mehr  zwischen  ihnen,
besonders,  weil  sich  alles  so  wunderbar  entwickelt  hatte.  Sie
hatten ihr Kind, sie hatten einander, und ihre Vereinbarung war
die beste, die sie beide je getroffen hatten.

– ENDE –

Page 177

background image

 

Hat Ihnen dieses Buch gefallen?

Diese Titel von Lori Foster könnten Ihnen auch gefallen:

 

Lori Foster, Amy J.

Fetzer, Robin Elliott

Baccara

Exklusiv

Band 56

EIN STRIP… NUR FÜR DICH von FOSTER, LORI

Jeden Abend tanzt Georgia spärlich bekleidet auf der
Bühne der schäbigen Bar. Die Gesichter der Männer,
die sie lauthals anfeuern, nimmt sie längst nicht mehr
wahr.  Bis  sie  Jordan  Sommerville  bemerkt.  Die  Welt

Page 178

background image

scheint  stillzustehen.  Gibt  es  Liebe  auf  den  ersten
Blick?

ES GESCHAH IN JENER NACHT von FETZER, AMY J.
Heiße  Küsse  beim  Tanzen,  erregende  Berührungen
im  Aufzug  und  im  Hotelzimmer  dann  die  Explosion
der  Leidenschaft!  Dass  Melanie  in  dieser  Nacht  ein
Kind empfing, erfährt Jack erst Monate später. Auf der
Stelle will er sie heiraten – aber Melanie lehnt ab …

SÜSSES  SPIEL  UNSERER  LIEBE  von  ELLIOTT,
ROBIN
Ihre  Liebe  zu  William  erschien  Bailey  immer  wie  ein
Traum  –  aus  dem  sie  nun  langsam  erwacht:  Als
Williams Ehefrau soll sie sich nur noch um Haushalt
und  Familie  kümmern.  Ein  wahrer  Albtraum  für  die
erfolgreiche  Geschäftsfrau!  Auch  das  Ende  einer
großen Leidenschaft?

Jetzt direkt kaufen und lesen >>

 

 

Page 179

background image

Lori Foster

Spiele am

Nachmittag!?

Im  heißen  Fieber  der  Begierde  klammern  sich

Maddie  und  Max  aneinander.  Beide  haben  ihre
Umgebung völlig vergessen - die Aktenschränke und
ungeöffneten  Kartons.  Völlig  ihrer  Lust  ausgeliefert,
stehen sie im Hinterzimmer des Buchladens von Max‘
Schwester.  Und  das  Schlimmste:  Der  Laden  ist
geöffnet! Oder macht gerade das ihre Sexspiele noch
aufregender?  Keine  Sekunde  denkt  Maddie  mehr
daran, dass ihr Verlobter Troy sie verlassen hat. Jetzt
zählen  nur  Max‘  fordernde  Küsse.  Nie  soll  dieses
Feuer  der  Leidenschaft  verlöschen!  Doch  plötzlich
klingelt die Türglock…

Page 180

background image

Jetzt direkt kaufen und lesen >>

 

 

Harlequin Enterprises GmbH

Valentinskamp 24

20354 Hamburg

 

Page 181

background image

 

Hat Ihnen dieses Buch gefallen?

Diese  Titel  aus  der  Reihe  Digital  Edition  könnten  Sie  auch

interessieren:

Emma van

Harten

Erwischt!

Lilly  im  Glück!  Erst  begegnet  die  junge  Rechtsanwältin

ihrem  Traummann  Christoph,  dann  bekommt  sie  einen
witzigen Übergangsjob, bis sie in einer Kanzlei anfängt: Sie

Page 182

background image

soll  gebundene  Männer  auf  ihre  Treue  testen.  Doch  das
Lachen  vergeht  ihr,  als  sie  den  Namen  der  ersten
Testperson erhält: Christoph! Von wegen Single …

Jetzt direkt kaufen und lesen >>

 

 

Page 183

background image

Linda

Rudolph

Wie Katz

und

Maus

Ein  Blick  auf  Luca  und  Leonie  weiß  genau:  Der  Mann  ist

nichts für mich! Zu attraktiv, zu charmant, zu siegesgewiss -
von solchen Typen hat sie gründlich die Nase voll. Da sucht
sie sich doch lieber was Verlässliches. Allerdings ist es gar
nicht  so  einfach,  Luca  aus  dem  Weg  zu  gehen.  Und  noch
schwerer ist es, seinen Küssen zu widerstehen …

Page 184

background image

Jetzt direkt kaufen und lesen >>

 

 

Harlequin Enterprises GmbH

Valentinskamp 24

20354 Hamburg

 

Page 185

background image

Table of Contents

Titel
Impressum
1. KAPITEL
2. KAPITEL
3. KAPITEL
4. KAPITEL
5. KAPITEL
6. KAPITEL
7. KAPITEL
8. KAPITEL
9. KAPITEL
10. KAPITEL
EPILOG
Leseempfehlungen

Page 186


Document Outline