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Fall 8: Jungbullenfall nach BGHZ 55, 176 (Lösung)

Teil 1: Ansprüche des V gegen M

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A. Schadensersatzanspruch gem. §§ 678, 687 II 1 BGB

V kann gegen M einen Schadensersatzanspruch aus einer angemaßten Geschäftsführung ohne 
Auftrag (GoA) gem. §§ 678, 687 II 1 BGB haben. Dann muss M ein fremdes Geschäft in 
Kenntnis seiner fehlenden Berechtigung als sein eigenes besorgt haben.

I. Geschäftsbesorgung

Geschäftsbesorgung ist jedes tatsächliche oder rechtsgeschäftliche Handeln, solange es über 
bloße Reflexhandlungen sowie reines Dulden und Unterlassen hinausgeht. Schlachtung und 
Verarbeitung  des  Bullen  zu  Steaks  sind  Realakt  und  damit  als  tatsächliches  Handeln  eine 
Geschäftsbesorgung nach den GoA-Vorschriften.

II. Fremdes Geschäft

Ein  fremdes  Geschäft  liegt  jedenfalls  dann  vor,  wenn  das  Geschäft  bereits  bei  äußerer 
Anschauung einem anderen Rechts- und Interessenkreis zuzuordnen ist (= objektiv fremdes 
Geschäft). Die Schlachtung und Verarbeitung des Jungbullen waren für M, der wegen § 935 
BGB nicht Eigentümer des Tieres gem. §§ 929 S. 1, 932 BGB geworden ist, ein objektiv 
fremdes Geschäft.

III. Positive Kenntnis von der Fremdheit

M wusste nichts von dem Diebstahl des D bei V. Vielmehr nahm er an, den Bullen von D zu 
Eigentum erworben zu haben und daher seine eigenen Tiere zu verarbeiten, sodass er keine 
positive Kenntnis von der Fremdheit des Geschäfts hatte.

[Geht  ein  Geschäftsführer  irrtümlich  davon  aus,  dass  er  mit  der  Vornahme  bestimmter  
Handlungen ein eigenes Geschäft führt, so finden laut § 687 I BGB die Regeln der GoA gem.  
§§ 677 ff. BGB keine Anwendung = irrtümliche GoA.]

IV. Ergebnis 

Eine  angemaßte  Eigengeschäftsführung  liegt  somit  nicht  vor.  Es  besteht  kein 
Schadensersatzanspruch des V gegen M aus §§ 678, 687 II 1 BGB.

B. Schadensersatzanspruch gem. § 989 BGB bzw. gem. §§ 989, 990 I BGB

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V  kann  gegen  M  einen  Schadensersatzanspruch  aus  dem  Eigentümer-Besitzer-Verhältnis 
(EBV) gem. § 989 BGB bzw. gem. §§ 989, 990 I BGB haben.

I. Anwendbarkeit

Die Vorschriften der §§ 985 ff. BGB sind gem. § 90a S. 3 BGB auch auf Tiere und somit auch 
im vorliegenden Fall auf den Jungbullen anwendbar.

II. Vindikationslage zum Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses

Zwischen V und M müsste zum Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses (hier die Schlachtung 
und Verarbeitung des Bullen) eine Vindikationslage, d.h. ein Eigentümer-Besitzer-Verhältnis 
(EBV) bestanden haben.

1. Eigentum des V

V muss Eigentümer des Bullen gewesen sein. 

a) Ursprünglich war V Eigentümer des Bullen, vgl. § 1006 I 1 BGB.

b) V kann das Eigentum an dem Bullen aber durch die Verfügung von D an M verloren haben. 
Da  D  nicht  zur  Eigentumsübertragung  berechtigt  war,  kommt  lediglich  ein  gutgläubiger 
Erwerb gem. §§ 929 S. 1, 932 BGB in Betracht. Dieser scheitert aber an § 935 BGB. Durch 
den Diebstahl hat V den unmittelbaren Besitz an dem Bullen unfreiwillig verloren. Folglich 
ist ihm der Bulle  i.S.v.  §  935 BGB  abhanden  gekommen.  V ist damit  zum Zeitpunkt der 
Verarbeitung durch M noch Eigentümer des Bullen gewesen. 

2. Unberechtigter Besitz des M 

M muss Besitzer des Bullen ohne Recht zum Besitz i.S.v. § 986 BGB gewesen sein. M war 
zum Zeitpunkt der Verarbeitung unmittelbarer Besitzer des Bullen. Da der Kaufvertrag gem. § 
433 BGB zwischen D und M nur relativ zwischen den Vertragsparteien wirkt, stand M kein 
Recht zum Besitz i.S.v. § 986 BGB gegenüber V zu.

III. Rechtshängigkeit bzw. Unredlichkeit des Besitzers

M als Besitzer muss im Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses verklagt (§ 989 BGB) oder 
unredlich (§ 990 I BGB) gewesen sein. Es lag aber keine Rechtshängigkeit i.S.d. § 989 BGB, 
§§  253,  261  ZPO  vor.  Auch  war  M  bei  Besitzerwerb  nicht  bösgläubig  bezüglich  eines 
Besitzrechtmangels, § 990 I S. 1 i.V.m. § 932 II BGB, noch hatte er später positive Kenntnis 
davon erlangt, § 990 I 2 BGB. M war somit zum Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses 
weder verklagt noch unredlich.

IV. Ergebnis 

Es besteht kein Anspruch des V gegen M gem. § 989 BGB bzw. gem. §§ 989, 990 I BGB.

C. Schadensersatzanspruch gem. § 823 I BGB

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V kann gegen M ein Schadensersatzanspruch aus Deliktsrecht gem. § 823 I BGB zustehen.

I. Anwendbarkeit des Deliktsrechts

Das Deliktsrecht wird grundsätzlich durch die §§ 987 ff. BGB ausgeschlossen, § 993 I HS 2 
BGB. 

[Hierdurch  wird  der  redliche  unverklagte  Besitzer  geschützt,  der  sonst  bereits  für  leicht  
fahrlässige Eigentumsverletzungen gem. § 823 I BGB einzustehen hätte.]

Für den sog. deliktischen Besitzer erklärt § 992 BGB das Deliktsrecht aber ausdrücklich für 
anwendbar. M hat sich den Besitz jedoch weder durch eine Straftat noch durch verbotene 
Eigenmacht verschafft. Daher ist § 823 I BGB vorliegend nicht anwendbar.

II. Ergebnis 

Es besteht kein Anspruch des V gegen M gem. § 823 I BGB.

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D. Anspruch auf Wertersatz gem. §§ 951 I 1, 812 I 1 F. 2, 818 II BGB

V kann gegen M ein Wertersatzanspruch gem. §§ 951 I 1, 812 I 1 F. 2, 818 II BGB zustehen.

I. Anwendbarkeit

Bis zur Verarbeitung des Bullen bestand zwischen V und M eine Vindikationslage (§ 985 
BGB). Möglicherweise hat M durch die Verarbeitung gem. § 950 BGB Eigentum erworben, 
was die Vindikationslage aufgehoben hätte. Dies hätte unter den Voraussetzungen der §§ 989, 
990 BGB Schadensersatzansprüche gegen den Verarbeitenden eröffnet, was hier allerdings 
mangels  Rechtshängigkeit  und  Unredlichkeit  des  M  ausscheidet.  Dadurch  könnte  die 
Kondiktion nach §§ 951, 812 I 1 F. 2, 818 II BGB wegen § 993 I HS 2 BGB ausgeschlossen 
sein. 

Jedoch verfolgt § 951 BGB einen anderen Zweck und hat einen anderen Inhalt als §§ 989, 990 
BGB. Er tritt an die Stelle der Vindikation (also an die Stelle des § 985 BGB) und stellt als 
Wertersatzanspruch (kein Schadensersatzanspruch, der gem. § 993 I HS 2 BGB hinter §§ 989, 
990  BGB  zurücktritt)  nur  einen  bereicherungsrechtlichen  Wertausgleich  her 
(Rechtsfortwirkungsgedanke). Die Wertung des EBV, den redlichen unverklagten Besitzer zu 
schützen, wird wegen § 818 III BGB nicht unterlaufen. Die §§ 951 I 1, 812 I 1 F. 2, 818 II 
BGB sind somit neben den EBV-Vorschriften anwendbar.

II. Rechtsverlust nach §§ 946 ff. BGB 

V  muss  einen  Rechtsverlust  gem.  §§  946-950  BGB  erlitten  haben.  Hier  kommt  ein 
Rechtsverlust infolge der Verarbeitung gem. § 950 I 1 BGB in Betracht. Verarbeitung ist jede 

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auf Werterhöhung gerichtete menschliche Arbeitleistung und Realakt. Voraussetzung für einen 
gesetzlichen Eigentumserwerb nach § 950  I 1 BGB ist,  dass eine  neue bewegliche Sache 
entstanden ist und diese neue Sache nicht wesentlich weniger wert ist als der Ausgangsstoff. 
Dann wird der Hersteller qua Gesetz Alleineigentümer der neuen Sache.

1. Neue bewegliche Sache

Ob  eine  neue  Sache  hergestellt  wurde,  ist  nach  wirtschaftlichen  Gesichtspunkten  unter 
Berücksichtigung  der  Verkehrsanschauung  zu  beurteilen,  wobei  sich  die  Sachidentität 
geändert haben muss. Die Steaks sind eine höhere Produktionsstufe im Vergleich zum Bullen 
und damit neue – auch bewegliche – Sachen. Durch die Schlachtung und Steakherstellung 
sind somit neue bewegliche Sachen entstanden.

2. Wert der Verarbeitung

Der Wert der Verarbeitung darf nicht erheblich geringer als der Wert des Ausgangsstoffes sein. 
Die vom BGH gezogene Grenze liegt bei 60 %, d.h. der Verarbeitungswert darf nicht weniger 
als 60 % im Vergleich der Ausgangsstoffe sein. Wert der Verarbeitung ist der Wert der neuen 
Sache  (Steaks:  3300  Euro)  minus  dem  Wert  des  Ausgangsstoffes  (Bulle:  2000  Euro), 
vorliegend  also  1300  Euro.  Dies  sind  65  %  des  Ausgangsstoffwertes,  sodass  keine 
Geringwertigkeit vorliegt.

3. Herstellereigenschaft des M

Wer Hersteller ist, bestimmt sich nach der Verkehrsanschauung. Unter Berücksichtigung der 
heutigen  Produktionsverhältnisse  ist  nicht  der  unmittelbar  Verarbeitende,  sondern  der 
Unternehmer als Produktionsorganisator Hersteller. Im vorliegenden Fall ist M der Hersteller 
und erwirbt damit nach § 950 I 1 BGB Eigentum an den Steaks.

4. Ergebnis

V hat gem. § 950 I 1 BGB einen Rechtsverlust i.S.v. § 951 I 1 BGB erlitten.

III. Wertersatz nach §§ 812 ff. BGB 

Der Wertersatz für den Rechtsverlust richtet sich nach den Vorschriften der §§ 812 ff. BGB.

1. Rechtsgrund- oder Rechtsfolgenverweis

Umstritten ist, ob der Verweis des § 951 I 1 BGB in das Bereicherungsrecht als Rechtsgrund- 
oder als Rechtsfolgenverweis zu qualifizieren ist. Für einen Rechtsfolgenverweis spricht ein 
umfassender Schutz desjenigen, der einen Rechtsverlust erlitten hat. Ginge man allerdings 
von  einem Rechtsfolgenverweis aus, so  käme  es zu einer doppelten  Inanspruchnahme des 
Anspruchsgegners   in   den   Fällen,   in   denen   aufgrund  eines  wirksamen  Vertrags  (meist 
Werkvertrags) bereits vertragliche Ansprüche eines Dritten gegen ihn bestehen  [Grund: Bei  
einem  Rechtsgrundverweis  ist  dies  aufgrund  der  Subsidiarität  der  Eingriffskondiktion  
ausgeschlossen]
. § 951 I 1 BGB beinhaltet  folglich einen Rechtsgrundverweis, sodass die 
Tatbestandsvoraussetzungen des § 812 I 1 F. 2 BGB vorliegen müssen.

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2. Etwas erlangt

M muss  etwas, d.h. ein vermögenswertes  Recht oder eine vermögenswerte  Rechtsposition 
erlangt  haben.  M  hat  durch  die  Verarbeitung  das  Eigentum  an  den  Steaks  erlangt.  [Den  
unmittelbaren Besitz an dem Bullen – und somit diesen fortgesetzt an den Steaks – hatte M  
bereits durch die fehlgeschlagene Übereignung von D erlangt.]

3. In sonstiger Weise

Der Vorteil muss „in sonstiger Weise“, also anders als durch Leistung erlangt worden sein. 
Eine  Bereicherung  in  sonstiger  Weise  scheidet  daher  aus,  wenn  ein  vorrangiges 
Leistungsverhältnis gegeben ist. Umstritten ist, ob der Vorrang der Leistungsbeziehung nur 
bezüglich des Anspruchstellers gilt oder ob dem Anspruchsgegner von keiner Seite geleistet 
worden  sein  darf.  Mit  dem  Argument,  dass  der  Anspruchsgegner  vor  einer  doppelten 
Inanspruchnahme zu schützen sei, verlangt die h.M., dass ihm von keiner Seite eine Leistung 
erbracht worden sein darf (umfassende Subsidiarität der Eingriffskondiktion).

Fraglich ist, ob die Leistung des D einer Eingriffskondiktion entgegensteht. Vorliegend kann 
eingewandt werden, dass M lediglich den Besitz durch eine Leistung des D erlangt hatte. Das 
Eigentum konnte D dem M wegen § 935 BGB nicht verschaffen. Die Eingriffskondiktion ist 
demnach nicht ausgeschlossen und M hat das Eigentum an den Steaks in sonstiger Weise 
erlangt.

4. Auf dessen Kosten

M muss den Vorteil auf Kosten des Anspruchstellers erlangt haben. Diese Voraussetzung ist 
erfüllt,  wenn  der  Vorgang,  aufgrund  dessen  der  Anspruchsgegner  etwas  erlangt  hat,  einen 
Eingriff  in den  Zuweisungsgehalt  einer  fremden  Rechtsposition  darstellt.  M  hat  durch  die 
Verarbeitung des Bullen und den dadurch gesetzlich angeordneten Eigentumserwerb in den 
Zuweisungsgehalt des Eigentums des V eingegriffen, folglich unmittelbar auf dessen Kosten 
Eigentum erlangt.

5. Ohne Rechtsgrund

Dies muss ohne Rechtsgrund zum Behaltendürfen des Vermögensvorteils erfolgt sein.

a)  Der  Kaufvertrag  zwischen  D  und  M  wirkt  nur  inter  partes  (Relativität  von 
Schuldverhältnissen) und stellt somit keinen Rechtsgrund zum Behaltendürfen des Eigentums 
für M gegenüber V dar.

b) § 950 I 1 BGB ist, wie sich aus dem Verweis in § 951 I 1 BGB ergibt, kein Rechtsgrund für 
den Rechtsverlust.

6. Rechtsfolge

a)  § 818 I BGB wird von § 951 I 2 BGB verdrängt. § 951 I 2 BGB ordnet an, dass die 
Wiederherstellung des früheren Zustands nicht verlangt werden kann, sodass nur Wertersatz 
gem.  §  818  II  BGB  möglich  ist.  Zudem  ist  eine  Herausgabe  in  natura  aufgrund  der 
Verarbeitung nicht möglich.

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b) Gemäß § 818 II BGB ist der objektive Wert zu ersetzen, hier 2000 Euro.

c)  Fraglich   ist,   ob   M   gem.   §   818   III   BGB   die  Einrede  der  Entreicherung  wegen  der 
Kaufpreiszahlung an D geltend machen kann. Dagegen wird überzeugend eingewandt, dass § 
951 I 1 BGB der Rechtsfortwirkungsanspruch der Vindikation gem. § 985 BGB ist. Der von 
M  aufgewendete  Kaufpreis  wäre  auch  i.R.d.  §  985  BGB  unberücksichtigt  geblieben. 
Außerdem kann M sich an D halten. M kann sich daher nicht auf § 818 III BGB berufen.

IV. Ergebnis

Der Anspruch des V gegen M gem. §§ 951 I 1, 812 I 1 F. 2, 818 II BGB i.H.v. 2000 Euro 
besteht.

Teil 2: Ansprüche des V gegen D

SURROGATSANSPRÜCHE

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A. Anspruch auf Herausgabe des Veräußerungserlöses gem. §§ 667, 681 S. 2, 687 II 1 
BGB

V kann gegen D einen Surrogatsanspruch wegen des Viehverkaufs aus §§ 667, 681 S. 2, 687 
II 1 BGB haben.

I. Anwendbarkeit 

Die Vorschriften des EBV sind leges speciales für Schadens- und Nutzungsersatzansprüche, § 
993  I  HS  2  BGB.  Hier  geht  es  jedoch  um  die  Herausgabe  des  Veräußerungserlöses  aus 
angemaßter  Eigengeschäftsführung,  also  weder  um  einen  Schadens-  noch  um  einen 
Nutzungsersatzanspruch, weshalb §§ 667, 681 S. 2, 687 II 1 BGB anwendbar sind.

II. Geschäftsbesorgung

Verkauf und Übereignung des Jungbullen sind rechtsgeschäftliches Handeln und stellen damit 
eine Geschäftsbesorgung dar.

III. Fremdes Geschäft

Mangels  Eigentümerstellung  waren  Verkauf  und  Übereignung  des  Jungbullen  für  D  ein 
objektiv fremdes Geschäft.

IV. Positive Kenntnis von der Fremdheit

D hatte den Jungbullen gestohlen und somit auch positive Kenntnis von der Fremdheit des 
Geschäfts.

V. Ergebnis

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V hat einen Anspruch gegen D auf Herausgabe des i.R.d. Geschäftsbesorgung Erlangten.  D 
hat einen Kaufpreis i.H.v. 2500 Euro erhalten. V steht gegen D ein Surrogatsanspruch i.H.v. 
2500 Euro gem. §§ 667, 681 S. 2, 687 II 1 BGB zu.

B. Anspruch auf Herausgabe des Veräußerungserlöses gem. § 816 I 1 BGB

V kann gegen D einen Surrogatsanspruch wegen der Übereignung des Jungbullen aus § 816 I 
1 BGB haben.

I. Anwendbarkeit

Die Anwendbarkeit des § 816 BGB neben den §§ 987 ff. BGB ist gegeben, da § 816 BGB 
nicht auf Schadens- oder Nutzungsersatz, sondern auf Herausgabe des Erlöses gerichtet ist.

II. Voraussetzungen des § 816 I 1 BGB

1. Verfügung eines Nichtberechtigten

D muss als Nichtberechtigter über den Bullen verfügt haben. D war nicht Eigentümer des 
Tieres  und  damit  Nichtberechtigter.  Eine  Verfügung  ist  ein  Rechtsgeschäft,  durch  das  ein 
Recht unmittelbar aufgehoben, übertragen, belastet oder inhaltlich geändert wird. Durch die 
Veräußerung sollte das Eigentum auf M übertragen werden. Wie sich aus § 185 II 1 BGB 
ergibt, ist die Wirksamkeit des Rechtsgeschäfts keine Voraussetzung für das Vorliegen einer 
Verfügung. Somit liegt eine Verfügung eines Nichtberechtigten vor.

2. Wirksamkeit der Verfügung

Die Verfügung muss gegenüber dem Berechtigten V wirksam sein.

a) D konnte dem M mangels Berechtigung das Eigentum am Bullen nicht nach § 929 S. 1 
BGB verschaffen. Ein gutgläubiger Eigentumserwerb vom Nichtberechtigten gem. § 932 I 1 
BGB war durch § 935 I 1 BGB ausgeschlossen, da der Bulle dem V gestohlen worden war. 
Eine wirksame Übereignung (Verfügung) liegt somit im Moment der Einigung und Übergabe 
von D an M nicht vor.

b) V könnte  die  Übereignung  des  D  an  M  jedoch  gem.  §§  185  II  1  Alt.  1,  184  I  BGB 
genehmigen. Eine Genehmigung bezöge sich allein auf die Rechtsfolgen des § 816 I 1 BGB. 
Sie macht den Verfügenden nicht nachträglich zum Berechtigten. Die Genehmigung würde ja 
sonst gerade nicht zu einem Anspruch aus § 816 I 1 BGB führen. 

c)  Hier  stellt  sich  allerdings  die  Frage,  ob  eine  Genehmigung  noch  möglich  ist,  da  V 
inzwischen  möglicherweise  durch  die  Verarbeitung  des  Bullen  gem.  §  950  I  BGB  sein 
Eigentum  verloren  hat.  Selbst  wenn  dies  der  Fall  sein  sollte,  bleibt  die 
Genehmigungsmöglichkeit  nach  h.M.  bestehen.  Obwohl  Verfügungen  grundsätzlich  nur 
genehmigt werden können, wenn der Genehmigende die erforderliche Verfügungsmacht noch 
im Zeitpunkt der Genehmigung besitzt, soll nach Sinn und Zweck des § 816 I 1 BGB gerade 
auch dem früher Berechtigten die Möglichkeit gegeben werden, den Erlös abzuschöpfen.

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d)  Zu beachten ist allerdings, dass durch die Genehmigung die Verfügung des D wirksam 
wird. Dies lässt den Anspruch des V gegen M gem. §§ 951 I 1, 812 I 1 F. 2, 818 II BGB 
entfallen,  denn  bei  Wirksamkeit  der  Verfügung  hat  M  das Eigentum an  dem Bullen  nicht 
durch Verarbeitung erlangt. Um das Risiko, den Anspruch gegen M zu verlieren und eventuell 
von  D  infolge  von  Insolvenz  nichts  zu  erhalten,  auszuschließen,  sollte  V  daher  die 
Genehmigung  der  Verfügung  nur  Zug  um  Zug  gegen  Bezahlung  oder  aber  unter  der 
aufschiebenden Bedingung (§ 158 I BGB) baldiger Zahlung erteilen.

3. Entgeltlichkeit

Im  Unkehrschluss  zu  §  816  I   2   BGB   kommt   ein  Anspruch   aus   §   816   I   1   BGB   nur   bei 
Entgeltlichkeit der Verfügung des Nichtberechtigten in Frage, d.h. die Verfügung muss von 
einer  Gegenleistung  abhängen.  Hier  hing  die  Übereignung  des  Jungbullen  von  der 
Kaufpreiszahlung des M ab, da der Kaufvertrag gem. § 433 BGB ein gegenseitiger Vertrag ist. 
Folglich war die Verfügung entgeltlich.

4. Ergebnis

Die Voraussetzungen des § 816 I 1 BGB liegen vor.

III. Rechtsfolge

Gem.   §   816   I   1   BGB   ist   „das   Erlangte“  herauszugeben.  Umstritten  ist,  was  darunter  zu 
verstehen ist.

1. Die  h.M. sieht  den  Kaufpreis  (den  Erlös)  als  erlangt  an.  Teile  der  Literatur sehen  eine 
Befreiung von der Verbindlichkeit aus dem Kausalgeschäft (z.B. § 433 I 1 BGB) in der Person 
des Verfügenden als erlangt an. Nimmt man das Abstraktionsprinzip ernst, so muss man zu 
dem Ergebnis kommen,  dass  durch  die  Verfügung  nicht  der Kaufpreis erlangt worden ist, 
sondern lediglich das Freiwerden von der Leistungsverpflichtung gem. § 433 I 1 BGB. Dem 
ist aber entgegenzuhalten, dass das Gesetz selbst in § 816 BGB auf den zugrunde liegenden 
Vertrag abstellt und somit das Abstraktionsprinzip durchbricht: So spricht § 816 I 2 BGB von 
einer „unentgeltlichen“ Verfügung. Legt man aber das obige Verständnis zugrunde, wäre eine 
Verfügung  nie  unentgeltlich:  Auch  der  Schenker  wird  von  seiner  Verbindlichkeit  aus  dem 
Schenkungsversprechen i.V.m. § 516 I BGB frei und erlangt mithin das Freiwerden von seiner 
Leistungsverpflichtung. Dann wäre es nicht gerechtfertigt, warum sich der Anspruchsteller in 
den Fällen des § 816 I 2 BGB nicht an den Verfügenden halten kann, sondern gegen den 
Dritten vorgehen muss. Überzeugender erscheint es mithin, den Kaufpreis als erlangt i.S.v. § 
816 I 1 BGB anzusehen.

2.  Weiterhin  ist  fraglich,  was  der  Nichtberechtigte  herauszugeben  hat,  wenn  er  durch  die 
Verfügung einen Gewinn erzielt hat (wie hier: Verkehrswert des Bullen = 2000 Euro, erzielter 
Kaufpreis = 2500 Euro). Nach einer Ansicht ist nur der objektive Wert der Sache zu ersetzen, 
hier 2000 Euro. Für diese Ansicht spricht, dass § 816 I 1 BGB einen Unterfall des § 812 I 1 F. 
2 darstellt und somit § 818 II BGB gilt. Zudem spricht dafür, dass der Mehrerlös auf der 
Geschäftstüchtigkeit  des  Veräußerers  beruht.  Allerdings  begründet  erst  der  Eingriff  in  das 
Eigentumsrecht die Gewinnerzielungsmöglichkeit des Veräußerers. Damit geht der Mehrerlöß 
nicht allein auf die Geschäftstüchtigkeit der Veräußerers zurück. Das Gesetz soll zudem keine 
falschen  Anreize  schaffen, mit  dem Eigentum anderer zu spekulieren. Außerdem trägt  der 

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Berechtigte auch das Risiko einer Unterwertveräußerung gem. § 818 III BGB, also muss er im 
Spiegelbildgedanken  auch  von  einer  Überwertveräußerung  profitieren  können. 
Herauszugeben ist daher der Kaufpreis in Höhe von 2500 Euro.

3. Fraglich ist jedoch, ob D sich wegen Luxusaufwendungen in der Spielbank gem. § 818 III 
BGB erfolgreich auf die geltend gemachte Einrede der Entreicherung berufen kann. Da D 
jedoch bösgläubig war, kann er sich gem. §§ 819 I, 818 IV BGB nicht auf eine Entreicherung 
berufen.

IV. Ergebnis 

Ein Anspruch des V gegen D aus § 816 I 1 BGB i.H.v. 2500 Euro besteht bei Genehmigung 
der Verfügung durch V.

C. Anspruch auf Herausgabe des Veräußerungserlöses gem. § 285 I BGB

Ein Anspruch auf Herausgabe des Kaufpreises als Surrogat für die Mütze kann zudem gem. § 
285 I BGB bestehen. 

Als  Schuldverhältnisse,  die  auf  die  Leistung  eines  Gegenstandes  gerichtet  sind  und  deren 
Erfüllung  unmöglich  (§  275  BGB)  geworden  ist,  kommen  vorliegend  §  985  BGB,  §  861 
sowie  §  1007  I  und  II  BGB  in  Betracht.  §  285  BGB  ist  grundsätzlich  sowohl  auf 
rechtsgeschäftliche als auch auf gesetzliche Schuldverhältnisse anwendbar und somit auch auf 
die hier genannten. Problematisch ist jedoch, dass § 285 BGB eine Norm des allgemeinen 
Schuldrechts ist, §§ 985, 861 und 1007 BGB jedoch Normen des Sachenrechts sind. § 285 
BGB kann daher nur anwendbar sein, wenn die sachenrechtlichen Regeln auf das allgemeine 
Schuldrecht verweisen. 

§ 990 II BGB – eine Regel des EBV - verweist auf das Verzugsrecht, also auf §§ 286 ff. BGB. 
Im Umkehrschluss enthalten die EBV-Regeln keinen Verweis auf das Unmöglichkeitsrecht 
und somit auch nicht auf § 285 BGB. Zudem bestehen spezielle Regeln für die Unmöglichkeit 
des Herausgabeanspruchs aus § 985 BGB, nämlich §§ 989, 990 I BGB. Damit ist § 285 BGB 
nicht auf § 985 BGB anwendbar. Gleiches gilt über den Verweis des § 1007 III 2 BGB für die 
Ansprüche aus § 1007 I und II BGB. Auch §§ 858 ff. BGB enthalten keinen Verweis auf das 
Unmöglichkeitsrecht, sodass § 285 BGB auch nicht auf § 861 BGB anwendbar ist.

Ein Surrogatsanspruch nach § 285 BGB besteht mithin nicht.

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D. Schadensersatzanspruch gem. §§ 678, 687 II 1 BGB

V kann gegen D einen Schadensersatzanspruch aus einer angemaßten Eigengeschäftsführung 
des D gem. §§ 678, 687 II 1 BGB haben.

I. Haftungsbegründender Tatbestand

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1. Die Veräußerung des Bullen war eine Geschäftsbesorgung und für D ein objektiv fremdes 
Geschäft.

2. D wusste von der Fremdheit des Geschäfts.

3.  Es  muss  ein  sog.  Übernahmeverschulden  des  D  vorliegen.  D  muss  somit  den 
entgegenstehenden Willen des V erkannt oder diesen infolge von Fahrlässigkeit nicht erkannt 
haben, §§ 122 II, 276 I, II BGB. Hier erkannte D, der den Bullen vor dessen Veräußerung 
gestohlen hatte, den entgegenstehenden Willen des V. Ein Übernahmeverschulden ist somit 
gegeben.

4. Ein Schadensersatzanspruch des V gegen D gem. §§ 678, 687 II 1 BGB besteht.

II. Haftungsausfüllender Tatbestand

Der Schaden ist grundsätzlich gem. § 249 I BGB durch Naturalrestitution auszugleichen. Bei 
Zerstörung  oder  Verlust  (auch  von  unvertretbaren)  Sachen  besteht  nach  der  Rspr.  die 
Naturalrestitution  in  der  Beschaffung  gleichartiger  und  gleichwertiger  Sachen.  Eine 
Ersetzungsbefugnis  nach  §  249  II  1  BGB  (Geldersatz)  besteht  nicht.  Diese  greift  nur  bei 
Beschädigung einer Sache, nicht aber bei Verlust oder Zerstörung einer Sache.

Schadensersatz in Geld kann V nach Fristsetzung gem. § 250 BGB verlangen. Der Umfang 
des Schadensersatzanspruchs bestimmt sich nach der Höhe des Wiederbeschaffungswerts und 
liegt hier mangels weiterer Angaben bei 2000 Euro, dem Verkehrswert des Bullen.

III. Ergebnis 

Ein Schadensersatzanspruch des V gegen D gem. §§ 678, 687 II 1 BGB besteht in Form der 
Beschaffung einer gleichartigen und gleichwertigen Sache (gem. § 249 I BGB) bzw. i.H.v. 
2000 Euro (nach einer Fristsetzung gem. § 250 BGB).

E. Schadensersatzanspruch gem. § 989 BGB bzw. gem. §§ 989, 990 I BGB

V kann einen Schadensersatzanspruch gegen D aus § 989 BGB bzw. aus §§ 989, 990 I BGB 
haben.

I. Haftungsbegründender Tatbestand

1. Anwendbarkeit

Die Vorschriften der §§ 985 ff. BGB sind gem. § 90a S. 3 BGB auch auf Tiere anwendbar.

2. Vindikationslage im Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses

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Zwischen V und D muss im Zeitpunkt der Verletzungshandlung (hier die Veräußerung an M) 
eine Vindikationslage bestanden haben. V war Eigentümer des Bullen, D Besitzer. D stand 
kein Recht zum Besitz i.S.v. § 986 BGB zu.

3. Rechtshängigkeit bzw. Unredlichkeit des Besitzers

Zwar liegt keine Rechtshängigkeit i.S.d. § 989 BGB, §§ 253, 261 ZPO vor. D war jedoch bei 
Besitzerwerb,  d.h.  beim  Diebstahl,  bösgläubig  bezüglich  seines  Besitzrechtmangels 
gegenüber  dem  Eigentümer  V,  §  990  I  1  i.V.m.  §  932  II  BGB.  Er  wusste,  dass  er  zur 
Mitnahme des Tieres nicht berechtigt war.

4. Verschlechterung, Untergang oder sonstige Unmöglichkeit der Herausgabe

D  war  nach  der  Veräußerung  und  Weggabe  des  Bullen  an  M  nicht  in  der  Lage  diesen 
herauszugeben, § 989 Alt. 3 BGB.

5. Verschulden

D muss die Unmöglichkeit der Herausgabe zu verschulden haben. Das Verschulden des D 
gem.  §§  989,  276  I  BGB  liegt  hier  in  der  vorsätzlichen  Weggabe  an  M  im  Rahmen  der 
Veräußerung.

6. Ergebnis 

V hat einen Schadensersatzanspruch gegen D aus §§ 989, 990 I 1 BGB.

II. Haftungsausfüllender Tatbestand

Wie unter Teil 2, D., II.

III. Ergebnis

Ein Schadensersatzanspruch des V gegen D gem. §§ 989, 990 I 1 BGB besteht in Form der 
Beschaffung  einer gleichartigen und gleichwertigen Sache oder nach Fristsetzung  in Höhe 
von 2000 Euro.

F. Schadensersatzansprüche gem. §§ 1007 I, II, III 2, 989, 990 I BGB

I. Haftungsbegründender Tatbestand

1. Voraussetzungen des § 1007 I BGB und des § 1007 II BGB

Vor der Veräußerung des Bullen von D an M war V der frühere Besitzer, D der gegenwärtige 
Besitzer  und  bei  Besitzerwerb  (beim  Diebstahl)  nicht  in  gutem  Glauben  bezüglich  seines 
Besitzrechts, § 932 II BGB. Zudem hatte er den Jungbullen gestohlen, sodass dieser dem V 

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i.S.v. § 1007 II BGB abhanden gekommen war. Die Voraussetzungen des § 1007 I BGB sowie 
des § 1007 II BGB lagen somit vor der Veräußerung des Bullen an M vor. Ausschlussgründe 
gem.  §  1007  II  und  III  BGB  bestanden  nicht.  Mit  dem  Besitzverlust  des  D  endete  seine 
Herausgabepflicht  aus  §  1007  I  und  aus  §  1007  II  BGB.  Davon  unberührt  bleibt  eine 
Ersatzpflicht nach §§ 1007 III 2, 987 ff. BGB.

2. Voraussetzungen der §§ 989, 990 I BGB

Sind gegeben, siehe unter Teil 2, E., I.

II. Haftungsausfüllender Tatbestand

Wie unter Teil 2, D., II.

III. Ergebnis 

Es bestehen die Schadensersatzansprüche des V gegen D gem. §§ 1007 I, II, III 2, 989, 990 I 
BGB  in  Form  der  Beschaffung  einer  gleichartigen  und  gleichwertigen  Sache  oder  nach 
Fristsetzung  in  Höhe  von  2000  Euro.  [Diesen  kommen  aber  neben  der  unmittelbaren  
Heranziehung der EBV-Ansprüche keine eigenständige Bedeutung zu.]

G. Schadensersatzanspruch gem. §§ 992, 823 I BGB

V kann einen Schadensersatzanspruch gegen D aus §§ 992, 823 I BGB haben.

I. Haftungsbegründender Tatbestand

1. Anwendbarkeit

Die §§ 987 ff. BGB enthalten grundsätzlich eine abschließende Regelung für Ansprüche auf 
Nutzungs- und Schadensersatz, § 993 I HS 2 BGB. Für den sog. deliktischen Besitzer erklärt 
§  992  BGB  das Deliktsrecht aber ausdrücklich für  anwendbar.  Hierzu  muss sich D durch 
verbotene Eigenmacht oder durch Straftat den Besitz verschafft haben. D hat dem V ohne 
dessen Willen und ohne gesetzliche Gestattung den unmittelbaren Besitz am Bullen und somit 
durch verbotene Eigenmacht gem. § 858 I BGB entzogen. Auch ein Diebstahl gem. § 242 I 
StGB liegt vor. Das Deliktsrecht ist hier somit gem. § 992 BGB neben dem EBV anwendbar.

2. Anspruchsvoraussetzungen des § 823 I BGB

Eine rechtswidrige, schuldhafte Rechtsgutverletzung durch D muss gegeben sein. Durch den 
Diebstahl und die damit verbundene Sachentziehung sowie die anschließende Veräußerung an 
M  hat  D  rechtswidrig  und  vorsätzlich  das  Eigentum  des  V  verletzt.  Ein 
Schadensersatzanspruch ist begründet.

II. Haftungsausfüllender Tatbestand

Wie unter Teil 2, D., II.

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IV. Ergebnis

Ein Schadensersatzanspruch des V gegen D gem. §§ 992, 823 I BGB besteht in Form der 
Beschaffung einer gleichartigen und gleichwertigen Sache oder nach Fristsetzung  in Höhe 
von 2000 Euro.

H. Schadensersatzanspruch V gegen D gem.  §§ 992, 823 II BGB i.V.m. § 242 I StGB 
(bzw. § 858 I BGB)

V kann gegen D einen Schadensersatzanspruch aus §§ 992, 823 II BGB i.V.m. § 242 StGB 
(bzw. § 858 I BGB) haben.

I. Haftungsbegründender Tatbestand

1. Anwendbarkeit 

wie unter Teil 2, G., I., 1.

2. Anspruchsvoraussetzungen

V muss durch einen rechtswidrigen und schuldhaften Verstoß des D gegen ein Schutzgesetz 
einen Schaden erlitten haben. Ein Gesetz ist jede Norm gem. Art. 2 EGBGB. Schutzgesetz ist 
es  dann,  wenn  es  nicht  nur  Allgemeininteressen,  sondern  auch  Individualinteressen  zu 
schützen bezweckt. D hat den Bullen gem. § 242 I StGB gestohlen. § 242 I StGB schützt 
jedenfalls die Interessen des Eigentümers und ist daher Schutzgesetz. Auch § 858 I BGB ist 
Schutzgesetz und durch D verletzt worden. Die Voraussetzungen des § 823 II BGB liegen vor.

II. Haftungsausfüllender Tatbestand

Wie unter Teil 2, D., II.

III. Ergebnis 

Ein Schadensersatzanspruch des V gegen D gem. §§ 992, 823 II BGB, § 242 I StGB (bzw. § 
858 I BGB) besteht in Form der Beschaffung einer gleichartigen und gleichwertigen Sache 
oder nach Fristsetzung in Höhe von 2000 Euro.

J. Schadensersatzanspruch V gegen D gem. §§ 992, 826 BGB

V kann gegen D einen Schadensersatzanspruch aus §§ 992, 826 BGB haben.

I. Haftungsbegründender Tatbestand

1. Anwendbarkeit 

wie unter Teil 2, G., I., 1.

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2. Anspruchsvoraussetzungen

D muss V vorsätzlich und sittenwidrig geschädigt haben. Ein Diebstahl stellt generell auch 
eine vorsätzliche und sittenwidrige Schädigung des Eigentümers dar. Auch die Weitergabe des 
Bullen an M stellt eine solche dar.

II. Haftungsausfüllender Tatbestand

Wie unter Teil 2, D., II.

III. Ergebnis 

Ein  Schadensersatzanspruch  des  V gegen  D  gem.  §§  992,  826  BGB  besteht  in  Form  der 
Beschaffung einer gleichartigen und gleichwertigen Sache oder nach Fristsetzung  in Höhe 
von 2000 Euro.