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Im Traum gehörst du mir 

 
 
 

Marie Ferrarella 

 
 
 

Tiffany Duo 104–01 

04/98 

 
 
 

Scanned & corrected by SPACY 

 
 
 

 

Diese digitale Version ist FREEWARE und nicht für 

den Verkauf bestimmt 

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Das Begehren zwischen der blonden  
Whitney und dem smarten Zane brennt lichterloh, 
aber beide kämpfen mit aller Macht dagegen an: 
Whitney hat sich geschworen, nie eine Affäre mit 
einem Arbeitskollegen zu haben. Und Zane, der 
nicht ahnt, wie heftig Whitneys Gefühle für ihn 
sind, traut sich nicht so richtig. Doch dann 
bekommen sie einen gefährlichen Auftrag: Sie 
sollen den mächtigen Drogenhändler Dr. Richard 
überführen, der im Zanadu-Hotel in Las Vegas 
residiert. Zur Tarnung geben sich Zane und 
Whitney als Brautpaar in den Fliterwochen aus. 
Alles klappt wunderbar, bis Whitney am Pool 
ausrutscht und sich den Kopf anschlägt. Als sie 
erwacht, kann sie sich an nichts mehr erinner! 
Zane läßt sie in dem Glauben, sie seien wirklich 
verheiratet. Und Whitney, die spürt, wie heftig sie 
ihren Mann liebt,  
versteht überhaupt nicht, warum er sich nachts so 
distanziert verhält... 

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1. KAPITEL 

 
Sie öffnete die Augen und versuchte, einen klaren Kopf zu 

bekommen und sich an irgend etwas, gleichgültig woran, zu 
erinnern. 

Es gelang ihr nicht. 
Suchend glitt ihr Blick durch das große, sonnendurchflutete 

Schlafzimmer. Sie hoffte verzweifelt, etwas zu entdecken, das ihr 
bekannt vorkam, aber sie hatte den Raum noch nie zuvor gesehen. 
Die junge Frau wurde immer unruhiger. 

Plötzlich fuhr sie erschrocken hoch. Sie war nicht allein: Auf dem 

Bett neben ihr lag ein halbbekleideter Mann und schlief. Gerade 
noch vermochte sie, einen Aufschrei zu unterdrücken, und eine innere 
Stimme riet ihr, ihn nicht zu wecken. Sie beschloß, ihr zu vertrauen - es 
war alles, worauf sie, sich im Moment verlassen konnte. 

Die Lippen zusammengepreßt, musterte sie den schlafenden 

Mann. Auch ihn hatte sie noch nie zuvor gesehen. Wie war das 
möglich? Wieso wußte sie nicht, wer dieser Unbekannte hier 
neben ihr war? Und plötzlich kam ihr eine fürchterliche Erkenntnis: 
Sie wußte ja nicht einmal, wer sie selbst war. Sie hatte keine 
Ahnung, wie sie hieß. Darüber war sie so erstaunt, daß sie die Panik, 
die langsam in ihr hochstieg, fast vergaß. 

Wer war der Unbekannte? Und warum lag er hier und schlief? 

Sie beugte sich etwas zu ihm hinüber, um ihn genauer zu 
betrachten, bevor er aufwachte und vielleicht selbst Fragen stellte, 
Fragen, die sie nicht beantworten konnte. 

Der Mann war groß, sehnig und gut gebaut. Der oberste Knopf 

seiner wie angegossen sitzenden Jeans stand offen, und sogar im 
Schlaf zeichneten sich die Muskeln auf seinen Armen deutlich ab. 
Er hatte scharfgeschnittene Gesichtszüge, und sein Haar war dunkel, 
fast schwarz, und hatte etwa Schulterlänge. Voller Unbehagen 
holte die Frau tief Luft und schob vorsichtig die Beine über die 
Bettkante, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Er rührte sich nicht. 

Als sie aufstehen wollte, fuhr ihr ein stechender Schmerz durch 

die Schläfen. Ihr wurde schwarz vor Augen. Im Fallen konnte sie sich 
aber gerade noch am Bettpfosten festhalten. Nachdem sie ihr 

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Gleichgewicht wiedergewonnen hatte, blickte sie voller Angst 
zum Bett. War der Fremde etwa aufgewacht? Zu ihrer Erleichterung 
jedoch stellte sie fest, daß er immer noch schlief. Sie wollte erst mit 
ihm sprechen, wenn sie mehr wußte. Wenigstens ihren Namen 
wollte sie herausfinden. 

Mit unsicheren Schritten näherte sie sich dem verspiegelten 

Kleiderschrank. Die Frau, die ihr aus dem Spiegel entgegensah, war ihr 
völlig fremd. Die Unbekannte hatte große, verloren blickende 
blaue Augen und glattes blondes Haar, das ihr über die Schultern 
auf das verführerisch kurze türkisfarbene Nachthemd fiel. Sie war 
sehr hübsch. Verzweifelt fragte sie sich, wer sie war und wie sie 
hierher gekommen war. 

Ein Windstoß, der durch das halboffene Fenster fuhr, ließ sie frösteln. 

Sie brauchte unbedingt etwas Wärmeres zum Anziehen. Ihre 
Hände zitterten, als sie vorsichtig die Schranktür öffnete. Sie fand 
tatsächlich einen Morgenmantel, das Kleid daneben jedoch 
verschlug ihr den Atem. Es war ein Brautkleid, aber kein 
gewöhnliches, sondern ein Traum in Weiß, bestickt und. mit Perlen 
besetzt. Es mußte ein Vermögen gekostet haben. Fasziniert berührte 
sie es. Gehörte es etwa ihr? Sie blickte über die Schulter zum Bett. 
Und er dort, war er ihr Mann? 

Als ihr die volle Bedeutung dieses Gedankens bewußt wurde, begann 

ihr Herz, wie wild zu klopfen. Hastig nahm sie den Morgenmantel vom 
Bügel, streifte ihn über und durchsuchte die Taschen in der 
Hoffnung auf etwas, das ihr weiterhelfen würde. Ihr Atem stockte. 
Sie hatte etwas Glattes berührt. Es war ein Polaroidfoto, das sie und 
den Mann auf dem Bett zeigte, nur trug er darauf keine Jeans, 
sondern einen Smoking, der perfekt zu ihrem Kleid paßte. Es war 
dasselbe Kleid, das vor ihr im Schrank hing. 

Ihre Panik verstärkte sich. Wenn sie die Frau auf dem Bild war, 

warum wußte sie dann nicht, wer sie war? Warum erinnerte sie sich 
nicht, wann oder wo das Foto aufgenommen worden war? Immer 
wieder stellte sie sich bang diese Fragen, bis ihr das Bild vor den 
Augen verschwamm. 

„Guten Morgen! Du bist ja schon auf." 
Erschrocken fuhr sie herum. Sie zwang sich, Haltung zu 

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bewahren und sich nichts anmerken zu lassen. Eine innere Stimme 
riet ihr, ihm nicht zu trauen, denn trotz des Fotos war er ihr 
schließlich fremd. 

„Sieht so aus", erwiderte sie vorsichtig. 
Zane Russell richtete sich auf und lehnte sich ans Kopfende des 

Bettes. Er hatte eine schreckliche Nacht hinter sich. Fast bis zum 
Morgen hatte er voller Sorge um sie wach bei ihr gesessen. Die 
Glieder taten ihm weh, und er streckte sich ein wenig. Daraufhin 
rieb er sich den Schlaf aus den Augen. Zane war zwar imstande, 
sofort hellwach zu sein, wenn es darauf ankam, aber bei Whitney 
konnte er sich mit dem Aufwachen Zeit lassen. In ihrer Nähe fühlte 
er sich wohler als bei den meisten anderen Menschen. 

Er blickte zu ihr hinüber. Bildete er sich das nur ein, oder sah sie 

seltsam aus? War mit ihr wirklich wieder alles in Ordnung? 
Prüfend betrachtete Zane sie. Ihr Gesichtsausdruck gefiel ihm nicht, 
und sie wirkte merkwürdig angespannt. 

„Wie fühlst du dich?" fragte er. 
Als er aufstand und auf sie zuging, wich sie einen Schritt zurück, 

ohne den Blick von ihm zu wenden. Er sah aus wie ein Mann, den 
eine Frau nicht so leicht vergißt, dennoch konnte sie sich 
überhaupt nicht an ihn erinnern. Warum? Was war bloß mit ihr 
geschehen? 

Zögernd antwortete sie: „Wie sollte ich mich denn fühlen?" 
Zane runzelte die Stirn. Warum blickte sie ihn so seltsam an? 

Was war mit ihr los? „Ich weiß nicht." Er zuckte die Schultern. 
„Das mußt du schon selbst wissen." Was sollte dieses Spielchen? Hatte sie 
vor, mit ihm zu streiten? 

Als er seine Hand nach ihr ausstreckte, schrak sie zurück. An 

ihrer Miene erkannte er, daß sie offensichtlich nicht wußte, ob er sie nur 
anfassen oder schlagen wollte. Was zum Teufel hatte sie bloß? 
Vielleicht war vergangene Nacht alles ein bißchen zuviel für sie 
gewesen. 

Entschlossen trat er noch einen Schritt auf sie zu. „Du hast ja gestern 

eine ziemlich schlimme Beule bekommen." 

„Eine Beule?" In Gedanken wiederholte sie das Wort und suchte 

nach einem Zusammenhang, konnte aber nichts damit anfangen. Steif 

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blieb sie stehen und wagte kaum zu atmen, als Zane vorsichtig ihre 
Stirn befühlte. Jetzt berührte er die verletzte Stelle, und sie zuckte 
vor Schmerz zusammen. 

Zane ließ die Hand sinken. Die Schwellung war zurückgegangen, 

so wie der Arzt es gesagt hatte. Eigentlich sollte jetzt alles wieder in 
Ordnung sein. „Ja, die Beule." Durchdringend sah er Whitney an. 
„Die du dir... sag mal, was ist denn eigentlich los mit dir?" Sie hatte 
denselben Ausdruck in den Augen wie eine Ertrinkende, die 
verzweifelt versuchte, sich an einen lebensrettenden Balken zu 
klammern. Zane wurde es immer unheimlicher. „Sag doch was!" 
drängte er. 

„Ich dachte nur, das kommt mir irgendwie bekannt vor." 
Wovon zum Teufel sprach sie überhaupt? „Natürlich kommt dir 

das bekannt vor..." 

Zane verstummte und betrachtete sie forschend. Jetzt konnte er seine 

Ungeduld nicht mehr verbergen. Eine dunkle Ahnung beschlich ihn. 
Als er Whitney an den Schultern faßte, zitterte sie. Zane blickte ihr 
in die Augen und sah den panischen Ausdruck darin. Das war nicht 
mehr die Frau, die er kannte. „Bitte, sag mir doch, was du hast." 

Sollte sie wirklich zugeben, daß sie nicht wußte, wer sie war. Sie kam 

sich vor, als ob sie in einem fremden Körper steckte, genauso wie dieser 
Wissenschaftler in dem Spielfilm, den sie sich im Fernsehen 
angeschaut hatte. 

Das konnte doch nicht wahr sein: Sie erinnerte sich an eine 

Fernsehsendung und hatte gleichzeitig keine Ahnung, wer sie war 
und wo sie sich befand! Sie mußte die aufsteigende Hysterie, die 
sich ihrer bemächtigen wollte, mit aller Gewalt unterdrücken. Es war 
unfaßbar. Es war einfach alles unfaßbar. 

Nachdenklich blickte sie den Mann an, der vor ihr stand. Durfte 

sie ihm vertrauen? Ihr war klar, daß sie gar keine Wahl hatte. Sie 
mußte ihn in ihre verzweifelte Lage einweihen. Also gut. Sie, zögerte 
kurz, fuhr sich mit der Zunge über die, Lippen, ehe sie gestand: „Ich 
weiß nicht, wer ich bin." 

„Was?" Zane ließ sie los, trat einen Schritt zurück und schüttelte 

ungläubig den Kopf. Offenbar hatten ihn ihre Worte verärgert. 
„Das ist wohl nicht der richtige Moment, sich auf meine Kosten zu 

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amüsieren!" 

Sie ergriff den Strohhalm, den er ihr unbeabsichtigt geboten 

hatte. „Ja? Tue ich das öfter? Mich auf deine Kosten amüsieren?" 

Weshalb, fragte sie ihn das? „Das weißt du doch!" Zane öffnete 

den Kleiderschrank und nahm eine marineblaue Hose vom Bügel. Wenn 
es nach ihm gegangen wäre, hätte er immer nur Jeans getragen, aber die 
momentanen Umstände erlaubten es leider nicht. Zu der Hose wählte 
er ein weizenfarbenes Hemd. „Beeil dich jetzt bitte, wir müssen..." 

Er verstummte, als er bemerkte, daß sie immer noch reglos mitten im 

Zimmer stand. So hatte er sie noch nie gesehen. Zane ließ die Sachen aufs 
Bett fallen. „Meine Güte, das meinst du doch nicht wirklich ernst?" 

Sie biß sich auf die Lippe und nickte langsam, während. sie 

versuchte, die Tränen zu unterdrücken. „Doch." 

Totenstille folgte. Draußen, sieben Stockwerke tiefer auf den Straßen 

von Las Vegas, ging alles seinen gewohnten Gang. Jetzt sank Zane 
fassungslos aufs Bett. Wenn sie lügen würde, hätte er es längst 
durchschaut. Und falls es doch ein Scherz sein sollte, würde er sie 
umbringen. „Du willst mir doch nicht erzählen, du hättest dein 
Gedächtnis verloren?" 

Was sollte sie denn noch tun, damit er ihr glaubte? „Ich habe dir doch 

gerade gesagt, daß ich nicht weiß, wer ich bin", antwortete sie 
ungeduldig. 

Das war kein Witz. Sie meinte es tatsächlich ernst. Und was zum 

Teufel soll ich jetzt tun? fragte er sich. 

Sie konnte sich nicht erklären, warum diese Enthüllung ihn mehr 

als sie selbst zu schockieren schien, aber falls sie wirklich gerade 
erst geheiratet hatten... In der Tasche des Morgenmantels fühlte sie 
immer noch das Foto, das sie hastig wieder hineingeschoben hatte, 
als Zane aufgewacht war. „Bist du mein Mann?" erkundigte sie sich. 

Jetzt mußte er auf der Hut sein. Überrascht sah er sie an. „Wie 

bitte?" 

Sie zog das Foto heraus und wiederholte: „Bist du mein Mann?" 

Im gleichen Moment bemerkte sie den Ring an ihrer Hand. Einen 
großen wunderbaren Ring, auf dem die Diamanten funkelten. 
Staunend betrachtete sie ihn. Mindestens einer von uns beiden muß 
ziemlich reich sein, dachte sie. 

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Zane fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Warum war sie 

vergangene Nacht nicht vorsichtiger gewesen? Er hatte ihr gesagt, sie 
solle im Hotel bleiben, aber nein, störrisch, wie sie war, mußte sie 
mitkommen. Und dann war sie gestürzt. „Ich bin..." 

Zane überlegte hin und her und hoffte inständig, daß er jetzt das 

Richtige tat. Ein falscher Entschluß konnte unabsehbare Folgen 
haben. Erneut faßte er Whitney bei den Schultern. Noch einmal blickte 
er ihr tief in die Augen, aber als er sah, daß sie ihn wirklich nicht 
auf den Arm nahm, seufzte er. 

So weit würde sie es nie treiben, das war ihm klar. Na gut. Er 

hätte sie vergangenen Abend ins Zimmer sperren sollen, aber für 
solche Überlegungen war es nun zu spät. Jetzt mußte er das Beste 
daraus machen, aber es würde schwierig werden, gerade Whitney 
etwas vorzuspielen. 

Er lächelte. „Ja, ich bin dein Mann." 
Zwar hatte sie schon das Foto und den Ring als Beweis, 

dennoch konnte seine Bestätigung nicht die leiseste Erinnerung 
wachrufen. Sie kämpfte gegen die Enttäuschung an. „Dann 
weißt du wohl auch, wie ich heiße", sagte sie. 

Sein Blick glitt mit einer solchen Vertrautheit über ihr Gesicht und ihr 

Haar, daß es ihr unbegreiflich schien, daß sie sich nicht 
wenigstens dunkel an irgend etwas erinnerte. 

Zane nahm ihre Hände und nickte. „Ja, das weiß ich." 
Vielleicht erinnerte sie sich wieder, wenn sie ihren Namen hörte. 

„Wie denn?" fragte sie hoffnungsvoll. 

Es wird lange dauern, ihr alles zu erklären, dachte Zane. Und 

Zeit dafür hatten sie nicht viel, jedenfalls nicht, wenn diese ganze 
Sache nach Plan laufen sollte. Andererseits konnte er Whitneys Zustand 
auch nicht einfach ignorieren. Er saß wirklich in der Klemme. 

Zane versuchte, ganz ruhig zu bleiben, und überredete Whitney, 

sich auf das Bett setzen. „Du heißt Whitney. Whitney Bradshaw. 
Er mu sterte sie, um zu erkennen, ob dieser Name irgendeinen 
Eindruck hinterließ. 

Vielleicht war er tatsächlich ihr Mann. Nur weil sie sich nicht 

erinnerte, mußte das nicht heißen, daß er log. Wieso sollte er auch 
lügen? Unfähig, mit dem Namen irgend etwas zu verbinden, 

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schüttelte sie den Kopf. 

Gut, dachte Zane, dann wollen wir mal anfangen. „Eigentlich 

heißt du jetzt Whitney Russell. Vorgestern haben wir in einer 
kleinen Kirche außerhalb von Las Vegas geheiratet. Jetzt sind wir 
in Las Vegas. Im Hotel Zanadu." 

Whitney hatte keine Ahnung von ihrem früheren Leben, außer 

daß sie sich wenigstens einmal im Fernsehen einen Film angeschaut 
hatte, aber was Zane ihr hier erzählte, klang für sie nicht so, als wäre 
von ihr die Rede. Sie glaubte nicht, daß eine Hochzeit in Las Vegas zu 
ihr paßte. Sie traute sich mehr Geschmack zu, mehr Stil. Und 
dann dieses Kleid! Verunsichert zeigte sie ihm das Foto. 

„Ist das nicht ein bißchen ausgefallen für Las Vegas?" Wenn sie 

vorgehabt hatte, mit ihm durchzubrennen, wozu brauchte sie dann 
so ein teures Kleid? 

Zane seufzte. Das hätte er sich denken können. Selbst wenn Whitney 

keine Ahnung hatte, wer sie war, hatte sie auf alle Fälle ihre 
unangenehme Angewohnheit beibehalten, immer alles genau 
wissen zu wollen. „Du hast darauf bestanden erwiderte er. „Du 
hast gesagt, du willst eine Hochzeit, an die du dich gern erinnerst, 
wenn schon der Ort 

nicht gerade der ist, den du dir vorgestellt hast." 
"Und wieso gerade Las Vegas?" 
Zane lächelte gezwungen. „Du hattest es eilig." 
Eilig? Eingehend betrachtete sie das Foto und versuchte 

verzweifelt, sich zu erinnern, doch ohne Erfolg. Wieder sah sie Zane 
an. „War noch jemand dabei? Meine Eltern? Oder Brüder? Eine 
Schwester?" 

Zane erwiderte fest ihren Blick. „Du hast niemand." 
„Nicht einmal... einen Bruder?" Bruder! Zu irgend jemandem hatte 

sie das schon einmal gesagt. Aber zu wem? 

„Du hattest einen", antwortete Zane leise und nahm ihre Hand. 

„Du hast mir erzählt, er sei gestorben." 

Gestorben. Ihr Bruder war gestorben. Whitney seufzte. Sie war 

allein. Vielleicht spürte sie deswegen diese Leere, aber als 
frischverheiratete Frau sollte sie sich eigentlich nicht so leer fühlen. 
„Dann habe ich nur dich?" flüsterte sie. 

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Zane unterdrückte die aufkommenden Schuldgefühle und 

bemühte sich, so mitfühlend wie möglich auszusehen. „Ja, nur 
mich." 

Sie nickte. So war das also. „Und wer bist du?" 
„Zane. Zane Russell." Es war leicht zu erkennen, daß sie auch 

mit dieser Information nichts anfangen konnte. Er strich ihr sanft das 
Haar aus dem Gesicht und betrachtete noch einmal die Beule von 
letzter Nacht. Sie war nicht mehr sehr groß. 

Er war so besorgt um Whitney gewesen, daß er sie gezwungen 

hatte, zum Arzt zu gehen, obwohl sie sich strikt geweigert hatte. 
Die Röntgenaufnahme hatte keinen Anlaß zur Beunruhigung gegeben, 
eine Gehirnerschütterung schien nicht vorzuliegen. Der Arzt hatte 
ihm versichert, daß am nächsten Tag alles wieder in Ordnung 
sein würde. In Ordnung! Vermutlich hatte dieser Arzt seinen 
Doktortitel im Lotto gewonnen. 

Zane stand auf, ohne ihre Hand loszulassen. Quinton schlief 

meistens lange. Das gab ihnen noch ein paar Stunden Aufschub. 
„Wie wär's, wenn wir noch einmal ins Krankenhaus gingen?" 

„Noch einmal?" fragte Whitney verwundert. 
Zane nickte. Es würde langwierig und gefährlich werden, ihr alle 

notwendigen Informationen zu vermitteln. Er mußte äußerst vorsichtig 
sein. „Ich habe dich vorige Nacht dorthin gebracht, nachdem du dir den 
Kopf angeschlagen hattest. Ins Community-General-Krankenhaus." 

Der Name sagte ihr überhaupt nichts. „Wie ist das mit der 

Beule denn passiert...?" 

Die Erklärungen hatte er sich bereits letzte Nacht auf der 

Heimfahrt zurechtgelegt, falls jemand Fragen stellen sollte. „Im 
Swimmingpool oben auf dem Hotel. Es war schon spät, und wir waren 
allein. Ich glaube, wir haben uns ein wenig zu sehr von unseren 
Gefühlen leiten lassen", bemerkte er und lächelte, als er ihren 
zweifelnden Blick sah. „Schließlich sind wir in den Flitterwochen. 
Jedenfalls bist du ausgerutscht und hast dir an der Beckenkante den 
Kopf gestoßen." 

Das wurde ja immer besser. War sie vielleicht auch noch nackt 

mit ihm im Pool gewesen? Wenn sie seinen Worten glaubte, 
konnte das gut möglich sein. Sie versuchte, es sich vorzustellen, aber es 

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gelang ihr nicht. Vor Verlegenheit errötete sie leicht. Energisch schob sie 
den Gedanken beiseite. Im Moment gab es wirklich Wichtigeres. 

„War ich bewußtlos?" 
„Nein, deswegen hast du dich ja gewehrt." 
„Gewehrt?" Das erschien ihr ziemlich unwahrscheinlich, doch 

sie glaubte ihm, denn obwohl sie sich nicht an Zane Russell 
erinnerte, spürte sie sogar in ihrer Verwirrung und 
Orientierungslosigkeit  unterschwellig eine starke Bindung zu ihm. 
Egal, ob sie sich daran erinnerte oder nicht, sie war seine Frau. 

„Nicht gegen mich, sondern dagegen, ins Krankenhaus zu 

gehen", erklärte er. „Ich mußte dich mit Gewalt in die Notaufnahme 
bringen." 

Wieder kam ihr eine undeutliche Erinnerung. Sie sah vor ihrem 

geistigen Auge, wie jemand in ein Auto gedrängt wurde. War sie 
das gewesen? Die Kopfschmerzen setzten wieder ein. „Du hast 
mich gezwungen", sagte sie nachdenklich. 

Obwohl die Situation ernst war, schmunzelte er. „Du kannst 

ganz schön dickköpfig sein." 

Was sollte sie mit diesen bruchstückhaften Informationen 

anfangen, mit einem Namen und einem Gesicht, das ihr nicht einmal 
entfernt bekannt vorkam? Wie paßte das alles zusammen? „Ich bin 
dickköpfig, amüsiere mich gern auf Kosten anderer und habe keine 
Familie." Sie holte tief Luft. „Das ist nicht besonders viel, nicht 
wahr?" 

Zane wünschte, er könnte ihr mehr erzählen, aber dafür war jetzt 

nicht der richtige Zeitpunkt. Statt dessen legte er die Arme um sie. 
„Komm, zieh dich an, mal sehen, was der Arzt dazu meint." 

Bevor sie antworten konnte, klopfte es laut an der Tür.

 

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2. KAPITEL 

 
Es klopfte noch einmal. „Zimmerservice", rief jemand. 
Zane hatte nichts in Auftrag gegeben. Er überlegte, machte aber keine 

Anstalten, die Tür zu öffnen. „Ich habe nichts bestellt." 

„Nein, Sir, Mr. Richard Quinton läßt Sie grüßen", erwiderte 

jemand auf dem Flur fröhlich. „Er hat uns gestern abend beauftragt, 
Ihnen das beste Frühstück zu bringen, das unsere Küche zu bieten 
hat." 

„Oh." Zane entspannte sich ein wenig, aber als Whitney zur Türklinke 

reifen wollte, packte er sie am Handgelenk. „Ich mach das sc hon."  

Verwirrt sah sie ihn an. Sie war überzeugt, daß er ihr einen warnenden 

Blick zugeworfen hatte. Warum war er so vorsichtig? Es war doch 
nur der Zimmerservice! 

Whitney trat zur Seite. Zuerst öffnete Zane die Tür nur einen 

Spalt, bevor er sie ganz aufmachte. Der kleine Rollwagen, den der 
Hotelboy hereinschob, lenkte Whitney von ihren Gedanken ab. Auf den 
Tabletts lagen so viele Köstlichkeiten, daß kaum mehr Platz für 
die Gedecke blieb. Der Hotelboy rollte den Wagen zum Fenster und 
warf Whitney einen anerkennenden Blick zu. Es gab heiße Waffeln, 
Schinken und Eier, Toast - alles, was man sich wünschen konnte. 

Der Boy reichte Zane eine Karte mit der Aufschrift: „Lassen Sie 

es sich schmecken. Richard Quinton." 

Whitney stellte sich auf die Zehenspitzen, um Zane über die 

Schulter zu schauen. „Wer ist Richard Quinton?" 

Zane warf die Karte auf den Tisch, zog einen Fünfdollarschein aus 

den Jeans und steckte ihn dem Hotelboy zu. Daraufhin schloß 
Zane hinter ihm die Tür. 

Der Gürtel von Whitneys Morgenmantel hatte sich gelockert. Es war 

offensichtlich gewesen, daß der Hotelboy zu gern noch mehr 
gesehen hätte. Zane hätte es ihm nicht zum Vorwurf machen 
können. Er ging zu dem Rollwagen und nahm sich einen Teller. 
„Jemand, dem ich gestern das Leben gerettet habe." Als er 
Whitneys fragenden Blick bemerkte, erklärte er: „Wir waren auf 
dem Golfplatz. Quinton und eine Frau, Sally hieß sie, glaube ich." 

Zane wußte genau, wie sie hieß, er wußte so ziemlich alles über 

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- 14 -

das Pärchen. Normalerweise war er stolz auf seine Gründlichkeit, 
aber jetzt hätte sie nur zu weiteren Fragen geführt. 

„Sie spielten eine Runde vor uns. Ziemlich langsam, muß ich dazu 

sagen." Er nahm sich einen Toast und zwei Löffel 
Himbeermarmelade. „Jedenfalls raste plötzlich ein Auto den Hügel 
herunter. Wahrscheinlich waren die Bremsen kaputt." Zane goß 
Kaffee in eine Tasse und schob sie Whitney hin, daraufhin schenkte 
er sich selbst ein. „Wenn ich Quinton nicht zur Seite gestoßen hätte, 
wäre er tot gewesen, am dreizehnten Loch, mit einem Schläger in 
der Hand." 

Zane sagte es so, als würde er täglich jemandem das Leben 

retten. Vielleicht war es wirklich so? War er möglicherweise ein 
Arzt? Das glaubte Whitney nicht. Forschend betrachtete sie ihn, als 
sie an ihrem Kaffee nippte. Er schmeckte ihr nicht, und sie goß Sahne 
nach. „Sieht so aus, als wäre gestern ein anstrengender Tag 
gewesen." Unwillkürlich berührte sie ihre Stirn. „Nur dumm, daß ich 
mich nicht daran erinnern kann. 

Zane lehnte sich im Sofa zurück und aß den Toast, der dunkel 

und knusprig war, so wie er es mochte. „Das wird schon 
wieder", versicherte er ihr. Er hoffte es jedenfalls. Über eine andere 
Möglichkeit wollte er jetzt nicht nachdenken. Er hatte sowieso keine 
Kontrolle darüber, also hatte es auch keinen Sinn, sich damit zu 
beschäftigen. 

Zane sah zu, wie Whitney ihren Teller belud. Sie nahm von allem 

etwas. „Hungrig?" fragte er amüsiert. 

Bevor das Frühstück kam, hatte Whitney nicht gemerkt, wie 

hungrig sie war. Ihr Magen war so leer wie ihr Kopf, aber in diesem 
Fall konnte sie wenigstens etwas dagegen tun. „Ja, sehr." 

Zane nahm noch einen Toast. „Na, wenigstens das hat sich 

nicht geändert. Du hast schon immer wie ein Scheunendrescher 
gegessen." Diese Behauptung war zwar nicht sehr schmeichelhaft, 
aber wahr. Er betrachtete sie. Seit er sie kannte, hatte er nicht ein 
Gramm Fett zuviel an Whitney gesehen. „Ich schätze, du verwandelst 
jegliche Nahrung sofort in reine Energie. Wie eine alte 
Dampflokomotive." 

Whitney wurde neugierig. „Bin ich so lebhaft?" 

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Zane lächelte. Lebhaft war gar kein. Ausdruck. „Unersättlich." 
Das gefiel ihr schon besser, jedenfalls besser als der Vergleich mit 

einer unförmigen Maschine. Sein Lächeln rührte etwas in ihr, sie 
mochte es. Wie meinte er das? So wie er sie ansah, war sie sich nicht 
sicher, ob er „unersättlich" ganz allgemein verstand oder ob er an 
etwas Bestimmtes dachte. Vielleicht an Sex? Hatten sie schon vor der 
Hochzeit miteinander geschlafen, oder würde es erst jetzt in den 
Flitterwochen passieren? Bei diesem Gedanken mußte sie 
lächeln. Sie würde es schon noch herausfinden. 

Zane wischte sich die Krümel von den Händen. Zu gern hätte er 

gewußt, was sie gerade dachte. Er stellte seinen Teller zurück. 

Es gab so vieles, was sie wieder neu lernen und erfahren mußte. 

Sie wollte das Beste daraus machen. „Ich glaube, es wird 
spannend, alles über mich herauszufinden." 

Wenn das die alte Whitney war, die das sagte, würde er bald 

Schwierigkeiten bekommen. „Das wird es bestimmt", versprach 
Zane. „So, ich bin satt." Whitney war noch nicht fertig, und 
vermutlich würde sie sich noch einen Teller volladen. „Iß ruhig 
weiter. Ich werde schon mal duschen, dann gehen wir zum Arzt." 

Whitney sah ihm nach. Sie hatte den Eindruck, daß er sie zur 

Eile drängen wollte. Waren Flitterwochen nicht zum Entspannen 
da? Nun, wahrscheinlich wollte er sie nur deshalb so schnell zum 
Arzt bringen, um möglichst bald herauszufinden, was mit ihr los war 
und was man dagegen tun konnte. 

Das war ja auch ihr wichtig - sie ertrug es kaum, nichts über ihr 

früheres Leben zu wissen, in dem Zane offensichtlich eine wichtige 
Rolle gespielt hatte. 

Gesättigt und zufrieden stand sie auf und öffnete den 

Kleiderschrank. Bei der Durchsicht der Sachen stellte sie fest, daß sie 
sich offenbar gern feminin kleidete. Das erschien ihr seltsam, aber es 
war nichts anderes da, also würde es wohl stimmen. Lieber hätte 
sie verwaschene Jeans angezogen. Sie seufzte, wählte einen 
schlichten weißen Rock, und einen roten Pullover und warf die 
Sachen auf das Bett. 

Im Badezimmer lief das Wasser immer noch. Viele Fragen 

drängten sich Whitney wieder auf, und eine davon war besonders 

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bohrend. Sie mußte es einfach wissen. Whitney zögerte nur kurz, 
bevor sie die Tür zum Badezimmer öffnete. Als sie in die heißen 
Dampfschwaden blickte, die den Blick auf Zane versperrten, fühlte 
sie sich ein wenig beklommen. Sie konnte seine Umrisse hinter der 
milchigen Duschwand erkennen, und der Anblick verfehlte seine 
Wirkung nicht. Whitney biß sich auf die Lippe und trat zur 
Duschkabine. 

Kurz bevor die Schiebewand aufgezogen wurde, hatte Zane 

gespürt, daß er nicht mehr allein war. Abwehrend hob er eine Hand, 
aber als er Whitney sah, vermochte er nicht, sich von der Stelle 
zu rühren. Sie schien genauso überrascht zu sein wie er. Sie blickte ihn 
an und lächelte. Er glaubte nicht, daß er sie jemals so hatte lächeln 
sehen. Jetzt riß Zane die Tür wieder zu. „Was machst du hier 
eigentlich?" fragte er wütend. 

Whitney hielt diese Reaktion für eindeutig. Sie bereute nicht, ins 

Badezimmer gegangen zu sein. „Ich sehe mir nur meinen Mann 
an. Ich war, na ja, einfach neugierig." 

Ach du liebe Güte. Zane stellte das Wasser heißer. Der Wasserdampf 

stieg ihm gar nicht schnell genug auf. Möglichst locker meinte er: 
„An mir ist alles dran, was ich brauche, wenn du das wissen 
wolltest." 

„Zane, du bist doch nicht etwa schüchtern?" Das war unmöglich, 

jedenfalls nicht bei so einem Körper. Und nicht, wenn sie verheiratet 
waren. Aber es war ihm eindeutig peinlich. Whitney fiel es nicht 
ein, zu gehen. 

Zane drehte das Wasser ab und wickelte sich das Handtuch, das 

er über die Duschwand gehängt hatte, schleunigst um die Hüften. 
„Ich hab’s eilig", verteidigte er sich, als er heraus stieg. „Die 
Notaufnahme ist dafür bekannt, daß man lange warten muß. 
Willst du den ganzen Tag auf einem unbequemen Plastikstuhl 
verbringen?" 

„Nein." Fasziniert beobachtete Whitney, wie sich einzelne 

Wassertropfen einen Weg über seine leicht behaarte Brust 
bahnten. Was sie sah, gefiel ihr. Es gab zwar keinen logischen 
Grund dafür, aber sie hatte plötzlich das Gefühl, daß alles gut 
werden würde. 

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Sie trat zurück. „Vielleicht ziehe ich mich besser an", meinte sie und 

bemerkte, daß seine Sachen hinter der Tür hingen. 

„Gute Idee", stimmte Zane zu und schob sie aus dem 

Badezimmer. „Ich komme gleich nach." 

„Sicher." 
Whitney stand plötzlich vor der verschlossenen Tür. Er hatte 

abgesperrt. Wer hätte gedacht, daß Zane so schüchtern sein 
würde? Vielleicht hatten sie wirklich noch nicht miteinander 
geschlafen. Oder die Hochzeitsnacht war phantastisch gewesen. Das 
hätte erklären können, warum sie so auf ihn reagiert hatte. 

Whitney suchte in den Schubladen nach Unterwäsche und fragte sich 

besorgt, wie es weitergehen würde. Sie fand, was sie suchte, und 
zog sich an. Trotz der verwirrenden Lage lächelte sie bei dem 
Gedanken an Zane unwillkürlich. Schließlich hätte alles viel schlimmer 
kommen können. 

 
Der Warteraum der Notaufnahme des Community-General-

Krankenhauses war voll von wartenden Leuten. Obwohl Zane 
nichts sagte, spürte Whitney seine Ungeduld. 

Sie faßte ihn am Arm. „Komm, wir versuchen es einfach später 

noch einmal", schlug sie vor. Weshalb sollten sie auch länger hier 
herumsitzen. Eigentlich hatte sie gehofft, sich an den Aufenthalt 
von gestern nacht zu erinnern. Sie hatte ohnehin kaum erwartet, 
daß ein Arzt etwas für sie tun könnte. 

Offenbar aber hatte Zane nicht vor, wieder zu gehen. „Nein. 

Jetzt sind wir schon hier. Später wird es auch nicht leerer. Er wies 
auf einen freien Stuhl. „Setz dich. Ich bin gleich zurück." 

Zane ging zu einer Schwester an der Rezeption, die gerade mit 

einem anderen Patienten beschäftigt war. Er beugte sich über die 
Theke und flüsterte ihr etwas zu. Die Antwort war kurz und bündig. 
Zane drehte sich um und winkte Whitney zu sich. Sie hoffte, daß 
die Schwester ihr keine Fragen stellte, die sie nicht beantworten 
konnte. Zane zog Whitney an seine Seite. „Gleich kommt der 
Arzt." 

Ein Pfleger erschien und brachte sie beide in einen kleinen Raum 

neben der Empfangstheke. Whitney blickte Zane an. „Was hast 

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du ihr denn erzählt?" 

Zane lächelte. „Du kannst dir nicht vorstellen, welche Wirkung die 

Worte Anzeige wegen Kurpfuscherei haben." 

Sie staunte. „Du hast ihr gedroht?" 
Zane kniff die Augen zusammen. Eben noch charmant, wirkte er 

jetzt unerbittlich. „Nicht gedroht, eher laut gedacht. Der Arzt hatte 
mir gesagt, daß du in Ordnung wärst. In Ordnung heißt für mich 
nicht, daß du keine Ahnung hast, wie du heißt." 

Seine Augen funkelten vor Wut. Es überraschte sie, wie gefährlich er 

werden konnte. Ganz offensichtlich war er kein Mann, der sich 
etwas gefallen ließ. 

Der diensthabende Arzt, Dr. Kellerman, trat herein. Er war etwa 

Mitte Vierzig und wirkte erschöpft und frustriert. Voller Mitleid 
blickte er Whitney an. „Was Gedächtnisverlust betrifft, tappen wir 
völlig im Dunkeln. Dr. Kellerman vermied es, Whitney anzusehen. 
„Sie könnten sich morgen wieder an alles erinnern, aber die 
Wahrscheinlichkeit, daß es länger dauert, ist genauso groß." 

Whitney war nicht gerade begeistert. „Wenn Sie sagen, länger; 

was meinen Sie genau damit?" 

Hilflos zuckte Dr. Kellerman die Schultern. „Über die Dauer 

können wir auch nichts sagen." 

Whitney schluckte. Solange sie mit Zane beschäftigt gewesen 

war, hatte sie verdrängt, wie ernst ihre Lage eigentlich war. Sie 
machte noch einen Versuch. „Ungefähr ein Jahr?" 

Dr. Kellerman wollte sie nicht in dem Glauben lassen, daß eine 

Voraussage möglich sei. „Oder..." 

Zane kam ihm zuvor: „Oder für immer?" Er wußte die Antwort schon 

vorher. Es ist alles meine Schuld, dachte er. Er hätte sie dazu 
bringen müssen, im Hotelzimmer zu bleiben. Es wäre nicht nötig 
gewesen, daß sie beide gingen. Zum Teufel mit Whitneys Starrsinn. 

Die Frage machte Dr. Kellermann verlegen, aber es war seine Pflicht, 

ehrlich zu sein. „Ja." Als er sah, wie die Farbe aus Whitneys 
Gesicht wich, beeilte er sich hinzuzufügen: „Aber das ist äußerst 
selten." Er nahm Whitneys Hände in seine. Wenn er ihr schon nicht 
helfen konnte, wollte er sie doch wenigstens trösten. „Ihre Frau scheint 
sonst ja völlig gesund zu sein", meinte er zu Zane. 

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Ein Klopfen an der Tür unterbrach sie. Andere Patienten 

warteten auf ihn. Dr. Kellerman mußte sie verlassen. „Ich bin sicher, 
daß es vorübergehen wird." Sein Blick glitt zu Zane. „Helfen Sie ihr 
dabei. Sprechen Sie mit ihr von Dingen, die sie kennt. Ich fürchte, wir 
müssen einfach abwarten." 

Zane haßte es, zu warten. Das hatte er noch nie gekonnt, aber 

jetzt schien ihm nichts anderes übrigzubleiben. „Einen Moment 
noch", rief er. „Warum hat sie ihr Gedächtnis erst heute morgen 
verloren und nicht schon gestern abend, als sie sich den Kopf 
anschlug?" 

„Wenn ich das wüßte. Wir sind in den letzten Jahren durchaus 

weitergekommen, was die Hirnforschung betrifft, aber dieses 
Problem konnten wir bisher nicht lösen." Er zog einige Visitenkarten 
aus seinem Arztkittel, sah sie durch und reichte Zane eine davon. 
„Ich könnte Ihnen einen Neurologen empfehlen, aber ich fürchte, 
daß er Ihnen auch nicht weiterhelfen kann. Sie müssen eben 
abwarten." 

Zane steckte die Karte ein. Er sah Whitney an, daß sie keinen 

Wert darauf legte, noch einen Arzt zu Rate zu ziehen, vor allem, 
wenn dieser auch nichts anderes sagen würde. Zane verstand sie gut. 

Dr. Kellerman wandte sich an der Tür noch einmal um. Er 

zögerte. „Diese Anzeige..." 

Whitney fand es unnötig, ihm das anzutun. „Es wird keine 

Anzeige geben." 

Überrascht sah Zane sie an. So, das hatte sich also auch nicht 

geändert. Whitney liebte es, die Dinge selbst in die Hand zu 
nehmen. Das war ihr Problem, aber jetzt war es auch noch seines. 
„Wir hören voneinander", sagte er zu Dr. Kellerman. Als Whitney 
widersprechen wollte, legte Zane seinen Arm um sie und schob sie 
zur anderen Tür hinaus. „Du weißt nicht, ob wir nicht doch noch 
einmal hierher zurückmüssen", flüsterte er. „Dann brauchen wir das 
nächste Mal nicht so lange zu warten." 

Er würde schon wissen, was er tat. Seufzend ging Whitney vor 

ihm durch den Ausgang. Draußen sah sie zum wolkenlosen, blauen 
Himmel empor. Sie sollte damit zufrieden sein, daß sie am Leben 
war und dazu noch mit einem so umwerfend gutaussehenden 

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Mann verheiratet war. Zu Zanes Überraschung hakte sich 
Whitney bei ihm unter. „Na gut, und was jetzt?" 

Er brachte sie zum Auto. „Wir fahren zurück ins Hotel." Zane 

öffnete ihr die Tür und wartete, bis sie eingestiegen war. 

Das klang nicht besonders romantisch oder spannend. Nachdem 

er den Wagen angelassen hatte, fragte Whitney: „Können wir nicht 
woanders hinfahren?" 

„Wohin denn?" 
„Ich weiß nicht." Sie zuckte die Schultern. „Das Wetter ist so schön, 

ich dachte, wir könnten vielleicht irgendwo hinfahren und uns 
unterhalten." 

„Das ist doch auch im Hotel möglich. Außerdem haben wir um 

ein Uhr eine Verabredung mit Richard Quinton." Zane sah auf die 
Uhr. Mittag war schon vorbei. 

„Der hat uns ja das Frühstück spendiert", erinnerte sich Whitney. 
Zane nickte, ohne sie anzusehen. „So ist es." 
Sie wandte sich ihm zu. „Ich weiß, dies ist alles neu für mich, 

aber sollten frischverheiratete Paare nicht eigentlich das Bedürfnis 
haben, allein zu sein?" 

Wollte sie ihm jetzt auch noch Ärger machen? „In dieser Stadt 

kann man schlecht allein bleiben. Außerdem haben wir danach 
noch genug Zeit für uns. Und im übrigen ist es um so besser, je mehr 
Leute um dich sind, weil damit die Chancen steigen, daß irgend 
jemand etwas sagt, das dir dabei helfen könnte, dich zu erinnern." 

„Vermutlich. 
Whitney klang nicht überzeugt. Zane mochte jetzt nicht mit ihr 

darüber streiten. Nachdem sie sowieso nichts tun konnten, war es 
das beste, sie vorläufig im unklaren zu lassen und zu hoffen, daß 
sie ihr Gedächtnis nicht zu einem unpassenden Zeitpunkt 
wiedergewann. Er wechselte das Thema. „Wie fühlst du dich?" 

„Du meinst, abgesehen davon, daß ich mich an mein früheres Leben 

nicht erinnere?" 

Es mußte entsetzlich für sie sein. „Ja, abgesehen davon." 
„Gut. Es tut mir nichts weh. Die Kopfschmerzen sind auch weg." 
„Freut mich." 
Sie unterhielten sich, als hätten sie sich gerade erst 

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kennengelernt. Sie waren doch verheiratet! „Hör zu, ich habe viele 
Fragen..." 

„Dann schieß mal los", forderte Zane sie auf und holte tief Luft. 

Ihre Kopfschmerzen hatten aufgehört, aber er ahnte, daß die 
Schwierigkeiten gerade erst anfingen. 

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3. KAPITEL 

 
So viele Fragen schwirrten Whitney durch den Kopf, daß sie gar 

nicht wußte, wo sie beginnen sollte. Vielleicht am besten mit ihrer ersten 
Begegnung. „Wo haben wir uns kennengelernt?“ 

Das fing ja gut an. Zane erinnerte sich sehr gut, wann er sie zum 

erstenmal gesehen hatte, und lächelte unwillkürlich. Sie war ihm 
gleich aufgefallen, obwohl die Situation alles andere als romantisch 
war. 

„Bei gemeinsamen Freunden", antwortete er. Er wählte diese 

unbestimmte Antwort, denn über ihre wirklichen gemeinsamen 
Freunde, durfte er jetzt nicht mit ihr reden. Er mußte so vorsichtig 
wie nur möglich sein, um nicht zu zerstören, wofür er so lange 
mühsam gearbeitet hatte. 

Sehr informativ ist das ja nicht gerade, dachte Whitney. 

Vielleicht war es schon so lange her, daß er sich nur verschwommen 
daran erinnerte? „Wie heißen sie?" Namen, sie wollte Namen hören. 
Sie wandte ihren Blick nicht von Zane ab. 

„Cassidy. Joe und Aimee Cassidy." Zane hoffte inständig, daß sie ihn 

nicht später noch einmal danach fragen würde. Sein Namengedächtnis 
war nicht besonders gut. „Sie gaben eine Silvesterparty. Ich habe 
dich geküßt, als die Glocken das neue Jahr einläuteten." 

Whitney fand diese Vorstellung romantisch. War Zane 

romantisch? Sie hatte nicht den Eindruck. Aber wollte sie das so 
genau wissen? „Wie lange ist das her?" 

„Es war dieses Jahr." Er blickte auf den Ring. „Es ging alles 

ziemlich schnell." 

„Also war es Liebe auf den ersten Blick?" Anders hätte es auch 

gar nicht sein können, dachte sie, jedenfalls nicht, was sie betraf. Zane 
hatte eine so unglaublich aufregende Ausstrahlung und war so 
sexy, daß sie ihn bestimmt auf Anhieb attraktiv gefunden hatte. 

Wir sind sofort aneinander geraten, dachte Zane, von Anfang an 

ging es nur darum, wer die Kontrolle hatte. Manchmal war es 
immer noch so, und ab und zu machte es das Ganze auch ziemlich 
spannend. Trotzdem wünschte er, er hätte sich letzte Nacht 
durchgesetzt. „Richtig. Es war wie ein Feuerwerk." Darin lag sogar 

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ein Körnchen Wahrheit. 

Whitney nickte. Das konnte sie sich durchaus vorstellen. „So 

etwas habe ich mir fast gedacht." 

Zane zog die Brauen hoch „Tatsächlich?" Whitney rutschte auf 

ihrem Sitz hin und her. Eine alte Angewohnheit, ging es Zane 
durch den Kopf. 

„Na ja, jetzt ist es nicht anders." Sie sah keinen Grund dazu, 

nicht ehrlich zu sein. 

„Wirklich?" Nur mühsam vermochte Zane, ein Grinsen zu 

unterdrücken. Er wollte nicht, daß sie dachte, er lache sie aus. Sollte 
sie jemals ihr Gedächtnis wiederbekommen, würde sie ihn 
vermutlich ewig hassen! Trotzdem reizte es ihn, bei diesem Thema 
noch ein wenig zu verharren. „Und was genau empfindest du?" 
Zane bemühte sich, so unschuldig wie möglich dreinzublicken. 

Whitney strich sich durchs Haar. Eine wachsende Unruhe 

bemächtigte sich ihrer. Sie fühlte sich immer stärker zu Zane 
hingezogen. „Ich würde sagen, es hat gefunkt." Sie mußte kein Blatt 
vor den Mund nehmen, schließlich waren sie ja verheiratet. „Ich bin 
froh, daß wir verheiratet sind, und ich finde dich sehr sexy." 

Zane schwieg. Als sie eine Hand auf seinen Arm legte, warf er ihr 

einen kurzen Blick zu. Das Hotel Zanadu lag vor ihnen. 

„Findest du mich nicht attraktiv?" wollte Whitney wissen. 
O doch, das tat er, und zwar sehr. Aber er hatte gelernt, damit zu 

leben, ohne es ihr je zu gestehen. Es hätte alles nur komplizierter 
gemacht. Er schaute sie nicht an, als er antwortete: „Das ist doch 
selbstverständlich." 

Er klang, als wären sie schon Jahrzehnte verheiratet. Enttäuscht über 

seine Antwort, meinte Whitney: „Im Moment ist überhaupt 
nichts selbstverständlich.“ 

Eine Weile schwiegen beide. Wußte er nicht, was sie hören 

wollte? „Sag es", flüsterte sie. 

Zane konnte lügen, wenn es notwendig war, aber in diesem Fall 

handelte es sich um die Wahrheit, und damit hatte er Schwierigkeiten. 
„Ich finde dich attraktiv." 

Whitney seufzte. Er schien nicht zu verstehen, was sie von ihm hören 

wollte. „Nicht das." 

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Zwar hatte sie ihr Gedächtnis verloren, aber eine Nervensäge war sie 

zweifellos immer noch. Zane wurde es unbehaglich. „Was meinst du?" 

„Sag, daß du mich liebst." Sie merkte, daß es fast wie ein 

Flehen klang, aber es war ihr gleichgültig. Stolz war jetzt nicht 
angebracht. „Es ist so wichtig für mich, daß du es sagst." Es 
bedeutete ihr mehr als alles andere. Sie brauchte eine Bestätigung. 
Wenn sie wußte, daß er sie liebte, hätte es ihr Kraft gegeben. 

Noch nie hatte Zane es ausgesprochen. Zumindest nicht so 

direkt. Die Frauen konnten es sich ja denken, aber den 
entscheidenden Satz hatte er nie wirklich gesagt. Zane war klar: 
Wenn er diese Worte überhaupt jemals über die Lippen bringen 
würde, dann nur bei Whitney. 

Er wurde immer nervöser und fühlte grundlos Ärger in sich 

aufsteigen. Unbehaglich rieb er sich den Nacken, sah Whitney an 
und murmelte: „Ich liebe dich." 

Enttäuscht lehnte sich Whitney zurück. Seine Worte hatten so 

unbeteiligt geklungen, daß sie sie ihm kaum glauben konnte. „Das 
hört sich ja nicht besonders begeistert an." 

„Doch!" entfuhr es ihm, ein wenig zu laut, und im selben Moment 

bereute er es schon. Whitney hatte es nicht einfach, und eigentlich 
sollte er ihr helfen, statt es ihr noch schwerer zu machen. „Ich sage so 
etwas nicht auf Kommando. Ein Mann überlegt sich selbst, wann er 
einer Frau seine Liebe gesteht. Das heißt nicht, daß die Gefühle 
nicht da sind!" 

So, das sollte reichen. Aber weil es Whitney war und sie ihm 

wirklich etwas bedeutete, fügte er hinzu: „Ich fürchte, ich bin ein 
wenig gereizt, weil ich mir Sorgen um dich mache. Es ist mir noch 
nie passiert, daß ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte." 

Das glaubte sie ihm aufs Wort. Er sah aus wie ein Mann, der 

wußte; was er wollte. Was das Geständnis „Ich liebe dich" betraf, 
vermutete sie, daß Männer Schwierigkeiten hatten, es 
auszusprechen, selbst bei der eigenen Frau. Whitney blickte ihn an. 
„Tut mir leid. Ich bin einfach überängstlich." 

„Das ist auch kein Wunder." Zane atmete erleichtert auf, als sie 

so versöhnlich reagierte. „Ich wüßte auch nicht, was ich tun würde, 
wenn ich in einem fremden Hotelbett aufwachte und keine 

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Ahnung hätte, wer oder wo ich bin." Das war nicht ganz die 
Wahrheit. Ein- oder zweimal war ihm das schon passiert, aber das 
Wichtigste hatte ihm dabei nie gefehlt - sein Gedächtnis. 

Daß Whitney nicht längst einen Nervenzusammenbruch erlitten 

hatte, bestätigte ihm nur, was ihm ohnedies klar gewesen war: Sie war 
eine unglaublich starke Frau. Zane legte seine Hand auf ihre. „Wir 
schaffen das schon, Whitney. Vertrau mir einfach, egal, was 
passiert." 

Sie waren vor dem Hotel angekommen. Ein hochgewachsener 

livrierter Hotelportier öffnete Whitney die Autotür und wartete, bis 
Zane ihm die Schlüssel gab. Zane behielt die Ersatzschlüssel, 
schließlich konnte man nie wissen, wozu sie noch gut sein würden. 

Als sie ins Hotel gingen, stieß Whitney versehentlich gegen Zane. Sie 

spürte förmlich, wie es zwischen ihnen knisterte. Ihre Blicke 
trafen sich. 

„Ich habe mir eine schöne Zeit herausgesucht, um mein 

Gedächtnis zu verlieren", bedauerte Whitney, „ausgerechnet in den 
Flitterwochen. Aber eigentlich sollte das kein Hindernis sein." 

„Nein", sagte Zane vorsichtig. Was hatte sie vor? 
„Wir können, es uns trotzdem gutgehen lassen", meinte Whitney. 
Zane hatte den Verdacht, daß er sich darunter etwas völlig 

anderes als sie vorstellte, antwortete aber: „Ja, du hast recht." 

Es war fast ein Uhr. Sie hatten mit Quinton und seiner 

Begleiterin ausgemacht, sich am Swimmingpool hinter dem Hotel 
zu treffen. Die Zeit drängte. Zuerst aber wollte Zane einiges 
klarstellen, um bei dem Treffen nichts zu riskieren. 

Er faßte Whitney bei den Schultern und sah sie durchdringend 

an. „Hör zu, Whit, wir sind jetzt mit Quinton verabredet. Ich halte es 
für das Beste, wenn du keinen großen Rummel darum machst, daß du 
dein Gedächtnis verloren hast." 

Wieso sagte er das? Er tat fast so, als wäre ihm ihr 

Erinnerungsverlust peinlich. Gerade war er noch besorgt gewesen, jetzt 
schien er alles unter den Teppich kehren zu wollen. „Keinen großen 
Rummel?" wiederholte sie. 

Zane bemerkte, daß er die falschen Worte gewählt hatte, aber 

leider war es zu spät, noch etwas zu retten. „Sag einfach nichts 

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davon zu ihnen, ja?" 

Whitney hatte nicht vorgehabt, es gleich allen Leuten zu 

erzählen, aber warum sollte sie überhaupt nicht darüber sprechen? 
„Weshalb denn nicht?" 

Weil sie damit alles ruinieren könnte. Zane wollte nicht, daß 

sie falsche Antworten gab, falls die beiden ihr Fragen stellten. Er 
wußte, Whitney würde ihn nur weiter ausfragen, wenn er jetzt 
anfinge, ihr das zu erklären, also erwiderte er: „Sie wären 
wahrscheinlich unangenehm berührt." 

Das könnte sein. Trotzdem ... „Aber sie wundern sich bestimmt, 

wenn ich nicht imstande bin, ihre Fragen zu beantworten." 
Frustriert sah sie ihn an. „Ich weiß ja nicht einmal meine Adresse 
oder meinen Geburtsort. Was ist, wenn sie zum Beispiel wissen 
wollen, was ich in meiner Freizeit mache? Was soll ich darauf 
erwidern? Nichts? Sie werden denken, ich bin nicht ganz richtig im 
Kopf." 

Zane und Whitney gingen durch die Eingangshalle und gelangten 

durch eine Tür im hinteren Teil zum Poolgelände. „Du bist in 
Tacoma geboren, in Washington." Ausnahmsweise sagte Zane die 
Wahrheit. Das nächste war wieder erfunden. „Wir leben in Los 
Angeles." Er nannte ihr eine Adresse, die vermutlich schon 
überprüft worden war, wenn das, was er über Quinton wußte, wahr 
war: „Und du gehst gern ins Kino. Komödien siehst du dir am 
liebsten an, Horrorfilme nie. Und sie werden bestimmt nicht 
denken, daß du nicht ganz richtig im Kopf bist, nur etwas ... nun, 
schusselig vielleicht." 

Zane fürchtete, daß sie das nicht hinnehmen würde, und 

tatsächlich blieb Whitney so unvermittelt stehen, daß ein Kellner 
mit einem beladenen Tablett fast mit ihr zusammengestoßen wäre. 
Schusselig? „Wieso sollten sie der Meinung sein, ich sei schusselig?" 

Weil Zane wollte, daß sie dies dachten. Es würde Quinton ein 

wenig ablenken. Er war an Frauen gewöhnt, die sich im 
Hintergrund hielten und die er nicht ernst zu nehmen brauchte. 

Gleichmütig zuckte Zane die Schultern. „Du bist blond und redest 

schnell." Das stimmte, sie hatte sich im Spiegel gesehen, und 
schnell redete sie auch, aber das war doch keine Begründung. 

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„Ich bin aber nicht schusselig." 

Zane wollte sich nicht verspäten. Von diesem Treffen hing sehr 

viel ab. Es würde der Grundstein für sein ganzes weiteres 
Vorgehen sein. Deshalb schob Zane Whitney weiter. Jetzt entdeckte er 
Quinton. „Was bist du nicht?" 

Whitney mußte sich anstrengen, um mit Zane Schritt zu 

halten. „Schusselig. Beschränkt." Aber vielleicht dachte Zane, sie 
sei es doch. „Oder glaubst du das?" 

Manchmal hatte Whitney Zane durch ihre Intelligenz verblüfft, und 

manchmal war sie naiv wie ein Kind, aber nie, nicht einmal wenn 
sie ihn zur Weißglut brachte, hätte er sie als beschränkt 
bezeichnet. Er schüttelte den Köpf. „Nein." 

Darüber war sie erleichtert. „Warum sollten sie dann denken...“ 
„Manche Leute denken eben so. Das Thema war für ihn 

erledigt. „Dort drüben sind sie schon." 

Im Pool schwammen mehrere Leute, und in den Liegestühlen und an 

den Tischen saßen noch mehr. „Wo denn?" 

Zane deutete nach links. „Quinton sieht ein bißchen so aus wie 

der Schauspieler, der James Bond gespielt hat." 

Jetzt sah Whitney zwei Personen an einem Tisch sitzen, zu dem jetzt 

ein Kellner trat. Ein Mann Mitte Fünfzig und eine 
beeindruckende brünette üppige Frau in einem scharlachroten 
leichten Sommerkleid. Zane hatte recht, Quinton sah aus wie Sean 
Connery. Sympathisch und weltmännisch. Er trug eine makellose 
weiße Hose und einen marineblauen Designerpullover. 

Als sie sich dem Tisch näherten, nahm Whitney den Duft eines 

edlen Parfums war. Die Brünette hatte ihr Kleid hochgerafft, und 
Whitney erkannte an ihrem Blick, daß sie genau wußte, welche 
Wirkung sie damit erzielte. 

Whitney schaute zu Zane. Ließ er sich von solchen Frauen 

beeindrucken? Mit ihrem eher athletischen Körperbau fühlte sie 
sich plötzlich völlig unattraktiv. Zane beugte seinen Kopf zu 
Whitney, um ihr eine letzte Information zuzuflüstern. „Sie heißen 
Richard und Sally." 

Sally. Der Name war für diese Frau viel zu durchschnittlich. 

„Wer ist sie?" fragte Whitney. 

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„Wahrscheinlich seine Geliebte." Quinton mochte Frauen, die ihm zu 

Willen waren. Sally sah ganz danach aus. Die kostbare Halskette 
mit den vogeleiergroßen Edelsteinen waren der Beweis dafür, daß sie 
ihren Job gut machte. 

Verächtlich sog Whitney die Luft ein. „Wenn dir solche Frauen 

gefallen..." 

Daß sie ihre Eifersucht nicht verbarg, erheiterte Zane. Vor ihrem 

Gedächtnisverlust hätte er so etwas von ihr nie gehört. „Auf alle 
Fälle gefallen sie ihm", meinte Zane. 

„Und dir?" ließ Whitney nicht locker. 
Sie war wirklich sehr direkt. Er wollte schon antworten, daß er Sally 

nicht aus seinem Bett werfen würde, konnte sich aber gerade 
noch zurückhalten. „Ich habe doch dich." Zane küßte Whitney auf 
die Stirn. „Wieso sollte ich nach anderen Frauen schauen?" 

Whitney zweifelte, ob überhaupt irgendein Mann Sally 

übersehen konnte, aber sie hörte trotzdem gern, was Zane sagte, 
auch wenn es wahrscheinlich gelogen war. Sie waren fast bei 
Quintons Tisch angekommen, da stellte sich Whitney auf die 
Zehenspitzen, umfaßte Zanes Gesicht und küßte ihn. 

Plötzlich fühlte Zane sich leer. Endlich wußte er, was Whitney 

durchmachte er fühlte sich jeglicher Gedanken und Erinnerung 
beraubt, er verspürte nur die verheerende Wirkung, die Whitneys 
Mund auf ihn hatte. 

Zane wurde es heiß. Erregt zog er Whitney an sich und erwiderte 

leidenschaftlich ihren Kuß. War das die Whitney, die er kannte? Was 
hatte diese Beule aus ihr gemacht? Und was machte Whitney aus ihm? 
Es war ihm, als stürzte er in einen endlosen Abgrund. 

Whitney schmiegte sich an ihn. Wenn sie je daran gezweifelt 

hatte, daß sie füreinander bestimmt waren, räumte dieser Kuß jeden 
Zweifel aus dem Weg. Sie legte ihm die Arme um den Nacken. Wie 
wunderbar sich Zane anfühlte. Es war, als hätte sie ein Teil von 
sich in ihm wiedergefunden. Am liebsten wäre sie sofort mit ihm 
zurück in ihr Zimmer gegangen, um ihn zu lieben. 

Ein Hüsteln von Quinton ernüchterte Whitney. Widerstrebend 

löste sie sich von Zane. Ihr Herz klopfte jedoch immer noch heftig. 
Quinton lächelte eher anzüglich als wohlwollend. „Ich dachte 

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schon, Sie kommen gar nicht mehr, aber jetzt ist mir klar, woran es 
lag." 

Er lachte herzlich und strahlte die beiden an. „Sie waren so 

feurig, daß ich dachte, ich muß den Champagner zum Löschen 
nehmen." 

Trotz seiner Freundlichkeit ging eine unangenehme Kälte von 

ihm aus. Das fand zumindest Whitney. Zane trat neben sie, ließ 
aber einen Arm um ihre Hüfte. Das hätte nicht passieren dürfen. 
Sich wie ein frischgebackener Ehemann zu benehmen war schön und 
gut, aber er sollte sich nicht zu sehr in diese Rolle hineinsteigern. Es 
war ein unverzeihlicher Ausrutscher gewesen. Wenn er vorhatte, 
wie bisher seine Gefühle von seiner Arbeit zu trennen, sollte er in 
Zukunft besser aufpassen. 

Zane versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen, und zog 

Whitney einen Stuhl an den Tisch. „Tut mir leid, wir haben uns wohl 
etwas hinreißen lassen." 

Quinton prüfte Whitney mit seinen kleinen, tiefliegenden Augen. 

„Ich kann es Ihnen nicht verdenken. Wenn ich sie geheiratet 
hätte, würde ich sie mindestens eine Woche lang in meiner Suite 
einsperren." Jetzt kniff er die hart blickenden grauen Augen 
zusammen. „Das einzige, was mich interessieren würde, wäre, sie so 
lange wie möglich nackt und glücklich zu sehen." 

Obwohl das als Kompliment gemeint war, kam Whitney fast 

das Frühstück wieder hoch. Widerstrebend ließ sie sich neben 
Quinton nieder, obwohl sie lieber zwischen Zane und Sally 
gesessen hätte. 

„Zane macht es schon richtig meinte Whitney, um Zane in Schutz 

zu nehmen und gleichzeitig sich selbst zu verteidigen. Obwohl Sally 
aussah, als würde sie sich von Quinton nicht alles gefallen lassen, 
wirkte dieser Mann nicht so, als wäre er mit nur einer Frau 
zufrieden. 

Zane zuckte die Schultern und setzte sich neben Whitney. „Ab 

und zu muß man ja mal an die frische Luft." Sally ließ ihre Blicke 
viel diskreter als Quinton über Zane gleiten. „Zuviel frische Luft ist 
vielleicht gar nicht so gesund", schnurrte sie und lächelte 
verführerisch. 

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Whitney wurde ärgerlich. Diese Frau war unmöglich! Warum 

wollte Zane sich überhaupt mit diesen Leuten treffen? Wenn 
Quinton doch bloß aufhören würde, sie mit seinen Blicken 
auszuziehen. Sie wünschte sich, Zane würde sie so anschauen. Der 
Kuß hatte ihr gezeigt, daß er durchaus etwas für sie empfand, 
auch wenn er nicht darüber sprechen wollte. 

Sie wandte sich ihm zu und lächelte. Wenn ihm dieses Treffen soviel 

bedeutete, konnte sie warten, bis sie wieder allein waren, dann 
würde sie schon noch herausfinden, warum es für ihn so schwierig 
war, seine Gefühle zu zeigen. Um die peinliche Stille zu 
unterbrechen, meinte sie zu Quinton: „Das Frühstück war sehr gut. 
Vielen Dank." 

„Frühstück?" Verständnislos blickte Quinton sie an, ehe er sich 

erinnerte. „Ach so, das." Er wehrte ihren Dank mit einer 
Handbewegung ab. „Das war das mindeste, was ich tun konnte, denn 
ohne Ihren Mann würde ich nicht hier sitzen." 

Bei dem Gedanken an den Unfall fing Quinton an, sich zu ärgern. Er 

glaubte nicht an Zufälle. Bestimmt war der Fahrer des Autos absichtlich 
auf ihn zugerast. Jemand hatte versucht, ihn umzubringen. 

„Ich habe immer noch nicht herausgefunden, wem der Wagen 

gehört", bemerkte Quinton. Die Nummernschilder waren auf 
einen Mann zugelassen, der schon seit drei Jahren tot war. Das 
konnte kein Zufall sein, aber ein Mann in Quintons Position hatte viele 
Feinde. Das gehörte zum Geschäft. 

So bald würde Quinton auch nichts über den Fahrer 

herausfinden, dachte Zane. 

Whitney verstand nicht, warum Quinton so ungeduldig war. „Die 

Polizei braucht eben ein bißchen Zeit für solche Untersuchungen." Sie 
war froh, daß Zane ihr erzählt hatte, was geschehen war. 
Wenigstens hatte sie ein Thema, zu dem sie etwas beitragen 
konnte, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen. 

„Die Polizei?" Quinton lachte belustigt. Es klang ein wenig von 

oben herab. Whitney bemerkte, wie er und Sally einen Blick 
tauschten. Offensichtlich war ihre Bemerkung nicht sehr klug 
gewesen. „Junge Frau, wozu hätte ich denn die Polizei rufen sollen?" 

Wieso fragte er das? „Um festzustellen, wem der Wagen gehört?" riet 

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Whitney. An Quintons Miene erkannte sie, daß er sie für 
minderbemittelt hielt. Das machte sie wütend. 

Zane kannte dieses Funkeln in ihren Augen und legte 

besänftigend eine Hand auf ihre. 

„Dafür brauche ich keine Polizei", erklärte Quinton. „Ich habe 

meine eigenen Methoden, so etwas herauszufinden." Er betrachtete 
Whitney, als wollte er noch etwas hinzufügen, schwieg aber. 

Whitney hatte das Gefühl, daß Quinton es für sinnlos hielt, ihr seinen 

Standpunkt genauer zu erklären. Statt dessen wandte er sich dem 
silbernen Champagnerkühler zu. „Nun, Schluß damit, die Sache war 
unangenehm genug. Möchte jemand Champagner?" 

Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er die grüne Flasche aus 

dem Behälter. Whitney hatte keine Lust, mit ihm zu trinken, schon gar 
nicht um diese Tageszeit. „Es ist erst ein Uhr", warf sie ein. 

In Sallys Augen spiegelte sich leise Verachtung, als sie Quinton 

ihr Glas reichte, aber er schenkte ihr nicht ein, sondern wartete auf 
Whitneys. „Hier schon, aber woanders ist es bereits Mitternacht." 

Whitney warf Zane einen raschen Blick zu. Er wollte nicht, daß sie 

unangenehm auffiel. Resigniert schob sie ihr Glas zu Quinton. 
„Ja“, stimmte sie zu, „Sie haben wohl recht." 

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4. KAPITEL 

 
Glatt - das war das richtige Wort für Richard Quinton. Er war 

gutaussehend, gebildet und konnte zu jedem Thema etwas beitragen. 
Aber irgend etwas stimmte mit ihm nicht. Vielleicht war er zu 
perfekt. Quintons Augen entging nichts. Sein kalter Blick erinnerte 
sie an den einer Wildkatze vor dem Sprung auf die Beute. 

Warum legt Zane so großen Wert auf den Kontakt mit diesem 

unangenehmen Mann? fragte sich Whitney. Gut eine Stunde saßen 
sie jetzt schon an dem Tisch, den ein Sonnenschirm beschattete. 
Meist sprach Quinton, Sally warf nur selten etwas ein oder stimmte 
ihm zerstreut zu. Whitney hatte das Gefühl, daß Quinton Sallys 
Kommentare mißbilligte, obwohl er nichts sagte. 

Aber was Whitney noch mehr störte, war, daß Quinton Zane 

von oben herab behandelte. Sehnsüchtig dachte sie an ein 
Mittagessen allein mit Zane, aber sie wußte, daß es illusorisch war. 
Zane machte einen ziemlich zufriedenen Eindruck und sah nicht so 
aus, als ob er bald aufbrechen wollte. Nun, dann vielleicht ein 
Abendessen mit ihm, dachte Whitney. 

Das Gespräch ging zäh voran. Sie sprachen über das Wetter, das Hotel 

und andere Belanglosigkeiten, und Whitney hörte aufmerksam zu. 
Gerade als Zane ein Thema anschnitt, das interessant zu werden 
versprach, kam ein Kellner an ihren Tisch. Whitney dachte zuerst, er 
wolle die Speisekarte bringen, statt dessen wandte er sich 
pflichteifrig an Zane. 

„Entschuldigen Sie, sind Sie Mr. Russell?" Zane nickte. „Ein Anruf 

für Sie. 

Überrascht blickte Whitney den Kellner an. Wie hatte er Zane 

ausfindig machen können. 

Quinton stieß mit Zane an und sagte: „Ich bin beeindruckt. 

Man scheint Sie hier zu kennen." Diese Tatsache bewies Quinton, 
daß Zane, ebenso wie er selbst, nicht irgend jemand war. Lässig 
zuckte Zane die Schultern und drückte damit aus, daß so etwas für 
ihn nichts Neues war. Er sah den Kellner an. „Können Sie mir das 
Telefon bitte bringen?" 

Der Kellner bedauerte. „Es tut mir leid, aber im Moment sind alle 

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tragbaren besetzt. Ich fürchte, Sie müssen selbst an die Rezeption 
kommen. Natürlich könnte ich auch etwas für Sie ausrichten." 

„Nein, vielen Dank. Wenn es nicht so wichtig wäre, würden sie 

hier nicht während meiner Flitterwochen anrufen." 

Sie? Wer waren „sie"? überlegte Whitney. Ihr wurde bewußt, daß sie 

immer noch keine Ahnung hatte, was Zane arbeitete, obwohl sie 
sich danach erkundigt hatte. Stets hatte er ausweichend 
geantwortet, genauso wie auf die Frage, warum sie unbedingt 
Quinton treffen mußten. 

Zane stand auf und sagte zu ihm: „Ich bin sofort zurück." Als er 

sich an Whitney wandte, sah er den Ausdruck von Panik in ihren 
Augen. Anscheinend wollte sie nicht, daß er ging. Auch Zane 
hätte sie lieber nicht mit diesen Leuten allein gelassen, aber er 
konnte es nicht vermeiden. Adams würde ihn nicht holen, wenn 
es nicht unbedingt notwendig wäre. Er wünschte, Sheridan hätte 
sich einen besseren Zeitpunkt ausgesucht. 

Zane beugte sich zu Whitney hinunter und drückte ihr die 

Hand. „Schon in Ordnung", flüsterte er beruhigend. Bevor er dem 
Kellner folgte, der auf ihn wartete, sagte er zu Quinton: „Unterhalten 
Sie meine Frau ein wenig, bis ich zurück bin." Daraufhin schritt 
Zane eilig davon. 

Quinton lächelte, als er sich an Whitney wandte. „Es ist mir eine 

Ehre." 

Seine Worte waren höflich und unverfänglich, von seinem 

Blick konnte Whitney das allerdings nicht sagen. Das war ja 
lächerlich. War sie so feige, daß sie ununterbrochen mit ihrem 
Ehemann Händchen halten mußte? 

„Und auf welche Art möchten Sie gern unterhalten werden, Mrs. 

Russell?" erkundigte sich Quinton. 

Whitney brauchte keinen Hellseher, um zu wissen, was 

Quinton meinte. Sie beschloß, den Spieß umzudrehen. Vielleicht 
fand sie heraus, warum Zane und Quinton sich verabredet hatten. 
Sie spielte mit ihrem Glas. „Sie könnten mir zum Beispiel erzählen, 
was Sie beruflich machen." 

Trotz der harmlosen Frage hob Quinton wachsam die Augenbrauen. 
„Warum wollen Sie denn so etwas Langweiliges wissen?" 

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Weil ich nichts zu sagen habe und nicht dasitzen will wie ein 

Dummchen, dachte Whitney und beschloß, wenigstens nett zu ihm 
zu sein. Sie beugte sich zu Quinton und betrachtete den 
diamantbesetzten Goldring an seiner Hand. Er war fast genauso 
kostbar wie ihrer. Offenbar quälten Quinton keine Geldsorgen. „So 
langweilig kann Ihre Arbeit gar nicht sein, wenn Sie sich so einen 
Ring leisten können." 

Quinton blickte auf seinen Ring, als würde er ihn zum erstenmal 

sehen. Er betrachtete das Spiel der Sonnenstrahlen auf dem 
Edelstein, bevor sein Blick auf Whitneys Hand fiel. „Er verblaßt 
gegen den Ihren, meine Liebe." Mit der leeren Champagnerflasche 
winkte er einem Kellner. Aufmerksam musterte er Whitney, als er 
fragte: „Mögen Sie Schmuck, Mrs. Russell?" 

Whitney war froh, endlich, ein Thema gefunden zu haben. „Ja." 
Es war ihr klar, daß Quinton dachte, alle Frauen würden 

Schmuck und schöne Kleider lieben. Für Whitney aber hatten die 
Edelsteine an ihren Fingern keine besondere Bedeutung, außer daß 
sie ihre Bindung an Zane bestätigten. Sie antwortete nur, was 
Quinton hören wollte, um es einfacher zu machen. 

Absichtlich spielte Sally an ihrer Halskette, um Whitneys 

Aufmerksamkeit auf die Steine zu lenken. Whitney gönnte ihr die 
Freude und sagte: „Ihre Kette ist sehr schön." 

Sally lächelte affektiert. „Ja, ich weiß." Sie warf Quinton einen 

gezierten Blick zu. „Er hat sie mir geschenkt." 

In diesem Moment brachte der Kellner eine neue 

Champagnerflasche und stellte sie rechts neben Quinton. 
Augenblicklich verschwand das Lächeln auf Quintons Lippen. 
„Links, Sie Trottel. Wo haben Sie gelernt? Sie sollten links von mir 
stehen!" 

Erschrocken wechselte der Kellner sofort die Seite. Quintons 

finstere Miene hellte sich auf. „So ist es besser." 

Sally bemerkte Whitneys Verwunderung und sagte: „Quinton 

ist abergläubisch." Whitney konnte nicht feststellen, ob Sally es 
ernst meinte. 

„Nein, ich glaube nicht an übersinnliche Dinge, eher an feste 

Abläufe, die man nicht verändern darf. Wenn man irgendetwas 

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verändert, ändert sich auch alles, was davon abhängt", erklärte 
Quinton. Freundlich sah er Whitney an. „Manchmal wandelt sich 
aber auch alles zum Guten. So wie gestern, als Sie und Ihr Mann 
auf dem Golfplatz auftauchten. Wissen Sie, daß Sie beide jetzt 
meine Glücksbringer sind?" 

Whitney wurde e s   mit einemmal unbehaglich. Sie sah sich nach 

Zane um. Er hatte versprochen, gleich wiederzukommen. „Vielleicht 
sollte ich nachsehen, wo Zane so lange bleibt", sagte sie zu ihrem 
Gastgeber und stand auf. 

Quinton, der ihr gerade wieder Champagner einschenken wollte, 

griff nach ihrem Handgelenk und hielt Whitney fest. Whitney 
wußte nicht, wer überraschter war - sie oder Sally. „Sie wollen mich 
doch sicherlich nicht auch verlassen, oder doch?" Er stellte die 
Flasche neben sein Glas und blickte sie an, 

Whitney versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, als Quinton 

mit dem Daumen über ihr Handgelenk fuhr. „Wissen Sie", 
bemerkte er, „Ihre Handgelenke sind sehr zierlich. Sie hätten 
genau die richtige Größe für ein Armband, das ich neulich 
erworben habe. Mit Diamanten. Fünf Karat." Er beobachtete 
Whitney genau. „Ein Kunde konnte seine Rechnung nicht 
bezahlen, stattdessen bot er mir das Armband an. Ich frage mich 
seither, was ich damit machen soll." 

Rasch sah Whitney zu Sally. Wollte ihr Quinton damit ihre 

Bemerkung wegen seines Aberglaubens heimzahlen? Sallys Augen 
sprühten vor Ärger, aber sie sagte nichts. 

„Ich fürchte, mein Mann wäre dagegen", meinte Whitney 

höflich. „Vielleicht schenken Sie es lieber Sally." 

„Ich entscheide selbst, wem ich es gebe." 
Whitney konnte diese unangenehme Situation nicht länger ertragen. 

Sie entwand sich seinem Griff und erklärte: „Ich schaue wirklich 
einmal, wo Zane steckt. Das sieht ihm gar nicht ähnlich, mich so lange 
allein zu lassen. Sie hatte zwar keine Ahnung, ob das stimmte, 
aber sie brauchte einen Vorwand, um von Quinton wegzukommen. 

„Da haben Sie recht." Quinton hatte es nicht nötig, falsche 

Bescheidenheit vorzuspiegeln. „Ich bin es nicht gewohnt, warten zu 
müssen. Jedenfalls nicht, ohne unterhalten zu werden." 

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Das wollte Whitney auf keinen Fall noch länger tun. „Ich bin 

sofort zurück", versprach sie und eilte, ohne die beiden 
nochmals eines Blickes zu würdigen, zu der Tür, die ins Hotel 
führte. Drinnen an der Rezeption war Zane nicht zu sehen. 
Whitneys Mut sank. Wo war er nur? 

Sie sprach den Portier hinter der Theke an. „Entschuldigen Sie, wissen 

Sie, wo Mr. Russell ist?" 

Der Portier schaute auf und lächelte unverbindlich. „Wer?" 
Whitney konnte sich des Gefühls nicht erwehren, daß seit ihrem 

Gedächtnisverlust alle nur noch dazu beitragen wollten, ihre 
Verwirrung zu steigern. „Der Mann, der hier einen Anruf 
entgegengenommen hat." 

Verständnislos blickte der Angestellte sie an. „Ich glaube, Sie 

irren sich. Seit ich heute im Dienst bin, hat hier niemand einen 
Anruf entgegengenommen." 

Whitney beugte sich über die Theke und legte ihre Hand auf die 

des Portiers. Er wartete geduldig. „Ein Kellner hat ihn vorhin 
geholt. Am Swimmingpool. Er sagte, jemand wolle meinen Mann am 
Telefon sprechen." Whitneys Unruhe wuchs. 

Der Portier wartete mit seiner Antwort, bis sie ihre Hand wegnahm, 

dann sagte er von oben herab: „Wenn Ihr Mann einen Anruf 
bekommen hätte, hätte man ihm einen Apparat an den Tisch 
gebracht." 

Whitney seufzte ungehalten. „Der Kellner hat aber behauptet, es seien 

alle belegt." 

Der Portier griff unter die Theke, förderte ein kleines Handy 

zutage und lächelte, als sei Whitney etwas schwer von Begriff. „Kaum. 
Ich versichere Ihnen, daß hier noch mehr von der Sorte sind." 

Whitney verstand nicht. Warum sollte der Kellner lügen? Und wo 

steckte Zane? Warum war er verschwunden? Es mußte eine Erklärung 
geben. Suchend sah sie sich um. „Gibt es hier noch eine andere 
Rezeption?" 

Der Mann hinter der Theke hatte den Eindruck, als wollte 

Whitney sich einen Scherz mit ihm erlauben. „In diesem Hotel 
nicht, fürchte ich." 

Er konnte Whitney nicht weiterhelfen. Irgend etwas stimmte nicht. Es 

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war doch ziemlich unwahrscheinlich, daß alle sie anlogen. Ihr 
blieb nichts anderes übrig, als an den Pool zurückzukehren. 
Vielleicht war Zane ja inzwischen zurückgekehrt. Whitney fühlte 
sich völlig allein gelassen. 

Als sie sich auf den Rückweg machte, sah sie ihn aus einem 

Aufzug kommen. Whitney blieb stehen. Warum war er oben im 
Zimmer gewesen? Offensichtlich hatte er sie nicht bemerkt und 
steuerte auf den Ausgang zum Pool zu. „Zane!" 

Unvermittelt, drehte er sich um. Sheridans Anruf beschäftigte ihn 

immer noch. Sheridan hatte Zanes Plan gebilligt, aber Zane war 
sich selbst gar nicht sicher, ob er das Richtige tat. Und jetzt 
Whitney! Was machte sie hier? Er versuchte, seinen Unmut zu 
unterdrücken, und wartete, bis sie ihn erreicht hatte. 

„Was tust du hier?" erkundigte sie sich. 
Konnte sie nie dort bleiben, wo sie sollte? „Dasselbe könnte ich dich 

fragen." 

Schon wieder vermied er es, direkt zu antworten. „Ich habe dich 

gesucht erwiderte sie vorwurfsvoll. „Du wolltest gleich zurück sein. 
Dieser Mann macht mich nervös." 

„Dieser Mann kann uns reich machen." 
„Wie denn?" fragte Whitney. 
„Daran arbeite ich noch", meinte Zane unbestimmt. 
Wieso war es so schwierig für ihn, klare Antworten zu geben? 

Wenigstens eine Frage wollte sie beantwortet haben. „Wo warst du 
gerade?" 

Whitney wird sich selbst immer ähnlicher, dachte Zane, nur weiß sie es 

nicht. „Ich habe telefoniert. Du warst doch dabei, als mich der 
Kellner holte." Er strich ihr das Haar zur Seite, um die Beule noch 
einmal zu untersuchen. „Fühlst du dich schlechter?" 

Whitney schob seine Hand weg. Diese Sache hatte nichts mit 

ihrem fehlenden Gedächtnis zu tun. „Nein, mir geht es nicht 
schlechter, ich bin nur furchtbar durcheinander." Was ging hier 
vor? Sie deutete auf den Portier. „Er hat mir gerade gesagt, du hättest 
gar keinen Anruf entgegengenommen. " 

Zane reagierte schnell. Er hatte nicht die Absicht, Whitney zu 

erzählen, daß er in Adams. Zimmer telefoniert hatte. „Dann hat er 

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sich falsch ausgedrückt", meinte Zane. „Vielleicht wollte er sagen, 
daß ich mit niemandem gesprochen habe, denn es war niemand am 
Apparat, als ich hinging." Zane zuckte die Schultern und schob 
Whitney sanft zur Tür. „Es war niemand in der Leitung." 

Whitney glaubte ihm. Trotzdem konnte sie das Gefühl nicht 

loswerden, daß etwas nicht stimmte. „Warum bist du nicht gleich 
zurückgekommen?" 

„Ich bin hinauf ins Zimmer gegangen." Er sah Adams, den 

Kellner, der ihn vorhin geholt hatte, an der Bar stehen. Kaum 
merklich nickte Zane ihm zu. Der andere wirkte erleichtert. „Mir 
war aufgefallen, daß ich meinen Geldbeutel oben vergessen hatte." 

Whitney verzog das Gesicht. Warum belog er sie so plump? „Deinen 

Geldbeutel? Den hast du doch heute morgen eingesteckt, bevor wir ins 
Krankenhaus fuhren." Sie erinnerte sich genau, daß er ihn von 
der Kommode genommen hatte. 

Zane schüttelte den Kopf und küßte sie nachsichtig auf die Stirn. 

„Du bist durcheinander, Schatz", versicherte er ihr. „Mein 
Geldbeutel lag auf der Kommode. Da, wo ich ihn liegengelassen 
hatte. Ich mußte ihn holen, schließlich kann ich nicht Quinton den 
Champagner zahlen lassen." 

Das war Whitney nun völlig unverständlich. „Wieso denn nicht? 

Er spielt doch offensichtlich gern den großzügigen Gastgeber. Es 
paßt zu seiner ganzen Art." 

Ohne es zu wissen, hatte Whitney den Nagel auf den Kopf 

getroffen. „Quinton erwartet, daß ich mich an der Rechnung 
beteilige. Es gehört zu den Spielregeln." 

Whitney hatte keine Lust auf derartige Spielchen. Sie wollte Klarheit. 

Seit sie heute morgen aufgewacht war, hatte eine Unklarheit die andere 
abgelöst. „Und was ist mit mir, vielleicht erwarte ich ja etwas 
anderes?" meinte sie. 

„Ich wußte nicht, daß du etwas erwartest." Whitney war hier nicht 

sicher. Mit ihr wurde alles nur noch komplizierter. Aber Zane hatte 
eine Entscheidung getroffen und mußte jetzt auch die Konsequenzen 
tragen. Es stand zuviel auf dem Spiel. „Möchtest du hinauf und dich 
ein wenig hinlegen?" 

Ist das ein Angebot? Wenn es um Quinton ging, schien Zane wie 

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umgewandelt. Weshalb interessierte Zane sich so für ihn? Die 
beiden schienen überhaupt nichts gemeinsam zu haben. 

Zane schüttelte den Kopf. „Nein, ein Vorschlag." 
Whitney seufzte, als sie durch die Hotelhalle gingen. „Du meinst, 

ich soll mich allein ausruhen?“ 

Sollte sie jemals ihr Gedächtnis wiedergewinnen, würde Zane 

wirklich Schwierigkeiten bekommen. Aber er wollte es 
durchziehen. Vielleicht würden sie zusammen darüber lachen, 
wenn alles vorbei war. „Wie willst du dich sonst ausruhen?" 

„Ich will mich überhaupt nicht hinlegen." Es hatte keinen Sinn. 

Whitney winkte ab. „Laß es gut sein, bringen wir es hinter uns." 

Sie dachte, dies wäre die erste und letzte Begegnung mit den beiden, 

dabei war es erst der Anfang. Es würde mindestens noch zwei oder drei 
Tage dauern, bis sie es hinter sich hatten, wenn alles nach Plan 
klappte. Zane senkte die Stimme. „Ich möchte, daß du zu Quinton 
nett bist. Denn er könnte für unsere Zukunft sehr wichtig sein. 

Whitney wurde ärgerlich. „Wie nett soll’s denn sein?" 
Zane verstand sofort, worauf sie anspielte. „Nicht so, wie du denkst", 

erwiderte er scharf. Glaubte sie, sie sei mit einem Zuhälter verheiratet? 

„Ich will nur, daß du freundlich bist und lächelst, wenn er dich 

ansieht. Den Rest übernehme ich." 

Whitney ließ sich nicht so leicht überzeugen. „So lange, bis der nächste 

Anruf kommt." 

In dieser Hinsicht bestand keine Gefahr. „Es wird niemand mehr 

anrufen", versprach Zane. Er hatte getan, was nötig war. Nun 
mußte er sich endgültig Quinton stellen. Zane legte den Arm um 
Whitneys Schultern und ging mit ihr an den Tisch zurück. 

„Tut mir leid", meinte er zu Quinton, „Es war unvermeidlich. Ein 

geschäftlicher Anruf." 

Überrascht schaute Whitney Zane an, während sie sich setzte. 

Wovon redete er? Er hatte ihr doch gerade erzählt, daß gar 
niemand am Telefon war. Warum log er? Als sie etwas sagen 
wollte, fing sie Zanes warnenden Blick auf. 

Quinton fragte nicht weiter nach und füllte Zanes Glas. Die 

Flasche war schon wieder fast leer. Es erstaunte Whitney, daß der 
Alkohol absolut keine Wirkung auf Quinton zu haben schien. 

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- 40 -

Quinton sah Zane wachsam an. „In welcher Branche arbeiten 

Sie, sagten Sie?" 

Zane hatte darüber noch gar nichts gesagt. Er mied das Thema 

absichtlich. Nur ein Narr würde gleich jedem erzählen, auf welcher 
Seite des Gesetzes er stand, und Quinton hatte für Narren nichts 
übrig. 

„In derselben wie Sie, Mr. Quinton." Zane nippte an seinem 

Champagner. Ihre Blicke trafen sich. Quinton versteht, was ich meine, 
dachte Zane zufrieden. „Immobilien. Bauplanung." Zane machte 
eine bedeutsame Pause, ehe er noch einen Schluck trank. „Mal 
hier, mal dort." Er stellte sein Glas wieder auf dem Tisch ab. „Wo 
Geld ist, bin ich dabei. " 

Für Whitney klang das nicht sehr überzeugend, aber wenn er sich 

einen so kostspieligen Ring für sie leisten konnte, mußte etwas dran 
sein. 

Lauernd neigte Quinton seinen Kopf. „Wie kommt es dann, daß 

ich noch nie von Ihnen gehört habe?" 

Zane lachte kurz. „Es ist nicht immer von Vorteil, allzu bekannt 

zu sein:" Er lächelte, dann fuhr er fort: „Aber Werner hat Sie ein 
paarmal erwähnt.“ 

Quinton war dieser Name offensichtlich ein Begriff. Er hob die 

Augenbrauen. „Hans Werner?" 

Zane nickte bestätigend. „Er sagte, Sie würden sich an ihn erinnern. 

Vor einigen Jahren hat er Sie in Rio kennengelernt." Zane beobachtete 
Quintons Gesicht, während er an seinem Champagner nippte. „Er 
meinte, man könne sehr gut mit Ihnen arbeiten, wenn man sich 
erst einmal auf die Geschäftsbedingungen geeinigt hätte." 

„Das stimmt." Quinton schob sein Glas zur Seite und beugte sich 

etwas vor. Sein Blick schien Zane zu durchbohren. „Woher kennen 
Sie ihn?“ 

Zane machte es absichtlich spannend. „Ich sagte doch schon, ich bin 

in derselben Branche tätig wie Sie." 

Whitney konnte sich nicht erklären, warum die beiden nur 

Andeutungen machten, anstatt zur Sache zu kommen. 

Quinton ließ Zane immer noch nicht aus den Augen. „Vielleicht 

besprechen wir das später etwas genauer, damit wir die Damen 

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- 41 -

nicht langweilen." 

Whitney wußte, daß diese Rücksichtnahme nur geheuchelt war. 

Sie und Sally störten ihn nur. Mit einemmal wollte Whitney bleiben. 
„Ich langweile mich keineswegs", versicherte sie ihm und legte 
einen Arm um Zane. „Ich will alles über die Arbeit meines Mannes 
wissen." 

Quinton betrachtete sie, als ob er an ihrem Verstand zweifelte. 

„Manchmal ist es besser, meine Liebe, wenn man nicht zuviel 
weiß." 

„Das mag schon sein. Aber an den Geschäften meines Mannes 

bin ich sehr interessiert." 

Quinton lehnte sich vor. „Hören Sie auf mich. Beschäftigen Sie 

sich lieber mit weiblicheren Dingen." Er lächelte, als er sich 
wieder zurücklehnte. „Eine so hübsche Frau wie Sie sollte ihr 
Köpfchen wirklich nicht mit Dingen belasten, die sie nichts 
angehen." 

Meinte er das ernst? Ein kurzer Blick zu Zane bestätigte Whitney, daß 

es so war. 

Quinton zog seine Geldbörse aus der Hosentasche, nahm einige 

Hundertdollarscheine heraus und warf sie achtlos auf den Tisch. 
„Sally, geh doch mit Mrs. Russell ein bißchen bummeln? Kauft euch 
etwas Schönes für heute abend." 

„Heute abend?" wiederholte Whitney. Sie hatte gedacht, sie 

würde den Abend allein mit Zane verbringen. Whitney erwartete 
eine Erklärung und blickte zu ihm. 

Quinton kam ihm zuvor. „Ja, wie ich schon sagte, Sie sind 

meine Glücksbringer. Mal sehen, ob sich das heute abend im 
Casino bestätigt." 

Sally nahm bereits die Scheine. „Eine Kreditkarte wäre doch besser", 

murrte sie. 

Quinton lachte. „Kann schon sein, aber echtes Geld fühlt sich besser 

an." Prüfend musterte er Zane. „Es gibt nichts Schöneres als das 
Knistern von Geldscheinen, nicht wahr, Russell?" 

Zane wollte nicht, daß Whitney ging, aber er konnte nichts 

dagegen tun, ohne Verdacht zu erregen, also nickte er. „Da 
stimme ich Ihnen zu. Aber sparen Sie sich Ihr Geld, Mr. Quinton, ich 

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kann es mir durchaus leisten, meine Frau selbst einzukleiden." Zu 
Whitneys Erstaunen reichte Zane ihr ein Bündel Geldscheine. 
Lauter Hunderter. 

Quinton gefiel, was er sah. „Den Eindruck habe ich auch." Er 

wandte sich an Sally. „Worauf wartest du noch? Ich habe euch 
gebeten zu gehen." 

Whitney merkte, daß Sally keine Lust hatte, sich herumkommandieren 

zu lassen. Widerwillig stand sie auf und sagte zu Whitney: „Na, dann 
kommen Sie... Whitney, nicht wahr?" Sie wartete nicht auf eine 
Antwort. „Wir sind entlassen." 

Whitney nahm ihre Handtasche. Ganz offensichtlich war Zane 

nicht gerade begeistert, daß sie ihn verließ. Das freute sie. 
Vielleicht gab es ja doch noch Hoffnung. „Bleib nicht so lange 
weg", rief er ihr nach. 

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- 43 -

5. KAPITEL 

 
Sally bewegt sich auf den Einkaufsstraßen wie eine Königin, die 

ihre Ländereien begutachtet, fand Whitney. Mit ihr im Schlepptau 
zog Sally von Laden zu Laden und gab das Geld aus, als sei es extra für 
sie gedruckt worden. Je teurer etwas war, desto besser. Besondere 
Freude schien es ihr zu machen, daß sie Quintons Geld so 
verschwenderisch ausgab. 

Sallys Kaufrausch war für Whitney sehr aufschlußreich. Sie 

merkte, daß sie selbst kein Interesse an Kleidern hatte, die ein 
Vermögen kosteten. Schlichte Eleganz bevorzugte sie. Während Sally 
drei Designerkleider kaufte, wurde Whitney auf ein blaues Satinkleid 
aufmerksam, das für ihre Figur wie geschaffen wirkte. 

Whitney nahm es vom Bügel, hielt es sich vor dem Spiegel vor 

und überlegte, ob sie es anprobieren sollte. Zu ihrer Überraschung 
sah sie, wie Sally ihr bestätigend zunickte. „Er würde Sie damit 
umwerfend finden." 

Whitney hatte ein solches Kompliment nicht erwartet. Sie 

befühlte den Stoff. „Meinen Sie?" 

Sally lächelte selbstzufrieden und wandte sich wieder ihren 

eigenen ausgewählten Sachen zu. „Vertrauen Sie mir, Schätzchen. Ich 
weiß Bescheid." 

Whitney zweifelte nicht daran. Sie ließ sich überreden, probierte das 

Kleid an und stellte fest, daß sie damit besser aussah, als sie 
gedacht hätte. Sie war überzeugt, daß Zane es wirklich phantastisch 
finden würde. Whitney zog es wieder aus und reichte es einer 
Verkäuferin. „Ich nehme es." Um Sallys Lippen spielte ein Lächeln. 

Das Kleid und die dazu passenden Schuhe waren alles, was 

Whitney kaufte, Sally dagegen machte den Eindruck, als wolle sie im 
Alleingang die Wirtschaft sanieren. Sie gingen in sechs weitere 
Läden, bevor sie zufrieden war. „Kaufen Sie immer soviel ein?" 
fragte Whitney, als 

Quintons Chauffeur sie in einer Limousine zum Hotel 

zurückbrachte. 

„Ja." Es klang nicht gerade schuldbewußt. „Wenn ich es mir 

schon gefallen lassen muß, wie Richard den Frauen nachschaut, soll er 

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gefälligst auch dafür bezahlen. Eine Frau muß für sich selbst 
sorgen. Wenn sie nicht attraktiv ist", meinte Sally und klopfte auf 
die aufgestapelten Schachteln neben sich, „dann schaut sie auch 
niemand an." Sally warf Whitney einen bedeutungsvollen Blick zu. 
„Wenn ich Sie wäre, würde ich mich daran halten." 

„An beides?" 
Sally sah ausdruckslos aus dem Fenster. „Ja." 
In Sallys Stimme schwang ein trauriger Unterton mit. Whitney 

beneidete sie nicht und fragte sich plötzlich, ob sie nicht beide im 
selben Boot saßen. Waren sich Quinton und Zane nicht sehr 
ähnlich? Entschieden wehrte Whitney den Gedanken ab, aber ein 
leichter Zweifel blieb. Sie wollte erst einmal abwarten, bevor sie 
voreilige Schlüsse über Zane zog. 

 
Die langen, ermüdenden Stunden mit Sally hatten sich gelohnt, als 

sie Zanes Reaktion auf ihr neues Kleid sah. Er, hatte den größten 
Teil des Nachmittags damit verbracht, sich um Whitney Gedanken 
zu machen. Als sie zurück ins Zimmer kam, wußte er, daß er sich 
umsonst gesorgt hatte. 

Anstatt ihm zu zeigen, was sie gekauft hatte, verschwand sie 

mit ihren Paketen im Badezimmer und blieb dort ziemlich lange. Er 
wollte gerade klopfen, da öffnete sie auch schon die Tür. 

Überrascht trat Zane einen Schritt zurück. Das blaue Kleid 

umschmiegte Whitney verführerisch. Wenn er sich nicht täuschte, trug 
sie nichts darunter. Er vermochte nicht, den Blick von ihr zu 
wenden, und fühlte, wie sie ihn erregte. „Wow", flüsterte er. 

Whitney war zufrieden. Als sie langsam auf ihn zukam, fühlte sie den 

Stoff des Kleides sanft an ihrem Körper entlangstreichen. Ob sich 
Zanes Hände auch so auf ihr anfühlen würden? Sie war 
entschlossen, es herauszufinden. „Gefällt es dir?" Whitney wußte 
schon die Antwort. 

„Ich wäre verrückt, wenn es mir nicht gefiele." 
„Gut." Sie legte ihm die Arme um den Nacken. Sie war ihm 

aufreizend nahe. Begehren flammte in seinen Augen auf. 
Endlich! dachte Whitney. Sie warf den Kopf zurück und erwiderte 
seinen verlangenden Blick. „Dann nimm das Telefon, und sag 

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Quinton, daß wir es uns anders überlegt haben." 

Zane brauchte Whitney nichts vorzuspielen. Glühend wünschte 

er, daß alles anders gekommen wäre, aber im Moment hatte er 
nicht die Freiheit zu tun, was er gern getan hätte. Wahrscheinlich 
werde ich niemals die Freiheit dazu haben, dachte er bedauernd. 
Denn wenn Whitney nicht das Gedächtnis verloren hätte, wäre das 
hier überhaupt nicht passiert. 

Von Anfang an hatte sie die Positionen klar abgesteckt. Es tat 

Zane aufrichtig leid, als er vorsichtig Whitneys Arme von seinen 
Schultern nahm. „Geht nicht." 

Was war bloß mit Zane los? War sie nicht verführerisch genug? Sein 

Verlangen schien erloschen zu sein. Jedenfalls fast, dachte Whitney 
etwas versöhnt, als ihr Blick an seinem Körper nach unten glitt. 
Trotzdem war sie enttäuscht. So hatte sie es sich nicht vorgestellt. 
Sie wollte, daß er sie in die Arme nahm und küßte. Er sollte sie in 
einer Welt beschützen, die so neu für sie war, denn er war alles, 
was sie hatte. 

Sein Hemd war offen. Whitney fuhr mit den. Fingerspitzen leicht 

über das weiche Brusthaar und sah in Zanes Augen erneut 
Begehren aufblitzen. Vielleicht mußte sie ihn nur ein wenig 
ermutigen. „Ich dachte, wir seien in den Flitterwochen." 

Er faßte ihre Hand. „Das stimmt. Aber es ist nichts dabei, Vergnügen 

und Geschäft zu verbinden." 

Bisher hatte Whitney nur die geschäftliche Seite kennengelernt. Jetzt 

wollte sie endlich auch etwas vom Vergnügen haben. 

„Ich weiß nicht recht." Resigniert drehte sie ihm den Rücken zu 

und machte einen letzten Versuch. „Hilf mir bitte mit dem 
Reißverschluß. Hoch oder runter, es ist deine Entscheidung." 

Zane seufzte. Whitney erschauerte, als sie seinen Atem im 

Nacken spürte. Zane zog den Reißverschluß entschlossen nach 
oben. „Hoch, und es ist nicht meine Entscheidung." 

Whitney drehte sich wieder um und glättete das Kleid an den Hüften. 

Sie sah doch, wie er sie anblickte. Warum tat er nichts?

.

 „Wessen 

dann? Ich sehe hier sonst niemand." 

Doch, es gab jemand. Es war die andere Whitney, und wenn sie sich 

erinnern würde, bekäme er die Rechnung präsentiert. Die würde 

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- 46 -

ziemlich saftig ausfallen, das wußte er. Zane sah ihr ins Gesicht. 
„Whit, eines Tages, wenn du dein Gedächtnis wieder hast, wirst 
du es verstehen." 

Whitney dachte an den Anruf, den Zane nicht 

entgegengenommen hatte, obwohl er es, Quinton gegenüber 
behauptet hatte, und an die Geldbörse, die er angeblich geholt hatte, 
obwohl sie beide wußten, daß Zane sie, die ganze Zeit bei sich 
gehabt hatte. Nein, Whitney glaubte nicht, daß ein wiedererlangtes 
Gedächtnis ihr dabei geholfen hätte, das zu verstehen, geschweige 
denn alles andere, was ihr Verwirrung bereitete. 

Wer war dieser Mann eigentlich, von dem sie hoffte, daß er sie 

aus der Dunkelheit führte, in der sie herumirrte? Bisher hatte er sich 
jedenfalls nicht wie ein frischverheirateter Ehemann benommen. 
Und was ihr Gedächtnis betraf, war sie nicht sehr zuversichtlich, daß es 
sich bald bessern würde. 

„Ich weiß nicht, ob ich mich überhaupt jemals wieder an etwas 

erinnern werde." 

Das klingt nicht nach Whitney, dachte Zane. Sie war zwar realistisch, 

trotz allem aber auch eine überzeugte Optimistin, manchmal so 
sehr, daß es ihn wahnsinnig machte. „Hab Geduld, Whitney. Es 
ist noch nicht einmal einen Tag her." 

Er knöpfte sein Hemd zu. Ungeschickt fingerte er an den kleinen 

Perlmuttknöpfen herum, und gab schließlich entnervt auf. Als er 
aufblickte, sah er, daß Whitneys Enttäuschung echt war. Es mußte 
wirklich schlimm für sie sein. 

Ein Träger ihres Kleides rutschte ihr von der Schulter. Sie schob ihn 

wieder hinauf. „Ich weiß überhaupt nicht, was du von mir 
erwartest." 

Zane fühlte sich schuldig, weil sie verletzt war und er ihr nicht die 

Wahrheit sagte. „Du bist wundervoll. Mach einfach weiter so." 
Quinton erwartete sie in perfekter Abendgarderobe, also nahm 
Zane den Kampf mit den Knöpfen wieder auf. Die halbe 
Knopfleiste hatte er noch vor sich. „Deswegen habe ich dich 
geheiratet", fügte er aufs Geratewohl dazu. 

„Ist das der einzige Grund?" 
Zane wußte, was sie hören wollte. Was er ihr unter den 

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- 47 -

gegebenen Umständen verraten konnte, war wenig genug. Sorgfältig 
wählte er seine Worte, mit denen er der Wahrheit unbewußt sehr nahe 
kam. „Nein. Ein anderer Grund war, daß ich mich sofort in dich 
verliebt habe, als ich dich zum erstenmal sah. In deinen Augen 
brannte ein Feuer, das mich in seinen Bann zog. Ich hätte mir das 
Leben nicht mehr anders als mit dir vorstellen können." 

Whitney lächelte gerührt.. Sie schob seine Hände weg und 

knöpfte sein Hemd selbst zu. 

„Außerdem bist du immer da, wenn ich dich brauche", ergänzte 

er, als sie fertig war. 

Sie sah ihm zu, wie er sich kämmte, und unterdrückte den 

Wunsch, ihm das Haar wieder zu zerwühlen. „Ich dachte, du 
hättest mich vielleicht geheiratet, weil ich gut im Bett bin." 

Diese Bemerkung traf ihn unvermutet. Zane sah sie im Spiegel 

an. Spontan erwiderte er: „Du bist die Beste. Vermutlich wollte 
sie das hören. Er hatte keine Ahnung, ob sie es tatsächlich war, aber er 
tippte auf ja. 

Zane ärgerte sich über sich selbst. Es war sinnlos, darüber 

nachzudenken. Ganz am Anfang hatte er beschlossen, eine 
bestimmte Grenze nicht zu überschreiten, und Whitney hatte ihm 
keinen Anlaß gegeben, an seinem Entschluß zu zweifeln. 

Dann haben wir also doch vor der Hochzeit miteinander geschlafen, 

dachte Whitney. Aber warum hatte er sich dann so geziert, als sie 
heute morgen ins Bad gekommen war? Wenn sie sich geliebt 
hatten, hatte sie ihn doch vorher schon nackt gesehen. Wie sie es auch 
drehte, sie konnte es sich nicht erklären. 

Zane beobachtete sie. Erinnerte sie sich? Wenn ihr Gedächtnis 

zum falschen Zeitpunkt zurückkehrte, ihr etwas herausrutschte 
und sie etwas zu Quinton sagte... Zane fühlte sich wie auf einem 
Pulverfaß, das jeden Moment in die Luft fliegen konnte. 

Unvermittelt legte Whitney ihm die Hand auf den Arm. „Dann zeig’s 

mir", drängte sie leise. „Wir haben noch ein bißchen Zeit. 

Wenn das alles vorbei war, hatte er sich bestimmt eine Medaille 

verdient. „Nein, haben wir nicht." Zane entzog ihr seinen Arm, um 
auf die Uhr zu schauen. Sie hatten sich schon leicht verspätet. „Und 
außerdem solltest du dich schonen.“ 

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Whitney seufzte. „Der Einkaufsbummel mit Sally war auch nicht 

gerade ein Vergnügen. Wenn sie nicht über Schmuck, Kleidung 
oder Männer redete, fragte sie mich aus. Es war ziemlich anstrengend." 

Zane zog die Augenbrauen hoch. „Was für Fragen?" 
„Über uns, über dich. Ich antwortete absichtlich nur vage, weil ich 

ja selbst keine Ahnung habe. Wahrscheinlich dachte sie, ich sei 
schüchtern. Und ich glaube, sie hat etwas für dich übrig." 

„Das bildest du dir ein." Natürlich hatte er bemerkt, wie Sally ihn 

angesehen hatte. Er hatte Whitney nicht um den Ausflug mit ihr 
beneidet, aber für ihn war der Nachmittag sehr erfolgreich verlaufen. 
Es war ihm gelungen, Quintons uneingeschränktes Vertrauen zu 
gewinnen. 

Zane band sich eine schwarze Krawatte vor dem Spiegel. „Und 

von welchen Männern habt ihr gesprochen?" 

„Ich kann mich ja an keine erinnern, aber Sally ließ mich gar nicht zu 

Wort kommen", antwortete Whitney, „und ich habe das Gefühl, 
sie gibt sich nicht damit zufrieden, den Männern nur 
hinterherzuschauen." 

Zane schlug den Hemdkragen um. „Solange Quinton sie nicht 

dabei erwischt." 

Die Hölle wäre los, wenn das passierte, dachte Whitney. Sie 

lachte. "Wenn du mich fragst, sie haben einander verdient." 

Zane prüfte den Inhalt der Geldbörse, bevor er sie einsteckte. Er 

wandte sich zum Gehen. „Da stimme ich dir zu." 

Whitney holte ihn ein, bevor er die Hand an der Türklinke hatte. 

„Warum haben wir es dann so eilig, die beiden zu treffen?" 

Zane begehrte sie, davon war Whitney überzeugt. Und sie 

begehrte ihn. Wieso sollten sie hinuntergehen, wenn sie sich hier oben 
einander soviel geben konnten? 

Wirklich. Sie machte es ihm verdammt schwer. Zane ließ die 

Hand durch ihr Haar gleiten und streichelte ihre Wange. Die 
bloße Berührung erregte ihn. Jetzt durfte er nicht nachgeben. „Es ist 
nicht so, daß ich nicht will, Whitney. Ich kann nicht. Wir können 
beide nicht.“ 

„Wegen meiner Gesundheit, ich weiß", meinte sie enttäuscht. 

Sie hatte gehofft, daß sich alles ändern würde, wenn sie mit Zane 

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- 49 -

schlief. Das wäre gut für ihre Gesundheit gewesen, und selbst 
wenn sie dadurch nicht ihr Gedächtnis wiedergewinnen würde, 
hätte sie doch zu gern gewußt, wie es war. 

„Richtig, deiner Gesundheit wegen", bestätigte Zane. Er nahm 

ihre Handtasche vom Bett und hielt sie ihr hin. „Komm jetzt, die 
anderen warten schon." 

Resigniert hängte sich Whitney die kleine Handtasche über die 

Schulter. 

„So ist es gut." Erleichtert küßte Zane sie auf die Stirn. 
So schnell kommst du mir nicht davon, dachte Whitney. Als er 

die Tür öffnete, legte sie ihre Hand auf seine. „Warte." 

Was kam jetzt? Erwartungsvoll sah er sie an. 
„Einen für unterwegs", verkündete sie und küßte ihn. Ihr Mund auf 

seinem bot ihm einen. verlockenden Vorgeschmack darauf, worauf 
er gerade verzichten wollte. Überrumpelt erwiderte Zane ihren Kuß. 

Er hatte doch keine Zeit für solche Dinge. Sie mußten gehen. 

Vergeblich kämpfte er gegen die Versuchung an. Er streichelte ihre 
bloßen Schultern, den Rücken und drückte Whitney fest an sich, bis 
ihm klar wurde, daß er es niemals bis zum Aufzug schaffen würde“ 
wenn er sie auch nur einen Augenblick länger festhielte. 

Bedauernd löste er sich von ihr. „Jetzt sollten

 

wir wirklich tun, 

was wir vorhatten." 

Whitney lächelte ihn schalkhaft an. „Wir waren gerade schon dabei." 

Ihr Herz klopfte heftig. Sie fühlte sich, benommener als heute 
morgen, nachdem sie aufgewacht war. 

So hatte Zane sie noch nie gesehen. Sie war ja richtig sinnlich, 

aber schließlich war sie nicht sie selbst. Das durfte er nicht 
vergessen. Und er mußte auf sie aufpassen und sie beschützen, bis 
alles wieder in Ordnung war. Aber wer würde ihn vor ihr schützen? 
Und vor sich selbst? „Ich meine ins Casino", erwiderte er. 

Whitney lachte, als er ihr die Tür öffnete. „Bist du immer so fest 

entschlossen?" 

„Meistens." Zane schloß die Tür hinter ihr. 
Sie schüttelte den Kopf. „Ich erinnere mich zwar an nichts 

Genaues, aber mein Körper reagiert sofort, wenn ich in deiner 
Nähe bin. Du mußt ein toller Liebhaber sein, wenn ich einfach nicht 

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von dir lassen kann." 

Zane lächelte, als er mit ihr zum Aufzug ging. „Das hat man mir auch 

schon gesagt." 

Whitney drehte sich zu ihm und lehnte sich an die Wand. „Wer? 

Die Schar von Verehrerinnen, die es vor mir gab?" 

Zane versuchte, nicht auf ihre festen Brüste zu schauen, die sich 

deutlich unter ihrem Kleid abzeichneten. Eine Medaille - von wegen, 
einen Orden müßte er bekommen. Er wies auf den Knopf. „Holst du 
den Aufzug, bitte?" 

„Ja, Sir", neckte sie ihn und drückte auf den Knopf. 
 
Im Casino gab es keine Uhren. Für die Leute, die hier ihren 

Glücksspielen nachgingen, schien die Zeit keine Rolle zu spielen. 
Whitney hatte ihre Armbanduhr im Zimmer gelassen, aber sie 
schätzte, daß sie schon mindestens drei Stunden hier unten war. 
Viel zu lange, dachte sie und blickte zu Quinton. 

Anfangs war es noch unterhaltsam gewesen, den Abend mit 

Leuten zu verbringen, die man normalerweise nie zusammen an einem 
Ort angetroffen hätte, doch allmählich wurde Whitney ungeduldig. 

Hier konnte sie die unterschiedlichsten Menschen beobachten, 

von ungeübten Anfängern, deren Augen hoffnungsvoll leuchteten, 
bis zu denen, die vor ihrer Zeit gealtert waren, weil sie ihre Zukunft an 
falsche Träume vom großen Geld verschwendet hatten. Whitney 
sah Frauen an den einarmigen Banditen stehen, die vor Freude 
aufschrien, wenn die Maschine ein paar Münzen ausspuckte. Dann gab 
es hartgesottene Spieler, die auf Karten oder Würfel Summen 
setzten, die Whitney den Atem raubten. 

Quinton gehörte zu der letzten Kategorie. Er hatte darauf bestanden, 

daß sie und Zane den ganzen Abend in seiner Nähe blieben, und 
zwar links von ihm. Whitney hatte zuerst gedacht, er mache 
Spaß, aber Quinton hatte ihr mitgeteilt, daß er beim Spielen 
niemals scherze. 

Je mehr er gewann, desto überzeugter war er davon, daß sie wirklich 

seine Glücksbringer waren. Deshalb durften sie nicht von seiner 
Seite weichen. Daß Quinton so beharrlich weiterspielte, machte 
Whitney langsam nervös, aber Zane schien es nicht zu stören. Im 

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- 51 -

Gegenteil. 

Der Abend hatte mit Würfelspiel begonnen, dann hatte Quinton sein 

Glück mit Karten versucht. Jetzt saß er am Roulettetisch. Whitney 
wurde immer nervöser. Es ermüdete sie, nur dekorativ herumzustehen, 
um Quinton aufzuheitern, obwohl ihr nicht danach zumute war. Sie 
wollte zurück in ihr Zimmer und mit Zane allein sein. 

„Wenn das so weitergeht, stehen wir morgen früh noch hier herum", 

flüsterte sie Zane zu. Er lächelte und nickte, machte aber nicht den 
Eindruck, als wollte er gehen. 

Um den Roulettetisch waren alle Plätze besetzt. Die Leute hatten sich 

an Quinton gehängt, als sie sahen, daß er eine Siegesserie hatte, 
und waren ihm von Tisch zu Tisch gefolgt. Whitney spürte Zanes 
Anspannung, obwohl man es an seinem Gesicht nicht hätte erkennen 
können. 

Ein fremder Beobachter würde denken, er sei ruhig und 

entspannt. Aber Whitney, kam es so vor, als wäre sie imstande, 
hinter seine Fassade der Lässigkeit zu sehen. Vielleicht verbindet uns 
beide wirklich etwas, dachte sie, etwas, das über das Übliche 
hinausgeht. 

Sally glänzte an Quintons Seite in einem der Kleider, die sie 

heute nachmittag gekauft hatte. Ihre sorgfältig geschminkten Augen 
wurden jedesmal ganz groß, wenn sich das Rad drehte. Die Bank zu 
sprengen schien Quinton auf lange Sicht nicht möglich zu sein, aber 
Zane hatte sein Bestes getan, um Quintons Spiel in einem 
angemessenen Rahmen stattfinden zu lassen. 

Er hatte ihm geraten, sich am Anfang zurückzuhalten, aber 

Sicherheit hatte für Quinton keinen großen Reiz. Inzwischen war er bei 
einem Einsatz angelangt, der achtfachen Gewinn versprach. Sein 
Chip deckte die Zählen von siebzehn bis zwanzig. Die Kugel blieb 
auf der Zwanzig 

-

liegen. 

„Du hast schon wieder gewonnen!" rief Sally. Ihre Augen leuchteten, 

als sie sah, wie sich der Stapel von Chips vervielfachte. Quinton sonnte 
sich einen Moment lang in der Bewunderung der Menge, dann 
schob er den ganzen Haufen nach vorn und setzte auf zwei 
Zahlen. „Lassen wir’s mal drauf ankommen." 

Irritiert blickte der Croupier zu ihm hinüber. Falls eine der beiden 

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Zahlen gewinnen sollte, würde sich die Summe von fünfzigtausend 
auf fünfhunderttausend Dollar erhöhen. „Ich fürchte, ich muß erst mit 
dem Casinomanager sprechen. Er wandte sich an den Spielleiter 
am nächsten Tisch, der nickte und aufstand. 

Quinton rieb sich die Hände und blickte zu Zane. „Nun, was 

halten Sie von diesem Leben, Russell?" Zane sah sich um. Quinton 
stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Für Zane wäre das 
nichts gewesen, aber Quinton schien es zu genießen. „Es hat seine 
Vorteile", meinte Zane. 

„In der Tat." Quinton schnippte einen Chip über den Tisch. Er 

landete bei einer Frau, die ihn die letzte halbe Stunde mit 
unverhohlenem Interesse betrachtet hatte. „Was habe ich bisher nur ohne 
Sie beide gemacht?" Im Siegesrausch schob Quinton Whitney einen 
Stapel Chips hin. Widerwillig nahm sie ihn an. „Das werde ich 
euch nie vergessen", versicherte er Zane. 

Zane wußte jedenfalls genau, daß Quinton es ihnen niemals 

vergessen würde, wenn er diese Runde verlieren sollte, falls Sheridans 
Theorie stimmte. 

Er will sich bei Quinton einschmeicheln, dachte Whitney. An 

Zanes Gesicht erkannte sie, daß alles lief, wie er es sich vorstellte, auch 
wenn ihr nicht klar war, wohin das führen sollte. Als sie Zane 
vorhin einmal gefragt hatte, ob er sich Unterstützung  von Quinton 
bei irgendwelchen Geschäften erhoffte, war er sehr vage geblieben. 

Glaubte er etwa, sie würde es sowieso nicht verstehen? Es gefiel 

ihr nicht, daß er sie wie ein Dummchen behandelte. Sie fragte sich, ob 
er nicht ein falsches Bild von ihr hatte. Whitney wollte sich nicht mit 
der Rolle der Frau begnügen, die sich immer nur im Hintergrund 
hielt. 

Jedesmal, wenn Whitney dachte, jetzt hätte sie Zane verstanden, 

veränderte er sich wieder. Aber wie konnte sie erwarten, Zane in 
weniger als vierundzwanzig Stunden zu durchschauen? Trotzdem 
fiel es ihr schwer, ihre Ungeduld zu zähmen. 

Der Croupier vom anderen Tisch kehrte zurück und nickte. Ein 

Murmeln ging durch die Menge und verebbte, als die Kugel erneut 
rollte. Fast war es, als hielten alle die Luft an. Whitney sah nicht auf 
die Kugel, sondern betrachtete Zanes Gesicht. Für ihn schien von 

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diesem Spiel genauso viel wie für Quinton abzuhängen. 

Das Rad lief jetzt langsamer. Die kleine silberne Kugel sprang hin und 

her und konnte sich noch für keine Zahl entscheiden. Kurz bevor 
das Rad zum Stillstand kam, fiel sie auf die Sieben. Quinton hatte 
auf die Achtundzwanzig und Neunundzwanzig gesetzt. Da sprang 
die Kugel noch einmal aus ihrer Position. Sie blieb im Fach mit der 
Nummer neunundzwanzig liegen. 

„Ich habe gewonnen!" Quinton umarmte Sally. „Ich habe 

gewonnen!" Es war kein Freudenschrei, eher eine zufriedene 
Feststellung, eine Bestätigung seiner Unbesiegbarkeit. Jubel wogte 
durch die Menge hinter Quinton. 

Der Croupier hingegen sah nicht sehr glücklich aus, als er 

Quinton seinen Gewinn hinüberschob, den dieser seinem bereits 
vorhandenen Stapel hinzufügte. Quinton machte den Eindruck, als 
wollte er jetzt erst richtig anfangen. Zane wußte, daß er als nächstes 
auf eine einzige Ziffer setzen würde. Die Chancen standen 
fünfunddreißig zu eins. Es war fast unmöglich, zu gewinnen. Das, 
heißt, es war Zeit aufzuhören. 

„Vielleicht lassen Sie es gut sein für heute abend", schlug Zane 

vor. 

Quinton lehnte ab. Er hatte Geschmack am Gewinnen gefunden und 

sonnte sich in seinem Glück. „Ach was, ich könnte noch 
stundenlang weiterspielen!" 

Daran zweifelte Zane nicht. „Ich weiß", erwiderte er, „aber es 

gehört auch zum Spiel, zu wissen, wann es genug ist, und ich habe das 
Gefühl, daß der Zeitpunkt jetzt gekommen ist." 

Quinton nahm ein Glas vom Tablett eines vorbeikommenden 

Kellners und prostete Zane und Whitney zu. „Nun, dann auf Ihr 
Gefühl, wenn Sie meinen." Mit seinen grauen Augen blickte er Sally 
an, die immer noch an seinem Arm hing. „Ich bin sicher, Sally hat 
auch schon bemerkt, daß Sie einen guten Instinkt haben." 

„Aber ich habe nur Augen für dich, Richard", schnurrte sie. 
„Natürlich, meine Liebe. Solange ich es will." Der Assistent des 

Croupiers räumte Quintons Chips zusammen, um sie zum Einlösen 
zu bringen. „Wollen Sie mal etwas Besonderes sehen?" fragte 
Quinton Zane. „Ich könnte etwas arrangieren, wenn Sie 

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möchten." Ein Wort von ihm hätte genügt, und das Management 
hätte den Saal räumen lassen. Das gehörte zu den Privilegien, die 
Quinton hier genoß. 

Zane legte Whitney den Arm um die Schultern und zog sie an 

sich. „Das klingt sehr verlockend, aber vielen Dank. Ich glaube, 
wir gehen lieber nach oben. Whitney ist ein bißchen müde." 

Daß eine Frau einen eigenen Willen haben könnte, wäre Quinton nie 

eingefallen, aber in diesem Fall nahm er die Entschuldigung an. 
„Natürlich. Russell", sagte er, als sie gehen wollten. „Treffen wir 
uns morgen wieder am Pool zur selben Zeit wie heute? Ich würde 
gern über Ihren Vorschlag sprechen." 

Genau das wollte Zane hören. „Wir werden dasein", versprach 

er und wünschte eine gute Nacht. 

Whitney wartete, bis sie das Casino verlassen hatten. 

„Vorschlag?" Zane nickte. „Ich erklär’s dir später." Whitney 
bezweifelte, daß sie sich darauf verlassen konnte. 

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6. KAPITEL 

 
Whitney kam aus dem Badezimmer und bürstete sich das Haar. 

Ihr nachdenklicher Gesichtsausdruck gefiel Zane nicht, und noch 
weniger das blaue Nachthemd unter ihrem offenen Bademantel, 
denn der Anblick machte es ihm schwer, seinem Vorsatz treu zu 
bleiben, die Hände von ihr zu lassen. 

Das Nachthemd gehörte zu der Ausstattung, die sie 

mitgenommen hatten, um die Illusion eines frischverheirateten 
Paares aufrechtzuerhalten, falls ihr Zimmer durchsucht werden sollte. 
Hatte sie nicht auch ein paar schlichtere Sachen für die Nacht? Wo 
war das große Footballhemd, das sie so gern mochte? Warum zog 
sie nicht das an? Weil sie dachte, sie sei in den Flitterwochen. Nun, er 
hatte eher das Gefühl, sich in der Hölle zu befinden. 

Whitney legte die Bürste auf die Kommode und sah Zane im 

Spiegel an. Sie mußte ihn etwas fragen. „Hast du in diesem Hotel ein 
Zimmer genommen, weil Quinton auch hier ist?" 

Wenn sie schon auf diese Idee kam, was mochte dann wohl 

Quinton denken? Zane ließ sich nichts anmerken und schlug die 
Bettdecke auf seiner Seite zurück. 

Er wich ihrem Blick aus. „Nein. Woher hätte ich das wissen sollen?" 

Zane hatte die Befürchtung, daß es eine Katastrophe geben 
würde, wenn sie zu Bett gingen. „Ich habe dir doch schon erzählt, daß 
wir uns mit ihm getroffen haben, weil ich ihm das Leben, gerettet 
habe. Du warst dabei." 

Whitney nickte. „Ich weiß, du hast ihn zur Seite gestoßen, als ein 

Auto den Abhang hinunter auf ihn zuraste." 

Zane sah ihr an, daß sie ihm nicht ganz glaubte. Kurz überlegte 

er, ob er ihr nicht doch die Wahrheit sagen sollte, dann ließ er 
den Gedanken fallen. Wenn sie jetzt die Wahrheit erfuhr, wurde 
vielleicht alles noch schlimmer, und das durfte er nicht riskieren. 
„Richtig." 

Er ist mein Mann, dachte Whitney. Wieso sollte er lügen? Trotzdem, 

irgend etwas stimmte nicht. Sie zuckte die Schultern, schlüpfte 
aus dem Bademantel und warf ihn ans Fußende des Bettes. „Es 
sieht nur so aus, als sei es kein Zufall.“ 

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Zane hatte Schwierigkeiten, ihr zu folgen. Solange sie noch den 

Bademantel angehabt hatte, konnte er sich noch einigermaßen 
sicher fühlen, aber sie in diesem Nachthemd vor sich stehen zu 
sehen raubte ihm endgültig den Atem. Er schluckte. Der 
hauchdünne durchsichtige Stoff ließ ihn erkennen, daß sie unglaublich 
schön war. Er wünschte sich auf den Mond und zwang sich zu 
überlegen, wovon sie gesprochen hätten, anstatt sie weiter 
anzustarren. 

Er schluckte und blickte ihr ins Gesicht. „Was willst du denn 

damit sagen?" 

Hilflos breitete sie die Arme aus. „Ich weiß nicht." Sie ging um 

das Bett herum zu ihm. Als das Nachthemd seinen Arm streifte, 
spannte sich Zane an. Whitney schaute ihm in die Augen. „Das ist es 
ja. Ich habe keine Ahnung." Ohne ihren Unwillen zu verbergen, 
fügte sie hinzu: „Und jedesmal, wenn ich dich frage, weichst du 
mir aus." 

Zanes ganzes Verhalten kam ihr merkwürdig vor. Einmal war er der 

liebende Ehemann, dann wieder ein knallharter Geschäftsmann. 
Welcher von beiden war der echte Zane? „Ich will, daß du mir 
meine Fragen ehrlich beantwortest." 

„Das verstehe ich." Aber solange sie weiter so vor ihm stand, war es 

ihm völlig unmöglich, irgendwelche Fragen zu beantworten. Er 
nahm ihre Hand, zog Whitney aufs Bett und setzte sich neben sie. 
„Gut. Was willst du wissen?" 

Alles, dachte sie. Wer sie war, wer er war. Was sie hier zu 

suchen hatten. Warum er sich so abweisend verhielt, obwohl sie 
genau spürte, daß er sie begehrte. Whitney versuchte, ihre Gedanken 
zu ordnen. Sie wollte beim heutigen Tag beginnen. „Warum es dir 
soviel bedeutet, zu Quinton so freundlich zu sein? Und erzähl mir 
nicht, daß es aus geschäftlichen Gründen wichtig ist. Ich will genau 
wissen, worum es sich dabei handelt.“ 

Damit hatte Zane gerechnet. „Das ist kein großes Geheimnis, 

Whitney. Richard Quinton ist ziemlich reich und hat mehrere Eisen im 
Feuer. Unter anderem gehört ihm ein Grundstück in Bedford 
Valley. Es liegt am Südende von Orange County in Kalifornien", 
fügte Zane hinzu. „Ein riesiges Stück Bauland." 

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- 57 -

Erleichtert glaubte er festzustellen, daß Whitney ihm das 

abnahm. 

„Ich will mit ihm zusammenarbeiten, das Grundstück für ihn 

verwalten und mit den Baufirmen verhandeln. Die Pläne sind 
großartig, und eine Menge Geld würde auch dabei 
herausspringen." 

Das klang überzeugend. „Das ist also dein Beruf." Bei den 

ganzen Unklarheiten des heutigen Tages hatte sie trotzdem noch 
keine genaue Vorstellung. „Bist du ein Immobilienmakler?" 

Zane nickte. Er erzählte ihr dasselbe, was er Quinton anfangs gesagt 

hatte. Der Rest hatte sich von selbst verstanden, nachdem er den 
Namen Werner ins Spiel gebracht hatte. „Unter anderem", 
bejahte Zane. 

Whitney hatte das Gefühl, daß er ihr etwas verheimlichte. 

„Was denn noch?" erkundigte sie sich beharrlich. 

„Ich bin Unternehmer." Damit konnte alles mögliche gemeint 

sein. Auch Quinton bediente sich dieser bewußt allgemein 
gehaltenen Bezeichnung. „Ich ergreife günstige Gelegenheiten, 
wenn es sich ergibt. Der Handel mit Grundstücken ist momentan 
ziemlich lukrativ." Zane nahm Whitneys beringte Hand, bedacht 
darauf, nicht auf ihre Oberschenkel zu blicken. „Und bis jetzt kann 
ich mich eigentlich nicht beschweren." 

Whitney fühlte ein Prickeln auf der Haut. Sie bemerkte, daß Zane es 

vermied, sie anzuschauen. Warum spielte er dieses Spielchen? 
Weshalb ging er nicht einfach mit ihr ins Bett? „Sprichst du von 
mir oder von dem Schmuck?" fragte sie. 

Zane ließ ihre Hand los und stand auf. Er hielt es unmöglich 

aus, noch länger neben ihr zu sitzen, obwohl er doch nichts lieber 
wollte, als sie an sich zu reißen, ihr das Nachthemd- ausziehen und 
sie zu lieben. Er brauchte eine kalte Dusche und einen ebenso 
kalten Drink. „Beides", antwortete er. 

Whitney hatte nicht den Eindruck, so steif wie er dastand. Sie erhob 

sich ebenfalls. „Und ich?" 

„Wie meinst du das?" fragte Zane. 
„Was tue ich, wenn ich mir nicht gerade den Kopf anschlage 

und während meiner Flitterwochen das Gedächtnis verliere?" 

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- 58 -

Sie war ihm schon wieder viel zu nahe. Unauffällig rückte Zane 

in Richtung Kommode. „Du bist meine Frau. Du liebst mich." 

Das konnte nicht alles sein. Es mußte noch mehr geben. „Ist das 

alles?" 

Zane lächelte. Da war wieder die andere Whitney, auch wenn 

sie selbst es nicht wußte. Und wenn diese andere Whitney ihn 
dabei erwischt hätte, wie er sie mit den Blicken förmlich 
verschlang, hätte sie ihn umgebracht, davon war er überzeugt. „Na 
ja, meine Ehefrau bist du ja erst seit ein paar Tagen." 

Es fehlte trotzdem noch etwas. „Habe ich keinen Beruf, keine 

Arbeit?" 

Zane erzählte ihr, was ihm gerade einfiel. „Du hast in einer 

Versicherungsgesellschaft gearbeitet. " Als er ihr entsetztes Gesicht 
sah, fügte er eilig hinzu: „Aber du warst froh, als du kündigen 
konntest." 

Whitney hörte sich das alles an, als spräche er von einer völlig 

fremden Person. Hatte sie nicht irgend etwas erreichen, etwas 
Besonderes werden wollen? Ärztin, Rechtsanwältin, Journalistin? 
Irgend etwas, nicht nur eine Nummer unter vielen! 

Zane erriet ihre Gedanken. Sie mochte sich selbst nicht kennen, 

aber er tat es, und er zweifelte daran, daß sie sich mit dieser 
Information zufriedengeben würde. Whitney nahm die Dinge gern 
selbst in die Hand, nur Aufgaben auszuführen war nie ihre Sache 
gewesen. 

„Kommt dir das irgendwie bekannt vor, Whit?" fragte er sie, obwohl 

er die Antwort schon vorher wußte. Ihr verwirrter Blick machte 
ihm ein schlechtes Gewissen, aber er konnte ihr nicht helfen, ohne 
gleichzeitig andere Dinge zu gefährden. Er glaubte nicht, daß sie 
sich an alles erinnern würde, wenn er nur die richtigen Worte sagte. 
Das gab es nur im Kino. 

Wovor er sich fürchtete, war, daß sie, wenn er ihr auch nur ein 

Körnchen Wahrheit erzählte, im falschen Moment damit 
herausplatzen könnte und sie beide in tödliche Gefahr brächte. 
Das durfte er nicht riskieren. Wer hätte gedacht, daß er jetzt 
auch noch den Aufpasser spielen mußte, nachdem sie doch schon 
so weit gekommen waren? 

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- 59 -

„Nein", sagte Whitney langsam, „nichts davon hört sich auch 

nur entfernt bekannt an." 

Zane mußte sich zusammennehmen, um sie nicht in die Arme 

zu nehmen. Sie sah bezaubernd aus. „Der Arzt im Krankenhaus 
meinte, es würde einige Zeit dauern." 

Whitney erinnerte sich. „Er sagte, es könne vielleicht auch nie 

wieder gut werden." 

Zane war inzwischen um das Bett herum auf die andere Seite 

gegangen. „Das glaube ich nicht." 

Einen kurzen Augenblick hatte sich Whitney erlaubt, in Selbstmitleid 

zu versinken, aber bei seinen Worten schöpfte sie wieder 
Hoffnung. „Wirklich?" 

Vielleicht, wenn er ihr die Wahrheit sagte - doch Zane gab der 

Versuchung nicht nach. Wenigstens wollte er ihr ein wenig Mut 
machen. „Ja. Du bist eine Kämpfernatur." Er sah ihr in die Augen. 
„Du wirst dein Gedächtnis wiederbekommen." Und dann würde sie 
ihn umbringen, wenn sie sich an alle Lügen erinnerte, die er ihr 
aufgetischt hatte. „Bis dahin mußt du einfach Geduld haben." 

Whitney glaubte ihm, sie hatte ja keine Wahl. An etwas 

anderes durfte sie gar nicht erst denken. Aber sie wollte noch 
mehr über sie beide wissen. „Erzähl mir von dem Haus." 

„Welchem Haus?" 
Warum hatte sie ständig das Gefühl, sie müßte Zane jede Kleinigkeit 

aus der Nase ziehen? Weshalb sprach er nur widerwillig über ihr 
gemeinsames Leben? Eigentlich hätte er alles von selbst erzählen sollen, 
ohne auf ihre Fragen zu warten. „Unser Haus." Vielleicht täuschte 
sie sich? „Wir haben doch ein Haus, oder nicht? Ich meine, wir 
haben doch soviel Geld, sagtest du, und du als Immobilienmakler...“ 

Sie glaubte ihm also. Gut. „Ja, wir haben ein Haus." Zane dachte an 

das Haus, von wo er als Kind fortgenommen worden war. Es war 
das Haus der Adoptivfamilie, bei der er gern geblieben wäre, 
aber die Frau, die er schon Mutter genannt hatte, war krank 
geworden, so daß er wieder in die Obhut des Waisenhauses gekommen 
war. Danach war alles anders geworden, obwohl das auch sein 
Gutes gehabt hätte: Er hatte gelernt, hart zu werden und die Tatsache 
zu erkennen, daß Glück nicht von Dauer sein konnte. 

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„Es ist hübsch, mit zwei Stockwerken. Weißer Stuck, blaue 

Holzvertäfelung." Er lächelte. „Nicht halb so blau wie dein 
Nachthemd, aber immerhin. Kleine Zimmer", sagte er 
nachdenklich. „Eigentlich ist das ganze Haus klein, aber dafür sehr 
gemütlich." 

„Klein?" wiederholte Whitney überrascht. Nach seinem Beruf zu 

schließen, hätte sie Zane ein größeres und aufwendigeres Haus 
zugetraut. Sie war froh, daß es nicht so war. 

Er nickte. „Manchmal ist kleiner besser." Wie kleine feste Brüste, die 

er mit den Händen umschließen konnte. Verdammt, dachte er, 
ich sollte meine Gedanken besser kontrollieren. Was war nur mit ihm 
los? „Außer dem Schlafzimmer", fuhr er fort und versuchte, sich 
zu konzentrieren. Dazu fiel ihm mehr ein. „Das ist groß. Wir haben 
eine Sitzecke mit einem Fernseher an der Wand." 

War sie dort glücklich gewesen? Whitney hatte plötzlich den 

Wunsch, es zu sehen. „Das klingt wunderbar. Warum fahren wir nicht 
hin?" Sie ließ sich aufs Bett fallen. „Kürzen wir unsere 
Flitterwochen doch ab und fahren einfach nach Hause." Whitney 
sehnte sich danach, an einem Ort zu Hause zu sein, und vor allem 
wollte sie die Leere loswerden, die sie überallhin begleitete, 
gleichgültig, wie sehr sie auch versuchte, sie zu verdrängen. 

„Bald, Whitney", versprach Zane, „bald." 
Whitney seufzte und setzte sich wieder auf. „Es scheint, als sei 

bei uns alles in einer Art Schwebezustand." 

Er wußte, daß sie wieder bei diesem Thema landen würden, weil seine 

Gedanken in dieselbe Richtung gingen. „Ich habe doch schon 
gesagt, daß ich es für besser halte, im Moment gar nichts zu tun." Er 
vermied es absichtlich, miteinander zu schlafen zu sagen. Es hätte 
zu verführerisch geklungen, wenn er es ausgesprochen hätte, und 
er hatte auch so schon Schwierigkeiten, sich zusammenzureißen. 
Seine ganze Selbstdisziplin war dahin. 

Whitney betrachtete ihn. Sie wollte Zanes flachen Bauch über 

den Pyjamahosen berühren. „Aber vielleicht hilft es mir, mich zu 
erinnern." 

Garantiert nicht, dachte Zane. „Es könnte traumatisch werden", 

widersprach er. „Ich meine, du kennst mich ja praktisch gar 

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- 61 -

nicht. Außerdem", fügte er hinzu, „hast du immer noch eine 
Beule." 

Ein kokettes Lächeln glitt über Whitneys Gesicht. „Meinen Kopf 

brauche ich dafür bestimmt nicht." Zane lachte. Sie war einfach 
unverbesserlich. Er wünschte sich, daß alles anders gekommen 
wäre, aber leider war es nicht so, und er mußte sehen, wie er 
damit fertig wurde. Zane wollte seinen Vorteil nicht ausnutzen, 
obwohl er sie begehrte. „Du vielleicht nicht, aber ich", meinte er. 

Entweder war er der standhafteste Mann der Welt, oder er war 

absolut kalt. Das konnte Whitney nicht glauben. Vielleicht gab es 
einen dritten Grund. Womöglich fand er sie nicht attraktiv. Oder er 
hatte sie noch aus anderen Gründen als nur aus Liebe geheiratet, 
Gründe, die er ihr nicht sagen wollte. „Willst du mich denn nicht?" 

Zane konnte nicht gut nein sagen, schließlich waren sie in den 

Flitterwochen. Außerdem hätte sie ihm angesehen, daß es 
gelogen gewesen wäre. Er hielt ihrem Blick stand. „Whitney, ich 
begehre dich so sehr, daß es mir weh tut. Glaub mir, für mich ist es 
viel schlimmer als für dich." 

Wahrscheinlich hielt er sich für ritterlich. Whitney seufzte und 

gab auf. Da war sie in einer der aufregendsten Städte überhaupt, in 
einem umwerfend schönen Zimmer, mit dem verführerischsten 
Nachthemd bekleidet, aber ihr Ehemann ließ sie keinen Zentimeter 
an sich heran. „Darauf würde ich nicht wetten." 

„Es ist aber so." Zane beugte sich über das Bett und schlug auf 

ihrer Seite die Decke zurück. „Warum legst du dich nicht hin und 
schläfst ein bißchen?" Ohne auf eine Antwort zu warten, schlüpfte 
er auf seiner Seite unter die Decke. Er drehte Whitney den Rücken 
zu, machte das Licht aus und spürte, wie sie sich neben ihm ins 
Bett legte. 

„Zane?" Ihre Stimme klang zaghaft. Sein Magen krampfte sich 

zusammen. „Ja?" 

Die Dunkelheit machte Whitney so hilflos, daß sie nicht wußte, 

wie sie es ertragen sollte. Es lag nicht in ihrem Wesen, zu bitten, 
soviel wußte sie von sich, aber das war ihr jetzt gleichgültig. 
„Meinst du, es würde dir etwas ausmachen, wenn du mich einfach 
nur ein bißchen festhältst?" 

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- 62 -

Ihre Bitte berührte Zane schmerzlich. Er drehte sich um. Der 

Mond schien durchs Fenster und beleuchtete Whitneys Gesicht. 

„Nein, ich glaube, es macht mir nichts aus", erwiderte er sanft. 

Er rutschte näher zu ihr und zog sie an sich. 

Seufzend legte Whitney den Kopf an seine Brust, daß er ihren Atem 

spüren konnte. Sie fühlte sich sicher bei ihm, als er den Arm schützend 
um sie legte. An ihn geschmiegt, genoß sie das Gefühl der 
Geborgenheit. Nach wenigen Minuten war sie eingeschlafen. Zane 
hätte seinen Arm vorsichtig wegziehen und selbst ein wenig 
schlafen können. Er hätte es nötig gehabt, aber er bewegte sich 
nicht und hielt sie fest. 

 
Verdammt, das tat weh. Zane versuchte, seinen Arm zu 

strecken. Er fühlte sich wie abgestorben an. Geschieht mir recht, 
dachte er, ich bin selbst schuld daran. Im Badezimmer hörte er 
Whitney. Sie war vor ihm aufgestanden. Nachdem er aufgewacht 
war und sie nicht neben ihm gelegen hatte, hatte er schon das 
Schlimmste befürchtet, aber sie war noch da. Nur ihr Gedächtnis 
war noch nicht zurückgekehrt. Er hatte sie gleich danach gefragt. 

Zane setzte sich im Bett auf und bewegte den Arm, um den 

Blutkreislauf wieder in Schwung zu bringen. Whitney kam aus dem 
Badezimmer. Sie fand, Zane sah aus wie ein Adler, der sich 
gerade in die Lüfte schwingen wollte. „Was gibt’s?" fragte sie und 
lächelte warm. 

Zane wußte nicht, ob sie sich schon angezogen hatte, und 

vermied es, in ihre Richtung zu blicken. Er drehte sich weg und 
sagte: „Mein Arm ist ganz steif." 

Weil er mich die ganze Nacht im Arm gehalten hat, dachte Whitney. 

Sie war froh gewesen, als sie es beim Aufwachen festgestellt 
hatte. Der Gedanke, daß er sie die ganze Nacht nicht losgelassen 
hatte, erfüllte sie mit Zärtlichkeit und sagte ihr viel mehr als 
Worte. Offenbar war sie ihm doch nicht gleichgültig. 

„Warte, laß mich mal sehen", sagte sie, und bevor er 

protestieren konnte, kniete sie sich hinter ihm aufs Bett und 
begann, seine Schultern zu massieren. „Besser?" fragte sie nach 
einer Weile. 

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- 63 -

„Ja." Zane log. Er bemerkte ihre Hände auf seinen Schultern 

nicht einmal. Alles, woran er denken konnte, war ihr Körper, den er an 
seinem Rücken spürte und von dem ihn nur der dünne Stoff ihres 
Nachthemdes trennte. Ihre Oberschenkel berührten seine Rippen, 
während sie ihn massierte. Ihre Schenkel und... 

Zane drehte sich um und griff nach Whitneys Händen. „Es ist prima. 

Wunderbar. Es reicht schon. Ich fühle mich wie neugeboren." 

Whitney sah, wie er sie anblickte. Mit einem strahlenden 

Lächeln sagte sie: „Komisch, mir geht es genauso." Sie setzte sich auf 
das Bett, ohne ihn aus den Augen zu lassen. „Und jetzt?" 

Zane wollte sich nicht unterhalten. Er hatte vor... „Zieh dich an", 

sagte er schroff, ließ ihre Hände los und stand auf. 

„Weißt du, eigentlich dachte ich gerade, du wolltest mich küssen." 
„Wollte ich auch." Zum Beweis und um der Sache ein Ende zu 

machen, berührte er ihre Lippen kurz mit seinen, kaum daß sie es 
spürte. 

Whitney lachte vor Verwunderung. „Wir haben es schon wieder 

eilig, stimmt’s?" 

„Stimmt", erwiderte Zane, „ich zumindest." Hastig zerrte er ein 

Sweatshirt und eine Jogginghose aus einer Schublade und zog die Tür 
zum Badezimmer geräuschvoll hinter sich zu. Als er nach wenigen 
Minuten wieder auftauchte, erklärte er: „Ich muß hinunter in den 
Fitneßraum. Ich habe schon lange nicht mehr trainiert." 

Es war eine lächerliche Ausrede, aber wenn er nicht sofort hier 

wegkam, wollte er nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was 
er tat. Schließlich war er auch nur ein Mensch. Whitney lag quer 
auf dem Bett und sah hinreißend aus. Am liebsten hätte Zane ihr 
das Nachthemd, das kaum ihre Schönheit verbarg, vom Körper 
gerissen. Wenn sie gewußt hätte, was er dachte, hätte sie ihn 
umgebracht, andererseits würde sie dann aber auch nicht so daliegen 
und ihn um den Verstand bringen. Die Knie wurden ihm weich. 

Jetzt wird er schwach, dachte Whitney. „Ich könnte dich auch 

trainieren", schlug sie vor. 

Zane machte einen letzten Versuch, ihr seinen Widerstand 

begreiflich zu machen. „Das haben wir doch schon besprochen, 
Whitney. Schau, diese Enthaltsamkeit fällt mir auch nicht leicht. 

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Aber ich will nicht riskieren, daß dir etwas passiert, nur weil ich 
mich nicht unter Kontrolle habe." 

Langsam stand Whitney auf. Vielleicht hatte er recht. Sie konnte nur 

das Gefühl nicht loswerden, daß noch etwas anderes 
dahintersteckte. Plötzlich kam ihr eine Idee. „Bin ich sehr streng 
erzogen worden?" fragte sie. 

Zane war schon fast aus der Tür. „Was?" 
„Bin ich sehr streng erzogen worden?" wiederholte Whitney. 

„Ich meine, bin ich im Kloster aufgewachsen, oder hat man mir 
erzählt, ich würde zur Salzsäule erstarren, wenn ich Sex hätte?" 

Zane mußte lachen. Wovon sprach sie überhaupt? „Nicht daß 

ich wüßte. Warum?" 

Whitney zuckte hilflos die Schultern: „Ich weiß nicht. Ich habe 

ein sehr merkwürdiges Gefühl, wenn es um uns geht." Sie sah ihn an. 
„Eigentlich könnte ich mit dir schlafen, aber jetzt geht es nicht 
wegen meines Unfalls. Ich dachte, vielleicht sei ich verklemmt, oder 
vielleicht hat man hat mir beigebracht, daß ich vor der Ehe 
keinen Sex haben sollte." Das war die einzige Möglichkeit, die sie 
sich vorstellen konnte, obwohl es absurd klang. „Vielleicht habe ich 
das geglaubt." 

In diesem Moment erinnerte sie sich daran, was Zane ihr erzählt 

hatte. „Aber du hast doch gesagt, daß wir schon miteinander 
geschlafen hatten, oder?" 

Zane zögerte kurz und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. 

Langsam wünschte er sich, er wäre derjenige gewesen, der sein 
Gedächtnis verloren hätte. „Ja. Und du warst phantastisch." Weil 
sie aussah, als bräuchte sie eine Bestätigung, ging er zu ihr und küßte 
sie leicht auf die Wange. „Und du wirst es wieder sein, sobald du wieder 
in Ordnung bist." 

Wann würde das sein? Sie hatte Angst vor der Antwort. „Zane, willst 

du etwa warten, bis ich mein Gedächtnis wiederhabe?" 

Sie brennt offensichtlich darauf, mit mir zu schlafen, dachte 

Zane. Wer hätte das für möglich gehalten? „Nein, ich verspreche 
es dir. Ich will nur ein paar Tage abwarten, um sicherzugehen, daß 
ich nicht irgend etwas schlimmer mache." 

Das war das Beste, was er ihr sagen konnte, auch wenn er wußte, 

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daß es eine schwache Erklärung war. Aber er brauchte noch zwei Tage. 
Danach konnte er ihr alles erklären. Er mußte gehen, bevor er doch 
noch nachgab. Ein bißchen Joggen und Hanteltraining würden ihm 
guttun. „Also dann, bleib schön hier. Ich bin in einer Stunde wieder 
da." 

Er war weg, bevor sie antworten konnte. Whitney verzog das Gesicht 

und blickte wütend auf die geschlossene Tür. Frustriert stand sie auf und 
ging ins Badezimmer. Eine kalte Dusche war jetzt genau richtig. 

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7. KAPITEL 

 
Der kleine Nachtclub war voll von Leuten. In dem lauten 

Stimmengewirr war es kaum möglich, sein eigenes Wort zu 
verstehen. Eine Band spielte im hinteren Teil des Raumes, wo einige 
Leute tanzten oder sich im Takt der Musik wiegten. 

Überfüllt, laut - Zane hätte nicht gedacht, daß dieser Ort nach 

Quintons Geschmack war, aber Quinton hatte ihn selbst ausgesucht. 
Nach einem weiteren Abend im Casino hatte er darauf bestanden, 
den heutigen in dieser schicken Disco zu verbringen. Hier trafen sich 
Leute, die sehen und gesehen werden wollten. 

Zane schaute sich unter den Besuchern um, die sich mit ihren 

Ellbogen ein wenig Platz verschafften. Es waren viele Kunden da für 
das, was Quinton anzubieten hatte, und Zane entging nicht, daß 
Quinton genau dasselbe dachte. Er wirkte wie ein hungriger Wolf, der 
eine Schafherde begutachtet. 

Eine schwarzhaarige Kellnerin in einem langen schwarzen 

Samtkleid brachte ihnen Drinks an den Tisch und nahm die leeren 
Gläser wieder mit. Sally nippte an ihrem neuen Drink und wurde 
langsam immer beschwipster, während Quinton mit Geld nur so um 
sich warf. 

Zane beobachtete, wie Whitney lächelte, als Quinton ihr etwas ins 

Ohr flüsterte. Zane konnte ein ungutes Gefühl nicht loswerden. Seit 
drei Tagen hatte Whitney nun ihr Gedächtnis verloren. Seit drei 
Tagen führte er ein Doppelleben, eigentlich sogar drei verschiedene 
Leben, aber wen kümmerte das? Er wußte nicht, wie lange er das 
noch durchhalten würde. 

Mit Quinton ging alles so unendlich langsam voran, aber wenigstens 

war sich Zane sicher, daß Quinton ihm jetzt traute, so weit jedenfalls, 
wie es ein Mann von seinem Schlag jemals tun würde. 

Trotz Zanes anfänglicher Zweifel bot ihm Whitney keinen Anlaß zur 

Sorge. Sie gab ihr Bestes, um zu dem Paar nett zu sein, so daß 
jemand, der sie nicht kannte, hätte denken können, sie seien 
befreundet. Zane war froh, daß sie mitspielte, ohne zu verstehen, 
was das Ganze sollte. 

Unter den gegebenen Umständen lief es weitaus besser, als er 

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gehofft hatte, nur die Zeit, die er mit Whitney allein verbrachte, machte 
ihm Sorgen. Sie arbeitete sich systematisch durch die ganze 
Schutzmauer hindurch, die er um sich her aufgebaut hatte, seit er sie 
zum erstenmal gesehen hatte. 

Er war praktisch wieder am Anfang und mußte sich mühsam an das 

Versprechen erinnern, daß er sich damals selbst gegeben hatte. 
Sogar jetzt, wo alles davon abhing, auf der Hut zu sein, damit nichts 
schiefging, schweiften seine Gedanken immer wieder zu ihr. 

Er begehrte sie, und er konnte nichts dagegen tun. Zane sah sie an, sah 

ihren Mund, ihre Augen, ihre Brust, die sich beim Atmen leicht hob 
und senkte. Es war ihm nie aufgefallen, daß ihr schulterlanges Haar 
wie Seide schimmerte, ihre Augen wie klares Wasser leuchteten und 
ihre Haut weich wie Samt war. 

Nichts davon hatte er bisher wahrgenommen. Oder doch? Ja, nur 

hatte er gelernt, sich jeden Gedanken daran zu verbieten, und das mit 
Erfolg. Jedenfalls bis jetzt, denn im Moment machte sie es ihm nicht 
leicht. 

Du liebe Güte, er benahm sich wie ein Teenager, der beim Anblick 

eines Popstars in Ohnmacht fiel. Er war doch ein Profi. Was war nur 
mit ihm los? Wenn sie sich wie die richtige Whitney benehmen würde, 
anstatt so frei und sinnlich zu sein, hätte er nicht solche 
Schwierigkeiten gehabt, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. 

Zane sah über den Tisch, der kaum groß genug für die vier Gläser 

war, zu Quinton, der Whitney förmlich mit seinen Blicken 
verschlang. Unruhig rutschte Zane auf seinem Stuhl hin und her. Nicht 
nur er hatte seine Gedanken heute abend woanders. Es war ihm klar, 
daß Quinton, nur um sich zu amüsieren, ihm Whitney wegschnappen 
würde, wenn er auch nur die leiseste Chance hätte. 

Diese Whitney hatte keinen blassen Schimmer davon, was hier ablief 

und was wirklich auf dem Spiel stand. Er hätte nicht sagen können, ob 
sie imstande wäre, sich zu verteidigen, wenn es hart auf hart käme. 

In diesem Moment legte Quinton Whitney eine Hand auf die Schulter. 

Zane erschien diese Geste viel zu besitzergreifend. Quinton fragte ihn: 
„Würde es Ihnen etwas ausmachen, mir Ihre Frau einmal 
auszuleihen?" 

Ja, es würde ihm etwas ausmachen. Und zwar mehr, als er dachte. 

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Zane schluckte den aufkommenden Ärger hinunter, bevor er 
antwortete: „Es kommt darauf an, wofür und für wie lange." Quinton 
lachte nur. Zane sah ihm an, was er mit Whitney hätte anstellen wollen. 
Quinton stand auf und bedeutete Whitney, das gleiche zu tun. 
„Mißtrauen Sie mir vielleicht, Russell? Ich hoffe doch nicht. Das 
wäre einem neuen Geschäftspartner gegenüber aber gar nicht nett." 

Drei Tage und drei Nächte war Zane ihm nun auf den Fersen 

gewesen. Sechs Monate Vorarbeit kamen dazu, ganz zu schweigen von 
zwei Jahren Planung. Jetzt war es erreicht. Er hatte es geschafft. Zane 
genoß kurz den Augenblick, bevor er antwortete. „Sie meinen...?“ 

Quinton neigte den Kopf, als überlegte er noch. Er liebte es, mit 

Leuten zu spielen, und Zane war keine Ausnahme. Quinton hatte, sich 
bereits umgehört, um Zanes Glaubwürdigkeit zu prüfen. Er war auf 
keinerlei Widersprüche zu Zanes Äußerungen gestoßen. Also hatte 
Quinton keinen Anlaß, an Zanes Identität zu zweifeln. 

Jetzt lächelte Quinton. Was er an solchen Spielchen so liebte, war das 

Gefühl der Macht über andere Leute. Er konnte gar nicht genug davon 
bekommen. „Vielleicht." Er sah zu Whitney. „Es könnte sein, daß es 
davon abhängt, wie gut Ihre Frau tanzen kann." Er faßte ihre Hand. 
„Bereit?" 

Nein, Whitney war nicht bereit. Sie wollte gehen, irgendwohin, nur 

weit weg von diesen Leuten. Um Zanes Willen bemühte sie sich, gute 
Miene zum bösen Spiel zu machen. Sie tat so, als fände sie Quintons 
Storys lustig und versuchte Sally bei Laune zu halten, dabei fühlte sie 
sich nur schrecklich. 

Aber um Zane den Gefallen zu tun, erwiderte sie: „Bereit." Einen 

Tanz, einen einzigen, schwor sie sich. Wenn Zane danach immer 
noch etwas zu Quintons Unterhaltung beitragen wollte, mußte er selbst 
mit ihm tanzen. 

„Was will ein Mann mehr als eine Frau, die sagt, sie sei bereit?" 

Quinton warf noch einen Blick zurück über die Schulter zu Sally und 
fügte freundlich, aber mit einem warnenden Unterton hinzu: 
„Übrigens, Sally tanzt nur mit mir. Jeder andere hat 
Schwierigkeiten mit ihrem Rhythmus." 

Wütend sah Sally zu, wie Quinton Whitney durch die Menge auf die 

winzige Tanzfläche führte. Dieser Schuft! Sally hatte es langsam satt, 

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nur Quintons Anhängsel zu sein und ständig nach seiner Pfeife zu 
tanzen. Sie trank noch einen Schluck aus ihrem fast leeren Glas. 
„Hören Sie nicht auf ihn, ich tanze, mit wem ich Lust habe." 
Erwartungsvoll blickte sie Zane an. 

Falls er es sich mit Quinton verderben wollte, sollte es jedenfalls 

nicht wegen dessen Freundin sein. „Ich bleibe lieber hier antwortete 
Zane. Außerdem wollte er Whitney und Quinton beobachten. Sally 
zuckte die Schultern, griff nach ihrem Glas und winkte einer Kellnerin, 
die ihr einen weiteren Whisky Soda bringen sollte. 

Quinton war es mittlerweile gelungen, auf der Tanzfläche ein wenig 

Platz für sich und Whitney zu schaffen. Ihr wurde übel, als er sich an 
sie drängte. Die Füße bewegte er kaum, dafür um so mehr den 
Körper. Sie rang sich ein Lächeln ab und meinte: „Mr. Quinton, das ist 
eigentlich ein offener Tanz." 

Belustigt sah er sah sie an, ohne Anstalten zu machen, sie 

loszulassen. Statt dessen legte er ihr eine Hand auf den Rücken. „Eng zu 
tanzen ist aber viel schöner." Normalerweise waren die Frauen, wenn 
er erst einmal Interesse an ihnen bekundet hatte, nicht so spröde wie 
diese hier. 

„Sie sind eine sehr attraktive Frau, Mrs. Russell." Quinton stellte sich 

vor, wie sie langsam ihr grünes Kleid für ihn auszog. Der Gedanke 
erregte ihn. „Sagen Sie, wie machen sich denn die Flitterwochen?" 

Das ging ihn überhaupt nichts an. Whitney konnte sich gerade noch 

zurückhalten, ihn anzufauchen, denn Zane hätte bestimmt etwas 
dagegen gehabt, wenn sie Quinton vor den Kopf gestoßen hätte. Kurz 
angebunden antwortete sie: „Danke, gut." 

Quinton glaubte ihr nicht. Obwohl er immer wieder sah, wie sich 

die beiden küßten und umarmten, stimmte zwischen ihnen irgend etwas 
nicht. Sie wirkte so angespannt. Zweifellos war Zane nicht der 
richtige Mann für sie. Das konnte er leicht ändern. Falls sie Trost 
brauchte, wollte er ihr eine starke Schulter zum Anlehnen bieten. 
Wenn es nach ihm ging, am besten im Bett. „Haben Sie Spaß 
zusammen?" 

Um Zane in Schutz zu nehmen, sagte Whitney widerwillig: „Ja." 
Vielleicht war es die Wahrheit, vielleicht auch nicht, jedenfalls war 

sich Quinton seiner Sache sicher: Er wäre ein besserer Liebhaber 

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gewesen. „Falls Sie vielleicht einen Vergleich haben wollen, stehe 
ich jederzeit zu Ihrer Verfügung." 

Dieser aufgeblasene Schwachkopf, dachte Whitney. „Danke, aber das 

wird nicht notwendig sein." 

„Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich nicht so schnell nein 

sagen." Quinton sah ihr tief in die Augen. Sein Lächeln jagte Whitney 
einen Schauer über den Rücken. „Nun, Sie wissen ja, solange ich hier 
bin, steht die Tür für Sie jederzeit offen." 

Whitney unterdrückte den Wunsch, Quinton weit von sich zu schieben. 

„Selbst wenn ich das vorhätte, meinen Sie nicht, daß Sally etwas 
dagegen hätte?" 

Gleichgültig zuckte Quinton die Schultern. „Sally hat meistens 

etwas dagegen. Wenn ich immer auf sie hören würde, hätte ich für 
andere Dinge gar keine Zeit mehr." Sein Blick ruhte auf Whitneys 
Brust. „Egal, ob Geschäft oder Vergnügen." 

„Ich dachte, Sally gehört mit zum Vergnügen." Mit einemmal hatte 

Whitney richtig Mitleid mit Sally. Dieser Mann war ekelhaft. 

Quinton lachte, als hätte Whitney einen Witz gemacht. „Ich mag 

Sie, Mrs. Russell." Daraufhin verdunkelten sich seine Augen wieder, 
und warnend fügte er hinzu: „Und wenn ich an Ihrer Stelle wäre, 
würde ich zusehen, daß es auch so bleibt.“ 

Whitney bekam Angst. Wovon redete er? Jetzt sah sie zur Band. 

Der Schlagzeuger legte seine Stöcke beiseite. „Sie haben aufgehört." 

Quinton zog sie fester an sich. „Ich bin sicher, daß sie gleich 

weiterspielen." 

Sollte sie etwa die ganze Nacht mit ihm tanzen, wenn sie keine Szene 

machen wollte? Erleichtert sah Whitney Zane durch die 
Menschenmenge auf sie zukommen. Endlich Rettung in Sicht! 

Zane legte eine Hand auf Quintons Schulter. „Macht es Ihnen etwas 

aus, wenn ich Sie unterbreche?" 

Quinton ließ Whitney los und rückte etwas von ihr ab. „Die Band 

spielt nicht mehr", sagte er drohend, „wollen Sie sich zum Narren 
machen, Russell?" Daraufhin drehte Quinton sich um und ging 
zurück zum Tisch. 

Zane legte einen Arm um Whitneys Schultern. Er konnte ihr nicht 

sagen, was er empfunden hatte, als er hatte mit ansehen müssen, wie 

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Quinton Whitney an sich gedrückt hatte. „Bist du in Ordnung?" flüsterte 
er. „Du siehst ein wenig blaß aus." 

Whitney schaute ihn nicht an. Weil sie sich wieder in Sicherheit 

wußte, konnte sie ihrem Ärger endlich Luft machen. „Das ist auch 
kein Wunder, wenn mich jemand so unmöglich behandelt." 

Sie gingen zu ihrem Tisch zurück, aber anstatt sich wieder zu 

setzen, nahm Whitney ihre Handtasche. Sie wollte endlich raus aus 
dieser Bar. „Ich gehe schon mal nach oben", sagte sie in die Runde. Sie 
mochte niemandem in die Augen schauen, weil sie fürchtete, sie 
könnten ihr ihre Wut und ihren Ekel ansehen, vor allem Zane. Ihm 
hatte sie das alles zu verdanken: „Du kannst j a  noch bleiben, Zane, 
aber ich bin sehr müde." 

Quinton protestierte. „Wirklich, Mrs. Russell? Der Abend ist doch 

noch lang!" 

Whitney blickte Quinton nur kurz an. „Das kann schon sein, aber ich 

bin an andere Uhrzeiten gewöhnt. Wenn Sie mich jetzt bitte 
entschuldigen wollen." Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und 
verschwand in der Menge. 

Zane zögerte. Er konnte Whitney nicht einfach so gehen lassen. Was 

wäre, wenn sie sich verlief? Sie wußte ja immer noch nicht, wer sie 
war. Hin und her gerissen zwischen Wunsch und Pflichtgefühl, mußte 
er sich entscheiden. Zane fackelte nicht lange. Er zog etliche Scheine 
aus der Geldbörse und warf sie auf den Tisch. „Ich gehe lieber auch. 
Bleibt es beim Mittagessen morgen?" 

„Auf alle Fälle. Ich freue mich darauf, Sie in meiner Suite zu 

empfangen." Quinton schob die Scheine zurück zu Zane. „Worauf 
warten Sie denn noch? Gehen Sie zu ihr. Ich würde meine Zeit nicht mit 
Reden vergeuden, wenn so eine Frau auf mich wartet. Gehen Sie, und 
zeigen Sie ihr, aus welchem Holz Sie geschnitzt sind." Quinton lachte 
über seine Anspielung und scheuchte Zane mit einer Handbewegung 
fort. 

Es hätte nicht viel gefehlt, und Zane hätte ihn geohrfeigt. 

Später, beruhigte er sich. Jetzt mußte er erst einmal bei Whitney 
wiedergutmachen, was er angerichtet hatte. Mit einem in dem Lärm 
kaum vernehmbaren „gute Nacht" bahnte er sich eilig einen Weg 
durch die Menge und erreichte Whitney, kurz bevor sich die Türen des 

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Aufzugs hinter ihr schlossen. 

Sie blickte starr geradeaus und machte keine Anstalten, auf ihn zu 

warten. Zane gelang es gerade noch, seinen Arm zwischen die Türen 
zu schieben, damit sie sich wieder öffneten. Whitney blickte ihn 
immer noch nicht an. „Du hättest dir weh tun können." Sie klang, als 
wäre es ihr absolut gleichgültig gewesen, wenn sein Arm völlig 
zerquetscht worden wäre. 

„Gut, laß uns darüber reden, Whitney. Was ist los?" 
Whitney konnte es kaum fassen, daß er die Stirn hatte, ihr diese 

Frage zu stellen. Mit vor Zorn funkelnden Augen drehte sie sich zu 
ihm um. „Was los ist?",  wiederholte sie. „Nichts, nur daß ich in 
den Flitterwochen bin und mein Mann mich nicht einmal anfassen 
will! Nur, daß er mich einem Mann ausliefert, weil er glaubt, er könne 
mit ihm ein gutes Geschäft machen!" 

„Wovon redest du überhaupt?" 
Jetzt wollte er wohl den Unschuldigen spielen, aber das nahm sie 

ihm nicht ab. „Du weißt verdammt gut, wovon ich spreche. Du hast 
mich ihm angeboten, damit er mit dir zusammenarbeitet." Bei 
dem bloßen Gedanken an den Tanz mit Quinton wurde ihr übel. „Er 
hat mir ein eindeutiges Angebot gemacht und mich angefaßt." 

Sie waren im siebten Stock angekommen. Whitney stürmte aus dem 

Aufzug, ohne sich umzusehen. „Er ist widerlich und ekelhaft!" Ihre 
Hand zitterte, als sie die Zimmertür aufschließen wollte. Sanft nahm 
Zane ihr den Schlüssel aus der Hand, schloß auf und hielt ihr die Tür 
auf. „Ja, mir geht es nicht anders.“ 

Sollte sie ihm das vielleicht glauben? Sie wirbelte herum. Wehe, er 

log! „Warum wirfst du mich ihm dann in die Arme?" 

Endlich begriff Zane. Er hatte sie gebeten, nett zu Quinton zu sein. 

Vielleicht war er zu weit gegangen. Hätte er gewußt, daß sie es so 
falsch verstehen würde, hätte er es nie so weit kommen lassen. Er rieb 
sich das Gesicht und überlegte, wie er das wieder in Ordnung 
bringen sollte. 

„Ich habe dich ihm nicht in die Arme geworfen." Hilflos faßte er 

Whitney bei den Schultern und blickte ihr ins Gesicht. Sie mußte ihm 
glauben, auch wenn er es ihr nicht erklären konnte. „Weißt du. nicht, 
warum ich zu euch gekommen bin? Ich konnte es nicht mehr mit 

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ansehen, wie er dich betatscht hat." 

Es waren nicht so sehr Zanes Worte als vielmehr der Ausdruck in 

seinen Augen, die ihre Wut verrauchen ließen. „Deswegen? Warst du 
eifersüchtig?" 

„Ja, deswegen." Eifersüchtig, ja, vielleicht war er es tatsächlich. 

„Schau, Whitney, ich weiß, daß du es nicht verstehst, aber ich muß 
dieses Geschäft einfach durchziehen." 

Vielleicht hätte sie ihm eher verziehen, wenn sie begriffen hätte, 

warum ihm das so wichtig war, und wenn er ihr vertraut hätte, denn 
sie wußte, daß er ihr etwas verschwieg. Whitney hatte das Gefühl, 
daß es um mehr ging als um ein bloßes Baugeschäft. „Warum? Du 
hast doch genug Geld." Sie konnte ja nur davon ausgehen, was er ihr 
erzählt hatte. „Oder war das auch gelogen?" 

Zane verzog keine Miene, während er rasch nachdachte. Hatte 

Quinton ihr etwas erzählt, als er sich an sie heranmachte? „Wie 
meinst du das, ,auch`?" 

Whitney schüttelte Zanes Hände ab. Vor drei Tagen hätte sie sich 

niemals träumen lassen, daß sie seine Berührung nicht würde 
ertragen können. Aber vor drei Tagen dachte sie ja auch noch, er 
würde sie lieben. Dessen war sie sich jetzt nicht mehr so sicher. 
„Hier stimmt einiges nicht, Zane." Anklagend blickte sie Zane an. „Was 
uns betrifft." 

Zane konnte ihr jetzt nicht alles von vorn erklären, aber er mußte 

wenigstens ein bißchen Klarheit schaffen. „Was meinst du mit ,uns`?" 

„Wir schleichen nur umeinander herum, aber es ist doch etwas 

zwischen uns, ich fühle es genau. Trotzdem ziehst du dich 
jedesmal zurück, wenn ich dich berühre." 

Sie dachte an das Theater, das sie Quinton die letzten drei Tage 

vorgespielt hatten. Genau das war es - Theater, denn sobald sie allein 
waren, wurde alles anders. „Du küßt mich in aller Öffentlichkeit, du tust 
so, als wären wir ein verliebtes Paar, aber wenn du mit mir allein bist 
und du wirklich beweisen könntest, daß es so ist, ziehst du dich 
zurück." 

Zane schob die Hände in die Hosentaschen. „Ich habe dir doch schon 

gesagt..." 

„Ja, hast du, immer wieder." Whitney konnte seine Entschuldigungen 

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- 74 -

und Lügen langsam nicht mehr hören. „Es ist schon gut. Es sind jetzt 
drei Tage, Zane. Drei Tage, die ich versuche herauszubekommen, 
was los ist. Und alles, was ich weiß, ist, daß ich dich will, aber 
du mich nicht willst." 

„Das ist nicht wahr. Ich begehre dich. Wirklich, ich begehre dich 

mehr, als du dir vorstellen kannst." Zane schüttelte den Kopf. Die 
Worte waren ihm einfach herausgerutscht. „Du bringst mich völlig 
durcheinander, Whitney, ich bin unfähig, einen klaren Gedanken zu 
fassen." 

Sie glaubte ihm beinahe. „Mir geht’s genauso", gestand sie. 
Als er sie wieder ansah, bemerkte sie die Angst in seinen Augen. 

„Aber ich kann nicht ... wir können nicht..." 

Unglaublich. Das mußte er ihr jetzt aber wirklich erklären. Whitney 

wollte endlich verstehen, was los war. „Warum? Warum können wir 
nicht?" 

Zane faßte sie an den Handgelenken. Am liebsten hätte er sie so 

lange geschüttelt, bis die alte Whitney wieder zum Vorschein 
gekommen wäre und ihn nicht länger gequält hätte. „Weil..." Zane 
hielt inne, als er begriff, was er tat. Er ließ sie los. Ihre Arme 
waren rot, so fest hatte er sie gehalten. Es tat ihm so leid. 

„Weil?" flüsterte sie. Sie war ihm so nahe, daß er ihren Atem 

spüren konnte. Und dann wußte er nichts mehr, nur noch, daß er auf der 
Stelle sterben würde, wenn er sie jetzt nicht küßte. Zane wollte 
dagegen ankämpfen, mußte aber wütend und hilflos aufgeben. „Du 
bist einfach schrecklich." Daraufhin zog er sie an sich und küßte sie. 

Whitney sehnte sich nur noch danach, bei ihm zu sein. Wie 

jetzt, eng umschlungen, von ihm geküßt, seinen herben männlichen 
Duft in der Nase. Whitney kam es so vor, als würde der Boden unter 
ihren Füßen schwanken. Endlich verschwand das Gefühl des 
Verlorenseins. Egal, was später sein würde, sie wußte, sie hatte sich 
wiedergefunden, hier in Zanes Armen. 

Zane sträubte sich nicht länger gegen seine heftigen Empfindungen. 

Alle guten Vorsätze lösten sich in Luft auf, als er über Whitneys 
Rücken strich. Oh, wie er sie begehrte. Er war sich bewußt, daß es 
nicht richtig war, was er tat, aber daran wollte er jetzt nicht denken. 
Vom ersten Augenblick an hatte er sie begehrt, und er konnte ihr nicht 

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länger widerstehen. 

Whitney, erschauerte vor Erregung, als sie seine kräftigen Hände 

spürte. Wo er sie berührte, schien sie in Flammen aufzugehen. 

„Whitney." Mit letzter Kraft versuchte Zane, sich wieder unter 

Kontrolle zubringen. „Du bist nicht gesund." 

„Dann heile mich. Mach mich gesund. Ich will dich, Zane. Ich habe 

mein Gedächtnis verloren. Ich will mich an etwas erinnern. An 
dich. Du wirst der erste und der letzte sein." 

Ihr Versprechen klang unwiderstehlich. Aber sie würde es nicht 

halten, nicht, wenn sie ihr Gedächtnis wiederfand. Warum quälte sie 
ihn so? „Whitney, du weißt nicht, was du sagst." 

„Doch. Ich fühle es. Ich begehre dich, und irgendwie weiß ich, daß 

ich dich schon immer begehrt habe. Laß mich nicht darum bitten. Laß 
mir ein bißchen Stolz." 

Stolz. Wenn er jetzt nachgab, würde er ihr überhaupt keinen Stolz 

mehr lassen. Eines Tages würde sie es merken. Aber „eines Tages" 
war weit weg. Jetzt war nur sie da und sein Verlangen nach ihr, 
das er nicht länger unterdrücken konnte. 

Rasch löste Zane den Gürtel ihres Kleides. Als er ihr die Träger von 

den Schultern schob, fiel das Kleid zu Boden. Ehrfürchtig berührte er 
sie. Er hatte sich danach gesehnt, seit Whitney ihn geküßt hatte, und 
eigentlich schon die ganzen Jahre vorher. 

Sie trug nur noch einen äußerst knappen Seiden-BH und den 

Slip. Ihre Brüste waren voll und fest. Zanes Mund wurde trocken. 
„Du bist so schön", flüsterte er. 

Er sagte es, als hätte er es niemals zuvor gesagt, als hätte er sie niemals 

vorher so gesehen. Whitney wußte, daß es nur so war, weil sie 
sich nicht erinnern konnte, aber sie genoß es trotzdem und war 
dankbar, daß er es sagte. Mit wild klopfendem Herzen streckte sie die 
Arme nach ihm aus. 

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8. KAPITEL 

 
Das hatte nicht zu seinem Plan gehört. Eigentlich sollte er der 

Versuchung widerstehen können. Langsam trat Zane auf Whitney 
zu. 

Sie hielt den Atem an und wartete darauf, daß er sie in die 

Arme nahm und berührte. Seit drei Tagen hatte sie davon 
geträumt, aber jetzt kam es ihr vor, als hätte sie schon ihr Leben 
lang darauf gehofft. 

Whitney sah so zart und verletzlich aus. Es fehlte ihr diese 

flapsige Art, die Zane bisher von ihr gewohnt gewesen war. Früher 
hatte er sie nie als zerbrechlich erlebt, aber jetzt brauchte sie seinen 
Schutz. Was richtete er da nur an! Doch er war wehrlos gegen 
ihren Blick, gegen sein eigenes Verlangen. Bisher nicht gekannte 
Gefühle stiegen in ihm hoch. 

Zane nahm sie in die Arme. Trotz allem, was zwischen ihnen 

stand, war sie immer noch dieselbe Whitney für ihn. Zwar hatte er 
keine Wahl mehr, doch konnte er wenigstens ihr noch die 
Entscheidung lassen. Das war er ihr schuldig, auch wenn es ihm 
in der Seele weh tat. „Es wird dir leid tun.“ 

Whitney war verwirrt. „Warum?" 
Mit fast übermenschlicher Zurückhaltung strich ihr Zane nur übers 

Haar, obwohl er sie immer stärker begehrte. „So wird es eben 
sein." 

Warum denn? Wie sollte ihr etwas leid tun, wonach sie so sehr 

verlangte? „Nie wird es mir leid tun", schwor Whitney, „niemals." 
Die Anziehung zwischen ihnen war größer, als sie es sich 
ausgemalt hatte. Selbst wenn sie sich hätte widersetzen wollen, 
wäre es ihr nicht gelungen. Er war ihr Schicksal, sie fühlte es. 

Als er ihr Gesicht und ihren Hals mit Küssen bedeckte, warf Whitney 

aufstöhnend den Kopf zurück. Ihre Knie drohten nachzugeben. 

Zane spürte, wie die Erregung, die sie durchströmte, auch ihn 

selbst anstachelte. Immer war er darauf bedacht gewesen, sich und 
seinen Körper unter Kontrolle zu halten, aber das funktionierte 
jetzt nicht mehr. Sie war es, die ihn unter Kontrolle hatte. Seine 
Gefühle für sie waren so stark, wie er es sich nie hätte träumen 

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- 77 -

lassen. 

Zane berührte ihr Haar und ließ es zärtlich durch seine Finger 

gleiten. Mit einer Hand umfaßte er ihren Hinterkopf und drückte 
sie an sich. Einen Augenblick lang genoß er nur das Gefühl, wie sie 
sich an seiner Brust anfühlte. Es schien ihm absurd, daß ihn sogar ihr 
Atem erregte, aber es erregte ihn einfach alles an ihr. 

Als er sie erneut küßte, wußte er, daß er ihr gehörte. Zane verlor sich 

in ihren Lippen, in dem Duft, der sie wie ein Hauch umgab. 
Niemals hatte er sich erlaubt, sich so hinzugeben. Es war unheimlich, 
verwirrend und wunderbar zugleich. Zane sah ihr in die Augen. 
„Weißt du überhaupt, was, du da mit mir machst?" 

Jedenfalls war es nichts verglichen damit, was er mit ihr 

machte. „Vielleicht", brachte sie hervor. Plötzlich funkelten ihre 
Augen schalkhaft auf. „Warum zeigst du’s mir nicht?" neckte sie 
ihn. „Zeig mir, daß du mich willst." 

Zane fühlte, wie sich seine Begierde steigerte. Am liebsten hätte 

er ihr hier und jetzt die Unterwäsche vom Körper gerissen und ihr 
gezeigt, wie heftig sein Verlangen nach ihr war, aber er bezwang 
sich. Er wollte ihre Wünsche ganz über die seinen stellen. Es gelang 
Zane, sich ein wenig zurückzunehmen. 

Er strich über ihre Hüfte und glitt mit der Hand in ihren Slip. 

Whitney seufzte auf. Zane hätte den Slip nur zerreißen müssen, dann 
wäre sie völlig nackt und würde ihm gehören. Statt dessen schob er den 
Slip langsam nach unten, ohne Whitney aus den Augen zu lassen, bis er 
auf den Boden fiel. 

Whitney streifte ihn von den Knöcheln. Jetzt gehörte sie ihm 

ganz. Jedenfalls solange, wie ein gnädiges Schicksal über ihnen 
wachte. Zane versuchte, sich vorzustellen, daß es ewig währen 
würde. 

Whitney schmiegte ihre Wange an seine. Als sie an seinem 

Ohrläppchen knabberte und es mit der Zunge umspielte, sog er 
scharf die Luft ein. Wenn er jemals gedacht hatte, er sei stark, so 
wurde er jetzt eines Besseren belehrt. Zane fühlte sich schwach, sie 
konnte mit ihm machen, was sie wollte. 

Whitney strich mit den Händen über seinen kräftigen Rücken. 

Er fühlte sich wunderbar an. Und bekleidet. Mit einem koketten 

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Lächeln fragte sie: „Meinst du nicht, daß du für diese Gelegenheit 
falsch angezogen bist?" Ohne auf seine Antwort zu warten, begann sie, 
sein Hemd aufzuknöpfen. 

„Ja, wahrscheinlich hast du recht", antwortete er erregt. „Du 

hast doch einen unfehlbaren Sinn für die passende Garderobe. 
Was sollte ich denn deiner Meinung nach tragen?" fragte er und 
streichelte sie von der Hüfte aufwärts. 

Als er sanft die Rundung ihrer Brust berührte, schwankte sie 

leicht. „Mich", flüsterte sie atemlos, „mich solltest du tragen." 

Ungeduldig streifte sie ihm das Hemd ab und warf es zu ihren Sachen 

auf den Boden. Als Whitney seinen Gürtel löste und den 
Reißverschluß seiner Hose herunterzog, konnte sie kaum an sich 
halten. Sie strich über ihn und hätte am liebsten gejubelt, als Zane 
scharf einatmete. 

Noch einen Augenblick länger, und Zane würde komplett die 

Kontrolle verlieren. Er hielt Whitneys Hand fest und entledigte sich 
schnell seiner Hose. Alles im Raum schien sich um sie beide zu 
drehen und immer kleiner zu werden. Es kam ihnen so vor, als 
gäbe es nur noch sie beide. Wild und erwartungsvoll klopften ihre 
Herzen. 

Tief in seinem Gedächtnis wollte Zane dies eingraben, falls es das 

einzige Mal bleiben sollte. Er preßte seinen Mund auf ihren und war 
überrascht, wie leidenschaftlich Whitney ihn wieder küßte. Jetzt 
gab es kein Zurück mehr. Sie wankten zum Bett und sanken darauf. 
Den Mund ließ er langsam um Whitneys Brüste gleiten. Als er mit der 
Zunge ihre Spitzen, berührte, drängte sie sich ihm entgegen und stöhnte 
laut auf. Zane fühlte ihren Herzschlag an seinen Lippen. Eine solche 
Kraft hatte er noch nie gespürt. Er war Herr über sich, aber 
gleichzeitig Whitney völlig unterworfen. Als er sah, wie sie sich 
unter seinen Händen bewegte, ging eine Sehnsucht für ihn in 
Erfüllung, doch was er jetzt erlebte, war weit schöner als alles, was 
er sich jemals erträumt hatte. 

Whitney atmete heftig, als Zane sie immer wieder phantasievoll 

reizte. Mit Mund und Händen berührte er sie so sinnlich, daß 
Wellen der Erregung sie durchfluteten. Whitney wollte, daß Zane 
genauso empfand. Sie tat, was ihr in den Sinn kam. Sie schenkte sich 

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ihm, sich und ihr Herz. 

„Ich liebe dich", flüsterte sie und küßte ihn. 
„Ich liebe dich auch", erwiderte Zane, denn er wußte, daß sie 

es hören wollte, jedenfalls in diesem Moment. Später konnte er 
immer noch sagen, daß er es nicht ernst gemeint hatte. O Whitney, 
dachte er, es tut mir so leid. 

Ohne ihn loszulassen, rollte sich Whitney auf Zane und zeichnete 

mit den Fingern die Umrisse seines Körpers nach. Zane stöhnte, als sie 
ihn umfaßte. Niemals würde sie den Ausdruck in seinen Augen 
vergessen. Und während sie sich gegenseitig entdeckten, flüsterte 
eine innere Stimme ihr zu: Du bist frei! Sie war frei, endlich frei, 
ihren Gefühlen Ausdruck zu geben. 

Whitney glitt über Zane, wärmte ihn, küßte seine Schulter, seine 

Brust, seine Hüften. Als sie tiefer ging, unterdrückte Zane ein Stöhnen 
und zog sie an den Schultern wieder zu sich hinauf. Noch nicht, 
dachte er, noch nicht. Ohne Protest ließ ihn Whitney die Stellung 
wieder ändern. 

Plötzlich lag sie wieder unter ihm. Zane hatte ihre Handgelenke 

über ihren Kopf auf die Kissen gedrückt und küßte sie sanft. Stöhnend 
wand sie sich unter ihm. Er steigerte ihre Erregung ins 
Unermeßliche. 

Als er endlich in sie eindrang, schlang sie die Beine um ihn und 

wollte sich nie mehr von ihm trennen. Zane fiel es schwer, um ihrer 
beider Willen den Höhepunkt hinauszuzögern, aber Whitney sollte 
wissen, daß ihre Lust für ihn an erster Stelle stand. Langsam begann er, 
sich zu bewegen. 

Whitney paßte sich seinem Rhythmus an, und Zane, stieß immer 

schneller und heftiger. Als er den Gipfel der, Ekstase erreichte; hörte er 
sie schluchzend seinen Namen sagen. 

Es war vorbei. Und fing erst richtig an. Erschöpft zog Zane sie näher 

an sich. Eine Welle unendlicher Zärtlichkeit erfaßte ihn, und er 
versuchte, seinen Orgasmus so lange wie möglich hinauszuzögern, aber 
es gelang ihm nicht. Seufzend verlagerte er sein Gewicht. 

Whitney hielt ihn fest. „Nein, beweg dich nicht", protestierte sie. 
Die Traurigkeit in ihrer Stimme überraschte ihn. „Aber ich 

zerquetsche dich." 

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Hätte er das getan, wäre es ihr die liebste Art gewesen, zu 

sterben. Sie preßte ihren Körper an seinen. „Nein, überhaupt 
nicht." 

Die Whitney, die er kannte, war immer anderer Meinung als er 

gewesen. Zane mußte sich zusammennehmen, um nicht zu 
lachen. „Whit, ich bin zu schwer", erklärte er, und bevor sie etwas 
sagen konnte, rollte er von ihr herunter und schmiegte sich in ihre 
Anne. 

„Das habe ich gar nicht bemerkt", seufzte Whitney. War sie 

jemals so zufrieden gewesen? Es schien ihr kaum möglich. 
Glücklicher hätte er sie gar nicht machen können. „Ich glaube, ich 
bin fast gestorben." Sie wandte sich ihm zu. „Wußtest du, daß 
man ‚sterben’ dazu sagte, wenn man miteinander schlafen 
meinte?" 

Wo kam das auf einmal her? „Wen meinst du mit ,man`?" 
„Dichter. In. diesen alten Gedichten." Lange epische Gedichte 

über die Liebe und über Liebende, die sich suchten und fanden. 

Überrascht blickte Zane sie an. „Woher weißt du das? 
„Keine Ahnung", antwortete sie zögernd. 
Ihr Gedächtnis kam wieder. Stück für Stück, aber unaufhaltsam. 

Es war nur eine Frage der Zeit. Warum war er nur so unglaublich 
traurig, wenn er daran dachte? Zane betrachtete sie genau. 
„Woran erinnerst du dich noch?" 

Whitney wollte nicht darüber reden, lieber über ihn, über sie 

beide. Gleichgültig zuckte sie die Schultern. „An ein paar alte Filme 
aus dem Fernsehen." 

Er lachte und nickte. Ja, ihr Gedächtnis würde wieder zurück-

kommen. Er fragte sich, wie bald alles wieder vorbei sein würde, und 
streichelte ihr sanft die Wange. „Die siehst du sehr gern." 

„Dann kommt wohl gerade die Erinnerung daran wieder. 

Langsam jedenfalls." Whitney lächelte triumphierend. „Ich hab dir 
doch gesagt, daß mein Gedächtnis wieder in Gang kommt, wenn 
wir miteinander schlafen." Ihre Augen blitzten schalkhaft, als sie ihn 
fragte: „Wie wär’s, wenn du mir dabei hilfst, noch mehr davon wieder 
aus der Versenkung zu holen?" 

Zane seufzte und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „Das 

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ist gar nicht lustig, Whitney", meinte er sanft. 

Sie streichelte seine Wange. „Nein, du hast recht. Es ist 

wunderbar. Ich habe das Gefühl, ich könnte Berge versetzen oder 
fliegen.“ 

Nie zuvor hatte er sie so erlebt und konnte sich ein Lachen nicht 

verkneifen. „Wenn du anfängst, Gewichte zu heben, gehe ich." 

„Dann laß ich es eben bleiben." Sie drehte sich um und genoß 

das aufregende Gefühl, dicht an ihn geschmiegt zu sein. Zane zog sie 
noch enger an sich. 

„Ist es immer so?" wollte Whitney wissen. 
„Was denn?" Zane fragte sich, ob sie sich noch an ihre 

Empfindungen erinnern würde, wenn sie erst ihr Gedächtnis 
wiederhatte, oder ob Whitney dann nur noch wütend und verlegen 
sein würde. 

„Mit uns. Ist es immer so, wenn wir uns lieben?" 
Wenn sie wüßte! Er wollte es sich lieber nicht ausmalen. Noch 

nicht. Statt dessen lächelte er sie an. „Nein. Diesmal war es 
besser." 

Sie hatte es geahnt. „Dann bin ich froh, daß ich mein Gedächtnis 

verloren habe. So war es wie das erste Mal für mich." Zärtlich 
zeichnete Whitney die Konturen seiner Lippen nach. Zane schloß 
seinen Mund um ihren Finger und sog leicht daran. Sie fühlte, wie 
sie von neuem dahinschmolz. 

Als er sie losließ, überlief sie ein Prickeln. „Das erste Mal. Die 

Vorstellung gefällt mir. Das macht es zu etwas Besonderem." 
Whitney lächelte schüchtern. „Ich nehme nicht an, daß ich für dich 
die erste Frau bin." 

Doch, dachte Zane, eigentlich schon. Irgendwie fiel es ihm schwer, 

es zuzugeben. Sie war die erste, die ihm wirklich etwas bedeutete. 
„Wenn es so wäre, würdest du mir glauben?" 

„Sicher." Ein schalkhaftes Lächeln spielte um ihren Mund. „Wieso 

solltest du mich belügen? Du bist mein Mann." 

Die Schuldgefühle, die plötzlich wiederauftauchten, überwältigten 

ihn fast. „Stimmt." Er küßte sie auf die Schulter, weil er nicht wollte, 
daß sie ihm in die Augen sah. Whitney stützte sich auf den Ellbogen 
und betrachtete ihn. Leicht berührte ihr Haar seine Brust und erregte 

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ihn wieder. Zane war überrascht, daß er jetzt schon wieder so ein 
Verlangen nach ihr spüren konnte. 

„Also", sagte Whitney und beschrieb mit dem Finger kleine Kreise 

auf seiner Brust, „was machen wir jetzt?" 

Zane tat, als überlegte er. „Na ja, es ist ein bißchen spät, aber wir 

könnten noch ausgehen. Willst du ins Theater?“ Er küßte ihren Hals. 
Whitney schüttelte den Kopf. 

„Wie wär’s mit etwas zu essen?" Wieder ein Kopfschütteln. Zane 

küßte sie auf eine Brust. „Ins Kino?" Er hörte ein unterdrücktes 
Stöhnen, als er sich ihrer anderen Brust zuwandte. „Glücksspiel?" 

Er glitt zu ihrem Nabel. Sie wand sich unter seinem Mund und 

konnte seinen Vorschlag kaum ablehnen. Als er noch tiefer ging und 
hörte, wie sie überrascht die Luft anhielt, kam er wieder nach oben, 
um sie anzuschauen. „Was denn dann?" 

Whitney riß ihn an sich, wand sich unter ihm hindurch und setzte 

sich rittlings auf ihn. Ihre Augen leuchteten. „Rate mal." 

Er faßte mit beiden Händen nach ihren Brüsten.. Whitneys 

strahlendblaue Augen nahmen ihn gefangen. Zane spielte mit. „Wie 
oft darf ich raten?" 

Langsam begann Whitney ihre Hüften zu bewegen. Triumphierend 

spürte sie, wie er unter ihr reagierte. „Wie wär’s damit?" 

„Nicht schlecht. Er konnte kaum nicken. „Ich glaube, es wird 

wärmer", meinte er. 

Whitney lächelte verführerisch, neigte ihren Kopf nach vorn, so daß 

ihr Haar seinen Körper streifte. Zane fühlte einen wohligen Schauer 
auf der Haut. 

„Gut, denn mir wird auch langsam warm." Unter halbgeschlossenen 

Lidern beobachtete Whitney, wie er ihre Schenkel streichelte. Sie 
atmete stoßweise bei seinen Berührungen. „Wärmer", drängte. sie, 
„schon ganz heiß, ich brenne fast!" 

„Wenn schon, dann will ich mitbrennen!" Lachend rollte Zane sie 

von sich herunter auf den Rücken. „Heiß willst du es haben?" 
Whitney nickte und lachte. „Okay, Whitney, ich zeig dir etwas 
Heißes." 

Schon drängte sie sich ihm entgegen. „Das hoffe ich!" 

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9. KAPITEL 

 
Whitney wachte auf und lächelte unwillkürlich, als sie sich an die 

letzte Nacht erinnerte. Wenn sie sich konzentrierte, konnte sie 
immer noch Zanes glatten, festen Körper auf sich spüren. Zufrieden 
seufzte sie und drehte sich zu ihm um. 

Er schlief noch. Einen Moment hatte sie befürchtet, es sei alles 

nur ein Traum gewesen. Whitney wollte ihm übers Haar streichen, 
das ihm ins Gesicht fiel, beschloß aber, ihn noch

:

 nicht zu wecken. 

Sie dachte an die außergewöhnliche Leidenschaft der vergangenen 
Nacht und an Zanes Zärtlichkeit. Der Ausdruck in seinen 
wunderschönen Augen hatte ihr mehr als alle Worte gesagt. 

Jetzt stützte Whitney sich auf den Ellbogen und betrachtete ihn 

liebevoll, bis sie nicht länger widerstehen konnte und ihre Hand 
ausstreckte. Jedesmal, wenn er einatmete, berührten ihre Finger 
seinen Brustkorb und riefen ein Prickeln auf ihrer Haut hervor. Wie sie 
ihn begehrte! Ja, er gehörte ihr. 

Was hatte sie getan, daß sie ein solches Glück erleben durfte? Sie hätte 

gern gewußt, was ihn an ihr am meistere angezogen hatte, bevor sie ihr 
Gedächtnis verloren hatte. Der Gedanke, daß sie niemals wieder die Frau 
sein würde, die sein Herz erobert hatte, machte ihr mit einemmal 
Sorgen. 

Unvermittelt wachte Zane auf und packte ihre Hand mit einem 

Schraubstockgriff, bevor er überhaupt die Augen öffnete. „Was 
zum...?" Als er erkannte, daß es Whitney war, stöhnte er auf und 
ließ ihre Hand los. Er fuhr sich durch das Gesicht und sagte 
verschlafen: „Guten Morgen.“ 

Whitney war sich nicht sicher, ob das eine Begrüßung oder ein 

Protest war. Einen Moment hatte sie etwas in seinen Augen 
gesehen, das sie nicht kannte. Zane war aus seinem totenähnlichen 
Schlaf so schnell erwacht, als ob er es gewöhnt wäre, auf das 
Schlimmste gefaßt zu sein. 

Warum? Hatte der Mann, der sie so glücklich machte, eine dunkle 

Seite? Sie mußte sich selbst ermahnen, nicht schon wieder mißtrauisch 
zu werden. Er hatte eben nur überrascht reagiert, das war alles. 

Whitney zwang sich, wieder zu lächeln. „Du bist ja schon wieder sehr 

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lebendig", sagte sie und schmiegte sich an ihn, „eigentlich müßtest 
du nach der letzten Nacht etwas erschöpfter sein." 

Nicht nur das, dachte Zane, sie hat mich völlig erledigt. Jetzt 

durfte er die aufkommenden Schuldgefühle nicht an sich 
heranzulassen. Er zuckte die Schultern. „Reine Gewohnheit. 
Normalerweise schlafe ich mit offenen Augen." 

Was meinte er mit dieser merkwürdigen Antwort? Vielleicht wollte er 

sagen, daß er gewöhnlich einen leichten Schlaf hatte. Whitney 
beugte sich zu ihm und küßte ihn. Sie seufzte, als sie sich von ihm 
löste. „Sie waren zu. Deine Augen", fügte sie hinzu, als er sie 
verwirrt ansah. 

Zane lachte. „Das kommt daher, daß du mich ausgepowert hast." 
Whitney war glücklich, daß es ihm ähnlich gegangen war. 

„Wirklich? Du schienst unermüdlich zu sein." 

Das hatte er bis gestern nacht auch von sich gedacht, aber 

Whitney war die erste Frau, die so unersättlich gewesen war. „Das 
scheint nur so. Habe ich alles meinem unwiderstehlichen Charme 
zu verdanken", meinte er. 

„Jetzt weiß ich, warum ich dich geheiratet habe", entgegnete 

Whitney. Ihr Gesicht war dem seinen ganz nah. Er mußte nur den 
Kopf ein wenig heben, um sie zu küssen. Die Versuchung wurde 
immer größer. „Warum?“ 

„Weil du ein phantastischer Liebhaber bist." 
Zane zog sie in die Arme und zögerte kurz, ehe er meinte: 

„Woher weißt du das? Du hast keinen Vergleich. Schließlich kannst 
du dich an nichts erinnern." Er beobachtete sie wachsam, aber nichts in 
ihren Augen deutete darauf hin, daß sich irgend etwas geändert 
hatte. „Oder doch?" 

„Nein." Whitneys Augen blitzten schalkhaft. „Aber es gibt Dinge, 

die nichts mit Erfahrung zu tun haben. Die weiß man einfach erklärte 
sie. Wieder schmiegte sie sich an ihn. „Und du bist einfach 
wunderbar." 

Zane lächelte und sagte nichts. Offensichtlich muß ich noch ein 

wenig nachhelfen, bis er begreift, was ich will, dachte sie. Das 
machte nichts, denn e s würde sich lohnen. „Falls du noch zu 
schläfrig sein solltest, um zu verstehen, was ich meine: Das ist eine 

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- 85 -

Einladung, mir zu zeigen, daß du auch am Morgen phantastisch 
sein kannst." 

Er wünschte, er könnte wirklich so unbeschwert sein. „Ich 

würde nichts lieber tun." 

Sein Ton ließ Whitney wachsam werden. „Ich höre schon wieder 

ein ,aber`." 

Mit oder ohne Gedächtnis, Whitney hatte eine gute 

Beobachtungsgabe. Er strich ihr über den Po. „Wir sollten besser 
aufstehen. Quinton hat uns zum Essen eingeladen. Wir dürfen uns 
nicht verspäten." Widerwillig entzog Zane sich ihr und setzte sich 
auf, konnte sich aber, noch nicht vom Bett trennen. Whitney 
wickelte sich in ein Laken und setzte  sich  zu  ihm.  „Doch:  Es  ist 
schick, zu spät zu kommen." 

Zerstreut sah Zane sich nach seiner Hose um. „Ich glaube kaum, daß 

Quinton diese Meinung teilt." 

Whitney wollte sich von dem Gedanken an Quinton nicht die 

Laune verderben lassen. „Es ist mir völlig egal, was er denkt." Sie 
legte eine Hand auf Zanes Arm, um ihn umzustimmen. „Zane, ich 
habe gestern abend mein Bestes gegeben." Jetzt war es an der 
Zeit, daß sie an sich selbst dachte, an sie beide. „Ich war nett zu 
ihm, habe über seine Geschichten gelacht und sogar mit ihm getanzt. 
Ich glaube, ich habe mehr getan, als ich hätte tun müssen." 

Zane wußte, wohin dieses Gespräch führen würde. Er mußte 

Whitney unbedingt davon überzeugen mitzukommen, sonst wäre 
Quinton imstande, das Geschäft platzen zu lassen. Hinter der 
Fassade eines weltgewandten Geschäftsmannes verbarg sich ein 
äußerst abergläubischer Mensch. 

„Das stimmt", räumte Zane ein, „und du hast es sehr gut 

gemacht." 

Er war es nicht gewohnt, ihr zu schmeicheln. Zane nahm sie in 

die Arme und strich leicht mit den Lippen über ihren Mund. „Aber 
ich möchte, daß du noch ein wenig länger nett zu ihm bist. Ich 
werde bald mit ihm einig sein." Zane verstand, daß Whitney nach der 
Nacht in der Disco mißtrauisch war. „Bleib an meiner Seite. Ich 
werde nicht zulassen, daß er dich noch einmal anfaßt", versprach er 
ihr. 

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- 86 -

Whitney war hin und her gerissen, aber sie glaubte ihm. Obwohl 

sie fühlte, daß sie sehr gut auf sich selbst aufpassen konnte, war es 
doch angenehm, zu wissen, daß er sie beschützen wollte. „Ich 
komme schon selber zurecht. Das ist es nicht, nur..." 

„Was denn?" drängte Zane sanft. Vielleicht war es ein Fehler, 

wenn er sie ermutigte, sich auszusprechen. Vermutlich wäre es besser, 
wenn er sie auch noch die nächsten zwei Tage im unklaren ließe. 
Solange würde er mindestens noch brauchen. 

Whitney zuckte die Schultern. Womöglich war sie zu egoistisch. „Ich 

dachte, nach der letzten Nacht würde alles anders werden." 

Es ist alles anders, dachte er. Warum vertraute sie ihm nicht? 

Vieles hatte sich so sehr 6erändert, daß sie sich noch wundem würde. 
„Nichts ist anders", sagte er betont locker, „du bist immer so toll im 
Bett." 

Das freute Whitney zwar, aber sie wollte jetzt keine Komplimente 

hören. Verzweifelt versuchte sie, die Bruchstücke ihres früheren 
Lebens zu einem Ganzen zusammenzusetzen. „Ja?" fragte sie 
ungläubig. 

„Wirklich", bekräftigte Zane, „du warst so heiß, daß es mich wundert, 

daß keine Brandspuren auf den Laken zu sehen sind." 

„Wir könnten es ja noch einmal versuchen", meinte Whitney 

verführerisch und setzte sich auf die Fersen. Das Laken glitt von 
ihren Brüsten auf ihre Hüften. Zane hätte es nur noch 
wegzuziehen brauchen. Whitney reizte ihn mit jedem Atemzug 
mehr. 

Zane konnte den Blick nicht von ihren Brüsten wenden. Die 

Verabredung mit Quinton rückte in immer weitere Ferne. „Was hast 
du vor, Whit?" fragte er und nahm sie in die Arme, unfähig zur 
Gegenwehr. 

„Ist das nicht offensichtlich?" entgegnete sie. Sie neigte sich zu 

ihm und zeichnete mit der Zungenspitze die Konturen seiner Lippen 
nach. 

Zane spannte sich an. „Du denkst wohl an nichts anderes, wie?" 
Whitney lächelte und küßte ihn auf den Hals. Sie spürte, wie 

er schluckte und schneller atmete. „Besser, als überhaupt nicht zu 
denken", meinte sie. 

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- 87 -

Da war er sich nicht so sicher. Whitney würde Wutausbrüche 

bekommen, wenn sie ihr Gedächtnis wiedererlangen würde. Er 
konnte nur hoffen, daß das nicht so bald passieren würde. Nein, 
verbesserte er sich, gleichgültig, ob sie sich jemals wieder erinnern 
würde, irgendwann werde ich ihr sowieso die Wahrheit sagen. 

Alles andere wäre unfair. Und damit alles glattging, bis sie den 

Auftrag hinter sich hatten, mußte er einen klaren Kopf behalten 
und durfte sich nicht von Whitney durcheinanderbringen lassen. 

„Whitney, wir müssen jetzt wirklich los", protestierte er und 

ärgerte sich, daß es ihm nicht gelang, sich von ihr loszureißen. 
„Einen für unterwegs", scherzte sie. Sie lag auf dem Rücken und zog 
Zane zu sich herab. Er wehrte sich nicht. „Wir haben es nicht 
weit", meinte er. 

„Na dann eben nur einen ganz kleinen." 
Zane lachte, unfähig, ihr noch länger zu widerstehen. Er wollte 

es auch gar nicht. „Du bist unverbesserlich, Whitney Bradshaw." 

Russell", verbesserte sie ihn. „Whitney Bradshaw Russell. Du 

vergißt, daß wir verheiratet sind." 

Das war ein Ausrutscher gewesen, aber sie brachte ihn dazu, 

einfach alles zu vergessen. „Keinen Moment lang", log er. 

„Und ich bin nicht unverbesserlich, sondern unersättlich", 

bemerkte Whitney und lächelte kokett. 

„Ja, das auch." Was redete er da? Er würde niemand treffen, 

wenn das so weiterging. Zane sah zur Uhr auf dem Nachttisch. „Na 
ja, vielleicht haben wir doch noch ein paar Minuten übrig." 

Whitney umfaßte sein Gesicht und sah Zane in die Augen. „Dann 

haben wir ja noch ewig Zeit", flüsterte sie verführerisch. 

Wie ein Besessener eroberte er voller Verlangen ihren Mund und 

küßte sie immer wieder. „Whit?" 

Wie war es möglich, daß sie sich leichter als Luft und gleichzeitig 

so schwach fühlen konnte? „ Mhmm?" 

Es war wichtig, jedenfalls für Zane. „Ich will, daß du nicht vergißt, 

daß du damit angefangen hast", flüsterte er ihr. ins Ohr. „Später. Du 
darfst es nicht vergessen." 

Er klang so ernst, daß Whitney ihn fragen wollte, ob alles in Ordnung 

sei, aber sie ließ es sein, denn sie wußte bereits, daß er es ihr nicht 

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sagen würde. Sie konnte ihm nur ihr Wort geben. „Ich werde mich 
immer daran erinnern", versprach sie ihm. 

Sie sah ihn an. „Weshalb sollte ich vergessen, daß wir 

miteinander geschlafen haben. Ich nehme an, daß man sein 
Gedächtnis nur einmal verliert." Whitney lachte heiser. 

„Wahrscheinlich hast du recht", sagte Zane. Zum Reden hatten 

sie keine Zeit mehr, jetzt wollten sie nur noch einander fühlen, 
berühren und erobern. Diesmal war es ganz anders als in der 
vergangenen Nacht, wild und unkontrolliert. Es war, als wüßten sie 
beide, daß sie nicht viel Zeit hatten. 

Hitzig bewegte sich Whitney unter Zanes Händen. Er küßte sie 

überall, sog ihren Duft ein und versuchte, sich alles einzuprägen, 
damit er nach dem Tag, an dem sie ihr Gedächtnis wiederfinden 
oder er ihr alles sagen würde, wenigstens eine wundervolle 
Erinnerung hatte. 

Sie war eine reine Freude für seine Sinne. Zane konnte nicht 

genug von ihr bekommen. Je mehr sie ihm gab, desto mehr wollte er. 
Es wäre besser gewesen, wenn er nie erfahren hätte, wie es mit ihr 
im Bett war, aber für solche Gedanken war es jetzt zu spät. 

Mit aufreizenden Berührungen und dem sinnlichen Spiel seiner 

Zunge versetzte er sie in immer stärkere Erregung. Als er sich nicht 
länger beherrschen konnte, drang er in sie ein und liebte sie noch 
einmal. Letzte Nacht war er ein sanfter Liebhaber gewesen. Jetzt bei 
Tageslicht war er fast roh, aber noch in seiner Wildheit zärtlich. 

Whitney weinte vor Glück, als sie später erschöpft neben ihm 

lag. Mühsam drehte sie den Kopf zu ihm. „Wahnsinn, was war denn 
das gerade?" 

Das fragte er sich selbst. Zane erkannte sich kaum wieder. „Weniger 

Zeit macht die Sache intensiver." 

So konnte man es auch ausdrücken. Sie seufzte. „Weißt du, 

vorhin sagte ich, daß ich nicht zu Quinton wollte. Jetzt bin ich mir nicht 
sicher, ob ich es überhaupt könnte." Whitney wollte sich auf die 
Ellbogen stützen und knickte wieder ein. Sie preßte die Lippen 
zusammen und sah zu ihren Füßen hinunter. „Ich glaube, ich bin 
nicht mehr imstande zu laufen." 

Zane lachte und glitt wieder auf sie. Ihre Augen funkelten erneut 

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vor Verlangen. Offensichtlich war sie doch nicht so müde. „Dann 
muß ich dich eben tragen." Er küßte sie kurz auf den Nabel, bevor 
er sich aufsetzte. „Quinton will unbedingt, daß wir zu zweit 
kommen." 

Als er Whitneys zweifelnden Blick sah, fügte Zane schnell 

hinzu: „Mach dir keine Sorgen, es wird sich auf lange Sicht 
auszahlen. Ich werde dich heute abend dafür entschädigen." Das 
würde er wahrscheinlich noch sein Leben lang tun müssen. 

Dieses Angebot war eine Überlegung wert. Whitney 

schwankte. „Kann ich nicht hierbleiben?" 

Wäre sie erkältet gewesen, hätte er ihr eine Brühe gemacht, ihr eine 

Pistole unters Kopfkissen geschoben und den Rest dem 
Zimmerservice überlassen. Aber sie litt nicht an einer Erkältung, 
sondern an Gedächtnisverlust und war gefährdeter, als ihr klar war. 
„Ich will dich nicht allein lassen. Du kannst dich immer noch nicht 
an mehr als an ein paar Filme erinnern." 

Whitney fand ihn richtig süß. Zane versuchte, sich 

herauszureden, aber sie wußte Bescheid. Sanft strich sie ihm über die 
Wange. „Oh, ich glaube, ich kann mich auch noch an einiges 
andere erinnern." 

Zane erschrak. „Tatsächlich?" fragte er vorsichtig. 
Sie nickte. „Zum Beispiel an letzte Nacht." Whitney seufzte. Es 

war unvermeidlich, mitzukommen, und sie wollte es ihm nicht 
abschlagen, wenn es ihm soviel bedeutete. Jetzt setzte sie sich auf. 
„Gut, wenn es sein muß, begleite ich dich eben. Aber laß mir nur 
wenigstens einige Minuten zum Duschen und Anziehen." 

Stolz wie eine Königin, ging sie nackt ins Badezimmer, ohne sich um 

ihr Nachthemd auf dem Boden zu kümmern. Zane mußte sich 
zusammennehmen. Ihre Schönheit warf ihn immer wieder um. Er 
griff zum Telefon und tippte eine Nummer. Vom Bad hörte er das 
Rauschen der Dusche. Er schätzte, daß er ungefähr zehn Minuten 
Zeit hatte. 

Ein Anrufbeantworter in einem spärlich eingerichteten Büro mit 

Blick auf Newport Beach meldete sich. Es war eine Deckadresse. 
Zane wußte das genausogut wie Quinton. Falls er Zanes Anrufe 
vom Hotelzimmer aus überprüfen sollte, würde es so aussehen, als ob 

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Zane in seinem Büro eine Fernabfrage gemacht hätte. Quinton 
würde nicht auf die Idee kommen, daß Zane selbst eine Nachricht 
hinterlassen hätte. Sheridan würde den Anrufbeantworter 
unmittelbar nach seinem Anruf abhören. 

Nach dem fünften Läuten schaltete sich der Apparat ein. „Hallo, 

ich bin’s. Whitney kann sich noch immer an nichts erinnern. 
Soweit läuft alles gut." Das war Ansichtssache, aber er wollte nicht ins 
Detail gehen. 

„Quinton wird heute hoffentlich anbeißen, wenn wir Glück 

haben. Seine Freundin ist nicht so dumm, wie wir dachten. Sie hat 
Whitney gestern Löcher in den Bauch gefragt, aber zum Glück 
konnte sie ihr bloß mitteilen, was ich ihr erzählt habe. Möglicherweise 
ruiniert ihr Zustand doch noch die ganze Operation, aber ich lasse 
sie nicht aus den Augen. Später rufe ich noch einmal an." 

Zane wollte den Hörer auf die Gabel legen, aber er fiel ihm fast 

aus der Hand, als er Whitney plötzlich an der Tür stehen sah. Die 
Wassertropfen rannen über ihren schlanken Körper. 

Mißtrauisch blickte sie ihn an. Eigentlich hatte sie vorgehabt, Zane zu 

sich unter die Dusche zu holen, aber diese Absicht war verflogen, 
als sie seine letzten Worte gehört hatte. Er hatte mit jemandem 
über sie gesprochen, und nach seinem überraschten 
Gesichtsausdruck zu schließen, wollte er nicht, daß sie etwas davon 
mitbekam. Plötzlich fror sie. 

Herausfordernd fragte sie: „Wer war das?" 
Zane dachte rasch nach, während er den Hörer auflegte. „Was?" 
Whitney griff nach einem Handtuch und wickelte es sich um. Sie 

fühlte sich verletzt. „Mach mir nichts vor, Zane. Wer war am 
Telefon? Und wieso ist mein Zustand ein Problem? Und was ist 
das für eine ,Operation’?" 

Angriff ist die beste Verteidigung, dachte Zane. Eine andere 

Möglichkeit hatte er nicht. Er antwortete ihr nicht, sondern fragte 
sie statt dessen: „Was tust du hier draußen?" 

„Ich wollte dich unter die Dusche holen. Lenk nicht ab“, drohte sie. 
„Es ist nichts", versicherte er ihr. „Ich habe mit deinem Arzt 

gesprochen. Mir war eingefallen, daß er nach unserer Rückkehr einen 
kleinen Eingriff bei dir vornehmen wollte, aber ich halte das bei 

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deinem derzeitigen Gedächtnisverlust nicht für ratsam. Das habe ich 
ihm eben auf den Anrufbeantworter gesprochen." 

Das überzeugte Whitney nicht ganz. „Ärzte haben normalerweise 

Sprechstundenhilfen, keine Anrufbeantworter." 

„Dieser schon", versicherte Zane. „Ich habe ihn zu Hause angerufen. 

Er ist ein alter Freund. Ein plastischer Chirurg." 

„Und was für eine Operation sollte das sein?" 
„Ich weiß es nicht. Du wolltest es mir nicht sagen. Auch dann 

nicht, als ich meinte, daß du gar nichts an dir verändern solltest." 

Whitney überlegte, ob sich wirklich alles so einfach erklären ließ, wie 

er sagte. Irgend etwas stimmte nicht. Zweifelnd sah sie ihn an. 
„Zane, ich würde dir gern glauben.“ 

Zane ging zu ihr und löste ihr Handtuch. Als Whitney es 

festhalten wollte, hinderte er sie daran. Es fiel zu Boden. „Tu’s 
doch einfach." 

Sie spürte, wie ihr Herz schneller schlug. „Aber ich habe das Gefühl, 

daß du mir etwas verschweigst." 

Zane versuchte, den besorgten Ehemann zu spielen, aber es 

gelang ihm nicht recht. „Whit, du hattest einen Schock. Mit einem 
Gedächtnisverlust darf man nicht spaßen. Ein Teil deines Gehirns ist 
völlig ausgeschaltet. Ich will dich nicht mit zu vielen Informationen auf 
einmal belasten. Vielleicht würde alles nur noch schlimmer, wenn 
ich dir soviel erzähle." 

„Noch schlimmer?" wiederholte sie. Was meinte er damit? 

Bisher hatte er ihr nicht besonders viel erzählt, eigentlich fast gar 
nichts. 

Ungeduldig zuckte Zane die Schultern. „Ja, noch schlimmer. 

Zum Teufel, ich verstehe doch auch nichts davon. Ich habe keine 
Ahnung, was ein weiterer Schock bei dir auslösen könnte." 

Er verwirrte Whitney immer mehr. Sie fragte sich, ob er es 

absichtlich tat „Was denn für ein Schock?" 

Zane bemerkte, daß das Wasser im Bad immer noch lief. Er 

nahm Whitney an der Hand und ging mit ihr zum Badezimmer. 
„Bist du aus der Dusche gestiegen, um mir Löcher in den Bauch 
zu fragen, oder wolltest du mich holen? Wir verschwenden nur 
Wasser, wenn wir noch länger hier draußen stehen und reden." 

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Whitney wußte, daß sie auf einer Erklärung bestehen sollte, aber 

so lange sie nackt war, würde sie wahrscheinlich keine 
bekommen. Sie lächelte, als er sie ins Badezimmer zog. 

„Sieht groß genug aus für uns beide", stellte Zane nach einem 

Blick in die Duschkabine fest. „Natürlich, schließlich ist das hier die 
Suite für frischverheiratete Paare", meinte Whitney. 

Zane zog die Schiebetüren hinter ihnen zu. Unter dem 

Wasserstrahl wurde Whitney wieder heiß. Sie vergaß alles andere 
um sich her. Trotzdem mußte sie ihn unbedingt noch etwas fragen. 
„Zane, verheimlichst du mir wirklich nichts?" 

Ein verführerisches Lächeln glitt über seine Lippen. „In diesen 

beengten Räumlichkeiten ist das schwer möglich. Von außen sieht es 
vielleicht so aus, aber hier drin ist dafür nicht viel Platz." Er 
umarmte sie. „Meinst du nicht?" 

Zane tat es nur, damit sie keine Fragen mehr stellte, und es 

funktionierte. 

„Ich glaube, ich bekomme auf meine Frage keine Antwort mehr." 
„Richtig. Dafür zeige ich dir etwas." Und bevor Whitney etwas 

erwidern konnte, küßte er sie. 

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10. KAPITEL 

 
„Das sieht ja unglaublich aus", meinte Whitney beeindruckt, als sie 

mit Zane vor dem zweistöckigen Anbau neben dem Hotel Zanadu 
stand. Die Architektur ähnelte der des Hauptgebäudes. Ein 
Arkadengang verband beide Häuser, betonte aber eher noch den 
eigenständigen Charakter des Anbaus. Whitney fand, daß er gut 
zu Quinton paßte: deutlich abgehoben von der Masse. 

Vor Quintons Suite standen zwei hochgewachsene, 

breitschultrige Bodyguards. Sie wirkten etwas minderbemittelt, aber 
Whitney zweifelte, daß es jemals ein Mensch gewagt hatte, ihnen das 
ins Gesicht zu sagen. Sie dachte an ihr Zimmer. Bis jetzt war es ihr 
sehr luxuriös vorgekommen; Quintons Räumlichkeiten dagegen 
machten schon von außen den Eindruck, als seien sie nicht von 
dieser Welt. 

„Bist du sicher, daß das hier zum gleichen Hotel gehört?" flüsterte sie 

Zane zu, der den beiden Männern seinen Namen nannte und 
wartete, bis sie ihn auf einer Liste überprüft hatten. 

„Du wirst gleich sehen, warum Quinton immer wieder hier 

logiert", sagte Zane zu ihr. 

„Immer wieder?" fragte Whitney erstaunt. 
Einer der Bodyguards klopfte zweimal an die Tür. Ein Butler öffnete. 

Seine Uniform war bis zu den weißen Handschuhen makellos. Whitney 
mußte sich anstrengen, um ihn nicht zu sehr anzustarren. „Wenn 
ich hier wohnte, hätten sie Mühe, mich wieder 
hinauszubekommen." 

Leise wurde die Tür hinter ihnen geschlossen. Das Wohnzimmer war 

mit antiken Möbeln eingerichtet, die das Hotel ein Vermögen gekostet 
haben mußten. In der Mitte des Raumes sprudelte unter der 
hohen Decke ein Brunnen, auf dem eine Statue der Aphrodite 
unaufhörlich Wasser in eine große Muschel goß. Im Hintergrund 
sah Whitney eine vergoldete Wendeltreppe. Wahrscheinlich führte 
sie zu den Schlafzimmern hinauf. 

Whitney verschlug es den Atem. Zanes Miene verriet nicht, was 

er über diese Pracht dachte. 

„Das ist ja so groß wie ein Fußballfeld", meinte Whitney. 

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Zane stimmte ihr zu. „Quinton sagte, es sei zweitausend 

Quadratmeter groß." 

„Zweitausend Quadratmeter?" Offensichtlich war man bei der 

Ausstattung der Räume nicht sonderlich sparsam gewesen. Was wollte 
ein einzelner Mann mit einer Suite, in der sich ein ganzer Kongreß 
hätte versammeln können? 

Ein Geräusch hinter ihnen ließ Whitney herumfahren. Wie aus 

dem Nichts kam Quinton, gefolgt von Sally, langsam auf sie zu. Wie 
immer lächelte er gewinnend, faßte Whitneys Hand und tätschelte 
sie, als wären sie alte Freunde. 

„Sie haben also den Weg zu meinem bescheidenen Quartier 

gefunden", stellte er fest und nickte Zane zu, ohne den Blick von 
Whitney zu lassen. 

Schützend legte Zane den Arm um Whitney. „Sie haben es 

nicht schlecht hier , sagte er, denn er wußte, was Quinton hören 
wollte. 

„Bescheiden?" Whitney lachte über Quintons ironische 

Bemerkung. „Im Vergleich wozu? Dem Tadsch Mahal?" 

Ihre Bemerkung freute ihn. Quintons Lächeln vertiefte sich. Er 

ließ Whitneys Hand los und führte sie beide ins Wohnzimmer, das 
genau nach seinen Angaben eingerichtet worden war. Diese Suite 
war allein für ihn reserviert. Auch während seiner Abwesenheit 
durfte niemand anders dort wohnen. 

„Das Hotel sieht es gerne, wenn ich hier bin." Quinton warf 

einen Blick auf den Butler, der sich immer in Hörweite befand, solange 
Quinton oder Gäste in den Räumen waren. „Richtig, Jeffers?" 

Der weißhaarige Mann verbeugte sich steif. „Ja, Sir. Zanadu freut 

sich immer, wenn Gäste wie Sie bei uns wohnen." 

Quinton ließ sich nicht leicht täuschen, aber er genoß es 

trotzdem, umworben und umschmeichelt zu werden, obwohl er sich 
alles und jeden hätte kaufen können. „Und es ist alles umsonst", 
vertraute er den beiden stolz an. 

Whitney fand das Leuchten in Quintons Augen kalt und 

erbarmungslos. Wahrscheinlich kann Quinton niemand über sich 
ertragen, vermutete sie. 

„Wenigstens", räumte Quinton ein, „solange ich an den Spieltischen 

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sitze und mehr dalasse, als ich mitnehme." Er dachte an die drei 
vergangenen Abende und das Glück, das ihm die beiden gebracht 
hatten. „Obwohl ich das Gefühl habe, daß diesmal eine saftige 
Rechnung auf mich wartet, wenn ich abreise." Er lachte wieder. „Das 
verdanke ich Ihnen." 

Es war absurd, wie abergläubisch er war. „Ich glaube nicht“, wollte 

Whitney einwenden, aber der Protest erstarb auf ihren Lippen, als 
Quinton ihre Hand nahm und drückte. 

„Seien Sie nicht so bescheiden. Sie sind meine Glücksbringer. 

Alle beide." Quinton ließ ihre Hand wieder los. Einen Moment lang 
verfinsterte sich sein Gesicht. „Glück ist etwas sehr Reales, 
Greifbares. Entweder man hat es am Schlafittchen oder nicht. Ich 
bin überzeugt, daß Ihre Anwesenheit eine Glücksfee an meine Seite 
gerufen hat." 

Quinton wußte, was Whitney sagen wollte. Sie war wütend, das reizte 

ihn. Andere Frauen hätten alles getan, um etwas von ihm zu 
bekommen. Daß Whitney nichts von ihm zu wollen schien, war 
eine um so größere Herausforderung. „Es wird nicht mehr lange 
dauern, Mrs. Russell, glauben Sie mir. Ich reise morgen ab, dann 
können Sie wieder Ihre Flitterwochen genießen." Er lächelte kühl. 
„Reicher als bei Ihrer Ankunft." Dabei sah er Zane scharf an. 

Whitney zog die logische Schlußfolgerung aus seiner 

Bemerkung. „Dann haben Sie sich entschlossen, Zane die Verwaltung 
Ihres Grundstücks zu übertragen?" Obwohl das bedeutete, daß 
Zane sein Ziel erreicht hatte, verunsicherte sie Quintons kühles 
Lächeln. 

„So könnte man es sagen. Er kann die Verwaltung 

übernehmen." Quinton bot Zane seine Hand, um die Abmachung zu 
besiegeln. Quinton hatte seine eigenen Vorstellungen, nach denen 
ein Mann nur soviel wert war wie sein Wort. Schriftliche Verträge 
hielt er für unnötig. „Zu Glücksbringern muß man nett sein." Er sah 
zu Sally. „Nicht wahr, meine Liebe?" 

Sally spielte mit ihrem Ohrring. „Ganz wie du meinst, Richard." 
„Richtig", stimmte er zu, „ganz wie ich meine." 
Das Geschäftliche war vorerst für ihn erledigt. Quinton rieb sich 

die Hände und blickte Zane und Whitney an. „Nun, was darf ich 

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Ihnen anbieten?" Er wies auf die Bar, eine japanische 
Schnitzarbeit aus dem achtzehnten Jahrhundert. „Ich verspreche 
Ihnen, daß das Hotel alles auf Lager hat, was Sie möchten. Und 
falls doch nicht, wird sich Jeffers freuen, es für Sie auftreiben zu 
dürfen. Sie müssen ihm nur sagen, was, nicht wahr, Jeffers?" Es 
war offensichtlich, daß Quinton Eindruck schinden wollte. 

„Ja, Sir", antwortete der Butler. 
„Ich hätte gern einen Black Russian", sagte Zane. Er brauchte 

einen klaren Kopf, aber er wußte, daß Quinton mißtrauisch werden 
würde, wenn er von seinen üblichen Gewohnheiten abwich. Jeffers 
begann an der Bar, aus Kahlua und Wodka einen Drink zu mixen. 

„Wasser", verlangte Whitney aus lauter Abneigung gegen die Pracht 

um sie her. „Ich hätte gern ein Glas Wasser." 

Quinton lachte laut. „Dann sollen Sie Wasser bekommen, Mrs. 

Russell. Sie werden uns wohl entschuldigen,  wenn wir beim 
Alkohol bleiben", rechtfertigte er sich und Zane scherzend. 

Quinton legte die Hand auf Whitneys Schulter und schob sie in 

die Küche, wo zwei Chefköche das Mittagessen zubereiteten. Beide 
sahen auf, als er hereinkam, und murmelten eine höfliche 
Begrüßung, bevor sie sich wieder ihrer Arbeit zuwandten. Vor dem 
Kühlschrank nickte er dem nächststehenden Koch zu. „Öffnen Sie 
bitte die Tür.“ 

Rasch legte der Koch das Messer beiseite und beeilte sich, 

Quintons Wunsch nachzukommen. Er läßt wirklich alle nach seiner 
Pfeife tanzen, dachte Whitney verärgert und wollte die 
Kühlschranktür selbst öffnen. 

Quinton jedoch hielt sie zurück. „Nein", sagte er höflich, aber es 

klang trotzdem wie ein Befehl. „Er wird dafür bezahlt. Lassen Sie 
ihn das tun." 

Whitney mußte sich beherrschen, um nicht eine Bemerkung 

über Quintons widerwärtige Aufgeblasenheit zu machen. Sie trat 
zur Seite, damit der Koch den Kühlschrank öffnen konnte. In 
einem Fach lagen nebeneinander mehrere verschiedene Flaschen 
Mineralwasser. Quinton deutete darauf und sagte: „Wählen Sie 
bitte." 

Whitney ging zum Wasserhahn und drehte ihn auf. „Ich mag 

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es schlicht", teilte sie ihm mit. „Ich hätte gern nur ein Glas 
Leitungswasser." 

Es war eine Kleinigkeit, aber Quinton sah es als Herausforderung an. 

Er griff an ihr vorbei und drehte den Hahn wieder zu. „Es gibt 
einen Unterschied zwischen ‚schlicht’ und ,gewöhnlich’. Mit 
dem Gewöhnlichen gebe ich mich normalerweise nicht ab." Über 
die Schulter blickte er zu dem ängstlich wartenden Koch. 

Whitney hatte den Eindruck, daß auch er Quintons 

unangenehme Seiten sehr gut kannte. Ganz offensichtlich 
befürchtete er einen Wutausbruch. Whitney wollte ihn nicht weiter 
beunruhigen und ließ Quinton eine Flasche für sie wählen. „Die 
Lady möchte dieses hier probieren." 

Eilig zog der Koch eine blaßgrüne Flasche aus dem Fach und 

öffnete sie. Er goß das Wasser in ein Glas und reichte es Whitney, 
als wäre es der beste Champagner. Sie trank einen Schluck und fand, 
daß Leitungswasser doch besser schmeckte. „Gut?" Whitney wußte, daß 
Quinton keinen Widerspruch dulden würde, und auch sie war es müde, 
sich zu streiten. „Ja." 

„Sehen Sie?" Als er sie am Ellbogen wieder ins Wohnzimmer 

zurückführte, nahmen die beiden Köche ihre Arbeit wieder auf. 
„Möchten Sie zurück zu den anderen, oder darf ich Ihnen meine 
Suite zeigen?" 

Whitney zweifelte nicht daran, wo der Rundgang enden würde. 

Sie hatte keine Lust, sich gegen Quintons Annäherungsversuche 
wehren zu müssen, sondern wollte zurück ins Wohnzimmer. „Warum 
nicht beides? In dieser Reihenfolge?" 

Quinton lächelte. Diesmal hatte sie ihn matt gesetzt. „Wie Sie 

wünschen." 

 
Sally machte sich an Zane heran. Langsam und geschickt, aber 

ein Mann wußte, wann eine Frau es auf ihn abgesehen hatte, und 
Sally hielt ihre Absichten nicht verborgen. Unter dem Vorwand, 
ihm verschiedene Kunstgegenstände zu zeigen, die auf Regalen an 
den Wänden ausgestellt waren, griff sie zweimal nach einer Figur und 
streifte Zane dabei wie zufällig. 

Da kann sie lange warten, dachte Zane. Es fiel ihm nicht im 

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Traum ein, darauf einzusteigen, außerdem zweifelte er nicht daran, 
daß Quinton ihn vernichten würde, sobald er sich mit Sally einließe. Als 
er Whitney und Quinton zurückkommen sah, atmete er erleichtert 
auf, ging zu Whitney und legte ihr den Arm um die Schultern. „Ich 
dachte schon, du hättest dich verlaufen." 

Quinton umriß sein Reich mit der Geste eines Mannes, der an 

nichts anderes als Luxus gewöhnt war. „So groß ist es gar nicht. 
Es ist alles relativ. Diese Suite hätte in einer Ecke meines Hauses in Bel 
Air Platz." 

Whitney glaubte ihm sofort. „Sie geben Ihren Gästen sicher 

immer einen Kompaß mit." 

Quinton lachte. „Wissen Sie, Russell, Ihre Frau ist viel amüsanter, als 

ich dachte." Seine Augen blickten freundlich, aber berechnend, als 
er Whitney ansah. „Ich hatte einen ganz anderen Eindruck, als 
ich Sie kennenlernte." 

Das lag wahrscheinlich an ihrem Gedächtnisverlust. Whitney 

fragte sich, was sie wohl zu ihm gesagt hatte, daß er diesen 
Eindruck bekommen hatte. „Ich brauche immer ein Weilchen, bis ich 
mich wohl fühle", meinte sie verbindlich. 

Gut gekontert, dachte Zane. Quinton nippte an seinem 

trockenen Martini und beobachtete sie über den Rand des Glases. 
„Und? Fühlen Sie sich jetzt wohl?" 

Whitney lächelte ihn an. Am liebsten hätte sie ihm ihr Wasser ins 

Gesicht geschüttet. „Wie sollte es anders sein, wenn unsere 
Gastgeber so reizend sind?" Whitney tauschte einen Blick mit Sally. 
Irgendwie hatte sie das Gefühl, daß Sally sie verstand. Beide wußten 
sie, wie gern Quinton Schmeicheleien hörte. 

Jeffers erschien wieder, verbeugte sich und verkündete: „Sir, es 

ist serviert." Quinton bot Whitney den Arm. „Darf ich?" Zane wandte 
sich zu Sally, die das Angebot gern wahrnahm. 

 
Das Essen war phantastisch. Die Küchenchefs, die Quinton vom 

Hotel zu Verfügung gestellt worden waren, tischten Gerichte auf, 
die man schwerlich in einem Restaurant gefunden. hätte, ohne 
dafür horrende Summen bezahlen zu müssen. Und Quinton 
bekommt alles umsonst, dachte Whitney, weil ihm das 

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Management zu Dank verpflichtet ist. 

In allen Räumen waren kleine Gegenstände aus exklusiven 

Läden ausgestellt. Quinton besaß mehrere Limousinen und 
verfügte, außerdem über einen Privatjet. Es erschien Whitney 
ungerecht, denn Quinton hatte sicher so viel Geld, daß er alles 
bezahlen konnte, ohne daß sich sein Reichtum merklich verringert 
hätte. 

„Hier wissen sie eben, was sie zu tun haben", sagte er zu 

Whitney, als sie die Langusten lobte, die auf Quintons Wunsch am 
Morgen von der Ostküste eingeflogen worden waren. „Ich bin so 
eine Art Edelzocker." Er sah den Butler an, der sie mit 
ausdrucksloser Miene bediente. „Stimmt’s, Jeffers?" 

Der Butler antwortete, ohne zu zögern, während er Zane, von 

der Platte mit den Langusten reichte: „Das ist wohl nicht ganz der 
richtige Ausdruck, Mr. Quinton. Das Hotel würde Sie eher als einen 
Ehrengast betrachten." 

Quinton wußte genau, wie er sich diese Ehre verdient hatte. „Ja, 

denn wer läßt so schnell mal eine Million am Spieltisch?" 

Whitney wußte zwar, daß Quinton um hohe Beträge spielte, aber daß 

es soviel Geld war, erstaunte sie. Das waren Summen, die die meisten 
Leute in ihrem ganzen Leben nicht einmal zu sehen bekamen. „Wie ist 
denn das passiert? 

Quinton wischte ihre Frage wie eine lästige Fliege beiseite, 

aber Whitney wußte, daß er kein guter Verlierer war. „Die 
Glücksfee hat mich eben im Stich gelassen." Er hielt sein Glas 
hoch, und Jeffers schenkte sofort Wein nach. Quinton erhob sein 
Glas und prostete erst Whitney, dann Zane zu. „Mir war sofort 
klar, daß Sie etwas Besonderes sind, als Sie mir das Leben 
retteten." 

Das hat er ziemlich gut verborgen, dachte Zane. „Als ich Sie zur Seite 

stieß, hatten Sie aber ganz andere Worte für mich übrig", erinnerte 
er Quinton. 

„Ach das. Ich bin es nicht gewohnt, daß man so mit mir umgeht." Er 

sah zu Sally, dann zu Whitney. „Außer wenn ich es ausdrücklich 
wünsche." 

Dieser Mann ist zweifellos sehr direkt, dachte Whitney, 

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wahrscheinlich bekommt er immer alles, was er will. Sie fragte 
sich, was er wohl tat, wenn ihm jemand etwas abschlug. 

„Ich hatte keine Zeit, Ihnen etwas zuzurufen", sagte Zane. „Wenn ich 

Sie nicht aus dem Weg gestoßen hätte, wären Sie überrollt worden. Ich 
dachte, Ihr Bodyguard würde mich erschießen." Jetzt konnte Zane 
darüber lachen, aber damals war ihm fast das Herz 
stehengeblieben. Der Wachmann hatte eine Pistole aus dem 
Schulterhalfter gezogen und auf Zane gezielt, als der Wagen den 
Hügel hinunterraste. 

Quinton nickte. „Wenn das Auto nicht gewesen wäre, hätte er es 

getan. Er arbeitet nicht mehr für mich fügte er nüchtern hinzu. „Es 
hat nicht viel Sinn, Leute zu beschäftigen, die ihren Job nicht 
verstehen. Ich überlege, ob ich ihn nicht einem der beiden 
Türsteher gebe, wenn ich abreise." 

Quinton schob seinen Stuhl zurück und fragte seine Gäste: „Kann ich 

Ihnen noch irgend etwas anbieten?" 

Whitney mochte Quinton zwar nicht, aber das Essen war 

wirklich sehr gut gewesen. „Nur, wenn Sie wollen, daß ich 
platze", erwiderte sie. 

Er hatte beobachtet, daß sie von allem etwas gegessen hatte. 

„Ich mag Frauen mit einem gesunden Appetit. Er spricht für Sie." 
Er wies mit dem Kopf zu Sally. „Sie ißt wie ein Vogel, das gefällt 
mir nicht besonders." 

„Dicke Frauen gefallen Dir auch nicht besonders", erinnerte 

Sally ihn. Sie hatte an dem Leben, das ihr Quinton bot, 
Geschmack gefunden und sich geschworen, sich seine Gunst zu 
erhalten, koste es, was es wolle. Sie wußte genau, was sie zu tun 
hatte, um Quinton bei Laune zu halten. Über seine ständigen 
Sticheleien konnte sie dabei leicht hinwegsehen 

„Ja, das stimmt", gab Quinton zu. „Ich habe eine Schwäche für 

hübsche, wohlgeformte Dinge." Sein Blick ruhte auf Whitney. 
„Gut, wollen wir uns nun mein Reich anschauen?" 

 
Whitney hatte den Eindruck, als könnte man sich schnell in diesen 

weitläufigen Räumlichkeiten verlaufen. Ihrer Ansicht nach war 
Quintons Unterkunft keine Suite, sondern eher ein ganzes Haus. 

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Ein Palast im Palast, wie es das Hotelmanagement gern nannte. 
Whitney begriff nicht, wieso das Hotel für jemandem wie Quinton 
soviel Geld ausgab, aber vielleicht waren sie ihm wirklich wegen 
seines Nutzens für die Spielbank zu Dankverpflichtet. 

Für Whitney war er jedenfalls nur ein gieriger Egoist. Sie hatte 

Kopfweh von den letzten zwei Stunden, in denen Quinton fast nur 
von sich und seinen Vorlieben erzählt hatte. Sie wurde immer stiller. 
Zane fragte sich, ob es ihr gutging. Er war nicht der einzige, der 
etwas bemerkt hatte. „Sie sehen blaß aus, meine Liebe. Ich hoffe nicht, 
daß es am Essen liegt", wandte sich Quinton an sie. 

Müde schüttelte Whitney den Kopf, der bei jeder unbedachten 

Bewegung schmerzte. „Nein, nein, es war wunderbar. Ich habe 
nur ein wenig Kopfweh." 

„Mir steht eine ganze Apotheke zur Verfügung. Ich bringe Ihnen, 

was Sie möchten." Whitney zweifelte nicht daran, aber sie wollte 
weg aus diesem Museum und sich hinlegen. „Ich fürchte, daß es 
nichts helfen wird. Das beste wird sein, wenn ich mich ein wenig 
ausruhe", meinte sie. 

Quinton zeigte zur Wendeltreppe. „Sie haben mehrere Betten zur 

Auswahl." 

Whitney hätte kein Auge zugetan, wenn sie auf das Angebot 

eingegangen wäre. Womöglich wäre Quinton plötzlich an der Tür 
gestanden, und das wollte sie um jeden Preis vermeiden. „Vielen 
Dank, aber ich lege mich lieber in mein eigenes Bett, wenn Sie 
erlauben." 

Zane wollte mit ihr gehen. Whitney berührte ihn an der Schulter und 

hielt ihn zurück. „Nein, Schatz, du bleibst hier. Es ist eine gute 
Gelegenheit für dich und Mr. Quinton, über eure Abmachung zu 
sprechen. Weshalb solltest du dich in unserem Zimmer langweilen, 
nur weil ich schlafen will." 

Außerdem wollte sie allein sein, denn wenn Zane da wäre, würde sie 

sicher nicht schlafen können. Whitney bemerkte, daß Quinton ein 
wenig ungehalten war. 

„Sind Sie sicher, daß ich Ihnen nichts anbieten kann?" fragte er sie 

noch einmal. 

Whitney überlegte. „Doch, ich wüßte etwas." 

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„Und das wäre?" 
„Einen Führer. Ich fürchte, ich werde die Eingangstür nicht allein 

finden." Sie war sich nicht sicher, ob sie sich nach dem Eßzimmer rechts 
oder links halten mußte. Die Besichtigungstour hatte sie eher noch 
verwirrt. 

Quinton winkte ab, als Jeffers herantrat. „Ich bringe Sie selbst 

hin." 

Zane gefiel es nicht, daß Whitney gehen wollte, aber es gab ihm 

die Gelegenheit, mit Quinton allein über die Geschäfte zu reden. 
Ohne Whitney würde sich Quinton sicher irgendwann mit ihm ins 
Arbeitszimmer zurückziehen und Sally sich selbst überlassen. „Bist 
du sicher, daß dir nichts fehlt?" fragte Zane. 

Seine Sorge war rührend. „Mir geht’s bald wieder gut, ich muß mich 

nur ein wenig ausruhen." 

„Ich komme bald nach", versprach Zane, als sie das Zimmer 

verließ. 

„Laß dir Zeit", entgegnete Whitney. 
„So mag ich das. Sie sind eine verständnisvolle Frau", meinte 

Quinton, während er Whitney zur Tür brachte. „Ich könnte einen 
Arzt holen lassen, der nach Ihnen schaut", schlug er vor. 

Das fehlte ihr noch. „Ich habe nur ein wenig Kopfweh, Mr. Quinton, 

keine Gehirnblutung. Wenn ich etwas geschlafen habe, geht es 
mir wieder gut. 

Quinton spielte mit dem Medaillon, das sie trug.  Er  trat  ihr  schon 

wieder viel zu nahe. „Dann kommen Sie heute abend wieder ins 
Casino?" 

Whitney konnte es ihm kaum abschlagen, wenn er durch 

seinen Aberglauben so sehr auf ihre Anwesenheit angewiesen war. 
„Ich werde es mir nicht entgehen lassen", versprach sie und wünschte, 
sie würde bis zum Abend doch noch eine Entschuldigung finden. 

Quinton gab dem Butler ein Zeichen. „Jeffers wird Sie zu Ihrem 

Zimmer bringen." 

„Das ist wirklich nicht nötig." Ohne auf den Butler zu warten, 

öffnete Whitney selbst die Tür zum Korridor. „Ich bin sicher, daß er 
Wichtigeres zu tun hat." Sie hielt inne. „Vielen Dank für das 
Mittagessen - es war einfach phantastisch. Bis heute abend. Als sie 

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ging, lächelte sie noch einmal. „Vergessen Sie bitte nicht, mir 
meinen Mann zu schicken, wenn Sie fertig sind." 

„Wenn er mir die richtigen Antworten gegeben hat", erwiderte 

Quinton prompt und schloß augenblicklich die Tür. Whitney fragte 
sich, was er damit wohl gemeint hatte. 

 
Vielleicht hätte sie doch eine Kopfschmerztablette von Quinton 

annehmen sollen. Eine halbe Stunde später fühlte sie sich immer 
noch nicht besser. Wahrscheinlich hatte Quinton fünfzig 
verschiedene Tabletten zur Auswahl, aber hier in ihrem Zimmer 
schien keine einzige vorhanden zu sein. 

Sie hatte zweimal das Apothekenschränkchen im Bad und ihr 

Gepäck durchsucht und nichts gefunden. Seufzend schob sie die 
zwei Koffer zurück in den Schrank. Vielleicht hatte Zane etwas 
dabei? Sie nahm seinen Koffer, legte ihn aufs Bett und öffnete ihn, 
aber auch hier blieb die Suche erfolglos. 

Als sie sich entmutigt aufs Bett sinken ließ, rutschte der Koffer 

von der Bettkante und überschlug sich. Alles fiel heraus. Eigentlich 
wollte Whitney die Sachen einfach auf dem Boden liegen lassen, 
dann beugte sie sich doch hinunter. Die Kopfschmerzen nahmen zu. 

Auf dem Boden lag eine Pistole. Sie war aus dem Koffer gefallen. 

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11. KAPITEL 

 
Erschrocken blickte Whitney die Pistole an. Sie weigerte sich zu 

begreifen, was sie sah, aber es war nicht zu ändern. Die Waffe vor 
ihren Füßen war eindeutig aus Zanes Koffer gefallen, 
wahrscheinlich aus einem Geheimfach, das sich bei dem Sturz 
geöffnet hatte, sonst hätte sie sie ja bereits gefunden, als sie nach den 
Tabletten suchte. 

Er hatte die Waffe versteckt. Warum? Wozu brauchte er sie? 

Whitneys Magen zog sich zusammen. In was für einen Mann hatte 
sie sich verliebt? 

Whitney atmete tief durch, um sich zu beruhigen, aber ihre 

Hände zitterten immer noch, als sie die Pistole vom Boden aufhob. Als 
sie das kühle Metall in den Händen spürte, schossen ihr blitzartig 
Erinnerungsfetzen durch den Kopf. Sie hatte schon einmal eine solche 
Pistole in Händen gehabt. Aber wann? Und warum? Whitney 
konnte sich nicht ausmalen, warum sie mit Schußwaffen vertraut sein 
sollte. Die Erinnerung verschwand so schnell, wie sie gekommen war. 

Whitney kannte niemand, an den sie sich hätte wenden können. 

Sie versuchte, sich zusammenzureißen. Hysterisch zu werden 
konnte sie sich jetzt nicht leisten. 

 
Quinton lehnte sich in dem breiten Lederstuhl zurück, der zu dem 

mit Schnitzereien verzierten Sekretär paßte. Er hatte sich bereits dafür 
entschieden, Zane zu seinem Partner zu machen, hielt sich aber für 
den Fall, daß er es sich doch noch anders überlegen würde, immer gern 
eine Hintertür offen. 

Quinton griff nach der Zigarrenkiste und schob sie Zane hin. 

„Bedienen Sie sich." Er wartete, bis Zane sich entschieden hatte. 

Wenn Quinton jemandem eine Zigarre aus seinem Privatvorrat 

anbot, hieß das, daß er das Geschäft für abgeschlossen betrachtete. 
Hätte Zane abgelehnt, wäre es eine Beleidigung gewesen. Zane 
hatte zu lange auf diesen Augenblick hingearbeitet, als daß er jetzt 
alles aufs Spiel gesetzt hätte. Deshalb überwand er sich und nahm 
eine dieser übelschmeckenden Dinger an. Eigentlich rauchte er 
nicht und hoffte, er würde sich jetzt nicht blamieren. 

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Quinton schnitt die Spitze seiner Zigarre ab und reichte Zane den 

Zigarrenabschneider. Zane tat es ihm geschickt nach. Anerkennend 
nickte Quinton und gab erst Zane Feuer, dann sich selbst, ließ das 
goldene Feuerzeug wieder in seine Hosentasche gleiten und nahm einen 
langen Zug. 

Außer ihnen beiden war niemand im Raum. Hier konnte man 

ungestört Geschäfte abschließen. Quinton ließ den Raum 
regelmäßig auf Abhörgeräte untersuchen. Er lehnte sich wieder 
zurück, blies den Rauch aus und blickte Zane nachdenklich aus 
zusammengekniffenen Augen an. 

Wie ein Mann seine Zigarre rauchte, ließ Rückschlüsse auf seinen 

Charakter zu. Genauso war es damit, wie ein Mann auf die 
Angebote einer Frau reagierte, die einem anderen gehörte. 
Quinton dachte an Sally und lächelte. Zane hatte den Test bestanden. 
Quinton wies auf die Zigarren. 

„Ich bekomme sie täglich. Steuerfrei." Er lachte, als er an Jeffers 

Gesicht dachte, wenn er ihm jeden Nachmittag die Zigarren 
brachte. „Mein Butler ist furchtbar ehrlich. Er haßt den Gedanken an 
etwas Illegales. Wahrscheinlich betrügt er nicht einmal bei seiner 
Steuererklärung. Wo wären wir, wenn das alle so machten?" fragte 
Quinton. 

„Weg vom Fenster", antwortete Zane prompt. 
Sorgfältig streifte Quinton die Asche in einen Aschenbecher und 

achtete darauf, daß nichts danebenfiel. „Zum Glück läßt sich der 
Normalbürger eher bestechen, als daß er wie ein Heiliger lebt." Er 
beobachtete Zane. „Ist doch langweilig, finden Sie nicht? Wie ein 
Heiliger zu leben." 

Er stellt mich auf die Probe, dachte Zane, er will meine Gedanken 

erraten. „Zum Glück hatte ich nie dieses Problem", erwiderte er. 

Quintons Lachen klang echt. „Gute Antwort. Mir geht es 

genauso." Ein Funkeln trat in seine Augen. „Ich lebe lieber am 
Rand." 

Zane sah sich wissend in dem riesigen Raum um. Unzählige 

kostbare alte Bücher füllten die Regale an den Wänden. Die Vase 
auf dem Tisch, die täglich neu mit Blumen bestückt wurde, war 
mehrere tausend Dollar wert. Mit solchen Dingen umgab sich nur 

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ein Mann, der Sinn für einen ausgefeilten Lebensstil hatte. 

„,Rand’ würde ich es nicht gerade nennen sagte Zane. Dort hätte 

man sich schlichter eingerichtet und nicht schier unbezahlbaren 
Wein getrunken.“ 

„Es ist aber so", widersprach Quinton und machte eine 

weitausholende Handbewegung. „So weit kann man es bringen, 
wenn man sich am Rand bewegt - falls man den Mut dazu hat." Er 
zog an seiner Zigarre. „Stellen Sie sich vor: Sie versuchen, sich 
nicht in die Karten sehen zu lassen. Blufft der andere?" Quinton 
lächelte verschlagen. „Bluffen Sie? Der Adrenalinspiegel steigt. Es 
ist das einzige Spiel, das sich in dieser Stadt lohnt, Russell." 
Quinton erinnerte sich an vergangene Abende. „Das einzige.“ 

Zane dachte an Sally. Er zweifelte, ob Quinton wußte, was Liebe war, 

aber er vermutete, daß Lust und ihre Befriedigung auf Quintons 
Liste ganz oben standen. „Ich dachte, Sex gehört auch dazu", warf 
Zane ein. Behutsam zog er den Rauch ein und stieß ihn wieder aus. 
Er gratulierte sich, daß er nicht husten mußte. 

Quinton dachte an Whitney. Diese Frau hatte einen festen, hübschen 

Po. Er fragte sich, ob Zane ihm seine Frau anbot wie, er Zane seine 
Zigarren. „Sex gehört dazu", stimmte er ihm zu. „Eine nette Zugabe. 
Sie brauchen nur gut spielen, dann kommen die Frauen wie von 
selbst. Aber das brauche ich Ihnen vermutlich nicht zu erzählen." 

Zane haßte dieses Gespräch. Er fühlte sich unter ständiger 

Beobachtung. „Sie haben recht", entgegnete er. 

Quinton hielt es für an der Zeit, die Unterhaltung zu, beenden. 

Er stand auf. „Ich lasse die Ware für Sie packen, bevor ich abreise." 

Etwas in Quintons Stimme ließ Zane aufhorchen. „Sie haben die 

Ware hier?" 

Quinton überhörte die Frage absichtlich. Er entschied selbst, wann er 

Informationen gab. „Ich lasse sie für Sie packen, bevor ich 
abreise", wiederholte er. „Außer, ich überlege es mir doch noch 
anders." 

Zane begriff, daß er mit seiner Frage zu weit gegangen war. Er 

durfte Quinton nicht verärgern. „Ich hoffe, daß das nicht der Fall 
sein wird", sagte Zane und hoffte, daß seine Worte entschuldigend 
und zuversichtlich zugleich klangen. 

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- 107 -

Quinton schien von seiner Selbstbeherrschung beeindruckt. 

„Sie werden das Geld bei der Übergabe dabeihaben?" 

„Selbstverständlich", erwiderte. Zane, ohne  mit der Wimper zu 

zucken. 

Quinton mochte es nicht, wenn er nicht die Kontrolle über alles 

hatte. „Es ist nicht in Ihrem Zimmer." Es hatte nichts darauf 
hingedeutet, aber Zane hatte keine Zweifel, daß Quintons Leute bereits 
sein Zimmer durchsucht hatten. Deswegen hatte Sheridan das Geld 
an einem anderen Ort versteckt. Ein Aktenkoffer mit exakt der 
Summe, die Zane mit Quinton ausgehandelt hatte, lag sicher im 
Safe eines anderen Hotels. 

Zane erwiderte Quintons kühles Lächeln. „Nein", sagte er. Quintons 

Lächeln vertiefte sich. „Sie erinnern mich ein wenig an mich selbst, 
als ich meine ersten Geschäfte machte." 

Zane wußte nie, woran er bei Quinton war. Einmal schien er ihm die 

Freundschaft anzubieten, dann behandelte er ihn wieder von oben 
herab. „Ich bin kein Neuling auf dem Gebiet, Mr. Quinton, wenn 
Sie das meinen, aber ich fasse es als Kompliment auf." 

„Das sollten Sie auch". Quinton hatte keine Lust mehr, sich 

noch weiter zu unterhalten. „Gut, dann haben wir ja alles 
besprochen. Wir machen die Übergabe, wenn ich abreise, gegen 
Mittag." 

Damit war Zane entlassen. „Sie können gehen, Russell." Quinton 

brachte ihn zur Tür. „Ich erwarte Sie heute abend mit Ihrer Frau im 
Casino." Er hatte schon die Hand am Türgriff, als er Zane fragte: 
„Sie weiß nichts von unseren Geschäften, nicht wahr?" 

Nichts an Whitneys Verhalten ließ darauf schließen, daß sie 

etwas ahnte. Zane schüttelte den Kopf. „Nur das, was ich ihr erzählt 
habe." 

Genau das wollte Quinton hören. „Dann lassen Sie es dabei. 

Frauen können mit solchen Dingen oft nicht umgehen. Ich finde, 
sie erfüllen ihren Zweck am besten, wenn man ihnen nicht zuviel 
verrät." 

Zane überlegte, was Whitney wohl zu dieser Ansicht gesagt 

hätte. Quinton hätte sich noch gewundert, was in ihr steckte, wenn 
sie nicht gestürzt wäre. Er schüttelte die Hand, die Quinton ihm bot. 

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„Ich werde es mir merken." 

 
Zane beeilte sich, zu Whitney zu kommen. Während der 

Verhandlungen mit Quinton hatte er die ganze Zeit ein ungutes 
Gefühl gehabt. Er wußte, daß das nicht an Quinton lag, im 
Gegenteil, Zane hätte sich besser auf das Gespräch konzentrieren 
sollen. Deswegen war er ja hier. Aber selbst während er sich mit 
Quinton unterhalten hatte, waren seine Gedanken immer wieder zu 
Whitney abgeschweift. 

Zane wollte nicht, daß sie allein war. Er war nun schon so nahe 

am Ziel, daß er sich von Whitney ungern alles verderben lassen 
wollte. Natürlich machte er sich nichts vor, was Quintons 
väterliche Haltung ihm gegenüber betraf. Quinton gehörte zu den 
Leuten, denen es leicht fiel, jemand umbringen zulassen, der ihnen 
nicht gefiel. Mit Leuten wie ihm stellte man sich besser gut, wenn 
man nicht gerade eine Achtunddreißiger in den Händen hielt. 

Die Aufzugtüren öffneten sich. Als Zane den Korridor entlanglief, 

fühlte er sich beobachtet, aber es war niemand zu sehen. Kein 
Zimmermädchen, kein Kellner mit einem Rollwagen, keine 
Videokamera. Das hieß nicht, daß Quinton nicht irgendwo auf dem 
Stockwerk eine hatte verstecken lassen, obwohl Sheridan alles 
überprüft hatte, bevor Zane das Zimmer bezog. 

Die Überwachungskameras gehörten nicht unbedingt zum Hotel. 

Quinton hatte gut geschalte und hochintelligente Leute zur Verfügung, 
deswegen war Zane vorsichtig bei allem, was er tat und sagte. Er 
hoffte inständig, daß Quinton sich nicht damit unterhalten hatte, 
ihm und Whitney zuzusehen. An diese Möglichkeit hatte er bisher 
noch gar nicht gedacht. 

Ärger stieg in ihm hoch, aber er nahm sich zusammen. 

Schließlich war das eine reine Vermutung, und er hatte genug 
anderes zu tun, als sich darüber Gedanken zu machen. 

Leise schloß Zane die Tür auf. Falls Whitney schlief, wollte er sie 

erst wecken, wenn sie ins Casino mußten. Aber sie schlief nicht, 
sondern saß hellwach auf dem Bett. Das überraschte ihn. 
Offensichtlich hatte sie auf seine Rückkehr gewartet. Auf ihrem Schoß 
lag seine Pistole. Zane verfluchte sich im stillen. Wie kam sie zu der 

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- 109 -

Waffe? 

„Was hast du da?", fragte er betont locker. Als er sich 

hinunterbeugen wollte, um sie auf die Wange zu küssen, zog 
Whitney ihren Kopf zurück. Ihre Überraschung und ihr Schrecken 
hatten inzwischen heftigem Zorn Platz gemacht. „Das siehst du 
ganz genau. Mach mir nichts vor, Zane." Sie nahm die Pistole und 
hielt sie hoch. „Sie war in deinem Koffer. Was hat sie dort zu 
suchen?" 

Unfähig, ihr darauf eine Antwort zu geben, konterte Zane: „Was 

hattest du in meinem Koffer zu suchen?" Aber Whitney war auf der 
Hut. „Lenk nicht ab, Zane, und versuch nicht, mich wieder ins Bett zu 
kriegen, damit du nichts erklären mußt. Ich stelle jetzt die Fragen. 
Ich will die Wahrheit wissen. Was machst du mit dieser Waffe?" 
Whitney sprach betont langsam und deutlich. 

Zane schob die Hände tief in die Hosentaschen. „Ich brauche sie 

für meinen Schutz." 

Das kaufte sie ihm nicht so einfach ab. „Wovor muß sich ein 

Immobilienmakler schützen? Vor aggressiven Eichhörnchen?" 

Zane ließ sich nicht provozieren. Ruhig antwortete er: „Ich habe 

dir nichts davon erzählt, weil ich dich nicht beunruhigen wollte." 

Das mußte ironisch gemeint sein. „Nun, das ist dir nicht 

gelungen. Ich rege mich auf, ich rege mich sogar sehr auf. War er 
verrückt? Was glaubte er eigentlich? „Was machst du damit? 
Pistolen durch die Gegend zu tragen ist illegal." 

Er schüttelte den Kopf. „Ich habe einen Waffenschein." Das 

war nicht ganz richtig. Nur für die Waffe, die er ständig bei sich 
trug, eine kleinere, an die er leichter herankam. 

Whitney verstand nicht. „Wenn du einen Waffenschein hast, 

wieso versteckst du sie dann?" 

„Ich sagte doch gerade, ich wollte dich nicht beunruhigen. Außerdem 

sind wir hier nicht im Wilden Westen, Whit. Man trägt die 
Pistolen nicht mehr an der Hüfte." Zane sprach leise und 
beruhigend. Es erstaunte ihn fast, wie leicht es ihm fiel, sie zu 
belügen, und er verabscheute sich gleichzeitig dafür. Früher hatte 
er Whitney nie belogen, nur einmal, aber davon wußte sie nichts. 
Es war seine Lebenslüge. 

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- 110 -

Er streckte seine Hand nach der Waffe aus. „Darf ich?" 
Whitney zuckte die Schultern. „Nimm sie. Wirf sie weg." Zane 

nahm die Pistole und legte sie vorsichtig zurück in den Koffer. Der 
doppelte Boden war aufgegangen. Zane dachte an Quinton, der wußte, 
daß das Geld nicht im Zimmer war. Offensichtlich hatten seine Leute 
auch die Waffe nicht gefunden, sonst hätten sie sie bestimmt 
mitgenommen. 

„Ich glaube, man wäre hier nicht begeistert, so etwas im 

Papierkorb zu finden." Er schloß den Koffer und stellte ihn in den 
Schrank. 

Whitney fror. Sie fühlte sich betrogen. Wie konnte sie ihm 

vertrauen, wenn es Dinge gab, die er ihr nicht sagen wollte? Was 
wußte sie noch alles nicht? „Das ist gar nicht komisch, Zane." 

Er setzte sich zu ihr aufs Bett. „Nein, du hast recht", sagte er 

und nahm ihre Hand. Als Whitney sie ihm entziehen wollte, faßte 
er sie fester. „Aber du mußt verstehen, daß ich Angst um mein 
Leben habe. Und um deines." 

„Meines?" Verständnislos blickte sie ihn an. „Warum? Hat es mit 

Quinton zu tun?" 

Er hätte es ihr so gern gesagt. Es wäre so leicht gewesen, aber es ging 

einfach nicht. Zane sah ihr in die Augen und log weiter. „Nein. Mit 
Madeline." 

Fast war er stolz darauf, es so locker über die Lippen zu bringen, 

obwohl er sich äußerst unwohl in seiner Haut fühlte. Aber Whitney 
durfte jetzt einfach noch nicht eingeweiht werden, erst wenn das 
Kokain in seinem Besitz war und Quinton das Geld bekommen 
hatte. 

Madeline war der Name seiner Mutter gewesen. Diesen Namen 

würde er nie vergessen, obwohl ihr Gesicht längst im Lauf der Zeit 
in seiner Erinnerung verblaßt war. Zane konnte sich nicht erinnern, 
wie sie ausgesehen hatte, wie sehr er sich auch bemühte, aber er war 
erst vier Jahre alt gewesen, als sie ihn verlassen hatte. 

Whitney verstand immer noch nichts. „Madeline? Wer ist Madeline?" 
„Meine Exfreundin. Dann kamst du." Zärtlich strich Zane Whitney 

über die Wange. Er liebte Whitney so sehr, daß es ihm fast 
Magenschmerzen bereitete. Aber das würde ihr nichts bedeuten, wenn 

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- 111 -

sie die Wahrheit herausgefunden hatte. Zane versuchte, sich wieder 
auf seine Erklärung zu konzentrieren. 

„Sie hat geschworen, sich zu rächen. Sie hat mich verfolgt, Whitney. 

Sie drohte, uns beide umzubringen, wenn sie uns zusammen erwischen 
würde. Madeline wird sich von meiner Waffe beeindrucken 
lassen, egal, ob sie zugelassen ist oder nicht." 

Warum hatte er ihr das nicht schon früher erzählt? Whitney war 

immer noch mißtrauisch, aber ihr Zorn ließ nach. Sie überlegte, wie 
schrecklich es für ihn gewesen sein mußte, dieses Geheimnis zu 
bewahren, um sie zu schützen. „Sie hat dich verfolgt?" 

„Ja. Den letzten Monat habe ich sie nicht gesehen, aber ich bin nicht 

sicher, ob sie nicht doch wieder auftaucht. Sie gibt nicht so leicht 
auf. Seit ich eine Pistole habe, fühle ich mich sicherer." 

Whitney blickte zum Schrank „Da drin wird sie dir nicht viel nützen." 
„Es ist eine Vorsichtsmaßnahme." Zane blickte Whitney an und sagte 

ihr die Wahrheit. „Ich will nicht, daß dir etwas passiert." 

Whitney fühlte sich wieder geborgen und geliebt. „Mir wird nichts 

passieren", versicherte sie ihm zuversichtlich. „Zu zweit werden wir 
damit schon fertig werden. Ich muß vor meinem 
Gedächtnisverlust ein ziemlich zartes Pflänzchen gewesen sein, 
nach allem, was du mir erzählst." 

Zane unterdrückte ein Lächeln. Das genaue Gegenteil war der 

Fall. 

„Aber es wird sich alles ändern. Ich will nicht nur deine Frau sein, 

Zane, sondern deine Partnerin. In jeder Hinsicht." Whitney sah 
ihn an. „Ohne Geheimnisse." 

Warum machte sie es ihm nur so verdammt schwer? „Ohne 

Geheimnisse", versprach er und hätte sich bei diesen Worten am 
liebsten die Zunge abgebissen. Wenn er in ihre Augen schaute, 
wußte er nicht mehr, warum er sie eigentlich anlog. 

Nachdem Whitney wieder beruhigt war, erwachte ihre Neugier. „Wie 

war sie denn, ich meine, Madeline?" 

Zane zuckte die Schultern und versuchte zu überlegen. „Es war nichts 

Ernstes. Nicht so wie mit dir." Er küßte sie auf die Stirn. „Was machen 
deine Kopfschmerzen?" 

Sie hatte nicht einmal bemerkt, daß sie verschwunden waren. „Du 

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hast sie geheilt", meinte sie sanft. Vielleicht konnte er noch ein wenig 
Zeit gewinnen, bevor sie ihn für alle Zeiten von sich stieß. Er legte die 
Arme um sie. „Kann ich sonst noch irgend etwas heilen?" 

Whitney lächelte. „Nun, wenn du so fragst..." 

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12. KAPITEL 

 
Whitney fühlte sich tief befriedigt und erschöpft. Sie konnte sich 

kaum mehr bewegen. Als sie Zane neben sich auf dem Boden 
ansah, lächelte sie. Sie waren durch den ganzen Raum gerollt und 
wieder vor dem Bett gelandet, ohne hinaufzugelangen. Aber das 
machte nichts. Egal, wo sie war, solange Zane bei ihr war, fühlte 
sich Whitney wie im Paradies. 

Zufrieden seufzend, fuhr sie ihm durchs Haar. „Weißt du, mir 

kommt es vor, als würden wir uns schon immer kennen. Als wären 
wir Seelenverwandte. Das ist doch seltsam, nicht?" Sie stützte sich 
auf die Ellbogen. „Ich meine, mir kommt es vor, als wären wir schon 
ewig zusammen, aber du sagtest, es sei alles ganz schnell gegangen. 
Wir haben uns an Silvester kennengelernt, und jetzt ist erst... 
welchen Monat haben wir überhaupt?" Whitney bemerkte, daß sie 
gar nicht wußte, welches Datum sie hatten. 

Zane betrachtete sie. Ihm war nicht ganz wohl, denn er fühlte sich vor 

Whitney immer noch schuldig. „Wir haben Anfang Juni." 

„Juni", wiederholte sie, als könnte sie es sich so besser merken. 
„Nicht mal ein halbes Jahr." Whitney spürte, daß sie rettungslos 

verliebt war, und für dieses Gefühl war sie unendlich dankbar. „Nicht 
gerade eine Ewigkeit." 

Zane wollte nicht mit ihr über seine erfundenen Geschichten sprechen, 

das verschlimmerte nur sein schlechtes Gewissen. Er beugte sich 
über sie. „Für eine Eintagsfliege ist es tausendmal so lang." Er 
streichelte ihre Wangen. Wie er sie liebte! Und er würde dafür 
bezahlen müssen. „Ich war nie gut in Mathematik." Whitney mußte 
lachen. „Und du arbeitest mit Geld?" 

Er nahm ihren Kommentar gelassen hin. „Immerhin weiß ich, wie 

viele Nullen eine Million hat." 

Whitney. staunte. Sie hatte noch nicht darüber nachgedacht, um 

welche Beträge es bei dem Geschäft zwischen Quinton und Zane 
ging. Bisher hatte sie eher Schwierigkeiten mit der Sache an sich 
gehabt. Diese Zahl ernüchterte sie. „Eine Million? Geht es um soviel 
Geld?" 

Eigentlich ging es um dreimal soviel, aber Zane fürchtete, 

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- 114 -

Whitney könnte mißtrauisch werden, wenn sie das hörte, und er 
wollte vermeiden, daß sie noch mehr Fragen stellte, bevor alles vorbei 
war. Er blickte zur Decke und nickte. „Das bekomme ich für die 
Häuser, die verkauft werden, wenn der Bauplan genehmigt wird." 

Whitney pfiff leise durch die Zähne. „Kein Wunder, daß du darauf 

aus warst, bei Quinton einen guten Eindruck zu machen." Aber sie 
wollte jetzt nicht an Quinton denken. Sie seufzte, als Zane sich 
langsam an sie drängte, und spürte ein Prickeln auf der Haut. 
Zärtlich sah sie ihn an. „Müssen wir uns schon fertigmachen?" 

Zane wollte sich noch nicht anziehen. Am liebsten hätte er sich 

nie mehr von der Stelle bewegt, sondern wäre für immer hier 
neben ihr liegengeblieben. „Nein, wir haben noch ungefähr 
anderthalb Stunden, bevor wir zu Quinton ins Casino müssen." 

Heute abend würde ein Spiel in einem Nebenraum stattfinden, zu 

dem nur wenige Teilnehmer eingeladen waren. Quinton hatte 
nichts Genaues gesagt, aber sie waren verpflichtet hinzugehen. 

„Das sind neunzig Minuten", stellte Whitney fest. Sie ließ Zane 

nicht aus den Augen, als sie sich mit der Zungenspitze über die Lippen 
fuhr. In seinen Augen sah sie, daß er das gleiche dachte wie sie. „Ich 
brauche nur fünf Minuten zum Anziehen." 

Zane lachte leise und küßte sie auf die Schulter. Er konnte einfach 

nicht genug von Whitney bekommen. „Zehn, ich habe auf die 
Uhr geschaut." 

Whitney neigte den Kopf zur Seite. „Na gut, dann eben zehn 

Minuten. " Einladend schmiegte sie sich an ihn. „Und was machen 
wir mit den restlichen achtzig Minuten?" 

Whitney raubte ihm den Verstand. Wer hätte gedacht, daß hinter 

diesem kühlen Äußeren so eine unersättliche Frau steckte? „Wir 
könnten uns erholen", schlug Zane vor. 

„Willst du damit sagen, daß ich dich schon erschöpft habe?" Sie 

schüttelte gespielt ungläubig den Kopf. „Zane, hast du denn gar keine 
Kondition?" 

Er blickte sich um. Das Zimmer sah aus wie nach einem 

Wirbelsturm. Sie hatten sich überall geliebt, wo es möglich war, 
immer wieder, auf dem Tisch, in der Dusche, auf dem Boden. 
Jedesmal hatte einer von beiden den anderen angestachelt, wieder 

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- 115 -

von vorn zu beginnen. Zane war sich eigentlich sicher gewesen, 
daß sie beide jetzt genug hatten. 

„Ich fürchte, meine Kondition  ist irgendwo in diesem Chaos dort 

verlorengegangen." 

Whitney legte ihm die Arme um den Nacken und bewegte sich 

aufreizend unter ihm. Sie brauchte ihr Gedächtnis nicht, um zu 
wissen, daß es ihr noch mit keinem Mann so wie mit Zane 
gegangen war. „Du willst mich doch nicht etwa enttäuschen, 
Zane?" 

Sie meinte es im Spaß, aber Zane gab der Vorwurf einen Stich. 

„Nein", sagte er ernst, „noch nicht." 

Bei seinen Worten zog es Whitney das Herz zusammen. „Warum 

sagst du so etwas?" Er lächelte, aber sie hätte schwören können, 
daß da noch etwas anderes war. „Zane, verschweigst du mir 
etwas?" 

Er hätte sich umbringen können. Warum war er so leichtsinnig? Er 

schüttelte den Kopf. „Nein. Ich meine nur, ich habe alles getan, was 
ich konnte. Egal was passiert, ich glaube, ich bin erledigt." 

Vielleicht hatte sie es sich nur eingebildet. Whitney wollte sich 

nicht die kurze Zeit verderben lassen, die, sie noch hatten, bevor sie ins 
Casino mußten. Sie schaute an seinem Körper hinab. „Hast du 
etwas dagegen, wenn ich es trotzdem versuche?" 

Er lachte. „Nur, wenn du vorsichtig bist." 
„Sicher. Aber ich habe etwas ganz Bestimmtes vor." Sanft streifte sie 

mit den Lippen an seinem Hals entlang und beugte sich so über 
ihn, daß ihre Brüste leicht seinen Brustkorb berührten. Es entging ihr 
nicht, wie er auf sie reagierte. Er war offensichtlich doch nicht so 
erledigt, wie er vorgab. 

„Das zum Beispiel." Sie fuhr mit der Zungenspitze über seine Lippen. 

Als er den Mund öffnete, um Whitney zu küssen, zog sie sich 
plötzlich zurück, nutzte seine Überraschung zu ihrem Vorteil und rollte 
sich auf ihn. 

„Oder das." Sie atmete heiß gegen seinen Bauch und beobachtete seine 

Muskeln, die sich in Vorahnung auf das, was kommen würde, 
zusammenzogen. Zufrieden lächelte sie, während sie erst mit den 
Lippen, dann mit der Zunge leicht über seine Hüften strich. Das 

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Ergebnis war überwältigend. Whitney fühlte, wie sich ihre eigene 
Erregung steigerte. 

Zane wollte Whitney zu sich nach oben ziehen und ihren Mund, 

ihre Lider, ihr ganzes Gesicht küssen, ihren Körper überall berühren. 
Whitney spürte seine Hände auf ihrer Haut, als sie immer tiefer an ihm 
entlang glitt. Sie stellte ihn auf die Probe, wollte seine Grenzen 
sehen. Zane war sich nicht sicher, wie lange er sich noch 
beherrschen konnte. Er stöhnte, halb vor Schmerz, halb vor Ekstase. 

Whitney war es, als hörte sie ihren Namen. Sie hob den Kopf und sah 

zu ihm hoch. Gepreßt sagte er: „Um Himmels willen, Whit, hab 
Erbarmen!" 

„Habe ich doch. Ein ganz klein bißchen jedenfalls." Sie massierte 

sein Glied leicht mit den Händen, dann schloß sie den Mund darum. 

Unfähig, diesem Angriff noch länger standzuhalten, zog Zane 

Whitney an den Schultern zu sich hoch. Ihr Körper auf dem seinen 
erregte ihn noch mehr. Sie versetzte ihn fast in einen 
Trancezustand, so sehr verlangte er nach ihr. „Du bist eine Hexe, 
weißt du das? Du hast mich verzaubert." 

Zane hatte gedacht, er wäre nicht fähig zu lieben, aber er liebte 

Whitney wirklich. Das machte alles so schrecklich. Er mußte es ihr 
sagen. Jetzt, da sie so warm und nachgiebig in seinen Armen lag, 
würde sie ihn vielleicht verstehen. Zane hatte nie viel über Mut 
nachgedacht. Er hatte ihn einfach, wenn es erforderlich war, aber 
jetzt war er ängstlich und unsicher wie ein Kind. 

„Whit?" 
Sie sah ihn an. Sie zitterte vor Erregung. In seinen Augen sah sie 

etwas, das ihr angst machte. „Ja?" 

Er konnte es ihr nicht sagen. Er begehrte sie zu sehr, und er 

befürchtete, daß sie sich gerade jetzt von ihm abwenden könnte. 
Er brauchte sie. Zane hatte nicht geglaubt, daß es überhaupt 
möglich war, eine Frau so sehr zu begehren, nachdem er sie den 
halben Nachmittag geliebt hatte, aber es war so. 

Wenn er ihr alles sagte, würde sie ihn vielleicht verlassen. Er 

schämte sich dafür, aber er war zu feige, das zu riskieren. Mehr als 
einmal hatte er sein Leben riskiert und dem Tod ins Auge gesehen, 
doch er hätte es nicht ertragen, wenn sie sich von ihm abgewandt 

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hätte. 

„Ja?" wiederholte sie. Sie küßte ihn auf die Wangen. „Sag’s mir." 
Er konnte einfach nicht. Noch nicht. Zane durchwühlte ihr 

Haar und fragte sich, ob er es wohl zum letztenmal berührte. Quinton 
reiste morgen ab. Dann würde die Übergabe stattfinden. Danach gab 
es keinen Grund mehr, Whitney noch länger etwas vorzumachen. 
Wenigstens hatte er noch heute nacht. Vor langem hatte er sich 
angewöhnt, sich auf nichts zu verlassen, um nicht enttäuscht zu 
werden. 

Zane schüttelte den Kopf. „Ich glaube, achtzig Minuten sind nicht 

genug." 

Whitney wußte, daß es nicht das war, was er eigentlich sagen 

wollte, aber sie ging trotzdem auf seine Worte ein. „Ich dachte, du 
seist erschöpft?" 

„War ich auch." Das hatte sich geändert. Whitney war pures 

Adrenalin für ihn. „Ich glaube, du könntest Tote auferwecken, wenn 
du wolltest." 

Sie lachte. Es klang wunderbar für ihn. Ihr Lachen würde er nicht 

vergessen, genauso wenig wie diesen Nachmittag. 

„Wenn wir nur achtzig Minuten haben", sagte Whitney 

nachdenklich, „sollten wir das Beste daraus machen, meinst du 
nicht?" 

Jetzt war e s  an Zane, sie zu überraschen. Blitzschnell warf er sich 

herum, so daß sie unter ihm lag. „Da stimme ich dir voll und ganz 
zu." Bevor Whitney etwas erwidern konnte, küßte Zane sie. Er 
atmete ihren Duft ein und wollte nicht mehr denken, nur noch sie 
fühlen und genießen. Es würde ohnedies bald ein Ende haben. Sie 
würde ihm niemals verzeihen, das wußte er. 

Wenn Whitney mit dem Vorspiel begonnen hatte, um ihn zu 

erregen, so war sie jetzt in die Falle gelaufen, die sie selbst gestellt 
hatte, denn nun war sie diejenige, die vor Begehren fast verrückt 
wurde. Und sie genoß es. Zane wollte die kurze Zeit, die sie hatten, 
nutzen, um Whitney glücklich zu machen, so sehr, daß es ihre 
bisherige Vorstellung von Glück sprengen sollte. 

Whitney hatte gedacht, daß sie mit ihm bereits alle Spielarten der 

Liebe erlebt hätte, doch sie hatte sich getäuscht. Es gab noch so viel zu 

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lernen und zu erfahren. Zane ließ sie Höhepunkte der Lust erleben 
und fand die geheimsten Stellen, an denen sie ihre Lust am tiefsten 
empfand. 

Sie schnappte nach Luft, als Zane nur ihre Kniekehle und die 

Innenseite ihrer Schenkel erst mit den Lippen, dann mit der Zunge 
berührte. Sie glaubte, sie würde den Verstand verlieren, wenn er 
weitermachte und sie nicht sofort an Ort und Stelle nahm. Doch das war 
nur der Anfang. Es war, als wäre Zane einzig und allein dazu 
geschaffen, sie zu lieben. Er gebrauchte seine Lippen, seine Zähne und 
seine Hände, um ihr einen Höhepunkt nach dem nächsten zu 
verschaffen. Er begann langsam, als ob er verschiedene 
Möglichkeiten ausprobieren wollte, und fuhr immer glühender fort. 
Jeder Schritt brachte ihn seinem Ziel näher. 

Whitney war schon schwach, ihre Beine waren kraftlos, da 

bemerkte sie, daß Zane nur noch die Hände benutzte. Sie hielt inne. 
Als sie spürte, wie sich sein Mund um ihre intimste Stelle schloß, 
konnte sie es vor Lust kaum ertragen. Der süße Schmerz 
überwältigte sie, als sie fühlte, wie sich ihre Erregung bis zum 
Höhepunkt steigerte. 

„Halt", wimmerte sie, „ich kann nicht mehr." 
Zane hob den Kopf und sah sie zufrieden an. Er wartete erregt 

darauf, selbst zu seiner Erfüllung zu kommen, aber vorher mußte er 
sie selbst soweit bringen. Egal, was passierte, wenn sie sich wieder 
erinnerte, diesen Nachmittag sollte sie nicht vergessen, schwor sich 
Zane. Vielleicht würde sie ihn dann nicht ganz so sehr hassen. 

„Doch, du kannst noch." 
„Nein, wirklich, es geht nicht." 
„Sag ,bitte’." 
„Bitte!" 
Er ließ seine Zunge wieder spielen und genoß es, als sie 

zusammenzuckte. „Wie? Ich höre dich so schlecht." 

„Bitte", wiederholte Whitney, dann gab sie auf. Sie mußte wohl 

hier auf dem Teppich sterben, aber sie konnte sich nichts Schöneres 
vorstellen. Sie holte tief Luft, als Zane seine Position veränderte und 
sich auf sie legte. Er stützte sich mit den Armen neben ihr ab. Whitney 
spürte ein Prickeln der Vorfreude auf ihn. 

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„Soll ich aufhören?" fragte Zane. Als ob er das jetzt gekonnt hätte! 
Whitney wußte nicht, woher sie die Kraft nahm, aber vielleicht hatte 

sein glühendes Liebesspiel sie zu neuem Leben erweckt, denn sie 
wollte eins mit ihm sein und ihn in sich spüren. „Wenn du das tust, 
muß ich dich leider umbringen", sagte sie so ernst, daß er beinahe 
lachen mußte. 

„Das wollen wir doch lieber nicht riskieren." Und dann ließ er sich 

wieder gefangennehmen von der Liebe, die er in ihren Augen 
leuchten sah, einer Liebe, die er ihr sozusagen eingeredet hatte. 

Whitney öffnete sich ihm. Als er langsam und behutsam in sie 

eindrang, ohne den Blick von ihr zu wenden, hielt sie den Atem an. 
„Ich liebe dich", flüsterte sie. 

„Ich weiß." Und das war seine Schuld, sein Problem. Er hatte mit ihr 

geschlafen, obwohl sie es nicht getan hätte, wenn sie Bescheid 
gewußt hätte. „Und ich liebe dich." Zane umfaßte ihr Gesicht mit 
beiden Händen. „Vergiß das niemals." 

Er sagte manchmal die merkwürdigsten Dinge, fand Whitney, aber 

sie hatte nicht die Kraft, ihn zu fragen. Sie brauchte sie für anderes. 
Whitney legte die Arme um seinen Nacken und begann, sich langsam 
mit Zane zu bewegen. Vor einer Minute war sie noch zu erschöpft 
gewesen, um tief durchzuatmen, doch jetzt wollte sie bis zum Schluß 
bei ihm sein. Die Hüften eng aneinandergepreßt, bewegten sie sich 
in einem immer schneller werdenden Rhythmus, bis sie gleichzeitig 
ihre Erfüllung fanden. 

Zärtlich hielten sie sich umschlungen, bis ihre Erregung verebbt 

war. Zane war bewußt, daß er zu schwer für sie war, aber er konnte sich 
noch nicht von ihr trennen. Er wollte sie nie mehr loslassen. 

„Zane?" 
Wie von fern hörte er seinen Namen. „Hmm?" 
Whitney wäre am liebsten bis zu ihrer goldenen Hochzeit so 

liegengeblieben. „Meinst du, wir könnten Quinton sagen, daß wir 
gestorben sind?" 

Zane lachte. Er rollte von ihr hinunter auf den Rücken, küßte sie 

auf die Stirn und zog sie an seine Brust. „Ich glaube nicht, daß er 
uns das glauben wird." 

„Wir könnten es wenigstens versuchen." 

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„Pst." Er küßte sie noch einmal und wünschte, er könnte das 

Unvermeidliche verhindern. „Bleib so. Ich will dich noch ein wenig 
festhalten." 

Es klang so nett, wie er es sagte, aber Whitney sah noch etwas 

anderes in seinen Augen. Ihre Euphorie wich der Sorge. „Irgend etwas 
stimmt nicht, richtig?" 

Zane starrte an die Decke. „Doch, alles in Ordnung." 
Sie glaubte ihm nicht. „Die Geschäfte mit Quinton sind gefährlich, 

nicht wahr" bohrte sie weiter. Warum wollte er ihr nicht die 
Wahrheit sagen? 

Zane konnte nicht einfach so liegenbleiben, gleichgültig, wie sehr 

es ihn reizte, ihr alles zu sagen. „Nur wenn er glaubt, daß ihm 
jemand ins Handwerk pfuscht. Übrigens sollten wir uns langsam 
fertigmachen." Er setzte sich widerstrebend auf. „Wenn wir nicht 
kommen, ist er vielleicht beleidigt und bläst das Geschäft ab." 

Whitney verstand. „Möchtest du zuerst duschen?" Sie stand auf. 

Daß Zane ihr etwas verschwieg, um sie zu beschützen, bezweifelte 
sie nicht, aber sie wollte nicht beschützt werden. Sie wollte ihm zur 
Seite stehen und ihm helfen. Vielleicht brauchte sie noch etwas 
Zeit, bis er ihr vertraute und sie den Eindruck, den er von ihr vor 
ihrem Unfall hatte, revidieren konnte. 

„Okay", sagte sie und ging unbekleidet, wie sie war, ins 

Badezimmer. Vielleicht hatte sie eine Idee, wie sie Zane aus der 
Reserve locken könnte. 

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- 121 -

13. KAPITEL 

 
Der Stuhl, auf dem Whitney saß, war mit goldenem und grünem 

Brokat bezogen und stand an der Wand des Spielzimmers. Whitney 
war den ganzen Abend sehr nervös gewesen. Sie versuchte, so wenig 
auffällig wie möglich zu sein. Dennoch gelang es ihr bei weitem nicht 
so gut wie der Serviererin und den Butlern, deren Anwesenheit man in 
diesem Raum, den nur Menschen mit viel Geld betraten, kaum 
wahrnahm. Hier erklang keine leise Hintergrundmusik wie in Quintons 
Suite. Musik hätte die Spieler nur von ihrem Spiel abgelenkt, das 
einen Mindesteinsatz von fünfhundert Dollar erforderte. 

Die Luft schien in dem Raum zu stehen. Man konnte deutlich die 

Konzentration und Anspannung der Spieler spüren. Whitneys Rücken 
begann zu schmerzen. Sie saß bereits seit drei Stunden hier und 
beobachtete, wie sich das Glück für die einzelnen Spieler immer wieder 
wendete. Die Eiswürfel in ihrem Drink waren schon lange 
geschmolzen. 

Angespannt hielt sie die Handtasche auf ihrem Schoß fest. Sie 

wünschte, sie hätte die andere mitgenommen, dann hätte sie 
wenigstens mit dem Perlenbesatz spielen können, aber Zane hatte auf 
dieser hier bestanden, da er fand, sie passe so gut zu ihrem rubinroten 
Kleid. Whitney hatte nicht gedacht, daß er so viel Wert auf Kleidung 
legte, aber wahrscheinlich wollte er, daß an Quintons letztem Abend 
alles perfekt war. 

Jedenfalls hoffte Whitney, daß es die letzte Nacht wäre. Wenn sie 

Glück hatte, mußte sie Richard Quinton danach nie wiedersehen. Unter 
seinem Charme und dem guten Aussehen verbarg sich ein eiskalter 
Mann, dem sie nicht traute. Sally war heute abend nicht dabei, und 
Whitney wußte nicht, ob sie darüber froh sein sollte. Vielleicht wäre es 
leichter gewesen, hier zu sitzen, wenn sie ein wenig Gesellschaft gehabt 
hätte, andererseits war Sally nicht gerade ihr Typ. 

Wie lange würde das Spiel noch dauern? Whitney zweifelte, ob Zane 

es überhaupt bemerken würde, wenn sie ginge. Quinton würde es 
jedenfalls nicht entgehen, denn er hatte darauf bestanden, daß sie 
dabei war, und ihr den Platz hinter sich zu seiner Linken zugewiesen. 
Sie sah sich um. 

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- 122 -

Von der Decke hing ein großer vergoldeter Lüster, die Wände waren 

mit dunklem Holz verkleidet, auf dem Boden lagen schwere 
Teppiche. Der Duft von orientalischen Gewürzen hing im Raum. 
Whitney fühlte sich an die Pharaonengräber in Ägypten erinnert. 
Woher kam dieser Gedanke? Whitneys Herz begann schneller zu 
schlagen. Vielleicht kamen die unwichtigeren Erinnerungen zuerst, 
Stück für Stück? Nur über Zane wußte sie immer noch genauso wenig 
wie vorher. 

Sie sah zu ihm hinüber. Er saß Quinton gegenüber und blickte mit 

unbewegter Miene in seine Karten. Obwohl die letzten Tage mit ihm 
wunderbar gewesen waren, wollte Whitney trotzdem die Erinnerung an 
ihr früheres Leben wiederhaben. Sie wollte wissen, wann sie Zane zum 
erstenmal getroffen hatte, wie er sie zum erstenmal geküßt hatte. 

Whitney lächelte, als sie an den vergangenen Nachmittag 

dachte. Wenn sie es genau betrachtete, war wegen ihres 
Gedächtnisverlusts der erste Kuß eigentlich der gewesen, als er 
sie am Swimmingpool geküßt hatte. Falls sie ihr Gedächtnis 
wiederfinden würde, hätte sie also zweimal ein erstes Mal. Und 
wenn sie sich nie mehr erinnern würde? Wäre das so schrecklich? 
Schließlich hatte sie einen wunderbaren Ehemann und einen 
aufregenden und ungewöhnlichen Lebensstil. Wie viele andere 
Frauen konnten das von sich behaupten? Die Gelegenheitsspieler 
und Touristen, die auf Spaß aus waren

,

 und ihr Glück an den 

Spieltischen draußen versuchten, wären erblaßt, wenn sie gewußt 
hätten, wie hoch die Einsätze hinter dieser Tür waren. 

Als Quinton Zane aufgefordert hatte mitzuspielen, war Whitney 

erschrocken, aber die anderen Männer am Tisch hatten zustimmend 
genickt, und Zane schien willens mitzumachen. Während ihres 
Aufenthalts hatte Whitney es nicht ein einziges Mal erlebt, daß Zane 
sich am Roulettespiel beteiligt oder sich auch nur an einem 
Spielautomaten versucht hätte. Außer als Zuschauer schien er kein 
großes Interesse am Spielen zu haben. 

Eine neue Runde begann. Die Einsätze waren inzwischen unglaublich 

hoch. Zane war es gelungen, die Anzahl seiner Chips in etwa zu 
halten. Konnte er gut Poker spielen, oder war es nur Glück? Zu 
Beginn des Abends hatte Quinton Zane angeboten, mit seinem 

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- 123 -

Geld zu spielen, aber Zane hatte dankend abgelehnt. Whitney 
wußte nicht, ob Quinton damit herausfinden wollte, ob Zane sich das 
Spiel selbst leisten konnte oder ob er ihm wirklich das Geld zum 
Verspielen schenken wollte. 

Das Kopfweh vom Mittag machte sich wieder bemerkbar. 

Whitney versuchte, sich auf Zane zu konzentrieren. Ihre Hände 
waren vor Nervosität feuchtkalt. Sie wünschte sich, wenigstens hinter 
Zane stehen zu dürfen, aber Quinton hatte sie mit dem 
Einverständnis aller wie einen Ziergegenstand an die Wand des 
Zimmers verbannt. Sogar Zane hatte behauptet, sie würde die Spieler 
nur ablenken, und obwohl Quinton diesmal nichts darüber gesagt 
hatte, daß auch sie ihm Glück brachte, war er ungehalten gewesen, 
als sie einen Moment hinausgehen wollte. „Sie bleiben hier, Mrs. 
Russell, und halten uns bei Laune", hatte er fast im Befehlston 
gesagt, und sie hatte um Zanes willen nachgegeben. Sie hoffte, das 
Spiel wäre bald zu Ende. Der Raum war eigentlich für Baccaratspiele 
gedacht, das beliebteste Spiel von Leuten mit viel Geld, aber Quinton 
bevorzugte das etwas bodenständigere Poker. 

Die Stimmung unter den Spieler war gespannt. Dieses Spiel war 

mehr als eine bloße Runde unter Freunden, sonst hätte man sich 
unterhalten und nicht solche Unmengen Geld eingesetzt. Whitney 
bekam fast Bauchweh von dem Gedanken an eine solche 
Verschwendung. Mit Quinton und Zane saßen acht Männer am 
Tisch. Anfangs war das Glück auf Quintons Seite, aber es war nur 
von kurzer Dauer gewesen. Heute, abend war der Gewinn zu 
seinem sichtlichen Ärger auf seiten des Hauses. 

Ein Ölscheich im Westernlook nahm an dem Spiel besonderen 

Anteil. Er hatte in den letzten beiden Runden mit einem Einsatz von 
fünftausend Dollar jedesmal über hunderttausend Dollar 
gewonnen. Um ihn herum türmten sich die Chips. Anders als der 
Mann, der das Haus vertrat, sah man ihm seine Emotionen 
deutlich an. Jedesmal, wenn er gute Karten hatte, lachte er und 
rieb sich die Hände, die Ringe mit riesigen Edelsteinen 
schmückten. Der Scheich fand besonderes Vergnügen daran, sich 
über Quinton lustig zu machen. 

„Ah, .wollen Sie es nicht mit etwas anderem versuchen? Vielleicht 

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- 124 -

haben Sie an den einarmigen Banditen draußen etwas mehr 
Glück?" Er lachte schallend über seinen eigenen Vorschlag. Alle 
schwiegen. Die Mienen der drei Butler, die unauffällig, aber 
wachsam an der Wand standen, blieben unbewegt. 

Whitney hielt den Atem an, als sie sah, wie sich Quintons Blick 

verfinsterte. Wütend starrte er den Scheich an. „Warum sollte ich mich 
mit einem einarmigen Banditen abfinden, wenn ich hier mit einem 
spielen kann, der zwei Arme hat?" 

Whitney war sicher, daß der Scheich diese Beleidigung nicht auf 

sich sitzenlassen würde. Tatsächlich konnte er seinen Ärger kaum 
verbergen, als er erwiderte: „Wollen Sie sich mit mir anlegen, Mr. 
Quinton?" 

Quinton lächelte kalt. „Ich sage nur, was ich sehe." 
Da trat einer der Butler vor, um eine drohende 

Auseinandersetzung zu verhindern, und legte Quinton eine Hand auf 
die Schulter. Als er bemerkte, daß er zu weit gegangen war, zog er 
sie erschrocken sofort wieder zurück. Whitney und Zane tauschten 
einen Blick. 

Quinton schüttelte die Schulter, als läge die Hand des Butlers immer 

noch dort, und sah ihn bösartig an. „Holen Sie auf der Stelle den 
Manager." 

„Sofort, Sir." Der Butler verließ den Raum. Das Spiel wurde 

unterbrochen. 

Quinton ist trotz seiner kultivierten Art einfach ekelhaft, dachte 

Zane. Er blickte zu Whitney hinüber und wünschte, sie wäre nicht so 
weit weg von ihm. Niemand sprach. Quinton war sichtlich erregt. 
Die anderen am Tisch schienen eher amüsiert oder mitleidig, denn 
sie, wußten, daß man Glück nicht zwingen konnte, aber 
Aberglaube war eben Aberglaube. 

Alle hatten vergessen, warum der Butler überhaupt vorgetreten 

war, als der Manager Harry Goodman kam. Er war nie weit weg, 
wenn in den Hinterzimmern gespielt wurde, um zu gewährleisten, 
daß alle Gäste zufrieden waren. Er sah bleich und überarbeitet aus und 
wandte sich sofort höflich an Quinton. Zane bewunderte, wie 
Goodman es schaffte, gleichzeitig unterwürfig und autoritär zu 
wirken. Goodman verbeugte sich leicht und fragte respektvoll: „Gibt es 

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ein Problem, Sir?" 

„Ja, in der Tat." Quinton sah den Butler nicht einmal an, der 

einige Schritte hinter Goodman stand. „Er hat mich angefaßt. Ich 
habe extra darauf bestanden, daß mich während des Spiels niemand 
anfaßt." 

Angeekelt stand Quinton auf. Die blauen und goldfarbenen Chips an 

der Tischkante gerieten ins Wanken und fielen auf den dicken Teppich. 
Quintons Pechsträhne hatte ihm inzwischen Verluste von über 
einer Million Dollar beschert, wovon ein großer Teil ans Haus ging. 
Er war kein guter Verlierer. 

„Ich habe heute abend kein Glück mehr. Das Spiel ist beendet." 

Goodman wußte, daß Quinton keinen Widerspruch duldete. Der 
Versuch, ihn umzustimmen, wäre zwecklos gewesen. Auf Goodmans 
Stirn standen feine Schweißperlen. 

Whitney hatte Mitleid mit ihm, und gleichzeitig verabscheute sie 

Quinton. Wenigstens mußte sie nicht länger bei dem Spiel zusehen. 

Zane erhob sich. Er hatte mehr verloren, als er gewonnen hatte, aber 

es glich sich in etwa aus. Unauffällig gesellte er sich zu Quinton, der 
ihn gar nicht zu bemerken schien. Auch die anderen Spieler hielten 
es für besser, es genug sein zu lassen. Die Stimmung für diesen 
Abend war verdorben, und man konnte auch morgen noch 
weiterspielen. 

„Wie Sie wünschen, Sir." Der Manager bedeutete den anderen 

Butlern, das Zimmer aufzuräumen. Wenn es ihm nicht bald gelänge, 
Quinton wieder zu beruhigen, wäre es unwahrscheinlich, daß er je 
wieder im Hotel Zanadu logieren würde. Quinton hatte eine 
beträchtliche Summe verloren, und Goodman würde geschickt 
vorgehen müssen, um das wieder auszubügeln. Er schob Zane aus 
dem Weg und eilte hinter Quinton her. 

„Es tut mir sehr leid, Sir, das hätte niemals passieren dürfen. Ich 

versichere Ihnen, daß der Mann gemaßregelt wird.“ 

Quinton blieb stehen und drehte sich auf dem Absatz um. Sein 

Blick war so finster, daß Whitney Mitleid mit Sally bekam. „Ich 
will, daß er entlassen wird", blaffte er. „Er hat mein Spielglück und 
den Abend ruiniert, daher soll er entlassen werden. Habe ich mich klar 
ausgedrückt? Obwohl Goodman genauso groß war wie er, wirkte 

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- 126 -

Quinton größer. „Nicht versetzt, nicht gemaßregelt. Entlassen. 
Und zwar noch heute abend." 

„Sir, bitte..." 
Quinton war unerbittlich. Nicht einmal die Angst in Goodmans 

Augen rührte ihn. Dafür war sein Verlust ein zu großes Ärgernis 
gewesen. „Heute abend noch", wiederholte er. 

Goodman gab sich geschlagen. „Ich werde dafür sorgen." 
Erregt über diese Ungerechtigkeit und entsetzt darüber, daß 

jemand wegen eines dummen Aberglaubens seine Arbeit verlieren 
sollte, wollte sich Whitney einmischen, aber Zane faßte sie am Arm 
und hielt sie zurück. Whitney atmete tief durch vor Ärger, daß 
Zane nichts unternahm und nicht einmal wollte, daß sie etwas 
tat. Sie hatte nicht gedacht, daß er so feige war. 

Quinton entließ den Manager, der froh war, sich zurückziehen zu 

dürfen. Dann winkte er Zane zu sich heran. Whitney konnte 
spüren, wie Quintons Ärger wieder stieg. „So, und wo waren Sie?" 

Zane versuchte, das Beste daraus zu machen. „Genau Ihnen 

gegenüber, Mr. Quinton." 

Quinton glaubte sich verhört zu haben. „Sie sollten meine 

Glücksbringer sein. Vielleicht haben Sie ein bißchen Rost 
angesetzt?" 

Whitney konnte es kaum fassen. „Sie glauben doch nicht im 

Ernst, daß wir Ihnen Glück gebracht haben oder daß dieser 
Butler daran schuld war, daß Sie verloren haben!" Für sie lag die 
Schuld eindeutig bei Quinton, der anderen die Verantwortung für 
seine eigenen Fehler geben wollte. Whitney wußte nicht, was sie 
damit auslöste. 

„Whit", warnte sie Zane. 
Quinton holte tief Luft. „Ich besitze mehr Geld als die gesamte 

Bevölkerung von Rhode Island. Ich kann glauben, was ich will." Er sah 
die beiden scharf an. „Wenn ein Mann vom Glück verlassen wird, ist 
es Zeit für ihn, ein paar, Dinge zu ändern, damit es ihm wieder 
wohlgesonnen wird." 

Das war eine merkwürdige Theorie, aber Zane wußte, daß 

Quinton davon überzeugt war. „Und was wollen Sie ändern?" fragte er 
vorsichtig. 

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Quintons Blick wurde stahlhart. Dieser Mann wäre zu jeder 

Grausamkeit fähig gewesen. „Unsere Abmachung", antwortete er 
kühl. 

Zane machte sich bereit. „Sie wollen sie lösen?" Es würde ein 

schweres Stück Arbeit werden, Quinton wieder umzustimmen. Er 
durfte jetzt nicht aufgeben, nachdem er schon so weit gekommen 
war. 

„Im Gegenteil, ich will sie erweitern." Quintons Blick, schweifte 

zu Whitney. „Noch heute nacht." 

Whitney verstand nicht. Was ging hier vor? Wie konnten sie 

heute noch über Quintons Bauland reden wollen? 

Zanes Gedanken überstürzten sich. Er mußte mit Sheridan sprechen. 

„Ich habe das Geld nicht hier." 

Quinton lächelte kalt. „Das weiß ich bereits. Aber es ist doch 

irgendwo, nicht wahr?" 

Es entging Zane nicht, daß Quintons Bodyguards näher kamen. „Ja", 

antwortete er. 

„Irgendwo in der Nähe, nehme ich an." Es war keine Frage, sondern 

ein Feststellung. 

Zanes Mund wurde trocken. Jetzt kam es darauf an. Er mußte 

Whitney irgendwo in Sicherheit bringen. „Ja", sagte er. 

Quintons Gesicht verzerrte sich zu einem häßlichen Grinsen. 

„Dann sollten Sie es besser holen." 

Zane war nicht auf eine Übergabe heute nacht gefaßt gewesen. 

Sie waren erst für morgen mittag vorbereitet. Jetzt mußte er sich etwas 
einfallen lassen. Er nahm Whitneys Hand. „Gut, ich werde..." 

Quintons Hand war schneller. Er packte Whitneys Handgelenk 

und zog ihre Hand aus Zanes Griff. „Holen Sie es", sagte er. „Ich passe 
inzwischen auf Ihre reizende Frau auf, wenn Sie nichts dagegen, 
haben." Er schenkte Whitney ein Lächeln, das ihr durch und durch 
ging. „So lange, bis Sie und Taylor mit dem Geld wieder da sind." 
Einer der beiden Bodyguards trat einen Schritt vor. „Nicht, daß 
ich Ihnen nicht traue, Russell, aber ein Mann in meiner Position 
muß gewisse Vorsichtsmaßnahmen treffen, Sie verstehen. Vielleicht 
ist das Glück ja immer noch gegen mich." 

Whitney versuchte, ihren Arm aus Quintons eisernem Griff zu 

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- 128 -

winden, aber es gelang ihr nicht. Sie hatte keine Angst, sondern war 
eher verwirrt darüber, in welche Geschäfte Zane da hineingeraten 
war. Ihr Mut sank, als sie Zanes verlegenen Blick sah. „Zane, wovon 
redet er?" 

Zuversichtlich, daß alles nach seinen Wünschen laufen würde, wurde 

Quinton wieder etwas freundlicher. „Glück, meine Liebe, es geht 
um Glück, von dem mein Reichtum abhängt. Ich will nicht leer 
ausgehen." Er gab Taylor Instruktionen. „Bring ihn dorthin, wo er 
hinmuß, und laß ihn nicht aus den Augen. In einer Stunde seid ihr 
wieder zurück." Dann wandte, er sich an Zane. „Sie haben eine Stunde, 
Russell. Danach...“ 

Quinton brauchte seinen Satz nicht zu beenden. Zane konnte keinen 

klaren Gedanken fassen. Er wußte nur, daß er Whitneys Leben in 
Gefahr gebracht hatte, genau das also, was er die ganze Zeit dadurch 
hatte verhindern wollen, daß er ihr nichts erzählte. 

„Wie soll ich wissen, daß ich auch die Ware dafür bekomme, 

wenn ich Ihnen das Geld gebe?" entgegnete er. 

Quinton wischte seine Frage mit einem kurzen Lachen beiseite. 

„Und ich dachte, wir würden Freunde werden. Sie haben mein 
Wort, Russell." Er streichelte Whitneys Arm. „Und ich habe Ihres, 
nehme ich an." Er sah auf die Uhr. „Und nun schlage ich vor, daß 
Sie sich beeilen. Die Zeit läuft." 

Warum hatte er es so eilig? Auf ein paar Minuten mehr oder 

weniger konnte es Quinton doch nicht ankommen, aber er ließ die 
Leute eben gern nach seiner Pfeife tanzen. „Was passiert, wenn 
ich es nicht innerhalb einer Stunde schaffe?" fragte Zane. 

Quinton lächelte kalt. Langsam bekam Whitney es doch mit 

der Angst. „An Ihrer Stelle würde ich solche Fragen nicht stellen", 
drohte er. „Es könnte sein, daß Sie die Antwort nicht ertragen könnten. 
Wenn ich unglücklich bin, werde ich sehr, sehr unangenehm. Es 
wäre ein Jammer, wenn Ihre Frau darunter leiden müßte, aber 
diese Entscheidung liegt nicht in meinen Händen." 

Zane hätte Quinton vor Wut am liebsten erwürgt. Whitney hielt 

es nicht länger aus, im dunkeln zu tappen. „Zane, was ist hier los?" 

Zane bemühte sich, sicher zu wirken. „Es kommt alles in 

Ordnung, Whitney." Er versuchte noch einmal, vernünftig mit 

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- 129 -

Quinton zu reden. „Sehen Sie, sie weiß überhaupt nichts. Lassen 
Sie sie mich mitnehmen, wenn ich das Geld hole. Sie können 
immer noch Taylor mit uns schicken." 

„Was für Geld?" rief Whitney. „Ich dachte, er bezahlt dich!" 
Quinton lachte. „Ich glaube, sie weiß wirklich nichts. Sehr 

beeindruckend, Russell. Aber sie bleibt bei mir." Er faßte Whitney 
fester. „Sehen Sie sie als eine Art Versicherung an. Wenn alles so 
läuft, wie es sollte, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. 
Wenn nicht..." Er zuckte gleichgültig die Schultern. „Nun, das ist Ihr 
Problem. Jetzt rate ich Ihnen, sich zu beeilen. Um diese Zeit ist auf den 
Straßen viel Verkehr." 

Er winkte dem anderen Bodyguard. „Reese, lassen Sie die 

Limousine holen." Dann wandte er sich an Taylor. „Und paß auf, 
daß der Fahrer von Zanadu nicht zu weinen anfängt, wenn Russell 
zu einem anderen Hotel will. Sie werden hier richtig unruhig, wenn 
jemand mit einer Rechnung über fünfzigtausend Dollar auch nur 
einen Blick auf ein anderes Hotel wirft. Schlimmer als bei einer 
eifersüchtigen Geliebten." 

Wie hatte sich Zane nur mit einem solchen Mann

-

 einlassen 

können? Quinton war der reine Abschaum. Whitney mußte einfach 
etwas sagen. „Wie schrecklich für Sie." 

Quinton lachte, als er den offensichtlichen Abscheu gegen ihn in 

ihren Augen sah. Ihre Wut gefiel ihm. Er hatte Whitney von Anfang 
an gemocht. Begehrlich sah er sie an. 

Taylor schob Zane voran. „Whitney", rief Zane ihr zu, „es kommt 

alles in Ordnung!" 

Wie denn? fragte sie sich. Was meinte er überhaupt mit „es"? Nach 

vier Tagen wußte sie über Zane und ihr eigenes Leben gerade 
soviel wie damals. 

 
Scheinbar sanft schob Quinton Whitney an den Schultern ins 

Wohnzimmer seiner Suite. Der Butler schloß leise die Tür, vor der 
Reese augenblicklich Stellung bezog. 

Whitney sah sich um. „Wo ist Sally?" 
„Sie ist schon früher nach Hause abgereist. Ich habe sie 

beauftragt, einige Dinge für mich zu erledigen." 

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- 130 -

Quinton konnte Whitneys Gedanken lesen und sagte überlegen: „Sie 

brauchen keine Angst vor mir zu haben. Außer wenn Ihr Mann 
nicht zurückkommt." 

„Er wird zurückkehren. Außerdem habe ich keine Angst", sagte 

Whitney mutig. 

„Tapfer, tapfer. Wir werden sehen." Quinton wies auf die Bar. 

„Kann ich Sie für ein Glas Champagner begeistern? Oder trinken 
Sie immer noch nur Mineralwasser?" Er lachte. „Oh, ich fürchte, diese 
Diskussion hatten wir schon." 

Es war Whitney gleichgültig, daß er sich über sie lustig machte, 

sie dachte nur an Zane. „Ich glaube, ich hätte gern einen Whisky 
Soda." Sie brauchte jetzt einen Drink, um ihre Nerven zu 
beruhigen. 

Quinton lachte erfreut. „Sie überraschen mich, meine Liebe. Ich 

glaube, daß Ihnen ein leichter Wein besser bekäme." 

Whitney hob abweisend den Kopf. „Sie wissen überhaupt nichts 

von mir. " 

„Im Gegenteil, meine Liebe, ich weiß alles, was ich wissen muß." 

Er hob sein Glas und prostete ihr zu. 

Die Ironie daran ist, dachte sie, daß er wahrscheinlich wirklich 

mehr über mich weiß als ich selbst. 

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- 131 -

14. KAPITEL 

 
Whitney saß angespannt auf dem, Sofa und versuchte zu begreifen, 

was vor sich ging. Sie hielt ihr Scotchglas umklammert und dachte, 
daß es eine Erklärung für alles geben müsse. Der Drink half nichts, 
ihre Kehle war wie ausgetrocknet. Sie schluckte, bevor sie fragte: 
„Sie haben gar kein Bauland, das Sie erschließen lassen wollen, 
stimmt’s?" 

Quinton spielte gern mit Leuten. Es machte ihm Spaß, Whitney 

zappeln zu lassen. „Im Gegenteil, Mrs. Russell, ich habe sehr viel 
Land, bebautes wie unbebautes." Er stand auf und goß sich noch 
einen Drink ein. „Außerdem mache ich noch lukrative Zinsgeschäfte 
hier und in Europa.“ 

Er stand hinter ihr. Whitney widerstand der Versuchung, sich zu 

ihm umzudrehen. Es war seine Absicht, immer im Mittelpunkt zu 
stehen, aber das wollte sie ihm nicht mehr gönnen. „Wo in Europa?" 
fragte sie. 

Quinton trank sein Glas in einem Zug leer. „Suchen Sie sich ein Land 

aus. Wissen Sie, ich bin überall gern gesehen und kann tun, was 
und wann ich es will." 

Er war so unglaublich selbstgefällig. Whitney überlegte, ob sie 

eine Chance hatte, zu entkommen, wenn sie ihm weiterhin das 
Gefühl vermittelte, er hätte sie unter Kontrolle. Vielleicht würde er 
unaufmerksam werden. Kontrolle? dachte sie. Er hatte sie in seiner 
Macht. Sie durfte jetzt nicht die Nerven verlieren. Was machte er da 
hinter ihr? Whitneys Rücken schmerzte vor Anspannung. Sie sah 
starr geradeaus auf den Brunnen. „Worum geht es hier in 
Wirklichkeit?" 

Quinton lachte amüsiert. „Sie wissen es tatsächlich nicht, oder?" 
Whitney kam sich vor wie eine Närrin. Wie konnte Zane sie in so 

eine Lage bringen? Aber es half nichts, sie mußte selbst damit fertig 
werden. Sie konnte ihren Zorn kaum verbergen, als sie fragte: 
„Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich Sie bäte, es mir zu 
erklären?" 

„Ausmachen?" Quinton wollte sie noch ein wenig hinhalten. „Nein, 

ich glaube nicht. Es wäre nicht schlimm, wenn Sie es wüßten." An-

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- 132 -

erkennend sagte er: „Russell kann besser dichthalten, als ich dachte. 
Jeder andere Mann hätte Ihnen spätestens im Bett längst alles 
erzählt." Er stand nahe hinter ihr und flüsterte ihr leise ins Ohr: „Dort 
waren Sie doch zusammen, im Bett, nicht wahr? Ich wette darum." 

Er bemerkte, daß Whitney zusammenzuckte, und genoß es. Quinton 

schenkte sich nach und kam langsam wieder in Whitneys 
Blickfeld zurück. Den Abscheu in ihren Augen faßte er als eine Art 
Kompliment auf. Wer ihn haßte, fürchtete ihn auch, und das war 
immer sein Ziel. 

Er kniff die Augen zusammen, während er sie begehrlich ansah. „Bei 

diesem außergewöhnlichen Charakter und diesem festen 
hübschen Körper verwandeln Sie sich im Schlafzimmer sicher in 
eine sehr leidenschaftliche Frau." Er schob die Zunge zwischen die 
Zähne und sah sie an. „Wir sind allein. Warum geben Sie mir 
nicht einen Vorgeschmack? Vielleicht bin ich sogar so nett und 
erzähle Ihnen ein paar Geheimnisse." 

Whitney blieb steif sitzen und versuchte, ihre Angst zu bezähmen. 

Ekelerfüllt sah sie ihn an. „Soviel wollte ich eigentlich nicht wissen." 

Er lachte, eher amüsiert als beleidigt, denn er wußte, daß er sich 

ihrer jederzeit entledigen konnte, doch vorher wollte er noch ein 
wenig mit ihr spielen. „Sie lügen. Ich weiß, daß Sie vor Neugier 
platzen." Er setzte sich neben sie und legte einen Arm hinter ihr auf 
die Lehne, so daß sie nicht wegrutschen konnte. „Trotz meiner 
Verluste heute abend bin ich in Spendierlaune. Vielleicht liegt es an 
Ihrer Gesellschaft." 

Quinton stellte sein Glas auf dem, gläsernen Tisch vor der Couch 

ab und legte eine Hand auf Whitneys. Sie schauderte vor Ekel. Er 
zog ihr bereits mit den Augen die Kleidung aus. Abrupt zog sie 
ihre Hand zurück. Der Blick, den Quinton ihr zuwarf, machte 
Whitney klar, daß dieser Mann imstande war zu töten, ohne sich 
darüber auch nur einen Gedanken zu machen. Sie wäre verrückt, 
wenn sie ihn herausforderte. 

„Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen erzählte, daß Ihr Mann 

ein Drogenhändler ist?" 

Die Frage traf Whitney wie ein Schlag ins Gesicht. „Ich würde 

sagen, daß ich Ihnen nicht glaube." 

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- 133 -

Quinton zuckte die Schultern und trank sein halbleeres Glas aus. „Ob 

Sie es glauben oder nicht, ändert nichts daran, daß es wahr ist.“ 

Quinton wollte sie bestimmt nur verunsichern. Es machte ihm 

offensichtlich Spaß, andere zu quälen. „Zane ist ein 
Immobilienmakler", beharrte Whitney. 

Russell hatte seine Spuren gut verwischt, stellte Quinton fest. 

Einen Mann wie ihn könnte er gut gebrauchen. Vielleicht würde 
er e s   sich doch noch anders überlegen, aber darüber konnte er 
später nachdenken. Erst einmal wollte er dieser jungen Frau die 
Illusionen rauben. „Er ist ein Lügner. Leute von seinem Schlag 
lügen, betrügen, stehlen und verkaufen ihre eigene Familie für ein 
Butterbrot." Quinton sah sich u m  und erinnerte sich daran, wie er es 
so weit gebracht hatte. „Ich muß es wissen, meine Liebe, denn ich 
habe es auch so gemacht." Er wies mit dem Glas auf die Suite. 
„Nicht schlecht für einen kleinen Drogenhändler aus Liverpool, 
nicht wahr?" sagte er sichtlich stolz. 

Whitney mußte ihn so lange ablenken, bis Zane wiederkam. Er 

würde ihr dann sicher alles erklären. „Sie sind Engländer?" 

Quinton lächelte leicht. „Ich sehe mich lieber als Weltbürger. Auf der 

Welt kann man überall Geschäfte machen, vorausgesetzt, man hat, was 
verlangt wird." 

Und Quinton sorgte immer dafür, daß das der Fall war. So wie 

jetzt. Er strich mit dem Finger über ihren bloßen Arm und lachte, 
als Whitney zusammenzuckte. Sie wird schon noch weich werden, 
dachte er. Es war immer so. Und wenn nicht, würde er sie eben so 
nehmen. Eine Blondine wäre ihm für heute nacht gerade recht. 

„Wie ich sagte, ich bin überall gern gesehen." Verachtung für all die, 

die vor ihm dienerten, schwang in seiner Stimme mit. „Aber die 
gefährliche Welt da draußen bringt mich immer wieder dazu, 
hierher zurückzukehren, um neue Kräfte zu sammeln." 

Er ist vollkommen verrückt, dachte Whitney. „Sie sind widerlich.“ 
Quinton schnaufte verächtlich. „Ihre Meinung ist mir 

glücklicherweise egal. Er sah auf die Uhr. „Ihr Mann hat noch knapp 
zwanzig Minuten Zeit." Er wollte sehen, wie sich Whitneys Angst 
vor ihm langsam steigerte, weil er mit ihr tun konnte, was ihm gefiel. 
„Oder glauben Sie, daß er e s   sich anders überlegt hat? Daß er Taylor 

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- 134 -

entwischt ist und sich aus dem Staub gemacht hat?" 

Quinton sah, daß seine Frage auf fruchtbaren Boden gefallen 

war, obwohl Whitney sich gegen diesen Gedanken wehrte. „Das 
würde bedeuten, daß ich weiterhin die Gewalt habe", fügte er 
hinzu. 

Whitney warf den Kopf zurück. Zane mußte zu ihr zurückkommen. 

Er würde sie nicht einfach so Quinton überlassen. Aber wieviel 
wußte sie wirklich von Zane? „Worüber?" 

Diese Frau hatte wirklich Mut. Mehr als er jemals angenommen 

hätte. Quinton sah voraus, daß sie sich wie eine Wildkatze wehren 
würde, und er freute sich schon darauf. „Über Sie." 

Whitney fühlte, wie sich die Schlinge um sie zusammenzog. Sie 

durfte nicht panisch werden, sondern mußte sich schnell etwas 
einfallen lassen. „Soweit ich weiß, ist die Sklaverei bereits seit 
längerem abgeschafft." 

Ihr Duft erregte Quinton schon die ganze Zeit. Sie reizte ihn von 

Sekunde zu Sekunde mehr. Er rückte näher. „Es gibt verschiedene 
Arten der Sklaverei, meine Liebe. Man kann Sklave einer Sache 
sein." Er spielte mit ihrem Haar. „Oder einer Frau." 

Whitney stand auf. „Oder Sklave eines Aberglaubens." 
Statt wütend oder verlegen zu werden, lachte Quinton nur. Daß er es 

so weit gebracht hatte, hatte er nur der Tatsache zu verdanken, daß er 
sich an seinen Aberglauben gehalten hatte. „Gut gekontert. Wir 
werden ja spätestens in zwanzig Minuten sehen, ob Sie es geschafft 
haben, Ihren Mann zu Ihrem Sklaven zu machen oder nicht. Oh, 
Pardon", sagte er, als wollte er scherzen, „es sind nur noch siebzehn 
Minuten. Wie die Zeit vergeht, wenn man sich amüsiert! Aber das 
wissen Sie sicherlich selbst, Mrs. Russell." Quinton spielte mit dem 
Saum ihres Kleides. „Wollen Sie sich nicht ein wenig amüsieren?" 

Whitney riß ihren Kleidersaum aus seinen Fingern. Es ärgerte 

sie maßlos, daß sie sich so eingesperrt und hilflos fühlte. Energisch 
hängte sie sich die Handtasche über die Schulter. „Was wissen 
Sie, überhaupt von ihm? Von Zane? Was wissen Sie von ihm?" 

Quinton genoß es, die Lügen, die Zane Whitney erzählt hatte, 

aufzudecken. Er tat, als müßte er überlegen. „Alles, was ich wissen 
muß. Er ist dafür bekannt, daß er nur Kokain von bester Qualität 

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- 135 -

verkauft. So haben sich unsere Wege gekreuzt." 

„Sollte mich das beeindrucken?" Whitney, hielt immer noch ihr 

Glas in den Händen und betrachtete eine Vase, die ein paar Meter 
entfernt stand. 

„Ja", erwiderte er und erriet, was sie vorhatte. „An Ihrer Stelle 

würde ich sie nicht hinunterwerfen. Ich bin zweifellos schneller 
als Sie, außerdem wäre es schade um das gute Stück." 

Whitney wurde übel. Sie wollte Quinton nicht glauben. Vielleicht war 

alles gelogen. Es mußte einfach so sein. Aber wenn sie nachdachte, er-
klärten Quintons Worte, warum Zane so oft Ausflüchte gebraucht 
und auf alle ihre Fragen nur ausweichend geantwortet hatte. Er 
hatte sich benommen, als hätte er etwas zu verbergen. Sie preßte die 
Lippen aufeinander und sah auf ihren Ehering. Die Diamanten ver-
schwammen vor ihren brennenden Augen. Sie war mit. einem Mann 
verheiratet, der sich als Abschaum herausstellte. Nein! schrie es in 
ihr. Das konnte nicht wahr sein! Quinton log bestimmt. Es gab 
sicher eine andere Erklärung. Oder doch nicht? 

Quinton sah, daß sie verunsichert war. Als er aufstand und zu 

ihr ging, rührte sich Whitney nicht. Fast freundlich sagte er: „Jetzt 
verstehen Sie, nicht wahr? Sie wissen genau, daß ich Ihnen die Wahrheit 
sage. Sie sind nicht die erste Frau, die von ihrem Mann betrogen 
wurde. Ich könnte Ihnen zeigen, wie Sie sich rächen können." 

Whitneys Lebensgeister kehrten zurück. Das war es also, was er 

vorhatte. Er wollte sie gegen Zane aufbringen und dann mit ihr ins 
Bett gehen. Whitney schüttete ihm den Inhalt ihres Glases ins 
Gesicht. 

Quintons Züge verwandelten sich unvermittelt in eine wütende 

Grimasse. Whitney sah das Zornesleuchten in seinen Augen und 
spürte gleichzeitig einen Schlag im Gesicht, der sie rückwärts taumeln 
ließ. Sie schmeckte Blut. Der Ring an seiner Hand hatte ihr die 
Wange aufgerissen. 

Quinton wollte sich auf sie stürzen. „Du dreckiges Miststück!" In 

dem Augenblick, als er wieder zuschlagen wollte, öffnete sich die Tür. 
Quinton hielt inne. „Klopft gefälligst an!" brüllte er. 

Taylor sah erstaunt von Quinton zu Whitney. „Ich habe ihn 

zurückgebracht." 

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- 136 -

Die Wut auf Quintons Gesicht war nichts im Vergleich zu Zanes, 

als er zu Whitney eilte. „Was, zum Teufel, machen Sie mit ihr?" Er 
würde diesen Schweinehund mit seinen bloßen Händen umbringen, 
egal, was es für Folgen hätte. 

Quinton brachte sich wieder unter Kontrolle und trocknete sich 

mit einem Taschentuch das Gesicht ab. Frauen waren es nicht 
wert, daß man sich über sie aufregte. „Ich wollte ihr die 
unerwartete Dusche heimzahlen." 

Zane untersuchte die Wunde auf Whitneys Wange. Er kam sich 

vor wie ein Schwein, weil er sie allein gelassen hatte. „Bist du in 
Ordnung?" 

Whitney wußte nicht, ob sie sich Zane an den Hals werfen oder 

lieber vor beiden Männern davonlaufen sollte. Sie glaubte immer noch 
an Zanes Unschuld, aber sie traute ihren Gefühlen nicht mehr. 
Wenn sie von Anfang an auf ihren Verstand gehört hätte, wäre sie 
vielleicht nie in diese Lage geraten. 

„Ich weiß nicht." Sie sah Zane an und hoffte im stillen, daß sich alles, 

was Quinton ihr erzählt hatte, als Lüge herausstellen würde. Zane 
begriff, daß sie es wußte. Zumindest glaubte sie, es zu wissen. Er hätte 
ihr erzählen müssen, was los war, aber jetzt war es zu spät. 

„Das ist ja alles sehr ergreifend", bemerkte Quinton, „aber Sie 

langweilen mich." Er verlor langsam die Geduld und starrte auf den 
kleinen schwarzen Aktenkoffer, den Zane festhielt. 

Quinton wandte sich an den Bodyguard. „Hat er das Geld?" Der 

breitschultrige Mann nickte. Russell hatte ihm den Inhalt des Koffers 
nicht gezeigt, aber was sollte anderes darin sein, wenn Zane ihn in 
einem Hotelsafe aufbewahren ließ? 

„Gut." Quinton drehte sich zu Zane um. Nein, er würde ihn nicht für 

sich arbeiten lassen, entschied er. Einen Partner zu haben 
bedeutete immer, daß jemand darauf wartete, die Zügel zu 
übernehmen, oder darauf, daß jemand starb. Quinton hatte weder 
das eine noch das andere so bald vor. „Dann nehme ich es." 

Mit begehrlichen Blicken faßte er nach dem Koffer. Zane ließ ihn 

nicht los und legte einen Arm fest um Whitney. Die Tür war nur 
drei Meter entfernt, aber sie hatten Quinton und zwei Bodyguards 
gegen sich. Das Arbeitszimmer mit dem Fenster zum Meer war 

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- 137 -

weiter weg, stellte aber ihre einzige Chance dar. 

„Wo ist das Kokain?" fragte Zane. 
Quinton war mit seiner Geduld am Ende. Er lächelte bösartig. 

„Oh, das tut mir leid. Habe ich Ihnen das nicht mitgeteilt? Es gab 
eine kleine Änderung. Wegen des Verlusts beim Spielen heute 
abend habe ich beschlossen, alles zu behalten. Meine Drogen und 
Ihr Geld. Sie haben mich enttäuscht." Er breitete die Arme aus. „Pech 
für Sie, leider. Wenn Sie mir keine Schwierigkeiten machen, lasse 
ich Sie vielleicht gehen." 

Taylor griff nach der Waffe unter seinem Jackett. Zane hoffte 

nur, daß Whitney nicht von dem, was jetzt kommen würde, überfordert 
sein würde. „Gut lenkte er ein, „keine Schwierigkeiten. Das ist es 
nicht wert." 

Er trat auf Quinton zu, als wollte er ihm den Koffer übergeben, 

dann rammte er ihn ihm unvermittelt in den Bauch. Quinton war 
auf den Angriff nicht gefaßt gewesen und fiel rückwärts gegen 
Taylor. Aus der Waffe, die Taylor schon fast aus dem Schulterhalfter 
gezogen hatte, löste sich ein Schuß. Taylor schrie überrascht auf 
und fiel leblos zu Boden. Eine rote Blutlache breitete sich unter ihm 
aus. Zane sah nicht hin, sondern packte Whitney am Handgelenk 
und zerrte sie mit sich zum Arbeitszimmer. „Lauf schnell! Lauf!" 
schrie er. 

Whitney stolperte hinter ihm her. Zane stürzte mit ihr in das Zimmer, 

warf die Tür hinter sich zu und drehte den Schlüssel um. Ihm war 
klar, daß sie hier nicht lange in Sicherheit sein würden. 

Whitney zitterte. Alles, woran sie sich in den letzten Tagen 

geklammert hatte, war wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Sie 
starrte Zane fassungslos an. „Er hat wirklich nicht gelogen. Du bist 
ein Rauschgifthändler." 

Zane hatte keine Zeit, ihren Irrtum klarzustellen. „Darüber reden 

wir später, ja?" Er packte einen Stuhl und schlug damit die 
Fensterscheibe ein. „Los, wir müssen hier raus." 

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, schob er sie durch das zer-

brochene Fenster. Er hörte Schüsse hinter sich, und im nächsten 
Augenblick flog die Tür weit auf. Zane duckte sich und hechtete 
hinter Whitney nach draußen. Eine Kugel verfehlte ihn knapp. Zane 

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rappelte sich hoch und riß Whitney die Handtasche weg. Sie konnte ge-
rade noch sehen, wie er einen kleinen Revolver aus der Tasche zog. 

Er hatte darauf bestanden, daß sie diese Handtasche mitnahm, bevor 

sie ins Casino gegangen waren. Whitney hatte sie den ganzen 
Abend nicht geöffnet. Die ganze Zeit hatte sie nicht gewußt, daß sie 
eine Waffe bei sich hatte. Aber Zane hatte es gewußt. Er hatte gewußt, 
was passieren würde, und er hatte sie nicht gewarnt. Brachte ein 
Mann die Frau, die er liebte, absichtlich in Gefahr? Whitney kam es 
vor, als risse man ihr das Herz aus dem Leib. Sie fühlte sich wie in 
Trance. 

„Lauf, verdammt noch mal!" befahl Zane und zielte auf Reese, 

den zweiten Bodyguard. Mehrere ohrenbetäubende Schüsse 
krachten, dann fiel Zane plötzlich zu Boden und hielt sich den Arm. 
Überall war Blut, sein Blut. 

Whitney hörte sich seinen Namen schreien. Ihre Gedanken 

überschlugen sich, Bilder tauchten auf und verschwanden wieder, sie 
fühlte sich wie in einem wirren Alptraum. Anstatt wegzulaufen, 
wand sie Zane den Revolver aus der Hand. Sie hielt den Atem an 
und feuerte auf den Mann, der auf Zane geschossen hatte und jetzt 
geradewegs auf sie losstürmte. Reese hielt inne und blickte 
verwundert auf den roten Fleck auf seiner Brust. Dann sackte er 
leblos zusammen. 

Erschossen. Sie hatte ihn erschossen. Whitney zwang sich, vor 

Entsetzen nicht aufzuschreien. Ihr wurde schwarz vor Augen, und 
als sie wieder klar sehen konnte, stand Quinton vor ihr und hielt 
ihr eine Pistole an den Kopf. 

Er hatte nur wenig Zeit, um sich zu rächen, bevor man sie entdek-

ken würde. Danach würde er sich freikaufen, mit Hilfe von Geld und 
Erpressung, wie er es schon öfter getan hatte. Darüber machte er 
sich keine Sorgen, er war nur wütend. „Sie überraschen mich, Mrs. 
Russell. Sie sind mutiger, als ich dachte. Und sogar klüger. Er sah auf 
die Waffe in ihrer Hand. „Ich dachte, man hätte Ihre Handtasche 
durchsucht." 

Taylor hatte Zane zwar vor dem Spiel durchsucht, aber nicht 

daran gedacht, daß auch Whitney eine Bedrohung darstellen 
könnte. Quinton zuckte die Schultern. „Mein Fehler. Jetzt geben 

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Sie sie mir bitte." Er streckte die Hand aus und lächelte, als er sah, daß 
Whitneys Hand zitterte. 

Whitney. dachte, ihr Kopf müsse platzen. Sie bebte nicht vor 

Angst, sondern vor reiner Wut. Ihr Kopf schmerzte so stark, daß 
sie Quinton kaum sehen konnte. Vor ihr auf dem Boden lagen 
Zane und der tote Bodyguard. Ihr Magen verkrampfte sich, als sie 
beide Hände um den Revolver klammerte. Der Lauf zitterte. „Nein", 
flüsterte sie heiser. 

„Oh, zum Teufel damit!" Einen Sekundenbruchteil vorher sah sie 

in Quintons Augen, was er vorhatte. Blitzschnell ließ sie sich zu Boden 
fallen. Der Aufprall war so heftig, daß ihr die Waffe entglitt und einige 
Meter über den Boden schlitterte. Der Schuß, mit dem Quinton sie 
hatte töten wollen, pfiff weit über sie hinweg. Whitney hatte im 
selben Moment wie er abgedrückt. Sie hob den Kopf und sah 
Quinton auf dem Boden sitzen. Er hielt sich die Schulter. Blut quoll 
zwischen seinen Fingern hervor. Aus der Ferne hörte man 
Sirenengeheul. Whitney rappelte sich hoch. Der Revolver lag 
außerhalb ihrer Reichweite. 

Mit seinem unverletzten Arm hob Quinton seine Pistole auf. „Ich 

hätte Sie gleich umbringen sollen." Er zielte direkt auf sie. 

Sie würde sterben. Whitney schloß die Augen. Sie wollte nichts mehr 

sehen. In ihrem Kopf dröhnte es laut, und von weitem hörte sie, 
wie sich der Schuß löste. Sie fühlte gar nichts. Als sie die Augen wieder 
öffnete, sah sie wie in Zeitlupe, wie sich Quinton vor ihr auf dem 
Boden krümmte. „Ich glaube, heute ist ein Tag der 
Überraschungen", waren seine letzten Worte. 

Erstaunt sah sich Whitney um. Zane stützte, sich hinter ihr auf die 

Knie. Er hatte Reese Pistole in der Hand. Whitney lief zu ihm. 
Überall war Blut. Stammte alles von ihm? Sie half ihm auf und stützte 
ihn. „Bist du okay?" 

Zane wollte sie an sich ziehen, um sich zu vergewissern, daß sie in 

Sicherheit war. „Mir ging’s schon mal besser", murmelte er. „Und dir?" 

Whitney konnte nur benommen nicken. „Mir geht’s gut." Sie sah 

Zane in die Augen. „Zane, ich kann mich wieder erinnern. An 
alles." 

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15. KAPITEL 

 
Nach kurzer Zeit waren sie von einer lärmenden Menschenmenge 

umringt. Whitney erschrak, aber als sie sah, daß es nicht Quintons 
Leute, sondern ihre waren, entspannte sie sich wieder. Ein 
dunkelhaariger Mann, den Whitney als den Kellner erkannte, der 
Zane am Pool den Anruf ausgerichtet hatte, erschien als erster. 
Adams hieß er, glaubte sie. Er war neu im Justizministerium. Sie 
war fünf Jahre länger als er dort, um genau zu sein, fünfeinhalb. 

Hinter Adams kamen andere. Innerhalb von Minuten standen überall 

Streifenwagen und eine Ambulanz. Im Hintergrund sah Whitney, 
daß der Hotelmanager von einem Polizisten zurückgehalten 
wurde. Er machte keinen besonders glücklichen Eindruck. Kein 
Wunder, dachte Whitney. Goodman hatte einen seiner vermögendsten 
Spieler verloren und saß nun auf einer Rechnung von über einer 
Million, die er niemals bezahlt bekommen würde. 

Whitney erkannte noch andere Gesichter in der Menge. Die Männer 

in Zivil gehörten alle zum gleichen Einsatz. Ihrem Einsatz, ihrem 
und Zanes. Sie hatten zwei Jahre dafür geplant und sechs Monate 
mit der Durchführung verbracht. Sie wollten einen der 
hintertriebensten Rauschgifthändler der Westküste überführen, 
einen Mann, der bis vor zwei Jahren seine Spuren perfekt 
verwischt hatte und durch seine gesellschaftliche Stellung und 
einflußreiche Freunde einer Festnahme immer wieder entgangen war. 
Dann hatte ihn das Glück verlassen. Ausgerechnet seine 
Glücksbringer waren sein Verderben, gewesen. 

Bill Sheridan, für den Whitney und Zane arbeiteten, beugte sich über 

Quinton. Er legte zwei Finger an Quintons Halsschlagader und 
schüttelte den Kopf. Es wäre ihm lieber gewesen, Quinton hätte 
noch gelebt, aber sein Tod hatte auch sein Gutes. „Na, ihr zwei habt den 
Steuerzahlern ja einiges erspart. Vor Gericht muß er jedenfalls nicht 
mehr." 

Zane lehnte immer noch an Whitney. Sheridan winkte einen 

Sanitäter herbei. „Hierher!" Er mußte schreien, um in dem Lärm 
verstanden zu werden. „Euer Glück, daß Adams Sie gesehen hat, als 
Quintons Bodyguard mit Ihnen aus dem Gebäude kam", sagte er zu 

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Zane. „Er ist euch im Auto gefolgt und hat mich angerufen, so daß 
ich Verstärkung anfordern konnte." 

Zane nickte. Er hörte nur mit halbem Ohr zu. Sheridan drehte 

sich ungeduldig um. „Ich sagte hierher. Jemand ist verletzt." 

„Es geht schon wieder", erklärte Zane und lächelte matt. Seine 

Schulter brannte wie Feuer, aber er hatte an anderes zu denken. 
Whitney hafte ihr Gedächtnis wieder. Es war nicht seine Absicht 
gewesen, sie selbst darauf kommen zu lassen, daß er ihr, ohne sie zu 
warnen, die Wahrheit verheimlicht hatte. 

Zane sah sie an. Whitney war blaß. „Du erinnerst dich an alles?" fragte 

er und hoffte, daß die Lage nicht so düster für ihn aussah, wie er 
vermutete. 

Whitney war von Wut und Scham erfüllt. Zane war schuld daran. Sie 

hatte ihm vertraut. Wie hatte er sie so betrügen können? Wie 
konnte er es zulassen, daß sie mit ihm schlief, wenn sie gar nicht 
wußte, was sie tat? Wenn sie nicht einmal ganz bei Verstand war? 
Sie blickte ihn nicht an. „An alles." 

Sheridan schien erleichtert. „Das heißt, Ihr Gedächtnis ist wieder 

in Ordnung? Ich habe mir wirklich Sorgen um Sie gemacht." 
Wenigstens Sheridan freute sich. Zane hätte sich ohrfeigen 
können, daß ihm das nicht eingefallen war. 

„Ja, alles wie früher." Whitney wechselte das Thema. Sie wollte nicht 

über ihren Gedächtnisverlust oder die Dummheiten sprechen, die sie in 
ihrem Dämmerzustand begangen hatte. Es war schon so schlimm 
genug für sie. Sie nickte zu Quintons Leiche hinüber. „Das Kokain 
haben wir nicht bekommen. Wir hatten gar keine Gelegenheit zu 
einer Übergabe. Quinton wurde nach seinem Verlust beim Spielen 
ungeduldig und wollte alles für sich behalten. Einschließlich mir." 

Sheridan nickte verständnisvoll. „Das kann man ihm nicht 

einmal übelnehmen.“ 

Normalerweise ließ Whitney gern mit sich scherzen. Es war ein 

Grund dafür gewesen, weswegen sie in der Gruppe, die 
vornehmlich aus Männern bestand, so beliebt war, aber jetzt 
ignorierte sie die Bemerkung ihres Vorgesetzten. Je weniger sie an 
diese Unternehmung dachte, desto besser. Am liebsten hätte sie die 
ganze Geschichte schon hinter sich gehabt. Sie fuhr fort, als hätte 

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- 142 -

Sheridan gar nichts gesagt. 

„Ich nehme an, daß wir also dem Ungeheuer wieder mal nur 

einen Kopf abgeschlagen haben." Sie hatten darauf gehofft, 
Quinton als Kronzeugen gewinnen zu können, indem sie ihm 
Strafmilderung in Aussicht gestellt hätten. Diese Hoffnung hatte 
sich jetzt zerschlagen. Manchmal schien es ihr, als kämpften sie 
gegen eine unbesiegbare Übermacht. 

Whitney sah zu, wie zwei Sanitäter eine Plane über Quinton 

breiteten, ihn auf eine Trage hoben und fortbrachten, und sagte zu 
Sheridan: „Ein anderer wird seine Stelle einnehmen, wenn wir wieder in 
Los Angeles sind." 

Aber Sheridan konnte sie aufmuntern. „Vielleicht nicht sofort. 

Wir haben mehr, als Sie denken." Es hatte sich ausgezahlt, daß das 
Hotel dank der Abhörgeräte, die Zane und Whitney überall 
installiert hatten, unter ständiger Beobachtung gestanden hatte. 
„Wir haben Quintons Geliebte geschnappt. Sie wollte gerade in ein 
Flugzeug nach New York einsteigen." Sheridan wirkte sehr 
zufrieden. „Nach einem langen Gespräch mit ihr sieht es jetzt so 
aus, als wolle sie gegen die Zusicherung von Straffreiheit 
auspacken." Er lachte und rieb sich die Hände. „Außerdem ist sie 
viel schlauer, als Quinton offensichtlich vermutet hatte. Ich glaube 
nicht, daß er sich mit ihr abgegeben hätte, wenn er gewußt hätte, 
wie genau sie über seine wahren Geschäfte Bescheid wußte. 

„Nein", pflichtete Zane ihm bei. „Er mochte dumme Frauen." 

Er warf einen Blick zu Whitney. „Anwesende natürlich 
ausgenommen." 

Whitney konnte immer noch nicht vergessen, daß Zane seinen 

Vorteil ausgenutzt und mit ihr geschlafen hatte. „Stimmt." 

Sie machte sich nicht über sich selbst lustig. In Whitneys Ton 

hörte Zane eine Distanziertheit, die er von früher nicht kannte. Er 
wollte mit ihr reden, um ihr alles zu erklären und dort wieder 
anzufangen, wo er vor seinem Fehler aufgehört hatte. „Whitney..." 

Endlich kam einer der Sanitäter zu Zane herüber. Whitney trat 

zur Seite. Sie wollte nicht hören, was Zane zu sagen hatte, denn 
es gab nichts, was er hätte erklären können. „Laß dich 
untersuchen. Du blutest immer noch." Whitney wandte sich an 

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- 143 -

Sheridan. „Wollen Sie den kompletten Bericht gleich?" 

Sheridan schüttelte den Kopf. Sie sah sehr erschöpft aus. Danach zu 

schließen, was passiert war, mußte es eine äußerst aufregende 
Nacht gewesen sein. „Das hat Zeit bis morgen. Warum ruhen Sie 
sich nicht ein wenig aus?" 

Whitney strich sich durchs Haar. „Ja, Sie haben recht." Sie 

wollte wenigstens unter die Dusche gehen. Todmüde ging sie 
zum Hotel zurück, ohne sich noch einmal umzudrehen. 

Zane schob den Sanitäter beiseite, der immer noch mit ihm beschäftigt 

war. „Nur einen Moment." 

„Aber Ihr Arm ...", protestierte der Sanitäter. Zane achtete nicht auf 

ihn. Der Verband konnte warten, Whitney nicht. „Whitney!" rief er und 
stürzte hinter ihr her. 

Eigentlich wollte Whitney nicht mit ihm reden, aber sie blieb 

stehen, um eine Szene vor allen Leuten zu vermeiden. Steif blickte sie 
geradeaus. „Was gibt’s?" 

Sie drehte sich nicht um, lief aber auch nicht davon. Vielleicht 

war das ein gutes Zeichen. Zane hielt den schmerzenden Arm an die 
Seite gepreßt und eilte zu ihr. Als er sie erreicht hatte, war ihr Blick kühl 
und distanziert, als ob sie seinen Anblick kaum ertragen könnte. Zane 
konnte es ihr nicht verdenken. Sein Mund war trocken. Wenn er 
überhaupt noch eine Chance hatte, wäre es das Beste, ihr gleich die 
Wahrheit zu sagen. „Whit, ich weiß nicht, wie ich dir das erklären 
soll." 

Sie sah ihn unbewegt an. „Offensichtlich. Das hast du ja schon 

bewiesen. Und wenn ich du wäre, würde ich mich wieder zu dem 
Sanitäter begeben, es sei, denn, du willst deine Ehrung 
entgegennehmen, nachdem du verblutet bist." 

Zane würde nicht sterben, jedenfalls nicht an der Fleischwunde, 

die Quinton ihm verpaßt hatte. „Whit..." 

Sie wollte nichts hören. Sie hatte sich wie ein Närrin benommen, und 

er war schuld daran. Whitney wollte sich irgendwo verkriechen 
und sterben. „Wir sehen uns nachher", sagte sie und eilte davon. 
Das Geräusch ihrer Absätze verhallte in der Stille der Nacht. 

Hinter Zane tauchte Sheridan auf und sagte nachdenklich: „Sie 

sieht nicht gerade so aus, als wäre sie eben erst knapp dem Tod 

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- 144 -

entkommen." 

Zane wollte Sheridan nicht ins Vertrauen ziehen. „Es geht um 

etwas anderes." 

Sheridan zog die Brauen hoch. „Probleme?" fragte er. 
Zane sah Whitney nach, bis sie verschwunden war. „Könnte man so 

sagen." 

Sheridan mischte sich nicht in die Privatprobleme seiner Leute 

ein, aber er wollte, daß sie Arbeit und Privatleben streng trennten. 
„Bringen Sie das in Ordnung. Am besten noch vor morgen früh." Es 
war ein Befehl. „Und lassen Sie sich verbinden. Ich kann es mir 
nicht leisten, jemanden zu verlieren. Dafür hat das Justizministerium 
zuviel Geld in Ihre Ausbildung investiert." 

„Ja, Sir", murmelte Zane und sah in die Richtung, in der 

Whitney verschwunden war. Was, zum Teufel, sollte er jetzt 
machen? 

 
Zane hatte fast eine Viertelstunde vor der Zimmertür gestanden 

und seinen ganzen Mut zusammengenommen. Lieber hätte er noch 
einmal auf sich schießen lassen, als Whitney in die Augen sehen 
zu müssen. Schließlich war er schuld an allem, was er ihr angetan 
hatte. Er überlegte, ob er klopfen sollte, dann nahm er den 
Schlüssel. 

Whitney erschrak und hob die Hose vom Boden auf, die sie hatte 

fallen lassen. Eine schöne Agentin war sie, daß sie sich so leicht 
aus der Ruhe bringen ließ. Als wäre sie eine blutige Anfängerin! Ein 
Koffer und Kleiderstapel lagen auf dem Bett. Der Kleiderschrank 
stand offen und war bis auf das Hochzeitskleid leergeräumt. 

Zane versuchte, möglichst lässig zu klingen. „Was machst du?" 

Whitney sah zu ihm hin und bemühte sich, kühl zu bleiben. „Das 
siehst du doch, oder?" Sie warf ein paar Schuhe in den Koffer. „Ich 
packe, damit ich von hier wegkomme. Ich fahre morgen früh, sobald 
ich meinen Bericht abgeliefert habe. Jedenfalls soweit ich mich 
erinnere, denn ich habe immer noch Lücken, zum Beispiel die, wie 
es überhaupt passiert ist, daß ich mein Gedächtnis verloren habe." 

„Ich sollte ein Abhörgerät in Quintons Suite anbringen. Du hast 

darauf bestanden mitzukommen. Als wir fast fertig waren, kam 

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- 145 -

jemand. Wir waren im zweiten Stock in den Schlafzimmern. Der 
sicherste Weg nach draußen führte über einen Balkon. Wir waren 
fast unten angekommen, als du den Halt verloren hast, die letzten 
zwei Meter bis zum Boden hinuntergestürzt bist und dir den Kopf 
angeschlagen hast. Du sagtest, alles sei in Ordnung, aber ich habe 
dich trotzdem ins Krankenhaus gebracht. Der Arzt fand auch 
nichts, aber er hatte sich geirrt. Es war meine Schuld." Zane atmete 
aus. „Ich hätte dich nicht mitkommen lassen sollen." 

Whitney konnte sich nur schemenhaft erinnern. „Soweit ich 

weiß, hast du mir eigentlich nichts zu sagen. Ich bin dienstälter als 
du." 

Zane hob zwei Finger. „Nur zwei Wochen. Das zählte fast nicht. 

Er sah zu, wie sie den Koffer schloß und ihn neben das Bett stellte. 
Jetzt oder nie, sonst würde er noch die Nerven verlieren. „Whitney, wir 
müssen uns unterhalten." 

Sie sah ihn kurz an und konnte es kaum ertragen, daß sie diesen 

Mann geliebt hatte und dann feststellen mußte, daß er sie nur 
ausgenutzt hatte. „Das finde ich auch", sagte sie kurz angebunden. 
„Wenn wir zurück sind, reiche ich einen Antrag auf einen neuen 
Partner ein." 

Mit ihrer Entscheidung stieß sie Zane vor den Kopf. Sie waren 

Partner gewesen, seit er im Justizministerium angefangen hatte. Sie 
hatten alle Freuden und Sorgen geteilt und waren die besten 
Freunde. Wie konnte sie das alles abtun, ohne wenigstens mit ihm 
darüber zu sprechen? „Was?" fragte, er ungläubig. 

Whitney würde nicht anfangen zu weinen. Eine Trennung würde 

das beste sein. „Nun“ angesichts dessen, was passiert ist, können 
wir wohl kaum weiterhin zusammenarbeiten, okay?" 

Sie schrieb ihn also einfach ab. Gut, wenn sie es so wollte, bitte, er 

würde ihr nicht im Wege stehen. Zane nickte. „Okay, okay", 
wiederholte er leise und ging zur Tür. Er brauchte einen Drink, 
am besten gleich mehrere. 

Als er schon die Hand am Türgriff hatte, drehte er sich plötzlich noch 

einmal um. So einfach wollte er sich doch nicht hinauswerfen 
lassen. „Verdammt, es ist nicht okay!" 

Whitney blickte auf. „Wie bitte?" 

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- 146 -

Zane ging zu ihr zurück. „Ich sagte, es ist nicht okay." Seine Stimme 

wurde lauter. „Wir sollten uns nicht länger etwas vormachen." 

Erstaunt sah sie ihn an. „Wovon redest du überhaupt? Wir 

machen uns doch gar nichts vor." 

Wenn sie sich früher nahe gewesen waren, dann nur als 

Freunde, nicht als Liebespaar. Egal, was Whitney dachte, wenn sie 
nachts allein im Bett lag, sie war zu selbstdiszipliniert, als daß etwas 
zwischen ihnen hätte passieren können. Er war einfach nur ein guter 
Freund. Und jetzt nicht einmal mehr das. Es war Zeit, daß sie 
endlich beide ehrlich waren. „Nein?" fragte Zane und blickte sie 
durchdringend an. „Ich meine, als wir uns zum erstenmal sahen? 
War da wirklich nichts zwischen uns?" 

Whitney warf den Kopf zurück und sah weg. „Ich weiß nicht, 

wovon du redest." 

Zane ging um sie herum, so daß sie ihn ansehen mußte. „Dann 

ist dein Gedächtnis noch nicht wieder ganz da." 

Whitney biß die Zähne aufeinander. Was sollte das? Was erhoffte er 

sich davon? Sie warf den zweiten Koffer auf das Bett. „Oder mit 
deinem stimmt etwas nicht." 

Zane war überzeugt, daß er sich nicht irrte. „Das glaube ich nicht. Da 

war etwas zwischen uns. Jedenfalls von meiner Seite." 

„Natürlich." Sie glaubte ihm kein Wort. 
„Doch", sagte er so leise, daß sie zu packen aufhörte und sich zu ihm 

umdrehte. Sie hätte ihm gern geglaubt, aber es fiel ihr schwer. 
„Warum hast du dann nie ein Wort gesagt?" fragte sie. 

Die Antwort war einfach. Er hatte vorgefühlt, und sie schien kein 

Interesse zu haben. „Ich hatte Angst, ausgelacht zu werden." 

So schnell lachte Zane niemand aus. „Von wem denn?" 

spottete Whitney. „Den Kollegen?" 

„Von dir." Er wußte, daß es so gewesen wäre. „Du hast so hart 

gearbeitet, daß ich dachte... nun, ich dachte, du interessierst dich 
nicht für mich." Sie hatte eine klare Grenze zwischen ihnen gezogen. Er 
hatte sich damit abgefunden, daß es nur Freundschaft war, wußte aber 
wenigstens, daß er sich immer auf sie verlassen konnte. 

Whitney glaubte ihm kein Wort. „Deswegen hast du dich wohl 

mit anderen Frauen getröstet." Sie dachte nach. „Wenn ich mich 

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- 147 -

nicht verzählt habe, hattest du in den letzten sechs Jahren acht 
Freundinnen." 

Keine von ihnen hatte Zane auch nur das Geringste bedeutet. 

„Fällt dir daran gar nichts auf?" 

Sie konnte ihn nicht mehr ansehen. „Doch, daß du oft deine 

Freundinnen wechselst." 

Zane packte sie am Arm. „Nein, daß ich nicht die Richtige gefunden 

habe. Weil keine von ihnen so wie du war." 

Whitney traute ihren Ohren nicht. Wenn sie glauben sollte, 

daß... Nein, sie wußte, warum er das sagte. „Wenn du damit 
rechtfertigen willst, was hier passiert ist..." 

Ist sie wirklich so schwer von Begriff, dachte Zane, oder tut sie 

das aus Absicht? „Ich will gar nichts rechtfertigen, ich versuche nur, 
dir begreiflich zu machen, warum es passiert ist." 

So würde er sich nicht herausreden können. Wenigstens sollte er die 

Wahrheit sagen und nicht irgendwelche Geschichten erfinden. Sie hatte 
gedacht, er sei ihr Freund. „Ich weiß ganz genau, warum es passiert ist!" 
schrie sie. „Weil du endlich eine Gelegenheit hattest, mich 
auszunützen!" Sie preßte die Lippen zusammen, um nicht zu weinen. 
„Ich habe es dir auch nicht besonders schwer gemacht." 

„Soweit ich mich erinnere, hast du dich mir sozusagen an den 

Hals geworfen." 

Whitney zuckte die Schultern. „Nun, ich..." 
Zane ging zu ihr und hob ihr Kinn. In ihren Augen schimmerten 

Tränen. Es hätte ihm weniger weh getan, wenn sie ihn geschlagen 
hätte. „Ich habe dich nicht ausgenützt." 

Whitney schluckte die Tränen herunter. „Wie würdest du es 

denn nennen?“ 

„Ich hatte Glück." 
Sie zuckte zurück. Sie hätte es wissen müssen. Mit zitternden Fingern 

nahm sie das blaue Nachthemd, das Quinton bei einer 
Zimmerdurchsuchung auf die falsche Fährte hatte locken sollen. 
Sie hatte es getragen, um Zane zu verführen. Whitney errötete vor 
Scham. „Du hast es dir einfach genommen." 

„Nein!" Zane riß ihr das Nachthemd aus den Händen und warf es auf 

den Boden. „Verdammt, hör auf zu packen, und hör mir zu!" 

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- 148 -

Whitney hob das Nachthemd auf, faltete es zusammen und stopfte es 

in den Koffer. „Ich kann zwei Sachen auf einmal tun." 

„Ich nicht." Zane fluchte und riß Whitney mit seiner unverletzten 

Hand  zu  sich  herum.  Als  er  in  ihre Augen sah, verrauchte seine 
Wut. „Du bedeutest mir schon lange etwas, Whitney", sagte er 
sanft. Wie lange wollte sie noch so stur sein? 

„Ich weiß, wir sind schließlich befreundet", erwiderte sie. 
Sie machte ihn noch wahnsinnig. Er begehrte sie. Zane bemühte 

sich, nicht die Beherrschung zu verlieren. „Ja, sind wir. Und a l s  
dein Freund möchte ich dir mitteilen, daß dein Partner dich liebt." 

Whitney sah ihn verblüfft an. „Was?" 
Er wiederholte seine Worte langsam, damit er sicher sein konnte, daß 

sie ihn verstand. „Ich liebe dich." 

„Das glaube ich dir nicht." 
Damit hatte er gerechnet. „Das war immer schon dein Problem. 

Immer rennst du davon. Und jetzt schon wieder." 

Whitney runzelte die Stirn. Wovon sprach er? „Schon wieder?" 
Zane nickte. „Wie am Anfang." Als sie widersprechen wollte, ließ 

er sie nicht zu Wort kommen. „Nachdem du dein Gedächtnis 
verloren hattest, warst du anders. Immer noch du selbst, aber 
anders. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, einfach..:" 

„Ich hatte keine Hemmungen, willst du das sagen?" ergänzte 

Whitney. Sie hatte ihn ins Bett bekommen und es auch noch 
wunderbar gefunden. Aber es war alles ein furchtbarer Irrtum 
gewesen. 

„Nein", fuhr er geduldig fort, „es war, als hättest du immer schon 

ein 

.

Licht in dir gehabt, das jetzt endlich brannte." 

So kam er ihr nicht davon. Er war sechs Jahre lang ihr Partner 

gewesen, und sie wußte, wie gut er mit Worten umgehen konnte. 
„Und? Habe ich im Dunkeln geleuchtet?" 

„Immer machst du Witze, nur um deine wahren Gefühle nicht zeigen 

zu müssen." Zane durchschaute sie. Hinter ihrer abweisenden Fassade 
sah er die verletzliche Frau, mit der er geschlafen hatte. „Wovor 
hast du Angst, Whitney?" 

Sie seufzte und warf das letzte Kleidungsstück in den Koffer. „Du 

willst wissen, wovor ich Angst habe? Na gut, ich sag’s dir. Davor, 

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- 149 -

daß mir jemand in den Magen tritt. Davor habe ich Angst, denn 
das passiert, wenn man liebt: daß dir einer in den Magen tritt und 
dann verschwindet." 

Sie ließ den Kofferverschluß zuschnappen. Das hatte sie ihm 

noch nie gesagt. Nie, wenn er mit ihr über die Frauen in seinem 
Leben gesprochen hatte, hatte sie Männer erwähnt, außer einmal 
flüchtig jemanden, der ihr offensichtlich einmal sehr wichtig 
gewesen sein mußte. 

„Du mußt schlimme Erfahrungen gemacht haben." 
„Vielleicht." 
Zane hatte recht gehabt. Sie hatten sie so sehr geprägt, daß sie 

die Zuneigung, die sie von Anfang an für Zane empfunden hatte, weit 
von sich geschoben hatte. Wenn sie sie sich eingestanden hätte, 
wäre ihre Zusammenarbeit zur Hölle geworden. Sie mochte und 
respektierte ihn und hatte ihre gute Zusammenarbeit nicht durch eine 
Affäre gefährden wollen, die nicht gutgehen konnte. Sie hatte ihre 
Gefühle unterdrückt, und obwohl es ihr oft schwergefallen war, 
hatte es sich gelohnt. Jedenfalls hatte sie sich das immer 
eingeredet.  „Wenn es so wäre", wich sie aus, „habe ich jedenfalls 
gelernt, nichts mehr zu riskieren." 

Da täuschte sie sich. „Zusammen mit mir hast du täglich etwas 

riskiert." 

Das war etwas anderes. „Ich habe dich geschützt und du mich. 

Gefühle hatten nichts damit zu tun. 

Zane glaubte ihr nicht. „Doch", sagte er. „In den vier Tagen, in 

denen du von deiner abstrusen Theorie nichts wußtest, warst du ganz 
anders, viel freier. Du hast dich benommen, als würdest du mich 
lieben." Und er hatte geglaubt, daß es wirklich so war, denn seine 
Gefühle waren ebenfalls echt gewesen. 

Whitney versuchte herunterzuspielen, was passiert war. „Ich 

dachte, du seist mein Mann." 

Das kaufte er ihr nicht ab. Das ist keine Entschuldigung. Es gibt 

viele Frauen, die ihre Männer nicht automatisch lieben, und durch 
deinen Gedächtnisverlust hattest du keinen Grund zu der 
Annahme, daß du mich schon vorher geliebt hast. Ich habe ja 
sogar immer wieder versucht, dir die Idee auszureden, mit mir zu 

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- 150 -

schlafen." 

Whitney sah weg. „Um so mehr brauche ich einen neuen 

Partner.“ 

„Warum?" fragte er wütend „Erklär mir das - ich bin etwas 

langsam von Begriff." 

Whitney atmete tief durch. Warum machte er es ihr so schwer? 

Warum konnte er ihre Trennung nicht einfach akzeptieren und es 
gut sein lassen? „Weil es kein Zurück gibt." 

Zane erkannte, daß sie Angst hatte, große Angst. Sie war so wütend 

geworden, weil er bei ihr Gefühle auslöste, vor denen sie Angst 
hatte. Seine Wut verschwand und machte einer großen Zärtlichkeit 
Platz. 

„Das ist gleichgültig", sagte er und strich ihr über die Wange. 

„Warum sehen wir nicht nach vorn?" 

Wozu sollte das gut sein? „Und sind Geliebte?" fragte sie heiser. 
Zane lächelte. „Ich finde, das hört sich gut an." 
Unter normalen Umständen hätte sein Lächeln sie erweicht. 

„Nun, ich nicht. Was machen wir, wenn es ein Ende hat?" 

„Du beendest etwas, das noch gar nicht angefangen hat. Das ist doch 

sonst nicht deine Art", sagte Zane. Gewöhnlich war sie diejenige, 
die in scheinbar ausweglosen Situationen immer noch einen 
Hoffnungsschimmer sah. „Und wer sagt überhaupt, daß es jemals 
ein Ende haben wird?" 

Was wollte er von ihr? „Du willst doch nicht ewig mein Liebhaber 

sein? Gerade du?" 

Zane schüttelte den Kopf. „Nein, nicht ewig." 
Da, endlich gab er es zu. „Warum reden wir dann überhaupt davon?" 

Entnervt hob sie den Koffer vom Bett. 

„Weil ich dich heiraten möchte." 
Whitney ließ erstaunt den Koffer wieder fallen. „Was hast du da eben 

gesagt?" 

Zane schob den Koffer mit dem Fuß beiseite, ging zu Whitney 

und legte ihr eine Hand um die Hüfte. Er schüttelte den Kopf. 
„Neunundzwanzig und hört schon schlecht. Ich hoffe, du hast 
deinen Garantieschein noch nicht verloren." 

Whitney boxte ihn auf die Brust. Er wußte, daß es nur Spaß 

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- 151 -

war, denn wenn sie gewollt hätte, hätte sie ihn wirklich verletzen 
können. „Laß den Quatsch, Zane. Was soll das?" 

„Ich will sagen, daß ich keinen anderen Partner will. Niemals. 

Daß dieses Zimmer bis zum Ende der Woche bezahlt ist und wir 
genausogut hierbleiben können. Daß ein phantastisches Hochzeitskleid 
im Schrank hängt, das zu schade zum Wegwerfen ist. Ich will sagen..." 

Sie unterbrach ihn. „Willst du mich heiraten?" Whitney wußte 

nicht, ob sie ihm die Worte in den Mund legte oder ob sie für 
sich selbst sprach. 

Zane lächelte. „Ja, das auch." Er wollte sie wirklich heiraten. 
„Dann sag es." 
Er nahm ihre Hand, sah ihr in die Augen und fragte ernst: „Willst 

du mich heiraten?" 

Whitney reckte das Kinn und sagte gespielt schnippisch: „Na, 

ich weiß nicht..." 

Zane lachte und zog sie an sich. Seine schmerzende Schulter 

spürte er kaum noch. „Sei still und küß mich lieber." 

„Wird das jetzt so bleiben, daß du die Befehle gibst?" 
Er überlegte. „Nein, manchmal darfst du auch sagen sei still und 

küß mich." 

In Whitneys Augen schimmerten Tränen, aber diesmal vor 

Glück. „Warum tust du’s nicht?" drängte sie. 

Zane wollte sich ganz sicher sein. Manchmal konnte man nicht 

wissen, was sie wirklich meinte. „Heißt das, du sagst ja?" 

Sie umfaßte sein Gesicht zärtlich mit beiden Händen. Er liebte 

sie wirklich. Alles würde gut werden, so, wie er es versprochen 
hatte. „Wenn du das noch nicht gemerkt hast, mußt du wirklich 
noch einiges über mich lernen." 

Zane lächelte. „Ich freue mich schon darauf." 

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- 152 -

EPILOG 

 
Whitney hätte Zane noch Zeit gelassen, wenn er darauf bestanden 

hätte, so trunken vor Glück war sie. Sie wäre schon bei dem Gedanken 
an eine Hochzeit mit ihm vollkommen glücklich gewesen, aber Zane 
wollte sie so schnell wie möglich heiraten. Er wollte alles, was zu 
einer richtigen Hochzeit gehört: Kirche, Blumen, Musik, sogar 
Reiswerfen. 

„Das macht man nicht mehr", hatte Whitney ihm erklärt, als sie nach 

einer langen Liebesnacht erschöpft zusammen im Bett lagen. 
„Man nimmt jetzt Konfetti." 

„Solange es nicht tödlich ist, kann ich damit leben", hatte Zane 

gesagt, bevor er sich wieder auf sie stürzte. 

Und so geschah es auch. Zwei Tage später wurden Whitney und Zane 

getraut. Vor der Kirche wurden sie jubelnd von einer 
unübersehbaren Schar von Freunden und Arbeitskollegen 
empfangen, die sie mit Konfetti überschütteten. 

Als die weiße Limousine vorfuhr, die sie abholen sollte, 

flüsterte Whitney: „Wie hat Sheridan das so schnell organisiert?" 
Sie war erstaunt, mit welcher Eile alles arrangiert worden war. 

Zane blickte über die Menge zu Sheridan. „Es ist ihm eben 

wichtig, daß seine Leute glücklich sind, damit sie gut arbeiten. 
Vielleicht erwartet er als Gegenleistung unser erstes Kind." 

Whitney lachte und legte die Arme um seinen Nacken. Sie konnte ihr 

Glück kaum fassen. „Aber gültig ist die Hochzeit schon, oder?" 

Zane lächelte und zog sie an sich. „Versuch nur, dich scheiden zu 

lassen, dann wirst du schon sehen, wie 

-

gültig sie ist!" 

„Vielleicht mach ich das", konterte sie, „in hundert Jahren." 
„Das könnte ich verschmerzen." 
„Seid still und küßt euch endlich!" rief Sheridan. „Unterhalten 

könnt ihr euch später!" 

Whitney und Zane kümmerten sich nicht darum. Sie waren viel 

zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Dieses Mal gab es keine Zweifel, 
keine Sorgen. Alles war echt: ihre Liebe, ihr Glück, einfach alles. 

„Ich werde dich glücklich machen", versprach Zane und küßte 

sie. „Ich verspreche es dir." 

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- 153 -

„Das würde ich dir auch raten, nach allem, was du angestellt 

hast", neckte sie ihn und lächelte zärtlich. 

Zane hielt sein Versprechen. 
 
 

- ENDE - 

 


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